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ava-1366Season 2: Ich hab zu Season 1 geschrieben, dass die Kids hier, im Gegensatz zu HSM wenigstens ein paar echte Probleme haben. Mittlerweile realisiere ich, dass 95% jener dann tatsächlich nur Liebesdrama ist. Es kann keine einzige Folge vergehen, ohne dass jemand mit jemand neuem anbandelt, sich trennt, jemanden betrügt, oder einer alten Liebe hinterhertrauert. Das nimmt schon geradezu lächerliche Ausmaße an – wie häufig hatten diese Staffel Quinn, Finn und Rachel einen Wechsel in Beziehungspartnern? Vor allem, wenn sie dann auch noch immer wieder zwischen den gleichen hin und her driften. Der einzige Charakter, der wirklich ein größeres Problem nicht romantischer Natur zu haben schien, war Kurt, dem der Closeted Gay der Schule den Tod androht, was aber letztendlich auch nur darin resultiert, dass Kurt einen Partner bekommt. Sams ganze Familie wird beispielsweise obdachlos, aber so richtig für wichtig scheint die Serie das nie zu befinden, wird es doch hauptsächlich erneut für Beziehungsmissverständnisse genutzt und anschließend nie wieder angesprochen.

Ansonsten bringt der Erfolg der ersten Staffel mit sich, dass es in der hiesigen nicht nur mehr Gesangseinlagen pro Folge gibt, sondern jene auch wesentlich häufiger wie ein Musicvideo aufgezogen sind, sprich besser inszeniert werden, statt die Kids halt nur im Clubraum rumstehen zu sehen.

Eine meiner zwei Lieblingsepisoden ist 203 „Grilled Cheesus“. Religion ist immer ein schweres Thema, aber Amerika wird es nicht müde, es zu behandeln. Glee, eine alles andere als subtil geschriebene Serie, bevölkert von eindimensionalen Charakteren, ist dann ausgerechnet eine, die einen recht guten Job macht, ohne wirklich für eine von beiden Seiten zu predigen. Auch wenn ich es echt seltsam finde, dass ein ganzer Club moderner Teens, vor allem aus so unterschiedlichen Hintergründen kommend, es durchgängig so skandalös findet, dass Kurt nicht an Gott glaubt. Vielleicht mag ich die Folge auch nur, weil es erneut eine ist, in der die Beziehung zwischen Kurt und seinen Vater zentral ist. Kurt konnte ich diesmal übrigens marginal besser leiden, vielleicht wegen all der Probleme, die er hier durchmachen muss, vielleicht auch nur, weil er nun fast immer im Pack mit dem wesentlich sympathischeren Blaine kommt.

Die andere Hightlightfolge ist 221 “Funeral”, in der der beste Charakter der Serie zu Grabe getragen wird und die mir mal wieder zeigt, warum Sue der nächstbeste ist. Gesehen habe ich sie übrigens kurz nachdem ich selbst auf einer Beerdigung war, und die hiesige ist so viel charmanter, als wie bei uns den strickt sozial vorgeschriebenen Rahmen zu befolgen und sich anhören zu müssen, wie der Pfarrer (wenn auch auf den Verstorbenen zugeschnittene) Plattitüden von sich gibt.

ava-1367Season 3: Ok, anscheinend ist es selbst den Schreibern von Glee aufgefallen, dass als das Beziehungsdrama in der vorigen Staffel mehr als nur ein wenig dämlich war, und somit ist es in dieser Staffel netterweise stark reduziert. Was bedeutet, dass man sich was anderes einfallen lassen muss, was den Leuten passieren kann. Hauptsächlich adressiert man zwei andere Dinge, die ich immer seltsam fand: Von wenigen Ausnahmen ausgenommen sehen wir nie etwas vom Familienleben der Kids; und ich fand es immer seltsam, dass sich selten mal jemand darüber beschwert, dass Rachel und Finn 90% aller Solos bekommen und der Rest des Clubs die Background-Singer abgeben müssen. Und hier bekommen wir ein wenige mehr des Lebens außerhalb des Glee Clubs zu sehen und es gibt internes Drama darum, dass dies hier immer die Rachel Show zu sein scheint – außerdem mehr Solos für die anderen.

