Cream Lemon: Anime’s Early Erotica Classic

In den 80ern waren Videorekorder zu einem Fixpunkt in vielen Haushalten geworden. Nun konnte man Filme auch außerhalb ihrer Kino- oder Fernsehaufführungen bei sich ganz gemütlich zu Hause anschauen. In Japan hatte dies zudem große Auswirkungen auf den Anime-Markt. Die ökonomische Blasen-Hochzeit war noch voll im Gange. Und da waren neue Projekte schnell abgesegnet. Die OVA, Original Video Animation, war geboren. Einzelne Filme oder Folge-per-Folge herausgebrachte Serien, die direkt auf dem Videomarkt ausgewertet wurden.

Das hatte gewisse Vorteile. So konnten jetzt auch eher Nischenprojekte gestartet werden, für die das für eine Kinoauswertung oder Fernsehausstrahlung nötige Massenpublikum nicht da war. Da pro Folge produziert wurde, waren jene Serien schneller einstellbar, wenn sie nicht gut liefen, und machte die individuell verkaufte Folge auf weniger Publikum mehr Umsatz. Nebenbei konnten OVA-Serien zudem Dinge zeigen, die Kinos und das Fernsehen nicht bereit waren auszustrahlen. Darunter natürlich auch Pornographie. Sich endlich ganz heimlich, ohne das es jemand mitbekommt, Pornos bei sich zu Hause über Video anschauen zu können, statt in schmuddelige Pornokinos zu schleichen, gab dem Genre immerhin weltweit einen Boom. Auch im Anime-Bereich.

Die erste OVA ist allerdings überraschenderweise kein Hentai, sondern Mamoru Oshiis Dallos. Wenige Monate später folgte die erste Hentai-Reihe mit dem umstrittenden 6-teiligen Lolita Anime. Der Titel ist ziemlich selbsterklärend, nehme ich mal an. Ein weiteres halbes Jahr später startete dann der absolute Erotik-Klassiker der japanischen Anime-Landschaft: Cream Lemon. Von August 1984 bis Februar 1987 sollten ganze 16 Folgen erscheinen. Wirklich rum war es damit allerdings noch lange nicht. Eine Nachfolge-Serie startete direkt. Es gab Specials und Spinoffs. Erst 1993 legte das Anime nach dutzenden Folgen eine Pause ein, bis in den 2000ern Reboots folgten, sowohl als Anime als auch als Live Action. Selbst Videospiele machten zwischen 1986 und 2002 regelmäßige Auftritte auf japanischen PC-Platformen.

Cream Lemon war also eine große Sache. Mit beliebten wiederkehrenden Storylines wie Escalation oder Ami. Bei letzterem wurde der Hauptcharakter sogar regelrecht zu einem virtuellen Idol ähnlich Tokimeki Memorials Shiori Fujisaki. Die Langlebigkeit lies sich natürlich auch durch das Konzept an sich gut erhalten. Denn Cream Lemon ist eine Anthalogie-Reihe, sprich jede Folge ist eine neue in sich geschlossene Handlung. Mehr oder weniger zumindest, wie gesagt gab es zu den beliebteren Geschichten häufiger auch Folgeepisoden. Aus Kuriosität habe ich mir davon mal die 16 des ersten Laufs angeschaut.

Be My Baby
Die erste Episode ist bereits signifikant, weil Hauptcharakter Ami wiederholt in der Serie auftreten und ihre eigenen Spinoffs bekommen wird. Sie ist in ihren Stiefbruder Hiroshi verschossen, auf den auch alle anderen Mädels an der Schule stehen. Was Ami echt eifersüchtig macht. Als die Mutter der beiden außer Haus ist und Hiroshi Ami unter der Dusche mastubieren findet, kommt es zum ersten Sex zwischen den beiden. Eine fast wholesome Love Story über die erste Liebe, wenn da die Stiefgeschwisterei nicht wäre.

Escalation: Hardcore Tonight
Rie wurde das Herz gebrochen, als sie ihre erste heimliche Liebe, ihren Pianolehrer, mit einer anderen im Bett erwischte. Also lässt sie sich auf ein katholisches Mädcheninternat bringen, um dort ihre schulische Bildung fortzusetzen. Sie verliebt sich sofort in die coole Naomi, die ihre Gefühle erwiedert. Denn Naomi suchte eh nach einer neuen Gespielin für ihre S&M-Eskapaden.

SF Super-Dimension Legend Rall
Was vom Titel her Assoziationen zu Macross aufkommen lässt, ist dann doch näher an Dragon Half dran. Die Episode spielt zwar auf einem fremden Planeten, aber einem der Mittelalter-Fantasy. Ein Bösewicht hat gerade die Prinzessin und ihren komplett weiblichen Hofstaat entführt, und versucht nun aus ihr den Verbleib eines legendären Schwertes via Orgien zu erpessen. Eine Kriegerprinzessin wird drin verwickelt. Alles mit leichter Komik und in einem verniedlicht SD-isiertem Look.

Pop Chaser
Merwürdiger und unsinniger Titel für eine Episode, die in einer postapokalyptischen Amerika-Wüste anfängt. Schnell stellt sich aber heraus, dass auch hier wieder die Komik obsiegen wird. Kopfgeldjägerin Rio macht in New Cansas halt, wo die einzige Bar/Hotel eines voller Angestellter in Schuldmädchenuniform ist. Eine davon überredet Rio gegen die lokale Gang einzugreifen, und bezahlt sie schon mal im Voraus mit lesbischen Liebesspielchen. Alles überraschend trotz enormer Länge der Sexszene durchgehen Softcore verbleibend und sich mehr durch kreative Darstellung auszeichnend.

Amy Again
Die erste Follow-Up Folge. Nachdem ihre Mutter Amy und Stiefbruder Hiroshi am Ende von Be My Baby beim Sex erwischt hat, ist Hiroshi auf ein Internet im Ausland geschickt worden. Amy ist einsam und vermisst ihn. Als ihre Freundinnen sie mit zum Feiern nehmen, verführt der Frauenheld Konou sie. Letztendlich bricht Amy weinend zusammen und erzählt ihren Freundinnen endlich, was Sache ist, die ihr emotionalen Beistand leisten. Wer hätte gedacht, dass eine Episodenhafte Porn-Serie doch so in die Charakterbildung geht.

Escalation 2: Forbidden Sonata
Nachdem Naomi vom Internat abgegangen ist, ist auch Rie furchtbar einsam. Zum Glück wird sie von einer anderen Gespielin Naomis mit zu deren Villa gebracht. Wo die lesbischen BDSM-Orgien vor den Augen von Naomis Vater und Bruder weitergehen. Am Ende der Folge voller üblicher klassischer Musik und katholischer Scham haben die drei Mädels dann ein süßes Beisammensein, bei dem sie über ihre Zukunftswünsche nach dem Internat reden, und das sie immer darüber verbunden sein werden, Naomis Haustiere gewesen zu sein.

Mako: Sexy Symphony
Mako findet alles, was mit Sexualität zu tun hat, irgendwie eklig. Selbst wenn es um den Jungen geht, den sie mag. Besonders merkwürdig ist ein kleines Mädchen auf dem Spielplatz, welches sie regelmäßig auf zweideutige Dinge anredet. Denn sie ist eine Repräsentation Makos, die ihr Sex näherbringen wird. Das ganze Konzept ist ziemlich abgedreht, genau wie die Kamerafahrten über Makos Körper zu deren Selbstbefriedigung.

Super Virgin
Eine Jungfrau zu sein führt in diesem, mit besonders merkwürdigem Charakterdesign gesegnetem, Universum dazu, dass man Superkräfte hat. Die Super Virgins sind die Mädchen und Jungs, die jene Kräfte dazu nutzen, um die Geschlechter weiterhin voneinander zu trennen. Aber auch hier kommt es natürlich irgendwann dazu, dass man sich verliebt und entdeckt, dass aus der liebevollen Verbindung der beiden Seiten die wahre Superkraft erwächst.

Happening Summer
Yuki, welche die Annäherungsversuche ihres Kindheitsfreundes ebenfalls schrecklich findet, wird Akira vorgestellt. Denn der ist der Freund ihrer großen Schwester. Sie verguckt sich ein wenig in den coolen Kerl, aber als er sie verführen will, entdeckt sie eine Seite an Akira, die ihr doch nicht gefällt. Am Ende ist es eben der langjährige Kindheitsfreund, mit dem sie wirklich glücklich werden will. Schon interessant, dass die letzten drei Folgen alle ein wenig damit zu tun haben, dass den Protagonistinnen Sexualität zuwieder ist, gerade als sich pubertär-bedingt ihr sexuelles Erwachen einstellt.

