Hellsing: The Dawn

ava-1697Kouta Hirano hat neben den 10 Hellsing Hauptbänden durchaus mehr Material zu seinem Magnum Opus gezeichnet. Beispielsweise ein paar Origin Stories zu darin integrierten Charakteren wie Pater Anderson, aber mit The Dawn auch die in der Haupthandlung mehrmals kurz referenzierten Einsatzaktion von Walter und Alucard vor 55 Jahren im Zweiten Weltkrieg.

Als kleines Schmankerl ist The Dawn dann auch in drei Bonusepisoden animiert und den letzten drei OVAs zu Hellsing Ultimate beigelegt worden. Klein ist das Schmankerl dabei tatsächlich, alle drei Episoden zusammen genommen bringen es nicht mal ganz auf eine halbe Stunde Spielzeit. Aber immer noch besser als Nichts, Japaner sind von ihren überteuerten DVDs ja gewohnt, nur eine Episode ohne jegliches Bonusmaterial zu bekommen, da sind so 7 Minuten an Bonusepisode regelrecht ein Luxus.

The Dawn hat dann Hellsing-Butler und Todesengel Walter als Kind mitten im Zweiten Weltkrieg über Deutschlang mit dem Sarg Alucards abspringend. Denn er will dem Major und Doktor einen Besuch abstatten, sind die doch mitten drin in ihrem Plan mit Ghoul-Horden einfach Europa zu überrennen, dank Mina Harkers Vampir-Mumie. Werwolf Captain darf sich Walter zum Kampf stellen, und ganz am Ende Alucard in seiner Gestalt als kleines Mädchen aus dem Sarg brechen. Credits und Aus.

Wenn man zu The Dawn eines sagen kann, dann das sich Hellsing treu bleibt. Großaufnahmen von Zähnen und Augen der Charaktere. Blutige Action. Cooles Posing. Und keine Geschichte. Wir finden nicht heraus, wo Doktor Minas Leichnam her hat, wie daraus Ghouls erschaffen werden. Der Major macht Walter ein Angebot die Seiten zu wechseln, tut jener aber nicht, wir finden also auch nicht heraus, warum er es letztendlich doch getan hat. Alucard taucht auf und damit ist die dritte Folge auch schon rum, wir erfahren nicht, warum er spezifisch jene Form gewählt hat. Stattdessen wird Zeit mit eingestreuten Slapstick verschwendet und die letzten 3 Minuten der 9 Minuten The Dawn III an einen Trailer für Drifters verschenkt.

Und damit ist The Dawn tatsächlich so ziemlich Hellsing Ultimate in a nutshell. Ich find die Serie echt cool, aber gleichzeitig auch enttäuschend. Was einen sauren Beigeschmack hinterlässt, ist das jegliche Fehlen einer nachvollziehbaren Handlung oder Charakterentwicklung. Hellsing Ultimate ist Chaos pur und jeder nur eine abgedrehte Figur, ein Bauer im irrsinnigen Blödsinns-Plot. Das ist doppelt Schade, weil Hellsing Ultimate ja durchaus die Zeit hätte mehr zu bieten. 10 OVAs von 45-70 Minuten sind ordentlich, dazu dann noch verschwendete Zeit an nicht komischen Slapstick und aussagelose, lang gezogene Gespräche zwischen den Fraktionen. Stattdessen mal ein wenig ausführlicher, oder für manche überhaupt mal, erklärt zu bekommen, warum die Charaktere tun was sie tun, und auf der Seite stehen auf der sie sind. Stattdessen vielleicht etwas mehr Handlung haben als „Irrsinnige Nazis und fanatische Katholiken wollen das protestantische England brennen sehen, also gibt es einen Vampir-All-Out-Brawl“.

Das Ding ist nur, wenn niemand redet, dann ist Hellsing Ultimate eben schon echt launig. Wenn es coole Kämpfe in hohem Tempo und mit reichlich Blut zu sehen gibt. Wenn die irrsinnigen Charaktere wirklich dem Chaos und Irrsinn frönen dürfen. Das fetzt schon ziemlich gut. Deswegen finde ich es immer noch passender, die letzte Folge 10 Minuten vor Schluss zu beenden, mit dem schön nihilistischen „Alle sind tot und nichts hatte Bedeutung“, passt besser, wo doch eh alle nur an Strängen hängende Marionetten im Abdriften in den Strudel von Wahnsinn und sinnloser Zerstörung sind. Aber eben, Hellsing ist nur dann wirklich von Interesse, wenn es dumme Haudrauf-Unterhaltung bietet, zu mehr ist die Serie nicht imstande. Ob das alleine einem natürlich Wert ist, Ein-Folgen-DVDs zum Vollpreis zu zahlen… sei dann jedem mal selbst überlassen. Ich zumindest hatte etwas mehr erwartet, von der ultimativen Vorlagen-getreuen Version Hellsings.

