Superhero Sunday – Kick-Ass 2

ava-1893Damals, in der ersten Reihe an Superhero Sundays, war Kick-Ass zusammen mit Watchmen einer der erfrischendsten Einträge, die ich gesehen habe. Beide grundsätzlich deswegen, weil sie nicht nur schonungsloser und brutaler waren, sondern weil sie die ganze Sache wesentlich realistischer angegangen sind, wo die Brutalität ja auch reingepasst hat, selbst Christopher Nolans Batman Trilogie wirkt nicht ganz so in der Wirklichkeit verwurzelt.

Kick-Ass 2 geht nun diese „was wäre, wenn normale Menschen als Superhelden auf die Straße gingen“-Idee weiter… scheint aber nicht so ganz zu wissen, was es damit anfangen soll. Nachdem Kick-Ass zur viralen Sensation wurde gibt es also reichlich Nachahmer, und Dave schließt sich sogar einer Gruppe davon an, die alle tatsächlich einen recht Superhero-Origins-Grund haben, warum sie das machen, eben weil sie nach Gerechtigkeit suchen, die das System ihnen nicht bieten kann, nur so richtig drauf eingehen tun wir nicht. Jeder darf bei seiner Bekanntmachung mal sagen, welche Tragödie in ihrem Leben sie angestachelt hat, aber danach rücken sie in den Hintergrund.

Und das ist etwas symptomatisch für den ganzen Film. Dass Dave sich nicht mehr richtig in ein normales Leben integrieren kann und wieder zu Kick-Ass wird. Dass Chris mit dem Verlust seines Vaters nicht klar kommt und zum ersten Superschurken wird. Der Versuch von Mindy sich als normale Schülerin zu geben, nur um dann doch ihr altes Ego als Hit Girl als das wahre Ich zu sehen (was sowieso nach dem ersten Film überraschend in ein positives Licht gestellt wird). Die Truppe, die sich Chris anlacht. Es gibt so viele Charaktere und so viele Nebengeschichtchen im Film, die aber alle irgendwie etwas halbherzig abgespeist werden.

Die Sprüche sind natürlich weiterhin flapsig, und die Action ist weiterhin cool, die Realitätsverankerung immer noch ein Stück da. Nur eben die Handlung schwammig und dementsprechend die Struktur des Filmes sehr wackelig. Mindy als Hit Girl ist beispielsweise weiterhin ein Highlight, vielleicht nur von Mother Russia übertroffen, aber eben jene ist sie die meiste Zeit über gar nicht. Dass Selbstjustiz gefährlich ist und sich ohne Superkräfte oder Millionschwere Gadgets schlecht als Möchtegern-Superheld überleben lässt, blendet der Film fast komplett aus, nur um dann am Ende doch irgendwie zu meinen, deren Zeiten wären rum. Ich weiß nicht, ganz ok war Kick-Ass 2 schon irgendwo, mir fehlte es aber definitiv an Biss und Richtung.

kickass2

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I Love You Phillip Morris

ava-1635Kommen wir doch gleich zur nächsten Romanze mit Jim Carrey, diesmal im Paket einer Liebeskomödie basierend auf einer wahren Begebenheit in I Love You Phillip Morris.

Steven hat eigentlich eine recht normale Kindheit mit zwei liebenden Eltern, einzig das er adoptiert ist gibt ihm zu nagen, und der daraus resultierende Minderwertigkeitskomplex führt dazu, dass Steven sich dazu entschließt sein Leben so proper zu führen wie nur möglich. Er wird Polizist, geht regelmäßig zur Kirche, heiratet und zeugt eine Tochter. Das einzige Problem dabei? Steven ist eigentlich schwul und sobald er einen Autounfall hat, beschließt er sich nicht mehr verstellen zu wollen.

Also verlässt er seine äußerst verständnisvolle Frau und lebt nun das Leben als der Vorzeige-Schwulste, den er sich nur vorstellen kann. Immer hip, immer gut drauf, immer mit dem neuesten Klatsch und den angesagtesten Orten parat, und komplett durchgestylt und seinem Freund die teuersten Geschenke machend. Das erneute Problem: Schwul zu leben, oder zumindest so wie sich Steve das vorstellt, ist verdammt teuer. Teurer als Steve sich das eigentlich leisten kann. Also wird er zum Trickbetrüger. Und gefasst. Und ins Gefängnis geworfen.

Dort trifft Steve auf seine große Liebe, den schüchternen Phillip. Und nachdem Steven entlassen wird, tut er sogar so, als wäre er ein Anwalt, nur um Phillip früher aus dem Gefängnis zu boxen, damit sie zusammen sein können. Das Problem: Steve hat nicht wirklich dazugelernt und versucht sich und Phillip weiterhin ein Leben zu finanzieren, das er sich eigentlich nicht leisten kann. Und so landet er wiederholt im Knast, und flieht wiederholt daraus, um mit seinem Phillip zusammen zu sein.

