Vampire Hunter D XX & XXI

Zwischen Januar 2014 und Juni 2015 habe ich im zweimonatlichen Rhythmus die ersten neunzehn Bände von Hideyuki Kikuchis Erfolgs-Romanreihe besprochen, die seit 35 Jahren beharrlich läuft. Und war den sehr ähnlichen Kurzgeschichten über den zu perfekten Hauptcharakter doch irgendwo dabei leid geworden. Ob drei Jahre Abstand etwas Frische dort hineingebracht haben, müssen nun die nächsten beiden Geschichten zeigen.

Scenes of an Unholy War ist der zwanzigste Band in der amerikanischen Auflage, während die japanische erst die Nummer 14 ziert. Das liegt an deren unterschiedlicher Publikations-Durchnummerierung. Zum einen sind die Bände eh nicht identisch, denn wo die japanische Auflage sich immer in relativ ebenmäßig lange Bände splittet und längere Geschichten damit auch schon mal auf 4 Parts verteilt sein können, zieht die amerikanische davon gern mal zwei Parts in einen längeren Band zusammen. Gleichzeitig ändert sich in Japan die Nummer aber auch nur mit jeder neuen Story, während Amerika jedem neuen Band auch eine neue Nummer gibt. Mysterious Journey to the North Sea ist also in Japan beispielsweise Vampire Hunter D 7 Part 1 und Vampire Hunter D 7 Part 2, während es in Nordamerika als Volume 7 und Volume 8 betitelt wird.

Es dauert wenn ich mich recht erinnere übrigens keine volle Seite, bis zum ersten Mal erwähnt wird, dass D so wunderhübsch und majestätisch ist, dass jeder Frau sofort das Höschen nass wird, und jeder Mann seine Sexualität in Frage zu stellen beginnt. Da war ich ja direkt wieder raus, Es-leid-sein schoss sofort von 0 auf 100.

Jedenfalls ist D bereits dreimalig auf ein merkwürdiges Pärchen getroffen, in einem sehr fragmentierten Anfang des Romans, bis er zum dritten Mal auf die beiden treffen und die eigentliche Geschichte beginnen darf. Nämlich in einer kleinen Stadt, die von einer Gang mit Namen Black Death terrorisiert wird. Hierfür sind einige Kämpfer rekrutiert worden, um gegen sie anzutreten, darunter auch D. Während das ungleiche Pärchen Rust und Lira vorübergehend den Sheriff und seine Helferin abgeben.

Und… öhm, so wahnsinnig viel passiert über die wenigen hundert Seiten des Buches nicht. Wir haben ein wenig was über Pseudo-Nobilität, sprich von Vampiren gebissene Menschen, die nicht vollkommen zu Vampiren werden, aber doch viele ihre Charakteristiken annehmen. Die Black Death Gang wird von so einem angeführt, der natürlich sehr gefährlich ist. Rust stellt sich auch als einer heraus, allerdings hat er sich unter Kontrolle, und Lira einen Vertrag mit ihm, sein Dasein zu beenden, sollte er durchdrehen. D darf mal schnell dem Sonnensyndrom anheimfallen, was ihn extrem schwächt, weil er zu lange in der sengenden Sonne war, aber irgendwie wirklich was daraus wird nicht. Sein Erschaffer taucht kurz auf, wird aber immer nur mystisch umschrieben, statt Dracula genannt zu werden, und verschwindet auch wieder ohne selbst was zu machen außer die Black Death Gang zu wandeln.

Ich weiß nicht, irgendwie fand ich die Geschehnisse in Scenes of an Unholy War ziemlich fragmentiert. Dinge Geschehen, Charaktere werden aktiv, und es war immer klar was und aus welchem Grund, aber so richtig eine befriedigende, schlüssige Narration wurde nicht draus. Ich musste häufiger überlegen, was denn vorher geschehen war, und dann war klar, warum dies zum Aktuellen geführt hat, aber so wirklich organisch war der Ablauf eher nicht. Kikuchi nennt übrigens im Nachwort, dass Futaro Yamadas Reihe The Kouga Ninja Scrolls ihn zum Autor gemacht hat, und das Scenes of an Unholy War im Speziellen von den verschiedenen zur Schau gestellten Kräften der dortigen Charaktere inspiriert wurde. Vielleicht hat der gute Mann schlichtweg sich Krieger mit verschiedenen Superkräften ausgedacht und erst dann die notdürftige Vampire Hunter D Handlung drumherum gebaut. Würde zumindest einiges erklären.

In Record of the Blood Battle wird uns dann aber auch endlich mal was Neues aufgetischt! Wie Kikuchi im Nachwort erklärt, sollte die Nobility zwar immer fürchterliche Monster bleiben, doch irgendwie hat er sich über die Jahre ein wenig für sie erwärmt und wollte einen Vertreter schaffen, der nicht ganz so extrem ist. Scheinbar hat er vergessen, dass Mayerling im dritten Buch, Demon Deathchase, bereits ein Guter war, der nur für die (erwiderte) Liebe zu seinem Menschenmädchen gekämpft hat. Zwischen 1985 und 2004 liegen wohlweislich aber auch fast 20 Jahre, es sei ihm also vergeben.

Das schafft er, in dem er den hiesigen Noblen komplett widersprüchlich deren bisher präsentierten Bildes gestaltet, ein Kontra zum tragenden Titel, und ihn auch noch komplett aus dem Zeitgeschehen herausreißt. Es ist nämlich so, dass in einem Dorf ein merkwürdiges Objekt gefunden wird, welches sich als Grab eines Noblen herausstellt. Der hat sich satte 5.000 Jahre zur Ruhe gelegt und wird natürlich ausgerechnet hier und jetzt, in 5 Minuten, daraus emporsteigen, gerade als D dort ist. Dabei roch die Bevölkerung der umliegenden Dörfer bereits die krasse Kohle, weil alles, was mit der Nobility zu tun hat, eigentlich in der Hauptstadt für die Forschung ordentlich Cash bringt. Ein Vertreter der Spezies an sich natürlich auch.

Was dort entsteigt würde allerdings niemand für einen Vampir halten. Denn der Kerl ist kleinwüchsig, kahl und korpulent. Mit einem enormen Ego und großen Maul, dennoch von niemanden wirklich für voll genommen. Und mit fast keinen besonderen Kräften, die er nämlich alle dafür geopfert hat, sich trotz seines Vampirismus in der Sonne bewegen zu können. Er war nämlich ein Forscher, und das sogar für den Ahnherren, im Versuch Vampire zu erschaffen, die sich nicht von jener Schwäche beeindrucken lassen. Dadurch kennt er natürlich auch D bereits.