Und das ist wirklich mein Fazit dann auch: Hellsing Ultimate macht Laune und unterhält, wenn es blutiges Gekloppe liefert, wann immer dem nicht der Fall ist, ist die Sache weniger gut gelungen, macht gar den Anschein, als würde es nicht mal richtig versucht.

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Hellsing Ultimate IX&X

ava-1692Zwei Mal noch absteigen ins Chaos, dann ist Hellsing Ultimate rum. Die letzten beiden Folgen treten nun also an dazu, mir vielleicht doch noch ein besseres Gesamtbild für die Serie zu hinterlassen, die bisher coole Action geboten hat, aber dafür auch sonst absolut nichts.

Wir stehen bei OVA 9 nun als im zerstörten London, in dem der monsterfizierte Anderson gerade Alucard erschlagen hat. Oder auch nicht, aber das bringt uns zumindest die Gelegenheit, im üblich oberflächlichen Schnelldurchlauf auch Alucard ein wenig Hintergrundgeschichte zu geben. Zumindest haben wir einen schnellen Cut auf ihn als sexuell missbrauchten Jungen; auf den Gottesritter, der seine Armee in den Märtyrertod schickt; sowie ihn kurz vor der Enthauptung. Dann sind wir wieder im Hier und Jetzt, und Alucard regeneriert, besiegt Anderson, und darf dann um ihn Weinen das Weichei.

Doch das hält sich dankenswerterweise auch vergleichsweise kurz, genau wie Andersons dramatische Sterbensrede, denn Walter kommt endlich auch für unsere Hellsing-Charaktere wieder ins Bild, nun auf Seiten von Millennium, die ihn sexy vampirifiziert haben. Der Kampf gegen Alucard, auf den der Killerbutler seit einem halben Jahrhundert hofft, darf also stattfinden, während Integra und Seras vom Major in den Zeppelin eingeladen werden. Walter schafft es, trotz schwindender Kräfte, sogar Alucards Herz aufzuspießen, doch der hat ihn nur ausgetrickst und steht nun als kleines Mädchen vom noch weiter verjüngten Walter.

Ach ja, irgendwo dazwischen ist auch Yumie gestorben. Einer jener Charaktere der Serie, deren Charakterdesign „ich bin wichtig“ sagt, deren Namensnennung durch andere wichtige Charaktere „ich bin wichtig“ sagt, deren ominöses Abhängen im Hintergrund einiger Szenen immer „wartet nur darauf, bis ich wichtig werde, dann geht die Post ab“ sagt, die aber dann doch umgebracht wird, ohne wirklich was getan zu haben. C’est la vie, we hardly knew ye. Heinkel macht das immerhin sauer, wir werden sehen, ob er aber das gleiche Non-Charakter Schicksal erleidet, und in der nächsten OVA über den Haufen geschossen wird, ohne wichtig geworden zu sein.

Joa, ansonsten biete uns OVA 9 einen echt cool inszenierten Kampf zwischen Walter und Alucard, und ansonsten viel Gelaber. Meh.

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Die Moral von Hellsing Ultimate ist übrigens, dass unsterbliche Wesen alle schrecklich gern sterben können würden, aber auch wahnsinnige Kampffanatiker sind, die nicht ohne Auseinandersetzung untergehen können. Denn letztendlich hat die Letzte Bataillon dies hier ein halbes Jahrhundert lang angeleiert, damit sie endlich in Kriegsglorie sterben können, und deswegen war Alucard so geil drauf, als Anderson noch menschlich war und ihn beinahe besiegt hatte. Daran erinnert uns zumindest direkt OVA 10 im Finale wieder.

Seras darf also Captain endlich seinem gewollten Ende zuführen, der nun sein Werwolf-Gimmick im Kampf beweisen darf. Integra erreicht den Major, allerdings hat sich dessen langer Plan bereits ausgezahlt: Durch den großflächigen Krieg in London, die Spezialkämpfer, für die Alucard alle Siegel brechen musste, all diese Opfer waren geplant, damit Alucard nun das Blut, mit dem die Stadtruine tapeziert ist, im Ganzen trinkt, um neue Kräfte zu sammeln. Nur das auch die Leiche von Schroedinger darunter ist, dessen Gimmick Alucard zerstört.

