Sadako vs Kayako

7 Ring-Filme und 8 Ju-ons später, und das rechnet nur die japanischen Inkarnationen ohne die amerikanischen Remakes und deren Sequels, sollte es also zum großen Crossover kommen: Sadako vs. Kayako. Mit ordentlich Marketing dahinter den persönlichen blassen Lieblings-Geist zu wählen, oder das anhand des Popcorns, welches man zur Vorstellung kauft, festzumachen.

Das Versus im Titel kann dabei schnell täuschen, denn für den Großteil der 100 Minuten an Film treffen die beiden Franchises nicht wirklich aufeinander, sondern laufen gemütlich aneinander vorbei. Hauptcharaktere sind zwei Studentinnen im Ring-Part und eine Schülerin im Ju-on-Part des Filmes. Deren Namen ich allerdings schon wieder vergessen habe, also nennen wir sie einfach mal A-Ko, B-Ko und C-Ko.

A-Ko und B-Ko sind es jedenfalls, die direkt zu Beginn des Filmes bei einer Vorlesung am Wegdösen sind. Kann man ihnen kaum verübeln, denn der Professor doziert was über Memes und urbane Mythen. Wobei er eine besondere Manie dem verfluchten Video gegenüber hat. Übrigens wird er auch den weiteren Filmverlauf über besessen davon sein, auf Sadako zu treffen, man sollte aber nicht erwarten, dass diese Fixation jemals wirklich erklärt würde.

Um das Hochzeitsvideo der Eltern von B-Ko von Kasette auf DVD zu überspielen besorgen die beiden sich einen alten Videorekorder, in dem praktischerweise noch das verfluchte Video drin steckt. Wie wir später herausfinden war den Verkäufern des 2nd-Hand-Shops dies durchaus bekannt, und sie fanden es drin zu lassen einen coolen Gag, die Idioten. Ach ja, und wir bekommen auch mit, dass aus irgendwelchen Gründen Sadakos Fluch im Film geändert wurde: Sie tötet nun innerhalb von 2 Tagen statt 7 und das Video zu vervielfältigen und jemand anderem zu zeigen ist nur ein Mythos und funktioniert nicht wirklich. Das Video an sich ist auch ein ganz anderes, viel kürzer, und ziemlich lahm, was aber auch daran liegen kann, dass der Film es uns die ersten paar Mal nicht zeigt, sondern nur die geschockte Reaktion der Zuschauer, und somit einen ziemlichen Hype und nichts aufbaut.

C-Ko derweil zieht mit ihren Eltern in eine neue Nachbarschaft und das Haus auf der anderen Straßenseite ist natürlich ausgerechnet das verlassene Horrorhaus, in dem Herr Saeki seinen Frau und Sohn ermordet hat (hier wird die Katze ausgespart), die seither die Treppen des Gemäuers hoch und runter rasseln, um jeden umzubringen, der das Anwesen betritt.

Hauptsächlich folgen wir im Film allerdings den frisch von Sadako verfluchten A-Ko und B-Ko, die das Video dem Professor zeigen, der die Hilfe eines Mediums heranzieht, wobei Sadako allerdings alle umbringt bis auf einen besonders spirituell begabten Rebellen mit miserabel schauspielernder blinden Loli im Gepäck. Der kommt auf die glorreiche Idee sowohl Sadakos Fluch auf A-Ko wie Kayakos Fluch auf C-Ko loszuwerden, in dem er beide im Saeki-Haus das Video erneut schauen lässt, damit die Geister sich gegenseitig angehen.

Das ist dann aber auch erst im Finale des Filmes und Sadako und Kayako Versus-en sich nur für kurze 5 Minuten am Ende, bevor sie zu einem Super-Rachegeist verschmelzen und der Film uns mit einem Cliffhanger an Sequel-Bait hinterlässt.

Der schale Beigeschmack des Filmes bleibt dann auch insgesamt hängen. Statt die beiden urbanen Mythen um Sadako und Kayako wirklich miteinander einen Film zu verweben, laufen halt zwei unterdurchschnittliche parallel zueinander. Und das, obwohl bei beiden nicht viel an Hintergrundstory dahinter steckt, so dass es sicherlich einfach möglich gewesen wäre. Zu Kayako und Toshio gab es eh noch nie viel zu wissen, und bei Sadako kommt eben auch nur rum, wie der Fluch (hier) funktioniert. Gerade die beiden Flüche auch als Gerücht und Geistergeschichten bestehen zu haben, hätte man nutzen können, um die Charaktere denen aktiv nachgehen zu lassen, statt das die erneut einfach so zufällig in die Flüche hinein stolpern. Horror kommt eh keiner so richtig auf, da weder wirklich Atmosphäre aufgebaut wird, und die Todesarten hier schon eher was komödiantisches haben, statt wirklich ernstzunehmend zu sein. Dieser unfreiwillige Humor sind jedoch schon die einzigen kurzen Highlights des ansonsten lahmen Filmes.

Hallowiin: Ju-on Part Six

Die Wii ist nicht unbedingt für Horror-Spiele bekannt, dabei sind durchaus nicht wenige für die Konsole erschienen. In Zeiten, wo die Entwicklungskosten auf PS3 und Xbox360 für das Genre mehr und mehr zum Problem wurden, wanderte es eben nicht nur in die Indie-Szene, sondern auch auf die wesentlich kostengünstigere Nintendo-Plattform, die zudem keine unbeachtliche Installationsbasis hatte. Nur das dummerweise viele 3rd-Party-Spiele, besonders in erwachseneren Genres, dort ziemlich unbeachtet blieben, abgesehen von den 4 Resident Evils, Silent Hill: Shattered Memories und vielleicht noch die 2 Project Zeros, wie viele weitere sind schon breit bekannt? Dabei gibt es auf der Konsole auch andere große Namen wie Dead Space, House of the Dead oder Dead Rising. Neben unbekannteren Größen wie Obscure, Night of the Sacrifice oder die vier dieses Halloween von mir besprochenen Spiele: Ju-on, Calling, Escape from Bug Island und Cursed Mountain.

