Hellraiser Judgment

Im Jahre 2011 habe ich mich durch die Hellraisers geschaut, inklusive dem damals frisch erschienenen Hellraiser Revelations. Das war der neunte Teil. Kaum einer, der nicht spezifisches Interesse bekundet, wird wohl gewusst haben, dass es so viele Teile gibt. Das liegt zum Teil an dem Vertrag, den Dimension Films zur Franchise hat. Die haben 1991 die Rechte bekommen, sind als seit Hellraiser III mit dabei, behalten die Verfilmungsrechte aber nur dann, wenn sie alle X Jahre einen neuen Film mit dem Titel herausbringen.

Das hat zunächst zu mehreren Direct-to-Video Sequels geführt, deren Scripts halt so unverfilmt rumlagen, und die hastig zu einem Hellraiser umgeschrieben wurden. Ein Reboot der Franchise bzw. zumindest Remake des Originals ist passenderweise seit 2006 in der Developement Hell gefangen. Hellraiser Revelations war tatsächlich nach dem vierten Teil der erste, der wirklich als Hellraiser konzipiert und nicht zu einem umgemodelt war. Gary Tunnicliffe sollte Regie führen, konnte letztendlich aber nur das Drehbuch beisteuern. Immerhin musste Revelations in wenigen Wochen abgedreht sein, um das rechtzeitige Release vorm Auslaufen der Rechte zu sichern. Erst als die erneut bevorstand kam Tunnicliffe zum Zug und wurde Regisseur des 2018 erschienenen zehnten Teil Hellraiser Judgment.

Dessen Drehbuch er schon Jahre vorher geschrieben hatte. Da Dimension mit Revelations allerdings ihre Schuldigkeit getan hatten und vorerst keine weiteren Sequels produzieren wollten, schrieb er den Hellraiser-Bezug raus, um es als eigenständigen Horrorfilm zu realisieren. Allerdings sprang kein Produktionsstudio auf, so dass er es dann doch wieder für den nächsten Hellraiser benutzen konnte. Die Geschichte hinter dem wie und warum die Franchise überhaupt noch existiert und weitere Filme ausspuckt, ist glaube ich interessanter, als der Plot eines jeglichen Sequels, seitdem sie die Kinosäle verlassen hat.

Neuerdings scheinen die Cenobiten die Leute nicht mehr durch die Puzzle-Box einzufangen, sondern nun werden Verbrecher zu einem einsamen Haus gelockt, wo der Auditor sich ihre Sünden anhört, niederschreibt und dann über sie gerichtet wird. Alles sehr wie in einem edgy Metal-Video, welches ein Faible für Silent Hill hat. Mit einem Kerl, der die Niederschrift ist, wieder herauswürgt, von barbrüstigen Frauen dann durchwühlt und für sündig befunden wird, woraufhin der Henker hereinkommt und ihn richtet.

Das letzte Opfer des Auditors war übrigens ein Kerl, der schnell zum Hauptverdächtigen einer aktuellen Mordreihe wird. Die beiden Detektive Carter investigieren jenen Mörder, der seine Opfer je eines der zehn Gebote brüchig befunden hat. Für mich sahen die ja wie das typische Gay Power Couple aus, mit dem kernigen Kerl in Lederjacke und dem gestriegelten im Anzug. Etwas später erklärte mir der Film allerdings, dass die beiden Brüder sind, was für die Handlung auch nicht unerheblich sein wird.

Sean Carter ist derjenige, welcher der Spur zum Haus des Auditors folgt und prompt von ihm in den Richtsprozess eingebunden wird. Doch etwas geht schief, es taucht sogar ein Engel auf, der Sean befreit sehen will, weil er Gottes Werk tut. Und noch bevor der Auditor richtig Rücksprache mit Pinhead gehalten hat, ist Sean mit einem der Würfel entschwunden.

Wie sich letztendlich herausstellt ist er der Serienkiller. Als er bei der Army war hat er sich ordentlich PTSD und ein Geschmack fürs Morden geholt und macht nun im Sinne der zehn Gebote weiter. Seine finalen Opfer sollen seine Ehefrau und sein Bruder werden, da die zusammen eine Affäre hatten. Und dafür will er den Würfel nutzen, um sein Leben bei den Cenobiten gegen das der beiden einzutauschen. Verhandeln lassen die bekanntlich aber nicht mit sich. Doch dann taucht der Engel wieder auf, es gibt einen verbalen Bitch Fight mit Pinhead, der den Engel schlicht dahinschnetzelt, und zur Strafe als Mensch in unserer Realität wiedergeboren wird.