Wenn man es genau nimmt, so hat die Geschichte alle dunklen Elemente für ein Drama parat. Wir haben einen Schwulen, der die Lüge lebt, um es der Gesellschaft recht zu machen. Und der eine Familie im Stich lässt, als er jene Lüge nicht mehr aushält und sich dazu entschließt, als er selbst zu leben. Er wird wiederholt in den Knast geschmissen und bricht wiederholt aus. Und dabei hätte er dies gar nicht mal nötig. Seine beiden Freunde lieben ihn tatsächlich, verlangen gar nicht mal nach dem teuren Lebensstil. Steve ist wie die meisten erfolgreichen Trickbetrüger auch durchaus gewitzt und charmant, und bekommt sich so sogar in eine recht hohe Stelle geschwatzt, für die er eigentlich gar nicht qualifiziert ist – aber eben weil es ihm nach noch mehr Geld verlangt und er den Nervenkitzel nicht missen will, betrügt er auch seine neue Firma um Kohle, was ihn wieder ins Gefängnis bringt. Bei all den Versuchen seinen Liebsten den Lebensstil zu ermöglichen, den er für sie angemessen findet, ihnen jeden Wunsch den sie nicht mal hatten von den Augen abzulesen, scheint er nie wirklich auch mal deren tatsächliche Wünsche zu erfragen, sondern riskiert lieber die Trennung durch schwedische Gardinen und die Probleme, die seine Angebeteten deswegen unterliegen (Phillip kommt beispielsweise ebenfalls erneut in den Knast, weil man ihn für Steves Komplizen hält).

Aber ein oder zwei Momente ausgenommen ist I Love You Phillip Morris wenig dramatisch und strahlt stattdessen erstaunlich viel Leichtigkeit aus. Wahrscheinlich weil Steve es so einfach im Leben hat (oder haben könnte), ihn jeder mag und niemand für irgendwas (lange) böse ist. Weil er so ein charismatischer und lebensfroher Kerl ist. Macht tatsächlich einen Film voller Witz und Charme, zum Wohlfühlen in der Bauchgegend. Und wenigstens mal ein Film „schwuler Thematik“, der nicht die ewig gleich-langweilig dramatische Coming of Age Story oder Closeted Gay Bashing ist. Scheinbar dürfen schwule Hauptcharaktere tatsächlich nur in Komödien fröhlich sein.

phillipmorris

Eternal Sunshine of the spotless mind

ava-1634Bei Eternal Sunshine of the Spotless Mind handelt es sich im Prinzip „nur“ um die Geschichte eines ungleichen Paares, ihres Kennenlernens, ihres Auseinanderlebens, und wie sie letztendlich doch wieder zueinander finden.

Die beiden Charaktere in Frage wären Joel, der ziemlich introvertiert und eventuell sogar etwas zwangsneurotisch ist; und Clementine, die ein Risikofreudiger Freigeist mit einem Alkoholproblem ist. Die beiden fühlen sich sofort zueinander hingezogen, aber über die Jahre der Beziehung fallen sie eben in einen Trott, bieten die sich zunächst komplimentierend verschiedenen Persönlichkeiten immer mehr Reibungsfläche, fangen die kleinen und größeren Schwächen an den jeweils anderen mehr und mehr zu nerven. Und letztendlich bricht die Beziehung an irgendwas, der Film spricht nicht mal direkt an was es ist, denn dazu gehört manchmal eben nicht mal was Großes.

Und dann kommt das Gimmick hinein, aus dem Eternal Sunshine of the Spotless Mind was Besonderes wird: In der hiesigen Welt kann man sich die Erinnerungen an eine Person komplett entfernen lassen, und die spontane Clementine entscheidet sich dafür, dass sie lieber alle Erinnerungen an Joel löschen lässt, statt mit dem Trennungsschmerz weiterleben zu müssen. Sobald Joel dies herausfindet, ist er wiederum so verletzt, dass er sich aus Trotz der genau gleichen Prozedur unterzieht. Nur um währenddessen zu merken, dass er die vielen guten Erinnerungen an die schöne Zeit gar nicht verlieren will, und sein Geist anfängt gegen die Löschung sich aufzubäumen.

Genau genommen ist der Film nämlich gar nicht chronologisch aufgezogen. Wir starten mit einer Szene, in der Joel und Clementine sich treffen und zueinander hingezogen fühlen, obwohl sie nicht sicher sind warum, und eigentlich auch nicht so recht zu klicken scheinen. Dann plötzlich haben sie sich getrennt und fast eine halbe Stunde im Film, mit der Eröffnung über die Erinnerungs-Löschungs-Methode geht uns als Zuschauer erst ein Licht auf: Die Anfangsszene ist eigentlich das Ende der Geschichte, wenn beide nach ihrer Erinnerungslöschung dennoch wieder zueinanderfinden, danach springt der Film zu ihrem Bruch, und dann erst finden wir raus, wie sie sich wirklich zuerst getroffen haben und was für gute und schlechte Zeiten sie verlebten, in dem wir dies als die langsam ausradierten Erinnerungen von Joel präsentiert bekommen, der sich dem Prozess unterzieht.

Dieses bewusste Durcheinanderwerfen der Beziehungsstationen ist sicherlich auch zum Teil der Reiz, der den Film ausmacht, statt das Liebesdrama gewöhnlich und chronologisch aufzuziehen. Jedoch ist Eternal Sunshine nicht einfach nur Schall und Rauch, sondern auch reizvoll, eben genau weil die Beziehung so viel echter wirkt, nicht unnötig romantisiert ist. Es klappt halt nicht immer gleich, man klickt nicht zwangsläufig sofort trotz Attraktion zueinander, Charakterschwächen werden nicht immer Überwunden, man lebt sich auseinander und bricht dann durchaus an der Summe der Kleinigkeiten statt einem großen Bang, trotz Liebe funktioniert es letztendlich nicht immer, und vor allem besteht die Beziehung nicht nur aus den guten sondern auch den schlechten Zeiten die man miteinander verlebt hat. Das Ende, wenn sie wieder zueinanderfinden, ist dann zwar hoffnungsvoll, aber offeriert auch keine perfekte Antwort. Beide wissen das sie sich schon einmal auseinandergelebt haben, keiner kann genau sagen, ob dies nicht wieder geschehen wird, auch wenn sie es erneut versuchen wollen. Und das ist dann letztendlich wirklich, weswegen der Film so besonders ist.

spotlessmind