Shin Megami Tensei: Synchronicity Prologue

Shin Megami Tensei Synchronicity Prologue mag man als ein nicht nennenswertes Spiel abtun. Immerhin ist es nur eine Promo. Als die 3DS-Version von Shin Megami Tensei: Strange Journey herauskommen sollte, wurde dieses fixe kleine Spiel von Atlus ins Internet gestellt, um etwas Hype zu verbreiten. Ursprünglich nur in einem Trailer als Scherz untergebracht, war ob der guten Reaktion darauf doch ein Spiel gemacht und auf die Homepage von Atlus Japan gestellt worden. Das dieses Gag-Spiel letztendlich doch unbegrenzte Zeit verfügbar gemacht wurde, eine Englische Fantranslation bekommen hat, und einen eigenen Eintrag im MegaTen-Wiki bekam, sollte wohl zeigen, dass es nicht zu unterschätzen ist.

Synchonicity Prologue ist natürlich kein vollwertiger Dungeon Crawler. Sondern das nächstliegende Ding: Ein Metroidvania. Sprich auf einer sich langsam Raum um Raum aufdeckenden Karte wird sich sidescrollend bewegt. Mit versteckten Räumen und Abzweigungen für Goodies und ein paar Wege, die erst nachdem sie mit einem Skill oder durch Fortschritt woanders freigelegt werden, wirklich passierbar sind. Regelmäßig ein Warp und ein Speicherpunkt in den thematisch leicht unterschiedlichen Blöcken und natürlich ein Boss.

Mit Strange Journey hat das nur dahingehend etwas zu tun, als das auch dieses Labyrinth in der Schwarzwelt beheimatet sein soll. Mit den Blöcken dessen generelle Struktur wiedergebend wie beispielsweise die arktische Oberfläche oder ein Gebiet das wie eine Einkaufsmeile aussieht. Und die geile Musik aus dem Spiel dient als BGM pro Block. Auch ein späterer Skill ist das Anziehen des Demonica Suits aus dem Spiel. Abgesehen davon könnte es allerdings ein Promo zu so ziemlich jedem MegaTen sein.

Denn im Prinzip ist es ein neues Jack Bros. Wir starten mit Jack Frost und finden später Jack Lantern, plus mit dem Demonica Suit wird aus Jack Frost dann Demoni-ho. Sorry Jack Ripper, du bist leider abgesagt. Jack Frost bewegt sich auf dem Boden, das allerdings relativ schnell und schießt mit Reichweiten-begrenzten Eiszapfen um sich. Jack Lantern ist etwas langsamer, kann dafür allerdings schweben (soweit Boden unter ihm ist) und seine Feuerbälle gehen bis ans Ende des Bildschirms und im Dreierfächer ab. Natürlich sind die beiden Jacks jeweils gegen Eis- respektive Feuerangriffe der Gegner immun, während Gegner wieder ihre eigene Elementarschwäche haben.

Für sie werden zudem neue Skills im Labyrinth gefunden. Nicht nur Upgrades der beiden vorhandenen Angriffe, sondern auch Eis und Kraft sind wie von der Serie gewohnt dabei. Und natürlich der Demonica Suit, mit dem Giftwolken durchlaufen werden dürfen. Jack Frost kann mit seinen Eisangriffen Wasser gefrieren und Jack Lantern Eis wieder schmelzen. Was aber hauptsächlich im ersten Areal nur für die Fortbewegung wichtig ist. Spätere Blöcke spielen lieber mit anderen und neuen Dingen.

Das Spiel ist natürlich nicht sonderlich lang. Ich würde sagen ca. 1,5 bis 2 Stunden wird man brauchen. Auch davon abhängig, ob der direkte (oder direkteste) Weg begangen, oder ob wirklich 100% Map Completion angestrebt wird. Viele Exkurse in Seitenzipfel, um Hauptwege freizuschalten, müssen nämlich eigentlich nicht gemacht werden. Meist führen sie eher zu optionalen Skills und Collectibles, welche die HP/MP-Anzeige verlängern. Immerhin ist das hier nur ein Promo-Spiel.

Dennoch ist dafür extrem viel hineingesteckt worden. Die Hintergründe sehen alle gut aus. Die Gegnersprites sind groß und sehr gut durchanimiert. Verschiedene Elementarschwächen sind eingebaut. Es gibt eine rudimentäre Storyline. Neue Bereiche des Labyrinths werden auf verschiedene Arten freigelegt, wie beispielsweise einen Bohrer zu aktivieren oder eine Steinkugel durch Wände zu jagen.

Das hier ist definitiv nicht einfach ein schnell zum Gag hingerotztes Flash-Spiel. Sondern legitim ein Mini-Metroidvania, mit dem man kurz eine gute Zeit verbringen kann. Mit erstaunlich viel Flair für eine kostenlose Promo eines größeren Spieles. Meiner Meinung nach sogar besser als das 20 Jahre alte kommerzielle Release, das uns auf dem Virtual Boy die Jack Brothers hat steuern lassen.

VirtualBoy Ventures: Jack Bros.

ava-1955Und der nächste Handheld. Mitte der 90er war eine seltsame Zeit für Videospiel-Konsolen. Die 2D/16bit-Zeiten klangen aus, 3D/32bit startete, es gab viele auf den Markt gekommene Mitbewerber, die sich nicht durchsetzen konnten, sowie Addons zur unerfolgreichen Lebensspannenerweiterung alter Konsolen. Doch wohl die bekannteste Pleite war Nintendos VirtualBoy, der unkomfortable 3D-Handheld (richtiges 3D wie in Nintendo 3DS, nicht 3D-Grafik wie in PlayStation) mit dem schwarz-roten Bildschirm, der von Game & Watch und GameBoy-Schöpfer Gunpei Yokoi selbst entwickelt und Mitte 1995 auf den Markt gebracht wurde.