Star Trap
Der Folgentitel ist, auch vom Font her, eine Parodie auf Star Trek. Mit dem die Folge an sich dann absolut nichts zu tun hat. Kanata und Lan, die es mit ihren Superkräften beim Training übertrieben haben, und deswegen auf der Erde zwangsstationiert wurden, bekommen eine Spezialauftrag ihres Kommandantens: Ein lebender Planet ist auf dem Weg zu uns und entführt dabei alle weiblichen Passagiere ihn kreuzender Raumschiffe. Wie die beiden Mädels herausfinden tut er das, weil der Organismus herausfinden will, wie das mit der Fortpflanzung geht. Dies und anderes in einen ungelenken Erklärbär-Monolog am Ende verpackt, damit in der Folge genug Platz für Slapstick und Lesbenaction bleibt.

Black Cat Manor
Es ist die Zeit zu Beginn des Zweiten Weltkrieges. Student Murakami nimmt in einem Zeitungsartikel eine gut bezahlte Aushilfsarbeitsstelle an, die ihn zu einer abgelegenen Villa führt. Dort leben nur noch die Hausherrin, ihre Teenager-Tochter und ein Dienstmädchen. Alle drei chronisch untervögelt. Scheinbar ist Murakami hauptsächlich herbeordert, um genau dies zu ändern. Doch hinter den Orgien versteckt sich ein dunkles Geheimnis um den Tod des vorigen Hausherrens.

Mako: Sexy Symphony Part 2
Wir starten direkt den Tag nach der vorigen Mako-Episode, in der sie ihre Sexualität entdeckt hat. Wie sich herausstellt gibt es plötzlich zwei Repräsentationen ihrer sexuellen Gelüste, und die neue, welche wie eine erwachsene Mako aussieht, will sie zu einer Nymphomanin erziehen. Nur die Liebe ihres Kindheitsfreundes Yuu kann Mako also davor retten, ein Leben als leichtes Mädchen zu beginnen. Ich muss ja echt sagen das die Mako-Episoden nicht so meins sind.

Ami III
Ami hängt ihrem Bruder Hiroshi immer noch interher. Da kommt er überraschend vorbei. Ami ist überglücklich, zumindest solange, bis er einen entgültigen Schlussstrich unter ihre frühere Beziehung setzt. Ami flieht ins Bett von Konou, was sie aber auch nicht glücklicher macht. Das mag nach einer merkwürdigen und unbefriedigenden (pun intended) letzten Episode in der Ami-Storyline klingen. Das liegt daran, dass einen Monat später mit Going on a Journey: Ami Final Chapter ein 40-minütiger Kinofilm erscheinen sollte.

Nalice Scramble
Nalice geht auf die hochmoderne Schule, die ihr Vater leitet, und bei denen Jungs und Mädels strickt voneinander getrennt sind. Außerdem dient sie als mit Powerarmor ausgestatteten Superheldin, wenn es Probleme gibt. Wie aktuell, als drei Mitschülerinnen in Naiziuniform den Campus übernehmen wollen. Macht Nalice Scramble zur bisher abgedrehtesten Comedy der Serie, aber einer nicht mal wirklich sonderlich witzigen.

Super-Dimension Legend Rall: Ramorue‘s Counterattack
Diesmal ist der Name natürlich an den Gundam-Film Char’s Counterattack angelehnt, und hat erneut damit nichts zu tun. Ramorue, der im vorigen Teil besiegt wurde, ist wieder zurück und versucht die Dorfbewohner dahin zu kontrollieren, ihn vollends wiederzuerwecken. Er kann erneut besiegt werden, wobei er das Auftauchen einer Dunklen Königin ankündigt. Eine weitere Rall-Folge, in der sie bekämpft werden muss, gibt es allerdings nicht. Vielleicht erzählt eines der beiden Videospiele diese Story.

Escalation 3: Angel’s Epilogue
Für jedes Jahr der High School eine Folge Escalation. Aus der neu ans katholische Internat gekommenen Rie ist jetzt selbst eine Schulabgängerin geworden. Die sich von einer ihrer Liebesgespielinnen verabschieden muss. Und von ihrer Meisterin Naomi zum Abschluss weitere Lesbenorgien geschenkt bekommt. Nach einigen Episoden, in denen der Sex eher wenig Platz fand, endet Cream Lemon also noch mal mit einer, die fast nichts anderes bietet.

Das war es mit der ersten Serie Cream Lemon, zweieinhalb Jahre nach ihrem Start. So richtig geendet hat die Franchise aber wesentlich länger nicht. Genau genommen ging es sogar nahtlos weiter, denn die erste Episode New Cream Lemon stand bereits in den Startlöchern. Weitere Serien, Spinoffs und Specials sollten bis in die frühen 90er reichen. Bis zum Revival via Anime und Live Action in den 2000ern waren die 90er allerdings durchaus nicht ohne Cream Lemon, denn es gab munter Videospiele. Cream Lemon war wirklich ein großes Ding. Dies lässt sich schlecht bestreiten.

Die beliebteste Geschichte scheint dabei wirklich die Ami-Storyline zu sein. Noch während die erste Serie lief gab es hierzu ein Special und Kinofilm. In 1989 dann eine eigene Spinoff-Serie, die ihrer Geschichte ein alternatives Ende gab. In Videospielform lässt sie sich wiederfinden. Und auch im Reboot gibt es neue Ami-Folgen. Das ursprüngliche Ende habe ich mir aus Interesse dann doch mal angeschaut.

Ami Image: White Shadow ist ein zwischen Ami Again und Ami III erschienenes und spielendes Special. Mehr Clip Show und Musicvideo mit nur wenig neuen animierten Stellen darüber, wie Ami als Idol gescoutet wird. Goin on a Journey: Ami Final Chapter ist dann wirklich das Ende ihrer Geschichte. Der 40-minütige Film wurde übrigens zusammen mit Project A-Ko, einem weiteren Klassiker der 80er gerade im englischsprachigen Raum, als Double Feature in die Kinos gebracht. Das ist nicht so abwegig, wenn man betrachtet, dass A-Ko ursprünglich als Cream Lemon Folge geplant war, bevor das Projekt sich verselbstständigte. Jedenfalls ist das nicht ganz so spannende Ami-Finale dann so ziemlich das, was wir in allen Folgen geboten bekommen. Ami ist einsam und lässt sich durch andere bestimmt durchs Leben treiben. Bis sie sich dann emanzipiert. Sie beendet die Idol-Karriere. Sie macht eindeutig mit Konou schluss. Am Ende sitzt sie im Flieger nach London, um Hiroshi zu treffen.

Was natürlich beim Sichten von Cream Lemon sofort auffällt ist die Diversität der Folgen. Klar sollte es sowieso keine strickt gefolgte Handlung geben. Aber auch sonst gibt es eigentlich keine gerade, thematische Linie. Mal dreht sich alles um die erste Liebe, dann sind wir plötzlich in SciFi-Welten oder haben sogar mal einen kleinen Horror-Einschlag. Viele Folgen sind humorig angehaucht, einige behandeln ihre Charaktere aber auch mit absoluter Ernsthaftigkeit. In manchen geht es fast nur um Sex, bei anderen wirkt das eher noch schnell fünf vor Zwölf eingeworfen, um die Quote zu erfüllen. Es wird teils kreativ mit Kameraperspektiven und Animationsfahrten gespielt. Das macht die Serie doch im Nachhinein interessanter, als ich das erwartet hätte. Super sexy ist der altbackene Stoff freilich vierzig Jahre später nämlich nicht mehr. Zumindest von der Darstellung her, viele der Ideen sind natürlich Klassiker. So ein bisschen die verbotene Liebe zwischen (fast) Geschwistern oder bei kinnky Spielen im katholischen Internat geht ja immer. Ist kein Zufall, dass diese beiden die beliebtesten Handlungen waren, die auch später in Cream Lemon erneut auftauchen werden. Aber wie gesagt, Cream Lemon ist halt auch irgendwo mehr als nur reiner Porn, sondern liefert gern mal richtige Character-Arcs ab. Man weis am Ende der Reihe, wie es in einer Ami oder Rie aussieht und was für eine Reise sie emotional hinter sich haben. Da war ich sehr positiv überrascht von.

Adventure Week #18: Bible Black

Bible Black: La Noche de Walpurgis ist im Original immer noch ein Visual Novel von 2010, und zwar ein Eroge – kurz für Erotic Game, also Porn. Dann wiederum ist das natürlich auch fast schon notwendig, um als Visual Novel auf dem Nischenmarkt PC in Japan ein Publikum zu finden. Wobei Bible Black dann doch nicht eine Handlung ist, der man halbherzig Personennahverkehr hinzugefügt hat, sondern ganz wie bei der Anime-Adaption schon ziemlich klar, dass das Gerammel an vorderster Stelle steht.