Ju-On, nicht zu verwechseln mit dem Fromsoftware Survival Horror Kuon, ist eines jener Casual Horrors auf der Wii. Das sind diejenigen Spiele, die einen entweder nur vor blassen Geistern davon rennen oder per schnellem Quick Time Event automatisch entkommen lassen. So ein wenig das Gaming-Analog zum Sommer-Popcorn Horrorfilm, die mit relativen Standard-Thrills einem anspruchslosen Publikum schnelle Kurzweil geben.

Außerdem ist es natürlich ein Lizenzspiel, basierend auf den gleichnamigen Filmen. Und läuft dann auch genau wie jeder einzelne davon ab. Unterteilt ist das Spiel also in 5 kürzere Episoden, jeweils benannt nach dem darin vorkommenden Charakter, der auf die Geister vom miauenden Jungen Toshio und der Todesrasselnden Kayako trifft. Bis sie ihn oder sie eingeholt haben und der Charakter am Ende der Episode stirbt, wir zum nächsten Todgeweihten gehen. Immerhin gibt es bekanntlich keine Lösung für den Fluch, sobald er einem an den Hacken ist, wird man sterben, egal was unternommen wird. Selbst wenn man das Haus der Saekis nie betreten, es reicht wenn ein Familienangehöriger dort war und den Fluch mit ins eigene Heim geschleppt hat. Wie hier auch, denn die finale Episode offenbart, dass die Tochter im Haus war, die anderen behandeln den Rest ihrer Familie, die an komplett anderen Orten wie einem Apartment, Krankenhaus, Fabrik oder Bürogebäude von den Geistern heimgesucht werden.

Vom Spielerischen her ist alles sehr simpel gehalten, denn jede Lokalität besteht nur aus einer übersichtlichen Anzahl an Gängen und Räumen, die langsam mit einer Taschenlampe erkundet werden. Batterien, damit einem das Licht nicht erlöscht, sowie die paar wichtigen Key Items (meist tatsächlich Schlüssel, die einen verschlossenen Raum öffnen) zum Weiterkommen in der Lokalität sind alle am Blinken, so dass sie eigentlich nicht übersehen werden können. Ich würde mal sagen ein erster Durchgang einer jeden der Episoden dauert so 20 bis maximal 30 Minuten, je nachdem, wie gründlich dann doch gesucht wird. An gewissen fixen Stellen gibt es einen Jump Scare, weil Toshio plötzlich in der Ecke steht, ein Stapel Kartons umfällt, oder blutige Handabdrücke an den Wänden erscheinen. Alles sogar ganz gut darin, eine coole Horror-Atmosphäre zu erzeugen, wenn auch Ju-On nie wirklich unheimlich wird. Der eine oder andere Jump Scare funktioniert natürlich dennoch, weil die eben immer effektiv sind, aber wirklich in einem verstörten Zustand bleibt man durch jene immerhin auch nicht.

Zumal alle jene Sachen absolut ungefährlich sind. In Gefahr gerät die Spielfigur nur dann, wenn Kayako höchstpersönlich angerasselt kommt, was ich jetzt mal so auf 3-5 Punkte pro Episode schätzen würde. Davon rennen gibt es wie gesagt nicht, stattdessen wird sie mit QTEs abgeschüttelt. In der Regel bedeutet dies die Wiimote in die Richtung zu reißen, die von den Pfeilen an den Bildschirmrändern indiziert werden, selten muss mit ruhiger Hand auch mal das Steuerkreuz innerhalb eines sich bewegenden Kreises bleiben. Erwischt Kayako einen, weil man das vermasselt hat, oder auch weil der Taschenlampe die Batterien ausgegangen sind, ist das ein One-Hit-Kill. Ju-On hat zudem keine Checkpoints, die ganze Episode muss also von vorn erledigt werden. Was dankenswerterweise allerdings nicht lange dauert. Genau genommen habe ich im ganzen Spiel nur zwei der doch relativ großzügigen QTEs vermasselt. Zum einen eine ganz zu Beginn der fünften Episode, und dann mehrmals eine plötzlich doch sehr gemeine direkt am Ende von Kapitel 4, die eine gewisse Infamie unter den wenigen Spielern von Ju-On hat, da jene von vielen mehrmals verhauen wird, obwohl sie alles richtig machen, bis das Spiel sie beim xten Versuch durchwinkt, ohne dass diesmal was anderes getan worden wäre. Da realisiert man erst so richtig, dass das Ju-On-Konzept nicht so ganz zu einem interaktiven Medium passt, da die Spieler-Partizipation darauf ausgelegt ist, die Geisterangriffe zu überleben, nur damit am Ende der Vignette die Handlung übernimmt und der für die letzte halbe Stunde am Leben gehaltene Charakter doch automatisch stirbt. Trotz fehlender Checkpoints war ich dennoch nicht sonderlich genervt, allerdings hatte ich auch das Glück die QTE in Kapitel 4 beim dritten Anlauf doch irgendwie schon zu überstehen, und wenn man weiß, wo die Key Items in einem Kapitel sind, dauert so ein strackes Replay zum Ende auch nur noch ca. 10 Minuten. Ich war dennoch froh, dass die Bewegungssteuerung in den QTEs mit jener einen Ausnahme immer alles anständig registriert hat, denn beim reinen Erkunden der Location kam es schon immer mal wieder vor, dass ein normales Korrigieren in eine Richtung plötzlich den Charakter kurzzeitig unkontrolliert Pirouetten hat drehen lassen.

Die Batterien sind übrigens ebenfalls relativ großzügig bemessen. Keinen Saft hat man eher nur dann, wenn das komplette Areal gründlich nach den Zeitungsschnipseln durchsucht wird. Das sind die einzigen versteckten Gegenstände, die nicht blinken, und schon mal in Schubladen oder Wandschränken verborgen sind. Jedes Kapitel hat mehrere davon und sie sind zunächst optional, da das reine Beenden des Kapitels das nächste freischaltet. Um in die fünfte und finale Episode zu gelangen, sind jedoch alle Schnipsel nötig. Aber auch hier ist das Spiel so nett sie automatisch zu speichern, sobald man sie gefunden hat. Selbst wenn man also im Verlauf des aktuellen Kapitel-Begehens stirbt, sind alle bis dahin gefundenen Teile gespeichert.

