Ride Your Wave & Legend of Crimson

Wie bereits erwähnt war Corona-bedingt das Kinoprogramm in letzter Zeit unter ständiger Fluktuation. Dazu zählte auch, dass statt eine Anime Night pro Monat fast jede Woche eine kam. Die hatte ich mir dann auf den sonntäglichen Event-Plan geschrieben, da ja sowieso nur fünf Zuschauer oder so kommen, die schön weit auseinander sitzen können. Dummerweise hat sich das Programm wieder etwas reguliert und so habe ich leider das Yuri Double Feature von Fragtime und Kase-san & Morning Glories verpasst, weil es am üblichen Anime-Dienstag statt Sonntag lief. Die beiden Filme davor konnte ich allerdings mitnehmen.

Ride Your Wave (Kimi to, Nami ni Noretara) dreht sich um die junge Hinako, die fürs Studium umzieht. In eine Stadt, in der sie schon immer gern Surfurlaub gemacht hat, da dieses Hobby ihre große Leidenschaft seit Kindheitstagen darstellt. Als ihr Apartment auf Grund eines illegalen Feuerwerks in Flammen aufgeht und sie vom Feuerwehrmann Minato gerettet wird, bahnt sich die ganz große Liebe an. Minato schwört immer an Hinakos Seite zu sein und ihr zu helfen. Ich denke es ist bei dem Setup und ob der Tatsache, dass keine halbe Stunde in den Film sich bereits das perfekte Traumpaar gefunden hat, kein großer Spoiler, wenn ich verrate, dass Minato kurz darauf stirbt, als er beim Surfen jemanden vorm Ertrinken rettet. Hinako ist am Boden zerstört, zieht weg vom Ozean und geht nicht mehr surfen. Nichts scheint ihr bei der Verlustbewältigung helfen zu können. Bis sie das Lieblingslied von ihr und Minato singt und dessen Geist plötzlich in ihrer Wasserflasche auftaucht. Von nun an kann sie ihn auf diese Art und Weise in Flüssigkeit beschwören, um mit ihm zu kommunizieren.

Der Film ist ein sehr charmanter und quirliger Anime darüber, den Verlust eines geliebten Menschens akzeptieren zu lernen und sich im Leben weiterbewegen zu können. Es hat auch etwas bittersüßes. Natürlich der Kontrast der lebensfrohen Hinako und dann dem verschlossenen Haufen Elends vor beziehungsweise direkt nachdem Minato stirbt. Auch wie sie wieder fröhlicher wird, sobald sie sein Abbild im Wasser sieht. Was aber gleichzeitig einen deprimierenden Unterton hat, da sie nun für alle anderen wie eine Verrückte mit einer immer mitgetragenen Wasserflasche spricht oder einen mit Wasser aufblasbaren Delfin umarmt. Denn andere können Wasser-Minato nicht sehen.

Zunächst dachte ich dadurch echt, dass der Film in eine andere Richtung geht, als er das letztendlich tat. Ich ging davon aus, dass sich Hinako das Abbild von Minato nur zusammen halluziniert. Wie gesagt sieht ihn ja sonst keiner, und wann immer Minato das Wasser für Hinako manipuliert, ist sie auch alleine, kann sich dies also ebenfalls einbilden. Zumal der beste Freund von Minato, Wasabi, ebenfalls seit der Nacht, in dem ihr Apartment abbrannte, in Hinako verschossen war. Ich ging also davon aus, dass der sie letztendlich aus ihrer Realitätsflucht hilft und Hinako sich eingesteht, dass sie nicht für die nächsten sechzig Jahre allein bleiben kann und sich Wasabi zuwendet. Das Setup deutet zumindest zunächst stark darauf hin, will ich meinen. Letztendlich wird Wasabi allerdings doch mit jemand anderem verkuppelt und es geschehen Wassermanipulationen, die alle sehen können. Das die übernatürliche Komponente also wirklich eine solche ist, hat den Film schon an manchen Stellen etwas merkwürdig erscheinen lassen. Passt aber doch ganz gut zu dessen Flair.

Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist das Augenmerk auf Details. Beispielsweise erwähnen sowohl Hinako wie auch Wasabi mehrmals im Film, wie sie es doch etwas beneiden, dass Minato in allem zu leichtfüßig gut ist und scheinbar alles Problemlos schafft. Wenn Minatos Schwester später allerdings Hinako in dessen Jugendzimmer führt, sehen wir, dass dem nicht so ist. Er hat hart trainiert, als er zur Feuerwehr kam. Er hat als Kind Kochbücher studiert, als er wegen der ständig beschäftigten Eltern für sich und seine Schwester kochen musste. Jetzt erklärt sich auch, warum Minato schon beim ersten Surf-Date mit Hinako in voller neugekaufter Montur auftauchte: Wenn er sich was vor nimmt, macht er keine halbe Sachen, sondern kommt vorbereitet und arbeitet so lange an sich, bis er es kann. Nichts damit, dass er einfach ein Alleskönner ist, dem alles zufällt. Hinakos Vorliebe zu Erdbeerlimo kommt dadurch, dass ihr Elternhaus von Erdbeerfeldern umgeben ist, wie wir in einer kurzen Szene nur am Rande sehen. Warum Minato sie immer als „seine Heldin“ bezeichnet hat, und warum das alte Filmlied sie verbindet, wird auch noch geklärt. Es fallen dann viele kleine Puzzleteile zusammen, was ich echt sehr schön fand.