Was folgt ist ein wenig ein Road Trip. D will den Noblen in die nächste Stadt mit Gerichtshof bringen, da seine Gräueltaten im Namen der Forschung nicht verjährt sind, was Verbrechen von Vampiren grundsätzlich nicht tun. Aber auf dem Weg dahin stolpern sie über ein paar Steine. Seien es nun diverse Banditengruppen, die hinter dem Geld her sind, welche die Auslieferung des Vampires an die Forschung bringen kann. Oder irgendwelche Monster, die in den Gebieten leben. Oder auch einfach Menschen, deren Hass auf die Vampire so lang einsitzt, dass sie ihn zerstört oder gepeinigt sehen wollen, obwohl sie Generationen von den ehemaligen Schandtaten entfernt sind. Dieser Zirkel des Hasses und aufzeigen, dass auch die Menschen zu Gräueltaten mächtig sind, liefe vielleicht etwas besser, wenn der besagte Noble sich eben nicht in der Vergangenheit zu so vielen Gräueltaten hinreißen lassen hätte und das auch noch als selbstverständlich ansieht, statt irgendwelche Reue zu zeigen.

Doch wenigstens sind die Vibes diesmal ganz andere. Einfach weil der besagte Noble so eine Lachfigur ist und selbst D manchmal an den Rand dessen gerät durch ihn aus dem Tritt zu kommen. Ja er geht sogar für ein paar Kapitel ganz aus der Geschichte raus, was doch mal erfrischen anders ist, als ständig den unfehlbaren Super-Dhampir als Fokus zu haben. Alleine jene Andersartigkeit hebt das Buch schon wesentlich aus seinen Brüdern hervor.

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Vampire Hunter D XVIII&XIX

ava-1854Die dreizehnte Geschichte, die den Einzelband Vol.18 einnimmt, nennt sich Fortress of the Elder God, und wer hier direkt an Eldritch Horror denken muss, der hat sogar richtig getippt. Da Hideyuki Kikuchi ein großer Horrorfan ist, war es nur eine Frage der Zeit, bevor Lovecraft inkorporiert wird.

Die Story startet mit einer Gruppe Reisender der verschiedensten sozialen Umfelder. Da wäre das alte Ehepaar, welches die Söhne besuchen will; der sich zur Rente setzen wollende Kämpfer; ein Waisenjunge; ein Gangster; eine Prostituierte; und zwei Polizisten, die einen Suckling – ein Opfer der Vampire – in die Hauptstadt bringen wollen. Doch stürzen die quasi sofort nach dem Abflug auch schon wieder ab, über dem „Spielplatz“, einer Wüste, die so genannt ist, weil hier die Vampir-Nobilität vor zig Jahrhunderten Menschenjagd und Monsterspiele veranstaltet haben.

Glücklicherweise oder auch nicht treffen sie dort prompt auf D, der allerdings bereits den Auftrag hat, einen alten Gott der Nobilität in einer hier befindlichen Festung zu erlegen, die vom Heiligen Vorfahren vor Ewigkeiten eingenommen wurde. Also müssen sie mit ihm mit, wenn sie anschließend vom Vampirjäger in die Zivilisation zurückgebracht werden wollen. Hät ihnen mal jemand gesagt, dass der in der Feste befindliche Gott der schlummernde Cthulhu ist.

Kikuchi schreibt im Nachwort, dass er hier auf die seelischen Abgründe der Menschen eingehen wollte. Kann man so unterschreiben, denn der Gott liest allen aus der Reisegesellschaft die Gedanken aus, um ihre Ängste dann gegen sei zu verwenden, damit sie sich gegenseitig abzuschlachten versuchen. Und auch vorher kommt es bei einem so ungleichen Haufen natürlich zu Streitereien, machen auch D für ihr Unglück verantwortlich, einfach um einen Sündenbock zu haben.

Allerdings war mit Fortress of the Elder God abseits dessen irgendwie zu sprunghaft. Oder zu unüberlegt. Ich weiß nicht, wie ich es genau nennen soll, jedenfalls schien alles irgendwo so ein wenig aus dem Nichts heraus zu geschehen. Plötzlich taucht dort eine Armee auf, die die Festung belagert. Und dann greift der Gott selbst an. Aber eigentlich ist er noch versiegelt? Oder doch nicht? Charaktere werden wild durch das Areal gewarpt, D taucht an den verschiedensten Stellen auf, wo er jemandem aus knapper Not helfen muss. Und das Ende ist ein riesiger Antiklimax. Die ganzen Geschehnisse wirken einfach zu sehr, als hätte sich Hideyuki Kikuchi die auf die Schnelle während des Schreibens einfallen lassen, statt das hier halbwegs ein Verlauf geplant gewesen wäre. Dinge geschehen einfach plötzlich, und Charaktere tauchen einfach da auf, wo er sie haben will.

Auch eine kurze Einzelband-Geschichte ist die folgende Vol.19, Mercenary Road, benannt nach dem Florence Highway, auf dem das Ding stattfindet. An dessen Ende liegt nämlich mal wieder das Schloss eines besiegten Vampiradligen, und auf dem Highway haben sich vor Jahrhunderten zwei Untote Armeen dahin gemetzelt, als jener und sein Sohn sich auf dem Schlachtfeld gegenüberstanden.

Das ist eigentlich ja Schnee von Vorvorgestern, doch nun gibt es Gerüchte, dass diese Armeen wieder aufgetaucht sind und ihr Unwesen treiben. Was die reiche Nachbarstadt natürlich in Gefahr bringt, die prompt Söldner anheuert, um jene zu beseitigen. Deren Bank wurde übrigens auch überfallen, darunter ein seltsamer Schwertkämpfer besonderer Kraft und Erbarmungslosigkeit. Jedenfalls sieht sich D mit zwei anderen Kriegern im Schlepptau aufmachend den Auftrag auszuführen, trifft natürlich auf die Bankräuber, und ein junge Mädchen muss auch noch gerettet und in den Trupp aufgenommen werden.

Das Üblich also ist, was Mercenary Road uns auftischt. Und das leider wirklich durch und durch, irgendwie scheint das ganze Buch nur aus Versatzstücken zusammengeflochten zu sein, die schon hinlänglich aus den vorigen Geschichten bekannt sind, sowohl an Handlung wie Charakteren. Ich weiß, dass ich Fortress of the Elder God nicht besonders gut dastehen lassen habe, aber immerhin gab es Kleinigkeiten, die ich daran auch gut fand, vornehmlich, dass er nicht hundert Mal von Ds unglaublicher Schönheit redet, ihn in den Kämpfen auch mal ein paar Wunden davontragen lässt, und nie jemand „Wer bist du wirklich/Bist du etwa“ in Sachen seiner Herkunft fragt ohne Antwort zu bekommen. Hier gibt es das alles wieder – leider. Als zu Beginn ein Zombie im sterben liegt, der auf Grund von Ds Antlitz wieder den Willen zum Leben, den er ja eigentlich nie hatte, findet, hab ich meine Augen so verdreht, sie hätten beinahe die Höhlen gewechselt. Ach ja, und anhören wie untypisch es für D ist, Interesse an jemandem zu zeigen, dürfen wir uns natürlich erneut, obwohl er das in jeder Geschichte tut, hier alleine drei Mal.