Auch hier spielen wir als Minase, und das über die 11 Tage bis zur Walpurgisnacht hinweg. Und zwar beginnen wir an dem Tag, an dem er die schwarze Bibel erst findet. Weil das Visual Novel natürlich viel mehr Zeit hat und deswegen ziemlich organisch die einzelnen Charaktere erst nach und nach einführt, Minase dann das Buch finden lässt, und dann erst den Hasenbau des Magiemissbrauchs hinabsteigt. Das Anime hatte das nicht schlecht gelöst, in dem es bereits am Tag danach, wenn die Schoße so richtig loslegt, angesetzt hatte, und die relativ selbsterklärenden Hintergründe in erklärenden Nebensätzen und kurzen Flashbacks abgehandelt hatte, um in die begrenzte Spielzeit zu passen.

Überhaupt ist hier zwar die Haupthandlung natürlich indentisch, allerdings dann doch so einiges anders. Zum einen, weil eben viel mehr Zeit ist, die Charaktere auch ausgiebieger zu behandeln oder die Handlung auszuschmücken. Beispielsweise ist Imari hier wesentlich feister ihrem Kindheitsfreudn Minase gegenüber. Saeki ist auf einigen Routen wesentlich wichtiger, weil sie die Bibel von Minase klaut und statt ihm zu Kitamis Handlanger wird. Es gibt ein paar Nebencharaktere, die es in das Anime gar nicht geschafft haben. Und auch Ito, die im Anime im Prinzip nur von Kitami genagelt wird, und glaub ich dort auch nie nur einen Namen bekommt, hat hier zumindest einen. Sie ist hier das erste Opfer von Minase, der das „lass jemanden nackt tanzen“ ausprobiert, um zu sehen, ob die Bibel überhaupt wirkt, was zur Masturbation vor der ganzen Klasse führt – eine Sache, die im Anime stattdessen mit einem anderen Charakter in Bible Black Origins verwertet wurde. Apropos, die Geschichte um Kitami ist hier tatsächlich nur in kurzen Flashbacks abgehandelt, statt so ausführlich erklärt zu werden, da merkt man doch, dass Origins wahrscheinlich auf Grund des Erfolgs der Serie nachgeschoben wurde.

Insgesamt gibt es übrigens satte 12 Enden zu erspielen, wobei natürlich bei wiederholten Durchgängen ganz VN-üblich auch mehr und mehr Szenen mit der Skip-Funktion übersprungen werden können, da sie schon aus vorigen bekannt sind. Es gibt dann eben doch nur so viele Variablen, und auch allgemein ist Bible Black nicht gerade eines der längeren Spiele, viele End-Variationen hin oder her. Mir persönlich haben sogar fast die beiden Enden besser gefallen, in denen entweder Kitami gewinnt und Minase ihr treuer Verbündeter ist, oder Minase der Oberfiesling wird und selbst Kitami hintergeht. Das Anime hat sich natürlich quer aus den verschiedenen Routen bedient, um zumindest fast alle Charaktere einzubauen und mehr Sexszenen abgraben zu können – das Ende dort ist aber im Prinzip das True End mit dem Sequelbait aus dem Kitami Ending erweitert.

Apropos Sex, der ist natürlich im Spiel deutlich in den Vordergrund gestellt. Die Handlung ist immer noch zweitrangig, auch wenn durch den höheren Textanteil des VNs natürlich dennoch nicht ganz so nebengeordnet wirkt, wie im wesentlich schneller durchratternden Anime. Viele der Beischlafs-Szenen sind dabei im Anime auch mehr vom VN inspiriert statt direkt von hier entnommen, da sie doch etwas anders ablaufen. Das Visual Novel hat beispielsweise einen seltsamen Faible für Watersports, den das Anime überhaupt nicht hat (oder zumindest nicht bis New Testament).

Ich fand das Bible Black Visual Novel zumindest mal eine ganz interessante Sache. Dass auch hier die Handlung nicht super stark ausgeprägt ist, war durch meine Vorkenntnisse aus dem Anime zu erwarten, aber doch etwas mehr Zeit mit Erklärungen und vor allem den Charakteren zu verbringen – und über die verschiedenen Endwege auch ein paar davon wesentlich mehr zu tun zu geben – fand ich schon eine nette Erweiterung. Ich mein, wer mit dem Anime schon nichts anfangen kann, der wird hier auch nicht bedient werden. Aber wer das ganz Ok fand, der bekommt hier eine ganz gute Erweiterung geboten. Der Sex ist nur nicht ganz so attraktiv gestaltet, wer also nur deswegen geschaut hat, schaut lieber einfach das Anime erneut von vorn, statt sich hier Stunden durch Text klicken zu müssen, um minderes Vögeln vorgesetzt zu bekommen.

2008 kam dann als Bible Black: Infection ein Nachfolger auf die Märkte. Schon etwas kurios, dies erst 8 Jahre nach dem Original zu machen, und nachdem selbst die animierte Version ihr Ende fand, statt schon etwas früher in den Hype hinein langen zu wollen. Infection ist dann tatsächlich auch weniger ein vollwertiges weiteres Spiel, als vielmehr eine Fan Disc. Ohne irgendwelche Desktop-Goodies oder so ein Mist, aber in dem Sinne, als dass es eigentlich keine vollwertige Handlung erzählt, sondern einen verlängerten Epilog von 3 Tagen ans True End vom Original-Spiel setzt.

Minase hat also einen Alptraum von einer Orgie, die von Kitami angeführt wird. Und obwohl Takashiro-Sensei das Gedächtnis der anderen Beteiligten gelöscht hat, beginnt Saeki wieder mit dem Legen von Tarotkarten, Ito taucht nach ihrer Peinigung wieder an der Schule auf und scheint über Minases Schuld daran zu wissen, und selbst eine nur mit leeren Seiten gefüllte schwarze Bibel fällt Minase in die Hand.

Wegerklärt wird das, in dem der Geist von Kitami immer noch allen übel mitspielt, und die angestaute spirituelle Energien sich ein Outlet suchen, und deswegen alle verrückt machen. So ganz alle Ereignisse erklärt das zwar nicht, aber es muss für eine kurze Mini-Route, die mit wenigen Variationen in fünf verschiedenen, meist eher unbefriedigenden, Enden auslaufen kann, ausreichen. Alles zudem zu 90% aus Artwork des Originals zusammengeklaut, was den schlechteren Zeichenstil der wenigen neuen CGs für die Sexszenen umso mehr herausstechen lässt.

Von daher ist Bible Black: The Infection der Zeit kaum wert, die man in die verbose aber fruchtlose Fanfiction-Handlungserweiterung stecken muss.

Bible Black: New Testament

Der Erfolg von Bible Black ließ nicht lange mit einem Nachfolger auf sich warten. 2003 erschien die letzte Folge der ersten OVA-Serie, und bereits ab 2004 wurde Bible Black: New Testatment bzw. Shin Bible Black bzw. Bible Black: La Lanza de Longinus veröffentlicht, welches 2008 ebenfalls mit einer sechsten Folge sein Ende nehmen sollte. Im gleichen Jahr also, in dem das Visual Novel mit Bible Black: Infection erst sein Sequel sah. Und auch hier gab es während derer Veröffentlichungen zwei Nebenfolgen in Form von Bible Black Only.

Da es zu Beginn der Reihe noch keine weiteren Spiele gab, und das Original-VN auch nicht gerade irgendwelche stark alternativen Storypfade offen hat, aus denen man was machen kann, musste sich also eine eigene Fortführung ausgedacht werden. Sollte an sich nicht allzu schwer sein, die letzte Folge von La Noche de Walpurgis hat ja extra etwas Sequel-Bait in die Finalszene geworfen, in dem Kitamis Plan aufgegangen war und sie doch in Imaris Körper weitermachen konnte.

Ganz so einfach macht es uns La Lanza de Longinus allerdings nicht, denn die Serie scheint sehr dafür kompensieren zu wollen, dass der Vorgänger sich doch recht knapp gehalten hat und die Handlung insgesamt relativ simpel war. Denn über die sechs Halbstünder des Nachfolger wird man ständig mit neuen Charakteren konfrontiert, dessen Motivation häufig lange im Dunkeln bleibt, oder die obwohl sie wichtig erscheinen doch letztendlich wenig bis nichts zu tun bekommen, und worauf die Haupthandlung jetzt genau heraus will, ist auch nicht immer so einfach zu folgen. Wo Bible Black den Anschein erweckte, dass man weil man sich des Erfolges nicht sicher war, die Sache etwas arg knapp gehalten und dann nachträglich auf 6 Folgen aufgebläht hat, so wirkt New Testament eher, als hätte man das hier auf mehr Folgen angelegt gehabt, als man letztendlich realisieren konnte.

Seit dem Ende des Vorgängers sind also so einige Jahre vergangen, genug als das die Charaktere nun zumindest erwachsen sind. Imari arbeitet bei einer Psi-Sondereinsatzgruppe abseits der Polizei, Saeki und Shiraki sind nun selbst Lehrerinnen an der Schule, und Takashiro-Sensei ist keine Sensei mehr, sondern eine Priesterin. Minase wird man die Serie über nicht zu Gesicht bekommen und wir erfahren auch nie, was aus ihm geworden ist. Warum Kitami nun nicht sofort in Imaris Körper angefangen hat, Unfug zu treiben? Takashiro hat sie zwischen den zwei Serien versiegelt gehabt. Das muss als Begründung reichen, auch wenn es nicht ganz Sinn ergibt.