Übrigens bewertet Ju-On den Spieler am Ende einer jeden Episode. Nicht im Sinne eines Ranges wie gut gespielt wurde, sondern auf einer Furchtskala was für ein Angsthase man war. Bei mir waren allerdings beide Werte immer ziemlich niedrig, abgesehen von zwei Ausnahmen. Das Spiel dachte ich wäre sehr ängstlich gewesen, als ich für einige Minuten am Stück den Bildschirm für was anderes verlassen musste. Lange Pausen = zu ängstlich weiterzuspielen, scheint hier die Interpretation zu sein. Außerdem dachte Ju-On ich hätte mich sehr gefürchtet, als ich meinen dritten Durchgang durchs vierte Kapitel machte. Wahrscheinlich weil ich die Wiimote mit sehr zittriger Hand gehalten habe… aus blanker Aufregung dies eventuell wieder zu vermasseln und von vorn beginnen zu dürfen.

Ich meine, natürlich ist auch Ju-On ziemlich gimmicky. Es ist ein sehr kurzes Spiel von 2 bis maximal 3 Stunden Spielzeit, welches wenig offeriert außer ein paar wenige moderat-atmosphärische Räume zu durchwandern, von einem halben Dutzend Jump Scares angesprungen zu werden, Kayako mit leichten QTEs zu verjagen, bis sie einen nach 20 Minuten Episode doch umbringt. Die Sache ist allerdings die, irgendwie mochte ich das Spiel dennoch. Liegt wahrscheinlich auch an einer Verbindung daraus, dass ich durch dessen Reputation viel Schlimmeres erwartet hatte, ich auf die Kürze und Simplizität vorbereitet war, und vor allem das Ding billig erstanden habe. Doch für so um die 10€ ist Ju-On eigentlich ein ganz launiges, kurzweilige Unterfangen (als recht rares Release wird es jedoch häufig wesentlich höher gehandelt, und zu nahe bis über Vollpreis sollte man nicht für anbeißen). Vielleicht sogar was, was man den ängstlichen Partner spielen lässt, weil das Spiel nun wirklich nicht überfordert, einen Zuschauer mit einer zweiten Wiimote allerdings per Knopfdruck auch einige nicht-fixierte Jump Scares hervorrufen darf.

Ju-on: Part Cinq

ava-2063Ju-On ist einfach nicht tot zu kriegen. 2000 begonnen (bzw. 1998, wenn man die beiden Mini-Episoden zählt) kamen in sechs Jahren sechs Filme auf die japanischen und amerikanischen Bildschirme. Dann zum Jubiläum 2009 gleich drei weitere. Und wieder fünf Jahre später ging es erneut los: 2014 begann eine neue Duologie mit Beginning of the End, in 2015 gefolgt von Final Curse, und da bei Ju-On nichts final ist, stand 2016 mit Sadako vs Kayako ein Crossover mit der Ring-Franchise an, die genauso wenig tot zu kriegen ist. Selbst Hollywood will wieder was neues beisteuern, so war ebenfalls zum 15-jährigen in 2014 ein weiterer The Grudge geplant, der aber seither in Development Hell abgetaucht ist.

Ju-On: The Beginning of the End folgt hauptsächlich Yui, die als frisch gebackene Lehrerin ihre erste Grundschulklasse zugewiesen bekommt, jedoch feststellen muss, dass der Schüler Toshio nie aufzutauchen scheint. Der vorige Lehrer der Klasse ging dem bereits nach, und ist nun tot. Als sie das Haus der Saekis besucht, trifft sie dort nur auf Toshios merkwürdige Mutter Kayako, und flieht nach ein paar seltsamen Begebenheiten dem Haus. Ab jetzt hat sie allerdings merkwürdige Episoden, die bedrohlicher und häufiger werden, und selbst auf ihren Freund scheint sich dies langsam auszubreiten, der seltsamerweise in der zweiten Hälfte des Filmes plötzlich den Großteil der Investigationsarbeit übernimmt, während Yui kurzzeitig etwas in den Hintergrund gerät.

Dazwischen haben wir allerdings eine zweite Timeline, der wir folgen, und die in 2004 stattfindet. Vier Schülerinnen besuchen das angeblich verfluchte Haus, in dem ein Kind umgebracht wurde, und sind etwas enttäuscht, dass es wie jedes zum Verkauf leerstehende Haus aussieht. Spektakulärer ist da schon das, sobald sie wieder zu Hause sind, sie vom Geisterjungen verfolgt werden. Im Prinzip dient letztendlich dies als erweiterte Episode darum, wie Kayako Saeki mit ihrem Mann ins Haus eingezogen ist, besessen davon ein Kind zu bekommen, und letztendlich den Geist vom ermordeten Toshio zur Welt brachte, bis der Vater erneut gründlich aufräumte und alle umbrachte.

Mehr oder weniger alle zumindest, denn Ju-On: The Final Curse setzt genau dort an, wo The Begining of the End aufhörte. Die Rückblicke ins Jahr 2004 sind rum, denn wir wissen ja jetzt die Origins-Story der beiden Geister, die in 2014 Yui und Co. nachgestellt sind. Hier sind wir jetzt kurz nach dem Spurlosen verschwinden von eben Yui bei ihrer Schwester Mai und deren Freund, die anfängt die Begebenheiten um die letzten Tage und Wochen ihrer Schwester aufzudecken, während sie selbst vom Fluch heimgesucht werden. Als Nebenhandlung haben wir die Schülerin Reo, deren Mutter ihren Cousin aufnimmt, seitdem dessen Mutter umgebracht wurde und der Vater verschwunden ist. Die Tatsache, dass wir den Vater zwar Kayako und die Katze, aber theoretisch nicht Toshio on screen haben umbringen lassen, sowie das wir den bei Reo aufgenommenen Jungen zunächst immer nur per Hinterkopf sehen, sollte jedem sofort klar machen, dass dies der überlebende Toshio ist, lang bevor nach 30 Minuten der Film das als große Offenbarung hinstellt.