Ich glaub ich bin die Vampire Hunter Ds wirklich einfach auch etwas leid geworden. Sie mögen ganz pulpige Horror-Western-Action bieten, doch Hideyuki Kikuchis Verliebtheit in seinen perfekten Hauptcharakter wird immer störender, besonders wenn nach knapp zwanzig Bänden die Geschichten auch sich zu wiederholen drohen.

Vampire Hunter D XVI&XVII

ava-1815Die amerikanischen Bände Vol. 16 und 17 beinhalten die in Japan halbjährlich in 2000-2001 erschienenen vier Parts von Tyrant’s Star. Ist also eine der längeren Geschichten, ich glaube nicht das irgendeine davon mehr als vier Teile zählt, die meisten eher weniger.

Die Geschichte beginnt bereits direkt in einem Kampf, D gegen Count Braujou, der aus seinem fünftausend-jährigen Schlaf erwacht ist. D gewinnt natürlich, denn D ist ja bekanntlich unantastbar in Schönheit, Stärke, Agilität, Cleverness und rollt in Wizardry immer sofort 60 Bonuspunkte. Doch dann schlägt ein Meteor in der Northern Frontier ein, jedoch nicht irgendeiner, sondern derjenige, in dem das Reich vom Vampir Valcua vor fünftausend Jahren versiegelt und in den Weltraum verbannt wurde. Damals wurde er geschlagen vom Sacred Ancestor der Vampire, zusammen mit drei weiteren der Nobilität und sogar einem Menschen. Nun ist er zurück und hat seine 7 Assassinen ausgeschickt, um an den damaligen Peinigern Rache zu nehmen.

Braujou ist nicht nur einer der drei Vampire von damals, nein er schwor auch den Nachfahren des Menschens Schutz zu gewähren, sollte Valcua wirklich jemals zurückkehren um seine Drohung wahr werden zu lassen. Und so schafft er es, dass D ihm einen Aufschub gibt, bevor er ihn erledigt, damit er sein Versprechen einlösen kann. D kommt natürlich mit, und bekommt von der sterbenden Nachfahrin auch noch den Auftrag ihre zwei Kinder zu beschützen.

Und… das war es schon. Wo die anderen D-Geschichten, die drei oder gar vier Parts lang sind, dies auch dazu nutzen, um eine etwas komplexere Handlung denn die kürzeren zu präsentieren, ist dem in Tyrant’s Star nicht der Fall. Das hier ist wirklich nur eine Reise gen Northern Frontier, mit D, den zwei Kindern, und zwei derer Beschützer-Vampire, die immer mal wieder auf einen der 7 Assassinen treffen, bis ganz am Ende die Auseinandersetzung mit Valcua stattfindet. Relativ schlicht und schnörkellos, und etwas seltsam, dass es so viele Seiten einnimmt. Wobei es an sich nicht unspannend ist, nur hatte ich irgendwie die ganze Zeit auf einen Haken gewartet, der nie kommen wollte. Und mit dem Ende bin ich nicht so ganz zufrieden. Wenn der kosmische Stoff ins Spiel gerät, der die Geschichte umschreiben kann, und Valcua spontan telepathische Verbindung mit Aliens aufnimmt, und mit deren Wissen zum Überwesen zu mutieren droht… wird mir das selbst für die pulpigen Verhältnisse der Vampire Hunter D Franchise etwas zu blöde. Und natürlich gibt es, wie immer, viele „D, bist du etwa…“ und „Aber ich [Valcua] bin doch auch…“ Anspielungen darauf, dass D von Dracula abstammt, und das nicht als einziger, und natürlich ebenso hundert Mal die Erwähnung, dass selbst der Mond vor Neid erblasst, wenn er Ds Schönheit beleuchtet. Ob Hideyuki Kikuchi wohl mit einem D Body Pillow schlafen geht?

Dadurch, dass D nie auch nur scheinbar unterliegen darf, geht mal wieder Potential für Spannung verloren. Beispielsweise ist Valcuas Reich komplett aus Metall, was bedeutet das Ds Parasitenhand eigentlich nicht an das nötige Erd-Element für seine Superkräfte gelangen kann. Die ganze Story über habe ich darauf gewartet, dass dies zum Problem wird. Tut es auch. Erst ganz im Finale, statt ihm schon vorher mal etwas zu beeinträchtigen, und dann hat er innerhalb von 5 Minuten doch auch schon eine Lösung gefunden.

Vampire Hunter D XIV&XV

ava-1760Weiter geht es mit der elften Geschichte um Vampire Hunter D, Dark Road, in drei Teilen, die in der amerikanischen Auflage die Bände 14 und 15 einnehmen.

Die Geschichte beginnt damit, dass D ein junges Mädchen rettet. So weit, so gehabt. Rosaria ist allerdings aus einem Opferdorf. Opfer der Nobilität natürlich, die nicht zwangsläufig immer die Menschen leer trinken, sondern durchaus sich als Nahrungsquelle oder Bedienstete halten, von denen immer mal wieder genascht werden kann. Normalerweise hat man als Opfer keine reelle Überlebenschance, denn wenn schon der Vampiradel einen verschont hat, so wird man anschließend von den nächsten Menschen umgebracht, da sie nie wissen, ob ein Opfer nicht irgendwann selbst zum Blutsauger mutiert, oder von Vampiren hypnotisierte Maulwürfe sind, die sie in die Dörfer lassen werden. Bleibt also nur, sich abgeschottet wo in einem Dorf Gleichgesinnter zusammen zu tun. Aber auch diese werden nach Entdeckung dem Erdboden gleich gemacht.

Rosaria ist also eine Überlebende eines solchen Vorfalls. Und irgendwie gerät sie mit D an einen Liefertrupp, der Medizin und anderes Gut an die Dörfer des Grenzgebietes liefert. Die engagierten D als Bodyguard, werden sie doch von mehr und stärkeren Monstern überfallen, als sie das eigentlich von der Region gewohnt sind. Stellt sich raus, sie sind im Gebiet des berüchtigten General Gaskell geraten, dessen Schandtaten selbst für einen Vampir berüchtigt sind. Schandtaten, die er selbst gegen Gleichgesinnte gerichtet hat, weswegen der Heilige Urahn in eigentlich hinrichten lies.