Die erste Folge bietet nun sich abwechselnde Schülerinnen, die mit ihren Lehrern und Professoren schlafen, um denen Informationen über die Longinuslanze zu entlocken. Dabei taucht immer mal wieder der Geist einer Blondine auf und ermordet die beiden kopulierenden Körper. Imari und ihr Einsatzteam untersuchen diese merkwürdigen Vorkommnisse. Takashiro brabbelt mysteriös vor sich hin. Und am Ende geraten Imari und ihre Kollegin Aki in einem Banküberfall, der allerdings von einem neuen Hexenzirkel gesteuert wird, um die Pfeilspitze der Longinuslanze zu rauben, und gleichzeitig erwacht in der obligatorisch dazugehörigen Orgie Kitami im Körper von Imari erneut.

Irgendwie ist jetzt Aki, auch „Frau in Rot“ genannt, wichtig für das bevorstehende Ritual. Und die Longinuslanze auch. Warum Kitami wiedererweckt wurde hab ich keinen Plan. Und was genau Kitami oder die als besagter Geist umhergehende, später aber auch Futanari-Physisch auftretende Crowley, die eigentlich hinter allem steckt, genau sich davon erhoffte? Den Antichrist via Aki gebären? Irgendwelche Kräfte durch einen Dämonenpakt erlangen? So was in der Richtung jedenfalls. Wie gesagt New Testament ist notorisch vage in den Charaktermotivationen oder –zielen und verschenkt gerne nicht nur viel Spielzeit an die obligatorischen Sexszenen, sondern auch an Charaktere, die wenig zu tun bekommen.

Saeki beispielsweise verkommt erneut zur zweiten Geige gegenüber Kitami. Shiraki ist eigentlich nur da, um einen weiteren Körper für Sexszenen zu haben. Was hat der junge Polizist jetzt eigentlich für einen Sinn gehabt, außer uns Flashbacks zu geben, in der er als Schüler eine Beziehung zur plötzlich ganz netten und weichherzigen Kitami hatte, die erneut sich stark an ihrer Porträtierung im Vorgänger reiben? Der Boss der Organisation? Die beiden am Ende der fünften Folge erst eingeführten Handlanger von Crowley? Warum ist Takashiro plötzlich in den letzten Folgen so stark im Kampf gegen die anderen übersinnlichen Charaktere, wenn sie in den ersten paar ständig stark unterlegen war? Warum ist die schwarze Bibel überhaupt plötzlich so wichtig, in der vorigen Serie schien sie zweitrangig und nur ein Mittel, um Magie zu üben?

Wenn es einer Serie zugutegekommen wäre, zwei weitere Folgen mit Erklärungen aufstocken zu können, dann wäre das Bible Black: New Testament gewesen. Aber leider gibt es hierzu keine Origins-Folgen. Denn die während dieser Serie animierten Bible Black Onlys sind lediglich 7 von der Handlung losgelöste Sexszenen, die zusätzlich auch lose während der ersten Serie angesiedelt sind. Wobei die beiden Folgen jeweils aus zwei längeren Szenen von 10-13 Minuten bestehen, die eindeutig durch das Charakterdesign mit den langen Gesichtern zeigend während in 2005 und 2006 nebst New Testament animiert wurden, während das Ende der Folgen eine kurze und im anderen Stil gezeichnete Szene von nur 5 Minuten ist, die bereits aus 2003 stammen und der Filmversion der ersten Serie beilagen. Macht 6 von 7 Szenen. Die letzte Szene, in der Imari nachts von einem Mitschüler attackiert wird, ist ebenfalls 10 Minuten und lag der japanischen Bible Black Complete Box bei, die in 2006 veröffentlicht wurde, und hat es deswegen nie (offiziell) in den Westen geschafft.

Ich meine, wer Bible Black nur als Masturbationsmaterial einlegt, der bekommt natürlich auch in New Testament viel geboten, und kann sich durch Only sogar ganz von störender Handlung lösen, aber wenn man tatsächlich die Serie auch ein wenig wegen der Hintergründe schaut, wird man sich ein wenig verloren vorkommen. Das Ding ist gar nicht mal so komplex, es ist einfach nur ein Paradebeispiel dafür, etwas unnötig kompliziert zu präsentieren.

Bible Black

Bible Black ist eines der bekannteren Erotikanime des damals noch frischen Jahrtausends gewesen. Basierend auf einem 2000 auf japanischen PCs aufgeschlagenen Visual Novel, folgte nämlich bereits zwischen 2001 und 2003 die Umsetzung in 6 OVA-Folgen, weltweit lizenziert, und so erfolgreich, dass auch eine Lokalisation des Spieles folgte. Später sogar als Bible Black Complete Version zu einem Film zusammengeschnitten. Und noch bevor die eigentliche Serie beendet war, mit Bible Black Origins (bzw. Bible Black Gaiden in Japan) die Vorgeschichte 2002 in 2 weiteren Episoden animiert. Eine 18+ Franchise, deren attraktive Charadesigns und Schuluniformen immerhin dazu führte, dass sich selbst Cosplayer ihr annahmen.

Wie immer starten wir natürlich an einer ganz normalen japanischen Schule. Man geht lernen, man ist sozial verpflichtet sich einem der offiziell optionalen Schulclubs anzuschließen, erste unerwiderte Liebe, eine wachsende Libido. Same old, same old. Ach ja, und einen abgeschlossenen Kellerraum, in dem vor 12 Jahren zur Walpurgisnacht ein Hexenzirkel ein junges Mädchen opferte, um dämonische Mächte zu beschwören, etwas gehörig schief lieft, und das alles in einem Massaker aller Beteiligten endete.

Scheinbar war auch keiner wirklich gewillt das Ding mal aufzuräumen oder neu zu verputzen, so ist das Pentagramm immer noch auf den Boden geritzt, die Kerzenleuchter liegen dort, wo sie hingefallen sind, und der Altar und die Wände sind großzügig mit eingetrocknetem Blut verschmiert. Wer so unvorsichtig agiert, muss sich auch nicht wundern, wenn einer der Schüler das dort verborgene Magiebuch findet, welches für die Zeremonie verwendet wurde.

Und was macht so ein ganz normaler Schüler wie Minase schon mit einem Zauberbuch? Na beispielsweise die hübsche Vorsteherin des Schülerrats Shiraki, die weit über seinem Niveau schwimmt, mit einer Liebesmagie belegen, auf dass sie nur noch Augen und eine offene Möse für ihn hat. Allerdings gerät der blauäugig mit dem Buch umgehende und ziemlich Hormon-gesteuert einfach zu manipulierende Minase durch seine magischen Machenschaften ins Auge von Saeki, die einen eigenen Magieclub gründen will, sowie der Schulkrankrenschwester Reika, die sich selbst Magie übt, und ein Ritual zur nächsten Walpurgisnacht geplant hat, sowie den Futanari-Fetisch des geneigten Zuschauers bedient.

Dass die Serie auf einem VN basiert, merkt man ihr dabei schon irgendwo gut an. Mit dem einzigen wichtigen männlichen Protagonist der Hauptcharakter, darum herum nur süße Mädels und sexy Lehrerinnen, wobei für so ziemlich alle eine Ausrede gefunden wird, mit Minase zu schlafen. Nach der Eröffnungsszene mit dem Rituals-Flashback zur Walpurgisnacht von vor 12 Jahren geht es erst mal fast wie in einer seichten Schulkomödie weiter, mit Minase und Kindheitsfreundin Imari, die natürlich das OTP letztendlich darstellen werden, die sich gegenseitig necken. Bis halt die Sexy Times anrollen, und etwas später dann auch das Okkulte. Was irgendwie besonders kurios ist, sind die Diskrepanzen zwischen Ende Episode 1 und Beginn Episode 2. OVAs werden ja einzeln und mit Monaten zwischen ihnen released, von daher ist es natürlich keine Seltenheit, dass eine Folge mit einem kurzen Recap oder der Endszene der vorigen anfängt, um diese erneut ins Gedächtnis zu rufen. Vor allem bei Porn, wo der geneigte Käufer vielleicht eh nicht so sehr auf die Hintergrundgeschickte geachtet hat. Die Sexszene, mit der Episode 1 endet, eröffnet auch Episode 2, nur wird aus dem Titfuck plötzlich Rimming/Fingern. Kontinuitätsproblem, oder kann jene Szene so oder anders im Original-VN ablaufen, und man hat sich gedacht, auf diese Art einfach beide der Abwechslung zur Liebe einzubauen?

