Masters of Horror 112 & 113

Kommen wir also nun zum Ende der ersten Staffel von Masters of Horror mit den beiden verbliebenen Folgen, die im deutschen Erstrelease geschnitten waren. Den Anfang macht Haeckel’s Tale, bei dem durchaus einige Namen zusammen kommen. Regie führte John McNaughton (Without a Trace, Wild Things, Sein Name ist Mad Dog), geschrieben ist’s von Mick Garris (Michael Jackson’s Ghosts, Hocus Pocus, Psycho IV und Regisseur bei der Chocolate-Folge), basierend auf einer Kurzgeschichte von Clive Barker (der Hellraiser-Typ) und in Zusammenarbeit mit George A. Romero entstanden (die Living Deads), weil der eigentlich Regie der Episode übernehmen sollte, dann aber doch nicht konnte.

Ein junger Mann kommt zu einer alten Frau, die angeblich die Toten zurückbringen kann, da er nicht ohne seine frisch verstorbene Frau leben kann. Doch die erzählt ihm erst mal die Geschichte eines anderen jungen Mannes: Haeckel. Jener war Student und von Dr. Frankensteins modernen Experimenten überzeugt, dachte selbst Tote zurückbringen zu können. Was nicht so wirklich hin haute. Als sein Vater dann schwer erkrankte, machte er sich auf den Weg zum Familiensitz, kam über Nacht bei einem seltsamen Ehepaar unter. Verguckt hat er sich in die hübsche Ehegattin, die nachts auf den Friedhof schleicht und mit ihrem reanimierten Zombie-Mann die Särge zum Knarren bringt.

Nicht der beste Start ins Finale. Irgendwie konnte mich die Folge nicht wirklich nachhaltig überzeugen. Das Ende ist ganz nett, davor fand ich es aber weniger spannend. Warum die harmlosen Sexszenen aus der deutschen Version weichen mussten, bleibt mir auch ein Rätsel. Nun gut, in der Theorie ist es ja schon Nekrophilie, aber mal echt, wer kann das schwarzhumorige Finale schon ernst nehmen. Ich glaub eines meiner Probleme war auch, dass ich Haeckel an sich nicht ausstehen konnte. Dieser unreflektierte Gutmensch, der von seinem Ross predigt, ging mir tierisch auf die Eier.

Auf in die letzte Folge, Imprint, von keinem anderen als Takashi Miike. Der mag in den letzten Jahren hauptsächlich harmlosen Mainstream wie The Great Yokai Wars oder die Verfilmungen von Like a Dragon (a.k.a Yakuza), Crows Zero, Yatterman oder den ganz frischen Ace Attorney Live Action dirigiert haben, doch Anfang der Zweitausender war er als Enfant Terrible bekannt, der einige der schrägsten und brutalsten Filme Japans produzierte, wie beispielsweise Visitor Q, Audition oder Ichi the Killer (bei dem auf Filmfesten als Gag den Zuschauern Kotztüten ausgeteilt wurden). Sprich, wenn man einem Herrn Miike sagt, er solle einem mal einen Horrorstreifen machen, sollte man wissen, worauf man sich einlässt.

Die Macher von Masters of Horror hingegen haben ihn wohl unterschätzt. Nach Sichtung von Imprint war klar, die Folge können sie nicht ausstrahlen, nicht mal im liberaleren Pay TV. Das Publikum bekam sie also erstmalig durchs DVD-Release zu Gesicht. Ist natürlich auch eine gute Marketing-Sache, DVD-exklusiv eine Folge zu haben, die zu schlimm fürs Fernsehen war. Bevor sie ein Uncut-Rerelease bekamen, war natürlich auch die deutsche Version geschnitten, um saftige 3 Minuten. Das ist bei einer Einstündigen Episode nicht gerade wenig.

