Parasite: A Tale of Two Houses

2020 ist doch das perfekte Jahr, um ins Kino zu gehen. Zumindest ins sommerliche Open Air Kino mit schön viel Abstand und frischer Luft zwischen um einen herum. Zumal es die perfekte Zeit ist, um verpasste Blockbuster nachzuholen, weil eh nichts Aktuelles läuft, sondern stattdessen alle drei Tage ein neuer Klassiker rotiert. Wie für mich auch letztendlich den Oscar-Abräumer des Frühlings, das vier Auszeichnungen gewinnende Parasite aus Korea.

Die Familie Kim wohnt ärmlich. In einer Gosse eines Armenviertels, in einer stinkende und schlecht beleuchtete Kellerwohnung, bei der durch die auf Straßenhöhe befindlichen Fenster jeder Dreck reinzieht. Sowohl die Eltern wie auch die beiden Kinder sind arbeitslos. Die Telefone abgestellt. Wifi wird sich von anderen Wohnungen gestohlen.

Da kommt es zu einem Lichtblick. Ein Freund des Sohnes Ki-Woo geht ein Jahr ins Auslandsstudium und bietet ihm an, ein gutes Wort als Nachfolger für den Englischunterricht einer Tochter aus reichem Hause einzulegen. Dass Ki-Woo gar kein Unistudent ist, muss man dabei ja nicht erwähnen, immerhin wird er es, sobald er es sich leisten kann, demnächst ja sein.

Bei der reichen Familie Park angekommen, die wie in einer eigenen abgeschotteten Oase hinter den festen Mauern ihres Grundstücks haust, wickelt Ki-Woo die Mutter auch schnell um seinen Finger und bekommt den Job als Nachhilfelehrer. Als beim Smalltalk fällt, dass der junge Sohn des Hauses künsterlisch veranlagt aber ein Problemkind ist, hat Kim-Woo seine Schwester Ki-Jung ebenfalls schnell unter falschen Tatsachen als Kunsttherapeutin eingeschleust. Jetzt noch schnell den Fahrer und die Haushälterin unter Verleumdungen rausschmeißen lassen, und schon arbeitet die ganze Familie Kim bei den gut bezahlenden Parks.

Dank der Naivität der Parks haben die gerissenen Kims leichtes Spiel mit der Familie. Ki-Woo bandelt sogar mit der Tochter an, um später in den reichen Haushalt einheiraten zu können. Alles scheint nach Plan zu laufen. Zumindest bis die Parks einen Camping-Ausflug machen und die Kims es sich in deren Villa richtig gut gehen lassen. Denn plötzlich steht die vorige Haushälterin vor der Türe. Sie hat nämlich was im Keller vergessen. Ihren im geheimen Bunker lebenden Ehemann. Ab da geht alles bergab.

Parasite ist ein interessanter Film. Er beginnt im Prinzip wie eine schwarze Komödie. Wie sich die Kims mit viel Charme und Witz und leichtfüßiger Hinterhältigkeit zu klassischer Musik in das Leben der Parks bugsieren, ist echt zu viel Schmunzlern gut. Genau wie die Parks sich so weltfremd auf einige Situation verhalten. Und dann, mit der Offenlegung des Geheimnisses im Keller kippt alles. Der Kampf zwischen den beiden ärmlichen Familien verwandelt den Film in einen dramatischen Thriller, aus dem keiner verschont hervorkommen kann, und es nur darum geht, wie lange die Endeskalation noch aufgeschoben werden kann. Der Film legt vom Ton her eine komplette Metamorphose hin.

Als Lackmustest zur Beurteilung des Charakters von denen, die den Film geschaut haben, dient übrigens immer gerne die Frage „Wer ist der Parasit?“. Wer hier mit den Kims antwortet ist Teil der Bourgeoisie, des Problemes. Ohne Empathie für jene, denen es schlecht im Leben geht. Wer identifiziert sich schon mit den Reichen, den habenden Parks? Nein nein, die richtige Antwort ist doch, dass die Parks die Parasiten sind, die ohne die Ausbeutung der Arbeitskraft der von ihnen abhängigen Kims ihr Leben nicht auf die Reihe bekommen würden. Wozu gibt es immerhin die kurze Szene, nachdem die alte Haushälterin rausgeworfen ist und bevor Mutter Kim als neue eingestellt wird, in der Frau Park hoffnungslos am Haushalt scheitert? Das stimmt schon.

Allerdings verstehe ich, wie man die Kims als die Parasiten sehen kann. Wie sie sich in die unbedachte Familie Park einschleichen und sie ohne Skrupel ausnutzen. Sehe ich das so, weil ich nicht Teil des Proletariats bin und nie ernste Geldsorgen hatte oder in einer Bruchbude dahingesiecht habe? Möglich. Dennoch möchte ich den Gedanken in den Raum werfen das, ja, die Kims können genauso gut wie die Parks als Parasiten angesehen werden. Und das dies den sozialen Kommentar um die kapitalistische Klassengesellschaft des Filmes nicht kaputt macht. Denn wenn die Kims Parasiten sind, dann weil sie es sich nicht anders leisten können. Sie müssen die Parks ausnutzen, wenn sie nicht langsam in ihrer Bruchbude eingehen wollen. Mutter Kim sagt nicht zu unrecht, dass die Parks immer so nette und naive Menschen sind, weil sie es sich leisten können. Weil sie nicht permanent ums Überleben kämpfen müssen. Und das, wie die Auseinandersetzung mit der ehemaligen Haushälterin und ihren Mann zeigt, zum Großteil im Kampf mit anderen Leuten aus der Unterschicht.