Ich kann mich dem Gefühl übrigens auch nicht ganz erwehren, dass die Serie ursprünglich nicht auf so viele Folgen geplant war, und ob ihrer Popularität darauf gezogen wurde. Die ersten beiden Folgen sind nämlich von für das Genre von hoher Zeichen- und Animationsqualität, und decken schon einen Großteil der Handlung an sich ab. Episode 3 und 4 haben dann einen plötzlichen qualitativen Einbruch, nur damit die Animationsqualität für Origins und die finalen beiden Folgen wieder stark ansteigt. Wobei aber die Serie zusehends mit Sex aufgefüllt wird, um das Material zu strecken. Denn man muss schon eindeutig sagen, dass Bible Black keine Franchise ist, die zuvorderst Horror mit etwas dazugegebenem Beischlaf ist, oder zumindest Porn und Horror relativ gleichmäßig mixt. Sondern Bible Black ist ein Porno mit Handlung, und für jene hat man sich einen okkulten Hintergrund geholt, doch zuvorderst ist Bible Black Porn, in dem entsprechend häufig gerammelt wird und die simple Handlung mehr das Gerüst dazu beisteuert.

Was nicht bedeutet, dass der Hintergrund nichts hergibt. Bible Black ist schon abseits von Stöckchen-in-Löchelchen ganz unterhaltsam. Zu gestreckt für die Standard-Handlung ist es nämlich dann doch nicht. Beziehungen zwischen den Charakteren sind nicht komplett unwichtig. Und wie absolute Macht absolut korrumpiert, oder der blauäugige Umgang mit Magie schnell nach hinten losgehen kann, wird auch behandelt. Sicherlich ist es alles andere als neu oder originell, jemandem über einen Liebeszauber zu einem psychotischen Stalker werden zu lassen, aber hey, immerhin geht Bible Black den Weg. Dennoch, mit der falschen Erwartungshandlung sollte man an das Ding nicht gehen. Viel Blut und Gore, schaurige Monster, oder andere Perversionen werden wenig bis gar nicht geboten, sondern all dies soll schon sexy und attraktiv bleiben. Wer allerdings richtig auf Anal steht, hat hier seine Serie gefunden, denn Bible Black hat einen absoluten Fetisch dafür.

Dabei würde ich übrigens vorschlagen die Serie als einen Block von 8 Folgen zu schauen, und jene dann auch in der Reihenfolge der Veröffentlichung. Sprich zuerst die ersten 4 Folgen Bible Black: La Noche de Walpurgis, dann die 2 Folgen Bible Black Origins, und dann die Folgen 5 und 6 der Hauptserie. Origins erzählt dem Zuschauer im Prinzip das, was genau vor 12 Jahren geschehen und warum das Ritual damals schief gegangen ist. Das ist etwas, was zunächst nur in kurzen Flashbacks angerissen wurde, im Finale der Hauptserie dann aber auch noch mal komplett kurz erklärt wird. Wer Origins also ans Ende setzt, wird sich dort etwas mehr langweilen, weil absolut nichts Neues erzählt wird. Zumindest dann, wenn man Bible Black überhaupt (auch) wegen der Handlung schaut.

Nostalgic Anime Week II: Kite

ava-1430Erneut kommen wir nach einer eingeworfenen, eher leichten Unterhaltung, zu einem härteren Anime. Das 1998er Kite von Yasuomi Umetsu, der neben hauptsächlich helferischer Tätigkeiten und Character Designs (u.A. auch für Castlevania 64 oder Shin Megami Tensei: NINE) eher durch die Hardcore-Anime Cool Devices: Yellow Star, Kite und Mezzo Forte bekannt wurde, mittlerweile mit der Mezzo TV-Serie und Kite: Liberator auch vergleichsweise harmlose Dinge hervorgebracht hat.

Yasuomi Umetsus Eintrag in die Cool-Devices-Reihe, Yellow Star, gestaltet sich wie folgt: Mädchen wird vom Stiefvater, der offiziell im Fall der Droge ermittelt, von eben jener abhängig gemacht, damit sie es mit ekligen Kerlen treibt, bringt ihn um, nur um dann doch ein Bad End zu haben. Kite hat eine ähnliche Story, nur mit einem Girl with Gun Protagonist (denn niedliche Mädchen in Brachialgewalt geht immer, wie auch die Mezzos zeigen):

Akai ist ein korrupter Polizist der Mordermittlung, der zusammen mit Kanie eine Agentur für Auftragsmorde betreibt. Die beiden haben einen ziemlichen Hunger für minderjährige Muschi, und so nehmen sie sich der jungen Sawa an, nachdem sie deren beide Eltern ermordet haben. Denn mit genug Gehirnwäsche, Ausnutzung, Stockholm-Syndrom, „Streicheleinheiten“ mit dem Penis, und Waffentraining am lebenden Objekt, wird aus dem jungen Mädchen schnell eine gewissenlose Killerin, die für sie die Aufträge ausführt, so dass sich die beiden gar nicht mehr selbst die Finger schmutzig machen müssen.

Der Teil ist allerdings nur die in wenigen Minuten als Versatzstücke eingestreute Hintergrundgeschichte, Kite spielt mit einer bereits erwachsenen(?) Sawa, die ohne Murren und Knurren Leute erschießt und Akai gefällig ist. Zumindest bis sie sich mit dem Studenten Oburi anfreundet, der ebenfalls Morde für Akai begeht, aber aussteigen will. Aus dem Business aussteigen kann man allerdings nur im Tode, so zumindest Akais Meinung, also wird Sawa auf ihn angesetzt – die nun ihre Chance riecht, sich endlich an ihren beiden Ziehvätern zu rächen. Gut ausgehen tut auch dies nicht.

Kite ist ein schon recht schonungsloser Action-Steifen, um eine Riege verachtungswerter Charaktere. Denn grafisch sind die beiden Halbstünder allemal, in beider Hinsicht. Sawa nutzt nicht einfach nur normale Kugeln, sondern um sie nicht nachverfolgen zu können, explodiert die Munition im Körper der Opfer, was Literweise Blut spritzen und auch mal das eine oder andere Körperteil fliegen lässt. Und auch die zwei oder drei Sexszenen sind volles Rohr auf die Action, in der komplett ungekürzten Fassung inklusive kurzer Flashbacks auf die Vergewaltigung der jungen Sawa. So weit zu gehen, Kite einen Hentai zu nenne, würde ich allerdings nicht. Die Sexszenen sind gar nicht mal so lang, und wirken auch nicht sonderlich stimulierend – merkwürdige Musik, eine eindeutig ausgenutzte Sawa und Umetsus Angewohnheit seine Kerle alle als eklig-schmierige Giganten neben den petit-niedlichen Mädels darzustellen sei Dank (Kite hat mit Oburi einen einzelnen attraktiven Kerl zu bieten, doch ganz wie mit dem attraktiven Freund des Mädels in Yellow Star, kommt er nie zum Schuss, sondern nur die alten Ekelpakete).

Zumal der Sex in Kite auch recht organisch wirkt, ganz im Gegensatz zu Mezzo Forte, er ist regelrecht charakterisierend: Wir wissen durch ihn, dass Sawa auf mehrere Art und Wiese von Akai ausgenutzt wird, und er zeigt erneut, was für Fieslinge er und Kanie sind. Denn egal wie sehr sie Sawa und Oburi sagen, was für Bösewichter sie da für das Gute der Menschheit umbringen, sie selbst sind auch korrupt, Geldgeil und vergreifen sich an jungen Dingern. Die Realität von Kite ist dreckig und korrupt, und die recht brachiale Gewaltdarstellung sowie sexuelle Ausnutzung untermauern dies.

Kite ist auch ein recht cooler Action-Streifen, wirklich. Neben einer attraktiven Protagonistin und stylischer Action bietet es viele stark schattierte Einstellungen, ins Nichts schauen, und einen chilligen OST, der dem Anime ein gewisses Noir-Feeling gibt. Als reines Actionfest ist Kite absolut zu gebrauchen. Der einzige Abzug hierbei ist, dass der Anime etwas zu cool ist, denn gerade Sawa und Oburi sind auch sehr kalt und Emotionsarm geraten. Und auch alles andere, als unschuldig. Oburi erschießt einen kleinen Jungen so ganz nebenbei, als wäre es normal wie das Atmen, nur weil dessen Ball in einer Pfütze landet, die seine neue Jacke durchnässt. Der tragische Aspekt von Kite würde tatsächlich etwas besser funktionieren, wenn uns die beiden jungen Protagonisten sympathischer gemacht würden.