Macht Ride Your Wave zu einen sehr bunten, flippigen und Lebensbejahenden Film. Der es sich dennoch nicht zu einfach macht. Wie die finale Szene zeigt, in der Hinako noch mal an Minato erinnert wird und weint. Weil man einen Verlust zwar verarbeiten kann, er aber dadurch nie komplett verschwindet.

Mit Konosuba: Legend of Crimson kommen wir hingegen zu unseren überdeht-liebenswerten Arschlöchern aus der Light Novel turned Anime Adaption, die mir in seinen beiden vorigen Staffeln immer gut gefallen hat. Diesmal in Kinofilm-Version.

Die Gruppe aus dem nur den Glückswert gelevelten Kazuma, der hasenfüßigen Wassergöttin Aqua, nur ein mal pro Tag die Apokalypse beschwörenden Magierin Megumin, und masochistischen Ritterin Darkness sitzt gerade mal wieder in der Taverne. Mit keinem Geld, da sie beim Erledigen des letzten Quests so viel kaputt gemacht haben, dass dessen Belohnung sofort wieder einkassiert wurde. Da kommt Megumins Rivalin Yunyun herein und bittet Kazuma um etwas, was noch nie jemand von ihm wollte: Er soll mit ihr ein Kind machen. Nur so kann das Dorf der Crimson-Dämonen laut Prophezeiung gerettet werden. Ist etwa endlich der Moment angebrochen, bei dem Kazuma Erfolg bei Frauen vergönnt ist?

Ja und Nein lässt sich dazu sagen. Die Prophezeiung stellt sich schnell als Jux heraus und Yunyun hat dann gleich kein Interesse mehr am übereifrigen Kazuma. Auf dem Weg zum Dorf der Crimson-Dämonen, da die dennoch Probleme haben, wird Kazuma allerdings von einer Horde Orc-Frauen gejagt und verliert beinahe seine Jungfräulichkeit an deren ganzes Rudel. Bis die Crimson-Dämonen sie noch rechtzeitig mit ihrer Magie pulverisieren. Wie sich herausstellt haben die nämlich gar kein Problem einfallende Monster selbst aus dem Weg zu räumen. Dummerweise halten die Eltern von Megumin nun aber sie und Kazuma für ein Paar und schließen sie während der Übernachtung in einem gemeinsamen Schlafzimmer weg. Wodurch Kazuma laut mit sich selbst diskutiert, ob das eine Einladung ist, sich an der schlafenden Megumin vergreifen zu können.

Ich glaube damit ist eine Sache direkt schnell klar geworden: Nicht nur sind viele der Witze im Konosuba-Film von sexueller Natur, sondern erstaunlich viele flirten mit der Androhung von sexueller Gewalt. Ich habe keinen Plan, wo das her kommt. Ist das in der Serie schon so gewesen und ich habe das schon wieder vergessen? Beziehungsweise wirkt das in einem durchgängigen Film von 90 Minuten komprimierter und häufiger als wenn es in 20-minütige Folgen unterbrochen ist? Kazuma war natürlich schon immer etwas notgeil und moralische Vorbilder keiner der Charaktere unserer Truppe. Bisher wurden solche Witze aber immer schnell von einem anderen Charakter abgeschossen und wirkte Kazuma wie ein letztendlich harmloser Dummschwätzer. Das ist er hier immer noch letztendlich, aber Mensch gibt es hier viele rapey Jokes.

Wer über die hinwegsehen kann, der bekommt insgesamt einen Film geboten, den ich mal als Ok beschreiben würde. Viele Kinofilme zu TV-Serien, gerade zu Komödien ohne großen Narrativ, wirken gerne mal wie ein überlanges Special. So auch der Konosuba-Film, der trotz einer übergeordneten Handlung häufiger etwas unfokussiert in Vignetten von Einzelgags abrutscht. Er war für mich auch nur halb so witzig, wie er zu sein denkt. Aber das ist natürlich auch immer Ansichtssache: Ein Mädel im Kino hat es geschafft keine Sekunde während der Vorstellung Luft holen zu müssen, da sie so beschäftigt war, über jedes Wort zu lachen oder ihrem Freund zu erklären, warum sie jedes Wort für saukomisch hält. Ich fand den Film nicht ganz so witzig wie die Serie, was aber nicht bedeutet, dass er mich nicht unterhalten hat. Und manchmal ist er sogar ganz clever. Wenn der Endboss beispielsweise ein Schild aus Liebe und Emotionen um sich errichtet, und unsere „Helden“-Truppe sie mit brachialer Explosionsgewalt und Hintertücke besiegt. Also genau andersrum, wie es in Rollenspielklischees eigentlich der Fall ist.