Das ist der erste Sieg, den der Major je erlangt hat, da er ein notorischer Loser ist – oh und ein Roboter (whatever). Integra erschießt ihn dann auch. Derweil explodiert der Zeppelin, nimmt Walter und den Doktor (we hardly knew ye) und dessen Experiment-Grundlage Mina Harker (whatever) mit sich. Nur Integra und Seras können entkommen. 30 Jahre später liefern sie uns dann noch mal schwer erträglichen Slapstick und treffen Alucard wieder.

Ach ja, und dazwischen gibt es Plattitüden über Krieg, das Mensch sein, und Monster, weil Hellsing Ultimate zwischen dem Gekloppe gern vorgibt, Tiefe zu haben.

Kleiner Tipp von mir: OVA 10 vor dem „30 Jahre später“ Cut einfach ausstellen. Ergibt eine Episode, die Nihilismus pur ist, was super in eine Serie passt, die keine wirklichen Charaktere bietet, über die man Wesentliches herausfindet, oder für die man sich was schert, sondern die nur wahnsinnige Bauern in einem wahnsinnigen Plot sind, der die Bezeichnung „Handlung“ nur im entfernten Sinne verdient, die Serie stattdessen eigentlich nur aus Chaos und Blut besteht.

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Hellsing Ultimate VII&VIII

ava-1687Die siebte OVA, und letzte Folge unter Studio Madhouse, macht genau dort weiter, wo die sechste aufgehört hat: Hellsing Mansion ist immer noch unter Attacke der Ghoul-Nazis und Visionen erschaffenden Zorin Blitz. Das ist übrigens die komplette 45-Minuten-Episode, der Rest des Angriffes, jetzt wo die Truppen in die Villa hervordringen konnten.

Aber überraschend gibt uns OVA 7 auch ein wenig Backstory, nicht zu Zorin Blitz, die darf mit ihrem coolen Gimmick eine Show liefern, aber wie schon Rip van Winkle erfahren wir letztendlich nie, wie sie an jenes gekommen ist, oder warum sie überhaupt für Millennium kämpft. Nein, wir bekommen eine Einblick in die Kindheit von Pip und Seras. Der Vater von Seras war bereits Polizist, hat sich mit den falschen Leuten angelegt, weswegen ihre Eltern überfallen und ermordet wurden, vor den Augen der kleinen Seras, die erst Mal einem Angreifer eine Gabe ins Auge gerammt hat, sich dafür eine Kugel einfing. Die Sache mit dem Auge kann so sehr nicht geschmerzt haben, denn der Angreifer lässt sich noch die Zeit, die Leiche von Seras Mutter zu schänden. Daher kam der Wunsch Seras, die anschließend ein ziemliches Problemkind war, selbst Polizistin zu werden.

Pips Flashback wiederum hält sich überraschend kurz, auch er wurde als Kind gehänselt, weil sein Vater ein Mörder war. Sein Großvater meint dazu nur ganz pragmatisch, dass dies ja auch stimme, immerhin ist das Söldnertum seit acht Generation das Familienbusiness. Und das ist, warum Pip Söldner wurde, nehm ich mal an. Wie er anschließend Aufwuchs, seine ersten Einsätze, und die Befreundung seiner jetzigen Truppe delegiert Hellsing Ultimate mal wieder in eine Clip-Show zu den Credits, da die Serie mal wieder in ihren 45-60 Minuten Folge keine kompletten 5 Minuten frei machen kann, uns todgeweihte Charaktere so wirklich nahe zu bringen.

Nach jenen beiden Flashbacks sollte jedem ziemlich klar sein, wie der Rest der Folge sich gestalten sollte. Der Großteil von Pips Truppe an für uns anonymen Soldaten werden niedergemetzelt, Seras stark verwundet, und Pip segnet das Zeitliche. Das bringt Seras, die bisher an ihre Menschlichkeit fest hielt (eine Sache, die in der OVA tatsächlich vereinzelt aufkam) und kein Blut trank, dazu von Pip zu trinken, um endlich die vollen Kräfte, die ihr Alucard durch die Wandlung zum Vampir gab, zu entfesseln, und Zorin in Grund und Boden zu stampfen. All das vor einem ziemlich deplatzierten Song.

