The Wind Rises

ava-1735Wie der Wind sich hebt ist ein ganz besonderer Film, denn er ist das letzte Werk von Hayao Miyazaki. Zwar sagt der bereits seit 15 Jahren, dass er in Rente gehen will, und macht dann doch immer wieder einen weiteren Film, doch da Studio Ghibli nach dem diesen Sommer erschienenen When Marnie Was There auf unbestimmte Zeit eine Pause von der Filmproduktion macht, und Miyazaki nun auch schon über 70 ist, wird dies diesmal wohl ernstzunehmen sein.

Wofür hat Miyazaki bekanntlich ein Faible? Schweine und Flugzeuge. Und zumindest einem der beiden widmet er sich in seinem Abschiedsfilm. Wobei er überraschend davon überredet werden musste, seinen Manga zu verfilmen, statt mit Ponyo 2 auszuklingen, da Miyazaki dachte die Thematik von Wie der Wind sich hebt interessiere das Ghibli-Zielpublikum, nämlich Kinder, nicht.

Damit mag er vielleicht grundsätzlich nicht ganz Unrecht gehabt haben. Aber worum geht es genau? Wie der Wind sich hebt ist eine fiktive Biographie des existenten Flugzeugbauers zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges, Jiro Horikoshi, der den Teil dessen Privatlebens frei erfindet, und statt der Realität lieber aus einem Buch über eine Tuberkulose-Patientin nimmt. Für Kinder, die sich nicht für Flugzeuge oder das Ingenieurswesen begeistern können, ist im doch relativ bodenständigen und vor allem in der ersten Hälfte leicht trockenen Film vielleicht nicht so viel Unterhaltungswert zu ziehen, ein paar launig visualisierte Träume um Jiros Traumflugzeuge und Treffen mit anderen, legendären Flugzeugbauern vielleicht mal abgesehen.

Ich muss sagen mir persönlich war die erste Stunde des Filmes auch etwas zu lang. Sobald das Mädel, welches er beim Großen Kanto-Beben gerettet hat, Jahre später wieder in sein Leben tritt, und die tragisch endende Romanze zwischen den beiden beginnt, war ich dann doch an Bord, da ich dort emotional leichter zu investieren war, als am Traum das stromlinienförmigste Flugzeug aller Zeiten zu bauen. Das liegt natürlich auch daran, dass ich mich ebenfalls nicht wirklich für Technik oder Flugzeuge interessiere, aber irgendwo hat mich das ja auch bei Porco Rosso nicht gestört. Wahrscheinlich, weil dort die technische Seite eher ausgeblendet wird, und der Mix besser ist. In Wie der Wind sich hebt hingegen ist die erste Stunde fast komplett Jiros Begeisterung zum fliegenden Fortbewegungsmittel gewidmet, die Romanze hingegen nimmt den Großteil der zweiten Stunde ein. Das hätte man vielleicht bereits etwas früher etwas besser miteinander mixen können.

Ich mein, Miyazaki hat sicherlich mit einem Film geendet, der ihm absolut liegt, genau damit allerdings halt für mich persönlich auch mit einem, der mir nicht komplett gefällig ist. Nicht, dass ich ihn nicht gemocht hätte, die erste Stunde hat auch seine Momente und super anzusehen ist das Ding so oder so, aber eine volle Stunde hätte das eben für mich nicht gehen müssen. Ab der Halbwertszeit bin ich dann allerdings doch wieder voll dabei, wenn das Flugzeugbauen und Blaupausen-Zeichnen etwas in den Hintergrund tritt. Da gefällt mir in der Gesamtheit einfach ein Action-reiches Abenteuer a la Chihiro oder ein emotionales Charme-Fest a la Totoro besser.

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Nostalgic Anime Week III: Castle of Cagliostro

ava-1505Nun, Das Schloss des Cagliostro ist gar nicht eine so alte Anime-DVD, noch Verwertung einer VHS-Kasette (diese Version zumindest). Das Ding kam erst 2006 zu uns, im Fahrtwasser des Erfolges der Studio Ghibli Collections. Allerdings habe ich mich beim damaligen Sichten doch daran erinnern können, diesen Film wesentlich früher schon mal im Vormittagsprogramm von RTL an einem Wochenende – damals noch in zurechtgestutzter Laufzeit – gesehen zu haben.

Der Film gehört übrigens zur umfangreichen Lupin III Franchise, die als Manga in den 70ern und 80ern lief, damals auch in mehrere hundert TV-Folgen gefasst wurde, und bis in den heutigen Tag immer mal wieder einen Film oder ein Special hervorbringt. Und bevor Hayao Miyazaki und Isao Takahata das Studio Ghibli gründeten, waren sie bekanntlich beim Toei Animation angestellt, aber auch bei TMS an der ersten Staffel der TV-Serie beteiligt. Und der 1979er Kinofilm sollte nichts anderes als das Regiedebüt von Miyazaki sein, was ihn wohl auch zum wohl berühmtesten Eintrag von Lupin III macht, mindestens im Westen.

Was man auch direkt merkt, schon allein daran, dass man sich mit den Charakteren ein paar Freiheiten erlaubt, so ist Lupin hier nicht ganz so ein extremer Lustmolch, während Fujiko nicht ganz so nuttig rüberkommt. Auch das Setting ist durch und durch Miyazaki: Cagliostro ist ein erfundener, europäischen Stadtstaat, eine malerische Altstadt mit beeindruckendem Schloss im See, irgendwo in einem beschaulichen Alpental.

