Shark Week IV – Jaws Revenge

ava-1720Ah, noch mal 4 Jahre hat es gedauert, bis Jaws: The Revenge die Franchise zu Grabe trug. Ein Schnellschuss war es, der Regisseur wurde bereits an Bord geholt, als es noch kein Script gab, und im Februar begann das Filmen, obwohl er bereits als Sommerblockbuster des Jahres herhalten sollte, man also knapp über einen Monat nur Zeit hatte, ihn in den Kasten zu bringen. Michael Cane hatte nicht mal die Zeit, seinen Oscar persönlich entgegen zu nehmen, weil er noch hier eingebunden war, sagt aber immer gern mit Humor, dass ihm Jaws: The Revenge immerhin ein schönes Haus finanziert hat, und einen Film auf den Bahamas zu filmen auch schwerlich ein schreckliches Los an Location war.

Was Jaws: The Revenge übrigens auch tut, ist Jaws 3D, der nicht so gut ankam, komplett zu ignorieren – nur um im Auge der Allgemeinheit dann noch schlechter zu sein. Diesmal dreht sich übrigens alles um Ellen Brody, denn ihr Mann, der uns in den ersten beiden Filmen als Hauptcharakter diente, ist Off Screen dahin geschieden. Am Herzinfarkt, doch Ellen ist überzeugt der Hai hat ihn gekillt. Ach ja, der Hai ist jetzt offiziell einer. Während die vorigen Filme durchaus so taten, als wäre das jedes Mal ein neuer, und die Brodys haben halt einfach Pech, was ja auch Sinn macht, da im Finale die Haie immer ziemlich eindeutig ermordet werden, wird er in The Revenge doch zum animalischen Slasher, der irgendwie immer wieder kommt, und einen sechsten Sinn dafür hat, wann immer jemand der Brody-Blutlinie sich ins Wasser begiebt.

Case in Point Ellens jüngster Sohn, nun in die Fußstapfen seines Vaters getreten und somit Sheriff der Kleinstadt, wird zu Weihnachten vom Hai gefressen. Ihr älterer Sohn und dessen Familie nehmen deswegen Ellen bei ihnen auf den Bahamas auf, und ignorieren ihr irrsinniges aber stimmiges PTSD-Geschwafel davon, dass es der gleiche Hai ist und er es auf die Familie abgesehen hätte. Zumal, so meint Sohnemann, gibt es auf den Bahamas ja eh keine Haie. Der gute Herr angehende Meeresbiologe mag vielleicht noch mal Wikipedia checken, bevor er sich zu so einer Aussage hinreißen lässt, denn die gibt es dort sehr wohl, auch wenn Übergriffe gering sind, so kann man dort auf die ebenfalls durchaus gefährlichen Tiger- und Bullenhaie treffen, und ja auch Weiße Haie schwimmen dort vereinzelt mal vorbei.

Der Rest des Filmes besteht eigentlich aus dem Familienleben der Brodys, besonders wie Ellen über ihr Trauma hinweg kommt, mit immer mal wieder Shots auf den rum schwimmenden Hai, der aber erst gegen Ende wirklich zu schlägt (im Film gibt es tatsächlich nur zwei Opfer), bis Ellen ihm am Ende zum Explodieren bringt, weil sie ihn… mit Holz aufspießt? Muss wohl ein Hai mit sehr experimentellem Herzschrittmacher gewesen sein.

Ich kann die Jaws-Filme irgendwie nicht komplett hassen. Auch The Revenge nicht. Ich mein er ist natürlich schon ziemlich dämlich, mit dem Stalker-Hai und allem. Aber bei den vielen hässlichen und dümmlichen Direct-to-DVD CG-Schandtaten, die heutzutage erscheinen, haben diese Kinofilme aus den 70er und 80ern irgendwie vergleichsweise eine gewisse Klasse. Und da ich nie total in den Erstling verliebt war, fühle ich mich auch nicht von den Sequels betrogen.