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Nachdem Black Ghost/White Ghost also ihre eigenes Ding gedreht haben, sind wir in der neuesten Ju-On Duologie zurück beim miauenden Toshio und seiner rasselnden Mutter Kayako, die jedem nachzustellen beginnen, der das Haus betritt, in dem sie umgebracht wurden. Die Sache läuft also nicht wirklich wesentlich anders ab, als in den alten Filmen von Anfang-Mitte 2000, nur das die erneut erzählte Origins-Story etwas anders und erweitert ist, weil sie im Prinzip diesmal einen kompletten Film von 90 Minuten durchhalten muss, bis es im zweiten Teil weitere 90 Minuten darum geht, zu sehen, ob man dagegen vielleicht was machen kann. Und wie immer in diesen Filmen gibt es keine Antworten eben darauf, sondern nur die Erkenntnis, dass der Fluch, wo er nun schon Mal auf die Welt losgelassen ist, nicht abwendbar ist. Selbst wenn man das verfluchte Haus an sich zerstört, denn Toshio und Kayako hängen sich schlichtweg an jeden ran, der es betreten hat, und ziehen eben bei denen ein, wodurch sich der Fluch erweitert. Im Prinzip wäre die beste Vorgehensweise das Saeki-Haus einfach abzuschotten, so dass die beiden Geister darinnen versauern können, ohne je in menschlichen Kontakt zu kommen.

Die Handlung ist also mal wieder gewohnt etwas dünn und gewohnt wiederholt, wie man das von der Franchise mittlerweile wohl gewohnt ist. Dennoch haben es The Beginning of the End und The Final Curse geschafft, mich nicht wirklich zu langweilen. Es mag etwas daran liegen, dass meine Erwartungen bei etwas mit Ju-On im Titel sowieso gezügelt beginnen. Es mag auch teilweise damit zusammenhängen, dass ich nach all den 1313s einfach schon froh über Filme bin, die halbwegs kompetent gefilmt, inszeniert, geschauspielert sind, und sogar mal wieder Horror bieten. Was auch immer eventuell unterbewusst mitgeholfen hat, aber ich würde die neuen Filme, die prinzipiell eigentlich eh nur einer von 3 Stunden zweigeteilt ist, durchaus als einige der besseren Einträge in die Franchise nennen.

Auch schlichtweg, weil sie einem mehr zeigen. Die früheren Filme hatten meist außer Suspens wenig zu bieten, in dem jeder Charakter zuerst langsam und dann häufiger einen weißen Schatten im Augenwinkel sah, bis sie dann plötzlich einem der Geister direkt gegenüberstanden, und Cut zum nächsten todgeweihten Charakter. Die beiden neuen Filme wirken sowieso von vornherein besser zusammenhängend und weniger episodisch. In Serien-Tradition sind sie immer nach in Vignetten unterteilt, die nach dem Charakter benannt sind, dem wir folgen. Doch diesmal hängen die eben besser zusammen. In The Beginning of the End sind das beispielsweise die vier Mädels in 2004 und Yui und ihr Freund in 2014, die zusammengenommen eben eine durchgehende Timeline erzählen.

Außerdem sind die Todesarten und Scares wesentlich vielfältiger, scheinen sich aus den vorigen Filmen genau wie aus anderen Horror-Ikonen zu bedienen. Der abgerissene Unterkiefer kommt beispielsweise aus einem der amerikanischen The Grudge, wenn ich mich recht erinnere. Und ganz grundlos ist ein Symptom des Fluches eine Besessenheit mit Spiralen, als wäre man kurzzeitig in einem Uzumaki gelandet. Einige Todesarten sind echt fies, andere sogar wieder unfreiwillig komisch, wie der merkwürdige Effekt, wenn sich der Mund des einen Mädels wie bei einer schmelzenden Aufblaspuppe langzieht, bevor der Kiefer reißt. Oder wenn einem Kerl das Genick gebrochen wird und er mit verdrehtem Kopf auf seine Freundin zuläuft. Dass Papa Saeki so gründlich ist selbst die Familienkatze in die Mikrowelle zu werfen, wird mich glaub ich auch nie nicht schmunzeln lassen.

Ganz sehenswert sind die beiden Einträge, wenn man ein Faible für J-Horror mitbringt, also auf jeden Fall. Aufgelöst wird erneut nicht viel, dafür aber ein Potpourri an Klischees des Genres in einen soliden 3-Stündiger gebündelt. Ein wenig Trägheit lässt sich natürlich in Film 10 und 11 einer relativ ähnlich gestrickten Franchise nicht abschütteln, wer allerdings noch kein einziges Ju-On gesehen hat, sollte vielleicht auch einfach hier starten, bei den beiden Teilen mit dem meisten Unterhaltungswert, und bevor einem das Konzept etwas müde wird.

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Ju-on: Part Quatre

ava-12492009 war das große Ju-on-Jahr, da die Serie ihr Zehnjähriges feierte. Neben dem dritten US-Film und einem Spiel für die Wii, brachten auch die Japaner wieder was auf die Leinwand, zwei Filme gleichzeitig sogar. Erneut hat Shimizu weder das Buch geschrieben, noch kehrt als Regisseur oder Produzent zurück. Supervisor ist er, was alles bedeutet kann, von „hat zu Allem sein Ok gegeben“ bis „hat mittags mal Reisbällchen vorbei gebracht“.

Neue Regie also. Und eine neue Handlung! Jepp, die 2009er-Filme – zumindest die japanischen – werden den angestaubten Saeki-Fluch los und präsentieren uns endlich was Neues. Oder auch nicht, geht es nämlich letztendlich um genau die gleiche Sache, nur unter anderem Namen. So ist Dreh- und Angelpunkt in White Ghost eine Familie, die in ein Haus zieht (aber nicht DAS Haus), was den Kerl verrückt werden lässt (es gibt Hints, dass die vorige Familie hier gestorben ist, auch wenn niemand deren Geister zu Gesicht bekommt) und seine Familie dahin meuchelt. Und zwei oder drei andere Leutz, die mit dem Haus/den Geistern in Berührung kommen, dürfen das Zeitliche segnen. Jepp, Saeki-Gluch nur in Grün halt.

