Godzilla: King of the Monsters

Jetzt wo das MonsterVerse ins Rollen gekommen ist, geht es auch ein wenig schneller mit den Filmen. Drei Jahre zwischen Godzilla (2014) und Kong: Skull Island, zwei Jahre zu Godzilla: King of the Monsters, und nächstes Jahr steht bereits Godzilla vs. Kong auf dem Programmplan. Aber Momentan stehen wir noch beim ersten Godzilla-Sequel.

Die Welt hat sich maßgeblich verändert, seitdem Godzilla quer durch die Zivilisation getrampelt ist. Die Existenz der Titanen, und Gefahr die von ihnen ausgeht, ist allgemein bekannt, die sie studierende Organisation Monarch kurz vor der Auflösung, politisch drückt dringend der Schuh was zu unternehmen. Da kommt Dr. Emma Russel ins Spiel, die die Titanen-Larve von Mothra studiert, und ein Gerät entwickelt hat, welches Frequenzen ausstößt, auf die die Titanen reagieren. Prompt kommt Umweltterrorist Alan Jonah vorbei, und kidnapped Emma mit Tochter und Gerät, um die Titanen für seine Zwecke kontrollieren zu können.

Aber keine Sorge, wir müssen keiner weiblichen Hauptfigur durch den Film folgen, sondern King of the Monsters folgt schön brav dem Hollywood-Status-Quo und führt einen weißen Kerl mittleren Alters ein, der eigentlich keinen wissenschaftlichen Bezug zu den Titanen hat, aber dennoch in jeder Situation alles besser wissen wird und auf die Ideen kommt, welche den eigentlich kompetenter sein müssenden Randfiguren entgehen. Das wäre nämlich Emmas Ex-Mann Dr. Mark Russell, der Wölfe studiert. Über den Verlust des Sohnes bei Godzillas Attacke vor fünf Jahren haben die beiden sich getrennt. Die Entführte Ex und vor allem Tochter sind natürlich eine gute Motivation, wenn Monarch klingelt, damit er ihnen beim Titanen-Problem hilft.

Das nimmt auch langsam aber sicher titanische Ausmaße an. Denn nicht nur ist Godzilla wieder aktiver, und brütet sich Mothra gerade zur Motte aus, sondern es werden auch Gidora und Rhodan widererweckt, die sofort ihrer Zerstörungswut freien Lauf lassen. Und Gidora als Apex nutzt die Gelegenheit auch gleich, um alle auf der Erde schlafenden Titanen zu erwecken.

Der Plot-Twist, den bestimmt jeder lang im Voraus kommen sieht, ist dabei folgender: Emma arbeitet eigentlich schon die ganze Zeit mit den Eco-Terroristen zusammen. Den Tod des Sohnes hat sie nie überwunden, und ist nun der Meinung, dass die Titanen eine Schutzreaktion der Planetens gegenüber der Umweltzerstörung des Menschen ist, und man sie einfach aufwecken und freien Lauf lassen sollte, damit sie die Menschheit nötigerweise ausdünnen.

Bei Godzilla (2014) kam ich ja etwas zu dem Resümee, dass mir der Film zu langweilig ist. Ich kann anerkennen, dass er versucht sich zurückzuhalten, mehr ein geradliniger Katastrophenfilm sein will, aber das funktioniert bei einem Film dieser Länge nur bedingt, besonders wenn Handlung und Charaktere so 0815 sind. King of the Monsters revidiert hier viel und macht vieles besser.

Also jetzt nicht, dass die Charaktere besonders herausragend wären, oder keine absoluten Klischees, oder das der Großteil der Dialoge nicht immer noch ziemlich schlecht geschrieben und alles sehr vorhersehbarer Hollywood-Script-Standard ist strukturell gesehen. Aber es gibt zumindest schon mal etwas mehr, wenn eben auch übliche, Persönlichkeit an den Charakteren zu verzeichnen, sie haben bessere Motivationen und sind auch besser gespielt, wirken nicht wie diese Seelenlosen Pappaufsteller, die man sich im vorigen Film anschauen durfte.

