Clockwork Princess

August, September und… Februar. Ich kann nicht behaupten, sonderlich schnell durch Cassandra Clares Trilogie an Infernal Devices, dem Prequel zu ihrem sechsteiligen Mortal Instruments, gekommen zu sein. Zugegeben habe ich mir nach dem zweiten Buch auch eine Pause gegönnt, gleichzeitig aber auch ewig gebraucht, um damit fertig zu werden, nachdem ich es angefangen hatte.

Mal sehen, ob ich noch zusammenbekomme, worum es geht. Tessa ist Teil des London Institutes, nachdem sie wegen ihrer Gestaltwandler-Fähigkeit ins Auge von Bösewicht Mortmain geraten ist, wo sie von den Shadowhuntern beschützt wird. Dabei hat sie sich in Will verguckt, der ein Arsch zu allen war, aber nur weil er dachte verflucht zu sein, und das jetzt nicht mehr ist. Was aber zu spät war, weil dessen bester Freund Jem bereits um Tessas Hand angehalten und sie zugesagt hat, weil sie Jem eigentlich auch ganz schnieke findet. Ach ja und Automatons in Victorian England, aber wen interessiert schon irgendwas außerhalb des Liebesdreiecks?

Im hiesigen Buch finden wir heraus, dass Lightwood mit Mortmain zusammengearbeitet hat, aber sich über das für Shadowhunter heikle Faible für Dämonenweiber mit einem STD angesteckt hat, durch das er sich in einen gigantischen Wurm verwandelt. Weswegen Gabriel und Ghideon Lightwood ihren Vater umbringen müssen und nun heimatlos im Institut festhängen. Das hat wenig Auswirkung auf die Handlung, auch wenn sie immer mal damit flirtet, dass die beiden das Institut-Oberhaupt Charlotte verraten könnten, was sie dann aber doch nicht tun. Ihre wahre Rolle scheint zu sein, dass ja jeder Topf einen Deckel zu finden hat, und somit Ghideon mit der Hausmagd Sophie anbandelt, die auch schön am Ende wegen ihrer kämpferischen Verdienste in der Verteidigung des Instituts zur Shadowhunterin erhoben wird, damit die beiden gleichgestellt sind. Wusste gar nicht, dass normale Menschen zu Shadowhuntern ernannt werden können. Ich dachte dafür braucht man eine Engelsblutlinie und abgesehen davon sind Shadowhunter doch auch durch die Bank weg absolute Rassisten. Aber egal, Gabriel ist dazu da, damit Wills Schwester auch einen baldigen Ehemann bekommt. Ach ja, Wills Schwester wird auch Shadowhunter, statt bei den Eltern zu bleiben. Von daher ist vielleicht auch sie mehr Teil der Geschichte, damit Gabriel einen Deckel findet. So viel macht sie nämlich auch nicht von Relevanz.

Das Praktische am Liebesdreieck ist dann sowieso, dass Jem sterben wird. Da ihn die Droge, von der er abhängig ist, ohne die er aber nicht leben kann, dennoch langsam umbringt. Nur das dies jetzt gar nicht mehr so langsam ist. Und passenderweise kann er doch noch rechtzeitig herausfinden, dass Will und Tessa auch Gefühle füreinander haben. So kann er nämlich, großzügig wie er ist, den beiden seinen Segen geben, weil die sich sonst nie aus Respekt zu ihm zueinander getraut hätten. Eine weitere Klippe umschifft. Ach ja, und so richtig stirbt er eh nicht, sondern wird einer der Silent Brothers. Was bedeutet, dass er abgeschieden bei jenen lebt. Also können Will und Tessa zusammen sein, weil er aus dem Weg ist, ohne dass ihr bester Freund wirklich hätte sterben müssen. Damit sind wir gleich an der nächsten Klippe vorbei. Aber ein Mal pro Jahr treffen sie sich dennoch, damit man ihn nicht vermissen muss. Ich dachte ja echt, die Handlung würde sich was Besseres ausdenken. Wie beispielsweise, dass wenn schon alle so lieb und freundlich zueinander sind, jeder sein eigen Wohl für die Liebe des anderen zurückzustellen bereit ist und keiner je jemandem was Böses will… einfach eine polygame Beziehung daraus zu machen. Tessa mag beide Kerle, beide Kerle sind BFFs, warum sie nicht sehen lassen, dass dies die beste Wahl ist? Stattdessen ist Tessas Gerede darüber, dass sie beide gleichwertig liebt dazu da, dass sie mit beiden separat nacheinander enden kann.

