Sheitan

Nachdem wir also den britischen Zombie-Comedy-Horror-Musical-Weinhachtsfilm hinter uns gebracht haben, kommen wir zum französischen Erotik-Comedy-Horror zur Weihnachtszeit mit Sheitan aus dem Jahre 2006.

Der beginnt einen Tag vor Weihnachten im Club Styxx, wo Bart und seine zwei Freunde sich direkt unsympathisch machen. Wollen Party auf lau machen und kloppen sich auch noch, so dass sie rausgeworfen werden. Doch die sexy Bekanntschaft Eve meint, sie können ja einfach zum Haus ihrer Familie auf dem Land fahren.

Das stellt sich als nettes aber nicht ganz unbewohntes Anwesen heraus, da der schräge Haushälter und seine schwangere Frau anwesend sind. Während die Truppe sich wie der Haufen Arschlöcher verhält, der sie sind, müssen sie die Bekanntschaft der sich mehr als merkwürdig verhaltenden Dorfgemeinschaft machen, und sich von der verführerischen Eve am langen Arm halten lassen. Und dann erzählt Haushälter Joseph, der scheinbar einen Narren ausgerechnet am unzufriedenen Bart gefressen hat, eine nette Geschichte, wenn das Abendgespräch plötzlich auf Religion kommt und die Muslimen in der Gruppe den Atheisten vorwerfen, der Sheitan (Satan) spreche aus ihnen.

Es gab einmal einen Mann, der wollte unbesiegbar werden. Also kam der Teufel vorbei und bot ihm einen Pakt an. Der Mann nahm an, wurde überstark, und feierte das, in dem er seine Schwester durchnudelte. Die war nun allerdings geschwängert und das Baby wird das Satans sein, wenn der Mann nicht vor dessen Geburt um 12 Uhr Mitternacht zum Weihnachtsabend ein Opfer bereithält.

Sheitan ist ein französischer Film. Ein sehr fanzösischer Film. Und ich meine das jetzt nicht auf den simplen Fakt bezogen, dass es ein Film aus dem Produktionsland Frankreich ist. Das ist er natürlich auch. Aber er ist halt auch einfach sehr „französisch“, wie das Adjektiv, um ein gewisses Klischee von französischen Filmen zu bezeichnen. Weil es ein wenig mehr als nur „seltsam“ oder „merkwürdig“ mitschwingen lässt. Aber ja, Sheitan ist merkwürdig. Französisch-merkwürdig. Aber nicht das witzige französisch-merkwürdig. Leider. Sondern Sheitan ist eher nervtötend französisch-seltsam.

Das ganze Ding ist laut, und dreckig, und chaotisch, und seltsam. Die Begebenheiten merkwürdig, die Charaktere alle unsymphatisch, die Handlungen nicht nachvollziehbar. Man weiß nicht so recht, warum was gerade geschieht, und einem ist auch egal, was welchen Charakteren potentiell zustoßen könnte. Ich zumindest war mehr überfordert denn unterhalten vom Geschehen. Ich fand das Gezeigte übrigens auch weder sonderlich erotisch noch sonderlich witzig, so mal dabeigesagt, da dies hier ja als Erotic Horor-Comedy deklariert wird.

Anna and the Apocalypse

Zu Weihnachten gibt es ja normalerweise ganz zynisch immer thematisch passende Horrorfilme. Dem ist auch dieses Jahr so. Ich bin also mal wieder durch die Wikipedia-Liste an Christmas Horror gegangen. Welches alles von Horrorfilmen, in denen der Feiertag zentral wichtig ist, bis hin zu jenen, wo man nur durch einen Weihnachtsbaum in einer Szene im Hintergrund erraten kann, dass es zufällig an jenen Feiertagen spielt, enthält. Und mir war dabei dann doch mal nach etwas Speziellerem statt dem x-ten Weihnachts-Slasher im Santa-Clause-Kostüm, oder einem Creature Horror mit einer düster-mythologischen Weihnachts-Märchenfigur.

Als ich dann auf Filme mit der Bezeichnung „British Christmas Zombie Horror Comedy Musical“ und „French Erotic Horror Comedy“ gestoßen bin, war ich sofort Ready to Go. Den Anfang macht dabei Anna and the Apocalypse. Also das Weihnachts-Zombie-Musical unter den beiden Spezialinteressen-Filmen.

Ein gänzlich beschissenes Weihnachten steht an. So hat der Vater von Anna beispielsweise gerade herausgefunden, dass sie nach der High School nicht direkt an die Uni gehen, sondern erst Mal ein Jahr reisen will, was ihm so gar nicht gefällt. Schul-Schönling Nick, mit dem sie einen One-Night-Stand hatte, verhält sich auch ziemlich arschig. Währenddessen geht es ihrem besten Freund John auf den Zeiger, dass er nicht ihr Boyfriend ist. Und Steph, die eigentlich einen Artikel über das Obdachlosenproblem der Kommune in die Schülerzeitung bringen will, wird eiskalt vom stellvertretenden Direktor Mr. Savage abgesägt.

High School Drama eben. Welches allerdings am nächsten Tag prompt etwas in Perspektvie gerückt wird. Da sich die Kleinstadt nämlich plötzlich mitten in einem Zombieinfestationsausbruch befindet und ums Überleben gekämpft werden muss. All in this together~!

Ich reiteriere hier dann mal zwei Dinge über mich. Ich mag Musicals und habe an die keine besonders hohen Ansprüche. Wenn sie peppig ausschauen und die Musik eingängig ist, reicht mir das. Ich hab es nicht so mit Zombiefilmen oder Zombiemedia im allgemeinen. Ich mag Shaun of the Dead und Warm Bodies und vieles andere geht ein wenig an mir vorbei. Mit Anna and the Apocalypse gibt es nun aber auch einen dritten Zombiefilm, den ich immer wieder schauen könnte.

Es ist halt einfach so ein unterhaltsamer und spaßiger Genre-Mix. Natürlich klingen die Songs ein wenig arg nach High School Musical. Das ist natürlich so gewollt, weil sie damit ziemlich gut mit dem Rest kontrastieren. Das sollte klar sein, wenn in einer Zombieapokalypse plötzlich ein Song mit dem Titel „What a Time to be Alive“ angestimmt wird. Oder wenn der Tag, nachdem die Alltagsprobleme der Charaktere dargelegt wurden, sie mit einem fröhlichen Song darüber aufwachen, dass sie ihr Leben ändern werden und alles im Licht des neuen Tages sehen. Eben der übliche Motivationssong eines solchen Musicals. Nur dummerweise ist das der Tag, an dem das Virus die Stadt eingeholt hat. Während die Kids das also singen, natürlich mit der Welt um sich herum auscancelnden Kopfhörern im Ohr, ist hinter ihnen das absolute Chaos am ausbrechen.