Und so wirklich schauen wir Godzillas ja wegen der Monster. Und davon gibt es hier mehr, als ich erwartet hatte. Tatsächlich einfach auch auf die Quantität gesehen. Ich hatte ehrlich gesagt schon wieder vergessen, auch wenn es im Promomaterial drin war, dass beispielsweise Rhodan hier dabei ist. Somit hat man tatsächlich alle vier ikonischen Früh-Godzilla-Zeiten Monster im Film untergebracht. Und wie gesagt erwachen später dann auch noch eine Reihe an etwas generischeren Titanen, die mehr dazu da sind, um die globale Gefahr zu verdeutlichen, und nicht wirklich viel Screentime im Film bekommen.

Was ja auch sehr interessant ist, ist, dass der Film es gleichzeitig hinbekommt, wesentlich mehr Action zu bieten, und vor allem wesentlich häufiger die Monster zu zeigen, und sich trotzdem irgendwie noch etwas zurücknimmt, um die Monster eben nicht so inflationär einzusetzen, dass sie wieder an Wirkung verlieren würden. Beispielsweise kommt es eher zu wenigen Szenen, in der wirklich stark bewohnte Gebiete zerstört werden. Und die Monster werden immer noch gern in sehr großer Nahaufnahme gezeigt, oder mit wackeliger Kamera, es gibt viele Szenen bei Nacht und Regen und im Dunst. Das hilft natürlich den Effekten auch, die Monster können organischer in der Welt wirken, wenn die Sichtbedinungen das CGI nicht so offensichtlich machen.

Was mich am Film aber tatsächlich sehr beeindruckte ist, wie seriös er doch wirken will. Natürlich ist auch jedem etwas klar, dass so eine Kaiju-Film etwas dämlich sein wird. Aber er geht die Sache einfach mit einer schönen Ehrlichkeit an, die einem tatsächlich glauben macht, dass die wichtigsten und prägenden Personen wirklich einen guten Monsterfilm abliefern wollten. Hier wurde eine Mythologie und Weltenlore aufgebaut, die Monster möglichst sinnvoll in die Welt einzubauen, es kommt zu richtiggehendem Pathos und sowohl eindeutigen Messias- wie Teufelsanalogien was die Bildgestaltung angeht. Hier steckt viel Mühe drin aus Godzilla: King of the Monsters echt ein Event zu machen und die Grundsteine zu legen, ein sitzfestes Expanded Universe aufbauen zu können. Und es gibt auch nette Nods zu den alten japanischen Filmen, ich war beispielsweise regelrecht überrascht, als zu Mothras Geburt tatsächlich eine (instrumentale) Version ihres ikonischen Songs folgte. Natürlich ohne singende Elfen.

Er mag vielleich etwas langsam anfangen, aber mit voranschreitender Laufzeit der insgesamt 2 Stunden werden die Ereignisse tatsächlich immer größer und größer, und am Ende geschieht tatsächlich so einiges an crazy Shit, der ziemlich überdreht und eventuell auch teilweise dick aufgetragen ist. Aber das mochte ich sehr gerne an dem Film. Er findet so ein wenig den Mittelweg zwischen den Godzillas, die seriöse Katastrophenfilme sein wollen, aber dann dennoch genug Schauwerte zu bieten, damit er nicht zu ausgebremst wirkt. Kein überdrehtes Tempo, aber eben ein konstant steigendes, welches ziemliche Höhen erreicht bekommt.

Damit hat mir der Film tatsächlich überraschend gut gefallen. Ich bin mal gespannt, was nach diesem Ende so als nächste auf uns wartet. Na ja, Godzilla vs. Kong halt, aber ich gehe mal davon aus, dass der richtig große Monster-Brawl dann im darauffolgenden Godzilla auf uns zukommen wird.

City at the Edge of Battle & Planet Eater

Nach Planet of the Monsters Ende 2017 kamen dann jeweils Anfang und Ende 2018 die beiden Nachfolger in der Godzilla-Trilogie der Koproduktion von Toei und Netflix heraus: City at the Edge of Battle und Planet Eater. Womit die aktuelle Ära der japanischen Godzilla-Filme, die scheinbar noch keinen Titel trägt, insgesamt vier Filme zählt. Damit wird es jetzt erst Mal wieder etwas ruhiger um diese Seite, bis 2021 mit der World of Godzilla ein weiteres Cinematic Universe starten soll, sollte das Publikum Shared Cinematic Universes bis dahin immer noch nicht überdrüssig sein. Vorher müssen wir Richtung USA schauen, wo uns demnächst zwei Godzilla-Filme in deren Cinematic Universe, dem MonsterVerse, erwarten werden.

