Schwarzer Wald

Schwarzer Wald ist ein kurzer Roman von Holger Montag, der sich laut Klappentext (bzw. was auch immer das Äquivalent bei einem nicht klappendem Kindle ist) einen Namen mit dem von mir Pöbel genau so wenig bekannten Reisen mit Pippo gemacht hat. Das Ding ist so ein wenig Lost in Buchform.

Nicht was die Handlung an sich angeht, allerdings. Die ist im Schwarzwald angesiedelt. Thorsten ist nämlich gerade auf Urlaubsreise mit einem befreundeten Ehepaar, und den neuen Arbeitskollegen und dessen Frau haben sie auch noch mitgenommen. Der Road Trip der Fünf neigt sich gerade seinem verschneiten Ende zu, als sie nachts durchs unbekannte und abgeschiedene Waldgebiet fahren, plötzlich von einem vorbeirasenden Geländewagen von der Straße abgedrängt werden, und mit dem Auto in einem Acker landen. Die zickige Frau des Arbeitskollegen rennt erst Mal empört in die Nacht, ihr Mann Tim hinterher. Die anderen Vier finden anschließend jedoch nur Sara wieder. Da alles weitestgehend unbeschadet abgelaufen ist, der Wagen aber feststeckt, beschließen Thorsten und Sara zu einem Einsiedlerhof zu gehen, den sie etwas vorher am Straßenrand gesehen haben, während die anderen beiden es sich im Auto gemütlich machen und auf Tim warten.

Dort angekommen stellt sich der Bauer als unfreundlicher Eigenbrötler heraus, der erst Mal meint es gäbe weit und breit keine Werkstätten und ein Telefon habe er eh nicht. Die beiden können ihn dennoch dazu überreden die Fünf auf dem Hof übernachten zu lassen, und mit dem Traktor einen Versuch zu starten, das Auto wieder die Böschung hoch auf die Straße zu ziehen. Dort angekommen ist das wartende Pärchen allerdings spurlos verschwunden, also übernachten Thorsten und Sara erst mal alleine beim Bauern.

Am nächsten Tag ist das Auto zunächst ganz verschwunden, taucht allerdings in einer Werkstatt wieder auf. Mit Totalschaden, und der Nachricht, dass das befreundete Ehepaar schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Wo keiner so recht die Geschichte glauben will, dass als das Auto ursprünglich von der Straße abkam, von wenigen Kratzern abgesehen noch alles in Ordnung gewesen sein soll.

Schwarzer Wald ist ein unglaublich spannendes Buch, welches sich auch nicht lang mit irgendwelchen unnötigen Schnörkeln aufhält. Wir bekommen das Wichtigste über die Charaktere und deren soziale Stellung zueinander rübergebracht, aber viel mehr nicht. Stattdessen stützt sich alles auf die sich anhäufenden Mysterien und bringt die sich über wenige Tage erstreckende Geschichte schnell rüber, so dass man es an einem Nachmittag verschlungen haben wird.

Denn beim Nachforschen kommen nur noch immer mehr Fragen auf. Wie wahrscheinlich ist es denn schon, dass es zwei Unfälle in der gleichen Nacht gegeben haben sollte? Wie sollte das Ehepaar, die mit dem Auto auf dem Acker festhingen, überhaupt in einen zweiten geraten sein? Dann soll der schwere Unfall auch noch geschehen sein, als die Truppe eigentlich noch putzmunter auf der Straße war. Vertuscht hier jemand etwas? Aber abgesehen von der Chefärztin scheinen sich die meisten Leute sehr kooperativ zu verhalten, können nur die merkwürdigen Umstände, die sich Thorsten zusammenreimt nicht nachvollziehen. Geben jedoch anscheinend dennoch Infos an ihn heraus, die sich als unwahr herausstellen. Aber aller eingefleischter Provinz zum Trotz können doch nicht alle unter einer Decke stecken, oder? Ist Thorsten letztendlich ein Unreliable Narrator und der erste Unfall verlief doch nicht so, wie er sich zu erinnern meint? Und wo ist überhaupt Tim abgeblieben, der nie wieder auftauchen wird?

Problem dabei ist das Ende, welches in seiner Enttäuschung dem von Lost noch eines draufsetzen kann. Denn statt einer lapidaren Erklärung kommt einfach gar keine. Nicht mal den Ansatz eines der vielen Geheimnisse und Ungereimtheiten aufzudecken gibt es. Stattdessen wird es für zwei Seiten nur noch mal so richtig verworren und endet dann einfach. Offene Enden mögen durchaus manchmal funktionieren, aber eben nur dann wenn man sich in der Handlung auch auf andere befriedigenden Ebenen stützen kann. Aber wie bereits erwähnt gibt es aus Schwarzer Wald nicht viel zu holen, abgesehen vom nachfiebern der großen Frage, die dann nie eine Antwort findet. Und das stört nach einem eigentlich sehr guten Buch eben im Nachgeschmack gewaltig.