Expanded Universe Hellraiser ist Blödsinn. Was für mich die Mythologie immer ausgemacht hat, ist, dass es da keine gibt. Es gibt keinen größeren mystischen Plan, keinen eindeutigen Grund, warum die Cenobiten tun, was sie tun. Es kann nicht mit ihnen verhandelt werden, ist der Würfel geöffnet, ist man Geschichte. Alles was mit ihnen zu tun hat, ist für Menschen unbegreiflich. Dementsprechend ist es sicherlich nicht verwunderlich, dass mir Judgments Herangehensweise nicht so gelegen hat. Seit wann schert sich Pinhead und seine Entourage darum, ob ihre Opfer Sünder sind oder nicht? Gab es dazu früher schon Hinweise und ich habe das nur wieder vergessen? Seit wann gibt es dort einen Gerichtsprozess? Seit wann chillt der einfach sein Leben in einem Hinterraum, während der Auditor das für ihn macht? Was soll der Mist mit dem Engel und das Pinhead wieder zum Menschen verbannt wird?

Ansonsten ist der Film ja schon kompetent. Er weiß sein niedriges Budget so einzusetzen, dass es nicht wirklich ins Auge fällt. Die Handlung ist zwar vorhersehbar aber ordentlich strukturiert und nachvollziehbar. Ob ich jetzt erneut eine „Cop der eigentlich ein Mörder ist“ Handlung gebraucht hätte, sei mal dahingestellt, aber die Hellraiser-Sequels hatten auch schon Dämlicheres zu bieten. Die Klasse der ersten beiden Filme hat er freilich nicht, aber soweit wie man das von den Direct-to-DVD Inkarnationen betrachtet ist Judgment davon definitiv ein guter.

Das ist selbstverständlich eher bescheidenes Lob. So richtig irgendeines dieser Sequels hätte es nicht gebraucht und auch Judgment reiht sich dann mit wenig Entusiasmus eher unter „halt noch einer“ ein. Schaubar ja, nötig aber nicht.

Hellraiser VIII & IX

Hellraisers nennen sich die Spieler des Online-RPGs Hellworld. In einer Gruppe Teens geht das Spiel natürlich zu weit und einer von ihnen bringt sich um, während die anderen sich Vorwürfe machen, ihn von seiner Obsession nicht befreit zu haben, als es noch ging. Sie hören auf, Hellword zu spielen, als sie später eine Einladung zu einer Hellworld-Party um die Ecke bekommen, gehn sie allerdings doch alle hin. Immerhin finden sie Hellworld immer noch cool und das Haus soll dem Spielzeugmacher gehört haben, der die Box erfunden hat. Nach ein bisschen partying finden sie sich plötzlich im Haus eingeschlossen wieder, niemand nimmt sie mehr wahr und die Cenobites töten sie der Reihe nach.

Hellworld will also auf den ganzen „Online-RPGs sind böse“-Zug aufspringen. Damit waren sie wohl 2005 schon etwas spät dran und wie so häufig bei solchen Plots in Filmen/Serien, scheint keiner eine wirkliche Ahnung von der Materie zu haben. Was man von Hellworld sieht kommt nämlich nicht sonderlich wie ein RPG rüber, auch wenn sie es so bezeichnen mögen. Letztendlich nutzt der Film diese Thematik noch nicht mal wirklich, sondern besteht zu 90% aus dem üblichen Plot, dass Teens in einem gruseligen Haus nach und nach gemeuchelt werden. Mit dem Spiel hat das letztendlich nichts mehr zu tun, nachdem sie dorthin gelockt werden.

Und eigentlich auch mit Hellraiser mal wieder nicht. Klar, man hat schon möglichst viele Anekdoten zu den vorigen Filmen rein gesteckt (auch wenn die Geschichte um den Spielzeugmacher hier nicht mit Bloodline überein stimmt), aber so richtig wie ein Hellraiser will das hier mal wieder nicht daher kommen. Auch sonstig ist es mal wieder ein eher unterdurchschnittlicher und langweiliger Slasher. Ein Twist-Ending gibt es sogar ebenfalls wieder, das in einem Film, wo man sich um was schert, vielleicht sogar ganz clever gewesen wäre. Zumal man nie wirklich diesen „ist das real oder nicht, was die Charaktere erleben“-Vibe während des Filmes hat.