Wobei White Ghost wesentlich enger gestrickt daher kommt, als frühere Ju-ons. Sicherlich, wir haben immer noch 10-minütige Vignetten unter den Namen verschiedener Charaktere, die ein paar unheimliche Erscheinungen haben, bis die Geister dann für den Kill nahe rücken. Jedoch findet der Großteil des Filmes über den Raum von wenigen Tagen statt. Und alle Opfer (bis auf einen) haben eine Verbindung zur Familie. Abgesehen davon gibt es gar nicht so viele, die nicht zur Familie gehören würden, die wirklich das Hauptaugenmerk der Geschichte ausmachen. Und was für eine seltsame Familie das doch ist. Die Omi ist unheimlich und schräg drauf. Der Vater ist Dauerenttäuscht von der mit 16 schwanger gewordenen Tochter und dem Sohn, der die Prüfungen wiederholt versemmelt. Der Sohn ist jener, der nach dem Einzug ins Haus anfängt, sich seltsam zu verhalten (inklusive seine kleine Nichte zu bedrängen…). Ehrlich gesagt ist der Film etwas zu sehr wie die vorigen aufgebaut, um wirklich sonderlich spannend zu sein, wäre da nicht das Sahnestück von einem Finale. Das Highlight ist tatsächlich, wie der Kerl die fünf Mitglieder seiner Familie umbringt. Ähnlich wie der Saeki-Vater nämlich ziemlich brutal und emotional total uninvolviert. Bringt ziemlich raue Abwechslung in einen Film, der bisher hauptsächlich auf den goofy aussehenden Geist einer Omi mit Baseball in Händen gesetzt hat.

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Es mag schrecklich überraschen, aber würdet ihr mir glauben, wenn ich schreibe, dass Ju-on: Black Ghost mit der Nachricht beginnt, dass eine Familie in einem Haus brutal gemordet wurde? Das hatten wir in der Reihe ja noch gar nicht. Doch ein paar Segmente später kommt tatsächlich die Überraschung, wenn es bei einem langsam klickt macht, dass dies nur ein Red Hering ist und es diesmal tatsächlich nicht um familiäre Geistererscheinungen geht!

Nicht, dass Black Ghost wirklich viel spannender ist, letztendlich. Denn schon kurz darauf, bereits zur Halbzeit des Einstünders, verschießt er jegliches Pulver an Suspens, was den schwarzen Schulmädchengeist angeht, in dem er uns direkt sagt, was die Ursache ist. Danach passiert nicht mehr wirklich was, außer einem Exorzismus und viel luftleerer Raum drum herum.

Da ist halt erneut wieder das Problem der Reihe: So wirklich unheimlich ist sie nicht. Für ein oder zwei Filme vielleicht, aber dann kristallisiert sich doch schnell heraus, wie die Scares aufgebaut sind und das es eben häufig auch viel Panik um Nichts ist. Ju-on: Black Ghost hat einen neuen Geist, aber operieren tut jener erneut nicht wesentlich anders, als die weißen Frauen der acht Vorgänger.

Und damit kommen wir zu einem lauen Ende einer Reihe, der unglaublich schnell die Luft ausging, und es dennoch irgendwie auf neun Einträge schaffte. Gut, ist auch nur einer mehr, als Tomie, und die Filme sind wesentlich schlechter. Ju-on ist ja immerhin ganz Ok. Für einen Film oder zwei, es ist halt kein Konzept, dass so vielen Filmen standhalten würde, wie sie gemacht haben. Und ein Ende ist wohl auch noch nicht erreicht, soll doch angeblich dieses Jahr ein weiterer Film rauskommen, nämlich ein amerikanisches Reboot.

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Ju-on: Part Trois

ava-1247Shimizu schmiedet seine Eisen, solange sie noch heiß sind und so ließ er sich nicht lang lumpen, als America in der J-Horror-Welle auch um ein Remake seiner Ju-on bat. Er nahm sogar selbst Platz auf dem Regiestuhl, was wenn ich mich recht erinnere, zum ersten Mal bei einem J-Horror-Remake war und danach ein kurzlebiger Trend wurde, die Originalregisseure zu holen, statt einen Ami es remaken zu lassen. Kurzlebig, weil der J-Horror-Trend zum Release von The Grudge schon wieder auf dem absteigenden Ast war.

In diesem Falle handelt es sich nun tatsächlich um ein Remake, The Grudge erzählt im Prinzip genau die gleichen Ereignisse, wie Ju-on: The Grudge damals, mit ein paar kleinen Änderungen, dafür sind andere Szenen Shot for Shot wiedergegeben. Zugeständnisse an das amerikanische Publikum macht Shimizu dabei so wenig, wie nur möglich (in den Titel Cards der US-Filme tauchen selbst die japanischen Ju-on-Schriftzeichen auf). So spielt auch The Grudge in Japan im gleichen Anwesen, mit den gleichen Saekis, die den Ursprung des Fluches bilden. Allerdings wohnt eine amerikanische Familie dort, die Sozialarbeiterin ist Sarah Michelle Gellar und auch der Professor, der maßgeblich (unschuldig) am Unglück beteiligt ist, ist Ausländer.

Das Ganze sieht auf einem technischen Level nun natürlich eine ganze Ecke besser aus, auch wenn ich sagen muss, dass die Geister dadurch irgendwie ein wenig goofy wirken, in der einen oder anderen Szene. Wirklich mehr Gore oder laute Jump Scares bzw. allgemeine Effekthascherei wird man nicht entdecken, wobei sich die japanischen Filme ja sowieso nie mit dem Auftauchen der Geister groß zurückgehalten haben, und Shimizu die Fehlender-Unterkiefer-Szene aus Ju-on: The Curse hierein zieht.