Christopher ist Amerikaner und lässt sich auf eine japanische Bordell-Insel bringen, wo die Prostituierte, in die er sich verliebt hat, sein soll, um sie mit sich zu nehmen. Dort wird ihm zunächst gesagt, jene wäre nicht hier. Das kann er nicht auf sich sitzen lassen, er will die Wahrheit wissen. Eines der Mädchen erzählt ihm, sie habe sich erhängt. Auch hier verlangt er nach mehr, nach der Wahrheit. Also erzählt jene davon, wie der Ring der Puffmutter gestohlen und seine Geliebte aus Eifersucht der Tat beschuldigt wurde. Um den Verbleib des Schmuckstücks zu erfahren, wurde sie gefoltert. Möglichst so, dass sie für die Freier nicht nutzlos wird. Also Brandwunden in die Achseln und Nadeln unter Fingernägel und ins Zahnfleisch. Sie haben nichts aus ihr heraus bekommen können und sie sich letztendlich erhängt. Auch das kann Christopher nicht glauben, er verlangt weiterhin die Wahrheit. Also gut, soll er sie kriegen.

Tja, japanischer Horror ist halt nicht alles harmloser Suspens-Stuff mit Mädels, die es nicht schaffen, sich die Haare aus dem Gesicht zu kämmen. Sachen wie die 80er Guinea-Pig-Reihe oder das 2009er Grotesque lassen selbst Amerikas aktuelle Torture Porns/Gornos erblassen. Imprint bietet genau das, was ich absolut nicht sehen kann: Realistische Tortur. Mit Innereien rumzuspielen macht mir nichts, auch explodierende Schädel nicht. Die kleinen Sachen kann ich nicht sehen. Wenn Sachen an den Augen und Fingern gemacht werden, alles was Nadeln involviert, Finger brechen, solche Sachen. Ich kann nicht mal die relativ realistisch gestalteten OPs in Nip/Tuck anschauen. Also hab ich bei Imprint was gemacht, was ich sonst nicht tue: Ich hab das ängstliche Mädchen in mir gewinnen lassen und die gekürzte deutsche Fassung geschaut.

Die kürzt ihre Minuten so ziemlich vornehmlich aus dem Center Piece der Folge, die lange Folterszene, die nun recht kurz, fast nicht mehr existent, ist. Die Nadeln sehen wir immer noch aus ihren Fingern und Mund ragen, aber wir bekommen zumindest nicht gezeigt, wie sie im Closeup dort rein geschoben werden. Darüber bin ich ehrlich gesagt ganz froh. Einem guten Film sollte zudem nichts genommen sein, nur weil die Gore Spikes fehlen, und Imprint ist ja dennoch ein FSK18, immer noch nicht ganz ohne. Nur eben grafisch nicht mehr so brutal, sondern eher in der Thematik an sich. Denn auf der Suche nach der Wahrheit erfährt Christopher mehr und mehr Dinge, die man gar nicht wissen will. Die (nicht mehr so) eklige Folterszene tritt da nur den ersten Dominostein in der grotesken Spirale los. Hier werden Frauen geprügelt, Kinder sexuell missbraucht, Inzest betrieben und Föten emotionslos aus ihren Müttern gerissen und wie Müll den Fluss runter gespült. „Just how deep does the rabbit hole go?“ wie es im Englischen so schön heißt: Bei einem Herrn Miike sehr tief in sehr unangenehme Gefilde.

Das bringt die Serie zu einem höchst abwechslungsreichen Abschluss. Das japanische Setting, lauter japanische Schauspieler, die bunten Kostüme, großen Haartrachten, die schönen Bildkompositionen, die brutale Gewalt, die derben Bilder, ein chaotischer Wirbelwind aus Groteskem und Faszination. Die Handlung darunter mag allweilen mal etwas dünn gesät und des Schocks wegen etwas arg abgedreht werden, ein Billy Drago beim seinem „Schauspiel“ enormen Fremdschämwert entwickeln… aber loslassen tut einen Imprint nicht, bevor er nicht rum ist. Auch wenn er, selbst ohne grafische Extremgewalt, einem so einiges abverlangt.

Unterm Strich hat mir Masters of Horror gut gefallen, werde mir auf jeden Fall früher oder später die zweite Staffel ansehen. Nur drei Folgen hatten mir nicht so zugesagt (H.P. Lovecraft’s Dreams in the Witch House, Dance of the Dead und Haeckel’s Tale), was bei dreizehn Folgen ein guter Schnitt ist.

Wer übrigens gerne eine zweite Meinung zur Reihe lesen will, den verweise ich liebend gerne an den guten DarkIkarus, nicht nur, weil der häufig mit mir mehr oder weniger konform läuft ;P