Jedoch hauptsächlich füllt die Staffel die Zeit mit Gesangseinlagen, von denen es jetzt sogar noch mehr gibt, als in der vorigen Staffel. Ich mag ja Musicals, aber selbst mir ist das mittlerweile etwas zu viel gewesen. Ich kann ja verstehen, dass die Serie unglaublich viel Kohle dadurch abwirft, dass sich die Fans anschließend die Lieder der Episode per iTunes ziehen, also mehr Gesangseinlagen mehr Gewinn bedeutet, doch habe ich diesmal häufig dadurch auch das Gefühl, dass nicht für die Folgen Songs gesucht werden, die in die Storylines passen, sondern häufig auch einfach Songs zuerst da sind und dann schnell irgendeine Handlung drumrum geschrieben werden muss.

Denn sind wir mal ehrlich: Glee war nie eine sonderlich gut geschriebene Show, und schon gar nicht eine besonders gleichmäßig gut geschriebene. Manche Momente sind toll, manche schrecklich, dazwischen ist viel Standard. Die Charaktere sind nicht sonderlich dreidimensional und die Serie hat eine Neigung dazu, etablierte Fakten und Charakterentwicklungen mit der Zeit zu vergessen und mit Szenen aufzuwarten, die jenen wiedersprechen. Doch dies war noch nie so extrem der Fall, wie in Season 3, und das, obwohl Season 1 eine Frau hatte, die dachte, mit ihrer Scheinschwangerschaft durchzukommen, in dem sie einfach das der zur Adoption bereiten Quinn kauft, obwohl jene erst drei Monate später ungewollt schwanger wurde. Season 3 ist dann auch diejenige, bei der ich bisher keine wirklich herausragende Lieblingsfolge habe und nachdem sich der Club von eigentlich allen interessanten Charakteren verabschiedet, da die Hälfte des Casts nun die High School beendet hat, passend nachdem sie endlich nicht mehr die Außenseiter sind, wäre es vielleicht nicht übel gewesen, die Serie einfach hier und jetzt zu beenden.

ava-1368Season 4: Oh dear Lordy, Staffel 4 ist ein heilloses Durcheinander. Und hat viel zu viele Charaktere. Das Problem der Serie ist, dass es Charaktere ans College verliert, dummerweise aber im Prinzip alle beim Publikum beliebten. Also muss es dennoch weiterhin Rachel und Kurt und Finn folgen – und das obwohl Cory Monteith rein und raus geschrieben werden muss, je nachdem, ob er gerade auf Entzug war. Und alle anderen „verlorenen“ Charaktere machen regelmäßige Cameos. Dann gibt es die „Zurückgebliebenen“, die bereits in vorigen Staffeln im Glee Club waren und ihren Abschluss noch nicht gemacht haben. Allerdings alles wenig etablierte Nebencharaktere abgesehen von Blaine, der mehr und mehr Screentime bekommt, egal ob es was über ihn zu erzählen gibt, oder nicht. Und um den Cast aufzustocken, kommen neue Schüler in den Club, die ja auch irgendwo Screentime haben wollen. Und Glee weiß wirklich nicht, wie es diese alle jonglieren soll.