Nach all den Direct-to-DVD Not-a-Hellraisers beschloss Dimension Films den ersten Teil zu remaken. Dummerweise rutschte das erst mal in Developement Hell, mit ständig abspringenden Leuten und verworfenen Scripts, weswegen sich dessen Release immer noch hinaus zögert. Allerdings muss Dimension alle X Jahre einen Hellraiser machen (oder zumindest einen Not-a-Hellraiser, der es nur im Namen ist), um die Rechte an der Franchise nicht zu verlieren. Und da Hellworld 2005 erschienen ist und das Remake immer noch auf sich warten lies, haben sie 2011 in wenigen Wochen schnell Revelations zusammen geklöppelt.

Zwei Jungs sind ihr behütetes Vorstadt-Leben der amerikanischen, weißen Mittelschicht satt und begeben sich auf einen Tripp nach Mexiko (sie leben btw in einer Vorstadt von Los Angeles, wo man meinen sollte, genug unbehütetes Abenteuer erleben zu können). Genauso ein Dreckloch wie Rumänien in Deader, geraten sie dort natürlich schnell in Schwierigkeiten und an die Puzzelbox. Einer der beiden schließt sich den Cenobites an, kommt dann nach dem Mord einer Prostituierten als Körperwelt zurück und der zurückgebliebene Freund darf nun also anfangen, für ihn Leute zu töten, damit er wieder menschlicher aussieht.

All dies erfahren wir erst nach und nach in „Lost Footage“-Art. Nachdem die beiden Jungs verschwunden sind, treffen sich nämlich die Eltern beider, die zudem ein Videotape, das die beiden machten, haben und durch Flashbacks bekommen wir nach und nach den Mexiko-Tripp aufgerollt. Bis dann einer der Jungs plötzlich wieder zu Hause auftaucht und die Scheiße richtig zu dampfen beginnt.

Hellraiser: Generic Subtitle hat ordentlich Negativkritik eingesteckt. Das er so schnell und nur aus dem Grund der Rechte-Verlängerung zusammen geschmissen wurde, ist natürlich nicht ermutigend und Clive Barker meinte mal was a la „If they claim its from the mind of Clive Barker, it’s a lie. It’s not even from my butt-hole.“ Aber ganz so schlecht kann ich Revelations einfach nicht finden. Vielleicht einfach nur, weil es ausnahmsweise mal kein Not-a-Hellraiser ist, sondern von Anfang an als einer konzipiert war und endlich wieder Dinge aus den alten Teilen, wie die Rückkehr aus der Cenobites-Dimension und die Thematik von heimlichen sexuellen Gelüsten und physischer Extrem-Tortur, aufgreift.

Er hat natürlich dennoch enorme Probleme, weil er so schnell hin gerotzt wurde. Doug Bradley spielt zum ersten Mal Seit über 20 Jahren nicht den Pinhead und der neue Schauspieler sieht in dem Kostüm einfach nur seltsam aus. Zumal er im Film nicht viel zu tun scheint, dennoch ständig ins Bild gehalten wird. Die Handlung ist unnötig verkompliziet und fragmentiert erzählt und man wird das Gefühl nicht los, zwischendrin auch immer mal wieder eine Szene verpasst zu haben. Die ganze Struktur des Filmes ist einfach seltsam, auch für einen langsam in Flashbacks die Geschichte aufrollenden.

Aber er ist nicht ganz unspannend und etwas Blut kommt in diesem Horrorfilm auch mal wieder vor, genau genommen ist er ziemlich obsessiv im Umgang mit den üblichen Hellraiser-Kram von Ketten, Haken und Menschen zu häuten. Es ist ein durchschnittlicher Horrorfilm, etwas arg standard und etwas arg unlogisch, aber es gibt schlimmeres und vor allem langweiligeres, gerade in den Hellraiser-Sequels.

Hellraiser VII

2005 sind gleich zwei Hellraisers erschienen, den Anfang davon macht Deader. Ungh… den Untertitel zu lesen tut jedes Mal ein bisschen weh. Aber immerhin versucht Hellraiser 7 nicht, uns das als ein echtes Wort zu verkaufen, nein es ist der Name einer Gruppe von prätentiösen Emo-Kids im Film, die sich die „Deader“ nennen und von daher passt es ja wieder eigentlich, dass es so ein saudämliches existiert-nicht-wirklich Wort ist (wer weiß, hinterher gibt es in Infinite Undiscovery sogar auch eine Organisation mit Namen „Undiscovery“ voller pseudo-philosophischen Dünschiss plappernden Pretty Boys a la Orga XIII und ich hab mich umsonst immer über den Titel lustig gemacht).

