Junji Ito: Gyo

Nun gut, mein Interesse an den Mangas von Junji Ito war dann doch endlich mal geweckt und passenderweise fange ich natürlich direkt mit Gyo an, dessen Anime-Adaption ich vor kurzem gesehen habe. Auch wenn das vielleicht ein Fehler war, aber mehr dazu später.

Interessant ist erst Mal, dass das Anime die Charakterrollen stark ändert, letztendlich aber dennoch so ziemlich genau die gleichen Sachen passieren lässt. Im Manga ist Tadashi der Hauptcharakter und macht Urlaub auf Okinawa mit seiner Freundin Kaori, statt Kaori mit ihren Freundinnen und Boyfriend Tadashi verblieben in Tokyo (und somit für die meiste Zeit gar nicht präsent im Anime). Überhaupt hat das Anime mehr Nebencharaktere, der Manga kommt weite Teile mit Tadashi und Kaori aus, später noch dessen Onkel und Assistentin, damit war es das im Prinzip schon. Die ganzen Nebencharaktere des Anime sind hauptsächlich dafür da, dass ihnen Dinge passieren, die aufgrund geänderter Hauptcharaktere jenen nicht mehr passieren können. Und für etwas Fanservice, welches überraschenderweise im Manga gar nicht existiert.

Die größte Änderung ist hierbei natürlich Kaori. Im Anime der Hauptcharakter, der den Freundinnen hilft und nach dem Ausbruch der Zombie-Fisch-Maschinen-Invasion nach Tokyo reist, um ihren geliebten Tadashi wiederzusehen und selbst seine eigene Zombie-Werdung seltsamerweise nicht in ihrer Liebe wanken lässt, ist hier… ein Plot Device. Hauptsächlich ist sie halt Tadashis Anhängsel, gerät in Schwierigkeiten, aus denen er ihr helfen muss und nörgelt die ganze Zeit rum, um Tadashi dahin zu bekommen, wo der Manga ihn braucht, oder mit ihrem sensitiven Geruchssinn das nahen der Fische zu forshadowen. Allgemein ist sie unglaublich needy und zickig, was sie zu einer absoluten Unsympathin macht. Tadashi ist nicht direkt ein Weichei, sondern streitet ordentlich zurück, macht häufig dann aber doch, was sie wollte. Hier wird dann natürlich auch Kaori zu einem Bläh-Zombie und auch hier funktioniert für mich nicht, dass Tadashi dann plötzlich dennoch unsterblich in sie verliebt ist und ihr auch in dieser Form noch beisteht. Zum einen bin ich natürlich viel zu zynisch, um an eine solche Grenzenlose Liebe zu glauben. Zum anderen hat Gyo aber auch das Problem, dass das Pärchen nie wirklich liebend erscheint. Im Anime war es, dass man sie nie zusammen sieht und Tadashi die meiste Zeit eh nicht zu sehen ist. Im Manga sind die beiden ständig zusammen, aber da sie beide ständig nur streiten und sich anzicken, fragt man sich da eher, warum sich so ein miserables Pärchen nicht schon längst getrennt hat, statt eben jene „ich lieb dich auch noch als Furz-Zombie“-Sache abzukaufen.

Grundsätzlich würde ich zwar sagen, dass der Manga die bessere Version ist, ist er doch etwas kohärenter und stimmiger, als das Anime, jedoch krankt er an ähnlichen Stellen. Neben der Beziehung zwischen Tadashi und Kaori wäre das auch, dass nach einem sehr dichten Start, die zweite Hälfte etwas zu random wird, Sachen irgendwie zu lose passieren. Außerdem war es wie gesagt glaub ich ein Fehler, den Anime bereits zu kennen, da nämlich weitestgehend die gleichen Dinge geschehen, war der Überraschungseffekt im Manga natürlich für mich komplett flöten gegangen. Und ich glaub, dies macht viel der Faszination der Geschichte aus, nämlich was für ein schräger Nonsens dem Herrn Ito denn als nächstes eingefallen ist. Dafür pendelt der Manga besser zwischen Horror und Komik, auch wenn ich mir erneut nicht sicher bin, ob jene freiwillig ist, gerade die Bilder sind eben auch grotesker anzusehen, als im Anime. Vom Unterhaltungswert ist der Manga jedenfalls höher, gerade wenn man das Anime nicht kennt. Wobei ich erneut ohne die seltsamen Erklärungen, die dann doch eben nicht alles erklären, hätte leben können. Vielleicht ist es auch da einfach etwas zu viel, Waffentests zum Weltkrieg, ein lebendes Gas, natürlich reproduzierende Maschinen und irgendwie soll all das perfekt zusammenwirken… eh. Ito ist wohl auch Lovecraft-inspiriert, da hätte ich es wohl auch besser gefunden, wenn er seinen unerklärlichen Horror tatsächlich nicht erklärt. Zumal man es Space-Tentacle-Gods mehr abnimmt, dass sie von uns nicht erklärbar sind, Maschinen-Fisch-Zombies hingegen stehen da auf einem anderen Blatt.

