The Unkindness of Ravens

The Unkindness of Ravens habe ich als zweiten Teil in der Owlman-Trilogie geschaut, auch wenn ich im Nachhinein nicht genau weiß, was mich auf den Trichter gebracht hat. Vielleicht einfach, weil es der zweite Indie-Horror von Lawrie Brewster und Hex Media ist, deren dritter ein Owlman-Prequel ist. Das habe ich beim schnell drüberlesen dann eventuell fälschlich als thematische Trilogie aufgefasst.

Zumal der Hauptcharakter erneut von Jamie Scott Gordon verkörpert wird. Allerdings ist das einfach ein schottischer Schauspieler, den sich Lawrie Brewster gern für seine Filme casted. Denn er verkörpert hier eine gänzlich ander Person als in Lord of Tears, dem ersten Owlman-Film.

Er ist Andrew, ein unter PTSD leitender Kriegsveteran. Er hat immer mal wieder Flashes zurück in seinen Einsatz. An das Chaos, das Feuer, das Blut, und die Toten, die von den Raben zerfressen werden. Vor denen hat er eine ganz besondere Phobie entwickelt. Andrew fotografiert gern die Natur und schreibt Gedichte, aber sobald ein Rabe im Bild ist, sperrt sich sein Finger und er kann den Auslöser nicht betätigen.

Da es in der Stadt eher wenig Natur gibt, macht ihm seine Therapeutin einen Vorschlag. Sie hat den Schlüssel für eine Cottage in den verlassenen schottischen Highlands, und meint, er solle dort ein Wochenende alleien verbringen um zu sich zu finden. An die Natur gehen. Fotos machen. Gedichte schreiben. Langsam wahnsinnig werden. Sich wiederholt von den Kriegsverbrechen und toten Kollegen heimsuchen lassen. Mit seinem militärischen Spiegelbild Streitgespräche führen. Von Rabenmenschen verfolgt werden, die ihren Opfern die Augen rausreißen. Halt alles schön therapeutisch.

Ich mein, ob es jetzt wirklich als Trilogie gemeint ist oder nicht, thematisch nicht ganz unähnlich sind sich Lord of Tears und The Unkindness of Ravens schon. In beiden folgen wir einem kernigen Ginger mit Wahnvorstellungen. Der von mythischen Vogelmenschen bedroht wird. Mit Flashbacks ob vergangener Schandtaten.

Nur ist The Unkindness of Ravens mit 85 Minuten ungefähr 20 kürzer als Lord of Tears. Dem ich ja damals attestiert hatte, dass er einfach ein wenig langweilig ist, weil nicht viel geschieht, und das nur sehr langsam. Da ist es doch schön, dass dieser Film tatsächlich etwas kürzer geraten ist. Dafür ist die Handlung diesmal halt aber auch noch simpler.

Was ja nicht unbedingt schlecht sein muss. So einen PTSD-Soldaten langsam dem Wahnsinn verfallen zusehen, mit ordentlich Flashbacks und Visionen, mehr oder weniger eine One-Man-Show sozusagen, kann schon interessant sein. Und The Unkindness of Ravens war auch stringenter und hatte weniger tote Luft als Lord of Tears. Wobei aber auch Ravens bei 50 Minuten mehr oder weniger sein Pulver verschossen hat. Erneut startet er ziemlich langsam mit vielen hübschen Naturlandschaften, von denen Andrew seine Fotos macht. Dann creepen die Rabenmenschen langsam ins Bild. Und sobald Andrew unter ordentlich Trauma bereits mit sich selbst gestritten, die Gräueltaten im Krieg geflashbackt hat, und von den Raben zum ersten Mal panisch durch den Wald gejagt wurde, haben wir eigentlich schon alles gesehen. Zehn weitere Minuten der Endeskalation und mit 60 abzuschließen hätte hier auch gereicht. Stattdessen flaut der Film erst noch mal ab, bevor es ins Finale geht.