Und damit wären wir auch am Ende der zweiten von drei Wochen, in denen ich für mich nostalgische Anime aus meinem DVD-Regal entstaube, erreicht.

kite

Demon Beasts

Es gibt durchaus gute Hentais. Bible Black, Kite, Wet Summer Days oder Words Worth zum Beispiel. Angelium, Dragon Rider, Koihime und Beat Angel Escalayer sind auch ganz Ok. Ob es sich natürlich ähnlich wie bei den Anime von Bee-Train wirklich lohnt, durch die Unmengen an Müll zu waten, um hier und da mal was brauchbares zu finden, steht natürlich wieder auf einem anderen Blatt. Doch die Dinger von Toshio Maeda können ja ganz nett sein, mir haben Urotsukidoji, Lady Blue und Demon Warrior Koji gefallen. Die anderen La Blue Girls, späteren Urotsukidoji-Sequels und Adventure Kid hingegen waren eher nicht so toll. Mal schauen, auf welche Seite das ebenfalls auf einem Manga von ihm basierende Demon Beast Invasion fällt.

Die besagten Demon Beasts sind eigentlich Aliens, die sich die Erde Untertan machen wollen, obwohl sie in der hiesigen Atmosphäre nicht überleben können. Sie übernehmen dafür einfach die Körper von Sterblichen und versuchen Frauen zu schwängern, um einen angepassten Mischling zu zeugen, der die Invasion vorbereiten soll.

Unsere zwei Hauptcharaktere sind Kayo und Muneto. Kayo ist ein Mädel, welches es nach einigen Schwängerungs-Misserfolgen des Demon Beasts in Episode 1 schafft, in Episode 2 tatsächlich eines zur Welt zu bringen. Dessen Ziel ist es fortan über den Rest der Serie, sich mit Kayo, da sie so toll kompatibel ist oder was weiß ich, erneut zu vereinen. Muneto ist ein alter Schulfreund von ihr, Spross einer Tempelfamilie und Agent für die interplanetare Polizei. Außerdem werden er und Kayo ein Paar, sobald der vom Demon Beast eingenommene aktuelle Freund Kayos am Ende besiegt werden kann.

Die Handlung ist ziemlich episodisch, zwar bauen die Folgen irgendwie aufeinander auf, sind aber auch in sich jeweils geschlossen. Und laufen sehr stark nach der gleichen Formel ab. Das besiegte Demon Beast regeneriert wieder, vergewaltigt ein paar Mädels, während es ständig nach seiner „Mother“ schreit. Kayo und Muneto machen ein wenig rum, bis sie aufs Demon Beast stoßen. Das bringt den Polizei-Kollegen Munetos des Tages um und Muneto und Kayo schaffen es durch die Kraft ihrer Liebe das Viech erneut zu besiegen. Das ganze wird so sehr Alltagsgeschäft, dass es schnell langweilig wird, bei einer Serie, die sowieso nie so sonderlich spannend war. Dazu kommen noch viele Inkonsistenzen was Handlung und Charakterentwicklung (wenn man überhaupt von einer solchen reden kann) zwischen den Episoden angeht. So richtig entscheiden, ob sie ernst oder goofy sein will, kann die Serie wohl auch nie. Unsympathische Charaktere mit wenig nachvollziehbaren Handlungsweisen helfen da auch nicht gerade. Oder die ständige Riege an unterentwickeltem permanent wechselnden Support Cast.

Und logisch ist in der Serie sowieso nix. Wenn die Aliens hier nicht atmen können, was ändert es dann, einen Mischling zu haben? Denn am Ende von Episode 2 bereiten sie schon ihre Invasion vor, eben weil jener eine zur Welt gekommen ist. Und warum, wenn jener ja so unsterblich ist und immer wieder kommt, versuchen sie in den folgenden Episoden nie wieder eine? Was macht Kayo so besonders? Warum ist Muneto Teil einer spirituellen Familie, wenn er doch nie irgendwelche besonderen Kräfte zu nutzen scheint? Abgesehen vom Deus-Ex-Machine „Alles wird gut“-Fick mit Kayo am Ende jeder Episode. Und wenn etabliert ist, dass dies die einzige Möglichkeit ist, das Demon Beast zu stoppen und sie es schon mehrmals getan haben, schon länger ein Paar sind, warum kommt Kayo in der letzten Episode plötzlich mit einem „Nö, ich bin jetzt nicht in Stimmung“? Ernsthaft? Geht ja nur um die Weltrettung, Mädel. Warum sind das Demon Beast jede Episode anders aus? Warum Muneto und Kyo in den finalen zwei ebenfalls? Warum sind sie jedes Mal so geschockt über dessen Rückkehr, wenn doch schon früh etabliert wird, dass es ständig regeneriert? Auch in einer frühen Episode etabliert ist, dass das Demon Beast ungezügelt wächst, bis er vernichtet wird oder sich mit Kayo vereinigen kann – nur passiert das in späteren Episoden nicht mehr.

Ehrlich gesagt fand ich die Serie einfach nur strunzdämlich und äußerst langweilig. Die je 40 Minuten schaffen es weder, gut gefüllt zu sein, noch sich was Großes entfalten zu lassen. Meist passiert die ersten 30 herzlich wenig um dann ein überstürztes Finale einzuleiten. Lediglich Episode 3 war brauchbar, auch von Zeichen- und Animationsqualität her, während die restlichen Episoden wie der letzte Rotz aussehen, mal mehr oder weniger stark, da wie so viele OVA-Serien die 6 Episoden über den Verlauf mehrerer Jahre (1990-94) erschienen. Das führt zu schon sehr krass unterschiedlichen optischen Aspekten, auch was Charakterdesign angeht.

Letztendlich war dann das sehr antiklimaktische „Final Chapter“ doch nicht so final, denn direkt im Anschluss wurden die vier Episoden von Demon Beast Resurrection gezeichnet. Und die sind sogar besser in allen Belangen. Schon alleine die Optik, erinnert das Charakterdesign nun wieder an die hübsche Episode 3 (und mich zudem irgendwie an die Pioneer-Anime der 90er) und die Animationsqualität ist auch viel höher als alles, was Invasion je auf den Tisch brachte.

Von der Handlung her ist es in 2 Geschichten unterteilt. Die ersten beiden Episoden holen die heißen Amazonen der galaktischen Polizei aus Episode 3 zurück (warum genau tauchten die überhaupt nie wieder in der ersten Serie auf?) und bekämpfen das erneut erwachte Demon Beast, das Kayo geboren hat. Die anderen beiden Episoden widmen sich Kayos Cousine aus Episode 4, die eine Sex-Sekte gegründet hat, um das Demon Beast zu beschwören – ein reinrassiges, nicht das Mischlingskind.

Beide Episoden sind auf jeden Fall wesentlich besser erzählt, da es nicht nur optisch sondern auch im Grundton, Atmosphäre und Handlung wesentlich geradliniger und kohärenter ist, als das heillose, unlogische Durcheinander der ersten Serie. Sicher, Kayo hat immer noch keine Persönlichkeit und Muneto ist immer noch erstaunlich unnütz, außer zum Deus-Ex-Machina-Ficken, aber im Gegensatz zur ersten Serie ist Resurrection regelrecht sehenswert.

Aber wie steht’s überhaupt um den zwei Bände umfassenden Manga von Toshio Maeda, auf dem das Alles basiert? Urotsukidoji hat mich ja in Zwanzigzehn gelehrt, dass es da doch frappierende Unterschiede geben kann. Das ist bei Demon Beast Invasion ziemlich genauso, so nutzen Original-Manga und Anime-Adaption die gleichen Charaktere und bauen auf die gleiche Prämisse auf (Alien-Monster wollen Menschenfrauen schwängern, um den Planeten zu übernehmen), damit hören die Gemeinsamkeiten dann aber erneut weitestgehend auf und beide erzählen unterschiedliche Ereignisse.

Im Manga kommt Muneto beispielsweise erst im zweiten Band vor, wenn Kayo nach der Schwangerschaft mit einem Demon Beast und das Anheimfallen ihrer Bekannten an jenen die Schule wechselt, um von vorn zu beginnen. Insgesamt ist der Manga besser, als die erste OVA-Serie, da erneut wesentlich besser zusammen hängend, statt das kurze episodische Format zu wählen – hier wird eine durchgehende Handlung erzählt. Allerdings nimmt es auch er mit interner Logik nicht immer ganz genau, hat nicht einen sympathischen Charakter zu bieten, die alle häufig wenig nachvollziehbar handeln (erstes Aufeinandertreffen von Muneto und Kayo beinhaltet beispielsweise, dass er sie vergewaltigt, während er darüber sinniert, er verliebe sich gerade in sie und sie ganz doll sich schämt, dass er sie „so“ zu sehen bekommt… because Japan).

Dafür hat das Teil einige der witzigsten (und ich glaub nicht freiwillig) Dialoge, die ich je zu lesen bekommen habe. Hier nur mal zwei Beispiele.

(Englischlehrerin zu Kayo) -If you learn English, you can even get a foreigner for a lover.
(Kayos Antwort darauf) -But… I’m scared of AIDS!!

(Kayos Freundin nachdem Kayo den Mischling zur Welt gebracht hat, der sich prompt an jener vergriffen hat) -It’s true!! My first time was with a demon you gave birth to!! L… Look! It’s so loose. It may never go back to normal…

Zu Schreien komisch. Wobei der Manga, trotz hier und da etwas schrulliger Momente, eben nur dann komisch ist, wenn er es gar nicht sein will.

