Spider-Man: Homecoming

Ob Spider-Man im MCU auftauchen würde, war lange nicht klar. Die Sache ist nämlich die, dass der Comicbuch-Charakter an sich zwar Marvel gehört, die Filmrechte allerdings von Sony gehalten werden, dementsprechend Marvel/Disney nicht einfach Filme mit ursprünglich ihrem eigenen Charakter drehen dürfen. Letztendlich hat man sich dann natürlich doch geeinigt, bei all dem Geld, welches die MCU-Filme einspielen, war das sicherlich nur eine Frage der Details, welche Kuchenstückgröße an wen geht. Und damit sah man 2017, 15 Jahre nach der Trilogie von Sam Raimi, mittlerweile die dritte Inkarnation des Netzschwingenden Superhelden auf den Leinwänden der Lichtspielhäuser.

Da er bereits in Civil War aufgetaucht war, und die Filme in der Chronologie spielen, in der sie released sind, gibt es hier keine Szenen, wie Peter Parker genau zu Spider-Man geworden ist, sondern er hat die Kräfte direkt schon. Nicht das er damit viel machen kann, er wird nämlich nach der Gaudi, die er im Kampf Team Stark vs Team Rogers hatte, wieder in New York abgesetzt, um sich auf die High School zu konzentrieren und vielleicht ein paar Bankräuber nebenbei zu stellen und alten Omis über die Straße zu helfen.

Ein hormoneller Teen mit Superkräften findet es natürlich gar nicht geil, an der kurzen Leine gehalten zu werden, und da dem beliebtesten Mädel der Schule hinterher zu lechzen und zu Internetpornos zu masturbieren auch nicht die kompletten Tage gefüllt bekommt, wenn man als Genie nicht lernen muss, lässt er sich auf gefährlichere Deals ein. Beispielsweise wenn er versucht eine Bande zu stellen, die mit der Alientechnologie, die bei den Avengers-Kämpfen abgefallen sind, Superwaffen unter die Leute bringen. Was natürlich nicht gut und mit einem Anschiss von Tony Stark endet. Peter muss sich anschießend also noch mehr beweisen als eh schon.

Ganz ehrlich bringe ich Spider-Man: Homecoming stark gemischte Gefühle gegenüber. Manche Parts mochte ich, manche fand ich langweilig, und es war immer das gleiche Muster. Denn die Teile mit Spider-Man, mit dem agilen witzigen Kerl in der Spandex, der sich durch die Hochhausschluchten schwingt und darunter doch ein leicht tapsiger Teen ist, die fand ich gut. Seine Interaktionen mit Tony Stark als Mentor auch, gerade am Ende des Filmes. Seine Naivität und das Gutmenschentum passen zu so einem jungen Charakter auch viel besser, während es mich in einem Film mit einem älteren Helden sicherlich eher gestört hätte, aber Spider-Man ist halt wie ein gutmütig-niedliches Hündchen.

Die Parts die ich nicht mochte, waren hingegen die mit Peter Parker. Ich habe ja bereits mehrmals bei anderen Filmen geschrieben, dass ich die Origins Stories langsam leid geworden bin, weil sie alle gleich sind. Spider-Man hat so gesehen zwar keine Origins Story, was ich zunächst gut fand, aber da Homecoming sein erster Standalone-Film ist, grast er dennoch viele der gleichen Story-Beats ab. Abgesehen davon bin ich diese High School Handlungen eh mehr als leid. Er hat also einen dämlichen Freund, der ihn fast auffliegen lässt. Er ist ins hübscheste Mädel der Schule verschossen. Es gibt einen Neider, der ihn hänselt. Gähn. Ich mag Homecoming dafür gratulieren, dass er diese Klischees nie bis zum unerträglichen Ende ausreizt – Peter zerstreitet sich nie mit seinem besten Freund, oder mit den anderen aus seiner Gruppe, selbst als er sie in Washington sitzen lässt, um rum zu spidern, und auch das Mädel mag ihn eigentlich auch… aber das macht die High-School-Teile der Geschichte auch nicht interessanter.

Was ich erneut gern erwähnen will, ist das tolle Casting im MCU. Tom Holland ist perfekt als Peter Parker Spider-Man. Wie 15 sieht er natürlich nicht aus, aber er spielt ihn genauso, wie ein Laie wie ich mir einen Spider-Man vorstellen würde. Als weiteres Schmankerl wird der Bösewicht übrigens von Micheal Keaton verkörpert. Nachdem er also selbst mal einen Superhelden in Batman und Batman Returns verkörperte und in Birdman einer kritischen Auseinandersetzung dessen, ist er nun auch als Comicbuch-Bösewicht zu sehen gewesen (Name Vulture, er bleibt also bei den aviatischen Bezeichnungen).