Doch was macht Lupin, der Meisterdieb und Nachfahre von Arsene Lupin, hier überhaupt? Nachdem sein Coup in Monaco sich als Zeitverschwendung herausstellte, weil er zwar massig Geld gestohlen hat, sich dies aber als die legendären Bocksfälschungen herausstellte, die man kaum vom Echtgeld unterscheiden kann, ist er eben genau der Herkunft jener auf den Schlichen. Nur muss er in Cagliostro angekommen feststellen, dass sich hier so einiges geändert hat, seitdem er als Diebesfrischling vor 10 Jahren hier war. Die ehemalige Grafenfamilie ist ermordet, abgesehen von der jungen Clarissa, die dazu gezwungen werden soll den neuen Grafen zu heiraten, damit jener seine Macht zementieren kann, und gleichzeitig durch die beiden Ringe, die zum Familienerbe gehören, an den sagenumwobenen Schatz des Schlosses gelangen will.

Was kommt sind 100 Minuten Film, in denen Lupin und seine Schergen, gefolgt von seinem liebsten Feind Zenegata aus Interpol, sich also gleichzeitig daran machen die Hochzeit aufhalten, Clarissa retten, dem Graf das Handwerk legen, die Blütendruckerei auffliegen lassen, und vielleicht auch noch nebenbei was stehlen zu wollen. All das in einem ungemein sympathischen Film, mit viel Witz und Humor, viel Action und Spannung, ein ganz klein wenig Romantik, und ordentlich Charme.

Und mit toller Optik. Zum einen ist es enorm, wie detailverliebt und wunderschön anzusehen die Szenen sind, sowohl das beachtliche Schloss im See, wie aber auch die ganze Grafschaft an sich. Und es ist – gerade das Alter betrachtet – auch beachtlich, was für ein rasanter Film dies ist. So viel ist hier in Bewegung, Lupin rennt, schwimmt, springt, leistet sich Autoverfolgungsjagden, gleitet durch die Luft. Die Action hier kommt nicht gerade knapp, ist aber zu jeder Zeit durchgängig durchanimiert, super schnell und flüssig, und es gibt erstaunlich viele „kleine“ Bewegungsabläufe, deren Fehlen keiner merken würde, die das Erlebnis aber umso runder machen.

Also kurz und knapp gesehen bietet uns Das Schloss des Cagliostro wohl eines der besten klassischen Abenteuer-Anime, die es gibt. Und Vorkenntnisse ob der übergeordneten Franchise sind auch nicht von Nöten.

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Ghibli Sunday – Ponyo

Nach der nicht uneingeschränkt geglückten Übernahme von Das wandelnde Schloss wollte Miyazaki (der Miyazaki, der die guten Filme macht, nicht der von Erdsee) wohl für sein nächstes Projekt wie bei Chihiro eines, was wirklich von Herzen kommt, machen. Zumindest bekommt er bei Ponyo: Das große Abenteuer am Meer die Credits für Director, Story und Screenplay, ja hat sogar wie zu seinen Zeiten bei Toei bei der Animation mitgeholfen. In Ponyo steckt also sehr viel Miyazaki.

Ponyo ist ein kleiner Goldfisch mit menschlichem Gesicht, Goldfischmädchen nennt der Film das, für mich sieht’s eher wie eine Handpuppe aus. Das kommt zu Stande, weil ihr Vater ein Mensch (der aber nun im Meer lebt) und ihre Mutter eine Meeresgöttin ist (wie das auch immer funktioniert). Vater Fujimoto hat eigentlich ein ziemliches Auge auf seinen Schwarm an Puppentheater-Nachkommen, doch Ponyo schafft es zu entwischen, um ein Sonnenbad zu nehmen, wobei sie allerdings an die Küste getrieben wird.

Dort findet der 5-Jährige Sosuke sie und freundet sich mit seinem neuen, sprechenden Haustier an. Nachdem Ponyo von ihrem Vater zurückgeholt wird, hat sie dann auch nur noch einen Wunsch: Zum Mensch werden und bei Sosuke sein. Mit purer Willenskraft schafft sie das auch, wobei dies magische Kräfte frei setzt, die die Welt in den Untergang treiben könnten. Die Göttinnen-Mami ist von der kleinen Vorschulromanze übrigens recht begeistert und meint, Ponyo könne ruhig ein Mensch bleiben, was aber nur klappt, wenn Sosuke sie wirklich liebt, ansonsten wird Seeschaum aus ihr.

Spätestens beim letzten Satz klingelt es natürlich auch beim halb weggedösten Leser, aus welchem Märchen sich Miyazaki für sein Ponyo hat inspirieren lassen. Das liegt aber tatsächlich nur im losen Handlungsgerüst, wie die kleine Meerjungfrau kommt halt auch Ponyo aus dem Meer, verliebt sich in einen Menschen und will zu einem solchen werden, riskiert das eigenen Dahinschwinden dafür. Zu Seeschaum wird sie natürlich letztendlich nie, der Film ist ja nicht von Takahata, und passen würde es in seine Atmosphäre auch gar nicht, das ist einem schnell klar.

Ponyo ist eine Rückbesinnung Miyazakis an seine frühen Werke fürs Studio. Nicht die ganz frühen wie Nausicaa und Das Schloss im Himmel, sondern die nächsten beiden Filme, Totoro und Kiki. Weg von den komplizierten Epen, den vielen Plotpunkten, der harten Action, Kampf und Kriegsgeschehen. Hin zu den einfachen und geradlinigen Handlungen, der Kinderunterhaltung, die sich die ganze Familie zusammen anschauen kann. Ponyo ist ein ziemlich simples kleines Märchen, eine niedliche Romanze zwischen zwei süßen Kids, ohne große Verwicklungen oder nötiger Tiefenanalyse. Wenn ich den Film mit einem Wort bezeichnen müsste, wäre es wohl „weich“. Eine Haupthandlung, bei der nichts großes auf dem Spiel steht, goldige Kleinkindcharaktere und ein sehr heller, pastelliger Zeichenstil und bewusst handgezeichnet aussehende Szenerien, gerade bei den Wellenlinien im Meer und dem wie Aquarelle aussehende Küstenlandschaften.