The Urotsuki

Nach dem gescheiterten Final Chapter blieb es erst mal ruhig um die Serie. 6 Jahre später versuchte man allerdings erneut sein Glück, diesmal nicht mit einem finalen, sondern einem neuen Anfangskapitel. Eine neue Saga für ein neues Millennium, das sich zur Originaltrilogie ähnlich wie diese gegenüber dem Manga verhält und Charaktere und Storygrundzüge aufgreift, allerdings dann weitestgehend ihr eigenes Ding draus dreht.

Ursprünglich war die Welt in Chaos getaucht, bis der Chojin erschien und sie in die drei Welten der Menschen, Biester und Dämonen unterteilte. Doch gibt es eine Legende, dass er irgendwann erneut auftauchen und die Welten zu einem neuen Königreich vereinen wird. Amano ist vom König der Biester beauftragt worden, die Wiedergeburt des Chojin zu finden.

So weit, so weitestgehend gleich. Erneut ist zwar Nagumo der Chojin, allerdings geht es in der Geschichte überraschenderweise so gut wie gar nicht um ihn, sondern um seinen Kindheitsfreund Ozaki, der erneut Nagumos Blut abbekommt, wodurch ihn alle für den Chojin halten. Bis er auf die Probe gestellt wird und umkommt und mit Nagumo der wahre Chojin erwacht. Das war mit einigen Änderungen jetzt im Prinzip der Schnelldurchlauf der ersten OVA des ursprünglichen Dreiteilers. The New Saga braucht hierfür hingegen ganze drei Folgen. Und warum? Weil es ein wesentlich ambitionierteres Projekt ist. Das bedeutet mehr Charaktere, mehr Charakterisierung und mehr Story.

So dreht sich die erste Hälfte der ersten Folge alleinig darum, warum Amano überhaupt den Auftrag annimmt, nach dem Chojin zu suchen, etwas, wozu die frühere Serie im Prinzip nur gesagt hat „weil er halt neugierig ist“. Ozaki ist Boxer und will es zum Champion bringen, hat aber einen Hirntumor und karieregeile Eltern, die ihn nicht beachten. Seine beste Freundin ist heimlich in ihn verliebt, Nagumo ist sein einziger anderer Freund und die beste Freundin Nagumos ist dies, weil er sie mal vor einem Autounfall gerettet hat. Dann mischen sich wie gewöhnlich noch einige Dämonen in die Suche ein, inklusive ihrer Königin herself.

Das ganze hat mir wirklich gut gefallen. Ich mag zwar die Ursprungstrilogie auch sehr, allerdings ist es schön, dass der Reboot Dinge ändert, um frisch zu bleiben und vor allem die Geschichte und Charaktere so stark hinterfüttert. Dadurch war ich endlich mal wieder richtig in die Saga investiert. Dummerweise hat es aber dadurch den üblichen Nachteil: Es kommt zu keinem Ende. Wie gesagt erwacht Nagumo am Ende zum üblichen Monster und Schnitt und Credits und Arsch geleckt. Die drei Episoden wirken nur wie die Grundpfeiler zur eigentlichen Geschichte, letztendlich ist ja noch gar nix um Nagumo und damit dem Chojin, um den es ja eigentlich gehen soll, geschehen und einige Charaktere und angedeutete Plotentwicklungen sind noch nicht gefruchtet. Weitere Folgen wurden aber aufgrund des schlechten Absatzes nie produziert und so bleiben wir erneut lediglich auf dem tollen Anfang einer viel größeren Saga sitzen.

Zudem ist natürlich nicht alles Gold, was glänzt. Auch die New Saga besticht wieder durch einige sehr fragwürdige Charakterverhaltensweisen, die hier durch ihre stärkere Charakterisierung natürlich wesentlich mehr auffallen. Zudem ist die düstere Atmosphäre nicht im Geringsten vertreten, durch den modernen, gelackten Animationsstil. Und insgesamt setzt die New Saga den Porn vor den Horror, während die Ursprungstrilogie dies immer anders rum gehandhabt hat. Das bedeutet leider auch keine der spektakulären Monsterkämpfe wie in jener. Während die New Saga also die besser ausgearbeitete Handlung und Charaktere hat, hat das Original die bessere Atmosphäre und Horror.

Urotsukidoji V

Wer hätte das gedacht. Nachdem das ursprünglich geplante Ende von Urotsukidoji IV zum alternativen degradiert wurde, um die Saga zumindest notdürftig beendet zu bekommen, entschied man sich plötzlich anscheinend doch wieder um, und produzierte Urotsukidoji V. Eben basierend auf jenem alternativen Ende. Das Problem dabei? 1996, fast 10 Jahre nach der allerersten Folge und dem qualitativen Verfall der Saga über die Jahre, interessierte sich einfach keine Sau mehr dafür. Letztendlich wurde die erste OVA von V auf den japanischen Markt geworfen und die geplanten folgenden Folgen nie produziert, sondern das Projekt eingestampft. Auch im Ausland hat sich nie jemand wirklich für die Rechte an einem Release geschert. Fast zumindest, die Folge ist nämlich als hidden Feature auf die deutsche DVD zu IV geklatscht – Menü oder Packaging verraten davon zwar nichts und die Sache ist auch in Japanisch ohne jegliche Untertitel, aber sie ist da.

Wie gesagt basiert das Ganze auf dem alternativen Ende von IV, nach dem alles in III und IV Geschehene absolut irrelevant ist, um diese vergessen und Quasi am Ende der ersten fünf OVAs neu beginnen zu können. Damals, als die Serie noch gut war. Löblich, wenn man einsieht, dass man danach ziemlichen Mist gebaut hat, aber retten tut das auch nicht mehr viel.

Der diesmal eventuell richtige Chojin wird nun also geboren und die Bewohner der postapokalyptischen Welt verfallen kurzzeitig in Raserei und töten sich im Blutdurst gegenseitig. Außerdem entsteigen des Chojins neuem Hauptquartier geschlechtslose Klone, die ordentlich beim Töten mitmischen. Letztendlich trifft Amano auf den Chojin(?), der diesmal ein androgyner Hermaphrodit ist und wird niedergestreckt. Kyo-Oh (der einzige Kurzauftritt eines Charakters aus III und IV) belebt ihn wieder und offenbart, dass der Chojin seine neue überragende Rasse die Welt bevölkern lassen will und deswegen erst mal die noch in ihr hausenden Überlebenden umbringen muss. Wird noch ein wenig gekämpft, sogar das Militär schreitet ein, Nagumo zerstört auch munter weiter und darf sogar seine Akemi endlich mal wieder sehen und nach 50 Minuten ist die erste Folge und damit auch vorzeitig die ganze Serie rum.

Zu behaupten, III und IV wären kompletter Mist (auch wenn es teilweise nicht unwahr ist) und müssten quasi gänzlich gestrichen werden, ist schon ein starkes Stück, wenn man dann anschließend eine Folge hinrotzt, die auch nicht wirklich viel besser ist. Vielleicht kann man das Trainwreck, zu dem die Urotsukidoji-Saga verkommen ist, aber auch einfach nicht mehr zurück auf einen grünen Zweig hieven. Dafür ist zuviel passiert und zuviel schief gegangen, selbst wenn man nach bester Möglichkeit alles ignoriert, was nach den ersten fünf Folgen passiert ist. V ist auf jeden Fall schrecklich beschäftigt damit, alle ursprünglichen Charaktere und Plotpoints aufzugreifen und die Scherben irgendwie in ein passendes Ganzes zu fügen, schafft es aber nicht wirklich.

Dennoch wäre es mir ganz lieb gewesen, wenn die Serie nicht vorzeitig eingestellt worden wäre. Und zwar einfach nur aus dem Grund, weil ich endlich ein zumindest halbwegs zufrieden stellendes Ende, doch gerne irgendwann mal zu sehen bekommen hätte. Vorausgesetzt Urotsukidoji V: The Final Chapter hätte ein solches geliefert, anstatt wie I oder IV zu enden. Wer am Ende gewonnen und wie die neue Welt ausgesehen hätte, würde mich doch interessieren.

Urotsukidoji IV

Die Reihe hat sich mit Urotsukodji in die Lüfte erhoben, bei Urotsukidoji II kam sie kurz im Gegenwind zum Straucheln, fing sich für die erste Hälfte von Urotsukodji III wieder, nur um in dessen zweiter Hälfte gegen eine Fensterscheibe zu knallen und abzustürzen. Urotsukidoji IV diagnostiziert nun den Hirntot.

Wenn die zweite Hälfte von Urotsukidoji III sich im Kreis gedreht hat, markiert Urotsukidoji IV den absoluten Stillstand. Eigentlich recht ironisch, befindet man sich doch auf einer Reise. Denn Himi, Buju und die paar Charaktere aus III, die wichtig aussahen, letztendlich aber nie wurden und trotzdem irgendwie die ganze Sache überlebt haben, sind auf dem Weg nach Osaka, zum versprochenen Treffen zwischen Himi/Kyo-Oh und dem Chojin, durch welches  das Schicksal der Welt entschieden wird.