Weil stellt sich heraus das Tessa diese besonderen Kräfte hat, weil sie ein Warlock ist. Da die aber nicht mit Nephilim, also Shadowhuntern, Kinder zeugen können, ist sie halt auch noch halb Shadowhunter. So kann sie mit Will enden, aber dennoch lang genug leben, um bis am Todesbett mit ihm zusammen zu sein, und am Ende des Epilogs immer noch jung und knackig auf Jem zu stoßen. Ebenfalls nachdem er kein Silent Brother mehr ist, noch jung und knackig und schon ist die zweite Liebe begonnen. Eigentlich fand ich es echt ein sehr schöner Einfall, dass der Epilog nicht mit einem „und dann lebten sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ endet, sondern uns tatsächlich den Abriss des gemeinsamen Lebens von Tessa und Will gibt, eben bis wirklich das Ende ihrer Tage kommt. Das darüber hinaus mit Jem wirkt aber eher schwach.

An Biss fehlt es übrigens dem ganzen Buch. Wenn Mortmain also endlich Tessa in seinen Fingern hat, und das London-Institut auf Grund von Intrigen keine Unterstützung bekommt, somit die wenigen Shadowhunter unserer Hauptcharaktere alleine zu einer Rettungsaktion aufbrechen, die keine Chance auf Erfolg hat. Es stirbt keiner. Es wird nur hart gekämpft, es wirkt aussichtslos, und plötzlich verwandelt sich der mechanische Engelsanhänger von Tessa in einen echten Engel, weil die Seele von einem darin eingeschlossen war oder so, und darf den Bösewicht besiegen und alles ist gut. Ich kann es nicht wirklich ein Deus Ex Machina nennen, weil sowohl der Engelsanhänger an sich ständig über die Trilogie erwähnt wird, Tessa bereits mehrmals geschützt hat, und in Clockwork Princess auch bereits erwähnt wurde, dass ein Stück Engel darin verschlossen war. Aber so ein wenig die hohe Rettung aus dem Nichts war es doch irgendwie.

Ich habe echt so ein wenig das Gefühl, als wäre über die drei Bücher nicht sonderlich viel geschehen. Sondern eher eine Idee für ein simples Buch auf eine Trilogie gestreckt worden, in der viel Luft getreten wird. Vor allem, wenn sich die Autorin nicht traut, wirklich Zähne zu zeigen, sondern alle immer so unglaubliche Gutmenschen zueinander sein und bleiben müssen.

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Clockwork Prince

Mit Clockwork Prince kommen wir also nun zum zweiten und Mittelteil der Infernal Devices um die Gestaltwandlerin Tessa, die bei den Shadowhunter-Nephilim im viktorianischen London untergekommen ist, die gegen den Magister und seine Steampunk-Roboter kämpfen müssen, während sie zwischen den Gefühlen für Jem und Will pendelt.

Wow, Leute, ich habe das Buch gerade erst beendet, und auch nicht gerade über den Verlauf von Monaten nur in Stücken gelesen, aber ich weiß schon kaum noch, was überhaupt darin geschehen ist. Ist überhaupt was geschehen? Ich meine die Mitteilteile von Serien, die von Anfang an als Trilogien angelegt sind, haben ja immer etwas den Ruf, dass die Handlung hier am Schwächsten ist, weil weder Beginn noch Ende vorliegt, und im Zweifelsfall eben auch einfach etwas Luft getreten wird, um die Sache zu strecken. Aber hier ist das echt mal sowas von extrem gewesen.

Dann wiederum gibt es Sachen, von denen man denken sollte, dass sie wesentlich weitläufiger angelegt sind, aber erst hier angesprochen und bereits erledigt werden, besonders wenn es um die Charakterhintergründe geht. Beispielsweise finden wir hier heraus, dass Will nicht so ein zynischer Arsch zu allen ist, weil das eben seinem Charakter entspricht, oder weil Bad Boys mit weichem Kern der absolute Stereotyp für das Love Interest in Young Adult Romances darstellt, oder weil die Love Interests in einem Buch von Cassandra Clare immer ein solcher sind. Nein, er ist verflucht, und jeder der Zuneigung zu ihm zeigt wird sterben, und deswegen stößt er alle Leute zu deren eigenem Besten von sich, und eigentlich ist er innerlich total allein und emotional verkrüppelt und buhuhu CRAWLING UNDER MY SKIN. Das hätte man eventuell schon mal zur Hälfte oder zumindest gegen Ende des vorigen Buches erwähnen können, statt erst hier, wenn es auch schon aufgelöst wird. Wie alles im Buch übrigens ganz typisch.

