Kite

ava-1707Als ich zum ersten Mal davon gelesen habe, dass es eine Option ob eines Live Action Filmes basierend auf Yasuomi Umetsus super grafischen Streifen Kite gab, habe ich mir ehrlich gesagt nicht viel bei gedacht. Denn der Anime-Boom um die Jahrtausendwende hat viele solcher Dinger mit sich gebracht, und dann enden noch 99% davon in der Developement Hell. Zumindest was westliche Produktionen angeht, in Japan kommt ja mittlerweile im Minutentakt ein Realfilm raus, der auf einem beliebten Anime/Manga basiert. Im Gegensatz zu beispielsweise Akira oder Neon Genesis Evangelion, hat es Kite nach mehreren Wechseln der daran beteiligten Namen (ein Regisseur ist sogar gestorben, um den Film nicht machen zu müssen), doch tatsächlich klammheimlich dieses Jahr dazu gebracht, offiziell released zu werden!

Spoiler: Wenn man Filmtitel und Namen der Charaktere ändern würde, und vielleicht zwei Hommage-Szenen (den anfänglichen Mord im Aufzug, später der in der Toilette mit den Zwillingen), würde sicherlich keinem auffallen, dass es sich hierbei um Kite handelt. Das liegt natürlich zum Teil an den Änderungen, aber um dem Film auch etwas zu entschuldigen, ist das Setup des niedlichen Mädels, die als skrupellose Killerin benutzt wird, jetzt auch nicht super spezifisch. Man nehme beispielsweise auch mal Luc Bessons La Femme Nikita, welches sicherlich Umetsu auch nicht ganz unbekannt war, als er sein Kite machte.

Statt in einem urbanen Setting, implizierend das Dreck und Gewalt nun mal überall im Hintergrund lauern kann, befinden wir uns in Kite (2014) hingegen in einem zusammengefallenen Staat, da die Regierung nach einer Finanzkrise gescheitert ist. So ein Macht-Vakuum tut sich natürlich nie gut, und deswegen regiert nun das Fleisch-Kartell in den dreckigen Straßen der Stadt, die junge Kinder entführen, um sie zu verkaufen für… was auch immer jemand bereit ist, Geld für Kinder zu zahlen.

Sawa hat auch hier ihre Eltern verloren, statt aber von Akai (der hier Aker heißt) seit ihrer Kindheit in die Hörigkeit misshandelt worden zu sein, hat der ehemalige Partner ihres Vaters sich ihr angenommen, nachdem ihre Eltern im Auftrag vom Emir, dem Anführer des Kartells, vor ihren Augen ermordet wurden. Das hat ihr zumindest Aker erzählt, und man muss nicht das Original kennen, um Lunte zu riechen, dass er der wahre Bösewicht ist. Aber ja, statt eines korrupten Polizists, der nebenbei Mordaufträge für ordentlich Kohle an Land zieht, ist Aker hier jemand, der die Straßen aufräumen will, und weil sonst keiner gegen das Kartell vorgeht, eben Sawa dafür benutzt. Oburi ist weiterhin das Love Interest, hat aber eine Kindheitsvergangenheit mit Sawa, und darf ihr somit zur Wahrheit verhelfen. Ach ja, um zu erklären, warum Sawa nicht mehr weiß, was passiert ist, jetzt wo die sexuelle Misshandlung und Indoktrinierung durch Aker weg fällt, hat sie ein Drogenproblem, da die Mittelchen, die ihr PTSD bekämpfen und ihr das nötige Gefühl der Unzerstörbarkeit geben, um die Aufträge auszuführen, ihr praktischerweise auch das Gedächtnis rauben.