So ist beispielsweise der Film kompetent gemacht. Gut gefilmt, von der verwirrenden Szenenabfolge am Ende mal abgesehen (welches vor dem Austausch anders verlief), gut geschauspielert, und die Szenerie der Bahamas schaut auch gut aus. Auch wenn sich das Budget nicht im Hai wiederfindet leider, denn der ist ungefähr so beweglich, wie in den 3D-Shots des Vorgängers, also praktisch gar nicht. Zum Großteil finde ich den Film nicht total mies, sondern einfach nur recht langweilig. Es gibt ein paar nette Charaktermomente, doch viel vom Treiben auf den Bahamas, gerade auch was den nervigen jamaikanischen Arbeitskollegen angeht, ist einfach absolut nicht interessant.

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Shark Week III – Jaws III

ava-1648So häufig wie die Brody-Familie es ganz zufällig mit einem überdurchschnittlich großen und überdurchschnittlich aggressiven Weißen Hai zu tun bekommt, sollte man meinen, die würden sich für den Rest ihres Lebens von jeglicher Art Wasser mit Meereszugang fern halten. Tut aber nur der junge Brody-Bruder Sean. Michael hingegen arbeitet für Sea World und hat aus seinem Lebenslauf den Punkt „werde überall hin von der Hai-Mafia verfolgt“ raus gelassen, um den Job zu bekommen.

Sea World macht sich übrigens gerade dafür bereit die neue Superattraktion des Unterwasser-Königreichs zu eröffnen, eine Reihe von Tunneln mit einer zentralen Plattform, die alle komplett unterseeisch in der Bucht liegen. Ein Weißer Hai und seine Mammi haben sich für die Eröffnungsfeier aber auch ganz dreist unangemeldet eingeschlichen.

Jaws III hat einen ziemlich schlechten Ruf, und jenen irgendwie verdient und dann auch wieder nicht. Ganz so extrem schlecht, wie er gern hingestellt wird, ist er nämlich dann auch nicht ganz, aber eben schon ziemlich nicht gut. Insgesamt sogar einfach ziemlich unspektakulär und vergessenswert ist das Ding, von daher muss man wirklich nicht die Zeit an ein Schauen verschwenden. Das einzige was heraussticht sind eben die Effekte, ist Jaws III doch mal als Jaws 3-D ins Kino gekommen. Das führt in der 2D-Auswertung zu einem häufig ziemlich schwammigen Bild, wenn es Tiefenwirkung in der Szenerie gab, aber eben wesentlich schlechter getroffen hat es die wirklich echt billigen Effekte, wenn was gen Bildschirm gleitet, allen voran der komplett starre Hai am Ende, der wie ein Pappmasche-Ding wirkt. Und da der Film ansonsten keinen Eindruck hinterlässt, erinnert man sich später halt nur an die schlechten 3D-Szenen, und es bleibt somit schnell im Gedächtnis hängen, dass der ganze Film super schlecht war. Dabei ist er nur ein wenig langweilig.

Das hätte er gar nicht mal sein müssen, denn es gibt genug ungenutztes Potential, das manchmal fast etwas wirkt, als hätte hier mal jemand ursprünglich ein interessanteres Drehbuch geschrieben, aber dann ein Großteil der Actionszenen rausgenommen, weil man das Geld für die Realisierung nicht hatte. Zu Beginn bekommen wir wiederholt den Orca zu sehen, der dann komplett aus dem Film verschwindet, dabei wäre es doch cool gewesen, wenn der sich später einen kleinen Brawl mit dem Hai geleistet hätte. Die zwei Delphine sehen wir wiederholt und bekommen später sogar erzählt, dass sie noch in der Buch mit dem Hai sind – aber dann vergisst der Film sie bis kurz vor Ende, wo sie zwei Menschen beim Wegschwimmen vorm Hai helfen. Erneut, ein kleiner Fight zwischen den Meereskreaturen oder eine Jagd bei der die Delphine den Hai wiederholt austricksen müssen wäre hier doch drin gewesen. Auch strandet eine Touristen-Gruppe mitten im Unterwasser-Königreich, als sich alle Schotten schließen. Aber erneut sehen wir sie dann für eine weite Filmstrecke nicht bis sie gerettet werden, ohne das der Hai sie je angegriffen hätte. Sean kommt übrigens auch just an diesem Wochenende zu Besuch und seine neue Freundin bringt ihn dazu trotz Wasserphobie wieder mit ihr rein zu gehen, nur damit sie dann vom Hai angegriffen wird und er sie ins Krankenhaus bringt, somit im Rest des Filmes nicht mehr drin ist, was die vielen Szenen zwischen den beiden wie unnötiges Füllmaterial ohne Payoff wirken lässt.