Nun ja, es ist halt tatsächlich so, The Grudge ist einfach Ju-on: The Grudge noch mal von vorn, quasi sich genau gleich entfaltend, nur diesmal mit einem halben Cast an kaukasischen Schauspielern. Nicht besser, nicht schlechter, sondern eben einfach alles erneut.

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Eine besondere Änderung finden wir aber erst in The Grudge 2 heraus: Sarah Michelle Gellar hat überlebt. Der Vorgänger endete mit der typischen Szene, dass Kayako vor ihr auftauchte, dann Fade to Black. Hieß bisher für alle Charaktere, dass der Fluch sie erwischt hat. Nicht so hier. Was aber wohl nur der Fall ist, um erneut eben Sarah Michelle Gellars Namen in den Credits zu haben, letztendlich kommt sie nämlich nur in zwei Szenen vor, bis der Fluch sie nun aber auch wirklich erwischt.

Der Rest ist altbekannt: Charaktere gehen ins Haus (nun etwas verbrannt, da Gellar es angesteckt hat, was aber nicht viel Unterschied macht) und werden von den Geistern von Kayako und Toshio (und deren Katze, weil der Ehemann echt gründlich vorgegangen ist und selbst das Vieh ertränkt hat) geplagt, bis sie am Ende ihres Segmentes umkommen und der nächste Charakter ins Haus stolpert, bzw. der Fluch sich auf deren Angehörige ausweitet.

The Grudge 2 versucht dabei etwas neuen Wind rein zu blasen, in dem wir eine Backstory bekommen, warum Kayako überhaupt dazu fähig ist, im Tod einen solch starken Fluch zu hinterlassen. Das ist sowieso klarer Fall von „too little, too late“, und ich weiß auch nicht, ob ich’s so oder so gut finden kann. Die Randomness des Fluches, eben die Grundlosigkeit der Angelegenheit, hat doch etwas vom Schrecken ausgemacht. Quasi jeder konnte zu einem solchen Geist werden, jedes Haus, in dem man seinen Fuß setzt, in dem jemand brutal umgekommen ist, konnte einen verfluchen. Dem ist nun anscheinend nicht mehr so, auch wenn jemand vergessen hat, den Anfangstext jeden dieser Filme, der nun nicht mehr passt, zu ändern. Dafür ganz nett, dass die Opfer-Charaktere hier definitiv stärker charakterisiert sind, als in den Vorgängern. Man findet tatsächlich etwas mehr, als das unbedingt Nötigste, über sie heraus, bevor sie um die Ecke kommen.

Die Sache ist die, dass die Ju-ons/The Grudges alle durchaus ganz Ok sind, aber wir sind jetzt einfach beim sechsten Film angelangt und die Sache hat sich, obwohl sich qualitativ nicht viel geändert hat, nun einfach mal tot gelaufen. Man kann nur so häufig einen Film dieser Machart sehen, bis die Luft und Spannung raus ist, weil man mittlerweile die meisten Scare Setups schon ähnlich in den Vorgängern sah, es ob der Unentrinnbarkeit des Fluches auch klar ist, dass wir für keinen Charakter mehr fiebern müssen, sobald er die Schwelle des Hauses übertreten hat. Am Ende eines jeden Filmes sind sowieso alle tot.

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2009 verschlug es die Reihe dann mit The Grudge 3 zurück an ihre Wurzeln als Direct-to-Video Produktion. Und brach mit ein paar langen Traditionen. So ist es der erste Film, bei dem Shimizu nicht Regie führte, sowie der erste, bei dem Kayako nicht von der gleichen Schauspielerin portraitiert wird (man hat nicht mal sonderlich drauf geachtet, für sie und Toshio Schauspieler zu casten, die den vorigen ähnlich sehen).

Der Film beginnt wie der vorige damit, uns zu zeigen, dass das Opfer der finale Szene jene doch irgendwie überlebt hat, nur um ihn gleich darauf umzubringen. Und dann die große Überraschung: The Grudge 3 ist komplett linear erzählt! Kein hin und her mehr zwischen verschiedenen Zeitpunkten in der Geschichte und kaum zusammenhängenden Charakteren. Und quasi keine Szene mehr in Japan, alles dreht sich um den amerikanischen Wohnkomplex aus dem Vorgänger, in den der Fluch nun übergesiedelt ist. Nach den dortigen Toden ziehen immer mehr Leute aus und der Hausmeister und seine zwei Schwestern werden zum neuen Opfer von Kayako und Toshio, neben ein paar anderen Figuren, die dumm genug sind, das Gebäude zu betreten.

Und dann eine weitere Überraschung, The Grudge 3 expandiert die Backstory des Vorgängers, in dem er uns eine Schwester Kayakos erfindet, die tatsächlich eine Möglichkeit kennt, den Fluch zu beenden. Zum ersten Mal in einem dieser Filme ist der Tod also nicht unausweichlich, sondern es gibt eine Lösung, eine Überlebenschance.

Das ist ja schon fast kein Ju-on mehr, eh? Genau genommen kommt es einem tatsächlich weniger wie J-Horror-Standard vor, denn wie US-Horror-Standard. Mehr Charakterisierung, ein Mädel, das sich dem Reinigungsritual krumm stellt, ein hässliches Kind mit unheilbarer Krankheit, das in die Lösung hinein spielt. Mehr Blut, als in den unmittelbaren Vorgängern (aber nicht wirklich viel brutaler, als die ersten beiden Ju-ons mit der Säuglingssache). Jepp, The Grudge 3 bringt frischen Wind in die Reihe, in dem es abgestandenen Wind aus typischen amerikanischen Horrorfilmen einbläst. Von daher… netter Versuch, aber erneut nicht super spannend, zumal er es wie der Vorgänger nicht wirklich schafft, einen der Scares wirklich unheimlich zu machen.