Als kleiner Refresher der Story, da die drei CG-Filme nicht so sehr eigenständige Werke sind, als vielmehr eine zusammenhängende Serie an Filmen, die Story-technisch direkt ineinander übergehen: Menschliche Zivilisation hatte den Punkt erreicht, wo sie den Planeten zu zerstören drohte. Also tauchten Monster auf. Dann tauchte Godzilla auf und hat die Monster besiegt. Aber auch die Menschheit angegriffen. Aliens A wollten helfen und mit Mechagodzilla gegen Normie Godzilla kämpfen, funktionierte aber nicht. Andere Aliens B haben also alle mit auf ihr Schiff geladen, um nach einem neuen bewohnbaren Planeten zu suchen. 20 Jahre später ist das als gescheitert zu betrachten und die wenigen Überlebenden kehren zurück, um die Erde zurückzuerobern. Auf der sind aber 20.000 Jahre vergangen, und ein Urwald voller Godzilla-DNA-basierender Monster hat sich ausgebreitet.

Ein Einsatzteam hatte in Planet of the Monsters unter Anime-Superheld Haruo nun gegen Godzilla gekämpft, gewonnen, nur um herauszufinden, dass dies lediglich ein Abkömmling war und der Original-Godzilla mittlerweile zu 300m herangewachsen immer noch existiert. Niederlage folgend.

City at the Edge of Battle beginnt nun dort, in dem Haruo aufwacht und feststellt, dass er und die wenigen anderen Überlebenden seines Einsatzkommandos, von humanoiden Wesen gerettet wurden, die sich scheinbar von Insekten über die vergangenen 20.000 Jahre entwickelt haben und dem Urwald angepasst leben. Aliens A entdecken allerdings Lebenszeichen vom Nanometall, aus welchem Mechagodzilla war. Wie sich herausstellt ist jener ebenfalls über diese Zeit hinweg gewachsen und hat sich repliziert, bis eine ganze Fabrikstadt an militärischen Waffen gewachsen war inklusive drei Mechs. Mit jenen wird OG-Godzilla nun bekämpft und sie scheinen fast auch zu gewinnen. Bis dann Aliens A allerdings alle opfern wollen, um mit dem Nanometall zu verschmelzen, damit dessen Kapazitäten verbessert werden, und überhaupt sich jenes beim Sieg über Godzilla über den ganzen Planeten ausbreiten würde. Die Menschen, vorneweg Haruo, finden natürlich wie gewohnt die Option ihr eigenständiges Sein aufzugeben weniger erbauend und so sträubt er sich dagegen. Godzilla wird also nicht besiegt.

In Planet Eater nun finden wir endlich heraus, was die religiösen Aliens B, allen voran Haruos Unterstützer Metphies, die ganze Zeit planten. Die Zerstörung des Universums. Irgendwann kam mal King Gidorah vorbei, und hat deren Planeten bis auf die wenigen Überlebenden, die nun die Priesterklasse ausmachen, zerstört. In der Erkenntnis, dass alles endlich ist, selbst das Universum an sich irgendwann zu existieren aufhören wird, haben die einfach beschlossen einen Death Cult zu gründen. Andere Zivilisationen werden aus dem Schatten zu dem Punkt geführt, an dem King Gidorah aus seiner Paralleldimension herbei beschworen werden kann, der dann den Planeten zerstört. Aber nicht wenn Godzilla und der mit der Insekten-Gottheit Mothra aus seinem psychischen Dilemma gerettet Haruo da nicht was zu sagen haben.

Im Prinzip kamen in der Trilogie also alle vier der großen Godzilla Mainstay Monster vor. Wobei allerdings nur Gidorah einen größeren Auftritt hat und mit Godzilla wrestlen darf, Mothra ist lediglich als schattenhafter Spirit Guide kurz eingeblendet und Mechagodzilla bereits in der Vergangenheit liegend. Und ehrlich gesagt fand ich auch den Kampf zwischen den beiden Monstern in Planet Eater nicht so wahnsinnig fesselnd, weil irgendwie nicht viel geschieht, außer dass sich Gidorah in Godzilla verbeißt, bis der endlich mit seinem Energiebeam zurückschlagen kann. Wirklich viel brachiale Action ist in der Trilogie echt nicht gewesen.