Ich muss allerdings schon sagen, wenn Kite (2014) eines besser macht gegenüber Kite (1998), dann ist das Charakterisierung. Im Original ist jeder ein Arschloch. Akai und Kanie sowieso, aber auch Sawa und Oburi kommen nicht gerade sympathisch oder menschlich rüber. Die Schonungslosigkeit des Originals etwas reiner waschen hin oder her, in der hiesigen Inkarnation haben die Charaktere nun immerhin eine Persönlichkeit. Sawa ist nicht ganz die eiskalte Mörderin, sondern hat ihre PTSD- und Entzugsattacken, weiß nicht die Wahrheit, statt einfach Jahrelang eiskalt im Hintergrund auf ihre Chance zu warten. Oburi erschießt nicht einfach so ein kleines Kind, weil der seine Jacke beschmutzt hat. Die beiden retten sogar ein paar Kinder aus den Klauen des Kartells, was vielleicht eine Klischee-lastigere Bonding Scene ist, denn einfach ein paar Pringles zu essen und Kätzchen zu füttern, wie das Original das handhabt, aber immerhin erleben sie auch schon mal was zusammen, was bindet. Und Aker ist hier eben nicht einfach nur ein Kotzbrocken, sondern jemand der wirklich helfen will, nachdem er in der Vergangenheit Mist gebaut hat, sich teilweise wirklich etwas um Sawa schert, statt als Sexspielzeug sich zu halten.

Der Rest ist… ok? Ich finde den Film im Ganzen nicht schrecklich, aber so ganz das Feeling des Originals kommt eben doch nicht auf. Vielleicht war das teilweise auch einfach durch die überraschende Schonungslosigkeit. Neben der expliziten Gewaltdarstellung eben auch der explizite Sex, sowie die ganzen explizit unbekümmerten Charaktere. Denn Kite (2014) mag noch immer ein wenig der Brutalität beinhalten, und kompetent und ganz cool gefilmt ist das Ding auch, doch so ganz das Gleiche ist es einfach nicht mehr. Vielleicht ist es nun eben einfach etwas zu generisch mit seinen Hollywood-Klischees. Ich würde das Original sicherlich nicht ein Meisterwerk nennen, aber ein eigenes Feeling hatte es schon, und das fehlt hier einfach. Man verbringt also keine schrecklichen 90 Minuten mit dem neuen Kite, aber eben auch keine wirklich Erinnerungswürdigen.

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Nostalgic Anime Week II: Kite

ava-1430Erneut kommen wir nach einer eingeworfenen, eher leichten Unterhaltung, zu einem härteren Anime. Das 1998er Kite von Yasuomi Umetsu, der neben hauptsächlich helferischer Tätigkeiten und Character Designs (u.A. auch für Castlevania 64 oder Shin Megami Tensei: NINE) eher durch die Hardcore-Anime Cool Devices: Yellow Star, Kite und Mezzo Forte bekannt wurde, mittlerweile mit der Mezzo TV-Serie und Kite: Liberator auch vergleichsweise harmlose Dinge hervorgebracht hat.

Yasuomi Umetsus Eintrag in die Cool-Devices-Reihe, Yellow Star, gestaltet sich wie folgt: Mädchen wird vom Stiefvater, der offiziell im Fall der Droge ermittelt, von eben jener abhängig gemacht, damit sie es mit ekligen Kerlen treibt, bringt ihn um, nur um dann doch ein Bad End zu haben. Kite hat eine ähnliche Story, nur mit einem Girl with Gun Protagonist (denn niedliche Mädchen in Brachialgewalt geht immer, wie auch die Mezzos zeigen):

Akai ist ein korrupter Polizist der Mordermittlung, der zusammen mit Kanie eine Agentur für Auftragsmorde betreibt. Die beiden haben einen ziemlichen Hunger für minderjährige Muschi, und so nehmen sie sich der jungen Sawa an, nachdem sie deren beide Eltern ermordet haben. Denn mit genug Gehirnwäsche, Ausnutzung, Stockholm-Syndrom, „Streicheleinheiten“ mit dem Penis, und Waffentraining am lebenden Objekt, wird aus dem jungen Mädchen schnell eine gewissenlose Killerin, die für sie die Aufträge ausführt, so dass sich die beiden gar nicht mehr selbst die Finger schmutzig machen müssen.