Der Zweibänder kommt übrigens, wie so häufig, mit zwei kleinen Bonusgeschichten, die komplett unabhängige Oneshots sind, um die Seitenzahl ungefähr gleich zu halten. The Sad Tale of the Principal Post ist eigentlich kaum erwähnenswert, ist es doch keine 10 Seiten lang, ist allerdings schön schwarzhumorig, besonders mit seiner Nichterklärung. The Enigma of Amigara Fault hingegen ist ein vollwertiges Kapitel und dreht sich um seltsame Menschensilhouetten, die in einem Gestein nach einem Erdbeben entdeckt werden, und die hunderte Meter dort hineinzugehen scheinen. Das lockt Leute an, die meinen, ihre perfekte Silhouette dort zu sehen. Vom Starren auf eben jene, „ihre“, Löcher werden sie langsam verrückt und gehen hinein, schaffen es natürlich aus diesem engen Raum nicht mehr hinaus. Die Story hat mir echt gefallen, sie war kurz, kompakt und kommt (fast) ohne Erklärungen ob seines Mysteriums aus.

The Walking Fish

Junji Ito zeichnet sich durch viele Horror-Mangas aus. Die in der letzten Dekade auch gerne in Filme adaptiert wurden. Ich habe übrigens nicht einen davon gelesen und kenne nur ein paar jener Filme, kann also nicht sagen, ob die Originalgeschichten nicht wesentlich besser sind, lehn mich aber mal aus dem Fenster und gehe davon aus, dass sie zumindest alle auch einen recht hohen Trash-Faktor haben – was ja nicht unbedingt was Negatives sein muss. Das wohl wenigst-trashige Werk ist Uzumaki, dessen Verfilmung recht brauchbar war. Dann kommt von ihm auch Tomie, deren fast 10 Filme alle nix taugen. Und dann wäre da jetzt Gyo: The Fish, welches Anfang diesen Jahres in eine Anime-OVA von 70 Minuten adaptiert wurde.

Es ist eigentlich ein ziemlich simples, aber auch abgefahrenes Setting, und ich verrate hier so gut wie alles, weil sonst würde ich kaum was schreiben können, nur mal so als Warnung, falls sich jemand den Film unvoreingenommen antun will. Kaori und ihre beiden Freundinnen machen Urlaub auf Okinawa im Ferienhaus ihres reichen Freundes Tadashi, der in Tokyo verweilen musste. Begrüßt werden sie von einem extrem fauligen Gestank und bald finden sie auch heraus, wo der herkommt: Fische, die mit Hilfe von mechanischen Spinnenbeinen durch die Gegend laufen. Manche recht ziellos, Haie hingegen greifen natürlich auch schon gern mal an. Und die Menschen, die verletzt werden, werden selbst zu aufgeblasenen, lebenden Leichen. Die dann den Platz der Fische auf den Spinnenbeinen einnehmen. Die wiederum von den sich entwickelnden Ausscheidungsgasen des Todes betrieben werden. Und das Gas hat einen eigenen Willen. Und am Ende ist die ganze Welt von Maschinen-Furz-Zombies überrannt.

So, oder so ähnlich war das doch. Ehrlich gesagt verliert man gegen Ende schon mal den Überblick, wie der ganze Mist jetzt genau funktionieren soll, weil die Erklärungen eh keinen Sinn ergeben. Wenn’s denn überhaupt mal welche für das Geschehen gibt.

Gyo ist also absoluter Blödsinn von vorn bis hinten, hinten noch mehr, als vorn. Aber die Idee einen Fisch-Zombie-Maschinen-Apokalypse hat durchaus… Potential? Es ist immerhin mal ein rechter Unterschied zu den normalen Zombie-Apokalypsen, die bis zur Übersättigung einem in den Rachen geworfen werden. Da könnte doch durchaus ein ziemlicher Fun-Trash drin stecken. Ich muss auch sagen, ich fand die ersten 15-20 Minuten durchaus in Ordnung. Der Teil, wo nur die drei Mädels im Ferienhaus sind und von einem Mecha-Hai angegriffen werden. Das ist einfach, simpel, kurz. Da brauch ich auch noch keine Erklärung, warum der jetzt angreift, das Ding ist recht launig und Energiegeladen.

Wenn der Fokus dann aber größer, eben eine Japan- und dann Weltumspannende Apokalypse herbeibeschworen wird, wenn die dämlichen Erklärungen rein kommen, da mag ich die restlichen 50 Minuten des Filmes ehrlich gesagt heranschreitend weniger und weniger. Irgendwann schaltet man bei all dem Nonsens einfach ab. Irgendwie kommt da auch kein rechter Spaß bei auf. Und auf einen Ton kann sich der Film eh nicht einig werden, ob nur ernst oder (versucht) witzig oder was auch immer. Bestechend eine (spoilerige) Endszene, wenn Kaori Tadashi wiedertrifft, der zu einem Zombie auf so einer Maschine geworden ist. Dramatische Musik spielt, Kaori will immer noch zu ihrer Liebe stehen (klar, als ob das so laufen würde) und selbst Tadashi scheint noch etwas von seinem Bewusstsein zu behalten, die beiden versuchen einander zu erreichen, doch andere Zombies reisen Tadashi auseinander. Das ist alles so himmelhoch dramatisch hochgeschaukelt… und dann sind da ein Zombiehai und eine Zombiekuh unter den Angreifern. Wat.

Gyo hätte da irgendwo anders sein sollen. Entweder als wesentlich kürzere, minimalistischere Episode im Sinne des Anfangs oder halt besser ausgearbeitet – und sich auf einen Gesamtton einigend – als etwas längere Serie. Der 70-Minüter will es irgendwie nicht bringen. War wohl ursprünglich auch als 30-Minüter geplant gewesen. Wie anders der Manga ist, weiß ich natürlich nicht, laut kurzem Blick auf die Story-Synopsis scheint da allerdings beispielsweise schon mal Tadashi der Hauptcharakter zu sein und mit Kaori Urlaub in Okinawa zu machen.