Statt das erhoffte neue Wundersystem mit 3 Millionen abgesetzter Einheiten bis Jahresende, welches Nintendo erwartete, verschwand der Handheld gut ein halbes Jahr nach Release wieder von den Märkten Japans, wo 19 Spiele für ihn erschienen, und der USA mit 14 Spielen (nach Europa kam er gar nicht erst), brachte es insgesamt auf eine Bibliothek von 22 Spielen, und nicht mal einer ganzen Millionen abgesetzter Systeme.

Atlus war schon immer mit dabei mit Megami Tensei alle erdenklichen Systeme zu bedienen, sowie vor Reinfällen keine Scheu zu haben – man siehe auch Shin Megami Tensei NINE, ein Japan-exklusives RPG für die dort ungefähr drei Einheiten abgesetzte XBOX. 1995 brachten sie das niedliche Spinoff Jack Bros. auf den Augenkrebs-Handheld, lokalisierten es sogar für Nordamerika, womit es ein Jahr vor Revelations: Persona offiziell das erste MegaTen ist, welches Japan verließ.

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Das Ding hat sogar eine nette, kleine Story: Zu Halloween können die Feen aus ihrer Welt in unsere kommen, um mit den Kinder Schabernack zu treiben, nur haben sie sich zeitmäßig verplant und müssen nun einen Abkürzung durch das gefährliche Labyrinth nehmen, um rechtzeitig die Rückkehr zu schaffen. Spielbare Charaktere sind Atlus-Aushängeschild Jack Frost, Jack Lantern (Pyro Jack in späteren Lokalisationen) und Jack Ripper (Jack Skelton hier), die ja in SMT alle zur Fairy-Familie gehören. Als geheimer Charakter kann sogar Pixie gespielt werden. Alle Charaktere unterscheiden sich leicht in Stärke, Geschwindigkeit, und Spezialattacke.

Und durch was für ein Spiel gehen die? Auch hier geht es durch endlose Labyrinth-Gänge, doch anstatt in einem rundenbasierten RPG in First Person lieber aus der Vogelperspektive in einem Action-Puzzler der Marke Twin-Stick-Shooter. Der VirtualBoy hatte nämlich zwei Steuerkreuze, was Gunpei Yokoi später auch für den WonderSwan wieder einplanen sollte. Mit einem davon bewegt man in Jack Bros. seinen Charakter, mit dem anderen Steuerkreuz schießt man währenddessen automatisch in die vier Himmelsrichtungen. Einer der Buttons schießt zwar auch automatisch in die Blickrichtung, aber mit schwereren Gegnerkombinationen wird es natürliche dennoch irgendwann essentiell die simultane Nutzung beider Steuerkreuze zu beherrschen.

Auf jedem Stockwerk geht es letztendlich darum alle Schlüssel einzusammeln, die teilweise rumliegen, teilweise von besiegten Gegnern gedroppt werden, um die Ausgänge auf die nächste zu öffnen, bis es auf dem letzten Level einer Welt gilt den Endgegner zu erlegen. Nach 6 Welten und insgesamt 60 Stockwerken ist das Spiel vorüber. Der wahre Gegner ist übrigens die Zeit, denn für jede Welt bleiben einem nur X Sekunden, um alle Stockwerke zu erledigen, und jedes Nehmen von Schaden, ob nun per Bodenfallen, Gegnerberührung, oder deren Attacken, subtrahiert dort je nachdem 5 bis 30 von. Natürlich gibt es Hilfen in Form von Timer-Plus-Drops, Unbesiegbarkeit, oder eine gewisse Anzahl von Spezialattacken-Einsätzen.

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Während anfängliche Gegner wie beispielsweise die Slimes noch relativ lethargisch bleiben, werden die selbstredend immer kniffliger. Elf schießt stationär mit Pfeil und Bogen, Furin hat ein Schild und kann nicht von vorn geschadet werden, Nekomata dasht auf einen zu, Goblin kopiert Bomberman etc. Die Bossgegner häufig sind nicht nur eine Sache dessen, wie gut man ihren Attacken ausweicht, sondern auch bereits genug Grund-Restzeit dabei zu haben. Ein Time-Out führt übrigens dazu, dass die aktuelle Welt komplett von vorn gestartet werden muss. Was im anfänglichen Pixie Forest nur 4 zu wiederholende Stockwerke bedeuten würde, wäre im finalen Crystal Palace gleich satte 20. Und der finale Boss ist echt fies, selbst mit vollen x9 Special Attacks.

Überrascht war ich ja etwas, wie verdammt gut das Spiel ausschaut. Ich mein sobald man sich an die seltsame Kolorierung gewöhnt hat natürlich. Die Cutscenes zu Beginn und Ende sind detiallierter als ich erwartet hatte, und sogar mit vielen netten Animationen bestückt. Der VirtualBoy war letztendlich ja doch ein leistungsstarker Handheld, sieht somit also häufig aus wie ein schwarz-rotes SNES.

Jack Bros. ist letztendlich ein wirklich launiger und charamnter Action-Puzzler gewesen, und für jemanden wie mich natürlich mit dem Zusatzbonus viele MegaTen-Dämonen in niedlicher Form wiederzusehen (das Ending stellt sie noch mal alle vor). Könnte sich Nintendo ruhig mal drum kümmern, sowas auf die 3DS VC zu bringen, hee ho!