Natürlich kann aber auch bei Ponyo Botschaften hineininterpretiert werden, auch wenn ich denke, dass es Totoro und gerade Kiki einem da etwas einfacher machen, Ponyo wirkt da doch etwas… oberflächlicher. Aber zumindest die Umweltbotschaft ist natürlich ganz Miyazaki mal wieder deutlich da, immerhin startet der Film im wunderschön wuselnden Seepanorama (das es so bei unserer Überfischung eigentlich gar nicht mehr wirklich gibt, schon mal überhaupt nicht bei der Seafood-Nation Japan) nur um dann im Sand der Küstennähe überall von Müll durchsetzt zu sein (so sauber wie Japans Straßen häufig sind, so dreckig kann doch das dortige Meer sein).

Und das mit „ohne große Verwicklungen“ und „eine Haupthandlung, bei der nichts großes auf dem Spiel steht“ war gelogen. Es wäre nur schön, wenn’s so wäre. Ponyo käme durchaus komplett als seichtes aber liebenswertes kleines Märchen aus. Die ganze Sache mit dem nahen Weltuntergang wirkt nämlich unglaublich deplatziert und will so wirklich die für ein solches Ereignis nötige Screentime eigentlich auch nicht bekommen. Es wird geradezu surreal, wenn gegen Ende des Filmes ein Großteil des Landes überflutet wird, aber nicht ein Mensch dabei ertrinkt und alle happy in Bötchen umher fahren, sobald sich das Wasser zurückgezogen hat (nachdem Ponyos Menschbleiben Deus-Ex-Machina-mäßig dann irgendwie den Weltuntergang aufhält oder wie auch immer) noch nicht mal Heim und Hof irgendwie beschädigt worden sind. Ich mag Ponyo wirklich sehr, aber schon allein deswegen reicht er eben nicht an Totoro oder Kiki heran, diesen Weltuntergangs-Blödsinn hätte er sich sparen sollen, das zieht den ansonsten so runden Film ein kleinwenig runter.

Prince of the Sun

Horus: Prince of the Sun, auch bekannt als The Little Norse Prince oder als fehlübersetzter Hols, ist ein Frühwerk von Isao Takahata. Genau genommen ist der 1968er-Kinofilm sein erster Feature Film für Toei – und dank des immensen Flops auch gleichzeitig sein letzter, anschließend waren es wieder TV-Produktionen und Kurzfilme, bis zur Gründung Studio Ghiblis mit Hayao Miyazaki, der hier übrigens als Lead Animator beteiligt war. Die Produktion stand allgemein unter keinem guten Stern, so überzog Takahata sowohl Budget wie Zeitfenster und wollte einen wesentlich ernsteren Film machen, als Toei bekommen wollten. Anime nur was für Kinder? Jepp, damals gab es in Japan selbst nicht so viele Produkte, die es wagten, Ambition zu zeigen, sondern waren meist einfache Dinger, die sich zumindest forderst ans junge Publikum richteten.

Das Ergebnis ist eine eigentlich recht simple und altbekannte Heldensage. Dämon Grunwald schickt Terror übers Land und zerstörte das Heimatdorf von Horus, als jener noch ein Baby war. Sein Vater flüchtete mit ihm und nun, wo er im Sterben liegt, erzählt er Horus davon. Also macht sich Horus auf, nachdem er das Schwert der Sonne gefunden hat, gegen Grunwald zu ziehen und es neu zu schmieden. Dabei muss er ein paar Monster besiegen und kommt in einem Dorf unter, welches er rettet. Auch trifft er auf die verfluchte Hilda und nimmt sie mit ins Dorf, womit die Probleme dort für ihn anfangen.

Wie gesagt, die Geschichte ist simpel gestrickt und die Charaktere sind – Hilda etwas abgesehen – eindimensional. Das ist nun bei Heldensagen grundsätzlich auch nicht so ungewöhnlich, immerhin existieren diese Archetypen entsprechend lang. Das Horus damals ein überraschend ernster Film mit Anspruch war, davon merkt man heutzutage natürlich kaum noch was. Jedoch ist er rasant und spannend genug erzählt und animiert (gerade die Anfangsszene Horus vs. Wölfe, welche wohl rotoscopischer Natur ist).

Natürlich gibt es auch ein paar Abstriche, die wohl vor allem aus der uneinigen Produktion entstanden. Einige Lieder mögen sehr nett untergebracht sein, aber andere der Gesangseinlagen, gerade beim Singen und Tanzen der Dörfler, wirken doch eher dämlich. Zusammen mit den sprechenden Tieren hat man hier wohl etwas gen Disney und junge Zielgruppe geschielt, gegenüber der weitestgehenden Ernste des Rest des Filmes, außerhalb des Dorflebens. Auch mussten wegen Budgetmangels zwei der größten Angriffsszenen des Filmes als reine Standbild-Diashow eingefügt werden.

Dennoch fand ich den Film durchaus sehenswert, es ist ein kurzweiliges, meist spannendes Vergnügen, ein interessantes Frühwerk Takahatas und der japanischen Animations-Features.

Ghibli Sunday – Howl’s Moving Castle

Die Filme von Hayao Miyazaki sind jene Ghiblis, die am kommerziell erfolgreichsten sind. Takahata ist da einfach der ewige Zweite des Studios und auch die wenigen anderer Regisseure haben nie die gleiche Zugkraft aufgebaut. Nach Prinzessin Mononoke wollte Miyazaki in Rente, kam dann aber um Chihiros Reise ins Zauberland zu machen wieder zurück, nur um danach gleich wieder in Rente zu gehen. Nach dem Das Königreich der Katzen auch nicht das neueste gefeierte Meisterwerk wurde und der für Das wandelnde Schloss auf dem Regiestuhl Platz nehmende Mamoru Hosoda (The Girl Who Leapt Through Time, Summer Wars) doch wieder absprang, beschloss Miyazaki erneut zurückzukehren und das Projekt zu übernehmen. Es wird interessant zu sehen, wie es dem Studio Ghibli eines Tages ergeht, wenn er sich mal dazu entschließt, wirklich Rentner zu bleiben, statt für jedes zweite Projekt wieder in die Arbeitswelt einzusteigen.