Die Parks haben nichts zu verlieren. Sie werden interessanterweise im Film nie als wirklich üble Menschen gezeigt. Oder als ein Menschenschlag, der partout andere zur eigenen Verbesserung ausnutzt. Denn sie sind schon in der Oberschicht angekommen und können es sich im Gegensatz zu den Kims leisten sich chilliger zu verhalten. Ihr Verbrechen ist eher eines von Ignoranz und Vernachlässigung. Sie kümmern sich schlichtweg nicht um ihre Angestellten. Dass der komplette Haushalt der Parks eigentlich eine Kontinentalverschiebung durchgeht, nachdem alle Angestellten in kürzester Zeit komplett ausgetauscht werden, ist gar keine Sache. Für sie sind die austauschbar und niemand spricht je über die langjährigen vorigen Bediensteten, nachdem sie entlassen wurden. Herr Park sagt sogar ein Mal zu seiner Frau, dass bisher mit den neuen alles gut läuft, weil sie noch keine Grenze überschritten haben, auch wenn der Körpergeruch des Fahrers dem schon sehr nahe kommt. Dies zeigt, wie schnell es geschehen kann, von den Parks wieder rausgeworfen zu werden, ohne das die sich groß was dabei denken. Weil eventuell ein ungeschriebener und arbiträrer Deal Breaker vollzogen wurde, von dem keiner was wusste.

Eben weil die Parks nicht übertrieben schurkisch chargieren, entzieht sich die Geschichte der häufigen Fallgrube, dass dies ein an Menschen festgemachter Einzelfall ist. Stattdessen kommen wir dahin zurück, dass im Sinnbild dieser zwei Familien das eigentlich inhärente Problem der Klassengesellschaft aufgezeigt wird. Eine Gesellschaft, in der Reiche ganz natürlich und unbekümmert ihre Angestellten als austauschbare Arbeiterbienen ansehen, weil das als selbstverständlich angesehen wird. Als etwas, was gar nicht hinterfragt werden muss. Währen die Kims zu sehr damit beschäftigt sind um ihr Überleben und gegen andere aufstrebende Arme um die wenigen Möglichkeiten, die ihnen gegeben sind, zu kämpfen. Über gesellschaftliche Probleme philosophieren zu können bleibt da gar keine Zeit. Das System an sich ist der Schurke.

Whispering Corridors: Part Deux

ava-1845Der dritte Whispering Corridors, Wishing Stairs, hat seinen Namen von einer Treppe auf dem Campus einer Girls only Kunsthochschule, die eigentlich 28 Stufen zählt, der Legende nach einem allerdings einen Wunsch erfüllt, wenn man die 29. erreicht und sich was beim Fuchs wünscht.

Die drei Mädels, um die es diesmal geht, sind So-hee, Jin-sung, und Hye-ju. So-hee und Jin-sung sind beste Freundinnen, aber in einer Freundschaft, die scheinbar nur funktioniert, weil Alpha So-hee hübscher und talentierter ist, und immer den Ton angeben darf. Beide sind in der Ballett-Klasse, und So-hee eindeutig die Beste. Dabei schert sie sich nicht mal sonderlich drum, sondern wird von ihrer Mutter dazu gezwungen, derem unerreichten Traum nachzutanzen. Jin-sung ist sichtlich mehr und mehr genervt davon, ständig die zweite Geige zu sein, vor allem da sie so viel lieber Nummer Eins im Ballett wäre. Also wünscht sie sich beim Fuchs, dass sie den Wettbewerb um die Rolle der Giselle gewinnt. Sie bekommt die Giselle auch, obwohl jene eigentlich wieder So-hee zugesprochen wurde, denn bei einem anschließenden handgreiflichen Streit der beiden Freundinnen fällt So-hee die Treppe runter und verstirbt kurz darauf.

Macht Jin-sung natürlich nicht sonderlich beliebt, so als Mörderin der beliebtesten und begabtesten Studentin verschrien zu sein. Schon gar nicht bei der psychisch leicht gestörten Hye-ju, die wegen ihrer Fettleibigkeit und ihrem schrägen Verhalten eigentlich keine Freundinnen hat, sich aber ausgerechnet So-hee als solche zurecht fantasierte. Hye-ju wünscht sich beim Fuchs, dass So-hee zurückkehrt. Macht die dann auch, als rachsüchtiger Geist, der von Hye-ju Besitz ergreift.

Ich mag die Charaktere in den Whispering Corridors wirklich. Nicht mal so enorm auf Sympathie meinend, sondern einfach, weil sie tatsächlich wie echte Menschen geschrieben sind. Weder So-hee noch Jin-sung sind komplett unschuldig, noch tun sie wirklich irgendwas aus echter Boshaftigkeit, sondern sie sind halt Teenie-Mädels, die manchmal etwas unüberlegt und unberechenbar sind. Das ist natürlich ganz gut so, denn erneut verbringt die erste Stunde von Wishing Stairs mehr mit dem Drama um den Schulalltag der Mädels, bevor der Geist wirklich in die Geschichte gerät. Mit Hyue-ju Mitleid zu haben ist da schon etwas schwerer. Sie ist nicht wie das Mädel in Memento Mori, die hauptsächlich gemobbt wurde, weil sie eine Lesbe ist und so beliebt beim Lehrer, denn alle so toll finden, sowie etwas unnahbar war. Hyue-jue agiert wie eine Geisteskranke und frisst wie ein Schwein, da ist es eher kein Wunder, dass keiner so wirklich was mit ihr zu tun haben will, und gerade auf einer Schule voller Teens wird dann auch schon mal gelästert. Victim Blaming hin oder her, in der Öffentlichkeit sollte man die Psychosen vielleicht erst mal etwas auf Sparflamme halten, wenn man eben nicht als Psycho verschrien sein will.

