Urotsukidoji II

Die Produzenten des Animes waren wohl etwas ob dessen durchschlagenden Erfolgs, gerade auch im Westen, überrascht. Was macht man also? Zwei weitere Folgen schnell hinterher schieben. Da man aber schon beim Ende des Mangas angelangt war und wohl noch Ideen, die aus Zeit- und Platzgründen nicht in die ersten drei Folgen passten, über hatte, beschloss man keinen direkten Nachfolger zu drehen, sondern die Leute lieber mit einer parallelen Storyline zu verwirren, bei der keiner so ganz genau weiß, wie sie da genau rein passt.

Wir starten im zweiten Weltkrieg, als Hitler einen Dämonen beschwören lies, was aber nicht so knorke lief und Münchhausen Junior (total der deutsche Name, absolut) als Waisen zurück lies. Der eignete sich eigene Magie an und versucht nun Kyo-Oh, den Gegenspieler Chojins, auferstehen zu lassen.

Nagumo erwartet derweil die Ankunft seines Cousins, mit dem er als Kind ganz dicke war, dessen Flugzeug allerdings während der Landung abstürzt und ihn als einzigen Überlebenden, dennoch schwer verletzt, zurück lässt. Nagumo spendet sofort Blut, was vielleicht keine so tolle Idee ist, wenn man bedenkt, dass der Kerl in der vorigen Serie, der sein Blut abbekommen hat, sich in ein Monster verwandelte und dann starb. Cousin Takeaki wird gerettet, Leute getötet und entführt, Megumi und Takeaki verlieben sich, Münchhausen ist ein bissl böse und letztendlich endet alles darin, dass Münchhausen Takeaki in einer großen Zeremonie, in der Megumi als Opfer herhalten soll, zum Kyo-Oh macht, auf das er gegen den Chojin Nagumo kämpft.

Der Zweiteiler ist dabei bestechend… harmloser als die Vorgänger-Trilogie. Vielleicht wollte man es ob des Erfolges im Westen etwas auf den dortigen Geschmack münzen, letztendlich lief Urotsukidoji dort zunächst als Movie-Zusammenschnitt, der einige der heftigeren Szenen entfernte. Urotsukodji II ist zumindest erstaunlich nett und wenig explizit in mehrerer Hinsicht. Ein kopfüber gekreuzigter Rektor hier und ein Dutzend auf eine Vergewaltigungsmaschine geschnallter Frauen dort, aber im Gesamtbild ist der Nachfolger wirklich überraschend Handzahm.

Und Liebe überall. Megumi lieb Takeaki und er auch sie, brüderliche Liebe zwischen Nagumo und Takeaki. Selbst der Dämon, der mit Münchhausen zusammenarbeitet, ist unsterblich in Megumi verknallt und opfert sich letztendlich sogar für sie (wodurch er als Dämon wirklich wie eine ganz schöne Pussy daher kommt – obwohl zugegebenermaßen seine letzten Sterbeworte, „Dabei hätte ich es vorher so gerne noch mal mit dir getrieben“, ihn schon wieder etwas sympathisch machen :D ). Zyniker Amano setzt die meiste Zeit der OVA lieber aus und vögelt sich durch die schrecklich Lichtdurchflutete Welt der Menschenbiester. Letztendlich mag Megumi ihre Liebe Takeaki töten müssen, doch bis dahin wird man so mit Hoffnung und Liebe zugeschüttet, dass man kaum glauben mag, gerade Urotsukidoji anzuschauen.

Das macht die ganze Angelegenheit noch nicht zu einem wirklich schlechten Anime, allerdings einem zum Vorgänger sehr untreuen Nachfolger und durch fehlende Atmosphäre insgesamt schrecklich durchschnittlichen und zwischen anderen ähnlichen Animes der Zeit wie Wicked City, Doomed Megalopolis etc. untergehenden Sache.

Urotsukidoji, the Manga

Obwohl ich die Anime regelmäßig geschaut habe, kam es mir nie wirklich groß in den Sinn, mich mal nach dem Manga umzuschauen. Dies habe ich nun nachgeholt. Im Großen und Ganzen muss man sagen, dass sich die Leutz hinter dem Anime einfach die grundlegende Chojin-Legende und meisten Hauptcharaktere geschnappt und dann mehr oder minder ihr eigenes Ding durchgezogen haben. Ein paar Ereignisse gibt es zwar in beiden, aber auch hier häufig mit mehr oder minder starken Änderungen.

Grundsätzlich ist der Manga dabei mit seinen 6 Bänden a 200 Seiten natürlich ausführlicher, als der Anime von ca. 2 1/2 Stunden. Während es mir im Anime immer so vorkam, dass die ganze Angelegenheit in wenigen Wochen erledigt ist, scheint der Zeitraum im Manga mehrere Monate, vielleicht sogar ein Jahr zu überspannen. Zudem ist der Slapstick, der vereinzelt in den ersten Folgen vorhanden war, hier etwas ausgeprägter. Wobei Monsterkämpfe, Gore und Sex dennoch nicht weniger sind. Ich muss aber sagen, dass mir die zügigere Vorangehensweise des kompakten Anime besser gefällt, als die episodische Struktur des Manga. Das die schnellen Ereignisse die Charaktere geradezu zu überrollen scheinen, lässt ihre häufig sehr seltsame Reaktionsweise auch weniger komisch dastehen, als im Manga, wo jeder erstaunlich blasé gegenüber der Tatsache ist, dass überall Monster erscheinen, nahe stehende Mitschüler und Familienangehörige wie die Fliegen wegsterben etc. Auch verschwinden hier einige Charaktere recht seltsam plötzlich aus der Geschichte oder tauchen später wieder auf. Megumi, Amanos Schwester, beispielsweise taucht auf, wird eifersüchtig auf Akemi, sorgt für ein wenig Verwirrung und ist plötzlich zwischen zwei Bänden spurlos aus der Geschichte verschwunden, bis sie genauso plötzlich für das Finale wieder auftaucht.

Leider ist gerade das von mir immer als eher unbefriedigend empfundene Ende der ganzen Schoße eines der wenigen Ereignisse, die im Manga und Anime weitestgehend gleich sind: Akemi und Nagumo haben zum ersten Mal vaginalen Verkehr, Akemi empfängt den Chojin, Nagumo (den bisher alle für die Wiedergeburt des Chojin hielten) verwandelt sich in ein riesiges Monster und lässt die Welt der Apokalypse anheim fallen, während der Chojin-Sproß aus Akemi heraus erklärt, dass dies die Vorbereitung auf seine Geburt in 300 Jahren ist, bei der er die Welt neu erschaffen wird. Ende. Dafür, dass es in der ganzen Geschichte darum geht, endlich die Wiedergeburt des Chojin zu finden, um zu sehen, was für eine neue Welt er erschaffen wird, ist das doch etwas abrupt und wirkt mehr wie das Prolog-Kapitel zur eigentlichen Geschichte.

Insgesamt ist der Manga auch nicht schlecht, aber ich hatte doch mehr von ihm erwartet – nicht nur was das Ende angeht – und finde der Anime erzählt die ganze Sache wesentlich interessanter. Was vor allem auffällt, wenn man sich die Cover- und Kapitelgalerien ansieht mit den cool gezeichneten Hauptcharakteren, die heroisch gegen Dämonen kämpfen oder auf Monstern reiten, ist dass dies letztendlich herzlich wenig mit dem zusammenhängt, was eigentlich in der Geschichte passiert und man sich wünschte, dem wäre nicht so.