Sophie hat das Geschäft des verstorbenen Hutmacher-Vaters übernommen, wo das schüchterne Mädchen ohne großes Selbstwertgefühl in der Hinterkammer ihre Tage verbringt. Während des Wegs um ihre Schwester zu besuchen (den sie auch durch ausgestorbene Seitengassen tätigt), rennt sie in den berüchtigten Magier Hauru, der ihr aus einer Notlage hilft. Leider bringt das Sophie auf den Plan der Hexe aus dem Niemandsland, die Sophie mit einem Fluch belegt, welcher aus ihr eine alte Frau macht. Und wie der Zufall so will, rennt Sophie, als sie die Stadt verlässt, direkt in das wandelnde Schloss Haurus und kann sich dort einnisten.

Sie ist übrigens nicht die einzige, die mit einem Fluch belastet ist, wie sich herausstellt. Das Schloss wird von einem Feuerdämon angetrieben, der mit einem solchen an Hauru gebunden ist, welcher wiederum sein Herz verlor. Gleichzeitig geht übrigens ein Krieg vonstatten zwischen zwei benachbarten Nationen, die alle Hexen und Zauberer zur Vaterlandshilfe rekrutieren wollen.

Zunächst mal kurz zum Namen des Zauberers, für die, welche die Unstimmigkeit zwischen englischem Titel und deutscher Übersetzung bemerkt haben. Der Kerl heißt Howl. Nun ist es so, dass es zwar eine gefühlte Million japanischer Schriftzeichen gibt, jene aber sehr eingeschränkt sind, wenn es darum geht, ausländische Worte nachzuäffen (zumal für jene nur die Katakana Verwendung finden). Da sind unsere 26 lateinischen Buchstaben, die beliebig zusammengefügt werden können, wesentlich flexibler. Da wird dann in japanischer Umschrift eben das draus, was von der Aussprache her am besten passt. Und so ist ein Dragon Quest 1:1 rückübersetzt plötzlich Doragon Kuesuto oder Breath of Fire ein Buresu obu Faia, House ein Hausu usw. usf. Und dies ist der kleine Schnitzer, den sich die deutsche Fassung erlaubt, in dem sie den Namen nämlich hart zu dem übersetzt, was die japanischen Schriftzeichen sagen, nicht was über sie ausgedrückt werden soll. Und schon haben wir einen Hauru (oder Haoru, oder Hauro, je nachdem, welcher Sprecher ihn gerade sagt) statt eines Howl. Aber das nur mal so am Rande, wirklich stören tut’s nicht.

Das wandelnde Schloss ist ein sehr beschäftigter Film, häufig zu beschäftigt. Da geht es mir gegen Ende noch stärker wie in Nausicaä, er wirkt nach einem recht langsamen und sich Zeit nehmenden Aufbau plötzlich schrecklich überhastet und zusammengeschustert, als fehlten Dinge, häufig die genaueren Erklärungen dafür, warum jetzt passiert, was passiert, warum Charaktere tun, was sie tun. Es ist das schnelle Abhaken der verbliebenen Plotpunkte ohne die Zeit, sie richtig durcherklären oder zusammenfügen zu können.

Ich mein, was haben wir denn alles? Sophie ist belegt mit einem Fluch. Calcifer und Hauru sind es auch. Genauso ist die Vogelscheuche (was wir aber erst auf die finalen Minuten herausfinden, obwohl es einer der wichtigsten Punkte der Handlung sein müsste). Die Hexe aus dem Niemandsland mischt sich ein. Genauso die Hofhexe des Königs. Dann die Romanze zwischen Sophie und Hauru. Das Wachsen als Charakter der beiden. Und einen Krieg gibt es dann ja auch noch. Das sind so viele Handlungsstränge und viele davon kommen zu kurz, gerade der Krieg oder die Beweggründe, warum die beiden Hexen sich jetzt eigentlich noch mal genau in Haurus Kram mischen.

Wofür sich der Film lediglich genug Zeit nimmt sind Hauru und Sophie. Beide machen eine deutliche Wandlung durch, Hauru wird weniger feige (er hat ja kein Herz) und eingebildet, Sophie entwickelt ein Selbstbewusstsein (interessant auch, dass sie immer dann jünger, der Fluch also schwächer wird, wenn sie für sich und die ihrigen einsteht – wenn sie beim Schlafen zwangsläufig ganz sie selbst ist komplett von ihr genommen scheint -, was erneut im Film so direkt nie angesprochen wird). Auch ihre Romanze ist ein kompletter roter Faden im Film und wird ganz gut beendet, während die Erkenntnis, wie und wann Hauru und Calcifer ihren Pakt geschlossen haben oder was den Krieg beendet (was sowieso ein viel zu einfacher Weg aus dem Konflikt raus ist, wo es doch schon so viele Opfer gab), schnell abgehandelt werden. Das ist etwas schade, dass der Film, der zunächst so solide ist, gegen Ende zu bröckeln beginnt und droht auseinander zu fallen.

Überhaupt trägt Sophie weite Teile des Filmes, da sie ein einfach herziger und sympathischer Charakter ist. Auch die spätere Hexe aus dem Niemandsland oder der Hund sind absolut charmant. Die beste Szene im Film ist überhaupt das Wettkriechen der beiden alten Damen die lange Treppe zum Schloss hinauf. Auch wenn Sophie die Hexe aufgenommen hat und sich rührend um sie kümmert ist allerliebst. Das wandelnde Schloss strahlt also erstaunlicherweise am hellsten in den ruhigen und beschaulichen Szenen, in denen eigentlich gar nichts so recht passiert, statt in den teilweise fast deplatzierten Szenen, in denen der Vogelmensch-Hauru über flammenden Städten die Kriegsmaschinerie angreift. Da fühlt man sich plötzlich fast in einem anderen – falschen – Film gelandet.