Wishing Stairs ist übrigens der erste der Filme, der dann, wenn er es endlich ins Horrorabteil des letzten Drittels schafft, auch tatsächlich leicht unheimlich ist. Das haben die vorigen Filme nicht so geschafft, weil der Geist im Ersten kaum was macht, und im Zweiten auch hauptsächlich vom Publikum angefeuerte Rache übt. In Wishing Stairs macht das tote Mädel ein wenig mehr, auch wenn die meisten Geisterscheinungen ziemlicher J-Horror-Standard sind, so sind sie diesmal zumindest schon mal vorhanden. Ich mag die Handlung von Memento Mori weiterhin ein Stück weit mehr, aber an Geisteraction ist Wishing Stairs bisher am Weitesten vorn, was auch immer das wert ist.

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Der vierte Film, Voice, beginnt mit Young-eon, die im Schulchor ist, und ihrer Freundin Seon-min einen Korb fürs gemeinsame Nachhausegehen gibt, um ihren Gesang etwas weiter zu üben. Dann erschrickt sie ein weiblicher Geist, jagt sie etwas den Gang herunter, und bringt sie um. Oder nicht? Denn plötzlich erwacht Young-eon am nächsten Morgen in der Schule. Nur kann sie niemand sehen oder hören… denn nun ist sie ein an die Schule gebundener Geist. Das sie niemand wahrnehmen kann stimmt allerdings auch nicht ganz, denn zumindest die beste Freundin Seon-min kann Young-eons Stimme hören.

Über Voice zu schreiben ist schwer, denn innerhalb Rekordzeit hat der Film unseren Hauptcharakter umgebracht und etabliert, dass sie nun ein Geist ist. Was danach kommt… ist nicht mal so sonderlich viel, obwohl das Ding mehr als anderthalb Stunden Spielzeit aufweist. Ich mein, sicherlich, die Whispering Corridors sind alle eher langsame Filme, aber Voice ist da wirklich bisher der gemächlichste.

Weil er eben auch nicht so sonderlich viel zu erzählen hat, wenn man es genau betrachtet. Das große Geheimnis ist natürlich, was mit dem vorigen Geistermädchen passiert ist, und warum die ausgerechnet Young-eon umgebracht hat, denn bisher und auch hiernach wird (fast) kein anderer mehr vorm Finale versterben, auf weitere Kills kann man also die meiste Spielzeit über auch nicht hoffen. Stattdessen spielt eine lesbische Beziehung zu der Gesangslehrerin eine Rolle, aber auch hier wird eigentlich nicht viel draus gemacht. Es ist schon seltsam, wie wir später mitbekommen, dass jene wohl mehr oder weniger ein offenes Geheimnis in der Schule war, aber keiner groß sich drum scherte? Erneut, ein wenig Mobbing-Backstory gib es ganz gegen Ende, wenn sich alles langsam auflöst, aber den Großteil des Films über schikanieren sich weder die Mädels unter sich, noch die Lehrer die Schülerinnen, somit bleibt auch das von der Serie gewohnte Schuldrama weitestgehend auf Sparflamme.

Ganz am Ende wird es etwas Silent-Hill-esque, im Sinne von alles etwas auf den Kopf zu stellen, was wir über die Charaktere zu wissen glaubten, und ob sie wirklich so brav sind, wie das bisher dargestellt wurden, aber bis dahin vergeht eine Menge Zeit, die mit sehr wenig gefüllt wird. Was etwas schade ist, denn die gelegentlichen Geisterscheinungen sind alle ganz nett gemacht, nur führen halt lang zu nix. Irgendwie ist man immer in Erwartung eines „jetzt aber“s, so wirklich einen Gang hoch schaltet der Film aber mal wieder erst auf die finalen 20 Minuten. Ich glaube, wenn er nur 70 Minuten lang gewesen wäre, wäre das besser für ihn gewesen. Denn das Grundkonzept ist gar nicht so übel und geradezu kreativ, jemanden folgend, wie er vom verwirrten Frisch-Verstorbenen zum rachsüchtigen Geist transformiert.

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A Blood Pledge beginnt… mit einem Bluteid, einem Suizidpackt von Mädels, die darauf schwören sich gemeinsam vom Dach zu stürzen. Tod ist am nächsten Tag aber nur Eon-joo. So-hee und den beiden anderen schlägt jedoch ziemlich schnell der geballte Hass der anderen Schülerinnen entgegen, da die sich bereits denken können, dass da was nicht stimmt. Besonders So-hee, war sie doch Jahrelang die beste Freundin von Eon-joo, bis sie jene plötzlich zu ignorieren begann, als sie mit den anderen beiden rumzuhängen anfing.