Und das Writers-Alzheimers gibt es natürlich wie eh und je, die Serie ist von Staffel zu Staffel schlechter und inkonsistenter geschrieben. Abgesehen davon recycelt Season 4 bereits frühere Plots en masse. Ein gutes Beispiel des Schreibdurcheinanders ist, wie die Beziehung zwischen Kurt und Blaine gehandhabt wird. In Season 2 haben die beiden Augen füreinander, Blaine will aber ihre Freundschaft nicht potentiell gefährden, in dem was Ernstes draus wird. Die Entscheidung, er kann nicht ohne Kurt leben, der Aufwachmoment, ist ausgerechnet, als Kurt einen toten Vogel besingt. I shit you not. Dann haben wir in Season 3 die Folge, in der Kurt sich vernachlässig fühlt, und ein wenig per SMS flirtet, weil es seinem Ego gut tut. Blaine ist sauer und stellt das bisschen harmlose Texting als quasi Fremdgehen dar. Kurt sieht das Problem nicht, obwohl er bisher als der moralisch standfesteste/prüdeste Charakter der Serie gehandelt wird, also derjenige wäre, der Texting = Cheating absolut sehen würde. Und jetzt, in Season 4 gibt es den gleichen Plot mit geänderten Rollen: Blaine fühlt sich vernachlässig, weil der nach New York gegangene Kurt in seinem neuen Job ein paar Wochen zu viel Stress hat, um allzu viel zu kommunizieren, also geht er fremd. Der Charakter, der die letzte Staffel ein paar harmlose Flirt-SMS fast für einen Trennungsgrund hielt, fickt einen anderen Kerl, weil sein Freund mal zwei Wochen keine Zeit für ihn hatte. Kurt trennt sich von ihm und bricht den Kontakt ab. Aber dann kitten sie Weihnachten den Spalt wieder, sind aber erst Mal nur Freunde. Blaine will aber Kurt zurück. Verguckt sich dann aber in Sam. Während Kurt mit einem anderen Kerl anbandelt, dann an Valentinstag aber doch mit Blaine rum macht, nachdem wir Kurts Neuen noch einmalig sehen, bevor er erklärungslos aus der Serie fällt. Und dann beschließt Blaine, um Kurts Hand anzuhalten. Obwohl die beiden nicht mal zusammen sind momentan. Zumal es so geschrieben ist, als täte Blaine dies nicht, weil er nicht ohne Kurt leben kann, sondern weil Homosexuelle nun (in ein paar Staaten) heiraten dürfen und er ein Statement machen will. Ugh.

Ein anderes Schmankerl ist, dass es in Season 4 gleich zwei Folgen gibt, in der sich Mädels dazu beschließen, sich nicht Sexualisieren zu lassen, weil das nicht richtig ist (Rachel lehnt die Rolle in einem Studentenfilm ab, weil jene Topless ist; Mercedes bricht mit ihrem Label, weil die ein freizügiges Bild auf dem CD-Cover wollen) – wohlgemerkt ist dies die Staffel, in der die Jungs des Glee Clubs einen Sexy Kalender produzieren, nachdem die Mädels meinen, so viel Beefcake muss doch genutzt werden, um Geld für den Club einzunehmen. Doppelstandard much?

Und noch ein Schmankelr: Rachel hat einen neuen Freund. Der ist nett, sexy und scheint echte Gefühle für sie zu haben. Dann findet sie heraus, dass er seine Miete damit bezahlt, den Gigolo für reifere Damen zu geben. Glee behandelt den Kerl ab nun, als wäre er der Staatsfeind Nummer 1, der absolut nicht vertrauenswürdig ist und wer weiß wozu fähig sein könnte, ja wenn Finn ihn unprovoziert verprügelt, ist das anscheinend Ok. Ich wiederhole, bisher hat die Serie den Kerl absolut positiv portraitiert, sein einziger Makel ist, dass er sich prostituiert, um über die Runden zu kommen. Dass dies ein Trennungsgrund sein kann, und gerade für Rachel auch wäre, mag ich verstehen, aber das die Serie in deswegen wie den schmierigsten Bösewicht schlechthin darstellt, will mir nicht einleuchten. Und stellt euch die Geschichte mal mit ausgetauschten Geschlechtern vor! Ein Mädel, das um Geld zu verdienen auf Prostitution zurück fällt, und logischerweise zunächst ihrem neuen Verehrer nicht unbedingt sagt, wie sie ihren Lebensunterhalt verdient? Alle hätten Sympathie für das arme Ding, aber wenns ein Kerl ist, ist er die Reinkarnation Hitlers [Godwin’s law check].