Gleichzeitig kann man ihr auf jeden Fall zugutehalten, dass sie nichts Erwartetes geliefert hat, sondern sich ein Stück weit weg traute. Eben in einer Zukunft spielend, in der Godzilla eigentlich schon gewonnen hat. Ihn dominant auf einer veränderten Erde herumwandeln lassen, statt durch präsente Großstädte. Und das Planet Eater Haruo plötzlich auf eine metaphorische Geistesreise schickt, Religion mal wieder böse war, Technikwahn irgendwie aber auch, und voll auf die Schiene des Nihilismus der Endlichkeit von uns als Menschen aber auch allem anderen einsteigt, ganz zu schweigen nie so ganz ein Happy End offerieren wollen scheint… ich denke niemand hat irgendwas davon wirklich von Godzilla erwartet.

Ist halt leider Schade, dass das Endresultat immer noch nicht so gut ist. Ich würde schon sagen, dass sich die Filme langsam steigerten. Planet of the Monsters war total langweilig, City at the Edge of Battle hingegen nur für seine erste Stunde der 90 Minuten. Die beiden hätten definitiv in einen Film zusammengefasst gehört. Planet Eater war dann sogar durchgängig ganz brauchbar. So richtig begeistern kann ich mich für das ganze Projekt an sich allerdings nicht. Dafür sind mir die Charaktere zu fade und werden mir nicht nahegebracht. Dafür hält es die interessanten Punkte zu lange (bis Film 3 im Prinzip) zurück, und scheint auch hier nie voll in die Tiefe zu gehen, sondern sie mehr zu servieren, um tief zu wirken. Und wie gesagt die Godzilla-Kämpfe waren auch eher lahm umgesetzt. Wäre dies hier nur Planet Eater gewesen, hätte ich noch sagen können, kann man sich ruhig antun. Aber die ganze Trilogie, nein die kann man getrost überspringen.

Godzilla: Planet of the Monsters

Es ist schon etwas seltsam, wenn man bedenkt, dass es Japan ganze 63 Jahre gebraucht hat, bis eine animierte Version ihres Vorzeige-Kaiju produziert wurde. Um da aber gleich mal aufzuholen, wurde mit Godzilla: Planet of the Monsters allerdings im November letzten Jahres gleich eine Trilogie losgebrochen, deren zweiter Teil demnächst in die japanischen Kinos kommen müsste. CG-Animation lässt sich natürlich auch vergleichsweise schneller produzieren, wenn man einige Assets bereits fertig hat.

Der Film beginnt In Media Res mit unserem Protagonisten Haruo auf einer Emigrations-Raumstation, der droht Bomben zu zünden, wenn die Verwaltung den Plan ausführt, die Alten einfach auf den Planeten Tau-e zu schicken, nur um sie loszuwerden. Was die Greise selbst allerdings wollen, um niemanden mehr zu Last zu fallen, beim Anflug jedoch deren Shuttle in die Luft fliegt, und Haruo weggesperrt wird.

Dann haben wir erst die Hintergrundgeschichte, wie wir in die Situation kamen, in der sich die Menschheit in Godzilla: Planet of the Monsters befindet, und die in den wenigen Minuten Schnelldurchlauf etwas verwirren kann, weil sie genug Stoff durchrasselt, um einem das Gefühl zu geben man hätte eine komplette Vorgänger-Trilogie an Filmen oder eine erste TV-Serie verpasst, an die angesetzt wird. Ende des 20. Jahrhundert sind Monster aufgetaucht, um der Menschheit das Leben schwer zu machen. Bis der König der Zerstörung Godzilla auftauchte, und zur noch größeren Gefahr wurde, Monster und Menschen gleichermaßen bekämpfend. Nomadisierende Aliens mit Elfen-Ohren, die Exif, tauchten auf, und versprachen Godzilla mit Mechagodzilla auszuschalten, wenn sie sich dafür auf unserem Planeten Erde breitmachen dürfen. Die Aktivierung funktionierte jedoch nicht, und so sind die letzten Menschen mit den Aliens zusammen auf dem Raumschiff auf der Suche nach einem anderen bewohnbaren Planeten geflohen. Das ist 20 Jahre her und nun geht trotz enormer Rationalisierung allen langsam die Lebensgrundlage auf dem Schiff aus, zumal die Bevölkerung dank des harschen Lebens und depressiver Stimmung sowieso auf wenige Tausend zusammengeschrumpft ist.