Der Teil ist allerdings nur die in wenigen Minuten als Versatzstücke eingestreute Hintergrundgeschichte, Kite spielt mit einer bereits erwachsenen(?) Sawa, die ohne Murren und Knurren Leute erschießt und Akai gefällig ist. Zumindest bis sie sich mit dem Studenten Oburi anfreundet, der ebenfalls Morde für Akai begeht, aber aussteigen will. Aus dem Business aussteigen kann man allerdings nur im Tode, so zumindest Akais Meinung, also wird Sawa auf ihn angesetzt – die nun ihre Chance riecht, sich endlich an ihren beiden Ziehvätern zu rächen. Gut ausgehen tut auch dies nicht.

Kite ist ein schon recht schonungsloser Action-Steifen, um eine Riege verachtungswerter Charaktere. Denn grafisch sind die beiden Halbstünder allemal, in beider Hinsicht. Sawa nutzt nicht einfach nur normale Kugeln, sondern um sie nicht nachverfolgen zu können, explodiert die Munition im Körper der Opfer, was Literweise Blut spritzen und auch mal das eine oder andere Körperteil fliegen lässt. Und auch die zwei oder drei Sexszenen sind volles Rohr auf die Action, in der komplett ungekürzten Fassung inklusive kurzer Flashbacks auf die Vergewaltigung der jungen Sawa. So weit zu gehen, Kite einen Hentai zu nenne, würde ich allerdings nicht. Die Sexszenen sind gar nicht mal so lang, und wirken auch nicht sonderlich stimulierend – merkwürdige Musik, eine eindeutig ausgenutzte Sawa und Umetsus Angewohnheit seine Kerle alle als eklig-schmierige Giganten neben den petit-niedlichen Mädels darzustellen sei Dank (Kite hat mit Oburi einen einzelnen attraktiven Kerl zu bieten, doch ganz wie mit dem attraktiven Freund des Mädels in Yellow Star, kommt er nie zum Schuss, sondern nur die alten Ekelpakete).

Zumal der Sex in Kite auch recht organisch wirkt, ganz im Gegensatz zu Mezzo Forte, er ist regelrecht charakterisierend: Wir wissen durch ihn, dass Sawa auf mehrere Art und Wiese von Akai ausgenutzt wird, und er zeigt erneut, was für Fieslinge er und Kanie sind. Denn egal wie sehr sie Sawa und Oburi sagen, was für Bösewichter sie da für das Gute der Menschheit umbringen, sie selbst sind auch korrupt, Geldgeil und vergreifen sich an jungen Dingern. Die Realität von Kite ist dreckig und korrupt, und die recht brachiale Gewaltdarstellung sowie sexuelle Ausnutzung untermauern dies.

Kite ist auch ein recht cooler Action-Streifen, wirklich. Neben einer attraktiven Protagonistin und stylischer Action bietet es viele stark schattierte Einstellungen, ins Nichts schauen, und einen chilligen OST, der dem Anime ein gewisses Noir-Feeling gibt. Als reines Actionfest ist Kite absolut zu gebrauchen. Der einzige Abzug hierbei ist, dass der Anime etwas zu cool ist, denn gerade Sawa und Oburi sind auch sehr kalt und Emotionsarm geraten. Und auch alles andere, als unschuldig. Oburi erschießt einen kleinen Jungen so ganz nebenbei, als wäre es normal wie das Atmen, nur weil dessen Ball in einer Pfütze landet, die seine neue Jacke durchnässt. Der tragische Aspekt von Kite würde tatsächlich etwas besser funktionieren, wenn uns die beiden jungen Protagonisten sympathischer gemacht würden.

Und damit wären wir auch am Ende der zweiten von drei Wochen, in denen ich für mich nostalgische Anime aus meinem DVD-Regal entstaube, erreicht.

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