Und dann denkt sich Glee Season 4, sie könnte es handhaben, eine Folge über Schulschießerei und eine über die Doppelmoral von Kindesmissbrauch, wenn es eine heiße Dame an einem vorpubertären Jungen ist, zu bringen. Beides Vorkommnisse, die natürlich nach der jeweiligen Folge absolut vergessen und nie wieder angesprochen werden.

Warum schaue ich die Serie also überhaupt noch? Das ist so eine gewisse morbide Faszination, wie weit der Hasenbau noch geht, bevor er komplett in sich zusammenfällt. Und natürlich ein gewisser Comitment-Faktor, weil man es schon so weit gebracht hat. Im Prinzip die Gründe, warum viele noch Final Fantasy spielen, obwohl das letzte Gute FFX vor 12 Jahren war. Und manchmal ist die Serie ja auch noch niedlich und witzig, wenn Sue Sylvester einen ihrer immer selteneren Auftritte hat, wenn die Serie sich überhaupt noch daran erinnert, dass es Schulberaterin Emma gibt, wenn sie sich über ihre eigenen Fehler lustig macht und somit zeigt, dass sie zumindest manchmal erkennt, wie dämlich sie ist. Oh ja, und der Gesang, wenn er auch maßlos Überhand genommen hat, ist nicht übel.

So. Glee. I don’t hate it

ava-1347Glee, eine der großen Erfolgsserien der USA der letzten Jahre, war bei mir immer auf der “Eh… vielleicht“-Liste. Ich war mir nie sicher, ob ich High School Musical: The Series wirklich sehen wollen würde, da dies nicht so sonderlich interessant klingt. Irgendwann hab ich dann mal das Umbrella/Singing in the Rain Mashup gesehen, und mir gedacht, einen Versuch kann ich der Sache ja geben, wenn es zumindest eine toll inszenierte Nummer pro Folge gibt, reicht das vielleicht, außerdem ist es ja nicht so, dass ich mich nicht hin und wieder von reichlich dämlichen Serien beschallen lassen kann (immerhin schau ich auch mal Projekt Runway, ganz unironisch), und es ist nicht so, dass mich Serien nicht überrascht hätten, weil sie wesentlich besser sind, als ich reingehend gedacht hätte (Popular).

Das Ding, warum High Shool Musical: The Series nicht funktionieren würde, weswegen ich Glee skeptisch gegenüber stand, ist, dass in HSM nichts passiert. Hübschen Leuten in hübschen Sets bedeutungslose Lieder trällern zu hören mag noch für 90 Minuten „Hirn abschalten und von den bunten Farben beschallen lassen“ gerade so funktionieren, für eine längere TV-Serie ginge dies natürlich nicht. Da ist es wohl ganz gut, dass Glee eben nicht auf dem Disney Channel läuft, da jene Firma mittlerweile eben so enorm verängstigt ist, nicht PC zu sein, dass es in HSM keine ernsten Probleme geben darf. Aussagelosigkeit ist die ultimative Form der Political Correctness, denn wenn ich nichts sage, keine Meinung propagiere, gebe ich auch niemandem einen Grund, sich dran zu stoßen. Und wir leben in einer Zeit, in der, nicht zuletzt gerade in Amerika, irgendwer immer was findet, über das er-sie-es sich aufregen kann. Man kann froh sein, wenn sie nur etwas laut lamentieren, und nicht gleich vor Gericht mit gehen.