Und damit kommen wir zum bisher letzten Film der Whispering Corridors um an Mädchenschulen umgehenden Geistern, die meisten von einer besten Freundin verraten wurden oder sich zumindest verraten fühlen. A Blood Pledge ist wohl tatsächlich der spannendste der Filme, was ironischerweise schon alleine daran liegt, weil er am Konventionellsten ist. Mädchen stirbt, Mädchen nimmt Rache an falschen Freundinnen, und am Ende kommt raus, dass da doch ein wenig mehr hinter gesteckt hat. Aber wirklich kompliziert wird es nie, und auch das Ding am Ende kann man sich schon weit voraus denken.

Unspannend macht dies den Film allerdings nicht gerade, da wir hier den so ziemlich aktivsten Geist haben, der am meisten Leute über den Jordan bringt. So viele Scares und Blut gibt es in keinem anderen Film, so untypisch zur Sache geht es annähernd höchstens noch in Teilen von Wishing Stairs. Das bedeutet natürlich auch, dass das für die Serie eigentlich so charakteristische Drama hinten anstehen muss, wenn wir auch immer noch einige Einblicke in die Problematik der Mädels bekommen: Leistungsdruck, prügelnde Eltern, ungewollte Schwangerschaft. Fast etwas seltsam, dass der Film, der die inneren Gefühle der Mädels am Wenigsten beachtet, ausgerechnet jener ist, der sich um Selbstmord dreht. Man sollte meinen, dies sei ein gefundenes Fressen für eine Reihe, die gern mal eine Stunde nur Charaktere über sich und ihre Probleme labern lässt, bevor der Geist überhaupt auftaucht.

Letztendlich stört das ja aber nicht wirklich bei einem Film, der schon recht gut unterhält. Eben einfach deswegen, weil er am wenigsten Leerlauf dazwischen bietet. Wie gesagt, A Blood Pledge und Wishing Stairs sind wahrscheinlich schon deswegen am einfachsten genießbar, weil sie etwas gewöhnlicher Horror statt hauptsächlich unvorbereitet Drama sind, auch wenn das eigentlich den besonderen Vibe der Serie ausmacht. Wenn ich mich noch mal durch die Reihe schauen würde, würde ich jedenfalls jene zwei Einträge nicht überspringen. Den ersten Whispering Corridors, und das vierte Voice schon eher.

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Whispering Corridors: Part Un

ava-1836Als ich vor gut 10+ Jahren voll mit dem Rest des Landes auf der J-Horror-Welle schwamm, und auch so ziemlich alles, was halbwegs aktueller ostasiatischer Supsens-Horror war, lizenziert und auf DVD verwurstet zu werden schien, flog mir auch ein Film mit dem Namen Memento Mori ins Haus, der überraschend mehr Drama denn Horror war, auch wenn er als solcher vermarktet wurde. Was ich auch sehr schnell herausfand ist, dass dies der zweite Film in einer ganzen koreanischen Franchise ist, die damals bereits drei Filme zählte. Mittlerweile sind deren sogar fünf, und wir schauen sie uns mal alle an.

Zusammenhängen tun die Filme eh nicht, sondern sind lediglich verbunden über das Thema der an Mädchenschulen umgehenden Geister. Und zentral steht meistens ein Mädchen-Duo, die beste Freunde oder mehr sind. Im Falle von Whispering Corridors wären das die medial begabte Ji-oh und Mauberblümchen Jae-yi, wobei aber auch die junge Lehrerin Eun-young wichtig ist, da sie selbst als Schülerin auf der Schule die beste Freundin des gestorbenen Mädchens war, die nun als Geist die fiesen Lehrer umbringt.

Genau genommen ist auch Whispering Corridors nur im Opener und dann aufs Finale wieder so richtig Geister-Horror, dazwischen mehr Schuldrama und Sozialkritik am (damaligen) koreanischen System. Wenn alles was zählt der Erfolg ist, nicht die Mittel die dorthin geführt haben. Wenn man über Missstände nicht zu reden hat, weil es ein schlechtes Licht auf alle wirft. Die Lehrer in Whispering Corridors sind ständig verbal und punktuell auch physisch am Drangsalieren der Schüler, einer schreckt nicht mal vor sexueller Belästigung zurück. Und alle bekommen es mit, aber es ist halt diese „was soll man schon tun, es ist halt so“ Stimmung gegenwärtig. Ein Mädchen bringt sich auf Grund des Leistungsdrucks um, ein anderes meint sobald sie es auf die beste Uni geschafft hat wird sie eh nie wieder lernen, weil davon einen Abschluss zu haben ist eh ein goldenes Ticket, über die genaue Leistung schert sich keiner mehr, es zählt nur die Reputation auf ihr gewesen zu sein.

Von daher ist Whispering Corridors ein echt guter und cleverer Titel für den Film. Abgesehen davon, dass er sowieso Interesse weckt, wenn man ihn hört. Denn er kann sich gleich auf drei Dinge beziehen: Das Flüstern des Geistes nachts in den Schulgängen, das Tuscheln der Schülerinnen unter sich, und natürlich die „hush hush“-Attitüde zu den Missständen in der Schule.