Doch Gaskel ist widererweckt worden, durch die Macht jenes Heiligen Urahns, und mit ihm sieben andere berüchtigte Vampire, alle mit dem Auftrag D im Kampf zu stellen. Doch warum das alles überhaupt? Wir erinnern uns nämlich, was uns ja kein Buch nicht nur ein, zwei oder fünf Mal sagt – mit „Heiliger Urahn“ ist Dracula gemeint, und D ist dessen Sohn.

Was sich in Dark Road entwickelt, würde sich eigentlich auch perfekt für ein Spiel eignen. Die zu neuem Leben erwachten Vampire haben nämlich alle ihr besonderes Gimmick, was sie zu perfekten Bossgegnern machen würde, und genug von ihnen gibt es ja auch. Wir haben eine, die mit parasitären Blumen um sich wirft. Eine, die diverse Gifte nutzt. Einen in einem Powersuit, einer der einen Golem fernsteuert. Einer, der in Schatten verschwinden kann. Eine mit einem Spirit Beast. Dazwischen ein paar Stages mit normalen Gegnern – auf dem Weg in und Flucht aus Gasketls Gebiet diverse Monster, sowie später menschliche Gegner, wie diejenigen, die das Dorf im Befall der Fountain Sickness ausbeuten… strukturell würde das hier echt gut passen.

Macht es natürlich, schon alleine durch die Vielzahl und auch verschiedenen Persönlichkeiten an Gegnern sowie Mitreisenden von D, zu einem der unterhaltsameren und abwechslungsreicheren Geschichten der Reihe. Das alles gewohnt mit dem Melodrama derjenigen, wenn der hundertste blumige Vergleich für Ds Kraft, Coolness oder Schönheit herangezogen wird, der fiese Blick eines Vampir wortwörtlich Vögel tot zu Boden fallen lässt, oder Ds normal-metallisches Schwert ohne Besonderheiten nur durch dessen Führung plötzlich unzerstörbar wird. Herrlich.

Vampire Hunter D XIII

ava-1729Der Band mit der Unglückszahl enthält die beiden Teile von Twin-Shadowed Knight, die gewohnt in Japan einzeln erschienen waren, aber für die US-Publikation zu einem Buch zusammengezogen wurden, und somit für den Preis von 1.5 Büchern gleich 2 bietet, es auf knapp 500 Seiten bringt.

Die Geschichte beginnt damit, dass D einen seiner Gegner erledigt, der im Sterben meint, er müsse nur ein Wort sagen, um D in den Wahnsinn zu treiben: Muma. Das sagt dem Vampirjäger-Halbblut an sich nichts, erweckt allerdings unterbewusst durchaus eine heftige Gefühlsreaktion – zumindest so heftig, wie D Gefühle empfinden kann, also eher doch wenig. Seine linke Hand stellt sich dumm, was die Nachfrage angeht, wer oder was Muma sein soll, also sucht D eine Wahrsagerin auf, und ist nach seinem Besuch auch schon auf dem Weg in ein gewisses Dorf, während die Wahrsagerin in Einzelteilen ihre Wohnung schmückt.

In besagtem Dorf derweil trifft D auf Mia, die ebenfalls hellseherisch begabt ist. Außerdem stehen den Leuten dummerweise die Verstorbenen wieder auf, statt ihnen die Hirne wegzufressen bewegen sie sich allerdings alle wie Zombies, die sie ja auch sind, zu eine Grube in der Landschaft. D steigt dort hinab, taucht aber schon kurz darauf wieder auf, und metzelt einige Zivilisten nieder.

Twin-Shadowed Knight hat ein interessantes Setup, aus dem es leider nichts macht. Man sollte meinen das Buch spielte eine Weile damit, ob D nun wirklich zum Mörder geworden ist, oder nicht. Ob das Wort „Muma“ tatsächlich etwas getriggert hat, was die innere Bestie ungezügelt hervorbrechen lässt, oder eine Gehirnwäsche aktiviert, oder er einfach von irgendwas immer mal wieder besessen ist. Stattdessen kann man sich eigentlich fast sofort denken, dass der mörderisch veranlagte nicht der echte D ist, sondern ein Doppelgänger, der seine Gestalt angenommen hat o.Ä. und nach ein paar gesprochenen Sätzen ist auch schon so ziemlich offensichtlich, dass es sein böser Zwillingsbruder ist. So früh sollte man das vielleicht noch nicht erraten, aber so viel länger dauert es dann eh nicht, bis Kikuchi eben jenes lüftet.

Genau genommen wollen die beiden Teile auch nicht wirklich ineinander verzahnen. Während Part 1 also den Fake-D ziemlich fies und als eine Bedrohung darstellt, die in einem unterirdischen Komplex, zu dem all diese Zombies sich hingezogen fühlen, Übles plant, ist dem in Part 2 gar nicht mehr so. Plötzlich befindet sich Mia mit beiden Ds auf einem Road Trip gen Muma, um das wahre Geheimnis hinter der Erschaffung der beiden Brüder ausfindig zu machen.

Allerdings hat mir Part 2 dann auch wesentlich besser gefallen. Denn der Fake-D ist ein echt unterhaltsames Kerlchen, mit gleichem Aussehen und Fähigkeiten wie D ausgestattet, aber mit einer Persönlichkeit und Charakterschwächen, beides Dinge, die die Hauptfigur der Reihe schmerzlichst vermissen lässt. Er witzelt rum, stichelt gen D, ist etwas nazistisch veranlagt, lässt sich aus der Ruhe bringen, aber scheint gar nicht mal so übel zu sein. Selbst der stoische D wird in seiner Gegenwart ungewöhnlich gesprächig und aufmüpfig. Das bringt doch gleich etwas frischen Wind in die Reihe. Auch wenn das Ende sich leider nicht auszahlt, sondern überstürzt kommt und wieder recht generisch gestaltet ist.

Vampire Hunter D XI&XII

ava-1678Die in der amerikanischen Edition nächsten beiden Bände beinhalten nun die vier Teile von Pale Fallen Angel. Sprich sie enthalten eigentlich 4 D-Bücher, aber da ein D-Buch unter 300 Seiten hat, bedeutet dies nur, dass sie nun die Länge eines normalen Buches aufweisen, statt kurzer Pulp Fiction. Jene ist die Serie wohlweislich immer noch, nur in diesem Abenteuer eben einfach ein ganzes Stück länger.

