Ace Attorney Week – Justice for All

ava-1752Das zweite Spiel startet mit The Lost Turnabout, dem üblichen Tutorial: Wright vs. Payne in einer einzigen Gerichts-Session, in der er mal wieder beweisen muss, dass der Zeuge der wahre Verbrecher ist, nicht die Polizistin und Freundin des Mordopfers, auf die alle Beweise hindeuten. Direkt zu Beginn wird Phoenix eine übern Kopf gezogen, was ihm eine kurzzeitige Amnesie einbringt, und somit das Spiel eine Ausrede hat, für neu in die Serie gekommene die Spielmechaniken nochmal zu erklären, sowie die bekannten Charaktere dennoch wieder vorzustellen.

Reunion, and Turnabout ist der zweite und damit erste „richtige“ Fall, und dem zweiten im Vorgänger nicht unähnlich. Auch hier findet sich Maya wegen Mordes auf der Anklagebank wieder, und wir müssen eine Zeugin der Lüge überführen, die fake-überzuckert süß daher manipuliert, dass selbst japanische Idols vor Neid erblassen würden. Hier lernen wir nun die eigentlich einzig beiden wirklich Erinnerungswürdigen neuen Charaktere von Justice for All kennen: Die ihre Peitsche einem Objection-Ruf vorziehende, kühle Franziska von Karma als gegnerischer Staatsanwalt; und Mayas süße jedoch überraschend resolute Cousine Pearls als neuen Sidekick. Auch wird das neue Gameplay-Gimmick eingeführt: Psych-Locks. Eigentlich sind jene nur eine Visualisierung dessen, wenn ein Charakter eine Antwort zurückhält, und wir ihnen Beweise anschleppen müssen, um sie zum Reden zu bringen, was ja im Grundprinzip nicht wirklich komplett neu ist. Allgemein treffen wir hier auf mehr vom Fey-Klan und finden mehr über ihr Dasein als Geistermedium heraus, da genau dies ist, was zumindest angeblich geschah: Ein Arzt wollte den Geist einer Krankenschwester beschwören, damit sie zugibt, dass der zum Tod eines dutzend Patienten geführte Fehler rein ihr Verschulden ist, und dann nutzt jener Geist den Körper Mayas, um den Arzt zu töten. Gibt übrigens ein Wiedersehen mit der geschwatzigen Lotta Hart.

Turnabout Big Top bringt uns zurück ins Rampenlicht der Stars und Sternchen, allerdings nicht ans Set einer Superhelden-Show, sondern in den Zirkus, was wohl den Fall mit den bisher illustresten Charakteren mit sich bringt. Der fliegende Magier Maximillion Galactica, der eigentlich ein simpler Junge vom Land ist, wurde angeklagt den Zirkusleiter umgebracht zu haben. Der Großkotz, der sich das auch noch leisten kann, weil er tatsächlich die Hauptattraktion darstellt, ist bei seinen Kollegen natürlich nicht sonderlich beliebt, was fast jedem ein Alibi geben würde, ihn anschwärzen zu wollen, wenn denn der Zirkusleiter wiederum nicht so ein netter Kerl wäre, dass eigentlich keiner ein Alibi hat, ihm an den Kragen zu wollen. Da steckt also mal wieder mehr dahinter, Phoenix bekommt halt nur notorisch abgedrehte Fälle auf den Tisch.

So richtig gut wird es dann im finalen Fall, Farewell, My Turnabout, welcher uns auch zurück ins Tokusatsu-Milleu bringt, da nämlich der Jammin Ninja vom Nickel Samurai umgebracht wurde, respektive deren Schauspieler. Phoenix übernimmt die Verteidigung von Matt Engarde, a.k.a Nickel Samurai, und ist schon allein deswegen hoch motiviert, weil Maya entführt wurde, und ihr Entführer sie umzubringen gedenkt, wenn er keinen Freispruch erwirkt. Er hilft uns sogar zusätzlich, in dem er auf Franziska von Karma schießt, um unsere Rivalin aus dem Gerichtssaal zu bringen, was dazu führt, dass Edgeworth von den Toten aufersteht, um die Anklage zu übernehmen.

Was sich entwickelt ist ein richtig geiler Fall, der über seinen Verlauf hinweg so einige Haken und Wendungen schlägt, und bei dem man als Spieler vor die Frage gestellt wird, was einem wichtiger ist – das Leben von Maya, auch wenn es den Freispruch eines Schuldigen bedeutet, oder die eigene reine Weste immer der Wahrheit zu folgen, auch wenn es sie in Gefahr bringt. Was sogar zu zwei verschiedenen Enden führt, je nachdem was die höhere Priorität hatte.

Neben dem den Rest des Spieles absent gewesenen Edgeworth treffen wir übrigens auch andere bekannte Gesichter wieder: Lotta Hart, Wendy Oldbag und Will Powers.

Justice for All kann den hohen Standards seines Vorgängers leider nicht ganz gerecht werden. Dafür sind die ersten drei Fälle nicht ganz auf Höhe, und nur das Finale so richtig ein Showstopper. Und außerdem machen sich die üblichen Probleme hier viel häufiger bemerkbar. Unglaublich häufig scheint Wright einfach nur ins Blaue zu stochern, man als Spieler jede Aussage pressen und überall noch drei Mal hinterfragen zu müssen, in der Hoffnung, irgendwann macht ein Zeuge ein Fehler, oder die Handlung rettet einen aus einer Sackgasse, statt einem von Anfang an einen Ansatzpunkt für eine Lösung zu bieten. Es gibt mehr Instanzen, wo meiner Meinung nach mehrere Beweise etwas widerlegen könnten, das Spiel jedoch nur eines oder sie in bestimmter Reihenfolge nimmt. Und höhere Strafen legt es einem auch auf, es gibt diverse Momente, wo das Falsche zu präsentieren die halbe oder gar ganze „Lebensleiste“ abzieht.

Darüber macht sich das Spiel sogar mehrfach lustig, wie verrückt die Wendungen in der Serie doch sind, und wie häufig Wright durch die Gegend trickst und Inkonsequenzen so aufbauscht, bis plötzlich doch was draus wird. Eben jene Self Awareness ist mir wieder etwas sympathisch, aber ganz ablenken kann sie eben nicht davon, wie häufig ich echt am Rätseln war, was das Spiel nun schon wieder von mir will, damit es weitergeht, nur um nach der Lösungsfindung mich nicht „ah klar, ich stand nur auf dem Schlauch“ sondern „aha, warum auch immer“ gehen zu lassen.