Aber es gibt sicherlich auch Leute mit Herz für die gemächlicheren Horror-Filme, deren Pacing zurückgeschraubt ist, die eben ein bisschen mehr Artsy sich mit hübscher Natur und verschwurbelter Poesie auffüllen. Das ist nicht immer so ganz meins. Wobei The Unkindness of Ravens schon Ok war, definitiv nicht so langweilte wie Lord of Tears.

Treevenge & Don’t Open Till Christmas

ava-2106Statt der üblichen zwei Einträge an zwei Feiertagen gibt es stattdessen was weihnachtlich-festlichen Horror-Gruß von mir ein Double-Feature. Und zwar weil es diesmal keine zwei Filme von Spielfilmlänge gibt. Neben einem Film voller Länge gibt es sozusagen als zusätzliches Schmankerl noch eine bluttriefende Sahnehaube oben als Einleitungs-Einstimmung in Form eines Kurzfilmes drauf.

Der da wäre Treevenge, ein offensichtliches Portmanteau aus Tree und Revenge. Hierbei handelt es sich um einen 16-minütigen Kurzfilm von Jason Eisener, der auch Segmente zu den bekannteren Horror-Filmen The ABCs of Death und V/H/S/2 liefern sollte.

Und wir beginnen im beschaulich verschneiten Wald voller hübsch gewachsener Nadelbäume. Doch die Idylle wird schnell durchbrochen, wenn ein Haufen Hillbillies mit rostigen Sägen und Äxten, schreiend und fluchend wie Wikinger auf Beutezug, über den Wald herfallen. Wild um sich schlagende Äxte, röhrende Kettensägen, fliegende Holzsplitter, und die Bäume fallen wie die Fliegen. Nicht nur die ansehnlichen, die in Jutesäcke gesperrt und verschleppt werden, sondern auch die hässlichen, die direkt vor Ort auf einem Scheiterhaufen das Zeitliche segnen dürfen. Als besonderes Schmankerl untertitelt der Film die panischen Schreie und verwirrten Aussprüche der Bäume.

Ankommen tun, zumindest jene die überleben, die Nadelbäume auf dem Sklavenmarkt, wo sie in Reihe und Glied aufgestellt und von Schaulustigen begutachtet werden, bis sie ihren Favoriten herausgepickt haben, und erneut eine blinde Entführungsfahrt zum Wohnzimmer der neuen Master beginnt. Wo die Bäume unter manischem Lachen angekettet und mit ordinärem Schmuck verziert werden.

Doch sie warten nur ihre Chance ab, bis am nächsten Morgen die ganze Familie zur Bescherung direkt vor ihnen sitzt. Und dann beginnt das Vergeltungs-Massaker. Die Bäume greifen sich ihre neuen Herren und deren Familien, schlitzen sie mit den spitzen Ornamenten auf, würgen sie mit ihren Ästen, stecken Nadeln in jede Körperöffnung, oder hauen mit ihrem Stamm deren Köpfe zu Brei.

Was eine Gaudi! Simple Idee, nämlich das allweihnachtliche Abholzen und Aufstellen von Nadelbäumen als ein Massaker und sukzessive Revenge-Horror aufzuziehen. Kurz und bündig, extrem übertrieben und manisch geschauspielert, und schön fies blutig im Abgang. Wer zu Weihnachten nur kurz Zeit hat, bekommt hier den perfekten Happen Festtags-Horror geboten.

treevenge

Don’t Open Til Christmas ist wieder ein etwas älterer Weihnachtsslasher, nämlich stammend aus 1984, mit gewohntem Feature Length. Und wohl etwas problematisch gewesen aus der Türe zu kriegen. Erster Regisseur stieg aus, zweiter war dies nur für eine knappe Woche, dritter lies Dinge umschreiben und neu filmen, und letztendlich kam der erste Regisseur zurück, um alles zu einem Ganzen zusammenzuflicken und zwei Jahre nach Drehbeginn endlich fertig zu haben.