Der neueste Auftraggeber von D ist eine ganz besondere Persönlichkeit, trägt er doch die außerordentliche Bezeichnung Baron Byron Balazs (- für blöden Namen, + für Alliteration, +- 0 unterm Strich ausgeglichen). Nein, was wirklich besonders an Tripple-B ist, ist seine Konstitution: Er ist ein Vampir. Warum sollte denn ein Anhänger der Nobilität einen Vampirjäger beauftragen? Tatsächlich aus den gleichen Gründen, aus denen es jeder andere auch tut, nämlich um einen Vampir zu töten. Und zwar Baron Vlad Balazs (Minuspunkt für keine 3er-Kette, oder zählt die Tatsache, dass für Japaner V und B austauschbar sind?). Oder besser gesagt Byron ist auf dem Weg seinen eigenen Vater umzubringen, heuert D allerdings als Bodyguard an, weil ihm 7 außergewöhnliche Assassinen auf der Reise in den Weg springen können.

In Krauhausen kommen sie dann auch erst nach den ersten zwei Teilen an, gabeln bis dahin ein wenig illustre Gesellschaft auf, wie die beiden Akrobaten-Zwillinge oder die Vampirin Miska, die ebenfalls etwas in der Stadt zu erledigen hat. Ihre Verfolger bestehen beispielsweise aus einem untoten Priester, einem Make-up Artist, einem Zauberer, und Vince the Invincible. Nicht zu vergessen, dass sie auch noch über das Grab des „Zerstörers“ stolpern, der sofort nach seiner Fertigstellung weggeschlossen wurde, weil er zu groß eine Waffe war.

Das alles hat übrigens letztendlich mal wieder mit Ds Vater zu tun, und den Experimenten, über dessen Versatzstücke wir in den vorigen Büchern immer mal wieder gestolpert sind. Denn der Vampir-Urahne hat an Vlads Kind rumexperimentiert, um den Niedergang ihrer Rasse entgegen zu wirken, was ihm menschliche Eigenschaften aber dadurch auch Empathie gegenüber dem von der restlichen Nobilität als Nutzvieh angesehenen gibt.

Pale Fallen Angel, wie jedes D-Buch, hat wie immer hauptsächlich das eine Problem, dass Kikuchi seinen eigenen Hauptcharakter etwas zu sehr mag. Seine Schönheit und Begabung werden ad nauseam wiederholt und ehrlich gesagt sind die Kämpfe, an denen er nicht beteiligt ist, schon gleich interessanter, weil er eh immer ziemlich schnell Kleinholz aus seiner Opposition macht, oder wenn er selbst mal was einstecken muss, doch zumindest genauso schnell selbst zum Rückzug treiben kann. Aber daran habe ich mittlerweile eigentlich gewöhnt. Was in Pale Fallen Angel wesentlich mehr nervt, ist das ständige „D, bist du etwa…“ und „Diese Aura, könnte er etwa…“ Halbsätze, die hier so zahlreich wie noch nie sind, und in einem Teil tatsächlich mehrmals fast alle zwei Seiten fallengelassen werden. D ist der tolligste Tolle der je unter der Sonne herumtollte, weil er Dracuals Kind ist. Ist ja gut, dies gefühlt dreihundert Mal in einer Geschichte zu sagen, ohne es direkt zu sagen, ist ermüdend und nervt. Und am vagen Gebrabbel bei allem, was den „Ahnen“ angeht, leidet leider auch etwas das Hauptmysterium der Geschichte, nämlich was jener genau mit Byron gemacht hat, da die Experimente ständig erwähnt aber nie erklärt werden.

Abgesehen davon ist es allerdings eine gute Geschichte gewesen. Ganz wie beim Zweiteiler Mysterious Journey to the North Sea bekommt der Reihe mehr denn lumpige 250 Seiten zur Verfügung zu haben doch ganz gut, weil hier tatsächlich mehr Raum zum Atmen ist. Die Reise ist länger, mit mehr Tücken versehen, eine regelrechte Odyssee. Die Charaktere können mehr von sich Preis geben und vor allem auch mehr miteinander interagieren, was natürlich in einer Geschichte, die die „müssen Vampire und Menschen sich wirklich hassen“-Thematik aufkocht, besonders von Vorteil ist. Die Gegner dürfen alle ordentlich ihr Gimmick zur Schau stellen und auch Vlad bekommt mehr Gewichtigkeit zugesprochen, da dann eben doch nicht jeder auf der Seite besiegt wird, auf der sie das erste Mal angreifen.

Von daher, Kikuchi schreibt mir immer noch manchmal etwas zu unfreiwillig komisch blumig, und ist seiner eigenen Schöpfung größter Fan, aber nach einem Dutzend Büchern ist das natürlich auch einfach nicht mehr anders zu erwarten, und der Rest ist ein gewohnt unterhaltsames, pulpiges Abenteuer. Keine große Literatur, sondern ganz launige Horror-Action halt.

Vampire Hunter D IX&X

ava-1633Im neunten Band der Reihe, The Rose Princess, stößt D auf ein Dorf, das im Einklang mit der Vampirprinzessin der Region lebt. Für ein Dorf im Grenzland geht es der Bevölkerung nämlich ziemlich gut, sorgen die vier Ritter der Prinzessin doch dafür, dass die Einwohner vor Banden und Monstern geschützt sind, und wird dafür gesorgt, dass das Land Jahrein Jahraus fruchtbar ist. Im Gegenzug murrt keiner, wenn die Ritter die hübschen Mädchen und Jünglinge abtransportieren, damit die Prinzessin ihren blutigen Snack einnehmen kann – aber auch hier ist die Adlige nett genug darauf zu achten, dass sie ihre Opfer weder tötet noch umkehrt.

Sollte also alles relativ knorke sein, dank des dunklen Geheimnis des Dorfes. Doch ein Liebestoller Jüngling, der ins neueste Opfer der Prinzessin verliebt war, hat aufbegehrt, sie angegriffen, und ist anschließend entkommen. Um ein Exempel zu statuieren, darf nun niemand das Dorf verlassen oder betreten, und werden alle paar Tage einige Bewohner gekreuzigt, bis der Aufbegehrer ausgeliefert wird.

The Rose Princess hat sicherlich ziemlich was von einem Romantik-Setting, noch mehr als die Vampiraristorkratie und die gotischen Schlossruinen im Mondschein in den D-Geschichten eh schon versprühen. Eben wegen der Prinzessin mit ihrem nächtlichen Rosengarten und ihren vier ihr absolut untergebenen Rittern, die ihre Edikte ausführen. Vom üblichen postapokalyptischen Western kommt diesmal kaum etwas rein, gäbe es da nicht die Biker-Gang, die ebenfalls gegen die Prinzessin rebelliert, und deren Anführerin Elena diesmal das Mädel ist, dem D aushelfen muss. Überhaupt ist es sehr nett, dass in diesen Geschichten die Mädels, wenn auch immer attraktiv und mehr oder weniger hilfsbedürftig, so doch vom Charakter sehr unterschiedlich sind, statt immer die eine blasse Damsel in Distress zu sein, und die Kriegerinnen-Typen sich durchaus auch bis zu einem gewissen Grade wehren können.