Der Film nimmt sich also weitestgehend nicht wirklich ernst, sondern ist mehr eine schwarzhumorige Komödie. Bei der die Zombie-Köpfe auch schon mal platzen wie reife Melonen. So wirklich grausig soll diese Übertreibung eben auch nicht sein, sondern fun carnage bieten.

Aber es schleichen sich immer mal wieder partiell in guter Vorahnung auch ernste Momente ein, wenn die Charaktere doch an die Aussichtslosigkeit der aktuellen Situation geraten. Denn nach einer Stunde mit hauptsächlich Musik, Blut und Klamauk, wird der Film noch mal richtig ernst. Und das Drama funktioniert statt aus dem Nichts zu kommen, eben weil es schon jene vorigen Einschübe gab. Und weil die Charaktere doch erstaunlich rund und gut ausgebaut sind für einen solchen Film. Sie sind eben nicht nur eindimensionale Archetypen eines Horror- oder Comedy-Films, obwohl wenn mit jenen Rollenverhältnissen immer wieder gern gespielt wird.

Ich möchte Anna and the Apocalypse fast beste Weihnachtsunterhaltung für die ganze Familie nennen. Dafür sind die einzelnen Gore-Spitzen dann aber eventuell doch zu hart. Also zumindest für echte Kinder. Aber wenn die bereits Teenager sind, dann passt der Film schon gut. Weil er so gut unterhält. Weil er so frisch und anders ist. Aber weil er gegen Ende auch ehrlich nahegehen kann. Immer wieder schön, wenn man so einen Film entdeckt, den man nie auf dem Schirm hatte, und der zu einem Favoriten avanciert.

The Unkindness of Ravens

The Unkindness of Ravens habe ich als zweiten Teil in der Owlman-Trilogie geschaut, auch wenn ich im Nachhinein nicht genau weiß, was mich auf den Trichter gebracht hat. Vielleicht einfach, weil es der zweite Indie-Horror von Lawrie Brewster und Hex Media ist, deren dritter ein Owlman-Prequel ist. Das habe ich beim schnell drüberlesen dann eventuell fälschlich als thematische Trilogie aufgefasst.

Zumal der Hauptcharakter erneut von Jamie Scott Gordon verkörpert wird. Allerdings ist das einfach ein schottischer Schauspieler, den sich Lawrie Brewster gern für seine Filme casted. Denn er verkörpert hier eine gänzlich ander Person als in Lord of Tears, dem ersten Owlman-Film.

Er ist Andrew, ein unter PTSD leitender Kriegsveteran. Er hat immer mal wieder Flashes zurück in seinen Einsatz. An das Chaos, das Feuer, das Blut, und die Toten, die von den Raben zerfressen werden. Vor denen hat er eine ganz besondere Phobie entwickelt. Andrew fotografiert gern die Natur und schreibt Gedichte, aber sobald ein Rabe im Bild ist, sperrt sich sein Finger und er kann den Auslöser nicht betätigen.

Da es in der Stadt eher wenig Natur gibt, macht ihm seine Therapeutin einen Vorschlag. Sie hat den Schlüssel für eine Cottage in den verlassenen schottischen Highlands, und meint, er solle dort ein Wochenende alleien verbringen um zu sich zu finden. An die Natur gehen. Fotos machen. Gedichte schreiben. Langsam wahnsinnig werden. Sich wiederholt von den Kriegsverbrechen und toten Kollegen heimsuchen lassen. Mit seinem militärischen Spiegelbild Streitgespräche führen. Von Rabenmenschen verfolgt werden, die ihren Opfern die Augen rausreißen. Halt alles schön therapeutisch.

Ich mein, ob es jetzt wirklich als Trilogie gemeint ist oder nicht, thematisch nicht ganz unähnlich sind sich Lord of Tears und The Unkindness of Ravens schon. In beiden folgen wir einem kernigen Ginger mit Wahnvorstellungen. Der von mythischen Vogelmenschen bedroht wird. Mit Flashbacks ob vergangener Schandtaten.

Nur ist The Unkindness of Ravens mit 85 Minuten ungefähr 20 kürzer als Lord of Tears. Dem ich ja damals attestiert hatte, dass er einfach ein wenig langweilig ist, weil nicht viel geschieht, und das nur sehr langsam. Da ist es doch schön, dass dieser Film tatsächlich etwas kürzer geraten ist. Dafür ist die Handlung diesmal halt aber auch noch simpler.

Was ja nicht unbedingt schlecht sein muss. So einen PTSD-Soldaten langsam dem Wahnsinn verfallen zusehen, mit ordentlich Flashbacks und Visionen, mehr oder weniger eine One-Man-Show sozusagen, kann schon interessant sein. Und The Unkindness of Ravens war auch stringenter und hatte weniger tote Luft als Lord of Tears. Wobei aber auch Ravens bei 50 Minuten mehr oder weniger sein Pulver verschossen hat. Erneut startet er ziemlich langsam mit vielen hübschen Naturlandschaften, von denen Andrew seine Fotos macht. Dann creepen die Rabenmenschen langsam ins Bild. Und sobald Andrew unter ordentlich Trauma bereits mit sich selbst gestritten, die Gräueltaten im Krieg geflashbackt hat, und von den Raben zum ersten Mal panisch durch den Wald gejagt wurde, haben wir eigentlich schon alles gesehen. Zehn weitere Minuten der Endeskalation und mit 60 abzuschließen hätte hier auch gereicht. Stattdessen flaut der Film erst noch mal ab, bevor es ins Finale geht.

Aber es gibt sicherlich auch Leute mit Herz für die gemächlicheren Horror-Filme, deren Pacing zurückgeschraubt ist, die eben ein bisschen mehr Artsy sich mit hübscher Natur und verschwurbelter Poesie auffüllen. Das ist nicht immer so ganz meins. Wobei The Unkindness of Ravens schon Ok war, definitiv nicht so langweilte wie Lord of Tears.