Was bleibt ist ein Film, der uns viel vom Sea World zeigt, zwischendurch immer mal wieder einen kurzen Shot auf einen Hai einblendet, um dann wieder zu den Alltagsproblemen von Michael und seiner Ische zu kommen. Nicht unbedingt spannendes Kino.

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Shark Week II – Jaws 2

ava-1595Die Produktion von Jaws 2 stand unter keinem guten Stern. Der Vorgänger mag den erfolgreichen Sommer-Blockbuster erfunden haben, und es demnach ziemlich selbstverständlich gewesen sein, dass das Studio einen Nachfolger brauchte, doch so wirklich mitmachen wollte keiner. Steven Spielberg hat direkt abgelehnt, der neue Regisseur wurde wegen mangelnder Erfahrung kurzfristig ausgetauscht. Die beiden Producer kamen nur wieder an Bord, weil der Film sonst in andere Hand gegeben worden wäre. Und der Cast des vorigen Filmes, allen voran Hauptakteur Roy Scheider, sind teilweise nur zurück, weil sie vertraglich gebunden waren.

Das häufig als bestes von den qualitativ stark abfallenden Sequels bezeichnete Jaws 2 geht dann auch auf Nummer sicher und erzählt ganz unkreativ einfach den gleichen Film erneut. Kleine Änderungen gibt es hier und dort, sicher, doch strukturell gesehen ist es genau der gleiche Film: Wir starten mit einer POV-Haiattacke. Dann bekommen wir ein wenig das Leben der Kleinstadt auf der Insel, sowie von Polizeioberhaupt Brody gezeigt. Wir sehen mehr und mehr unbedarfte Schwimmer, die von Musik gestalked werden, um dann doch noch gerade so zu entkommen, bis der zweite oder dritte Mensch in der Szene endlich dem Hai zum Opfer fällt, und auf Grund der ganzen Vermissten beginnt Brody Lunte zu riechen. Die Oberen glauben ihm natürlich nicht, weil eine Panik schlecht für den Tourismus ist. Brody löst einen Haialarm aus, der sich als Fehler herausstellt, wird vom Amt enthoben, nur damit sich kurz darauf herausstellt, dass es doch ein Großer Weißer ist. Und die fast komplette zweite Hälfte des Filmes verbringen wir mit einem Haufen Teens auf ihren Booten mitten im Hairevier gestrandet vor, ähnlich der drei Kerle in der zweiten Hälfte des Vorgängers.

Das ist alles dahingehend etwas schade, als das Jaws 2 durchaus ein kompetenter Film ist. Er ist gut strukturiert, gut geschauspielert, gut gefilmt, gut geschnitten. Der Hai sieht sogar etwas beeindruckender aus, weil er hier früh bei der Explosion eines Motorbootes, das er angreift, ein paar Brandnarben verpasst bekommt. Und die zahlreichen Teens in der zweiten Hälfte, durch die Jaws 2 noch mehr wie ein Slasher nur mit einem Hai anmutet, als der Vorgänger dies eh schon tat, bedeuten auch, dass man sich als Zuschauer nicht sicher ist, wie viele davon überhaupt überleben werden.

Doch es ist halt alles auch so schrecklich gehabt. Zum ersten Teil habe ich bereits geschrieben, dass er zwar verdient ein (immer noch sehenswerter) Klassiker ist, aber sich das Alter doch bemerkbar macht, da er für einen so simplen Film etwas zu lang ist, und all die Nachahmer ihn zusätzlich etwas träge machen, da alles in ihm gesehene anschließend zum Klischee und ewig wiederholt wurde. Da Jaws mehr oder minder die Urmutter dessen war, kann man ihm das nicht ganz vorwerfen. Jaws 2 genau alles nochmal machen zu sehen, kann man dem Sequel nun aber definitiv vorwerfen. Und damit, so kompetent er gemacht ist, durchaus unterm Strich sehenswert bleibt, so ist er auch Stellenweise einfach langweilig, weil so bekannt.