Amy ist Reporterin beim Londoner Underground Newspaper, nachdem sie zu unkonventionell (sie läuft immerhin rum wie ein Proto-Hipster) ist, um von der New York Times nicht gefeuert zu werden. Ihr Chef zeigt ihr ein Video, in dem die Deader eines ihrer Mitglieder umbringen, nur damit jenes wieder zum Leben erwacht und setzt sie auf die Story an. In Bukarest angekommen investigiert sie die Gruppe und gelangt so an den Würfel, den sie löst. Das ist in dem Film hier was Besonderes, auch wenn ich nicht weiß, warum. Sicher, ich würde nicht so wie jeder Hellraiser-Protagonist sofort, sobald ich den in der Hand halte, anfangen, ominös an der einen Stelle im Uhrzeigersinn zu rubbeln, aber so wirklich viel dran an dem Würfel ist doch nun mal wirklich nicht. Ein bissarl mit dem Daumen den Staub abgewischt und schon macht es sein Ding… was ja bekanntlich auch nicht viel ist, außer sich kurz aus und dann wieder zu zu klappen. Für das, für was er bestimmt ist (Tor zu Hölle öffnen und so), ist es nun Mal ein verdammt unspektakuläres Ding. Deswegen mag ich auch den Satz zu Beginn von Hellraiser: Bloodline so, wenn der Spielzeugmacher das Teil seiner Frau vorführt, die von ihm schon ewig auf dessen Fertigstellung gehyped wurde und die nette Vorführung ihr nur ein schwaches „Oh, er macht also… nichts“ entlockt :D

Anyways, stellt sich raus, der Anführer der Deader ist ein Nachfahre jenes Spielzeugmachers und will Unsterblichkeit erlangen, weswegen er jene Rituale vollzieht. Aber irgendwie braucht er auch den Würfel dafür, kann ihn aber nicht öffnen, das kann nur Amy als die Auserwählte. Und die hat ihn eigentlich ja schon längst geöffnet, aber sie muss es dann am Ende noch mal machen, weil sie jetzt mit ihren Erinnerungen im Reinen ist, als ihr Vater sie als kleines Mädchen sexuell missbraucht und sie ihn dafür abgestochen hat, und dann tauchen die Cenobiten auf und bringen alle um, aber Amy nicht, aber sie verschwindet, oder wie auch immer.

Not-an-actual-Word ist vorrangig mal gar kein Hellraiser. Genau genommen sind das die Direct-to-DVD-Sequels fast alle nicht, sondern als eigenständige Scripts gestartet, die dann in einen Hellraiser umgeschrieben wurden. Bei Inferno gab man sich noch Mühe, das Ding glaubwürdig zu machen, bei Hellseeker schon nicht so. Not-an-acutal-Word ist bisher derjenige Film, mit dem wenigsten Zusammenhang, auch wenn der Storyabriss das vermuten lassen würde. Hier bekommt man richtig das Gefühl, der ganze Film wäre schon als Deader gedreht worden und anschließend hat man halt noch mal zwei oder drei Szenen mit Pinhead und dem Würfel nachgedreht, deren Fehlen dem Film nichts nehmen würde, und das Finale noch mal neu mit ihm inkludiert gedreht, um daraus einen Hellraiser zu machen.

Auf sich allein gestellt ist allerdings Not-a-Hellraiser: Not-an-actual-Word auch nicht pralle. Die Anzahl an Suspension of Disbelief, die man der ganzen Angelegenheit entgegenbringen muss, ist beispielsweise selbst für einen Horrorfilm enorm. Das alle Rumänen perfektes Englisch nur mit leichtem Akzent reden, ist on par for the course. Aber würde eine halbwegs seriöse Zeitung wirklich auf solch ein seltsames Videoband anspringen? Und Amy ist mal die schlechteste Reporterin in der Existenz ihrer Berufung. Einfach alles schockiert und erschreckt sie, trotz ihr tough girl Auftreten und der Tatsache das ihr letzter Artikel ein Erfahrungsbericht mit dem Titel „My life as a crack whore“ war, sie also nicht unbedingt gewohnt ist, nur von der Einweihung von Gartenfesten zu berichten. Was hat das ganze Kindheitstrauma eigentlich mit irgendwas zu tun, außer das wir dadurch die anscheinend für die Direct-to-DVD-Sequels obligatorische psychische Komponente einbringen? Auf die Handlung hat es sicherlich keine Auswirkung, auf das Handeln von Amy auch nicht sonderlich.