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Mit OVA 8 kommt nun ein weiterer Wechsel des Animationsstudios für die finalen drei Folgen, Graphinica ist nun an der Reihe und diesmal bringt es keinen großen Unterschied in der Qualität mit sich. Lediglich das CGI in der Folge ist etwas dürftig, war aber noch nie die Stärke der Serie, und fällt evtl. nur wegen des höheren Einsatzes nun stärker auf.

Wir kehren also zurück zum Hauptschauplatz, dem zerstörten London, in dem sich die Truppen des Letzten Bataillons und die Kreuzritter des Vaticans gegenüberstehen, beide Seiten Kleinholz aus der protestantischen Bevölkerung machend. Seras ist angekommen, um den Bodyguard für Integra zu geben, und auch Alucard erreicht endlich wieder den Schauplatz. Damit stehen sich die drei Truppen gegenüber, ein paar Hundert verbliebene Ghoul-Nazis von Millennium, mehrere Tausend Krieger des Vaticans, und 3 übrig gebliebene Hellsings. Doch da muss ziemlich bald noch mal nachgerechnet werden, denn Integra autorisiert den Bruch des letzten Siegels über Alucard, wodurch aus der vampirischen Masse an Augen und Reißzähnen eine Armee aller seiner Opfer bricht und ziemlich schnell sowohl den Truppen Millenniums wie dem Kreuzzug ein Ende bereitet.

Doch da fällt Pater Anderson, dem Maxwells Vorgehen eh gegen den Strich geht, etwas auf: Nachdem Alucard nun alle seine Dämonen auf die Welt freigelassen hat, ist er so verwundbar wie nie zuvor, denn von ihm selbst bleibt momentan nur der Ursprung als einzelner Vampir Dracula zurück. Auch der Major scheint zu meinen, dass alles nach Plan verläuft, auch wenn er gerade seine kompletten Truppen verloren hat. So wirklich gegen Alucard kommt Anderson allerdings nicht an, selbst unter Schützenhilfe der restlichen Iscariot. Zumindest bis er sich ein letztes Heiliges Artefakt, den Nagel Elenas, in die Brust treibt, und zum unsterblichen Monster Gottes wird, das Alucard ausschaltet.

Die achte Folge bringt uns etwas mehr Alucard, nicht nur kämpferisch, sondern wir sehen auch endlch mal seinen Ursprung als Graf Dracula, der nicht nur ziemlich sexy ist, sondern auch wesentlich weniger wahnsinnig rüber kommt. Dazu etablieren wir mal wieder, dass er sich tatsächlich was für Seras zu scheren scheint, Integra wirklich Respekt entgegenbringt, und auch seine Gegner respektiert, wenn sie ihm genug Stärke beweisen. Denn die Auseinandersetzung mit Anderson findet er herrlich, als jener den Nagel benutzen will, meint er sogar, Anderson solle nicht so ein Monster wie er selbst werden, sondern ihn als Menschen besiegen.

Und allgemein spielen die beiden Folgen hauptsächlich auf die Stärke von Hellsing an: Die Hölle auf Erden, dementes Chaos, und wahnsinnige Charaktere, die miteinander kämpfen und ein Blutbad verursachen. Hellsing Ultimate ist gut, wenn man das Gehirn gar nicht erst anknipsen muss, sondern sich komplett vom abgedreht blutigen Spektakel mitreißen lässt.

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Hellsing Ultimate V&VI

ava-1682Nun sind wir also bei OVA 5 angekommen, dem Punkt an dem die deutsche Version auf Grund des Bankrotts von OVA-Films stoppt, allerdings scheinen auch die Amerikaner ihre Lizenzprobleme gehabt zu haben, denn während OVA 4 dort noch 2008 erschien, musste auf die nächste Episode bis 2012 gewartet werden. Japan hingegen blieb recht gleich bestehend bei ein bis zwei Episoden pro Jahr, hatte aber auch eine Änderung zu bieten: Das Animationsstudio Satelight wurde gegen Madhouse ausgetauscht. Und das bringt immerhin schon mal nicht mehr so starke Schwankungen in der Animationsqualität mit sich.