Nach zehn Minuten zurück im Hier und Jetzt wird deswegen beschlossen, doch dem Notfallplan nachzugehen, und einfach über einen Sprung wieder zurück zur Erde zu fliegen. Während für die Besatzung 20 Jahre vergangen sind, sind es auf der Erde allerdings 20.000 Jahre geworden. Und Godzilla macht den Planeten noch immer unsicher. Netterweise hat Haruo einen Plan, wie man ihn ausschalten kann, und wird mit ein wenig plolitischer Hilfe eines angesehenen Exif-Priesters aus seiner Gefangenschaft gelassen, um Teil des 600 Köpfe zählenden Kommandos zu sein, welches auf den Planeten vorstoßen soll. Im urzeitlichen Dschungel verbirgt sich aber nicht nur Godzilla, sondern auch auf seiner DNA basierenden Drachen.

Für mich klingt die Geschichte, wie die Menschheit hierherkam, ehrlich gesagt wesentlich interessanter, als das Nichts, welches uns der Film dann anschließend auftischt. Denn den Großteil macht tatsächlich einfach aus, Menschen ewig dabei zuzusehen, wie sie darüber reden, warum alles aussichtslos ist, warum es doch noch Hoffnung gibt, und dann wird ein wenig gegen die Drachen und Godzilla gekämpft, und fertig sind die 90 Minuten. Der Beginn mit Haruo ist nicht wirklich wichtig, weil keiner wesentlichen Einspruch erhebt, wenn er aus der Zelle entlassen werden soll, noch kommt es zu Spannungen mit dem Einsatzkommando, welches er letztendlich sogar anführen wird. Der Exif-Priester verschwindet fast ganz aus dem Film, sobald er seine politische Macht für Haruo ausgespielt hat, die aber auch kaum nötig gewesen zu sein scheint. Die neue Religion oder das Zusammenleben der Rassen wird nie zum Thema. Menschen sterben beim Einsatz, die wir nie richtig kennengelernt haben.

Abgesehen davon hat der Film ein enormes tonales Problem. Zum einen sind wir hier in einer extrem nihilistischen Situation. Die Menschheit hat bereits verloren, ihren Planeten aufgeben müssen. Die Reise auf der Suche nach einem neuen ist allerdings auch erfolglos geblieben. Die Leute haben auf dem Schiff ein schlechtes Leben und die Bevölkerung ist arg zusammengeschrumpft. Die Rückkehr zur Erde ist, nachdem sich herausstellt das Godzilla immer noch existiert, ein letztes hoffnungsloses Aufbäumen. Im starken Kontrast dazu steht Haruo, der wie ein typischer heißblütiger Anime-Hauptcharakter weite Teile des Filmes über heroischen Nonsens über das Beweisen von Mut, die Rückeroberung unserer Mutter Erde, und Heldentaten reden wird, während er im Mech oder auf einem Cyberbike gegen Godzilla kämpft. Das will zum einen nicht so richtig zusammenpassen, und statt sich auf einen der beiden Töne zu versteifen, hat der Film stattdessen irgendwie lieber gar keinen. Alles läuft so ein wenig motivationslos an einem vorbei. Optisch ist dem nichts geholfen. Die Animationen sind alle passabel aber unspektakulär. Die Welt wird in ausgewaschenen Farben dargestellt. Es gibt keinerlei Kreativität in der Kameraführung.

Macht insgesamt einen eher mäßigen Start in die Anime-Trilogie, mit einem Film voller Ideen, die nie erzählt werden, und der so Standard abläuft wie er aussieht.

Shin Godzilla

ava-2129War schon irgendwie komisch, dass der Godzilla-Film zum 60. Jubiläum eine amerikanische statt japanische Produktion wurde. Aber da die jetzt erst mal damit beschäftigt sind King Kong neu aufzulegen, um die beiden Monster dann anschließend gegeneinander antreten zu lassen wie damals in 1962, füllen doch die Japaner die Lücke. Immerhin hat Godzilla (2014) gut Kohle gebracht, da kann man sich mal wieder an einem jährlichen Japan-Output wagen. Und immerhin, 2016s Shin Godzilla hatte bombige Einspielergebnisse, für dieses Jahr steht bereits der nächste Streifen an, wenn auch überraschend als Animationsfilm.

