The Awakening of Golden Jazz

Die Saburo Jinguji Franchise ist eine lang laufende Reihe an Adventure Games um den Titelgebenden Detektiv. In Japan bereits auf dem NES in den 80ern gestartet, sind dort mehrere Dutzend Titel angelaufen. Der Westen hingegen hat die Serie bisher fast gar nicht zu Gesicht bekommen. Unter dem Titel Jake Hunter wurde auf dem DS das gleiche Spiel zwei Mal lokalisiert, zuerst zusammengestutzt als Detective Chronicles, und dann ungekürzt erneut als Memories oft he Past. Dann sah der 3DS noch Ghost of the Dusk.

So weit, so gut. Kommen wir also endlich zum aktuellen Thema, nämlich dem neuesten Release der Franchise im Westen. Mit dem blumigen Kompletttitel Alternative Jake Hunter: DAEDALUS – The Awakening of Golden Jazz. Wenn das nicht mal ein Name ist, über den man gern eine Hausarbeit schreibt, weil er es einem einfach macht, auf die nötige Zeichenzahl zu kommen. Wie der Alternative-Teil davon schon erahnen lässt, handelt es sich hierbei nicht um einen Titel in der regulären Kontinuität. Stattdessen ist es ein Prequel um einen jungen Saburo Jinguji. Der diesmal selbst in der westlichen Lokalisation so heißen darf. Was bedeutet, dass es in Alternative Jake Hunter gar keinen Jake Hunter gibt.

Der kommt nach New York, wo sein Großvater, der kürzlich verstorben ist, eine Detektei hatte. Großväterchen war ein prägendes Element in der Kindheit von Saburo, weswegen er sich natürlich sofort dazu aufmacht, die mysteriösen Umstände um seinen Tod zu investigieren. Außerdem wird er in New York mit seinen drei Kindheitsfreunden wiedervereint, was prompt zu weiteren Kindheitserinnerungen führt.

Was einem sicherlich zuallererst am Spiel auffallen wird, ist die besondere Präsentation. Daedalus benutzt hier eine Sphären-Sichtweise, wie man sie auch in einigen der Mysts hatte. Das bedeutet, dass jeder Bildschirm nicht flach vor einem ausgebreitet ist, sondern man sie in 360° am Fixpunkt um sich drehen kann. Da die Hintergründe zusätzlich eindeutig Fotos echter Lokalitäten mit einem drübergelegten Filter sind, hat das eben alles ziemlich was von Google Street View. Die Charaktere hingegen sind 2D-Artworks, die auf jene Hintergründe wie Pappaufsteller platziert wurden. Was beim schellen Drüberschauen auf Screenshots noch wie ein bewusster Stil wirkt, schaut in der Realität dabei allerdings leider nur extrem billig aus. Schade, denn das Charakterdesign ist eigentlich attraktiv.

Ähnlich gestaltet sich das mit dem Soundtrack. Der hat tatsächlich passend zum etwas Nonsens-Untertitel einen ziemlich jazzigen Hauch und bietet ein paar echt coole Töne. Aber eben nur ein paar. Denn Daedalus hat die Angewohnheit die gleichen paar Tracks wieder und wieder zu verwenden. Hier hat man eventuell auch Einsparungen vorgenommen.

Dieser Einsparungseindruck und das einfach nicht genug von etwas da ist, zieht sich voll und ganz in der Handlung und dem Schreibstil weiter durch. Daedalus geht lediglich über fünf eher kurze Kapitel, hat einen ewig langen Einstieg, nur um dann sofort von Null auf Hundertachtzig seine Handlung zum Ende zu treiben. Das wirkt fast so etwas, als hätte man Zwischenkapitel verpasst. Genauso ist der Schreibstil erstaunlich knapp und sachlich gehalten. Beispielsweise suchen wir in einem Kapitel einen gewissen Logan. Und wissen, dass er in der Nähe einer bestimmten Bäckerei gewohnt hat. Die Konversation mit dem Bäcker ist dann tatsächlich einfach „Weißt du, wo Logan gewohnt hat?“. Keine Begrüßung, keine Vorstellung, noch nicht mal eine Spezifikation, was für einen Logan wir meinen oder warum wir ihn so komisch von der Seite anquatschen. Daedalus ist nicht nur sehr langweilig geschrieben, sondern liest sich häufig so, als hätte man nur die Cliffnotes des Scriptes vor sich statt das fertige Produkt.

Und dadurch erhärtet sich halt in allen Belangen der Gesamteindruck, dass Daedalus: The Awakening of Golden Jazz wie ein Spiel daherkommt, das unglaublich unter Zeitdruck nur halb fertiggestellt werden konnte und irgendwie notdürftig zusammengeflickt auf den Markt geworfen wurde. Der sperrige Titel ist letztendlich leider wirklich das einzig Interessante an ihm.