Es scheint wohl zur Genüge durch: Das wandelnde Schloss ist bisher Miyazakis schwächster Film, da er einfach nicht rund zusammenkommen will, zu viele Baustellen hat, die er nicht richtig beendet bekommt. Doch auch der schwächste Film von Miyazaki hat immer noch was sehenswertes, dafür sind die Charaktere zu charmant, die richtig guten Szenen so richtig gut eben, die Magie der Welt ist da, gerade die erste der beiden Stunden eben noch wirklich rund.

Ghibli Sunday – Spirited Away

Chihiros Reise in Zauberland, der Film, der alle überraschte, bei der Berlinale 2002 eigentlich eher unter “ferner liefen” eingestuft wurde, weil warum würde schon so ein japanischer Animationsfilm gewinnen? Und dann plötzlich tat er’s und die Kritiker mussten sich den Film noch schnell anschauen, um was drüber schreiben zu können (da man Zeiteffektiv ja eigentlich vorrangig erst mal in die Screenings der Filme geht, die als mögliche Gewinner gehandelt werden). Chihiro ist seit Cinderella auf der allerersten Berlinale (wo sowieso noch so einiges anders lief) überhaupt erst der zweite Animationsfilm, der in Konkurrenz lief. Sicherlich, er musste sich den Gewinn mit Bloody Sunday teilen, aber wer hätte schon gedacht, dass er bei einem deutschen Filmpreis abräumt und dann auch noch, wo es nur einen Gewinner gibt, nicht wie bei den Academy Awards viele Kategorien. Wir Deutschen sind halt einfach zu bieder, um einem „Kinderfilm“ Erfolgschancen einzuräumen.

So wirklich an eine deutsche (Heim-)Kinoauswertung traute man sich dann allerdings doch nicht so schnell, schien dem inländischen Preis nicht zu trauen. Denn erst nachdem der Film ein ganzes Jahr später im März 2003 auch den Oscar als Best Animated Feature abräumte, wurde auch endlich für den Sommer ein Landesweites Kino-Release und für Jahresende die DVD angekündigt. Geöffnet waren die Tore für eine Widerverwertung von Prinzessin Mononoke und in den folgenden Jahren dem restlichen Ghibli-Katalog auf DVD (plus der einen oder andren Kinoaufführung, ob nun großflächig wie für Das wandelnde Schloss oder punktuell wie Das Schloss im Himmel). Zu behaupten das damit nun wirklich viele Augen geöffnet worden wären und Anime in Deutschland kein Nischenmarkt mehr ist, wäre natürlich dennoch dreist gelogen, aber eine gewisse Landmarke ist Chihiro damit dennoch. Und ein wenig besser stehen wir nun ja immerhin schon da – ob das jetzt mit dem Preisabräumer Chihiro zu tun hat, oder der Tatsache, dass immer mehr Kids mit RTL2-Serien wie Dragonball, One Piece, Naruto und so aufwachsen, sei dann mal dahingestellt.

Aber genug von dem ganzen Quatsch und zu Japans erfolgreichsten Film aller Zeiten, präziser worum es in jenem überhaupt geht: Chihiro ist eine ganz normale 10-Jährige, also so ein wenig ein Balg, schlecht drauf, selbstbezogen und feige. Die Tatsache, dass sie mit den Eltern gerade in eine neue Stadt umzieht und ihre Freunde hinter sich lassen muss, macht ihre Laune natürlich nicht unbedingt besser. Auf dem Weg verfährt sich die Familie und landet in einem verlassenen Vergnügungspark. Zumindest ist keine Seele dort zu sehen, Essen an der Bude köchelt aber dennoch lecker vor sich hin, weswegen Muttchen und Papchen sich dazu entscheiden, einfach mal zuzulangen, irgendwann wird schon jemand kommen, bei dem sie bezahlen können.

Doch die hereinbrechende Dunkelheit bringt keine Menschen hervor, sondern Sagenwesen und verwandelt die ungebetenen Gierschlunde in zwei Schweine. Chihiro hat sich den Magen nicht vollgeschlagen und bleibt somit ein Mensch. Doch um ihre Eltern vom Fluch befreien zu müssen, muss sie sich im Badehaus der Hexe Yubaba, wo die japanischen Götter zum Relaxen auftauchen, erst ordentlich nützlich machen. Und so hat die 10-Jährige plötzlich einen Job, und nicht gerade einen angenehmen. Außerdem heißt sie nun Sen, da Yubaba ihr die restlichen Schriftzeichen ihres Namens genommen hat. Sollte sie während ihrer Zeit in deren Diensten je ihren wahren Namen vergessen, gibt es kein Zurück mehr.

Und so entfaltet sich die Fabel um das verzogene Gör Chihiro, die zur hart arbeitenden Sen wird, um ihre Familie und den netten Jungen Haku aus Yubabas Badehaus zu befreien. Denn das ist im Prinzip die Hauptmoral diesmal im Film. Die aktuelle Jugend ist verweichlicht und verzogen, Chihiro zeigt dies auf – immerhin ist Miyazaki zum Filmrelease auch schon 60 gewesen und somit ein „verkommene Jugend von Heute“-Gemecker schlichtweg überfällig. Aber nicht nur die Jugend ist schuld, die Gesellschaft an sich ist arrogant und unsozial geworden. Das zeigt ja auch das Verhalten von Chihiros Eltern, Yubabas Übersorge gegenüber ihrem eigenen verzogenen Balgs oder das Ohngesicht, welches auch Völlerei frönt und sich dabei Zuneigung mit Geschenken erkauft. Währenddessen wächst Chihiro als Sen eben geistig und seelisch. Sie wird bodenständiger, weniger verzogen, der harte Alltag macht sie erwachsener. Ein wenig Umweltbotschaft gibt’s durch den verdreckten Wassergott natürlich auch.