KonoSuba 2

Kono Subarashii Sekai ni Shukufuku o!, oder KonoSuba: God’s Blessing on This Wonderful World, hat seine zweite Staffel und dazugehörige OVA mittlerweile auch beendet. Also erneut hinein in die Serie mit den schrägen Gesichtszügen und wild wackelnden Hängetitten!

Wirklich viel hat sich allerdings nicht geändert. Genau genommen ist alles beim Alten. Hauptcharakter Kazuma ist weiterhin ein Sozialversager, der auch in die Fantasy-Welt transferiert nicht plötzlich zu besonderen Kräften erwacht, sondern weiterhin Auseinandersetzungen höchstens durch Glück und Trickserei gewinnt. Göttin Aqua ist weiterhin schrill und anstrengend und weinerlich. Magierin Megumin ist weiterhin absolut von sich selbst überzeugt, obwohl sie nur einen einzelnen apokalyptischen Zauber pro Tag sprechen kann. Und Paladin Darkness ist weiterhin nur eine Anhängerin von Kazuma, weil er so schön fies mit ihr umgeht, und sie das M in SM ist. Die Truppe ist weiterhin objektiv betrachtet nutzlos, gewinnt mit mehr Glück als Verstand, und in dem sie mehr kaputt hauen, als es das Unterfangen wert gewesen wäre.

Nur kam es mir so vor, als würde die zweite Staffel alle diese Charaktereigenschaften bis Elf aufdrehen. Natürlich ist KonoSuba eine Parodie der üblichen Fantasy Light Novels wie Asterisk War und Sword Art Online und der ganze Mist mit ewig gleichem Schema, in dem es alle üblichen Stereotypen untergräbt, aber letztendlich bleibt halt doch jeder nur bei einem einzelnen definierenden Charakterzug übrig. Der wird eben nur immer extremer.

Ich meine so eine richtige Handlung gibt es in den Staffeln ja sowieso nicht. Offiziell soll der Dark Lord besiegt werden, ist schon klar, und irgendwie schaffen die es mal wieder so beiläufig auch einen seiner Generale am Ende der Season besiegt zu haben, doch so ein richtiger roter Faden will sich für mich nicht wirklich einstellen.

Was an sich aber noch nicht mal unbedingt sonderlich negativ ist. Mit 10 Folgen ist so eine Staffel eh schnell genug rum, als das ich persönlich noch nicht davon gelangweilt wäre, dass sie immer wieder dieselben Klänge anschlägt. Und irgendwie finde ich diese Truppe an Arschlöchern und Chaoten, die sich durchs Leben schummeln schon einen witzigen und sympathischen Haufen. Von daher war ich erneut gut und kurzweilig unterhalten.

Wartet, jetzt hab ich es. Einen guten Vergleich zu KonoSuba, zumindest für jene, die in meine Altersklasse sind und damals bereits Anime geschaut haben. Denn irgendwie ist KonoSuba schon ziemlich wie Slayers. Wenn man denn nur den Humor und die irren Charaktere übrig hat, weil man die doch immer mal wieder halbwegs ernst sein wollende Handlung herausgeschnitten hat. Also praktisch die guten Parts von Slayers minus die langweiligen.

Kono Subarashii Sekai ni Shukufuku o!

ava-2042KonoSuba: God’s Blessing on this Wonderful World ist eine Adaption einer Light-Novel-Serie, bei der ein Otaku in eine andere Welt gerät, wo er sofort von einer Traube niedlicher Mädels umringt wird. Aber halt stopp, haut noch nicht gelangweilt ab. Ich bin mir bewusst, dass Light-Novel-Adaptionen mittlerweile nicht mehr den besten Ruf haben, weil gefühlt ein Drittel einer jeden Anime-Season aus eben solchen Serien besteht, die alle ziemlich gleich gestrickt und alle super dämlich sind. Mit unfehlbaren Wish-Fullfilment-Kerlen, und einem Harem aus Weibern, die bei deren reinen Anblick schon feucht im Höschen werden, die ohne Anstrengungen mit ungezügelten Superkräften jede Opposition ohne mit der Wimper zu zucken oder sonstig eine Emotion oder Charakter zeigend, zu vernichten wissen. Eben Twilight für Jungs. Aber KonoSuba ist kein weiteres Sword Art Online oder Asterisk War.