Es gibt keinen Fluch, Will wurde nur von dem Dämon hinters Licht geführt, und er hätte die ganze Zeit eigentlich der von allen geliebte Gutmensch sein können, der er innerlich eigentlich gern wäre. Das war genau so zu erwarten, weil es so natürlich dramaturgisch am interessantesten ist. Und sobald uns klar ist, dass Jem langsam so richtig auf Tessa abgeht, und Will nun keinen Grund mehr hat seine Wahre Liebe (TM) von sich zu stoßen, dass Jem und Tessa anbandeln werden. Damit es noch ein weiteres Buch lang Suspens geben darf, weil weder Will noch Tessa jemals Jem verletzen wollen würden. Und mit jemandem zusammen zu sein, obwohl man jemand anderen liebt, nur aus der Obligation des Versprechens, als man dachte keine bessere Option zu haben, ist doch so viel liebevoller, als demjenigen gegenüber ehrlich zu sein. Außerdem stirbt Jem ja eh ziemlich bald an seiner Krankheit, die sicherlich total und absolut nicht bis zum Ende der Reihe noch geheilt werden wird, und mit deren Heilung eventuell auch für diesen Topf ein neuer Nicht-Tessa-Deckel abfallen wird, also können die beiden ja notfalls die Situation auch einfach auswarten. Apropos, Sophie findet natürlich prompt einen neuen Deckel, an dem Tessa nicht interessiert ist, damit es da keine Probleme gibt.

Ach ja, ein wenig Handlung gibt es dazwischen auch überhaupt und so. Erneut hauptsächlich insular hier im Buch. Oder auch nicht. Wir finden heraus, warum Mortmain überhaupt die Shadowhunter so scheiße findet, dass er zum Unterweltsboss aufsteigt, nur um denen zig Jahrzehnte später eins reinzuwürgen. Nate, der mit dem fiesen wie offensichtlichem Reveal gegen Ende des letzten Buches, dass er eigentlich mit besagtem Bösewicht zusammenarbeitet, ziemlich narrativ überflüssig geworden ist, wird hier umgebracht, damit der Ballast weg ist. Was Tessa nun genau für eine Downworldlerin ist, ist immer noch nicht geklärt, sondern darf weiter im Suspens bleiben, wobei eigentlich klar ist, dass sie halb Nephilim halb Downworlder ist, nur noch eine große Eröffnung gemacht werden muss, wie das über ein spezielles Rosemary’s Baby Ritual überhaupt möglich war. Wahrscheinlich will Mortmain sie deswegen so sehr, sie sind verwandt oder durch das Ritual aneinander gebunden oder so ein Mist. Das Institut soll eigentlich an die Lightwoods gehen, nachdem am Ende des letzten Buches so viel schief gelaufen ist, welches wohl halbherzig als Story Arc für diesen Band herhalten soll, und am Ende dann auch beseitigt wird.

Die Meh-Reihe, die mit einem ersten Meh-Buch angefangen hat, ist auch im zweiten Buch ziemlich Meh, nur sogar noch mehr Meh als vorher.

Clockwork Angel

The Mortal Instruments mag mit dem sechsten Buch abgeschlossen gewesen sein, dies jedoch nur unter jenem Titel. Denn Cassandra Clare hat fleißig weiter geschrieben. Beispielsweise mit The Infernal Devices zwischen 2010 und 2013, also noch während sie die zweite Hälfte der Mortal Instruments schrieb, eine Prequel-Trilogie dahin gelegt.

Natürlich dreht sich die Handlung wieder um ein scheinbar normales Mädchen, welches in die Aktionen der Shadowhunter hineingezogen wird, nur diesmal in London zur Zeit des viktorianischen Englands. Und natürlich sind die hiesigen Shadowhunter frei aus den Familien der Mortal Instruments wie den Herondales und Lightwoods entommen. Unsterbliche bzw. langlebige Charaktere wie ein Magnus Bane dürfen auch mal für ein paar Seiten mit rumspringen. Ist ein wenig so, als hätte Clare Fanfiction zu ihrer eigenen Serie geschrieben.

Aber vielleicht ist sie einfach auch grundsätzlich nicht allzu einfallsreich. Denn die beiden Hauptprotagonisten sind denen aus den Mortal Instruments sehr ähnlich. Will ist eine schwarzhaarige Version des blonden Jace. Gut gebaut, hübsches Gesicht. Mit 17 gerade so nicht volljährig genug um sich voll bei den Shadowhuntern beweisen zu können. Sarkastisch und stößt Leute von sich, weil er einen dunklen Schatten auf der Seele hat TM, den wir hier noch nicht herausfinden, der aber sicherlich halb so wild und total mit genügen Liebe zu überkommen ist. Und bester und beschützender Kumpel zum einzig anderen jungen Shadowhunter im Institut.