Nur landen sie erst mal für 2 Folgen in einer absoluten Nebengeschichte über eine Stadt voller Psi-begabter Kinder, die dadurch die Erwachsenen als ihre Sklaven und Brutmaschinen für den weiteren übernatürlich begabten Nachwuchs halten. In die Pubertät zu kommen ist sozusagen das Todesurteil in dieser Gesellschaft, verliert man doch seine Kräfte und verkommt, da man nun sexuell fruchtbar ist, zum weiteren Zuchtmaterial. Das alles soll zwar ein großes Experiment des Chojin zum Züchten einer neuen Rasse sein, aber letztendlich hat der ganze Exkurs absolut rein überhaupt gar nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun. Und auch als eigenständiger Anime, ohne Urotsukidoji-Bezug wäre es nicht so sonderlich spannend umgesetzt. Dabei könnte man aus der grundsätzlichen Idee einer Gesellschaft, die mit kindlicher Freude Grausamkeiten verteilt, weil ihnen eben niemand Einhalt und Erziehung gebieten kann, durchaus was machen.

Die dritte und finale Episode erinnert sich dann daran, worum es eigentlich geht und lässt die Gruppe schnell, inklusive ein paar Kämpfe gegen dem immer noch rumhängenden Münchhausen und seiner neuen Untergebenen, den Restweg nach Osaka zurück legen. Nebenbei bringt sie auch all die Charaktere um, die III eingeführt und dann genauso wie IV vergessen hat, je Relevanz angedeihen zu lassen. Lame. Und wie ist das Ende nun? Das große Zusammentreffen zwischen Kyo-Oh und Chojin, das das Schicksal der Welt bestimmen wird? Ungefähr 1 Minute lang und unglaublich lahm. Der Chojin nimmt das erste Menstruationsblut Himis in sich auf und die Welt wird geheilt. Cut. Credits. Ende. Ist die Welt jetzt wirklich wieder in Ordnung? War das nun das neue Reich Chojins? Ist alles wieder einfach zurückgesetzt in die Zeit, bevor die Welten zerbrachen? Keiner sagt’s einem. Selbst Amano steht so ziemlich nur mit einem „What the hell!?“ oder „Lulzwhat?“ da.

Urotsukidoji IV ist so ein Aufreger. Zuerst 2/3 an einen unwichtigen Subplot vergeuden und dann im finalen Drittel das lahmste Ende zusammen schmeißen, das man sich ausdenken konnte. Nachdem die Saga 12 Folgen von 45-60 Minuten überspannt hat, soll es also so einfach und unzufrieden nun gewesen sein. Es hilft dabei ebenfalls nicht, dass auch das ganze „Das soll es jetzt also gewesen sein? So?“-Stigma beiseite lassend, dies hier einfach keine gute Serie ist. In Urotsukidoji ging es mal um harte Monsterkämpfe, die sich öffnende Hölle und die Hoffnung auf die Erschaffung einer neuen Welt auf den Ruinen der zerbrochenen alten. Sicherlich wird in Urotsukidoji IV immer noch gekämpft und gefickt vor postapokalyptischen Hintergrund, aber das ist alles so langweilig umgesetzt, so Standard, hat sich so tot gelaufen, es wird abgespielt, weil die Macher denken, dies mache Urotsukidoji aus, obwohl sie den Kontext dazu, der dies zu was Besonderen gemacht hat, schon längst aus den Augen verloren haben.

Aber warte, es gibt ja noch ein alternatives Ende, das angeblich sogar das ursprünglich geplante war, aber dann verworfen wurde, um der Saga einen Abschluss zu geben. Ursprünglich hätte es hier nämlich nicht beendet sein, sondern eine weitere Serie produziert werden sollen, die dann aber verworfen wurde (nur um dann doch angefangen zu werden, aber dazu bald mehr). Und das Ende ist noch dämlicher. Himi trifft auf den Chojin, doch der stellt sich als Fake heraus. Anstatt das der Chojin zu Beginn von Urotsukidoji III also verfrüht geboren wurde, ist das nur ein Scam eines Dämons, um an Kyo-Oh zu kommen. Das ganze Ende (abgesehen davon, dass es eh keinerlei Sinn macht) ist also nur dazu da, um zu sagen „Ach ja, was in III und IV passiert war, ist unwichtig. Die 7 Folgen habt ihr umsonst geschaut, sorry“. Fuuuu!!!

Urotsukidoji III

Nachdem Urotsukidoji II nun Amano mit Münchhausen und dem Chojin mit Kyo-Oh einen Gegenspieler gegeben hat, kann es also endlich in der Timeline voran gehen. Und zwar 20 Jahre nachdem am Ende der Ursprungstrilogie die Welt von Nagumo zerstört wurde. In dieser postapokalyptischen Zukunft hat sich mit den Makemonos eine vierte Rasse gebildet und jemand Namens Cäsar auf den Ruinen Tokyos seine Herrschaft erbaut, die sich früher oder später die ganze Welt einverleiben soll (off course!), auch durch die Hilfe seines Untergebenen Faust, wie sich Münchhausen nun nennt, der versucht Kyo-Oh zu erwecken.

Das führt dazu, dass der Chojin frühzeitig geboren wird, um sich Kyo-Oh, auch das Böse des Ostens genannt, entgegenstellen zu können. Laufbursche Amano darf suchen gehen. Dummerweise wird allerdings auch Buju, eigentlich nur der Anführer einer raubenden und vergewaltigenden Makemono-Bande, als Böses des Ostens bezeichnet, was ihn ins Fadenkreuz Amanos und Cäsars bringt. Cäsar fängt Buju, dem aber von dessen geliebten Tochter Alector, die er wie einen Vogel im golden Käfig wegsperrt, zur Flucht verholfen wird im Austausch, dass er sie mit in die Außenwelt nimmt. Dort angekommen treibt Buju es mit ihr und sie beschließt, nun in ihn verliebt zu sein (Pfft, Jungfrauen). Außerdem finden sie das Baby Himi, niemand anderes als Kyo-Oh.

Cäsars Truppen finden sie, Münchhausen versucht Kyo-Oh sich Untertan zu machen, während Alector weg gesperrt und Buju getötet, jedoch von Kyo-Oh wiedererweckt wird, da sie ihn als ihren Beschützer auserkoren hat. Amano macht sich für eine weitere Auseinandersetzung mit Münchhausen bereit, Buju für seine mit Cäsar und die unterdrückten Makemono-Sklaven beginnen ihren Sturm auf Cäsars Palast. Ergo, an diesem Punkt scheinen alle Weichen für ein baldiges Finale gestellt zu sein. Allerdings ist gerade mal die zweite Episode zu Ende, also die Halbzeit der Serie erreicht.

Und was ebenfalls erreicht ist, ist der Wendepunkt der Reihe. Urotsukidoji ist gut. Urotsukidoji II zwar nicht, aber eben auch nicht schlecht, sondern der Serie lediglich nicht sonderlich treu und insgesamt recht mittelmäßig und wenig erinnerungswürdig, aber während des Schauens durchaus halbwegs Ok. Die erste Hälfte von Urotsukidoji III ist auch ganz gut, die zweite dafür umso weniger.

Da sich irgendwie alles in der zweiten Episode schon rasch auf ein Finale zu bewegt hat, allerdings noch zwei weitere Folgen gefüllt werden wollen, dreht sich die Serie einfach ein wenig im Kreis. Die zweite Hälfte ist voller Subplots und Erzählebenen, die zu nichts führen und der Gesamtsituation wenig beizutragen haben, dafür aber scheinbar ewig zur Beendigung brauchen und vor allem auch alle gleichzeitig passieren, wodurch wieder und wieder zwischen ihnen hin- und hergewechselt werden muss, was sie nur noch träger und länger erscheinen lässt. Der ganze Charakter des D-9 und sein Subplot sind ein Paradebeispiel dafür, da sie erst in der letzten Episode auftauchen, keinerlei Relevanz haben und scheinbar nur Spielzeit füllen sollen. Die Serie beginnt unter der Anzahl an unnötigem Material zu ersticken und wenn dann endlich das Finale kommt, ist’s auch nicht so prickelnd interessant. Von den cool inszenierten Monsterfights in den Vorgängern oder der Devilman-Reihe ist die hiesige Action zumindest weit entfernt.

Man mag fast den Anschein bekommen, das Team hinter der Serie wäre nach der 2. OVA komplett ausgewechselt worden und das neue habe keine Ahnung gehabt, wohin mit dem bisherig geschehenen. Und als wäre die Serie gleich auch noch auf 4 Folgen aufgestockt worden. Die beiden Hälften wollen einfach nicht so richtig zusammen passen.