Was übrigens nicht ganz uninteressant ist, ist die Wahl des Regisseurs, der zugleich auch das Script schrieb. Dafür verpflichtete man nämlich niemand anderen als Hideaki Anno, frisch im Burnout die Rebuild of Evangelions ewig nicht auf die Leinwände zu bekommen. Und man merkt seine Handschrift schon stark im Film. Es gibt jede Menge kurze Einblendungen von Verkehrsschildern/Verkabelungen sowie viel hin und her in Konferenzräumen. Entweder weite Shots, die die Räume groß und leer wirken lassen, oder extreme Closeups auf die Charaktere. Gerne mal die Kamera direkt am Hinterkopf von jemandem kleben lassen, während ein anderer im Hintergrund redet. Selbst die Musik klingt stellenweise wie direkt aus Evangelion entnommen.

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Auch beim Geschehen auf den Straßen Tokyos favorisiert Anno ähnlich dem 2014er-Film die Kamerawinkel eher auf Bodenlevel nach oben gereckt zu halten, und auch hier gern entweder weit weg oder ganz nah am Geschehen. Zusammen mit der Tatsache, dass wir hier so viele Einblendungen der Bevölkerung bei der Flucht, beim Wiederaufbau oder in den Bunkern bekommen, wirkt Shin Godzilla so nah und persönlich wie kaum ein anderer Film der Franchise. Denn er geht den gleichen Weg wie jeder Reboot, in dem Godzilla nämlich das einzige Monster ist, und die Sache wie ein ernster Katastrophenfilm aufgezogen wird.

Und ja, es bleibt bei einem Monster, auch wenn Anno hier uns clever etwas täuscht. Der Film beginnt im Prinzip direkt damit, dass ein unidentifiziertes Wesen in der Bucht von Tokyo auftaucht, wir sehen aber nur Wellen und von der Hitze verdampfendes Wasser, wenig mehr. Nach 10 Minuten bekommen wir dann den Reveal. Bis hierhin dachte man natürlich das wäre erneut einer der Filme, die ein großes Ding daraus machen das Monster lange bedeckt zu halten, obwohl wir alle ja wissen das es Godzilla ist und wie der generell aussieht. Tja, stattdessen schiebt sich ein schon fast komisch aussehendes Vieh durch die Straßen von Tokyo, welches etwas wie eine geschmolzene Wärmflaschenversion von Gamera aussieht. Beinahe lächerlich und bemitleidenswert, wirklich, wenn Anno nicht bereits hier deutlich machen würde, wie viel das Vieh bereits zerstört, mit wackeligen Kameraaufnahmen von fliehender Bevölkerung etc. Zehn Minuten später haben wir dann den richtigen Reveal: Es ist nämlich doch Godzilla. Im hiesigen Film kommt er nämlich durch Umweltverschmutzung zustande, ist ein konstant bedrohlicher mutierendes Urzeitwesen, dass viel radioaktive Abfälle gefressen hat, die einfach so ins Meer gekippt wurden.

Eine weitere Sache, die Shin Godzilla zum ersten Mal adressiert ist übrigens, dass es gar nicht so einfach ist, mitten über dem dicht bevölkerten Tokyo gegen Godzilla zu kämpfen. Vor jedem Waffeneinsatz muss erst das Ok des Premierministers höchstpersönlich kommen. Das macht auch den finalen Einsatz von nuklearen Raketen besonders gewichtig, da der Film schon bei normalen ein großes Ding draus gemacht hat. Atomare Verseuchung allgemein ist wieder groß im Film, denn auch Godzilla hinterlässt entsprechende Ausdünstungen, über den Film hinweg kann keiner so genau sagen, ob die Innenstadt von Tokyo überhaupt anschließen noch bewohnbar sein wird.

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Dabei begeht Shin Godzilla nie den gleichen Fehler, den Godzilla (2014) machte, und wird nicht langweilig. Kurz nachdem er zu Godzilla mutiert ist und doch ein wenig mehr von Tokyo zerstören konnte, verschwindet das Megamonster erst Mal kurz. Verschnaufpause die zeigt, wie sich Tokyo wieder zu heilen versucht. Nur damit ein größer gewordener Godzilla kurz darauf erst so richtig loslegt was die Stadtzerstörung angeht. Von jener kurzen Pause ab haben wir also so ziemlich den konstanten Film über das Monster onscreen. Es mag grundsätzlich lobenswert sein, dass sich Godzilla (2014) etwas zurückzunehmen wusste. Doch der Film hat einfach extrem für den anderen amerikanischen Eintrag, Godzilla (1998), überkompensieren wollen, wollte zu viel Klasse zeigen, in dem ein Indie-Regisseur verpflichtet wurde, der zum Großteil seine Monster nicht zeigt und auch deren Zerstörung erst mal nur in Ruinen, nachdem die Monster schon durch sind. Wir schauen aber einen Godzilla-Film eben genau aus dem Grund um Gigamonster beim Stadtplanieren zuzuschauen. Und Anno beweist hier eben sehr gut das, nur weil man das Monster viel zu sehen bekommt, ein Film nicht automatisch trashy oder lächerlich wird. Wenn das richtig gefilmt ist, bleibt es dennoch ein ernstzunehmender Katastrophenfilm.