Hellsing V scheint dabei erneut wieder Zeit schinden zu wollen, denn wirklich viel geschieht auf die Dreiviertelstunde genau genommen nicht, dafür wird viel unnötig breitgetreten. Die Anfangsminuten alleine sind eine Aneinanderreihung am unlustigsten Slapstick aller Zeiten, weil Alucard eine Traumsequenz durchlebt, damit man ihn die Folge überhaupt mal gesehen hat – denn er hängt ja noch abseits Londons auf dem Dampfer fest. Das nutzen die Nazis aus, um die englische Hauptstadt zu überfallen, auch wenn der Major seine Truppen warnt, dass Integra und Seras Victoria auch ohne dessen Hilfe nicht ohne sind (wobei Seras mal wieder die Arschlochkarte zieht und die Episode gar nicht auftaucht, statt brachial durchzuschlagen). Außerdem zählen sie jedes Bauwerk Londons der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf, und das sie es zerstören wollen. Ok Serie, wir wissen die wollen London brennen sehen, ein paar wenige Sehenswürdigkeiten aufzuzählen hätte das schon rüber gebracht, den kompletten Tourismus-Planer runter zu rasseln ist nur künstliche Spielzeitverlängerung.

Sobald dann ein Hakenkreuz in Londons Stadtbild gebombt wird und die Vampir-Nazis die halbe Bevölkerung abmetzeln wird es dann wieder interessanter. Zumal Walter und Integra auf ihrer Flucht gen Hellsing-HQ auch mal wieder ein wenig die Zähne zeigen dürfen. Am Schluss darf sogar Anderson mit seinen Iscariot auftauchen und zum Gegenschlag ausholen.

Ich hab wirklich keine Ahnung, warum Hellsing Ultimate so erpicht darauf ist, die Gesprächsszenen immer so künstlich in die Länge zu ziehen. Es wirkt wirklich zusehends wie Füllmaterial, um so eine Episode voll zu bekommen. Und das, obwohl ich immer noch nichts handfestes über irgendeinen der Charaktere in der Serie weiß. Ja von einem halben Dutzend, welches immer mal wieder an den Szenenrändern rumhängt, ist mir vom Charakterdesign her klar, dass die mal wichtig werden, aber gemacht haben die noch immer nichts. Und dann tauchen mit Andersons zwei Kollegen auch noch mehr auf. Hellsing hätte also eigentlich gar keinen Grund für künstliche Spielzeitverlängerung. Stattdessen hätten jene Charaktere längst mal anständig eingeführt werden, eine Backstory zu ihnen gezeigt werden, ihre Motivationen klargemacht, oder sie zumindest in cooler Action partizipieren lassen können. Stattdessen gehen die Nazis jedes Bauwerk Londons durch oder Anderson schwafelt Minuten lang durchgedrehten Dünnschiss, bevor er zum Gegenschlag ausholt.

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Hilft natürlich nicht sich in die Charaktere hineinversetzen zu können, wenn eh alle absolute Geisteskranke sind, und im Großteil der Szenen eh nur aus aufgerissenen Augen und Mündern bestehen. Case in Point der Anfang von Hellsing VI, der uns zugegeben sogar eine halbe Minuten Backstory zu Iscariot-Anführer Maximillian gibt: Als Bastard einer Hure hatte er immer einen Minderwertigkeitskomplex und das Streben nach Macht gehabt. Das hat er jetzt erreicht, immerhin nutzt der Vatican den Ausnahmezustand in England, um einen neuen Kreuzzug anzufangen, um all diese Häretiker-Protestanten aus dem Weg zu räumen, und Maximillian ist zum Erzbischof an dessen Kopf ernannt worden. Alles Pupillen und Zähne, kein Charakter.

Anschließend geht es für quasi den kompletten Rest der OVA zu einem einzelnen Setpiece: Hellsing Mansion. Seras Victoria und die Wild Geese müssen gegen Zorin Blitz und ihre Vampir-Nazis kämpfen. Seras mit brachialer Ballerei, unter taktischer Leitung von Pip, Zorin Blitz hingegen mit ihren Illusionen, durch die sie eines auf Titan macht.

OVA 6 hat mir dann gleich ein ganzes Stück besser gefallen. Wie erwähnt ist Hellsing vor allem in Action und Gemetzel gut, wann immer gesprochen wird kann man eigentlich beruhigt vor spulen bis wieder Kugeln und Körperteile fliegen. Und nachdem der dämlich-übertriebene Plot schnell sein tägliches Eines-Obendrauf in den Kreuzzügen bekommen hat, sind die restlichen 90% reinste Action. Dazu bekommt Maximillian wie gesagt notdürftig ein kurzes Flashback, Seras darf mal wieder auf die Wumme hauen, und selbst Pip hat einen Moment oder zwei geschenkt bekommen, statt nur am Bildesrand rumzueiern. Ach ja, und Zorin Blitz darf uns endlich ihr Kampf-Gimmick zeigen, nachdem die für die letzten 3 oder so OVAs immer mal wieder für 2 Sekunden ins Bild gehalten wird, ohne dann was tun zu dürfen. Von daher eine eigentlich ziemlich runde Episode.