Zudem sieht der Film billig aus, die Cenobites könnten genausogut gar nicht vorkommen, Schauwerte und Blut gibt es kaum, die Logik hapert, die Handlung ist langweilig, fragmentiert und besteht hauptsächlich daraus, dass wir Amy beim mehr oder minder Kopflosen stolpern durch Bukarest beobachten. Was ein in seiner Gesamtheit überaus lahmer Film dies doch ist.

Hellraiser V & VI

In 2000, weitere 4 Jahre Abstand zum vorigen Eintrag nehmend, trat Hellraiser: Inferno eine weitere Reihe an Sequels los, alles diesmal Direct-to-DVD Produktionen, über die ja so einige mal bekannte Serien langsam ausgeblutet sind (Species, God’s Army, Kevin allein zu Haus, jede 2. Horrorfilm-Serie ever).

Joseph ist Polizist mit Frau und Kind und scheint eine natürliche Begabung für mathematische Probleme und Puzzellösungen zu haben. Außerdem ist er korrupt, nimmt Drogen und hurt sich durchs Rotlichtviertel. Eine Reihe an Ritualmorden weckt seine Aufmerksamkeit, über die er an den Würfel gerät und deren Lösung ihn immer obessiver macht. Hinter alldem soll der „Engineer“ stecken, der anfängt Joseph von sich aus zu jagen, was die Anzahl an um ihn auftauchenden Leichen stark vergrößert. Es wird für Joseph zunehmend schwerer die seltsamen Eskapaden, in denen er sich befindet, anderen erklären zu wollen, die ihn als einziges Bindeglied zwischen den Mordopfern zunehmend verdächtigen.

Inferno hat einen echt unsympathischen Hauptcharakter und zeigt uns auch gleich zu Beginn, dass wir ihn nicht leiden sollen. Das bringt uns natürlich direkt auf die Spur, dass dahinter was steckt und er ganz Silent-Hill-esque wohl doch mehr Leichen im Keller hat, als nur ein korrupter Bulle zu sein. Dazu das Jocob’s-Ladder-esque Verwirrspiel darum, was echt ist und was er vielleicht doch nur haluziniert und ziemlich schnell kann man sich denken, worum es hier geht. Und leider wird man da auch komplett recht mit haben. Hellraiser: Inferno baut komplett darauf auf, extrem plottwisty und verwirrend zu sein, was leider nicht so gut funktioniert, wenn man sich all diese Wendungen schon Meilen im Voraus denken kann. Die ganze „nun büst du für deine Sünden“-Ansprache von Pinhead ist auch seltsam, seit wann geht es in Hellraiser denn darum? Du nutzt den Würfel, die Hölle geht auf und die Cenobites foltern dich, mit Schuld oder Unschuld hat das bisher nix zu tun gehabt.

Dennoch ist es ein kompetent gemachter, voller Schauwerte steckender Film, der auch nicht Direct-to-DVD-billig ausschaut. Zumal er wieder etwas mit dem Schmerz/Lust-Zusammenhang spielt und der Tatsache, dass die Cenobites einen eben nicht nur die Haut vom Körper reißen, sondern auch psychisch foltern können, Dinge die in den Vorgängern eher nur im Vorbeigehen angesprochen wurden. Das machts dann insgesamt doch zu einem ganz brauchbaren Streifen, Vorhersehbarkeit hin oder her.

Trevor hatte vor kurzem einen Autounfall, bei dem seine Frau Kirsty starb. Allerdings hat er Amnesie und ihre Leiche wurde nie gefunden, weswegen die Ermittlungen immer noch laufen. Außerdem beginnen sich die Leute um ihn herum sich zunehmend seltsam zu verhalten, von Frauen die sich ihm entgegen werfen, dem seltsam verschwörerischen Arbeitskollegen und dem Auftauchen der Cenobites, oder auch nicht. Denn Trevor darf immer mehr daran zweifeln, wie viel wirklich real ist und ob er nicht doch in den Wahnsinn abgleitet.

Hellseeker ist Inferno in Grün. Nein ehrlich, es ist ein weiterer plottwisty Streifen über einen Kerl, der mehr und mehr in immer verrücktere Begebenheiten rutscht, nie wissend, ob sie auch real sind und am Ende herausfindet, dass er nicht die Unschuld vom Lande ist, für die er sich hielt. Nur das Hellseeker noch viel mehr Jocob’s Ladder sein will, als sein Vorgänger. Und ehrlich gesagt ist er im Gegensatz zu jenem relativ langweilig, obwohl ich diesmal die große Endwendung nicht habe kommen sehen, da ich zu sehr darauf gebaut habe, dass er auch hier einfach Inferno wiederholt.