Auch mal wieder stärker ausgearbeitet ist hier das Gefühl des Ruins. Die Hochzeit der Vampire ist immerhin rum, gehören sie zu einer aussterbenden Rasse, trotz Unsterblichkeit und allem. Und dann ist auch die hiesige Prinzessin ihre mal wieder satt und sie und ihre Jahrhunderte ergebenen Ritter sehen dem letzten Gefecht recht hoffnungsvoll entgegen, da D sie endlich ihres langen Lebens erlösen kann. Kikuchi sieht dem im Nachwort übrigens ähnlich entgegen wie ich: Die Tatsache das so viele Handlungen über Unsterblichkeit mit der Moral enden, dass sie auf Dauer nicht erstrebenswert ist, ist wahrscheinlich nur unser eigenes Wunschdenken deswegen, weil wir sie nicht besitzen. Und es macht halt für melancholisch romantische Geschichten.

Ab dem zehnten Band ist es nun so, dass die amerikanische Auflage in Sachen Nummerierung von der japanischen abweicht. Denn Dark Nocturne war dort ein Sonderband, da es eine Kollektion von drei Kurzgeschichten ist, während es für die amerikanische Edition einfach in die Hauptserie eingereiht wurde. Nicht zu vergessen, dass ab nun viele im japanischen mehrere Bände einnehmende Geschichte in der amerikanischen Auflage in einen Band zusammengezogen oder zumindest auf weniger verteilt werden.

Die ersten beiden Geschichten in jenen haben dann ähnliche Atmosphäre wie The Rose Preincess zu bieten. Denn auch Dark Nocturne ist eine recht romantische Geschichte über Vampirnobilität, die kein Blut saugt, sondern stattdessen alle paar Jahrzehnte auftaucht, um nachts ein wunderschönes Sirenenlied zu singen. Ein Lied, das auch den hübschen Jüngling, auf den D stößt, zum Dorf gezogen hat. Notes on Imagined Autumn hingegen hat ein anderes Dorf, das in relativem Frieden lebt, allerdings nur deswegen, weil sie jedes mal, wenn die Vampirnobilität sich bemerkbar macht, ein hübsches Mädchen als Opfergabe darbringen, um ihren Frieden zu waren. In Legend of the War Demons hingegen erwachen zwei von sich bekriegenden, längst untergegangenen Vampirfamilien, erschaffene Krieger, die durch ihre Programmierung dazu verdammt sind sich gegenseitig umzubringen.

Alles drei sicherlich ganz nette, wenn auch besonders kurze Happen an D-Geschichten, von denen mir der dritte Eintrag mit Abstand am Besten gefallen hat. Einfach durch seine andere Thematik und weil D hier eigentlich für die Geschichte schon so gut wie unwichtig ist. Nicht zu vergessen der tragische Unterton der beiden Krieger, die durchaus ihr eigenes Bewusstsein haben, sich sogar verstehen und anfreunden, aber letztendlich ihrem in die DNA eingefügten Erschaffungsgrund des gegenseitigen Abmetzelns nicht entkommen können.

Vampire Hunter D VI-VIII

ava-1601Wenn ich Alkohol trinken würde, hätte ich zu Vampire Hunter D sicherlich schon längst ein Trinkspiel gemacht. Nimm einen Schluck, wenn er innerhalb der ersten Seite auf ein hübsches Mädel zwischen 15 und 20 trifft. Einen, wenn er seine Gegner innerhalb zwei Sekunden erledigt. Einen weiteren, wenn das Buch erwähnt, wie total untypisch es doch für ihn ist, wann immer er Interesse an einer anderen Person zeigt. Noch einen Schluck, wenn seine beide Geschlechter betörende Schönheit erwähnt wird. Flasche leeren, wenn D mit einem der drei Standardadjektive beschrieben wird, „mysterious“, „dark“ oder „silent“ (Schnäpschen hinterhergekippt, wenn alle drei im gleichen Satz fallen).

Wenn man in dreißig Jahren an die dreißig Bücher über den selben Kerl schreibt, also ein Buch pro Jahr raus bringt (und das nur zu dieser Serie, Hideyuki Kikuchi schreibt ja nicht nur Vampire Hunter D), dann schleicht sich wohl ein gewisser Trott ein, nehme ich mal an. Aber ähnlich wie Oz und Southern Vampire Mysteries lese ich die Vampire Hunter Ds ja auch nur für den schnellen Fix zwischendurch, an ein oder zwei Abenden runter gerasselte Kurzgeschichten im postapokalyptischen Gothic-Western.

Pilgrimage of the Sacred and the Profane (wenn der Titel mal nicht rockt) lässt D in einer Frontier-Stadt auf eine Alte treffen, deren Spezialität es ist Verschwunde wieder zu beschaffen. Verschwundene sind Leute, die von der Aristokratie entführt, aber nicht zu Vampiren oder Leichen gemacht wurden, sondern ihnen sonstweilig dienten. Ein solches, junges, hübsches Mädchen hat sie im Gepäck und zwei Berufssöldner im Schlepptau, die sie durch die Wüste ohne Wiederkehr bringen sollen. Als sie hört, dass der berüchtigte Vampire Hunter D in der Stadt ist, will sie ihn auch für sich gewinnen. Der stellt sich zwar mal wieder stur, aber da sein eigener Auftrag zufällig auch mal wieder durch die Wüste führt, reiten sie einfach neben ihm her.

Ich mochte das sechste Buch. Wie sich schnell herausstellt ist die Wüste an sich ein lebender Organismus, der alle Eindringlinge untersucht und zerstören will, was bedeutet, dass wir mal einen etwas anderen Antagonisten haben, nämlich sozusagen ein Biosystem, nicht ein Monster, Vampir oder Mensch. Zudem ist das seltsame Team, das sich auf dem Wüstentripp zusammenfindet, durchaus sympathisch, wenn auch eine plötzliche Liebesbekenntnis gegen Ende sehr überstürzt. Allgemein ist das mein so ziemlich einziges Problem mit dem Buch spezifisch: Das Ende kommt unglaublich überhastet daher. Außerdem ist das große Geheimnis der Verlorenen ziemlich durchschaubar, was aber nicht bedeutet, dass das Buch fürs Finale nicht trotzdem noch ein paar Wendungen parrat hat, die man nicht kommen sah.

Ach ja, und D findet sich mal wieder auf der Spur seines Vaters wieder, diesmal allerdings etwas direkter als normalerweise, ich frag mich wirklich, ob das jemals zu einer echten Konfrontation führt. Aber ist jedenfalls gut fürs Trinkspiel. Einen kippen, wann immer Dracula erwähnt wird, ohne den Namen zu sagen. Wann immer darauf hingedeutet wird, dass er einen größeren Plan verfolgte, statt mit den Normalo-Vamiren einher zu gehen. Wann immer angedeutet wird, dass D sein Sohn ist, ohne dies direkt zu sagen.