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Ju-on: Part Deux

ava-1245Die beiden Direct to DVD Ju-ons waren wohl ein gewisser Underground Hit in Japan und so konnte Shimizu wenige Jahre später die Serie auf die richtige Leinwand hieven, mit Ju-on: The Grudge. Das war mein (und wohl mit dem US-Remake der meisten) Einstieg in die Reihe, hab ich mir die DVD damals, als ich eine Reihe J-Horror gekauft habe, erstanden. Blieb bis jetzt auch meine einzige Berührung mit der Reihe.

Hier und dort wird gern mal behauptet, dies wäre ein Remake des ersten Filmes, jedoch stimmt das nicht mehr, als sowieso jeder Ju-on mehr oder minder der gleiche Film wieder und wieder erzählt ist. So sind alle Segmente in Ju-on: The Grudge neu, nicht ein Ereignis ist so auch in Ju-on: The Curse zu sehen und das kurze Segment in Ju-on: The Curse 2, in dem ein paar Schulmädchen Off-Screen im Haus gekillt werden, ist sogar das Setup für eines im hiesigen Film. Von daher ist’s schon der dritte Teil, nicht das es wirklich je wichtig wäre, einen der anderen zu kennen.

Immerhin haben die Ju-ons keine Handlungen oder Charaktere, zumindest nicht wirklich. Die Hintergrundgeschichte, die auch hier kurz wiedergekäut wird, ist immer, dass die Saekis im Haus umgebracht wurden und nun ihre Geister alle umbringen, die mit ihm in Berührung kommen. Der Rest der Filme sind jedes mal die 10-15-minütigen Vignetten, wie ein Charakter ins Haus kommt und dort oder später umgebracht wird. Sterben tun sie alle irgendwann. Und Charaktere sind es von daher nicht wirklich, sondern nur Kanonenfutter, alle 15 Minuten folgen wir immerhin einem neuen Todverurteilten, weswegen man auch nie mehr über sie herausfindet, außer den Grund, was sie im Haus zu suchen haben. Das Ehepaar lebt mit seiner Mutter dort, sie ist die Schwester des Ehemannes, sie die Sozialarbeiterin der Großmutter, er Polizist und untersucht die Morde.

Das Ganze ist wie gewohnt nicht in chronologischer Reihenfolge erzählt, um komplexer zu wirken, als dies eigentlich ist, aber da der Film auch nicht wirklich irgendwas an großen Aha-Effekten nutzt, die nur durch diese verschobene Aneinanderreihung entstehen könnte, sondern das schon fast willkürlich wirkt, ist es auch nie wirklich schwer den Überblick zu behalten, welches Segment nun wann angesiedelt ist.

Dank des höheren Budgets ist die Atmosphäre diesmal zumindest auch dichter und durch die Kürze der Vignetten ist immerhin sichergestellt, dass man die Geister viel zu sehen bekommt und es nie langatmig werden kann. Wobei die Geister streng genommen auch nicht viel machen, außer meist unmotiviert wo rum zu stehen oder sitzen, gern nur am Rande des Sichtfeldes, bis sie am Ende des Kapitels direkt vor dem Charakter auftauchen und Fade to Black Off-Screen töten. Man merkt halt schnell, dass nicht viel dahinter steckt, an so einem Ju-on, besonders wenn man mehrere Filme sieht, da sie doch sehr samey sind.

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Und dennoch, nur knapp ein weiteres Jahr später, Ju-on: The Grudge 2. Mehr vom Gleichen? Natürlich, aber nicht ganz. Diesmal ist die Rahmenhandlung die um einen schwangere Akteurin, die bei einer Doku ums Seaki-Haus eingeladen wird, weil sie als Scream Queen bekannt ist. Natürlich bestehen nun die 90 Minuten erneut aus kurzen Segmenten, wie die einzelnen Beteiligten des Drehs sowie Bekannte der Schauspielerin von Kayako und Toshio umgebracht werden. Soweit mal nichts Neues im Lande Ju-on Aufguss die Vierte.

Doch diesmal scheinen die Geister tatsächlich einen Plan zu verfolgen, statt wie sonst halt alles umzubringen, was auch nur mal in die generelle Richtung des Hauses geschaut hat, und das wars. Denn Kayako nimmt den Fötus in Besitz, um wiedergeboren zu werden. Warum überhaupt und warum jetzt, erklärt uns der Film allerdings nie, sie tut es eben einfach. Aber es gibt dem dürftigen Storygerüst der Reihe zumindest eine neue Komponente.

Schon etwas seltsam ist allerdings, dass der Film so viel Suspens um seine Ereignisse dreht. Es fängt mit der Schauspielerin und ihrem Freund an, die einen Autounfall auf Grund der Geister haben. Und ich werde das Gefühl nicht los, wir als Zuschauer sollen uns nun fragen, warum die Geister das gemacht haben. Genau wie später im Film die involvierten Charaktere ganz überrascht sind, herauszufinden, dass nach und nach jeder, der am Dreh beteiligt war, stirbt. Für die ist das neu, freilich, für uns als Zuschauer aber nicht. Die waren im Haus, also töten die Geister sie. Dass sie das nicht unbedingt im Haus an sich tun, sondern es durchaus verlassen können, ist für uns ebenfalls keine Neuigkeit.

Ich muss aber zugeben, dass die Ju-ons zwar immer das Gleiche machen, doch zumindest kontinuierlich besser darin werden, was natürlich zu erhoffen ist. Von daher ist jeder weitere Film schon ein besserer, als der Vorgänger, so ganz kann man aber eben nicht abschütteln, dass man all dies schon drei Mal gesehen hat. Immerhin spielt Ju-on: The Grudge 2 etwas mehr mit der Tatsache, dass er Zeiten durcheinander wirft. Schon in vorigen Filmen haben Charaktere Ausblicke in Ereignisse gehabt, die erst noch passieren werden oder schon jemand anderem passiert sind. Hier führt das mit dem Tomoka-Segment zu einem richtig cleveren Aha-Effekt gegen Ende.