Weniger clever ist die Geistergeschichte an sich. Letztendlich war es nur ein „meine beste Freundin hat mich (scheinbar) verraten, und ich bin bei einem Streich ums Leben gekommen, jetzt suche ich die Schule heim“ Sache, mehr oder minder zumindest, ohne große Besonderheiten. Außerdem will der Film es zu einer großen Überraschung machen, welche der Mädchen wirklich der Geist ist, macht es aber knapp eine halbe Stunde im Film schon sehr offensichtlich. Ich mein, sobald der zweite Flashback auf ihre Schulzeit gezielt nicht ihr Gesicht zeigt, ist das die erste rote Flagge dahingehend, dass es eine Überraschung sein soll, wer sie wirklich ist, und die beiden offensichtlichen Mädels nur rote Herringe sind. Wenn dann ein Teenie-Mädel auch noch meint, sie hätte das Malen vor langer Zeit aufgegeben, ist klar, dass damit ihr Tod vor 10 Jahren gemeint ist, und schon wissen wir, wer der Geist ist.

Und das nimmt einem Film, der seinen Geist sowieso nur direkt zu Beginn und dann wieder gegen Ende jemanden umbringen lässt, und zwischendurch stattdessen Schuldrama auffährt, irgendwie dann noch den letzten Rest an Spannung. Zumal der Geist zwar mordet, aber dies nie sonderlich unheimlich aufgezogen ist. Da ist dann der erste Whispering Corridors wirklich etwas blah geworden.

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Auch Mememto Mori hat praktisch gleich drei Hauptdarstellerinnen: Sportlerin Shi-eun und die reife Hyo-shin, die eine Beziehung miteinander führten, aber in letzter Zeit die Bindung gebrochen haben, und dann deren Mitschülerin Min-ah, die das gemeinsame Tagebuch der distanzierten Liebenden findet und so nachlesen kann, wie sich das alles entwickelt hat.

Das geht auch hier übrigens eine gute Stunde so, mit mehr oder minder Schulalltag der Mädels, ihren Querelen untereinander, und die wachsende und brechende Liebe zwischen den beiden Mädels, sowie eine Beziehung zu einem Lehrer und der zu erwartenden Schikane, wenn rauskommt, dass zwei Mädels an einer koreanischen Mädchenschule Lesben sind. Erst nach der Hälfte des Filmes stürzt sich eine der beiden vom Dach und selbst dann dauert es wie gesagt noch mal zehn Minuten, bis zur Stundenmarke wirklich die Geisterscheinungen anfangen und der Film einen Gang hoch schaltet, nun endlich raus kommt, was wirklich Schlimmes geschehen ist. Für die finalen 15 Minuten schaltet er dann noch mal komplett hoch, in dem der Geist die komplette Schule in schiere Panik versetzt.

Macht Memento Mori zum spannenderen Film, schon alleine weil mehr abgeht, gerade eben auf jenes Finale hin, und auch weil er besser inszeniert ist, vor allem auch was die tolle Begleitmusik angeht. Dennoch sollte man sich natürlich bewusst sein, dass die Sache mit dem Geist eher eine Begleiterscheinung ist, schon mal gar nicht unheimlich wird, und es immer noch ein sehr langsamer Film bleibt, gerade eben auf seine erste Stunde, der wesentlich mehr aufs Drama der Geschichte setzt. Und man muss ein wenig aufpassen, denn die Dinge sind nicht chronologisch erzählt, sondern springen gern in den Flashbacks kreuz und quer durch die Timeline, ohne immer gute Indizien zu geben, wo wir jetzt genau sind. Ehrlich gestanden hab ich selbst nicht ganz verstanden, warum der Geist dann letztendlich beschwichtigt ist.

Whispering Corridors ist eben eine Serie, die stark von urbanen Mythen geprägt sind. Jene Gruselgeschichten, die sich auf (ostasiatischen?) Mädchenschulen gern erzählt werden. Von wegen „da gab es mal vor X Jahren ein Mädchen, die hatte tragische Geschichte Y, kam ums Leben, und haust nun in der Toilette, um dich beim Pinkeln zu erschrecken“, nur das die Whispering Corridors eben das Miterleben jener Geschichte ist, die erst zur düsteren Legende geführt hat.

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D-War

ava-1547Möhr Drachen, fuck yeah! D-War, auch bekannt als Dragon Wars oder D-War: Dragon Wars, um beides gleich miteinander zu verbinden, ist ein Südkoreanischer Film, auch wenn man ihm das fast nicht anzusehen mag. Denn er spielt fast komplett in Amerika mit kaukasischen Akteuren.

Es ist so, dass es eine Legende gibt, nach der alle paar Jahrhunderte ein Mädchen geboren wird, deren Berührung Schlangen in Drachen verwandeln kann. In der letzten Inkarnation hat jene sich verliebt, dann kam eine böse Armee an, hat alles mit ihren auf Sauriern angebrachten Kanonen bombardiert, weswegen sich die beiden Liebenden lieber umbrachten, als dazu gezwungen zu werden, die böse Riesenschlange in einen allmächtigen Drachen zu verwandeln.

Ethan ist die Wiedergeburt jenes Mannes, Sarah die des Zaubermädchens. Und er ist damit beauftragt, sie zu beschützen, wofür er sie allerdings zunächst ausfindig machen muss, was er erst jetzt, 15 Jahre später in Angriff nimmt, weil… warum war das noch mal? Ach ja, weil er an einer Unfallstelle eine große Schlangenschuppe entdeckt hat, die zur bösen Riesenschlange gehört.