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Hellsing Ultimate III&IV

ava-1677Zurück in Hellsing (Ultimate), und was geht denn diesmal so ab? Nachdem die Fußsoldaten der Hellsing Organisation von den Valentine-Brüdern in der letzten OVA so ziemlich alle kaputt gemacht wurden, sieht sich Integra dazu gezwungen Söldner in Sold zu stellen, vornehmlich die Wild Geese Truppe, die abgesehen von ihrem bezopften Anführer anschließend sofort wieder aus der OVA verschwindet.

Der nächste Cocktease ist ein Treffen mit dem Vatican-Vertreter, dem Oberhaupt der Iscariot, der die protestantische Integra mal wieder ein Schwein und eine Heidin nennt (letzteres Wort finde ich immer noch etwas merkwürdig eine Bezeichnung für eine Splittergruppe der selben Religion), und Vater Anderson für einen Kampf gegen Alucard herbei holt, was aber leider nicht geschieht, da sie von Seras Comic Relief aus der Stimmung gehauen werden. Stattdessen wird der Anführer plötzlich zutraulich und bestätigt Integras absoluten Schuss ins Tiefblaue der letzten Folge: Millennium sind die Nazis, die sich nach Südamerika verzogen haben.

Also werden Alucard, Seras und Wild Geese Oberhaupt Pip nach Südamerika geschickt, wo Pip ebenso nichts macht, dafür die beiden Vampire als Terroristen deklariert werden, was Brasilien allerdings nur ein gewaltiges Defizit an militärischen Truppen beschert. Alhambra, ein Millennium mit gefährlichen Kartentricks darf auch dran glauben und die restliche Millennium-Riege etwas Muhahah in ihre Schnauzer machen und wieder im Zepelin davon fliegen.

Das war wieder eine ziemlich unausgegorenen Folge. Nutzwert ist ehrlich gesagt eher gering was Informationen angeht: Es gibt die Bestätigung, dass Millennium Nazis sind; wir finden raus, dass sie die Unsterblichkeit wollen; und einen Krieg anzuzetteln hoffen. Das war es dann auch schon. Wenn Alucard die Truppen dahin schnetzelt und seinen ausgeprägten Sinn zur blutigen Theatralik beweist, ist das ziemlich cool, aber dahin muss man halt auch erst Mal kommen. Die erste Hälfte davor bietet das Treffen auf Wild Geese, welches kein Payoff hat, sowie jede Menge unpassend humorige SD-Einlagen und das ebenso sofort abgebrochen Vatican-Treffen. Alles wohl hier drin, weil es im Manga war, da bin ich mir sicher, aber vielleicht sollte man nicht jedes Einzelkapitel in die Adaption einfügen, sondern wissen wann was raus editiert werden kann, wenn es zu so einem holprigen Erzählfluss führt.

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Die vierte Folge nun zeigt uns, dass im Hellsing-Universum Katholiken Protestanten nicht nur für Heiden halten, sondern die Königin von England auch politische Macht inne hält. Denn sie trifft sich mit Iscariot und Hellsing, um mal klar zu machen, wie man gegen Millenniums Letzte Bataillon vorzugehen gedenkt. Die schicken aber schlichtweg ihren eigenen Comic Relief Shota, Schroedinger, vorbei, um eine Nachricht zu überbringen. Auf die Frage, was ihr Anführer überhaupt will, meint jener, er habe kein wirkliches Ziel, er mag nur Krieg und Chaos ganz gern. Außerdem besteht da wohl noch eine offene Rechnung mit Alucard, der mit Walter vor über 50 Jahren die Nazi-Experimente durchkreuzt hat, eine unsterbliche Armee zu erschaffen.

Millenniums Scharfschützin Rip van Winkle derweil übernimmt mal schnell ein Schiff der britischen Marine, weswegen Alucard dort vorbei geschickt wird, um aufzuräumen. Stattdessen macht der das Bötchen allerdings ziemlich dreckig und verteilt die Innereien der Crew großzügig über das Ding, beißt Rip van Winkle. Der Anführer der Letzten Bataillon hingegen findet das Klasse, ist doch alles nach seinem Plan gegangen – Alucard is abgelenkt und sie können mit ihren Zeppelinen, von denen das Hauptteil ernsthaft Deus Ex Machina genannt wurde, nach England fliegen, um einen Krieg zu beginnen.