Denn Shin Godzilla ist bewusst bierernst gehalten. Was dadurch unterstützt wird, dass wir mal keinen nervigen menschlichen Charakteren folgen, sondern eher die Entscheider in einer Katastrophensituation und ihre Stäbe dabei beobachten, wie sie gegen ein plötzlich auftauchendes Monster agieren. Mit viel Monster und viel Zerstörung dazwischen, damit die Angelegenheit nicht trocken und langweilig wird. So hat ein ernster Godzilla-Film auszusehen und nicht anders.

Godzilla

ava-1709Dieses Jahr ist Japans radioaktive Riesenechse 60 Jahre alt geworden, und das es zum Jubiläum einen Film geben muss, ist da natürlich selbstverständlich, immerhin gab es bisher zu jedem zehnten Jahrestag einen. Etwas überraschender ist da wohl schon eher, dass es eine amerikanische Produktion wurde, und das nachdem niemand etwas derem einzig vorigen Versuch abgewinnen konnte. Vor vier Jahren habe ich meinen Marathon durch die bis dato erschienenen Film beendet gehabt, da ist es natürlich genauso obligatorisch, dass ich mir auch sein dreißigstes Outing ansehe.

Wir beginnen auf den Philippinen, wo bei Minenarbeiten plötzlich eine ganze Kuhle absackt, in der radioaktive Fossile altertümlicher Monster entdeckt werden. Und dann geht es direkt nach Japan, weil Godzilla natürlich den ersten Unfall des Anstandes wegen doch ins Entstehungsland der Franchise verlegen muss. Damit das Publikum aber nicht von Asiaten, die sie nicht auseinander halten können, verwirrt wird, folgen wir auch hier einer kaukasischen Familie, die im nahen Kraftwerk arbeiten, bei dem es eben zu jenem Unfall kommt (Haken setzen auf der Liste beim Punkt „Godzilla-Filme integrieren aktuelle japanische Katastrophen, weil 1954 und Atombombe und so“), woraufhin dem Kerl seine Frau weg stirbt.

15 Jahre später ist das ehemalige Genie allerdings als Spinner verschrien, weil er Verschwörungstheorien dahingehend hat, dass dies damals kein Unfall war, und das Militär etwas vertuscht (Haken auf der Strichliste bei „Wissenschaftler, den keiner ernst nimmt, sieht es kommen“). Gespielt von Bryan Cranston schafft er es sogar beinahe, dass wir uns was um den Verlust seiner Frau scheren, obwohl wir sie nie kennengelernt haben, weil ihr „tragisches“ Ableben bereits in den ersten 5 Filmminuten statt fand. Jedenfalls ist der Kerl mal viel zu alt für einen Hauptcharakter, also darf er, nachdem er bewiesen hast, dass er recht hatte, da ein Insektenmonster im Sperrgebiet erwacht ist, das Zeitliche segnen, und seinem Sohn die Bürde der Heldenrolle übertragen.

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Der ist natürlich beim amerikanischen Militär und hat Frau und Kind in San Francisco, wo sich über den einen oder anderen Umweg auch die mittlerweile zu zweit befindlichen MUTO-Rieseninsekten hin machen, um ihm eine persönliche emotionale Bindung an den Kampf gegen sie zu präsentieren (macht gleich zwei oder drei Haken auf unserer Klischee-Hitliste). Ach ja, und Godzilla taucht auch irgendwann auf, weil Urmonster am besten durch Urmonster vernichtet werden (die MUTOs mögen Atomenergie saugen, und Godzilla bei den frühen Atomtests im Pazifik deren Ziel gewesen sein, aber über Verstrahlung mutierte Monster sind sie im hiesigen Film nicht). Weil die Natur regelt sich schon von selbst und ähnliche dumme Weisheiten, die der asiatische Wissenschaftler immer mal wieder von der Seitenlinie einwerfen darf (Haken machen!).