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Ju-on: Part Un

ava-1241Ju-on/The Grudge ist eine Horrofilm-Reihe, die auch auf Rings Erfolg von Suspens-Japano-Filmen aufgesprungen ist und es im Fahrtwasser zu mehr Teilen geschafft hat, als dem nötig wäre. Die sind fast alle zurückgehend auf Regisseur Takashi Shimizu, selbst die US-Produktionen. Der Mann steckt übrigens auch hinter Tomie: Re-birth, Teil einer weiteren Japano-Horror-Reihe, die es ob ihrer Qualität nie hätte auf mehrere Filme bringen dürfen.

Den Start der Saga um blasse Frauen und miauende Jungen legte der gute Mann allerdings bereits in zwei je 3-minütigen Vignetten für den TV-Film Gakkou no kaidan G. Bei der Länge sind sie nicht der Rede wert, tun aber auch nicht weh, sie sich anzuschauen. In a Corner hat zwei japanische Schülerinnen, die bei der Dienstverlosung das Kümmern um die Karnickel gezogen haben. Dabei kriecht eine blasse Frau aus dem Gebüsch, die gerade ihr bestes Sadako-Cosplay hinlegt, und bringt die beiden um (wahrscheinlich, da Fade to Black). In 4444444444 findet ein Schüler eine Handy, das zu klingeln beginnt, Anruf von jener Nummer (4 ist Japans Unglückszahl, da sie wie Tod ausgesprochen wird). Am anderen Ende ist eine Katze. Nein doch nicht, sondern der miauende Junge, der den Kerl umbringt (zumindest anzunehmen, erneut Fade to Black). Beide Dinger sind also ziemlich mau und einen ganzen Abendfüllenden Film aus solchen Ereignislosen Episödchen stelle ich mir doch sehr ermüdend vor, bei wachbleiben zu wollen.

Auf diese Probe gestellt werde ich natürlich sofort, beim zwei Jahre später erschienenen, ersten vollwertigen Film um den Fluch, Ju-on: The Curse. Die 70-minütige Direct-to-Video Produktion ist nämlich eben in ungefähr 10-minütige Kapitel unterteilt, alle benannt nach dem Charakter, der hier das Zentrum bildet. Und von den Geistern umgebracht wird. Die Ereignisse aus In a Corner und 4444444444 spielen parallel dazu, wären sozusagen zwei weitere Szenen hierin gewesen (kommen aber nicht erneut vor). Die Angelegenheit versucht zwar etwas komplexer zu wirken, in dem die Ereignisse aus keinem erfindlichen Grund non-chronologisch erzählt werden, den Überblick zu finden ist aber mehr als einfach, weil nicht wirklich viel Inhalt im Film steckt. Es gibt sozusagen drei Zeiten. Die eine dreht sich um einen Lehrer, der das Elternhaus eines lang absent befindlichen Grundschülers besucht, dort den verwahrlosten, misshandelten Jungen allein vorfindet. Die andere spielt Jahre später und dreht sich um eine Familie, die im gleichen (nun Spuk-)Haus lebt und von den Geistern der vorigen Familie umgebracht werden. Die letzte Szene des Filmes spielt dann dazwischen und zeigt eine paranormal Begabte, die für einen Makler das zum Verkauf stehende Haus unter die Lupe nimmt.

Im Prinzip lässt sich Ju-on: The Curse in wenigen Worten zusammenfassen: Familie kommt unter tragischen Umständen im Haus ums Leben und nun bringen ihre Geister jeden um, der das Gebäude betritt. Viel mehr steckt nicht im Film und der Großteil der Szenen läuft nach dem genau gleichen Schema ab: Protagonist macht alltägliche Dinge, hört etwas seltsames, geht nachschauen, sieht einen Geist, Fade to Black. Nächste Szene, alles von vorn. Noch ist das kurz genug, um nicht komplett zu langweilen, und dafür, dass das Ding absolut kein Budget hat, holt es dennoch etwas Atmosphäre aus den Szenen heraus. Doch so wirklich Begeisterung für den Film mag auch nicht aufkommen, schon allein weil sich so blasse Japano-Geister natürlich in den letzten 13 Jahren, seit er erschien, tot gelaufen haben.

Ju-on: The Curse 2 setzt dann dort an. Mehr oder minder zumindest, denn der bessere Titel des im gleichen Jahr noch raus gehauenen Filmes wäre wohl Ju-on 1.5, besteht doch die erste Hälfte der 75 Minuten aus nichts anderem, als Wiederholung des ersten Filmes. Genau genommen die Segmente um den Lehrer und dem Medium werden uns erneut gezeigt, bevor es mit neuem Material los geht. Dann wird gezeigt, wie sich der Fluch sozusagen ausbreitet. Erneut auf mehrere Protagonisten verteilt sehen wir, wie die Familie des Mediums und des Hausmaklers von den Geistern bedroht wird, sowohl denen aus dem Seaki-Haus wie der Familie des Lehrers. Anscheinend hat jeder, der von den Geistern umgebracht wird, die Chance drauf, selbst ein Spieler im Fluch zu werden. Zwischendurch sehen wir auch noch kurz ein neues Paar, das im Saeki-Haus wohnt sowie Polizisten, die den Fall um all die durch den Fluch verschwundenen Leute investigieren. Spoiler: Geister tauchen auf und bringen sie um.

Ju-on: The Curse 2 ist ein leicht zweischneidiges Schwert. Denn zum einen ist die zweite Hälfte der stärkere der ersten beiden Filme, da spannender, der Ablauf nicht ganz so uniform, auch wenn letztendlich das Grundschema nicht anders ist, als im Vorgänger, ist der Aufbau etwas verschachtelter und die Geisterscheinungen sind kreativer. Leider gibt es halt die erste Hälfte des Filmes, die 1:1 aus dem Vorgänger übernommen wurde und am besten schlichtweg überspult wird.

Was es mit der Obsession für Katzen in den Filmen auf sich hat, finden wir allerdings nie heraus. Ernsthaft, im ersten Film haben wir einen Charakter, der panische Angst vor den Tieren hat, einen weiteren, der Porzellankatzen sammelt, den miauenden Geisterjungen, der Katzenbilder malt, und Charaktere, die referieren, dass lauter Streuner die Nachbarschaft unsicher machen.

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