Der ist Jem, und erfüllt die Rolle des Exoten. Im Gegensatz zu Alec ist er nicht schwul, dafür Halbchinese, in einer Ära, wo ausländisches Blut nicht hoch gewertet wird. Außerdem von irgendeinem Dämonenblut besessen, das ihn langsam umbringt. Und dessen Heilung wir sicherlich über die nächsten Bücher finden dürfen.

Die vielleicht mit Tessas besonderen Kräften zusammenhängt. So wie Clary als normales Mädchen lebte und plötzlich herausfinden musste, dass sie gar kein Mensch sondern Shadowhunter ist, zudem die einzigartige Kraft hatte neue Runen zu erfinden… so hat Tessa als normales Mädchen in New York gelebt, bis ihr Bruder nach dem Tod der sich um sie kümmernden Tante eine Einladung schickt mit ihm in London zu leben. Wo sie entführt wird und bevor die Shadowhunter sie befreien herausfinden muss, dass sie gar kein Mensch ist, sondern eine Gestaltwandlerin. Was sie zum einem Warlock machen würde, aber im Gegensatz zu ordinären Vertretern der Rasse hat sie kein sie als solchen identifizierenden Makel.

Natürlich darf sich die hitzköpfige Tessa in den rauen Will vergucken. Natürlich ist klar, dass dies erwidert wird. Natürlich dürfen sie nicht am Ende des ersten Buches schon miteinander enden, von daher darf nach hitzigem hin und her und will er oder will er nicht, Will die Sache brechen. Wahrscheinlich aus einem angeblich hehren Grund wie sie zu schützen oder was weiß ich. Ein wenig Anspielung das auch Jem sich in Tessa verguckt und sie ihn auch mag, gibt es zudem, aber wir wissen ja und das Buch macht auch so keinen so großen Hehl daraus, mit wem sie letztendlich enden wird.

Ach ja, Jessie als dritte Shadowhunterin im Institut gibt es auch noch, und sie darf Izzys Rolle übernehmen das einzige Mädel der drei und etwas selbstverliebt zu sein, aber letztendlich eine mehr als untergeordnete Rolle zu spielen. Wer interessiert sich schon für weibliche Rollen in diesen Büchern abgesehen von der Self Insert Hauptprotagonistin?

Und ja, Clare hat wieder mal ein Faible dafür, jedem einen Spitznamen zu geben, egal wie doof es klingt oder wie wenig der abkürzt. Nathaniel ist Nate, Theresa ist Tessa, William ist Will, Jessamine ist Jessie und James ist Jem (ugh).

Die Geschichte bleibt dabei auch ziemlich vorhersehbar. So viel, wie hier überhaupt geschieht, denn das hier ist eindeutig gestreckt, um eine Trilogie aus der Angelegenheit zu bekommen. Es sollte von Anfang an ziemlich klar sein, dass der lange verschollene Nate noch mal auftauchen wird, und in der Szene in der er offenbart wird auch schon vorher das er es ist, sowie das der noch was im Schilde führt. Dass der Einsatz am Ende eine falsche Fährte ist nur um die Shadowhunter aus dem Institut zu locken, ist auch sehr offensichtlich, so sonderlich schlau scheinen die jedenfalls nicht zu sein, Tessa fast alleine zurückzulassen weil in einer Nacht plötzlich ganz praktisch alles zusammen geschehen soll.

Wobei ich es ja schon etwas herrlich finde, dass der Bösewicht sich damit brüstet, wie einfach die Shadowhunter zu überlisten waren, weil sie Mundies unterschätzen. Mundane ist ja deren Name für normalsterbliche Menschen, und obwohl sie jene vor übernatürlichen Geschöpfen zu beschützen geschworen haben, sehen die Shadowhunter extrem auf jene herab. Eine Sache, die in den Büchern immer wieder aufkommt, deren Rassismus allerdings nie wirklich behandelt wird. Nett, dass sie das mal in den Arsch gebissen hat.

Ich würde ja gern etwas positiver klingen, und dass ich nun schon beim siebten Buch der Franchise angelangt bin, kann ja nicht nur Negatives bedeuten. Jedoch so richtig Begeisterung aufkommen wollte bei mir auch nicht, dafür ist alles zu gehabt und fällt zu sehr auf Klischees zurück.

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