Academy Weekend – La La Land

La La Land ist der große Gewinner der letztjährigen Show. Nicht nur war der Film für 14 Trophäen nominiert, eine Anzahl die bisher nur Titanic und All About Eve schafften, sondern die letztendlich gewonnenen 6 hat auch kein anderer Film des Jahres übertrumpfen können. Best Picture hätte er auch beinahe erhalten, wenn man die falsch vorgelesene Karte durchgewunken hätte.

La La Land ist ein Musical über ein Pärchen. Mia ist eine angehende Schauspielerin, die allerdings noch keine einzige Rolle abstauben konnte. Sebastian hingegen ist Jazz-Musiker, der versucht das sterbende Genre am Leben zu halten, und eines Tages seinen eigenen Club eröffnen will. Ihr erstes Aufeinandertreffen ist auf der Autobahn von Los Angeles, auf der Mia Sebastian kurz im Weg steht, so dass der laut hupend vorbei rast und sie ihm den Mittelfinger entgegenhält.

Doch die beiden scheinen füreinander bestimmt zu sein, denn über die folgenden Wochen begegnen sie sich immer mal wieder, was in einer Stadt von 4 Millionen Einwohner schon was heißt, und über das gegenseitige Kabbeln entsteht doch eine Beziehung. Eine sehr gute und erfüllte sogar, bei der sich beide gegenseitig in ihren Träumen unterstützen. Zumindest so lange, bis Mias Bühnenstück floppt und Sebastian auf Grund von Erfolg mit einer Band, deren Musik kaum noch als Jazz zu betiteln ist, kaum noch Zeit hat.

Es ist gleichzeitig klar und merkwürdig, dass La La Land so viele Preise anhäufen konnte. Merkwürdig dahingehend, da es ein Musical über eine Romanze ist, was eher belächelnd als Chick Flick deklarierend abgetan und nicht genauer betrachtet wird. Gleichzeitig spielt der Film aber in viele Dinge hinein, welche die Academy liebt. Nämlich ordentlich Nostalgie gegenüber des vergangenen Rums Hollywoods und der Kunst allgemein. Sebastian liebt eine emotionale Musikrichtung, die am Aussterben ist. Mia möchte Schauspielerin werden, seitdem sie Klassiker mit einer Freundin nach der Schule gesehen hat. Das Los Angeles im Film soll zwar im Hier und Jetzt spielen, was Smartphones auch bezeugen, doch viel vom Look sieht eher aus wie aus den 50ern und 60ern. Mit plakatiert aufgehängten Filmstars vergangener Zeiten, mit poppigen Outfits angelehnt an Vintage der 50er und die allgemeine Kolorierung von La La Land im Stil jener Filme.

Das Musical nimmt sich zusätzlich ziemlich zurück. In der ersten Stunde, die sehr lebendig und poppig gestaltet ist, während die beiden noch zusammenfinden müssen, wird noch vergleichsweise viel gesungen. Doch im anschließenden Verlauf, wenn deren Leben dramatischer wird, habe ich mich dabei ertappt, dass ich geradezu überrascht war, wann immer ein Song begann, weil ich kurzzeitig wieder vergessen hatte, dass dies hier ein Musical sein soll.

Was natürlich auch immer gut ankommt ist der hier gezeigte amerikanische Traum. Hohe Ziele, langes Träumen, hart dafür arbeiten und du wirst es schaffen. La La Land lässt praktischerweise dabei aus, dass man zudem den richtigen Leuten seine Seele und Würde verkaufen muss, gerade im Showbusiness, weil das weniger gut aufgenommen wird. Aber natürlich ist sich der Film bewusst, dass hier nicht alles einfach letztendlich gut enden kann, und so ist die letzte halbe Stunde geradezu bittersüß. Wenn beide zwar ihre Träume erreicht haben, aber letztendlich doch nicht mehr zusammen sind, weil das Leben nun mal nie perfekt ist und einem nicht alles gibt, was man will. Mit einem sehr interessanten „What if“ kurz vor den Credits.

Am besten gefallen hat mir dann auch die erste Stunde von La La Land, wenn ich ehrlich sein soll. Wenn es noch ein sehr farbenfroher und schneller Film ist, voller Musical-Einlagen und mit witzigen Auseinandersetzungen der beiden Hauptdarsteller. Und dann in der letzten halben Stunde wieder, wenn das bittersüße Finale eingeläutet wird. Die halbe Stunde dazwischen war nicht schlecht, aber mir doch zu sehr „through the motions“ gehend.

Besonders hervorheben will ich dann aber noch mal Emma Stone. Die gute Frau ist nicht nur so charismatisch wie immer, sondern spielt auch um ihr Leben. Dass sie hierfür den Oscar Best Actress abräumen konnte, ist absolut keine Überraschung für mich. Die Nomination als Best Actor für Ryan Gosling ist da schon merkwürdiger gewesen. Der ist wie immer recht hübsch anzusehen, und ein schlechter Schauspieler nun wirklich nicht, aber eine Leistung wie seine Co-Schauspielerin liefert er bei Weitem nicht ab.

Das ich zugegeben mit Musicals auch viel anfangen kann, sei hier noch mal erwähnt. Denn ich fand La La Land einen richtig unterhaltsamen Trip. Wie gesagt in der ersten Hälfte sogar etwas besser noch, als in der zweiten, wenn er sich darauf besinnt, dass er vielleicht doch nicht so oberflächlich bleiben sollte, aber das Ende macht das eh wieder wett.