Merkt man dem Film leider auch irgendwie an, dass viel zwischenzeitlich geändert, schnell abgedreht, oder schnell zusammengeschustert ist. Manche Szenen wirken von ihrer Kameraführung und ihrem Schauspiel eher wie ein Indie-Projekt. Die Reihenfolge der Szenen ist fast beliebig und viele enden einfach abgehackt und eine neue beginnt genauso ohne wirkliche Überleitung warum wir jetzt wo ganz anders sind und was ganz anderes sehen. Ja die Investigations-Szenen von New Scotland Yard in die Weihnachts-Mordserie und die geradezu random eingestreuten und oftmals viel zu kurz gehaltenen Kill-Szenen wirken geradezu wie aus zwei komplett unterschiedlichen Filmen kommend. Dazu dann noch einige Momente, wo Charaktere eindeutig nachträglich mit anderem Dialog übersynchronisiert wurden, ein Sound-Mix bei dem man manchmal die Dialoge eh kaum über die laute Musik hört, und ein total unzusammenhängendes Ende. Ja das dies hier ein Problemprojekt war, das notdürftig irgendwie rausgehauen wurde, ist schon ziemlich deutlich zu erkennen.

Leider ist es auch kein sonderlich launiger gut-schlechter Film geworden, sondern um ganz genau zu sein ein eher ziemlich langweiliger. Wie bereits erwähnt sind die Kill-Szenen eigentlich viel zu kurz und ziemlich unkreativ und für heutige Verhältnisse auch harmlos, um wirklich Stimmung zu bereiten. Die meisten Opfer werden noch bevor sie richtig realisieren, dass sie sich in Gefahr befinden, mit einem Klappmesser abgestochen und die Szene ist auch schon rum. Mit zwei Ausnahmen zumindest, eine längere Verfolgungsszene zur Filmmitte hin ist stimmungsvoll, und das dem einen Weihnachtsmann auf dem Pissoir der Schwanz abgeschnitten wird wenigstens unerwartet kreativ.

Auch sicher unerwartet ist, dass der Film gegen Ende plötzlich das Mädel und ihren Freund, denen bisher weite Teile über gefolgt wurde (ihr Vater ist das erste Opfer und er steht unter Mordverdacht), komplett aus dem Film verschwinden. Er ist irgendwann einfach nicht mehr dabei, und sie wird ermordet, und ein anderes Mädel darf plötzlich für die letzte Szene unsere Heldin abgeben, die gegen den Mörder ankämpft. Und das auch noch, obwohl sie eine Stripperin ist. Zusammen damit, dass das Aktmodell den Film überlebt, ist klar, dass wir hier keinen amerikanischen Slasher vor uns haben können.

Egal, so unsinnig und schlecht gemacht der Film ist, so wenig davon ist eben wirklich unterhaltsam, da der Film wirklich weitestgehend ohne spannende, grausame, oder freiwillige noch unfreiwillig komische Einlagen aufwartet. Kann also getrost übersprungen werden.

tillxmas

Shark Week III – Open Water

ava-1650Leute, es ist echt total mal der Downer zur weißen, amerikanischen Ober-Mittelschicht zu gehören. Man ist glücklich verheiratet, hat ein eigenes Haus, beide einen gut bezahlten Job, in dem sie unentbehrlich sind. Aber wann hat man schon mal Zeit sich selbst und das Geld zu genießen, wenn jener Job einem ständig so stressig viel Arbeit beschert? Voll unfair wenn man sich Urlaub auf Hawaii leisten kann, aber dann doch bis zur letzten Minute alles durchregeln muss und sowieso nur zwei Wochen dafür freimachen konnte.

Zu dumm wenn man im Urlaub dann aber plötzlich in ein ernsthafte Problem gerät. Wie beispielsweise beim Scuba-Diving vergessen worden zu sein und plötzlich mitten im Pazifik dahin zu treiben, weit und breit niemand in Sicht, und die Rückenflossen von Haien bereits um einen herum zirkelnd.

Open Water ist ein besonderer Film. Zum einen basiert er auf einer wahren Begebenheit, insofern als das tatsächlich mal ein Pärchen bei einem Tauchausflug im Pazifik vergessen wurde. Zum anderen ist Open Water kein Trash-Film für die gehirntote Unterhaltung auf Syfy, sondern ein Indie-Film der auf Sundance lief, bevor er dort von Lionsgate entdeckt und etwas großflächiger in die Kinos gebracht wurde.