Ok, direkt mal was mir an Godzilla (2014) nicht gefallen hat: Handlung und Charaktere. Die lagen mir bei den Godzilla-Filmen noch nie sonderlich, da solche Monsterfilme fast immer ziemlich schwachbrüstig an ihnen sind, egal wie viel Zeit an sie verschwendet wird, und bestenfalls ein passables Alibi ausmachen. So eigentlich auch hier. Die Charaktere sind alle stereotype Pappaufsteller, zu denen nie eine Bindung aufgebaut wird, und die Handlung ist genauso absoluter Standard. Und der übertrieben kitschige Pathos und die schiere Aneinanderreihung an Klischees erst. Man kann garantiert sicher sein, dass in jeder Stadtzertörungssequenz ein Kind oder Hund im Mittelpunkt des Betrachters steht, weil es ein billiger Shortcut ist, das Publikum sich mehr scheren zu lassen, ohne dass es die Zivilisten überhaupt kennt. Und am Ende des Filmes liegen doch sowohl unser amerikanischer Superheld sowie Godzilla erschöpft im Dreck, und schauen sich in die Augen, teilen sich einen Moment. Godzilla kämpft auch tatsächlich nur gegen die MUTOs, verzieht sich nach getaner Arbeit wieder, und wird von der Bevölkerung als Held gefeiert. Würg.

Was ich Godzilla (2014) allerdings zugute halten will, ist das es wirklich Atmosphäre rüber bringt. Das Auftreten der Monster und die mit ihnen einhergehende Zerstörung sehen wir eigentlich nie auf Augenlinie mit ihnen, sondern immer aus der Sicht der menschlichen Bevölkerung. Das gibt der Sache mehr Gewicht und Größe. Die Monster wirken immer wie Giganten, die Zerstörung immer verheerend. Die CG-Kolosse bewegen sich wie echte Tiere, tauchen ominös aus Staubwolken auf etc.

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Überhaupt ist der Film dadurch überraschend Risiko-freudig. Das kommt schon alleine von der Bereitschaft Gareth Edwards das Projekt anzuvertrauen, dabei ist dies hier erst sein zweiter Feature Length Film und sein erster Nicht-Indie. Daher kommt wohl auch das überraschende Understatement und die Bodenständigkeit des Filmes. Allem CG und zerstörten Stadtlandschaften zum Trotze ist dies hier nämlich kein großes Monster-Spektakel fast nonstop a la Pacific Rim, sondern nimmt sich absolut ernst und als Katastrophenfilm, eben ähnlich dem ersten Godzilla von 1954. Wir sehen die Monster nur in kurzen, wackeligen Shots, viel in dunkler Nacht oder von Rauch halb verdeckt. Bis Godzilla auftaucht vergeht schon mal eine Stunde, und so richtig mit den MUTOs prügeln sehen wir ihn erst in den 15 Minuten des Finales. Die beiden vorigen Auseinandersetzungen geschehen Off Screen und werden uns höchstens erneut als kurze, wackelige Nachrichten auf einem TV-Bildschirm präsentiert. Selbst die Zerstörung der Städte durch die Monster bekommen wir vor dem Finale nur kurz und punktuell mit, sondern sehen es statt aktiv eher als Aftermath nachdem das Monster schon weiter gezogen ist.

Eben auf Grund dessen, dass der Film so gegen die Erwartungen schwimmt, und sich zu einem ernsten Katastrophenfilm zurück nimmt, wegen jenes Mutes will ich ihn eigentlich mehr mögen, als ich das dann letztendlich doch tue. Denn um ehrlich zu sein ist ein spaßiges Action-Spektakel mit viel Gekloppe und explodierenden Skylines a la Pacific Rim genau das, was ich lieber sehen würde, wenn ich einen Godzilla schaue, besonders wenn das Ding ganze 2 Stunden geht. Da fehlt mir hier trotz aller Atmosphäre einfach lange Strecken über der Unterhaltungswert. Abgesehen davon, dass sich die Risiko-bereitschaft eben nicht auf die Handlung und Charaktere ausdehnt, die langweiliger nicht sein könnten, aber eben so viel mehr Screentime als die Monster bekommen. Von daher tuts mir fast etwas leid, denn ich würde die hiesige Herangehensweise an den Stoff gern mit Begeisterung belohnen, kann den Stoff aber im Endeffekt nur etwas halbherzig abnicken statt ihm zu applaudieren.