Adventure Week #12: Jake Hunter

ava-1355Wer sich wundert, dass ich  Jake Hunter Detective Story: Memories of the Past spiele, statt das vorige Release Jake Hunter: Detective Chronicles vorher zu bespielen: Das ist, weil… es das gleiche Game ist. Nein, tatsächlich. Aksys hat sich das Original gekauft, extrem amerikanisiert und die Hälfte der Fälle raus editiert und als Detective Chronicles released. Ein Jahr später hat man sich dem erneut angenommen, besser lokalisiert, die fehlenden Fälle wieder eingefügt und es als Memories of the Past noch Mal auf den Markt geworfen. Den „Erstling“ auch zu spielen wäre also reichlich redundant.

Die Reihe ist in Japan übrigens was echt Großes, gibt es doch über ein Dutzend Spiele auf Konsole/Handheld plus nochmal so viel auf Mobiltelefonen! Genau genommen ist das hiesige, erste DS-Outing des Detektivs weitestgehend ein Remake. Die ersten vier Fälle sind die vier NES-Spiele, der fünfte ist das fünfte Handy-Game (die ersten vier davon sind erneut Remakes der vier NES-Teile gewesen), lediglich der finale Fall ist neu fürs DS-Remake.

Ich kann es nicht leiden. Tatsächlich habe ich Jake Hunter erst vier Monate nach Touch Detective beendet gehabt. Nicht, weil mich wie üblich andere glitzernde Spiele abgelenkt oder ich das Spiel komplett vergessen hätte, wie so viele andere. Nein, einfach nur, weil ich es für nicht mehr als eine halbe Stunde am Stück spielen konnte, ohne gelangweilt aufzugeben und es für Wochen nicht mehr anzurühren. Japaner müssen eine echte Schwäche für stinklangweilige Games haben, wenn es Jake Hunter auf über zwanzig Einträge bringt.

Dass die einzelnen Fälle mal NES-Games waren, kann ich mir auch wirklich gut vorstellen, so sehe ich doch regelrecht eine ähnliche Schachtelmenüführung wie in Portopia vor meinem inneren Auge. Denn tatsächlich ist Jake Hunter hauptsächlich nur lesen, wenig wirklich tun. Klick dich durch alle Menüpunkte mit allen Unterpunkten, bis es einem keinen neuen Text mehr entgegen kotzt, und dann kannst du vielleicht auch endlich zur nächsten Lokalität gehen, um wieder alles zu [Inspect]en und jeder Person anzu[Talk]en. Intuitiv ist dabei nicht viel, sondern häufig sehr vage, was getan werden muss, und wie gesagt einfach mal alle Aktionen durchklicken, bis das Spiel entscheidet, die Flagge ist getriggert, dass nun eine der anderen Aktionen was neues tut. Gerne schmeißt es einen auch mal, nachdem man jemanden angesprochen hat, wieder ins Hauptmenü zurück, obwohl man als nächstes nichts anderes tun muss, als jene Person erneut anzu[Talk]en.

Oh und was ist der ganze Text so unnötig. Es wird so viel drum herum geredet, bis mal endlich jemand zum Punkt kommt. Alles muss einem erst zehn Mal vorgekaut werden, bevor Jake auf Dinge kommt, die man sich schon längst selbst zusammengereimt hat. Und was ist es eine trockene Übersetzung. Das Spiel zeigt echt mal wieder, das viele japanische Videospiel-Schreiber denken, mehr Worte meint tieferer Sinn und das sie unglaubliche Angst haben, der Spieler kapiert das Offensichtliche nicht, wenn es ihm nicht ständig vorgekaut wird.

Angeblich ist die Serie in Japan so beliebt, weil sie so realistisches Crime gibt, statt übertrieben dramatisch oder abgedreht zu werden. Aber genau das macht es ja so langweilig, es gibt keine Schnörkel in der Geschichte, nichts Besonderes, alles sind sehr einfach gestrickte, viel zu wortreich-langgezogene 0815-Fälle. Und häufig auch noch so übertrieben moralisch, dass man nur mit den Augen rollen kann. Aber Subtilität sollte man von einem Spiel vielleicht echt nicht erwarten, dessen Hauptcharakter jede Frau mit „Babe“ und „Dollface“ anredet, hab schon fast erwartet, irgendwann geht er einfach zu „Sugartits“ über.

Ach ja, und vom hübschen Artwork des Covers/Menüs sollte man sich nicht täuschen lassen, denn Jake Hunter ist ein extrem hässlich anzusehendes Spiel mit sehr amateurhaftem Artwork für die Charaktere.

Wer es übrigens durch alle sechs Fälle schafft, ohne ins Koma zu fallen, darf sich dann auch noch an Jake Hunter Unleashed probieren, kurze und humorig gemeinte Nebenfälle mit SD-Charakteren.