Weiterhin ist ziemlich schmerzhaft merklich, dass Hellsing Ultimate hauptsächlich dann gut ist, wenn es coole Action und blutiges Gemetzel fährt. Wenn es seine abgedrehte Story in den Vordergrund rückt, Leute die nur Augen und Zähne sind miteinander diskutieren, dämliche SD-Einlagen einschiebt, und ständig Charaktere, die vom Design her wichtig erscheinen, in die Bilder wirft, ohne dass sie in der Folge wirklich schon was zu tun bekämen… dann ist die Serie eher schwach. Von daher sollte in dieser Folge wohl wieder eher die zweite Hälfte interessant sein, mit Alucards Kampf auf dem Dampfer, aber ehrlich gesagt war noch nicht mal der ganz so toll, weil der Supervampir einfach alles zu schnell in Grund und Boden stampft, ich hätte ehrlich gesagt auf eine längere Auseinandersetzung gehofft. Gerade Rip van Winkle macht nachdem sie so hochgehyped wurde, letztendlich gar nichts, sobald Alucard auftaucht. Was ein verheizter Charakter. Und die Hetzrede des Majors am Ende darüber, wie toll Krieg doch ist, und wie er jede Facette daran liebt, selbst wenn er unterliegt, geht auch 10 Minuten länger, als man richtig hinzuhören bereit ist.

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Hellsing Ultimate I&II

ava-1672Late to the party, sicherlich, zumindest wenn es um die Anfänge der OVA geht, hmm? Hat ja auch lang genug gedauert, bis das ganze Ding raus war. Die TV-Serie habe ich mal vor Ewigkeiten gesehen, fragt mich jetzt aber nicht nach Details, dafür bin ich zu alt und vergesslich. Allerdings sollte die OVA-Serie sowieso ziemlich bald anders verlaufen, da zu Zeiten der TV-Staffel ja gerade mal die ersten paar Bände des Manga raus waren, und man für ein eigen erdachtes Finale deswegen ziemlich schnell die Richtung ändern musste. Ist ja auch eine der Hauptgründe für die OVA gewesen, nämlich nahe am Manga bleiben und alle 10 Bände in 10 Folgen von 45-70 erzählen. Muss ich den Manga gar nicht lesen, eh? Dann wiederum bin ich natürlich schon alleine interessiert, weil ich in der Übersicht gesehen habe, dass die Kapitel alle Namen von Videospielen wie Elevator Action, Final Fantasy, D, Sorcerian oder Black Onyx tragen. Niedlich.

Aber egal, um die OVA-Serie soll es gehen, jeweils zwei Folgen mit ordentlich Spoiler pro Eintrag, nur so fyi für diejenigen, die nix verraten bekommen wollen.

Die erste Episode ist dann auch gleich mal hauptsächlich Einführung in Charaktere und die Welt. Wir haben einen Rückblick auf Integra als Teenager, die von ihrem Onkel gejagt wird. Denn ihr Vater, das Oberhaupt der Hellsing Organisation, ist gestorben, und der Onkel will übernehmen, wofür die Erbin allerdings eine Kugel im Kopf haben muss. Integra flieht zur Mumie eines Vampirs, Alucard, der von ihrem Blut wiederbelebt wird. Onkel tot und Integra kann Oberhaupt der protestantischen Hellsing werden, die in England Vampire jagen. Auf einer solchen Jagd wird auch das Schwadron von Polizistin Seras Victoria vernichtet, als Alucard den Obervampir allerdings einheizt, nimmt er Seras als Geisel. Das lässt sich ein Alucard nicht gefallen, und erschießt einfach alle beide, wandelt sie dann allerdings in einen Vampir. Hellsing nimmt sich ihr dann an, sie wird zum neuen Mitkämpfer.

Und… dann sind wir halb durch die Episode und die zweite Hälfte beginnt, was die erste OVA etwas wirken lässt, als wären zwei herkömmliche TV-Folgen zusammen gepappt worden. Jedenfalls hat der Vatikan mit den Iscariot ein eigenes Einsatzkommando, welches gegen Vampire vorgeht. Und da die protestantischen Hellsing momentan einen Einsatz im katholischen Nordirland haben, fühlt man sich auf den Schlips getreten und schickt deswegen Superpriester Alexander Anderson, der auch gleich Seras und Alucard aus dem Weg räumen will.