Der Film ist dementsprechend recht low key, verzichtet weitestgehend auf reißerische Film-Konventionen, ist überraschend langsam und minimalistisch. Zwei Leute für 24 Stunden gestrandet im Pazifik, das für eine volle Stunde Film. Der Horror kommt dann auch tatsächlich weniger von den Haien, sondern mehr von der Ausweglosigkeit der Situation. Wie hoch ist schon die Chance, in einem solch großen Gewässer wiedergefunden zu werden? Gerade wo die Strömung einen mit jeder Minute in wer-weiß-welche Richtung treibt. Währenddessen dehydriert man zusehends, weil man Meereswasser ja nicht trinken kann. Man verliert zwischenzeitlich vor Müdigkeit und Wassermangel das Bewusstsein und wenn man wieder hochschreckt kann man nur hoffen, noch nahe dem Partner zu sein. Wenn man doch mal ein Schiff in der Ferne sieht, wie hoch ist schon die Chance, dass genau jetzt einer darauf rüber schaut, und die kleinen, menschlichen Flecke überhaupt sieht? Es ist purer Terror auf so einer schier endlosen Weite hilflos und fast Bewegungsunfähig gestrandet zu sein, dabei keinen Ausweg zu sehen und auch nie sicher zu sein, was in den enormen Weiten und Tiefen um einen herum schwimmt.

Die Haie übrigens erschrecken die beiden natürlich jedes Mal enorm, werden aber nur punktuell eingesetzt, und bleiben auch in ihren Manierismen normal. Was sicher eine frische Abwechslung zu den Killerhai-Filmen ist, bei denen man glauben gemacht wird, jederzeit nur 5 Minuten von einem möglichen Angriff entfernt zu sein – selbst wenn man im Inland wohnt, wo jederzeit Sandhaie, Schneehaie oder ein Hai-Tornado vorbei schauen können. Das Paar hier hingegen ist im Wasser, und in einem Gebiet mit Haivorkommen. Doch häufig interessieren die sich gar nicht mal für die beiden, da sie sich nicht wie deren gewöhnliche Opfer bewegen. Ja, die Hälfte der Shots auf Haie sind sogar nur fürs Publikum, während die beiden Charaktere im Film gar nicht gewahr werden, was da unter ihnen schwimmt. Was natürlich nicht bedeutet, dass sie nicht in Gefahr sind. Haiangriffe sind seltener als Hollywood einem das weiß machen will, aber es gibt sie. Viele davon sind nicht mal tödlich, weil wir nicht besonders lecker schmecken und Haie häufig erst mal kurz einen anknabbern, um herauszufinden, was das da überhaupt ist, und dann aufgeben. Man weiß halt nie, wann die um das Pärchen herum sich dafür entscheiden werden, das komische vierbeinige Ding da mal zu probieren.

Das Hauptproblem mit Open Water ist wohl irgendwo das gleiche wie mit den beiden vorigen Filmen in dieser Woche: Er ist ein wenig langweilig. Die Situation in der sich die beiden befinden ist – selbst wenn sie komplett Hai-frei wäre – purer Terror in Konzept, und die realistische Herangehensweise durchaus erst Mal interessant… aber viel Film ist halt einfach nur zwei durchnässte Leute im Ozean treiben zu sehen. Da ist viel tote Luft zwischen den Highlights wie dem nächtlichen Gewitter.

openwater

Lord of Tears

ava-1630Viral Marketing ist heutzutage eine große Sache, da es neue und kreativere Arten sind, Leuten Werbung unterzujubeln, ohne das sie dies direkt überhaupt merken. Aber vor allem kann es auch sehr kosteffektiv gemacht werden, was Indies recht gut tut. Gerade Horrorfilme haben es im Viral Marketing recht einfach, da man nur einen Prank starten und dann auf Youtube hochladen muss. Das ist dann tatsächlich auch wie ich auf den schottischen Indie-Film Lord of Tears aufmerksam wurde, nämlich durch die recht amüsanten Omegle Pranks, in denen jemand im Owlman-Kostüm einen Haufen Teens, die sich sowieso bei jedem Kleinkram wie Slender einnässen, ein wenig Gänsehaut beschert.