Der Film ist einfach nicht sonderlich interssant umgesetzt, hat eine langweiligen Lead Character, ist mehr um halbnackte Haut denn Blut besorgt und wirkt letztendlich nicht mal wie ein Hellraiser, trotz Würfel, Pinhead und sogar Kirsty. Man wird das Gefühl nicht los, dass es als eigenständiger Film geplant war und dann einfach ein paar Szenen leicht umgeschrieben wurden, um es zu einem Sequel zu machen. Sonderlich viel Hellraiser ist das hier zumindest nicht, sonderlich gut auch so oder so nicht.

Hellraiser III & IV

Reporterin Joey bekommt nur beschissene Jobs. Als sie in einem Krankenhaus ein Opfer des Würfels entdeckt, wittert sie eine tolle Story, die sie endlich berühmt machen wird und beginnt zu investigieren. Stellt sich heraus, dass ein Clubbesitzer die Steinnadel gekauft hat, in der Pinhead nun eingeschlossen ist (auch wenn jene nun komplett anders aussieht, als in der WTF-Endsezene von Hellbound). Pinhead ist nun gespalten, in seine menschliche Seite, die über Joeys Träume von ihrem in Vietnam gefallenen Vater mit ihr in Kontakt tritt, und die nun Seelenlose Version von Pinhead in jenem Monolithen, der ein paar Leute sich einverleibt und so in die reale Welt eintritt, um… Chaos zu verbreiten?

Hellraiser III: Hell on Earth ist stilistisch ganz anders, als die Vorgänger. Der Grund könnte sein, dass die beiden Vorgänger direkt nacheinander in Großbritannien gedreht wurden, während der 4 Jahre später erschienene Teil 3 nun eine reine US-Produktion ist. Jedenfalls fehlt ihm viel. Atmosphäre und die coolen Designs der Vorgänger beispielsweise. Die Handlung macht auch absolut keinen Sinn. Warum ist Pinhead wieder zurück? Warum gespalten? Warum will er plötzlich in die reale Welt eingehen? Was haben die Träume vom Vater mit irgendwas zu tun? Oben drauf kommen Gore-Szenen, die eher komisch denn gruselig sind, ein saudämliches Design für die neuen Cenobiten und das bisher schlechteste Schauspiel der Reihe (und das, wo die schauspielerische Leistung der Vorgänger schon mau war). Nein, sonderlich viel Gefallen konnte ich am dritten Eintrag in die Reihe wirklich nicht finden.

Weitere vier Jahre später kam Hellraiser: Bloodline und mit ihm auch einige Lasts. Der letzte Film, mit dem Clive Barker in Berührung kam, der letzte Kinofilm vor den Direct-to-DVD-Releases. Auch der letzte, den ich damals gesehen habe. Dass die Opening Credits als Regisseur Alan Smithee angeben (a.k.a das Pseudonym, wenn der wahre Regisseur nicht mit dem Ergebnis in Verbindung gebracht werden will), ist zumindest schon mal kein hoffnungsvoller Anfang.

Der Film beginnt in der Zukunft, auf einer Raumstation, auf der Paul Merchant gerade mit dem Würfel die Cenobiten beschwört, als das Militär ihn stellt. Unter dessen Befragung erzählt er seine Familiengeschichte, beginnend mit einem Ahnen im Frankreich des 17. Jahrhunderts, einem Spielzeugmacher, der für einen exzentrischen Marquis den ersten Würfel baute. Der ihn nutzte, um einen Dämonen zu beschwören, woraufhin der Spielzeugmacher Pläne entwarf, wie sie gebannt werden können. Ein Nachfahre, Architekt der Moderne, nutzt jene Pläne beim Bau seiner Wolkenkratzer, als die Cenobiten ihn dazu nutzen wollen, mit einem größeren Würfel das Tor zwischen den Dimensionen endgültig zu öffnen. Gelungen ist es ihnen nicht und nun will Paul die Raumstation dazu nutzen Pinhead und Co. ein für alle Mal aufzuhalten, da die Technologie der Zukunft endlich die Realisierung der Pläne des Spielzeugmachers erlaubt.