Tales of Halloween

Das Jahr ist 2015. Der Ort ist die Indie-Produktionsfirma epic. Die Protagonisten sind ein Dutzend Regisseure. So entstand Tales of Halloween, ein Anthologien-Horror-Film zum besten Fest des Jahres.

Als Gesamtwerk ist der Film dabei knapp unter 100 Minuten lang, beinhaltet allerdings ganze 10 Segmente. Da muss natürlich noch ein wenig was für Opening- und Endingcredits abgezogen werden. Eine einzelne Geschichte ist also auf unter 10 Minuten beschränkt. Wir gehen daher zügig durch das Geschehen. Welches, wie wir im Finale herausfinden, tatsächlich alles an ein und der selben Nacht in der gleichen amerikanischen Kleinstadt stattfindet. Die haben wohl jährlich so ein kleines Problem, dass zu Halloween alles drunter und drüber geht.

Und schon hätte ich gern, dass man im Jahreszyklus einen Anthologie-Film zu Halloween raushauen würde. Das könnte doch echt spaßig sein.

Die überschaubare Zeit im Auge behaltend sind die einzelnen Geschichten natürlich sehr basisch. Sie hängen immerhin nicht zusammen, auch wenn sie am gleichen Abend geschehen sollen. Dafür bekommt man natürlich so einiges in der Zeit geboten. Ob nun zwei Babysitter die Legende eines Jungen erzählen, der nie Süßigkeiten essen durfte, und sie deswegen Leuten an Halloween aus dem Magen frisst, wenn man ihm keine Opfergabe bringt. Und der natürlich prompt auftaucht, nur damit das Babygesittete Kind am Ende wie der Mörder seiner Aufpasser aussieht. Oder wenn wir in einer schwarzhumorigen Parodie von Friday the 13th stecken, bei dem ein Alien das Teeny-Opfer vom Hockey-Masken-Mann übernimmt und sich beide gegenseitig kaputthauen. Vielleicht geht auch einfach nur ein riesiger Killer-Kürbis um.

Es sollte wohl klar sein, dass die Geschichten nicht nur Horror beinhalten, sondern mal mehr oder mal weniger viel Witz mit hineinbringen. Der ist manchmal fieser als andermal, genau wie manche Segmente mit mehr Gore aufwarten als andere. Gerade das erste setzt hier eigentlich den Brutalitätshöhepunkt, während sich der Rest entweder mehr zurückhält oder es so überspitzt, dass es wieder eine Komik hat.

Ich war jedenfalls gut unterhalten mit den kurzweiligen Happen an Horrorgeschichten. Das ist wirklich der perfekte Halloween-Watch. Und es ist schade, dass daraus keine Tales of Halloween Reihe wurde, bei dem sich regelmäßig kreativ in kleinen Segmenten ausgetobt werden konnte.

Universal Monsters – Dracula’s Daughter

Hollywood war früher keinen Deut besser. Wunderbar ersichtlich an Universals Produktion Dracula’s Daugther. Sequel zu einem ihrer beliebtesten Streifen. Teil eines gigantischen, übergeordneten Monster-Universum zum Gelddrucken. Die Adaptionsrechte an Stokers Kurzgeschichte von MGM schnell geschnappt, um Universal für die Rechteabtretung ordentlich blechen zu lassen. Wiederholt umgeschrieben, bis das Script allen Studiobossen gefiel. Drehbeginn war sogar noch vor dessen Finalisierung, um es möglichst schnell abgedreht und in den Kinos zu haben. Mit einer Hauptdarstellerin, welche die Rolle eigentlich nicht wollte, um nicht a la Lugosi im Typecast zu landen.

Die finalisierte Version setzt direkt dort an, wo Dracula aufhörte. Van Helsing hat den Grafen gepflockt, und wird von der Polizei aufgegriffen. So einen alten Kerl in einer Krypta mit zwei Leichen ist immerhin verdächtig. Nur das bald eine der Leichen fehlt. Denn Gräfin Zaleska hat sich Draculas Leichnam geschnappt, um ihn rituell zu verbrennen. Nicht als letzte Salbung, oder um ihn wiederzuerwecken. Nein, Draculas Tochter hofft einfach nun von ihrem Blutsauger-Fluch befreit zu sein.

Ist sie nicht. Die gute Gräfin streunt weiterhin aufgewühlt durch die nächtlichen Londoner Straßen, bis sie attraktive junge Dinger mit verführerischen Halsschlagadern trifft, an denen sie sich festsaugen kann. Doch eine letzte Hoffnung bleibt ihr. Doctor Garth, der zufälligerweise auch Van Helsing bei seiner Mordanklage helfen soll. Denn Gräfin Zaleska bekommt mit, dass jener Süchtige therapiert.

Dracula’s Daughter ist immerhin besser geworden, als man sich bei dem ganzen Developement-Trubel, der sich darum gerankt hat, denken mag. So absolut der Reißer mag er jedoch immer noch nicht sein. Dafür ist der Film etwas zu langatmig und stellenweise Ereignislos, obwohl er gerade mal 70 Minuten füllt. Hier merkt man wahrscheinlich am ehesten, wie häufig das Script geändert wurde, und dass es erst nach Drehbeginn fertig war.

Zwei Dinge machen den Film allerdings auch aus heutiger Sicht noch interessant und elevieren ihn über das durchwachsene Script. Zunächst ist da das schauspielerische Talent von Gloria Holden als Gräfin. Sie spielt ihre Rolle mit einer aritokratisch-kühlen Distanziertheit, aber doch mit einer darunterliegenden Fragilität, die sie weit über alle anderen Akteuere stellt. Ihre Darstellung ist ein Urkern der Goth Lady. Sexy, erhaben, düster.

Und dann sind da die homoerotischen Untertöne. Sicherlich mag Zaleskas erstes Opfer ein Mann sein, in einem schnellen Blinzel-und-du-hast-es-verpasst, fast wie zum Alibi. Denn wesentlich interessierter scheint sie an jungen Damen zu sein. Die Szene mit dem Model, wenn sie sich ihrer Sucht stellen will und ihr dann doch erliegt, versprüht eine ordentliche Portion Erotizismus, so dass sie gegenüber der ursprünglich geplanten Version verharmlost wurde. Das unruhige Herumschleichen auf Londoner Straße auf der Suche nach neuen Opfern oder der verzweifelte Versuch, sich über Therapie von ihrem Dasein zu befreien, bringt gerade im Kontext der Enstehungszeit natürlich auch ihren ganz eigenen Subtext mit. Wenn auch natürlich keinen eindeutig positiven, die homosexuell konnotierte Rolle als gefährlichen Räuber zu haben. Nicht das der Film ihr nicht zumindest zu Beginn noch eine gewisse Sympathik gegenüberbringt, die wir aber durchaus auch schon früher bei „Monstern“ wie im Hunchback of Notre Dame oder Frankenstein sahen.