Der Film an sich erinnert mich dann doch irgendwo sehr an Lars von Trier, was vielleicht aber auch einfach der artsy fartsy Athouse/Indie Look generell ist. Es ist wirklich eine ziemlich basische Story mit nur 3 Charakteren, ohne wirkliche Überraschungen oder viel, was los wäre, wirklich insgesamt mehr was für einen Kurzfilm geeignet erscheint, aber gestreckt auf 105 Minuten mit… ja mit nicht viel, abgesehen von schönen Landschaftsaufnahmen, seltsamer Charaktermomente die viel zu lange andauern, und Closeups von ekligem Getier wie Würmern und Käfern. Alles bedeutet nicht wirklich etwas, und wirkt deswegen sehr schnell ziemlich leer, hübsch anzusehen sicher, Stilsicherheit und teilweise dadurch auch Atmosphäre kann man dem Film nicht absprechen, aber die schiere Länge und Häufigkeit jener Dinge wirkt schnell wie nutzloses Füllmaterial oder prätentiöser Schall-und-Rauch um den Film tiefer wirken zu lassen, als er wirklich ist.

Unser Hauptcharakter bekommt von seiner Mutter, die ihn als Kind verstoßen hat, alles im Testament vermacht. Dazu gehört auch das einsame Anwesen in den schottischen Highlands, vor dem sie ihn aber strickt warnt, je dorthin zu gehen, da es ihn als Kind dort fast wahnsinnig gemacht hat, weswegen sie sich auch zu seines Besten von ihm trennte. Ich persönlich denke ja, dass schlichtweg umzuziehen statt das eigene Kind wegzugeben die bessere Wahl gewesen wäre, sowie man jemanden nicht gut von einem Anwesen fern hält, in dem man ihm dies testamentarisch vermacht, ominöse Warnung hin oder her, aber das bin nur ich, und ohne hätten wir eh keinen Film.

Auf dem Anwesen trifft er dann auch auf eine schräge junge Dame, und bandeld etwas mit ihr an. Währenddessen hat er Alpträume vom heidnischen Eulengott, auf dessen Tempel die Bude errichtet wurde. Was sowieso immer eine tolle Idee ist.

Ziemlich viel mehr ist am Film nicht, die meiste Zeit verbringen wir mit Visionen, in der die Eule mysteriös rumsteht und nihilistisch-vage Prophezeiungen von sich gibt. Oder der Investigation ob des mythologischen Hintergrunds von Eulengottheiten. Und jede Menge unkomfortabler, aber verspielt porträtierter Szenen zwischen den beiden Turteltauben. Schnell ist sowieso klar, was für eine Silent Hill Wendung auf uns warten wird, ob dessen was die mysteriöse Vergangenheit der Charaktere und ihre Verbindung ist, sowie wie dies hier ausgehen wird.

Dabei hätte ich den Film übrigens wirklich gemocht. Sicherlich, er ist nicht originell. Aber das Storygerüst, die Charaktertypen und der Archetyp auf dem der Eulenmann basiert sind alle so häufig in Horror genutzt, weil sie eben ziemlich effektiv sind. Und die hübsche artsy fartsy Aufmachung gibt dem Ding eben doch einen gewissen Touch, statt es super generisch abgefilmt wirken zu lassen. Aber allem schleichenden Horror zum Trotz gibt der Film einfach nicht genug her und hätte 70 Minuten sein sollen. Denn es gibt einen langsamen Aufbau, und dann gibt es zielloses Zeitverschwenden, und viele Szenen im Film wirken eher wie letzeres. Der Film ist also nicht wirklich schlecht, sondern einfach nur zu lang.

owlman

Mysterious Skin

Gregg Araki scheint gerne Filme über unangepasste Jugendliche mit (selbst-)zerstörerischen Tendenzen zu drehen. Dysfunctional Generation Y, ziellos und unberrechenbar. Immerin hat er sogar einer seiner Filmreihen den Oberbegriff „Teenage Apocalypse Trilogy“ gegeben. In Mysterious Skin wendet er sich auch solchigen zu, bzw. im Hauptaugenmerk des Geschehens steht nur ein Charakter und der hat einen Grund, warum er gestört und selbstzerstörerisch ist.