Bloodline hat mir wieder besser gefallen, als die Pleite Hell on Earth. Der spezielle Vibe der ersten beiden Filme ist zwar nicht zurück gekehrt, er wirkt noch immer in der Machart etwas Standard, aber er unterhält gut genug. Die hiesigen Cenobiten sind wieder besser designt, die Handlung ist schlüssiger und gibt uns Einblicke in die Origins-Story des Würfels, wenn auch immer noch am Ende des Tages vieles nicht geklärt ist. Rundum solide, so würde ich Bloodline beschreiben. Als Abschlusskapitel der Franchise durchaus brauchbar. Wenn er es auf längere Zeit dann auch doch nicht war, ist doch sehr offensichtlich, dass er als solches geplant war.

Hellbound

Kirsty ist in einer Irrenanstalt, da man ihr nicht wirklich ihre Geschichte von den Dämonen glaubt, die für die Leichen im Haus ihres Vaters verantwortlich sind. Leiter Dr. Channard, der wie alle solche Doktoren in Horrorfilmen alles andere als koscher ist, hat übrigens zu Hause einen Raum voller Cenobite-Artefakte. Er lässt sich die Matratze, auf der Julia gestorben ist, bringen, um sie wie Frank ganz Körperwelten-esque wieder auferstehen zu lassen.

Dessen Assistent bekommt all dies mit und befreit Kirsty, damit sie was dagegen tun können. Sie entdecken den Artefakt-Raum und die Leichen für Julia auf dem Dachboden (Warum räumen Leute in Hellraiser jene eigentlich nie weg? Das muss doch das ganze Haus voll stinken). Sind sowieso schon zu spät dran, denn Channard bringt Tiffany, eine seiner Patientinnen, die katatonisch in der Gegend rum sitzt und Puzzle löst, nach Hause, damit sie den Würfel nutzt, um die Cenobiten zu rufen.

Die kommen auch und scheinen an Tiffany nicht sonderlich interessiert (Pinhead sagt auch was von „It is not hands that summon us, but desire“ oder so ähnlich, sprich sie sind hinter Onkel Doc her, nicht seinem mental benachteiligten Werkzeug). Der ist allerdings schon mit Julia in der Cenobite-Dimension auf Sigthseeing, nur um von Julia verraten zu werden. Kirsty und Tiffany stapfen auch ein wenig durch die Gegend, werden Julia los und geben Pinhead ein Bild von ihm, als er noch ein Mensch war, um wieder frei gelassen zu werden. Dummerweise werden die vier Cenobiten vom neuen, verbesserten Channard umgebracht, der nun die Show leiten will.

Hellbound: Hellraiser II scheint im Gegensatz zum ersten Film nicht so gut angekommen zu sein. Zwecks Effekte über Handlung und schlecht nachvollziehbar. Mal ehrlich, das hat man im Vorgänger doch auch kommen sehen. Und ganz so schwer nachvollziehbar find ich die Angelegenheit eh nicht, ähnlich wie im Vorgänger steckt darunter letztendlich wieder eine recht simple Standard-Horrorfilm-Handlung: Größenwahnsinniger Psycho-Doktor findet über die Existenz von einer Qual-Dimmension heraus und will dort zum neuen Obermacker werden. Über die Dimension an sich und die Cenobiten erfährt man halt nix, oder kaum was. Wir bekommen gesagt, dass der über allem schwebende Monolith Leviathan der Gott des Höllenlabyrinths ist und das die Cenobiten mal echte Menschen waren. Mehr dann auch nicht. Aber ich denk das soll so halt auch einfach sein. Eben ähnlich den Lovecraftian Horrors sind sie einfach, ohne logische Erklärungen dahinter. Das macht sie vielleicht nur um so effektiver, dass man sich deren Existenz nicht erklären kann.

Also ich seh ehrlich gesagt keinen großen Unterschied zwischen den Filmen, Hellbound ist im Prinzip mehr vom Gleichen im Großen und Ganzen betrachtet, selbst inklusive einer WTF-Szene ganz am Ende, wenn sich eigentlich alles gerade schön aufgelöst zu haben schien.

Hellraiser

Ah, Clive Barker’s Hellraiser, Regie Clive Barker, Drehbuch Clive Barker, basierend auf einem Roman von Clive Barker ;P Das waren noch Zeiten, da werd ich richtig nostalgisch. Wie so viele Horrorfilme, habe ich den als kleiner Teeniepimpf gesehen, als ich Gore gegenüber noch herrlich unempfindlich und nicht so verweichlicht wie jetzt war. Und wie so häufig ging die Serie auch weiter, nachdem ich darauf überhaupt kein Auge mehr hatte. Ich glaub ich hab damals die ersten drei oder vier Filme gesehen gehabt. Gibt mittlerweile 9, der neuste davon sogar ein diesjähriges Release.