Die Kids in Glee dürfen tatsächlich ein paar Probleme haben. So hier und da. Ganz un-Disney ist die Serie dann aber doch nicht, versucht sie doch auch möglichst alle Randgruppen abzudecken, wenn es um die Clubmitglieder geht. Wir haben eine Asiatin, eine Schwarze, die zudem auch die Übergewichtige ist, einen Schwulen, ja sogar einen im Rollstuhl, der als Nerd doppelt. Politisch korrekter, als einen Rollstuhlgebundenen in einem Club zu haben, bei dem es ums Singen UND Tanzen geht, kann man kaum werden. Zudem ist für jeden ein Stereotyp dabei, um sich mit zu identifizieren: Rachel ist Overachiever und Perfektionistin, Finn der Football-Jock mit geheimer Musikleidenschaft, Tina ist die schüchterne Goth, Mercedes das sassy Black Girl, Puck der Bad Boy mit dem weichen Kern, Kurt der flaming Homo, und gleich drei Cheerleader: Das Alpha-Weibchen, dass unverhofft in einer Teenschwangerschaft steckt, sowie der dumme und der nuttige Stereotyp.

Die erste Staffel besteht nun hauptsächlich darin, wie wir dem Glee Club folgen, unter neuer Leitung eines aufopferungsvollen Lehrers, immer am Rande aufgelöst zu werden, hin zu ihren ersten Finals gegen andere Clubs. Vom Leben außerhalb des Clubs bekommen wir in den 22 Folgen eher wenig zu sehen, abgesehen von Lehrer Will in seinen Eheproblemen und Kurts Beziehung zu seinem Vater hier und dort. Natürlich mit moderat vielen Gesangseinlagen, manchmal als Club-Probe, manchmal dann doch Musical üblich einfach das heraussingen der Gefühle, allerdings ist der Gros einer Folge immer noch „normales“ Schauspiel.

Wie der Titel bereits verrät, hasse ich die Serie nicht. Ich mag sie sogar insgesamt ganz gut leiden. Sie hat schon einen gewissen Charme und Schwung und ist ziemlich einfach verdaulich, wodurch man schnell mehr Folgen gesehen hat, als man dachte schauen zu wollen. Allerdings ist sie auch eine unausgewogene Serie. Manche Folgen können sich absolut nicht auf einen Ton einigen, haben wirklich gut geschriebene, ehrliche Charaktermomente, nur um in der nächsten Szene dann schrecklich geschriebenen Humor zu präsentieren, bei dem man das Zielpublikum prompt im Kindergarten erwarten würde. Dann gibt es wieder Witze, die durchaus funktionieren. Es ist schon ein wenig Berg und Tal. Die obligatorische Folge, in der die dicke Mercedes beispielsweise bei die Cheerleader passen will, in dem sie eine ungesunde Crashdiät macht, nur um zu kollabieren und zum Schluss zu kommen, sie ist toll, so wie sie ist, mit allen ihren Kurven. Die ganze Story Arc ist absolut uninvolvierend nach Schema F geschrieben und die Szene, in der sie die Mitschüler als Essen sieht, wie aus den Loony Toons. Die Folge, in der ausgerechnet Rachel plötzlich sich in Lehrer Will verguckt, wenn er natürlich auch dafür prädestiniert ist, doch irgendwie seltsam und scheinbar nicht ganz zu ihrem Charakter passend. Die ganze Sache, wenn Rachel sich mit Konkurrenten Jesse einlässt, der sie ausspionieren will, sich dann doch in sie verliebt, ihr dann aber dann doch das Herz bricht, kam mir so vor, als hätte ich permanent wichtige Szenen zwischen ihnen verpasst.