Und somit haben wir ein Märchen für Groß und Klein, mit Botschaft in Form von merklicher aber nicht zu aufdringlicher Gesellschaftskritik, mit viel Imagination dank des Tauchens in die illustre Götter- und Sagenwelt Japans, mit Action, mit Herz und Charme, mit Seele dahinter, auch mit einer nicht zu dick aufgetragenen Romanze und natürlich wie immer prächtig animiert. Sprich Chihiros Reise ins Zauberland ist wohl einer der rundesten Filme des Studio Ghiblis geworden. Wem Prinzessin Mononoke zu ernst ist, Die letzten Glühwürmchen zu depressiv, Stimme des Herzens zu alltäglich, Mein Nachbar Totoro zu ereignislos ist… Chihiro hat von allem etwas in ziemlich ausgewogenen Maßen.

Ghibli Sunday – Princess Mononoke

Prinzessin Mononoke ist wohl der erste Ghibli-Film, der in den Jahren nach seinem Japan-Release auch in den meisten westlichen Ländern sich selbst außerhalb von Anime-Kreisen einen gewissen Namen machen konnte. Natürlich nichts Post-Chihiro-mäßiges, jedoch lief er in vielen Ländern im Kino, darunter auch Deutschland. Allerdings leider nur in einem sehr limitierten Release, ich habe ihn 2001 auf der Animagic gesehen, in einem Kino in der hiesigen Umgebung landete er nämlich natürlich nicht. Leider kam er auch zunächst erst ausschließlich auf VHS raus, die deutsche DVD sollte erst Ende 2003 nach Chihiros Oscar-Gewinn erscheinen. So lange habe ich damals gar nicht gewartet, um an eine DVD in Deutsch zu kommen, sondern mir bereits vorher die japanische 3-DVD-Box geholt, welche auf der dritten DVD diverse westliche Dubs aufweist. Wie sich die Zeiten doch ändern.

Ashitaka ist der junge Prinz eines abgelegen lebenden Stammes, welcher gerade von einem Rachegott angegriffen wird. Zwar kann er jenen erlegen, wird aber mit dessen Fluch infiziert, weswegen er gen Westen aufbricht, um den Ursprung von allem zu erforschen. Dort trifft er auf eine Eisengießerei unter der Führung der Lady Eboshi, die mit den Gewinnen aus jener der kleinen Ansiedlung zu Wohlstand verhilft, allerdings im ständigen Kampf gegen die auf den Reichtum eifersüchtigen Lords und die ihres genommen Waldes zürnenden Naturgötter steht. Ihre heftigste Feindin ist das Mädchen San, die von der Wolfsgöttin Moro aufgezogen wurde und den offenen Kampf mit Eboshi sucht.

Ashitaka sieht sich bei beiden Seiten um, verguckt sich natürlich in San. Währenddessen schlagen die Wildschweine zu einer finalen Schlacht gegen Eboshis Mannen, wohl wissend, dass sie gegen die Gewehre nicht gewinnen können, sie durch deren Verletzungen sogar zu jenen rachsüchtigen Göttern werden können wie jener am Anfang des Filmes. Eboshis wirkliches Ziel ist derweil den wahren Gott des Waldes zu erlegen, um sich ungestört ausbreiten zu können, zumal der Kaiser dessen Kopf haben möchte. Ihn zu enthaupten gelingt ihr sogar, so viel muss man ihr lassen. Dummerweise verwandelt dies den kopflosen Gott in eine Zerstörungsmaschine, der sowohl die Eisengießerei wie der Wald zum Opfer fallen.

Hier haben wir ihn also, den größten und bombastischsten Miyazaki, sein Öko-Märchen voller großer Szenen, großen Worten, toller Landschaften, mitreisender Musik. Sein Werk mit der stärksten Umweltbotschaft, welche sie hier am Schonungslosesten präsentiert. Allgemein ist es wohl neben Die letzten Glühwürmchen der brutalste Film des Studios. Menschen führen Schlachten gegeneinander, Waldgötter sterben, Ashitakas verfluchter Arm führt schon mal dazu, dass jeder seiner Pfeile genug Durchschlagskraft für Enthauptungen parat hält. In Prinzessin Mononoke wird geklotzt, nicht gekleckert.

Er geht seine Botschaft auch geschickt an. Es gibt keine böse und gute Seite, Menschen holzen nicht den Wald ab, weil Bäume halt doof sind. Es steht menschlicher Fortschritt gegen schützenswerte Natur, kein einfacher Konflikt, nichts mit simplen Lösungen. Ashitaka ist hier unser Kundschafter, wie er selbst so schön sagt will er mit ungetrübten Augen die Wahrheit sehen. Oh er mischt sich schon ein, er ist kein passiver Beobachter, aber er schlägt sich nicht auf die eine Seite oder die andere, sondern versucht beide am Leben zu halten und von ihren Kämpfen abzubringen, sie den Versuch der friedlichen Koexistenz machen zu lassen. Eboshi wird nicht dämonisiert, nein sie ist eine strenge aber gerechte Herrin. Sie erwartet, dass du deinen Nutzen beweist, nimmt gerne Frauen aus den Freudenhäusern bei sich als Arbeiterinnen auf, ja gibt selbst den Aussätzigen einen Platz. Auf Seiten der Natur… na da sprechen schon die gewaltigen Landschaftaufnahmen, die Bilder verträumter Seen und majestätischer Bäume für sich, dies gehört erhalten.

Doch beides geht nun Mal nicht, oder doch? Zumindest nicht einfach. Prinzessin Mononoke endet sozusagen sogar mit einem positiven Ende, was schon erstaunlich ist, wo im Finale doch noch die absolute Zerstörung von Allem bevorstand, aber eben nicht mit einem „und plötzlich war alles A-OK und sie lebten glücklich bis an ihr Ende“. Der Waldgott ist tot, der Wald zerstört, die Eisengießerei abgebrannt. Doch der Wald wächst nach – lange wird es dauern, aber er wird nachwachsen. Die Siedlung kann wieder aufgebaut werden und Eboshi ist sich sogar sicher, diesmal in besserem Einklang mit der Natur leben zu können – ob dies auch funktionieren wird, sei mal dahin gestellt. Und Ashitaka und San? Sie kann nicht in seine Welt, er nicht in ihre, aber wie er so schön sagt, sie sind ja Nachbarn und können sich besuchen kommen. Besser kann man die Geschichte wohl nicht enden, ohne scheinheilig zu werden.