Stattdessen ist KonoSuba eine Parodie eben jener Serien. Kazuma kommt nicht als hehrer Ritter in diese Fantasywelt, nein der Hikkikomori rettet auf dem Rückweg von einem neuen Spielekauf ein Mädel vorm überfahren werden, oder denkt dies zumindest, denn wie Göttin Aqua ihn aufklärt, wäre das Mädel komplett sicher gewesen, und er selbst hat sich bei der Aktion so aufgeregt, dass er an einem Herzinfarkt gestorben ist – direkt nachdem er sich eingenässt hat. Seine eigene Familie hat sich über eine solch dämliche Todesart kaputt gelacht.

Aber Aqua macht mit Kazuma einen Deal aus: Reinkarnation in einem MMORPG, wo er den Drakolord umbringen soll, ein Ding seiner Wahl darf er für den Kampf in jener Fantasywelt mitnehmen. Aus reinem Frust über die großkotzige Göttin ohne Unterwäsche beschließt er einfach, Aqua als jenen Unterpfand zu nennen. Und bekommt dies zur Überraschung aller Beteiligten gewährt. Nun stecken die beiden also in einem Fantasy-MMORPG, und zwar in der Starterstadt. Und können es sich prompt nicht leisten, sich als Abenteurer bei der Gilde eintragen zu lassen, und gute Level Spots oder Quests gibt es um die leer gefarmte Startstadt auch nicht, also müssen sie sich mit alltäglicher Teilzeitarbeit rumschlagen und im Stall übernachten.

Die Gruppe wächst übrigens recht bald um zwei weitere Charaktere, bleibt aber dennoch im klassischen Sinne extrem nutzlos. Kazuma selbst stellt sich nicht als derjenige heraus, der plötzlich Superkräfte und Überstats im Spiel hat, die immer unter seiner Versager-Schale verborgen blieben, sondern hat durch und durch absolute Durchschnittswerte (abgesehen von einem hohen Glück-Wert, der hier, wie in den meisten Spielen, von zweifelhaftem Nutzen ist) und startet als niedrige Charakterklasse. Seine drei Gefährtinnen schaffen es hingegen alle einen Advanced Job zu haben, und dennoch wenig kämpferischen Nutzen mitzubringen. Aqua beispielsweise vergeudet ihre Skillpunkte lieber für Party-Skills zur allgemeinen Erheiterung. Magierin Megumin ist so geil auf Destruktionsmagie, dass sie nur jenen einen Zauber gelernt hat, der aber so hochlevelig ist, dass sie ihn nur ein Mal pro Tag sprechen kann. Und die masochistische Paladin Darkness, die sich nur angeschlossen hat, weil Kazuma so schön fies mit seinen Teammitgliedern umgeht, ist echt gut darin, als lebendes Schild die Angreifer zu blocken, versemmelt aber jeden einzelnen eigenen Angriff von sich.

Es sollte also schnell klar werden, dass KonoSuba nicht die übliche Geschichte über eine hehre Truppe an Recken ist, die bei allen Entscheidungen immer die Gutmensch-Option wählen, oder hier ein allmächtiger Kerl von einem Haufen sofort auf ihn abfahrender Mädels umringt wird. Genau genommen entwickelt, zumindest in der ersten Staffel, keines der drei Mädels ein romantische Interesse an Kazuma, sondern ihre Bindung bleibt durchgehen freundschaftlich. Denn natürlich gibt es ein paar leise Bindungsmomente, bei denen sich dann doch eine Gruppendynamik aufbaut. Aber dennoch haben wir es hier mit vier Leuten zu tun, die sich miteinander kappeln, die lügen und betrügen, sich vor Verantwortung drücken, und wenn dann doch mal ein Bösewicht auftaucht, jenen nicht im flashigen Direktkampf entgegenstehen, sondern meist fast zufällig und mit trickreichen Taktiken besiegen. Und dabei schafft es KonoSuba, obwohl die Truppe nicht weit kommt, sondern am Ende der ersten Staffel immer noch in der Starterstadt abhängt, durchaus interessant und frisch zu bleiben. Eben einfach weil die Charaktere herrlich dämlich und der Humor treffsicher sind. Zudem ist es eine passend kleine und zurückhaltende Serie, besagte erste Staffel zählt gerade mal 10 Folgen plus eine noch abgedrehtere Bonus-OVA.

Ich kann die Serie nur empfehlen, es ist eine der witzigsten Fantasy-Comedys, die man sich anschauen kann, und dabei so wunderbar erfrischend gegen jegliche Strömungsrichtung des Genres schwimmend. Kurzweilige Unterhaltung ist garantiert.