Spider-Man: Homecoming ist also einer jener Filme, die ich mehr mögen möchte, als ich das tue. Oder gerne häufiger mögen würde. So gut mich einige Parts unterhalten hatte, bin ich halt bei anderen nicht ganz mitgegangen. Damit würde ich es also erneut eher ins Mittelfeld des MCUs setzen, nicht weil er durchschnittlich, sondern weil er durchwachsen ist.

Masters of Horror 106-108

Chocolate war nicht wirklich Horror und Homecoming ist es eigentlich auch nicht. Ein Politiker macht zum Krieg die nette kleine Ansprache, dass er wünschte, die gefallenen Soldaten würden wieder lebendig, weil sie diesen ganzen Antikriegs-Stimmen sagen würden, es war A-OK für die richtige Sache zu sterben. Man soll ja bekanntlich mit seinen Wünschen vorsichtig sein und wie es die Ironie so will, wird er ihm erfüllt. Die Soldaten kommen als Zombies wieder. Warum? Weil sie bei der aktuellen Präsidentschaftswahl ihre Stimme gegen den Krieg abgeben wollen.

Wie gesagt, wirklich Horror kann man das hier kaum nennen, es ist viel mehr Polit-Satire mit Zombies. Kuschelzombies, denn die tun tatsächlich niemandem was, sie wollen nur die Wahlbeteiligung hoch schrauben. Ich muss sagen, ich fand die Idee herrlich schräg und auch weitestgehend amüsant umgesetzt. Auch wenn der Film mit seiner Botschaft durchaus hätte subtiler vorgehen können, er trägt nämlich ordentlich dick auf. Alle Politiker sind manipulative Lügner und stehen heimlich auf S&M, eh?

Joe Dante hat hier Regie geführt, auf dessen Konto auch Gremlins, Piranha, The Howling und die Twilight Zone gehen.

Bei Deer Woman ist der Name Programm: Es werden seltsame Männerleichen gefunden, die alle zu Brei gehauen wurden, während sie sexuell erregt waren. Aber nicht mit einem Vorschlaghammer oder so, sondern mit Hufen. Der die Mordserie investigierende Polizist hat da dann auch schon einige Theorien, die alle viel zu unglaubwürdig sind, um sie wirklich in Betracht zu ziehen, bis ihm bestätigt wird, dass eine davon einer alte indianische Legende ist, laut der die Rehfrau sich Männer schnappt und nach dem Kopulieren zu tote tritt. Was auch immer ihr das bringt.

Es gibt so viele Legenden über übernatürliche Frauengeschöpfe, die Männer verführen und dann umbringen, da könnte man sein reinstes Vergnügen dran haben eine Arbeit aus freudscher Anschauungsweise zu zu verfassen. Die Episode war eigentlich erneut eher witzig, denn gruselig, aber unterhalten hat sie mich schon gut. Nur endet sie etwas seltsam abrupt.

Die Episode stammt von John Landis, dem wir auch An American Werewolf in Lodon, Blues Brothers und Beverly Hills Cop III zu verdanken haben.

In Cigarette Burns bekommen wir es mit einem Filmfreak zu tun, der ordentlich Schulden angesammelt hat. Neben kleinen Screenings von obskuren Filmen verdient er sich sein Brot mit dem Auffinden von seltenen Filmen für Sammler. Sein neuester Auftrag könnte seine kompletten Schulden tilgen, ist aber natürlich entsprechend schwer: Er soll „La Fin Absolue de Monde“ finden, ein legendärer Film, dessen Screening zur Massenhysterie führte und der anschließend angeblich vernichtet wurde.

Ein Film von niemand anderen, als John Carpenter (Halloween, Christine, The Fog, Das Ding aus einer anderen Welt) und mit Udo Kier (The Kingdom, Mother of Tears, Flesh for Frankenstein) in der Rolle des Filmesammlers. Veteranen im Business also und die lassen es hier tatsächlich ordentlich rund gehen, Cigarette Burns ist bisher die blutigste Folge der Serie und eine der dreien, die bei der deutschen Erstveröffentlichung nur geschnitten vor lag.

Nach drei Folgen des Nicht-Horrors werden wir also endlich wieder in jenen zurück gebracht, liefert obendrein eine eingängige Story, mit viel Spannung und guter Atmosphäre.