Apropos überstürztes Finale, da kommen wir dann auch schon zu Mysterious Journey to the North Sea, welches als erste Geschichte zwei Volumen einnimmt, da sich Kikuchi nicht in die üblichen ~300 Seiten fassen konnte. Und wie uns das Nachwort des Autors sagt war es wohl sogar mal im Gespräch in einen dritten D Anime adaptiert zu werden (das Nachwort der US-Releases ist aus dem neuen Jahrtausend, keine Ahnung ob die speziell für diese Version gemacht wurden, oder wegen einem aktuelleren Reprint in Japan, scheint aber so).

Und wer hätte das gedacht, die Handlung öffnet mit einem hübschen Mädel im Teenager-Alter, die eine mysteriöse Perle verschachern will, an der drei verschiedene Männer, darunter ein Mafia-Oberhaupt, Interesse haben. Nur kommt D diesmal erst hinzu, als sie schon tot ist! Aber keine Sorge, lieber Leser, ihr Todeswunsch an D ist, dass jener die Perle an ihre wenige Jahre ältere Schwester in den Norden bringt, wo der nur einwöchige Sommer vor der Türe steht.

Tatsächlich nutzt Mysterious Journey to the North Sea seine doppelte Länge ganz gut, in dem es nämlich mal wieder ordentlich Mysterien bereit hält, nämlich was so toll an der Perle ist, was es mit dem nur im Sommer auftauchenden Vampir Meinster am Hut hat, und natürlich was damals geschah als Ds Vater jenem einen Besuch abgestattet hat. Ein paar Dinge kann man sich wie üblich nach einer Weile denken, andere Dinge sieht man eher nicht kommen. Was ja an den D-Büchern auch immer ganz interessant ist, sind die Mitstreiter/Opposition von D, die häufig auch Freaks mit besonderen Kräften darstellen. Und hier bietet uns der Doppler nicht nur fünf Mutanten als Gegenspieler, sondern auch zwei besondere Kerle, bei denen weniger sicher ist, auf welcher Seite sie stehen.

Interssant sind auch die Kämpfe, da diesmal deren Kräfte (auch durch eine Veränderung gegen Ende der Story hin) so groß sind, dass D doch mal sogar ein paar Schrammen sich einfängt, statt einfach immer maßlos überlegen zu sein. Gerade Part 2 gewinnt doch ordentlich an Fahrt, während Part 1 noch viel Stage Setting ist. Nicht zu vergessen, dass hier mehr über die Vampir-Aristokratie herausgefunden wird (neben anderen World Building), zum einen deren vergnügliche Gräuel, aber auch ob sie wirklich so anders sind. Als netter Dreingabe haben wir hier Vampir-Gegner, die nämlich dann tatsächlich einander loyal sind, aus Liebe zueinander handeln, statt einfach bösartig zu sein.

Vampire Hunter D IV&V

ava-1550Im vierten und fünften Band der Vampire-Hunter-D-Reihe verschlägt es unseren Aristokratiejagenden Halbvampir in zwei ganz besondere Städtchen unserer postapokalyptischen Gothic-Western-Welt.

In Tale of the Dead Town bekommt er seinen neuesten Auftrag von einer schwebenden Stadt. Da es keinen Weg in das abgeschottete Ding gibt, außer die von dort herunterzulassende Brücke, leben die im Prinzip so gut, wie man in dieser Welt leben kann. Die wenigstens Monster können sie erreichen, die Vampire haben keinen zutritt, und durch das strickt geregelte Leben der Inzestgemeinschaft, die selten Fremde herauflässt, kommt es auch selten zu menschlichen Unstimmigkeiten. Doch irgendwie ist die Tochter des Bürgermeisters dennoch einem Vampir zum Opfer gefallen, was zum ersten Mal seit Jahrhunderten Unruhe in die Gemeinschaft bringt. Obwohl es da vor wenigen Tagen doch bereits einen Zwischenfall gab, denn eine Familie, die geheime Experimente gemacht zu haben schien, hat das friedliche Dorf freiwillig verlassen.

In The Stuff of Dreams wiederum erhält D zunächst überhaupt keinen direkten Auftrag, sondern fällt bei der Reise durch ein Dorf, das es ebenfalls überraschend friedlich hier hat, da sie im Überfluss leben, früher sogar mit der Vampiraristokratie im Einklang lebten, und ebenfalls keine Übergriffe zu fürchten haben, in einen Traum von einem Mädchen, das in ewigen nächtlichen Vampirbällen gefangen zu sein scheint. Stellt sich heraus, dass jene vor 30 Jahren zu einem Vampiropfer wurde, seither alterslos im Krankenhaus vor sich hin dämmert. Warum sie allerdings dem ganzen Dorf einen Traum von der Ankunft des schönen Jägers bescherte, sowie D das Dorf nicht mehr zu verlassen mag, muss herausgefunden werden.

Die beiden Handlungen sind sich dabei gar nicht mal so unähnlich. Und dann doch wieder nicht. Davon abgesehen, dass beide Städte relativ friedfertig leben, in beiden ein Mysterium um ein hübsches Mädchen gelöst werden muss, sind sie sich strukturell gar nicht so gleich, zumindest nicht gleicher als die D-Bücher eh alle sind. Was sie wesentlich ähnlicher macht hingegen ist die Atmosphäre. Es ist schon interessant, dass ausgerechnet die beiden Bücher über fast utopische Dörfer diejenigen sind, die letztendlich die desolatesten, depressivsten Geschichten darstellen.

Letztendlich dreht sich Tale of the Dead Town um den Wunsch nach dem ewigen Leben, dessen Experimente jene vampirische Eigenschaft auf Menschen zu übertragen fehl gelaufen sind. Und das friedfertige, weitestgehend Gefahrlose Leben hat die dortige Bevölkerung weich gemacht, sobald ihre abgeschottete Blase zu brechen droht, mit dem rohen Leben der Außenwelt kollidiert, verlieren die dortigen Bewohner schneller die Hoffnung, fallen schneller dem Wahnsinn anheim, als man den Namen des Protagonisten dieser Bücher ausgesprochen hat. Das Buch macht wirklich ziemlich klar, in was für einer hoffnungslosen Welt wir wirklich sind, in dem es jene von ihr fern lebenden Bevölkerung plötzlich auf sie aufmerksam macht. Immerhin ist das hier eine postapokalyptische Welt, eine in der niemand mehr so richtig einen Platz zu haben scheint. Das Reich der Vampire ist zerfallen, zurückgelassen haben sie aber genug Schrecken, als das die Menschheit die Welt auch noch nicht hat zurückgewinnen können – letztendlich sind beide Rassen zum Untergang geweiht, mag man meinen.