Neil ist frühreif. Bereits mit 8 hat er seinen ersten Samenerguss und fühlt sich zu Männern hingezogen, zu richtig männlichen, dem Chuck-Norris-Typ, den seine Mutter nach Hause bringt. Als er von jener in die Baseball-Mannschaft gesteckt wird, ist Neil sofort Feuer und Flamme für den Coach. Und der für ihn, beginnt er doch den kleinen Jungen langsam aber gezielt in eine sexuelel Beziehung mit sich zu leiten.

Das ruiniert den Jungen. Mit 10 gibt er „zur Entschuldigung“ das erste Mal jemand andrem einen Blow Job, ab 15 verdient er sich sein Taschengeld als Stricher. Mit 19 folgt er seiner besten Freundin nach New York, wo es wesentlich einfacher als in der kleinen Kansas-Stadt der Jugend ist, an jemanden mit einer Krankheit oder brutalen Ader zu geraten.

Brian ist gleicher Jahrgang wie Neil und stammt aus der gleichen Gegend. Als 8-Jähriger fehlten ihm plötzlich 5 Stunden seines Lebens, an die er sich nicht mehr erinnern konnte, seither hatte er regelmäßig Blackouts, Nasenbluten und einen Rückfall in die Bettnässerei. Mit der Zeit ist er der festen Überzeugung, von Aliens entführt worden zu sein. Als er dann mit Traumanalyse anfängt bemerkt er in ihnen die Anwesenheit eines andren Jungens, Neil. Also versucht er ihn ausfindig zu machen, um die Wahrheit des Geschehens zu erfahren.

Wer nicht spätestens 15 Minuten im Film weiß, was hinter Brians Alien-Schutzreaktion steckt, muss wohl irgendwann mal von Außerirdischen das Hirn entfernt bekommen haben. Der Film spricht es nicht direkt an, das große Finale ist die dramatische Szene, wenn Brian es endlich heraus findet, doch macht er es dem Zuschauer dennoch schrecklich offensichtlich.

Mysterious Skin behandelt also Pädophilie. Er bleibt dabei gar nicht mal allzu lang bei den 8-Jährigen Jungs und was der Coach so alles mit ihnen treibt, sondern der Großteil des Filmes behandelt deren 19-Jährige Form und wie es sie gezeichnet hat, die Langzeitfolgen des Geschehens also. Angeblich war der Film echt kontrovers, hat in vielen Ländern ein 18ern-Siegel bekommen, eben wegen der Thematik aber auch wie schonungslos er handelt, gerade später Neils Stricher-Leben. Das stimmt zum Teil schon, der Film versucht schon bodenständig und realistisch zu bleiben, beschönigt natürlich nix (was bei der Thematik fatal wäre), aber man kann’s auch übertreiben. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass ich da schlimmere Filme gesehen habe bereits, Children of the Dark widmet sich dem thailändischen Sex-Tourismus und Organhandel an Kindern und ist wesentlich schonungsloser und brutaler zu den Kids. Wenn Neil von einem seiner Freiern brutal in der Wanne vergewaltigt und blutig geschlagen wird, dann ist das fies, aber es ist kein Irreversible, in dem Monica Belucci 15 Minuten am Stück missbraucht und dann ins Koma geprügelt wird.

Was guck ich da überhaupt ständig für Filme? Es wird wohl doch demnächst Zeit für Alice in Wonderland `99, eh?