Ist der Hype um den Film also gerechtfertigt? Aber absolut. Nicht für jeden mag er der unantastbar beste Ghibli sein, aber einer der Tops ist er auf jeden Fall, so viel wird jeder zugeben müssen.

Ghibli Sunday – Pom Poko

Schon immer lebten die Marderhunde in den ländlichen Gebieten neben den Menschen her, ohne sie groß zu stören. Bis sich dann die Menschen dazu entschieden, die Marderhunde stören zu müssen. Denn so eine Metropole wie Tokyo breitet sich nun Mal konstant aus und die Hügel der Marderhunde werden zum neuesten schicken Vorort der Stadt, eine Wohnsiedlung im Grünen. Nur das beim japanischen Platzmangel eine Wohnsiedlung im Grünen immer noch heißt, dass abgesehen von einer Allee und einem winzigen Park hier und dort der Rest immer noch menschlicher Wohnraum heißt, nicht tierischer.

Nun haben Marderhunde allerdings ähnlich wie die Füchse ein geheimes Talent: Sie sind Gestaltwandler. Und als solche versuchen sie, die Bautrupps und Vorstadtbewohner zu vertreiben. Nur haben die verspielten Tiere dummerweise auch Probleme, die ihnen dabei im Weg stehen, feiern sie doch gerne, haben einen Hang zum Schabernack, sind verfressen und ist ihre Aufmerksamkeitsspanne eh nicht sonderlich hoch angesetzt. Marderhunde sind sozusagen die ADHS-Kinder der japanischen Tiermythologie.

Pom Poko ist wohl einer der weniger zugänglichen Filme des Studio Ghiblis für den westlichen Ottonormalschauer, da er einfach unglaublich japanisch ist. So dreht sich alles um die Tanuki, eine japanische Art von Marderhunden, die laut Aberglauben eben Gestandwandlerische Fähigkeiten besitzen. Aber nicht nur die Fähigkeit an sich, sondern auch ihr normales Leben reflektiert sehr stark das altmodische japanische Familienleben und Feierlichkeiten.

Was nicht bedeutet, dass man sich wirklich groß mit Japan auskennen müsste, um den Film genießen zu können, es hilft halt nur weiter. Denn der Film ist einfach witzig, das quirlige Treiben der Marderhunde, ihre misslingenden Eskapaden, lauten Feste, launigen Gestaltwechsel… Pom Poko ist ein wirklich amüsanter Film mit absolut sympathischen tierischen Hauptcharakteren.

Auch wenn darunter eine ernste Handlung vergraben ist. Natürlich mal wieder die Umweltbotschaft und das Glorifizieren des altertümlichen Landlebens. Das kennt man von Ghibli ja mittlerweile und Pom Poko ist einer jener Filme, die es dicker auftragen. Allerdings nie so ernst wie andere, dafür sind die Marderhunde einfach zu witzig und unterhaltsam. Klar, ernste Szenen gibt es auch und obwohl der Film auf eine versöhnliche und lustige Szene endet, so geht er doch streng genommen eigentlich nicht gut für die Tanuki aus. Sie bekommen ihren Lebensraum nicht zurück, so scheinheilig ist der Film nicht.

Das macht Pom Poko, aller unterliegender ernsten Botschaft zum Trotze, wohl zu einem der spaßigsten und lautesten Ghiblis. Nicht unbedingt zu ihrem anspruchsvollsten und absolut ernsten, aber doch zu einem echt niedlichen und launigen Anschauen. Obwohl er mit fast 2 Stunden vielleicht etwas lang geraten ist, geht es doch vorrangig nur um mehr oder weniger zusammenhängende Eskapaden der Tierkommune.

Ghibli Sunday – Porco Rosso

Die Adria in den 20ern, ein beschauliches Fleckchen Erde, vielleicht nicht mit viel weltlichem, dafür aber natürlichem Reichtum gesegnet. Eine Zeit der Fliegerasse, die den Azurblauen Himmel beherrschen. Es lebt sich angenehm, vielleicht mal abgesehen von den ebenfalls den Horizont unsicher machenden Piratengangs. Aber dafür gibt es ja Kopfgeldjäger wie Porco Rosso, ein ehemaliges Fliegerass des Militärs, das sich nun damit verdingt, den Piraten ihre Coups zu versauen. Das Besondere an Porco Rosso, welches ihm den Namen eingebracht hat? Natürlich sein signalroter Flieger… und die Nebensächlichkeit, dass er eine Schweinekopf hat.

Miyazaki mag Schweine und Flieger und in Porco Rosso lässt er sich dementsprechend komplett aus, diese beiden Vorlieben zu verbinden, präsentiert uns ein fliegendes Schwein. Ich hingegen interessiere mich herzlich wenig für beides, Borstentiere wie Flugzeuge. Aber dennoch schafft es Porco Rosso, wenn er es auch nicht ganz zu meinen Lieblingen im Ghibli-Kanon gehört, mit dem üblichen Charme und der Magie mich in seinen Bann zu ziehen, mir sehr gefällig zu sein.