Er findet sie dann auch, aber die böse Riesenschlange ist dann auch schon auf deren Fersen und jagt die beiden durch L.A. Und derweil hat der Anführer der Bösen, den die beiden in Alpträumen bereits gesehen haben, zur Not gleich auch noch seine ganze Armee aus schwarzen Rittern auf Dinosauriern, den Kanonen-Dinos und auch kleinen Drachen rüber gebracht, damit sie beim Auffinden helfen. Wie auch immer eine ganze Armee beim Kampf gegen die US-Army in Downtown L.A. das schaffen soll. Aber die Riesenschlange hat eh ein gutes Näschen, oder besser gesagt Züngchen, weil Schlangen ja darüber „riechen“, so dass sie die beiden immer wieder aufspürt, egal an welche neue Lokalität sie zwischen zwei Cuts gewarpt sind. Und irgendwie gelangen die dann auf das Dach des großen Hochhauses im Zentrum der Stadt, dessen Namen nie jemand weiß, aber L.A. hat halt kein ikonischeres Gebäude. Und dort stellt die Riesenschlange sie, aber dann sind sie doch wieder in den Straßen, nur um anschließend in eine Fantasywelt a la Mordor zu sein. Wie gelangen sie da noch mal hin? Auf jeden Fall benutzt Ethan dort sein Amulett, um die ganze Böse Armee zu pulverisieren, was er vielleicht schon mal etwas früher hätte machen sollen, aber die böse Riesenschlange ist noch da, jedoch schaltet sich dann aus dem Nichts eine gute Riesencobra ein, die mit ihr kämpft, was etwas verwirrend ist, weil die beiden Viecher genau gleich aussehen, nur das die gute etwas heller ist. Und Sarah opfert sich, um die Gute Schlange in den Drachen zu verwandeln, und damit ist alles gut, weil die böse Riesenschlange besiegt wird und wenn Ethan dann auch irgendwann mal den Weg alles Vergänglichen geht, sehen sich die beiden ja in der Nachwelt eh wieder.

Ach ja: Spoiler.

Wenn meine komplette Handlungsbeschreibung etwas wirr klingt, dann liegt das daran, dass D-War ein verdammt wirrer Film ist, was etwas bizarr ist, da er auch unglaublich konventionell ist. Die Handlung geht immer grundsätzlich in die Richtung, in der man sich denken kann, dass sie dorthin als nächstes gehen wird, aber die einzelnen Szenen wirken dabei dennoch irgendwo zusammenhanglos, der Schnitt des Filmes ist einfach merkwürdig, so das man sich ständig fragt, warum die jetzt wo genau sind, tun was sie tun, und ob man nicht versehentlich zwei Brückenszenen übersprungen hat. Erstaunlich verwirrend, dafür das der Film keinerlei Originalität bietet, sondern fröhlich Einklauen geht. Die Szenen mit der schwarzen Armee schauen genau wie das Finale aus, als wären sie direkt aus einem Herr der Ringe Knockoff, dazwischen haben wir Szenen, die direkt aus einem höher budgetierten Asylum-Monsterfilm stammen könnten, und für die gewisse Würze gibt es auch noch ein wenig Drahtseilakrobatik a la Tiger and Dragon in den Flashbacks.

Aber das der Film wahrscheinlich ziemlich dämlich wird kann man sich schon denken, sobald man das Cover mit der riesigen CG-Schlange, die am Wolkenkratzer hängt, sieht. Was für einen Unterhaltungswert bietet denn D-War letztendlich, wenn man das Hirn ausschaltet und das Popcorn mit Bier runter spült? Nun, ist schon ganz ok. Das Schauspiel ist leider ziemlich tot, statt erheiternd-schlecht, aber die CG-Biester sind ziemlich cool und es geht auch schön viel zu Bruch oder hält spontane Explosionen parat. Das die Kontinuität so wirr wirkt, dämpft das Vergnügen halt etwas, weil im Versuch die Lücken zu brücken das Hirn eventuell doch wieder anspringt und man den ganzen Blödsinn nicht mehr ganz so gutherzig hinnehmen kann.

Bleibt also etwas zwiespältig, aber soweit trashige Riesenmonster gehen, ist D-War immerhin unterhaltsamer, als 95% der Asylum und Syfy Produktionen, und auch besser als die langweiligeren Einträge der Kultfavoriten Godzilla oder Gamera – jedoch weit davon entfernt wirklich unter den besseren Filmen gezählt zu werden. Somit ist und bleibt die beste südkoreanische Monsteraction The Host vorbehalten.

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Doomsday Book

Bei Doomsday Book handelt es sich um einen noch ziemlich frischen koreanischen Film über, wie sollte es auch anders sein, das Ende der Welt. Oder zumindest wie die Menschheit auf ihr eigenes Ende zusteuert. Ist ein bekannt beliebtes Thema, Weltuntergangsstimmung geht sowieso immer.

Aber Doomsday Book ist auch eine Anthologie, nämlich aus 3 verschiedenen Geschichten, alle angesiedelt in der häufig nicht allzu fernen Zukunft (sofern man dies sagen kann, zumindest die erste und dritte Geschichte könnten genauso gut auch unser Jetzt sein) und haben grundsätzlich keine Relation zueinander.

Brave New World widmet sich unserer aktuellen Konsum- und vor allem Müllgesellschaft. Wir folgen einem jungen Mann, der seinen ziemlich ekligen Abfall entsorgt. Und dann den Essensabfällen davon, wie sie zu Tierfutter verarbeitet werden und so über Schlachtung und Auslieferung wieder auf unseren Tellern landen. In einer Kultur, in der Kulinarisches wieder sehr beliebt ist und jedes zweite Blog voller Schnappschüsse der aktuellen Kreation ist, fressen wir unseren eigenen Müll. Und genau über diesen Weg stecken sich die Leute mit einer neuen Krankheit an, die zu einer Epidemie wird und alle in Rage-Zombies verwandelt. Ayup.