Des Rätsels Lösung in The Stuff of Dreams ist hingegen, und dies ist recht schnell ziemlich offensichtlich, dass das Dorf an sich so friedlich ist, weil die Träumerin an sich es erschaffen hat, es sozusagen nur durch sie überhaupt existiert. Doch nach all den Jahrzehnten des ewigen Träumens will jene nichts mehr, als das dies endet, auch wenn es ihren Tod bedeutet. Obwohl sie also ein „Leben“ in ewigem Glück sich erträumen kann, zieht sie die Realität des Todes dem vor – und ebenfalls bricht der Verstand der Dorfbewohner schnell zusammen, wenn sie gewahr werden, dass sie nur Träume sind, aber eben welche, die sich ihrer Selbst bewusst sind, und eben nicht ihre Existenz enden sehen wollen, nur weil ihre Erschafferin ihrer überdrüssig ist.

Das macht die bisher wohl „verkopftesten“ Bücher der Reihe, aber es ist wie früher bereits erwähnt immer schön, wenn sich die eingegangenen Richtungen ändern, um die Serie frischer zu halten, als das jedes Mal das gleiche Buch nur in neuer Lokalität geschrieben würde.

Vampire Hunter D II&III

ava-1519Weiter geht es mit Vampire Hunter D und Roman Nummero Zwei und Drei. Zumindest nach der amerikanischen Auflage gehend, die sich wohl früher oder später von der japanischen leicht unterscheiden soll. Aber ich verstehe nun mal keine Fantasie-Sprache, die das Verständnis von Drölfzigmillionen zufällig aneinandergereihter Mondkrater benötigt.

Das zweite Buch, Raiser of Gales, bringt D ins abgelegene Dorf Tepes. Wie alle Dörfer an der Frontier haben die eine gewisse Routine darin entwickelt, mit Vampiropfern umzugehen, bevor sie das ganze Dorf infizieren können: Ihr Sarg wird zugenagelt und dann in den Fluss geworfen, da Vampire bekanntlich machtlos sind, was fließendes Wasser angeht. Doch bei einer solchen Routinearbeit schafft es ein frisch erwachter Vampir sich aus dem Sarg herauszukämpfen – mitten im Sonnenschein!

Wie das bei kleinen Dörfern so ist, fällt der Verdacht natürlich direkt erst mal gegen die ungewöhnlichsten Bewohner: Vor zehn Jahren gingen vier Kinder beim Spielen am Berg, auf dem die alte Ruine der Nobility steht, verloren, tauchten aber wenige Wochen später unbeschadet und unvampirisch, aber mit Gedächtnisverlust, wieder auf… alle bis auf einen, der bis Heute spurlos verschwunden ist.

Das dritte Buch, Demon Deathchase, bildet die Grundlage für den zweiten Film, Bloodlust. Im Groben zumindest, auch hier wird D damit beauftragt, ein von einem Vampir entführtes Mädchen zu retten, zusammen mit seiner Hunter-Konkurrenz der Marcus-Brüder und deren Schwester. Nur stellt sich heraus, dass das Mädchen und der Vampir eigentlich ein Liebespaar sind, die vor dem Stigma nicht zusammen zu gehören fliehen.

Ich finde es durchaus interessant, dass direkt in den nächsten zwei Büchern versucht wird, etwas Abwechslung in die Geschichten zu bringen, statt jedes Mal ein geradliniges „Vampir terrorisiert Dorf, D wird dazu gerufen, um ihn auszuschalten“ zu liefern. Mit Demon Deathchase wird die Situation komplett umgeworfen, weil der Vampir hier eben kein Bösewicht ist, während sich Raiser of Gales wesentlich mehr wie ein Mystery-Thriller darum liest, was wirklich geschehen ist und ob Vampire tatsächlich die ihnen von der Natur auferlegen letzten Schwächen überwunden gelernt haben.

Wie viel beide daraus machen, steht dann wieder etwas auf einem anderen Blatt. Raiser of Gales fand ich doch sehr spannend und interessant, zumindest bis es dann letztendlich zur großen Auflösung am Ende kam, die leider doch das auf der Hand Offensichtliche war, während ich gehofft hatte, mit meiner direkt ersten Vermutung daneben zu liegen. Allgemein finde ich das Finale etwas mehr als dämlich, aber wie gesagt, alles davor war eigentlich recht spannend.

Demon Deathchase fand ich hingegen am Ende am Besten. Das kann aber auch daran liegen, dass dies komplett anders als der Film ist, während der Rest, wenn auch mit leichten Veränderungen aufwartend (das beauftragende Dorf ist bereits zu Vampiren gemacht worden, die Marcus-Brüder vergewaltigen ihre Schwester) doch mehr oder minder ähnlich im Film wiedergegeben wurde. Die Verfolgungsjagd ist immer noch recht spannend, aber eben von mir schon bekannt, das Highlight war also tatsächlich das wesentlich fiesere Ende, welches hier geboten wird.

Insgesamt muss ich sagen, dass die nächsten beiden Bücher schon einen Deut besser geschrieben sind, als dies das erste noch war. Leute ändern ihre Stimmung nicht ständig nach Plot Convenience, die Erklärungen um die Welt sind geschickter eingebunden, der Schreibstil ist mehr aus einem Guss, und die Geschichte wird nicht mit Nebengeschehen und -charakteren verwässert.

Bestehend bleibt das Problem D selbst, welches wahrscheinlich die Reihe über sich auch nicht ändern wird. Der Kerl ist langweilig und viel zu mächtig, um sich je viel um ihn oder seinen Gewinn zu scheren. Es ist klar, dass er alles mit Leichtigkeit besiegen wird, selbst als er in Demon Deathchase von einem Sonnenstich ausgeschaltet wird (was zumindest uns um den Verbleib der anderen Charaktere mal was scheren lässt, weil wir nicht wissen, wie lange es dauert, bis er erneut als Deus Ex Machina den Retter aus dem Dunklen für sie spielen kann), wird uns direkt gesagt, dass ihm das nur alle Jubeljahre mal geschieht. Und obwohl D in Raiser of Gales so gesprächig wie nie ist, ist er eine viel zu coole Sau, um uns wirklich was über sich zu sagen… abgesehen davon, dass er Daddy Issues hat, weil er im Schatten von Dracula Himself leben muss. D als Charakter ist mir einfach etwas zu toll, und zu perfekt, und ich könnte auch ganz gut damit leben, wenn nicht in jedem Buch das Hauptmädel unsterblich sich in ihn verlieben würde, während uns alle drei Seiten gesagt wird, was D für ein Zuchthengst von einem Supermodel ist.