Mir kam’s mal so, die alle schauen zu wollen, mal sehen, ob ich es auch durchhalte. Was Gore angeht bin ich da nämlich wie erwähnt mittlerweile empfindlicher, wobei es auch auf die Art ankommt. Übertrieben unrealistisches Zeug wie in den Evil Deads oder Living Deads macht mir überhaupt nix, realistischere Foltermethoden, Nägel/Nadeln, an den Augen rum machen und Knochen brechen, dat kann ich nicht so. Von daher ist Hellraisers Liebe für die „Haken in die Haut und dann mal kräftig dran ziehen“-Sache eher nicht mehr so mein Fall.

Erinnern konnt ich mich mal wieder sowieso an nix mehr aus den Filmen, abgesehen von dem Würfel und Pinhead. War dann auch ganz überrascht, dass der Erstling ein typischer Fall von Style over Substance ist. Was ja nicht immer stört und gerade Horrorfilme sind sowieso häufig nicht für die stärkste Handlung bekannt, wenn man nicht gerade ein Jacob’s Ladder erwischt.

Herumtreiber Frank findet auf einer seiner Reisen besagten Würfel. Wieder zu Hause spielt er dran rum, wird in Einzelteile gerissen und von den Cenobites (Pinhead und Co.) eingesammelt. Kurz darauf zieht sein Bruder Larry mit dessen neuer Frau Julia (die eine Affäre mit Frank hatte) in das Haus. Larry zieht sich eine ziemliche Wunde zu, tropft den Boden des Dachbodens voll, wo Frank gestorben ist, der dadurch irgendwie wieder in diese Dimension zurück kehrt, als Skelett. Er kann Julia dazu überreden, Männer zu verführen und zu ihm zu bringen, um langsam seinen normalen Körper zurück zu bekommen.

Kirsty, die Tochter von Larry und dessen ersten Frau, stößt auf Frank, nimmt den Würfel mit und beschwört ebenfalls die Cenobites. Um nicht mit in ihre Schmerzdimmension genommen zu werden, schlägt sie den Handel vor, sie zum entflohenen Frank zu führen. Der trägt mittlerweile die Haut ihres Vaters, wird eingefangen, doch haben die Cenobites nie wirklich versprochen, Kirsty in Ruhe zu lassen, die sie aber dann doch schnell noch bannen kann. Zuletzt taucht dann auch noch so ein Obachloser auf, der immer mal wieder ominös Nichtstuend im Bild war, verwandelt sich in einen Skelettdrachen und fliegt mit dem Würfel weg. Huh.

Ja, wie gesagt, Hellrasier will lieber cool Aussehen, denn wirklich eine epische Geschichte erzählen… oder stellenweise überhaupt Sinn machen. Denn alles um die Cenobites und den Würfel wird eigentlich nie erklärt. Ihre Designs sind halt ganz cool und wenn man den Würfel nutzt tauchen sie auf, um einen in ihre Dimension zu nehmen, um Schmerz/Lust zu verbreiten. Wobei für mich diese Foltersachen dann doch eher schmerzhaft aussehen, und weniger mit Sadomasochismus zu tun haben. Der Höhepunkt ist dann diese random Szene mit dem Obachlosen am Schluss.

Doch die meiste Zeit ist die einfach gestrickte Handlung immerhin nachvollziehbar und wir sind von Horrorfilmen ja nun auch gewohnt, manche Sachen eben einfach hinzunehmen. Wo Hellraiser dann auch auftrumpft ist viel wichtiger: Atmosphäre und Design. Blutende Wände, merkwürdige Träume/Visionen von Kirsty, das Cenobite-Design a la Silent Hill… toll aussehen tut der Film. Und ist gar nicht mal sonderlich brutal, verglichen mit modernen Gore-Festen, sodern setzt das wesentlich akzentuierter ein, wodurch es eben auch nicht abgestanden ist, wenn es denn dann rund geht.

Doch, von daher, hat mir eigentlich schon gefallen, ist zurecht ein Klassiker. Eben zurück lehnen und die visuelle Fahrt genießen. Mal sehen, ob ich mich jetzt wirklich noch an die Nachfolger traue, nachdem der Erstling die Erinnerung geweckt hat, dass hier eigentlich mein No-Go-Gore aufgetrumpft wird :D