Zusätzlich etwas Schwung in die Sache bringt die Beziehung vom jungen Doctor Garth zu seiner Sekretärin. Die starke, unabhänige Frau ist nämlich ziemlich selbtsbewusst und schnippisch, und er weiß ganz genau, wie er das erwiedern muss. Deren Interaktionen miteinander ist sodann auch das andere schauspielerische Highlight neben Holden. Diese humorigen Einlagen zusammen mit der Dramatik hinter der Figur der Gräfin lassen letztendlich nur wenig Platz für Horror oder auch nur Grusel im Film.

Schlecht ist der Film also nicht. Oftmals aber eher interessant denn wirklich gut. Dadurch geholfen, dass das Unterfangen würzig-kurz bleibt. Länger hätte er nämlich wirklich nicht sein dürfen.

Psycho IV: The Beginning

Es geht zurück in die Hauptfranchise, wir bleiben allerdings den TV-Bildschirmen treu. Also in der Erstveröffentlichung. Meine Sichtung aller fünf Filme war natürlich konsequent auf dem gleichen Wiedergabegerät.

Norman Bates ist mal wieder draußen. Was zwischen Psycho und Psycho II durch das zwanzig Jahre Spät-Sequel noch Sinn machte, will natürlich bei den vier Jahren zwischen Psycho III und Psycho IV eher weniger wahrscheinlich erscheinen. Verheiratet ist er auch, dies dadurch erklärt, dass seine Frau Psychotherapeutin ist, und die beiden sich in der Heilanstalt kennengelernt haben, die Norman zu so einer Speed-Heilung verholfen hat.

Das dient allerdigns zunächst eh mehr als Rahmenhandlung. Denn eine Radiostation interviewt gerade Experten zum Muttermord, und da es Normans Geburtstag ist, fühlt er sich dazu geneigt, doch mal anzurufen und seine Geschichte zu erzählen. Vom Tod seines Vaters, als er noch klein war, der seine liebende Mutter so extrem veränderte, zu der eher unkomfortabel nahen Beziehung der beiden als er ein Teen war, von ihren Tobsuchtsanfällen, kulminierend darin, als sie einen neuen Mann ins Haus holt, und Norman sich dazu entschließt, beide umzubringen. Um dann doch die Leiche der Mutter wieder zu sich zu holen und in ihrem Sinne Frauen umzubringen, die sich an ihn ranmachen.

Erst am Ende kommt die Präsenz-Handlung wieder zum Zuge, wenn wir herausfinden, dass Normans Frau schwanger ist, obwohl er dem immer entgegenstand, weil er befürchtet, sein Wahnsinn könnte sich auf das Kind übertragen. Weswegen er nun seine Frau umbringen will, die Vorzeige-Therapeutin, die überhaupt nichts faul daran findet, dass Norman sie an seinem Geburtstag zum verlassenen Bates Motel bringt.

Ich stehe dem letzten Psycho mit Anthony Perkins als Normal Bates etwas gemischt gegenüber. Es ist sicherlich eine gute Idee, eher weg vom Standard-Slasher zu gehen, und sich mehr auf Norman zu fokussieren, mehr das Drama hinter der Figur zu erzählen. Immerhin ist es das, was Psycho von den anderen Slashern abgesetzt hat.

Das funktioniert zunächst auch ganz Ok. In den Szenen, wenn Norman alleine mit seiner Mutter ist. Wenn die merkwürdige Intimität zu ihr zu einem Problem wird, sobald er in die hormonellen Teenagerjahre kommt, und ihre entmannende Reaktion darauf. Sonderlich gut geschrieben oder geschauspielert oder Unerwartetes bietend ist das alles zwar nicht, aber der Teil funktioniert durchaus noch. Und immerhin ist der Film nicht so langweilig und zerstückelt wirkend, wie seine beiden Vorgänger, sondern man bleibt am Ball.

All dies fällt allerdings auseinander, sobald sich Normans Mutter einen neuen Kerl angelt. Der Typ und Normans Mutter sind geradezu Karrikaturen an fiesem Verhalten und fehlender Empathie. Hier kommt das wenig gut geschriebene Script so richtig zum Vorschein, es ist einfach fast lächerlich, wie chargierend die beiden sich gegenüber Norman verhalten. Es wäre sicherlich ein interessanterer Ansatz gewesen, dies etwas reflektierter darzustellen. Ja vielleicht sogar anzudeuten, dass die Mutter durch ihren neuen Liebhaber eventuell zur Normalität zurückgefunden und Norman ein normales Leben hätte ermöglichen können, wenn vorher nicht schon zu viel schiefgelaufen wäre und durch Missverständnisse Norman über die Klippe getreiben wird. Stattdessen sind sie halt einfach Schnäuzerzwirbelnd gemein.

Ist halt in meinen Augen ein wenig eine verpasste Chance gewesen. Und bestätigt dann erneut die Annahme, dass man tatsächlich alle Psycho-Sequels getrost überspringen kann, ohne wirklich etwas missen zu müssen.

Psycho III

Diesmal dauerte es nur drei Jahre, bis der nächste Psycho in die Kinos kam. Was hieran besonders ist, ist die Tatsache, dass Anthony Perkins selbst Regie führte. Leider floppte der Film ziemlich, woraufhin die Franchise anschließend aufs TV delegiert wurde.

Wir beginnen bei einer Nonne. Die dem Glauben abfällt. Sie hat wohl Nietzsche entdeckt, von wegen Gott ist tot und so. Und will sich deswegen vom Glockenturm stürzen. Stattdessen fällt versehentlich die Obernonne, beim Versuch sie dort wegzuziehen, in den Tod. Noch mehr Sünde. Wie viel die zählt, wenn es Gott nicht gibt, sei mal dahingestellt. Aber am Tod von jemandem Schuld zu haben, ist natürlich auch rein fürs elementare Gewissen ohne Gläubligkeit nicht der Reißer.