Heavenly Creature geht nun in eine andere, bewusst ruhige, Richtung, ohne Action oder Humor und mit viel Gequatsche. Widmet sich diese Folge doch einem Roboter, der im buddhistischen Tempel, in dem er aushilft, zum Mönch wird und versucht, das Nirwana zu erlangen. Was resultiert ist der übliche Exkurs mit Philosophierei darum, was die Existenz definiert und wie religiöse Erleuchtung erlangt werden kann.

Das letzte Kapitel, Happy Birthday, ist dann sowohl die dramatischste, wie auch die absurdeste und witzigste der drei Geschichten, endend mit der pragmatischen Antwort, warum ein gewisser Gegenstand, um den es hier geht, kaputtgegangen ist (als Parabel natürlich, warum die Welt untergegangen ist), dass es vielleicht einfach an der Zeit dafür war.

Ein echt interessanter Film ist Doomsday Book geworden, mit drei stilistisch sehr unterschiedlichen, kurzweiligen Episoden. Mal ein sozialkritischer Horrorfilm über die Zombie-Apokalypse, dann einen esoterischen Gedankenexkurs bis hin zu einem absurd-witzigen Grund, warum die Welt endet. Man bekommt von der kompletten Palette an Unterhaltungswert was geboten. Ich zumindest hab ihn echt gern gesehen, geschmunzelt, gestaunt, nachgedacht. Ein SciFi-Weltuntergangsfilm aus dem ostasiatischen Celluloidbereich, den es zu Sehen allemal wert ist.

The Ring Virus

Das Ring-Universum ist ein Großes. Vom Buch zum Film, zum Remake, zum Manga, zu Wasauchsonstnoch. Doch schon alleine nur die Filme betrachtet, gibt es mehr, als wahrscheinlich nötig wäre. Vor den 4 japanischen Kinofilmen gab es beispielsweise bereits TV-Filme. Und vor den zwei US-Remakes gab es mit The Ring Virus bereits ein koreanisches. Nicht zu vergessen das diesjährige Sadako 3D. Da kann ich noch ein paar Halloweens drauf zurückfallen.

Das Problem bei der ganzen Sache ist nur, dass Ring beim Rewatch ordentlich an Interesse einbüßen muss. Denn plötzlich merkt man, was für ein verdammt langsamer Film ohne große Wow-Effekte und Horror-Ereignisse er doch eigentlich ist. In Ring dreht sich alles um das Mysterium, warum all dies passiert und wie man dies abwenden kann. Das macht beim ersten Sehen einen durchaus interessanten Film aus, nur beim wiederholten Schauen, wenn man all die Geheimnisse eben schon kennt, verliert er ordentlich an was.

Und nach Roman, japanischen Kinofilm und US-Remake ist The Ring Virus nun eben schon die vierte Version der gleichen Geschichte. Da verkommt das Ansehen leicht zu einem reinen Herausschauen der Änderungen gegenüber der anderen Versionen, als das man das eigentliche Geschehen an sich noch wirklich viel beachtet. Leider.

Irgendjemand involviert im Projekt hat hier auf jeden Fall nicht nur den japanischen Film gesehen, sondern auch den Originalroman gelesen, ist The Ring Virus doch wesentlich näher an jenem angesiedelt. Auch hier ist der verheiratete, männliche Protagonist auf eine alleinerziehende Mutter geändert, aber viel mehr schnappt er sich nicht von den vielen Änderungen des Filmes. Das Videotape und die darauf resultierende Investigation sind beispielsweise wesentlich näher daran, wie sie im Buch beschrieben werden, denn wie sie im J-Film ablaufen. Was durchaus ein Vorteil des K-Films ist, denn wenn man es mal genau betrachtet, hält sich der J-Film gar nicht so breit mit der Schnüffelei auf und man hat häufig das Gefühl, die Charaktere kommen auf Resultate, damit es weiter geht, nicht weil es wirklich immer die naheliegende Schlussfolgerung aus ihren Erkenntnissen ist. In Virus wirkt das Ganze viel schlüssiger und das Vorgehen organischer. Auch die Krankheit und der Hermaphroditen-Status Sadakos haben hier Einzug gehalten. Wie gesagt, The Ring Virus ist die wesentlich getreuere Verfilmung.

Änderungen gibt es natürlich auch hier. Beispielsweise hilft hier bei der Investigation weder ein Freund wie im Buch, noch der Ex wie im J-Film, sondern halt einfach so ein Arzt, der die ersten Opfer untersucht hat und die Diagnose nicht schlüssig fand, von der Reporterin interviewt und so in die Sache reingezogen wird. Vom Typ her ist er allerdings erneut näher am intelligenten aber uncharismatischen Arschloch aus dem Buch.

Ja, bisher hab ich tatsächlich nur Änderungen und Gleichheiten der Versionen aufgezählt, nicht? Wie gesagt, im vierten Anlauf hat das Ring-Mysterium leider nicht mehr viel für einen zu bieten, Qualität des jeweiligen Filmes ganz außer Acht gelassen, denn The Ring Virus kann gar nicht wesentlich übler sein, als die anderen Versionen. Die Luft ist halt so oder so raus.