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Shark Week – Jaws

ava-1528Fuck yeah! Oh, so viele Haifilmchen gibt es mittlerweile, dass man sicherlich gut ein „Shark Movie a Day“-Blog eröffnen könnte, ohne Not zu laufen, in den kommenden Jahren kein Material mehr zu haben. Ein ganz gewisser letztjähriger Film, der am vierten Tag drankommen wird, hat mich dazu verleitet, da ich ihn nicht zeitig geschaut habe, wenn schon verspätet doch gleich eine ganze Woche draus zu machen. Und wie kann man eine Shark Week schon lostreten, wenn nicht mit dem absoluten Klassiker von Stephen Spielberg schlechthin? Der Film, der ihn berühmt gemacht hat. Der Film, der den Prototyp zum Summer-Blockbuster darstellt. Der Film, der nachdem er wegen Produktionsproblemen fast gecancelt wurde, den höchsten Gewinn eines Kinofilmes aller Zeiten einspielte, bevor er von Star Wars – ein weiterer Film, von dessen Popularität zunächst nicht jeder überzeugt war – übertrumpft wurde.

Handlung sollte ja bekannt sein, oder? Selbst wenn man den Film nie gesehen hat, weiß man ja so im Groben die Gangart, besonders wenn man einen anderen Killer-Wasserbewohner-Film in den letzten Jahrzehnten sich angeschaut hat, da die sich alle schön brav nach dem Väterchen richten. Wir haben eine Kleinstadt, die am Meer liegt, und deren Existenz stark an die Sommertouristen geknüpft ist. Deputy Brody, der ein Außenseiter der Gepflogenheiten und Mentalitäten des Städtchens ist, weil er erst vor einem Jahr aus New York her kam, um den Job des Polizisten zu übernehmen. Ein oder zwei Menschen kommen um, die Obrigkeit will sich das Geschäft nicht versauen und schiebt deswegen die Möglichkeit des Haiangriffes von sich, bis das Vieh dann wirklich mit eigenen Augen gesehen wird, und dann heißt es Mensch vs. Ungetüm im Finale.

Der Film ist und bleibt dabei zu Recht ein Klassiker, denn Spielberg beweist hier schon ein gutes Händchen. Und vor allem ein Händchen für Charaktermomente. Die Einwohner der Kleinstadt mit ihren schrägen Angewohnheiten, die Alltagsgespräche und -problemchen, mit denen sie zu Brody kommen… die Charaktere in Jaws sind kein Fischfutter, sondern wirklich realistisch agierende Menschen, die auch wie normale Leute sprechen. Das macht die Lokalität lebendig, statt eben nur zum Ziel eines Haiangriffes. Und auch die Hauptcharaktere viel sympathischer, als das solche Filme normalerweise für nötig halten, da sie so Gespräche führen wie den späteren Schwanzvergleich in Form wer die coolste Narbe hat, oder Bodys Angst vorm Wasser. Allgemein eine super Idee, gleich drei von der Persönlichkeit aneinander reibender Männer am Ende auf dem Boot zu haben, um den Hai erlegen zu wollen, statt Brody als einzigen Alleskönner mit unnützer Entourage.

Allerdings ist der Film dennoch gealtert, man merkt ihm seine 40 Jahre an. Teilweise ist das nicht die Schuld von Jaws an sich, sondern all den Copycats, die anschließend kamen. Es ist wie den Proto-Slasher Halloween zu schauen, nachdem man die drölfzigionen Slasher der 80er und 90er geschaut hat: Das Original wirkt etwas Barebones und vorhersehbar, weil es so oft geklont war, und was in den 70ern frisch war nun nicht mehr ist. Und wie viele Filme der 70er-Jahre ist er etwas überlang. Ich mochte die zweite Hälfte mit den drei Kerlen auf dem Boot, die den Hai jagen, sehr – aber die erste Stunde hätte für mich gerne um 20 Minuten gekürzt sein können. Ich habe wie gesagt nichts gegen die Charaktermomente des Filmes, noch etwas dagegen, dass der Hai in der ersten Hälfte so gut wie nicht zu sehen ist (das gibt ihm, zusammen mit der Stalker-Erkennungsmelodie, tatsächlich ein wenig was von einem Slasher – und ist komplett aus der Not entstanden, da der mechanische Hai einen Großteil des Filmshoots über kaputt war), nur ein wenig flotter hätte es für mich schon gehen können.

Längen jedoch beiseite gelassen, Jaws ist immer noch ziemlich sehenswert ein Film.

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