Sie entflieht dem Kloster. Und endet nach ein paar Komplikationen beim Bates Motel. Es ist wenig Zeit seit Psycho II vergangen, Norman ist also wieder verrückt, und lebt mit der Leiche seiner wahren Mutter zusammen. Als die Ex-Nonne sich dann zum Duschen bereitmacht, hat er auch schnell seine Routine darin gefunden, sich deren Kleid und Perücke anzuziehen, und seinen weiblichen Gast mit dem Messer einseifen zu wollen.

Doch die überrascht ihn. Statt in ihrer vollen Blöse unter der Dusche den knackigen Körper mit Wasser einzureiben, sitzt die Ex-Nonne nämlich mit aufgeschlitzten Adern im Blutdurchtränkten Badewasser. Und findet sich schnell im Krankenhaus wieder, da Norman sie gerettet hat.

Während die beiden miteinander anbandeln, lässt der neue Mitarbeiter von Norman beim Motel ordentlich wilde Partys steigen, damit es dann doch genug verruchte Schlampen gibt, die seiner Mutter missfallen könnten, und einer großzügige Akupunktur anheimfallen dürfen.

Psycho hat ja schon immer gern damit gespielt, dass Norman Bates eine charismatische Note hat. Es gibt immer dieses „Was wäre, wenn er Erlösung widerfahren könnte?“. Das Aufwachsen mit seiner Mutter hat ihn zu dem gemacht, der er im ersten Film ist, und man kann sehen, dass er unter einer normalen Kindheit stattdessen ein toller Fang geworden wäre. In Psycho II hat er endlich seine Geisteskrankheit bezwungen und eine Chance auf ein neues Leben, wird dann aber von seiner Umwelt wieder in den Rückfall getrieben. Und in Psycho III trifft er auf eine ebenfalls mental instabile Frau, die in ihm die Erlösung und Rettung ihrer Probleme sieht, und die mit ihrer Nähe und Andersartigkeit, die ihm aus dem Konzept bringt, eventuell auch ihm ein anderes Leben ermöglichen könnte.

Das Problem an den Psycho-Sequels ist allerdings schlichtweg, dass sie ziemlich langweilig sind. Die Reihe, auch wenn der Erstling als Urvater des Subgenres gelten mag, fügt sich einfach nicht wirklich gut in die Slasher der 80er ein. Es wird nicht genug gemordet, sie scheinen sich nie so sicher, wer denn jetzt Hauptcharakter sein soll, und es fehlt ihnen auch einfach weitestgehend an Struktur.

So auch in Psycho III, dessen Mittelteil irgendwie überhaupt nichts bringt. Die Nonne verschwindet sowieso einen weiten Teil aus dem Film, ohne wirklich narrativ ersetzt zu werden. Und selbst wenn sie da ist, fährt der Film lieber ein paar Morde von Norman vom Fließband, statt den Fokus zu finden, scheinbar schlichtweg aus dem Grund, weil ein Slasher doch ein paar leichtbekleidete Mädels umbringen muss.

Und die Sache mit der Familiengeschichte wird sowieso immer blöder. Der erste Psycho ist ein relativ unkomplizierter Film. In Psycho II haben wir dann plötzlich Normans wahre Mutter, die selbst in einer Heilanstalt weggesperrt wurde, und deswegen Norman nichtsahnend von deren Schwester großgezogen wurde. In Psycho III ist es nun so, dass die ursprüngliche Mutter doch wirklich seine Mutter war, und die Schwester aus II nur in ihren Wahnvorstellungen dachte, Norman wäre ihr Sohn, weil sie auf dessen Vater stand.

Nur ist es so, wenn die Psycho-Sequels wenigstens so richtig blöde schlecht-doof wären, könnte man sich wenigstens daraus noch einen gewissen Unterhaltungswert ziehen. Aber die Dinger sind schon kompetent gemacht und wollen ernstgenommen werden. Und dies macht die nüchtern-schwunglosen Endresultate einfach ein wenig langweilig, weil sowohl die Klasse des Erstlings fehlt, sie aber auch nicht schlecht genug zum Riffen sind. Unspannende Durchschnittlichkeit ist hier die wahre Sünde.

Psycho II

Psycho gilt als der Grundstein des Slasher-Genres, welches seine wahre Hochzeit in den 80ern feiern sollte. Da überrascht es eventuell wenig, dass genau in jener Dekade, über 20 Jahre nach dem Original, sowohl ein eher satirisch angelegtes zweites Buch, sowie der damit nichts zu tun habende zweite Film folgen sollte.

Norman Bates gilt also 22 Jahre nach den Morden als geheilt und soll wieder in die Gesellschaft integriert werden. In dem man ihn alleine in dem Haus leben lässt, in dem er den Wahnvorstellungen seiner Mutter erlegen ist. Selbst nachdem er den ihm zugeteilten Job in einem Diner hinwirft und erneut das Motel leiten will, ist sein betreuender Arzt überraschend Ok damit.

Wer absolut nicht Ok mit der Rückkehr von Norman ist, ist Lila Loomis, die Schwester der von Norman unter der Dusche dahingemeuchelten Marion. Die macht ihren Unmut nicht nur lautstark Luft, sondern scheint Norman auch nicht alleinlassen zu wollen.

Es dauert prompt auch nicht lange, bis Norman scheinbare Nachrichten seiner toten Mutter findet, ihre Stimme hört, und sie vermeintlich in den Fenstern des Familienhauses stehen sieht. Als dann eine Arbeitskollegin bei ihm im Haus unterkommt, und Norman Telefonanrufe seiner angeblich wahren Mutter bekommt, sind die Morde quasi vorprogrammiert.

Im Prinzip ist das späte Sequel der Handlung ja zuvorkommend, denn es macht durchaus Sinn, dass man nach 20 Jahren das Verfahren um Norman Bates neu aufrollt, um zu sehen, wie weit sich sein geistiger Zustand gebessert hat. Und das Sequel geht eben einen interessanten Weg, da es ihn nun mehr oder weniger in die Opferrolle manövriert.