A Tale of Two Sisters, twice

Su-mi sitzt in der Klapse, ein Psychiater versucht sie dazu zu bringen sich zu erinnern. Und das tut sie dann auch:

Zurück dahin wo sie und ihre Schwester Su-yeon von ihrem Vater zurück ins kalte zu Hause mit der Stiefmutter gebracht werden. Irgendwas ist passiert, weswegen sie weg waren. Weswegen es ihnen „nicht gut“ ging und teilweise auch immer noch nicht geht. Aber auch Su-mi hat Anschuldigungen gegen Vater und Stiefmutter, die nie direkt ausgesprochen werden.

Und so hält der Film fast die komplette erste Stunde unser Interesse, einfach weil er kryptisch ist. Irgendwas schlimmes ist in der Vergangenheit vorgefallen, jeder Charakter im Film ist auf die anderen schlecht zu sprechen, die ganze Atmosphäre zwischen ihnen greifbar merkwürdig, falsch, aufgeladen. Aber niemand formuliert natürlich je aus, was denn jetzt los ist. Das weckt natürlich unser Interesse, wir wollen wissen, was passiert ist, was zu den zerrüteten Verhältnissen führte.

Einen kleinen Horror-Scare gibt es dennoch immer mal wieder, wenn jemand eine seltsame Erscheinung hat. Die sind allerdings nicht sehr häufig und man weiß ja auch nie, ob sie echt oder nur eingebildet sind. Denn hauptsächlich sehen Su-mi und Schwiegermutter Eun-joo diese und die kommen beide immer mal wieder geistig nicht unbedingt gesund rüber.

Und dann, eine halbe Stunde vor Filmende platzt die erste Twist-Bombe schon: Su-yeon ist doch schon längst tot, warum spricht Su-mi ständig von ihr, als wäre sie bei allem dabei, was geschieht? Ding ding, Sixth Sense all over again. Wie gesagt hat der Film da noch eine gute halbe Stunde zu laufen und wirklich alles erklären tut das ja nicht. Wir wissen immer noch nicht genau, was „damals“ passiert ist, warum Su-mi und Eun-joo sich zunehmend verrückter verhalten, und wenn Su-yeon schon tot und nur in Su-mis Einbildung ist, warum hat Eun-joo dann mehrmals im Film auf sie reagiert?

Die Sache ist halt eben doch nicht so einfach und aufs schrecklich verworrene Finale kommen da noch so einige Sachen raus. Es dauert etwas, bis man das alles verarbeitet hat und den Durchblick erhält. Letztendlich war halt doch viel nur im Kopf von Su-mi, man nennt sowas ja bekanntlich „unreliable Narrator“, wenn man eine Geschichte aus dem Blickwinkel eines Charakters erzählt bekommt, dem man nicht trauen kann, weil das was er sieht entweder gar nicht passiert oder nicht wirklich so stattfand, wie derjenige es wahr nahm. Und obendrauf ging wohl doch noch ein Geist um, der am Ende der Schwiegermutter die gerechte Strafe bringt.

Wie gesagt, der Film ist schrecklich verworren gegen Ende aber nicht uninteressant und weiß, einen ständig zu überraschen. Er entwickelt sich langsam und die unheimlichen Momente sind selten (und häufig nur Jump Scares), aber er rückt das Drama der Handlung eben wesentlich mehr in den Vordergrund, als den Horror. Man ist immer daran interessiert, zu erfahren, was als nächstes passiert, und endlich warum all dies abgeht. Hilft natürlich, dass alles in sehr schönen und atmosphärischen Szenen erzählt wird.

Asiatische Horrorfilme zu remaken war besonders in den frühen bis mittleren 2000ern beliebt, so ganz abgeklungen ist es aber auch danach nicht. Japan schon weitestgehend abgegrast und auch die bekanntesten anderen ostasiatischen Filme geschnappt wendete man sich 2009 dann A Tale of Two Sisters zu. Seltsamerweise nannte man ihn hier The Uninvited, was dahingehend verwirrt, als es einen anderen koreanischen Horror-Film gibt, der kurz nach Two Sisters erschien, der jenen Namen trägt.

Und der Film ist überaschend anders, behält nur das Grundgerüst bei und dreht häufig ein andres Ding draus. Auch hier haben wir eine Schwester (Anna), die nach erst mal nicht genauer spezifizierten Ereignissen in der Psychiatrie landete und nun entlassen wird, zurück ins Familienhaus kommt, wo sich eine Stiefmutter breit gemacht hat.

Was folgt ist hier nicht mal so ein großes Versteckspiel, was vor einem Jahr genau passiert ist, viel davon gibt der Film schon früh preis, sondern ob die Stiefmutter eine Mörderin ist und wie man ihr das nachweisen kann.

Der Film ist wesentlich geradliniger, weniger komplex und kompliziert erzählt, mit bekannteren Charakterzeichnungen, allgemein wenig der seltsamen Atmosphäre. Das macht ihn leider etwas langweilig, da er halt wie ein typischer US-Horror-Film aufgezogen ist und sich entfaltet, ohne große Besonderheiten zunächst. Und man denkt sich früh, alles raus zu haben, was einen auch nicht unbedingt das Interesse hoch halten lässt.

Und das, obwohl er – leider erst ganz zum Schluss – eben doch noch einiges zu bieten hat, plötzlich definitiv noch zu überraschen weiß und einen einfach nur ständig in falscher Sicherheit gewogen hat. Ich muss sagen das Ende von The Uninvited fand ich wirklich toll, zu schade das er davon so langweilig ist.