Die erste Episode von Hellsing Ultimate ist ein eher unglücklicher Start. Ähnlich wie bei Vampire Hunter D sehe ich wirklich keinen Grund dafür, uns direkt schon zu Beginn zu zeigen, wie unglaublich OP der Hauptcharakter doch ist. Wenn ein paar Tröpfchen Blut seine Mumie sofort Kampfbereit bekommen und selbst zerstückelt und geköpft zu werden ihm nichts ausmacht, dann sind die Kämpfe gleich weniger spannend, weil unserem Alucard sowieso nichts ernsthaftes passieren können wird. Und dann lässt Integra am Ende auch noch fallen, dass er früher mal „Graf …“ war, und ich bin sowieso weg. Welchen Nutzen hat es, dem Publikum das jetzt schon so offensichtlich zu machen?

Außerdem führt die Episode zwar in die Grundlagen ein, schmeißt aber dennoch mit viel Terminologie um sich, die nicht erklärt wird. Vampire sind mal „Ghouls“, mal „Draculs und Draculinas“, mal „Freaks“, mal „Nosferatus“ und dann wieder „Midian“ oder „No-Life King“. Ghouls sind wohl eher Zombies, die entstehen, wenn Vampire Nicht-Jungfrauen beißen. Freaks niedrig-rangige Vampire ohne besondere Kräfte? Und Midian welche, die noch an ihren Erschaffer gebunden sind? Wirklich direkt erklärt wird nur was Ghouls sind. Das Geschwafel im Vatikan war auch etwas seltsam, weil es fast so klingt, als würden die Macher denken, Katholiken und Protestanten glaubten an unterschiedliche Götter.

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In Episode 2 ist Integra mit ihrem Vorstand an Hellsing-Obrigen gerade damit beschäftig darüber zu reden, wie es wohl dazu kommen kann, dass in letzter Zeit mehr und mehr Vampire und vor allem Ghouls auftauchen, und sie auch nicht mehr den gewöhnlichen Regeln unterstehen zu sterben, wenn man ihren Obervampir erledigt hat, als das Hellsing Anwesen unter Angriff gerät. Die Valentine-Brüder und ihre kleine Armee an militärisch bewaffneten Ghouls führen eine Blitzattacke aus. Die Verteidigung von Hellsing ist dann auch ziemlich schnell erledigt, alles was noch zwischen dem Vorstandsraum und der kleinen Armee steht, sind Alucard, Seras, und Mörder-Butler Walter.

Am Ende finden sie dann nur heraus, dass die Brüder von einer Organisation mit dem Decknamen „Millennium“ geschickt wurden, was bei einem so generischen Namen natürlich zu keinen schnellen Ermittlungserfolgen führt. Doch Integra macht direkt eine enorme Gedanken-Assoziations-Akrobatik: Millennium bedeutet Tausend Jahre, und Hitler wollte ein tausendjähriges Reich erschaffen, also müssen doch mal eindeutig Nazis hinter den Vampirattacken stecken. I don’t even…

Na in der zweiten Episode geht dann immerhin endlich die Luzi ab. Wo die erste OVA bis auf eines kurzen Momentes im Kampf Alucard vs. Anderson eher etwas lahm blieb, wird hier fast nonstop gekämpft. Und das auch wesentlich weniger zimperlich, hier wird geblutet und fliegen die Körperteile rum, dass es schon wieder unfreiwillig komisch ist. Und vielleicht kann ich mich sogar mit einem viel zu OP Alucard anfreunden, wenn er demnächst öfter mal seine Siegel bricht und als schwarze Masse aus Augen und Zähnen seine Gegner niedermäht.

Was mir allerdings leider auch aufgefallen ist, ist das die OVA extrem billig aussieht. Zum Teil macht das die Stilisierung wieder wett, da man sich näher am Manga-Design hält gibts hier viel dicke Umrandungen, extreme Nahaufnahmen, aufgerissene Münder und Augen, und unnatürliche Proportionen – das geht alles als stilistisch passend durch (nur die SD-Einlagen sind echt merkwürdig deplatziert) und passt auch gut zu den vielen Standbildern und Halbanimationen… doch gerade was das sichtbare Absacken der Qualität außerhalb der Key Scenes angeht, fällt zwischendurch doch immer wieder unangenehm auf, wie wenig Budget man anscheinend hatte. Nicht umsonst sind die ersten paar Folgen in Japan für die BluRay noch mal überarbeitet worden. Auch hier sieht Episode 2 allerdings nicht mehr ganz so miserabel aus, wie Episode 1 dies noch tat, von daher ist auf weitere Besserung zu hoffen.

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