Wer den Preis als brutalst umgesetzte Thematik gewinnt, ist aber ja auch irrelevant, Mysterious Skin fand ich halt einfach nur nicht so schockierend mehr, nach den obig genannten Filmen. Im Gegensatz zu jenen funktioniert er allerdings als menschliches Drama für mich, was viel wichtiger ist. Children of the Dark behandelte die Sache so distanziert und nüchtern, fast schon wie ein Doku. Da können noch so viele Kinder in kleine Drecklöcher zusammen gepfercht werden, nachdem sie sich bei den Sextouristen mit einer Krankheit angesteckt haben halb tot in einen Sack gesteckt und auf den Müll geworfen werden, wenn er mich ob seiner Nüchternheit nicht emotional involviert, ist mir das ziemlich egal. Irreversible hat hingegen das Problem, in Revers zu laufen, zuerst die gebrochenen Charaktere zu zeigen, dann woran sie zerbrachen und am Ende wie sie glücklich waren. Das führt aber nur zu einem echt langweiligen Finale, erneut kenn ich die Charaktere wenn die Kacke am Dampfen ist noch nicht genug, um wirklich mitzufühlen.

Mysterious Skin ist da dramaturgisch viel besser, viel Charakter-orientierter, bringt sie uns nahe. Besonders Neil natürlich, dem Planet, um den der Film kreist. Damaged Goods und White Trash wie er sein mag, hat er dennoch Charme – und natürlich gutes Aussehen, immerhin wird er von Joseph Gordon-Levitt gespielt. Man kann verstehen, wie die Mischung aus desillusioniertem Bad Boy und fragilem Schönling mit charmantem Lächeln die Leute anzieht. Selbst seine beste Freundin rät einem dritten Freund mal, sich besser nicht in Neil zu vergucken, da er kein Herz hätte und das nur unglücklich macht. Das stimmt natürlich nicht, irgendwo hat Neil natürlich ein Herz, aber er ist halt auch abgebrüht und selbstzerstörerisch in seinem Handeln, natürlich führt ein Zusammensein mit ihm nicht zum Glück, was Glück ist und wie man es erreicht hat Neil nie gelernt – er denkt ja bis kurz vor Ende des Filmes noch eisern, seine glücklichste Zeit war, als er was Besondres für einen Coach war.

Das Ende ist dann entsprechend passend, wenn vielleicht auf den ersten Blick auch etwas unbefriedigend. Brian findet heraus, was wir seit eineinhalb Stunden wissen, was für ihn natürlich dramatisch ist, für uns nicht mehr so. Und das war es. Kein großes Finale, kein alles veränderndes Ereignis. Der Film endet einfach so. Denn es gibt nichts, was groß passieren könnte, nichts was die Situation verändern könnte. Die beiden sind fürs Leben gezeichnet, was passiert ist ist passiert und das war es. Entwedern werden sie damit zu leben lernen… oder nicht.

Anime Week – Kakurenbo

Hey, hey, hast du schon gehört? Angeblich wird in der unheimlichen Innenstadt jede Nacht ein Spiel gespielt. Schon das Erreichen des Startpunktes im Gewirr der engen Straßenschluchten ist ein Teil davon. Doch sobald sich 7 Kinder mit Kitsune-Masken dort zusammen finden, geht das Versteckspiel erst so richtig los.

Hey, hey, hast du schon gehört? Angeblich gibt es Dämonen in der Stadt, in der die Kinder das geheime Versteckspiel spielen.

Kakurenbo: Hide and Seek ist ein Indiefilm, fast komplett im Wohnzimmer zweier Kerle entstanden, was ja nicht bedeutet, dass es qualitativ nichts zustande bringen kann, wie uns Makoto Shinkai mit seinen frühen Werken a la Voices of a Distant Star bewiesen hat.

Der 25-Minüter ist dabei dann auch kurz wie einfach gestrickt: 8 Kinder laufen durch die engen Straßenkluften, plötzlich tauchen Dämonen auf und beginnen sie zu jagen. Viel Gerenne, Verstecken, wieder Gerenne. Dunkle und siffige Straßen, endlos verwinkelt, Dämonen aus der Dunkelheit schauend, gehetzte Kinder mit entfremdenden Masken.

Klar, ein wenig Mysteriöses gibt es auch, mit den Zetteln mit den 5 Dämonen, dem Jungen, der seine bei einem früheren Spiel verschollene Schwester sucht und warum die Dämonen überhaupt ein Versteckspiel mit Kindern inszenieren. All das wird am Ende sogar erklärt. Doch der Hauptaugenmerk des Kurzfilmes ist definitiv die spannende Jagd.