Immerhin hat Athony Perkins ihn schon immer als sehr charismatischen Kerl dargestellt. Norman Bates ist sozusagen der Archetyp des kaputten Kerls, den man doch bestimmt reparieren kann. Heutzutage kommt man ja fast nicht mehr drumherum, seine Serienkiller attraktiv zu gestalten, und auf die Flut an Fanfiction zu warten, in denen die wahre Liebe ihre Psychose heilen kann.

Es ist die Gesellschaft um ihn herum, die ihm übel mitspielt, die ihn schon vorverurteil, und die scheinbar sogar aktiv darauf hinarbeitet, ihn wieder in den Wahnsinn zu treiben, damit er erneut weggesperrt werden kann. Sowohl pro forma, weil davon ausgegangen wird, dass er eh wieder morden wird, als auch zur Strafe der schon begangenen Morde. Das Mysterium des Filmes gestaltet sich dann auch gleich wesentlich weniger darum, ob jemand Norman übel mitspielt, und vielmehr wer es aus welcher Motivation ist, und vor allem ob es funktionieren wird.

Das Problem für mich bei Psycho II ist somit sicherlich nicht das interessante Konzept. Sondern vielmehr die Umsetzung. Das Herz war sicherlich am rechten Fleck. Immerhin holte man sich sowohl für Bastes als auch Lila Loomis die Originalschauspieler zurück. Der Producer von Psycho II arbeitete bereits am Original und holte sich Rat bei Hitchcocks Tochter, ob jener nicht gegen ein Sequel gewesen wäre. Es gibt einige Szenen im Film, die eindeutig Hommage ans Original sind, in dem sie ähnliche Bildsprache in neuem Kontext wiederverwenden.

Aber das Resultat ist schlichtweg ein wenig auf der langweiligen Seite. Der ganez Look ist nicht so inspiriert, nicht so atmosphärisch wie das Original, sondern schaut nach absolutem Standard aus. Es gibt so gut wie keine der interessanten Kamerawinkel oder Beleuchtung. Abgsehen von Perkins kann man das Schauspiel der Rest-Truppe schlicht als kompetent beseite tun. Und auch das Script verpasst einige Chancen. Es ist schon etwas merkwürdig, dass Loomis so extrem gegen Norman eingestellt ist, zu Beginn im Gerichtssaal auch eine Unterschriftenaktion erwähnt, wir den kompletten Rest des Filmes über aber keine eigentlichen Nachbarn sehen, die etwas gegen seine Rückkehr haben, selbst die Polizei ihm relativ symphatisch gesinnt zu sein scheint. Hier hätte man mehr Druck auf den Charakter ausüben können. Auch wäre es etwas interessanter gewesen, den Film eine Szene früher zu beenden und damit offenzulassen, ob Norman nun wirklich wieder verrückt ist, oder doch nicht.

Kompetent wie das Schauspiel ist eigentlich der komplette Film und nicht mehr. Er versprüht keine Ambition oder Interesse, sondern scheint runtergedreht als wären wir schon im TV-Sequel-Land angekommen.

Psycho

Das 1960er Psycho, basierend auf einem im Vorjahr erschienenen Buch, ist ein Wegstein des Horrorkinos. Von den über 50 Filmen, die der Meister des Suspens und Thrillers Alfred Hitchcock dirigierte, ist er wohl so ziemlich sein bekanntestes Werk, und das, obwohl ursprünglich niemand an den Film glaubte und Hitchcock extrem darum kämpfen musste, ihn drehen zu dürfen. Nicht zuletzt gilt Psycho auch als der Grundstein des Slasher-Genres.

Den Heutzutage zu schauen ist natürlich eine ganz eigene Sache. Immerhin wird der Film nächstes Jahr 60 Jahre alt. Und er ist einfach so sehr ins popkulturelle Unterbewusstsein eingegangen, dass man den Film eigentlich schon kennt, selbst wenn man ihn nie gesehen hat. Allen voran natürlich die zwei großen Überraschungen, die den größten Attraktionspunkt des Filmes ausmachen, um die sich alles dreht, und bei denen Hitchcock damals sein Möglichstes tat, um sie so lange wie möglich geheimhalten zu können.

Allen voran haben wir da natürlich die Sache, dass Janet Leighs Rolle als Marion als der Hauptcharakter der Geschichte verbucht wurde. Sie war überall im Promo-Material zu sehen. Und dann geschieht mit ihrer Rolle etwas, was sich strukturell selbst heutzutage die meisten Filme nicht trauen würden. Sie stirbt. Aber nicht erst ganz am Ende. Auch nicht wie eine Drew Barrymore im ersten Scream im Opener und dann gehen wir zum eigentlichen Hauptcharakter. Nein, wir folgen ihr erst Mal fast eine Stunde durch den Film. Sie ist die unmoralische Frau, die in ihrer Mittagspause mit ihrem Kerl in Hotelzimmern rummacht, und sich dazu entschließt, die 40.000 Dollar ihres Chefs nicht auf die Bank zu bringen, sondern damit unterzutauchen. Sie muss im Bates Motel absteigen, hat eine unkomfortable Unterhaltung mit Norman, und wird genau dann, wenn sie sich entschließt doch ein gutes Mädchen zu sein und zurückzufahren, statt den Diebstahl durchzuziehen, unter der Dusche erstochen. In welchem Film folgt man schon die halbe Spielzeit einem Charakter und dann wird der einfach abgemurkst, die Handlung geht aber fast noch eine Stunde weiter?

Die andere Sache ist natürlich diejenige, dass Norman sie umgebracht hat. Heutzutage wäre selbst ohne das Vorwissen von Psycho ein Publikum direkt auf dem Trichter, dass etwas nicht stimmt, wenn wir seine Mutter immer nur hören und beim Mord nur Schattenhaft sehen. Ein Publikum in 1960 hinterfragte noch nicht, dass eindeutig die verrückte Alte die jungen Dinger umbringt, weil sie meint, sie wollten ihren unschuldigen Jungen verführen. Umso schockierender ist es dann eben, am Ende herauszufinden, dass sie schon lange Tod ist, Norman mit der Leiche lebt, und immer wieder in die Rolle der überfordernden Mutter schlüpft.

Was heutzutage natürlich ebenfalls nicht mehr so offensichtlich ist, ist die Tatsache, dass Hitchcock in Psycho auch sehr weit in der Darstellung dessen ging, was erlaubt war. Das Abstechen unter der Dusche war damals ein schockierender Brutalitätsmoment. Und vor allem war der Film für 1960 extrem sexy. Leigh ist in mehreren Szenen in ihrem BH zu sehen und auch beim Mord unter der Dusche wird in schnellen Cuts mal der Bauchnabel und mal etwas Sideboob gezeigt.