Es ist ein Film über die Leichtigkeit des Seins sozusagen. Die Adria in Porco Rosso ist ähnlich dem Landleben in Totoro und Only Yesterday: Träumerisch, romantisch, nostalgisch und schon ein wenig verklärt. Sicher, der Film erwähnt auch mal kurz, dass hier viele der normalen Bürger in Armut leben und das wir hier ja zwischen zwei Kriegen sind, aber so wirklich an der Atmosphäre ändern diese harten Tatsachen nichts. Es geht weniger um eine große Handlung, der Hauptkonflikt des Filmes ist sozusagen ein Schwanzvergleich, wer der beste Pilot ist, sondern mehr um Charaktere und eben die Atmosphäre des Filmes. Selbst die Piraten hier sind ganz knuffige und witzige Kerlchen, egal wie viel sie wild um sich schießen. Porco Rosso macht Spaß und berührt etwas in einem, einfach wegen der Leichtigkeit, der Romantik von Szenerie und Geschehen, der Sympathie der Charaktere, selten ist der Film wirklich komplett ernst, selten kommt mal etwas Schwermut und Melancholie bei den Charakteren auf. Aber ja, auch die ist manchmal da, in Porcos Vergangenheit, wobei die Tatsache mit dem Schweinekopf schon fast nebensächlich wird, geht doch jeder sehr nonchalant damit um und wir finden nie heraus, warum genau er den jetzt abbekommen hat oder ob er ihn am Ende wirklich für immer losgeworden ist. Das bittersüße Ende passt da dann wie die Faust aufs Auge.

Der Film hat es also, sowohl Abenteuer wie stille Momente, ein wunderschönes Main Theme, witzig-charmante Charaktere, pendelt genau zwischen luftig-leichter Atmosphäre und Schau- und Unterhaltungswerten zum Schmunzeln. Wie man gute, ausgewogene Filme macht weiß Miyazaki.

Ghibli Sunday – Only Yesterday

Taeko ist eine junge, unverheiratete Frau mit gutem Bürojob in Tokyo, wo sie geboren und aufgewachsen ist. Zumindest nach unseren Verhältnissen ist sie eine junge Frau, mit 27 unverheiratet zu sein macht sie in Japan natürlich schon fast zur alten Jungfer, bei der man sich fragen muss, was mit ihr schief gelaufen ist, dass sie keinen Mann dazu bringen kann, sie zu heiraten. Anwandlungen wie weiblicher Karierewunsch, warten auf den Richtigen oder Homosexualität sind nette Naivitäten, wenn man auf die Uni geht, aber mit Mitte Zwanzig sollte man langsam mal erwachsen werden und eine Familie gründen, um seinen Zweck als Rädchen im Bienenvolk zu erfüllen.

Taeko ist davon allerdings ziemlich unbelastet, tut das mit einem Lächeln und Winken ab. Momentan ist sie sowieso viel zu gut drauf, hat sie sich doch 10 Tage Urlaub genommen, um aufs Land zu fahren. Dort will sie die Atmosphäre genießen, während sie den Bauern erneut bei der Ernte hilft, anstatt sich einfach auf die faule Haut zu legen und zu entspannen. So holt sie sozusagen nach, dass sie als Stadtkind ohne landlebende Großeltern dies in ihren Sommerferien nie tun konnte. Und wer weiß, vielleicht ist das Glück ihr ja hold und sie findet dort einen netten Bauern, der sie heiraten will und so zu einem richtigen Menschen macht, zumindest so weit, wie man das als Frau sein kann. Aber erst mal ruft die Reise viele Erinnerungen an ihre Kindheit wieder wach.

Denn genau genommen ist die Urlaubsreise der erwachsenen Taeko nur der Mantel, der die einzelnen Episödchen aus ihrer Kindheit als etwas 10-Jährige in den 60ern zusammen hält, der Sache einen Faden verleiht, an dem sich die Erinnerungen aufreihen. Sich mit den beiden älteren Schwestern streiten, eine schlechte Arbeit nach Hause bringen, das erste Mal verliebt, Aufklärungsarbeit über die erste Periode, sauer auf den strengen Vater sein und so weiter.

Damit ist Tränen der Erinnerung der normalste und ruhigste Film im Ghibli-Kanon, weil er zwar mit viel Charme und Nostalgie, aber eben doch nur gewöhnliche Alltagssituationen präsentiert. Taeko gelangt nicht durch Wandschrank oder Hasenbau in eine Zauberwelt, in ihrer Kindheit gab es keinen Weltkrieg oder eine tausende Meilen weite Reise zur Mutter in Argentinien. Nein, Taeko war ein ganz normales, vielleicht etwas zickige kleines Mädchen.

Besonders hier ist übrigens die Animationsarbeit, die dem bodenständigen Film noch mehr Realismus verleihen soll. Ghibli-Filme sind eigentlich immer ganz gut darin, über die Gestikulation und auch hier und da mal einen Versprecher die Charaktere lebensnah zu präsentieren. Hier kommt noch hinzu, dass man das Mienenspiel wesentlich stärker ausarbeitet, weswegen Tränen der Erinnerung auch zuerst die Sprecher aufnahm und dann auf ihren Text drauf animiert wurde (in Japan wird im Gegensatz zu Amerika erst animiert und dann müssen die Synchronsprecher halt passend drauf reden), damit die Mimik passt. Das ist ehrlich gesagt ein etwas seltsames Ergebnis, da wir das von animierten Figuren nicht gewöhnt sind und es ja die Regel gibt, dass jede Falte einer gezeichneten Person gleich ordentlich Jahre optisch drauf setzt, wodurch die Charaktere manchmal einfach nur eben alt wirken, wenn sich in ihren Gesichtern die Mimikfalten breit machen. Im Kontrast dazu sind übrigens die Erinnerungen etwas traumhafter gehalten, die Animation ist klassischer und die Farben sind pastelliger haben etwas von einem Kinderbuch.

Wie bereits erwähnt ist Tränen der Erinnerung, weil er sich vorrangig an ein Publikum wie Taeko richtet, also erwachsene Frauen, die in Erinnerungen schwelgen wollen, der ruhigste Ghibli und für diejenigen, die mit solchem alltäglichen Slice of Life nichts anfangen können sicherlich der langweiligste. Doch ich fand ihn ganz nett, Takahata hat einfach ein Händchen dafür, Alltäglichkeit charmant zu präsentieren.