Obwohl sich aber gerade deswegen merklich macht, weil reingehend schon klar ist, welche Überraschungen auf einen warten werden, ist, wie gut Psycho geschrieben ist. Die besten Filme, die maßgeblich auf Wendungen aufgebaut sind, verlieren nämlich eben nicht vollkommen ihren Reiz, wenn jene schon bekannt ist. Und haben vor allem Dialoge zu bieten, bei denen man im Nachhinein sieht, wie viel schon gehintet war, ohne dabei das Forshadowing so arg zu übertreiben, dass man die Wendungen erraten kann. Psycho ist ein solcher Film. Gerade im Gespräch zwischen Marion und Norman in seinem Büro lässt Norman nämlich nicht nur in seine Psyche blicken, sondern sind einige Anspielungen untergebracht, die man erst entdeckt, wenn man sich bewusst ist, wohin die Reise geht. Wenn er beispielsweise erwähnt, dass seine Mutter eigentlich genauso harmlos ist, wie die ausgestopften Tiere im Raum. Denkt man sich nicht viel bei, bis man weiß, dass sie nur noch eine mumifizierte Leiche ist.

Den tatsächlichen Hauptpunkt, warum Psycho so gut ist, ist natürlich das extrem gute Schauspiel von Athony Perkins. Der schon vorher in Film und Theater zu sehen gewesene und ausgezeichnete Schauspieler sollte hier seine Paraderolle meistern, die ihn für den Rest seiner Karriere nicht vollkommen losgelassen hat. Er ist einfach perfekt als der jugendlich-sympathische aber auch irgendwie verschrobene Norman Bates, der scheinbar unter der Fuchtel seiner Mutter leidet, nur um dann als der wahre Psycho zum Filmende hervorzukommen. Gerade eben auch wegen der riskanten Entscheidung, Leigh halb durch den Film umzubringen. Anschließend folgen wir dann nämlich zunächst einem Privatdetektiv und dann Leighs Lover und ihrer Schwester, die sich beim Motel umschauen. Der Film hätte also genauso gut an Struktur verlieren können, wenn Perkins ihn in der zweiten Hälfte nicht so gut über Wasser halten würde.

Natürlich gibt es noch mehr zu mögen an Psycho. Hitchcock weiß durch gute Kameraführung, durch den richtigen Schnitt, die richtige Perspektive, die richtige Szenenausstattung genau die Atmosphäre hervorzurufen, die dem Suspens des Filmes zugutekommt. Die selbst scheinbar harmlose Szenen in ein ominöses Licht werfen. Und dann ist da natürlich der ikonische Soundtrack. Viel davon hat selbstverständlich wie bereits erwähnt den Nachteil, dass 60 Jahre später all dies altbekannt ist, einem dies nicht mehr so bewusst gewahr wird, wenn man nicht genau darauf achtet. Aber das der Film eben trotz allem überhaupt noch funktioniert, ist das größte Attest dessen, wie gut er gemacht ist.

Rumic World II: Laughing Target & Mermaids

Rumiko Takahashi ist mehr für ihre Romanzen und Komödien bekannt. Einen gewissen Touch beider Dinge scheint zumindest allen ihren bekannten Geschichten innezuwohnen. Doch die Frau kann auch Horror, wie sie beispielsweise in der Kurzgeschichte Laughing Target zeigte, oder auch in ihrem dreibändigen Mermaid Saga.

Yuzuru ist ein bei den Mädels an seiner Schule nicht ganz unbeliebter Teenager, hat aber bereits eine Freundin in Satomi, mit der er zusammen im Bogenschießklub ist. Die ist wohlweislich nicht so begeistert, als Yuzuru nebenbei erwähnt, dass von nun an seine Verlobte bei ihm wohnen wird, von der sie noch nie was gehört hat. Ist nämlich so, dass Yuzuru und seine Cousine Azusa sich als kleine Kinder versprochen wurden, weil die Mutter von Azusa und Oberhaupt der Familie darauf bestand. Das ist so viele Jahre her, dass sich Yuzuru nicht vorstellen kann, Azusa würde das noch für voll nehmen. Tut die aber ungemein.

Das Setup von Laughing Target klingt zugegeben auch absolut danach, als hätten wir es mit einer typischen Verwechslungkomödie von Takahashi zu tun, diese Charakterkonstellation könnte so auch aus Ranma 1/2 stammen.

Stattdessen ist das hier aber eine Horror-Geschichte. Sehen wir schon direkt am Anfang, denn eigentlich startet die OVA mit einem Stimmungsvollen Rückblick, in dem Azusas Mutter panisch das Haus durchsucht, während wir Azusa als Kleinkind auf ein Geisterumwobenes Grabmal zukommen sehen, endend in einer Vision der Mutter einer dämonenbesessenen Azusa, die sich dann doch in das lachend-spielende Kind wandelt. Übrigens die einzige Szene im Anime mit dem Titel Laughing Target, in dem Azusa lachen wird.

Die restliche Zeit, sobald Azusa wieder im Leben von Yuzuru angekommen ist, besteht daraus, dass Satomi etwas grantig ist, weil er keine Klarheit schafft, während Azusa eindeutig eifersüchtig ist und mit zunehmenden warnenden Attacken Satomi langsam in die Verzweiflung treibt. Dazu kommt noch der eine oder andere Rückblick, wie das Azusa als Kind beinahe von einem Jungen vergewaltigt worden wäre, ihn jedoch mit einem Stein erschlug und dämonische Verbündete die Leiche fraßen, oder wie sie ihre Mutter beseitigte, als diese sie erwürgen wollte, nachdem der klar wurde, dass Azusa besessen ist. Das soll wohl etwas Sympathie für Azusa wecken, die zu Beginn der OVA auch immer mal wieder versucht sich gegenüber Satomi zu zügeln. Aber teilweise verwirren sie ein wenig die Timeline, wann und warum Azusa jetzt wirklich besessen wurde und wie diese Inbesitznahme sich nun genau gestaltet.

Die OVA bewegt sich auch mal wieder sehr langsam. Es ist eben schon stark merklich, dass die in Rumic World zusammengefassten Storys nur One-Shots von einem einzelnen Kapitel sind. Ein paar Dutzend Seiten Manga füllt nicht gut satte 50 Minuten in der animierten Rumic World von Studio Pierrot aus. Laughing Target kommt hierbei gegenüber Fire Tripper und Maris the Chojo noch am stringentesten rüber, so als langsam schleichender Horror, doch hätte ähnlich anmutende Szenen auch durchaus gern ein bisschen weniger häufig wiederholen können.

Besonders gut für die Atmosphäre ist aber definitiv die ambitionierte Präsentation, welche die sehr gewöhnliche und simple Handlung etwas aufwertet. Die vorigen beiden OVAs hatten schon ein paar sehr gute Szenenkompositionen, und Laughing Target dreht hier noch mal auf. Vor allem natürlich auch in den alptraumhaften Rückblicken oder den Attacken von Azusa. Aber auch das ein Großteil der Szenen in Blautönen gehalten ist, bringt dann das aufblitzen von rotem Blut beispielsweise gut zur Geltung. Auch zwei sehr gute Insert Songs sind wieder mit von der Partie, besonders der unheimliche Liebessong wenn Azusa bei Yuzuru auftaucht.

Die Mermaid Saga gehört als Manga nicht in die Rumic World, immerhin ist es kein One-Shot, sondern füllt ganze drei Bände. Konzeptionell ist es allerdings nicht unähnlich, da auch hier in jedem Kapitel eine eigene Episode erzählt wird, die Thematik nur zwischen ihnen konstant ist und die beiden Hauptcharakter gleich bleiben. Einem solchen Kapitel, Mermaid Forest, wurde sich dann von Studio Pierrot in den üblichen 50 Minuten angegangen, weswegen die OVA-Variante dann doch zu deren Rumic World Line-Up zählt. Die zwei Jahre später umgesetzte OVA Mermaid Scar hingegen stammt von Studio Madhouse, ist also nicht mal als Anime eine Rumic World Geschichte. Passt hier aber trotzdem, also sprechen wir auch darüber.

Dabei geht dies hier auf die japanische Mythologie um Ningyo zurück, die häufig nicht wie die verführerischen Sirenen der westlichen Literatur dargestellt wurden, sondern einen monströsen Oberkörpfer oder gar nur Kopf mit einem Fischschwanz verbanden. Rumiko Takahashi kulminiert das ein wenig darin, dass die für uns traditionellen hübschen Meerjungfrauen sich eben auch in ein Monster verwandeln können. Und behandelt vor allem die japanische Legende, dass ihr Fleisch zu essen unsterblich macht.

Deswegen werden sie natürlich gern gejagt und getötet, um endlich die Unsterblichkeit erlangen zu können, bzw. sogar lebendgelassen eingesperrt, um es nach Belieben aus ihnen herausschneiden zu können. Was den Meerjungfrauen eine tragische Komponente geben würde, wenn sie jemals eine Figur in diesen Geschichten wären, doch Mermaid Forest und Mermaid’s Scar präsentieren sie mehr wie die nicht greifbaren mythologischen Wesen und erzählen stattdessen lieber Geschichten von menschlichen Drama, die durch sie verursacht werden.

Hier ist auch wichtig zu wissen, dass das Fleisch einer Meerjungfrau giftig ist. Nur wenige Menschen überstehen dessen Konsum unbeschadet, die meisten sterben entweder oder werden zu Monstern. Yuta beispielsweise hat Jahrhunderte einsam die Erde bewandert, bis er endlich mit Mana eine ander Unsterbliche traf. Die beiden sind dann auch, zusammen mit der Unsterblichkeitslegende, das Bindeglied der Kapitel in Mermaid Saga. Denn nachdem Yuta so lange niemand anderen angetroffen hat, scheinen die beiden plötzlich nirgendwo mehr hinreißen zu können, ohne auf Leute zu treffen, die Meerjungfrauenfleisch gekostet haben.

In Mermaid Forest wäre da beispielsweise Towa, deren Zwillingsschwester Sawa der Todkranken in der Jugend Meerjungfrauenblut zu trinken gab. Über die letzten Jahrzehnte ist Towa auch tatsächlich nicht gealtert, bekam aber eine Monsterklaue gewachsen, die sie regelmäßig mit den Händen verstorbener Mädchen auswechselt. Sie ist besessen davon, die Meerjungfrau zu finden, der Sawa das Blut entnahm, die möchte das Familiengeheimnis aber nicht teilen. Bis Towa versucht ihren Kopf auf den Körper von Mana verpflanzen zu lassen, und Sawa doch Skrupel davor hat, ein lebendiges Mädchen umzubringen (auch Unsterbliche überleben eine Köpfung nicht). Doch Towa möchte das Meerjungfrauenfleisch gar nicht für sich, sie wollte nie unsterblich sein und war mit ihrem Leben zufrieden. Nein, sie möchte das Sawa davon isst, damit sie zur Strafe zu einem Monster wird, denn Sawa gab ihr damals nur das Blut, um zu testen, ob die Unsterblichkeit wirklich bei den Zwillingen funktionieren kann.

In Mermaid’s Scar treffen Yuta und Mana stattdessen auf den kleinen Jungen Masato, der frisch zu seiner Mutter in ein abgelegenes Anwesen zieht. Was zunächst so aussieht, als würde er von ihr misshandelt werden, hat aber ganz andere Gründe. Masato ist unsterblich, da sich als Kind aber schlecht alleine durch die Gesellschaft manövriert werden kann, bietet er regelmäßig Frauen das Meerjungfrauenfleisch an, um sich Kompagnons zu züchten. Die sterben aber häufig nach einigen Jahrzehnten bereits und Masato zieht weiter. In Mana meint er jetzt eine permanentere Lösung gefunden zu haben.

Die ruhige und gemächliche Vorgehensweise funktioniert hier für mich erneut eindeutig besser, denn es geht eben mehr um das menschliche Drama statt um den Horror in den Geschichten. Wobei es eindeutig tonal Unterschiede zwischen den beiden OVAs gibt, denn Mermaid’s Scar geht zügiger voran, bietet mehr Action als das langsam entfaltende Familiendrama von Mermaid Forest, welches in der ersten Hälfte wieder viel dahin mäandert. Scar sieht auch schicker aus, wobei Madhouse auch gar nicht sonderlich versucht hat, das Original-Charakterdesign einzufangen.