Jedoch, die meiste Zeit über ist Glee schon ganz ok. Manchmal gibt es sogar richtig gute Momente. Episode 109 „Wheels“ ist ein Paradebeispiel. Ja, es ist die obligatorische Folge über den Rollstuhlfahrer und wie dem Rest des Clubs beigebracht wird, wie schwer es für ihn doch ist – aber auch um die schwangere Quinn, den homosexuellen Kurt, und überraschend die doch menschliche Antagonistin Sue. Die Episode ist einfach so herzig, so ehrlich, dass sie locker mein Favorit der Staffel ist, umso mehr kontrastierend mit der absolut miserabel geschriebenen 110 „Ballad“, eben jener „Rachel steht auf den Lehrer“ Episode.

Und kommen wir noch mal zu Kurt. Ähnlich Artie ist sein Charakter ein Stereotyp. So wie Artie die Staffel über darauf reduziert ist „der Kerl im Rollstuhl“ zu sein, ist Kurt „der Schwule“. Und ich kann den Charakter wirklich nicht leiden, weil er so unglaublich schlecht geschrieben ist, so over the top und so inkonsistent dazu. So stereotyp „Homo“, wie er geschrieben ist, ist nahezu beleidigend. Und ich hab noch nicht mal was dagegen, wenn Homosexuelle in TV-Serien wiederholt ziemlich vielen Klischees entsprechen, so mag ich sowohl Will & Grace, wie auch Modern Family, weil es sowieso nur Comedies sind, und es zudem nie mit böser Absicht erscheint, sondern es wird mit uns gelacht, nicht über uns (außerdem lässt sich nicht bestreiten, dass es immer Leute geben wird, die eben wie der Stereotyp der jeweiligen Gruppe sind). Klar, jeder Charakter in Glee ist ein Stereotyp, und Subtilität sich nicht das Wort, welches je in Bezug mit der Serie genannt werden wird, doch Kurt ist wirklich zu viel des Guten… Schlechten? Zumal seine Character Arc auch dadurch nicht funktioniert. Er fällt ständig hin und her, Angst vor einem Outing zu haben (Schätzchen, bei deinem Verhalten kann sich das eh schon jeder denken) und zu beteuern, anders zu sein ist seine Stärke. Er nennt sich selbst „honorable female“ in einer Folge, nur um später sauer auf seinen Vater zu sein, weil der keinen „guy talk“ mit ihm haben kann. Was ich an Ian, dem schwulen Charakter in Shameless, so nett fand, ist, dass seine Homosexulität gar kein so großes Ding ist. Sicher, es ist auch hier Teil seiner Character Arc, weil es natürlich eine definierende Komponente des Charakters ist, doch Ian ist zuvorderst als Charakter geschrieben, der halt nur schwul ist, nicht zuvorderst „schwul“ geschrieben. Kurt ist das Gegenteil davon.

Welchen Charakter ich allerdings absolut liebe, ist Kurts Vater. Die Momente mit ihm sind im Prinzip die einzigen Kurt-Szenen, die ich ertragen kann. Sicherlich, er ist der absolute Hetero-Kleinstadt-Kerl, als Mechaniker in Flanell und Football-Fan, dessen Interessen sich absolut nicht mit denen seines Sohnes überschneiden, aber dennoch liebt er seinen einzigen Sohn, bestärkt ihn in den Dingen, die wichtig für ihn sind, setzt sich für seine Rechte ein. Und das alles überraschend nett geschrieben und geschauspielert, statt übertrieben cheesy zu sein. Weitere Charaktere, die besser sind, als die Glee-Kids wären die Schulpsychologin Emma, recht schüchtern und mit Reinlichkeits-OCD, aber immer hinter den Schüler stehend. Sowie natürlich Sue Sylvester, die „Böse“ der Serie, die die Cheerleader zu wiederholten Erfolgen führt und den Glee-Club aufgelöst sehen will, zum einen, um das Geld in ihre Clubkassen fließen zu sehen, zum anderen aber auch aus persönlicher Vendetta. Sue ist einfach viel zu witzig und extrem geschrieben sowie geschauspielert, um sie nicht als Bereicherung zu sehen. Jede Handlung braucht einen unterhaltsamen Antagonisten, und Sue könnte nicht unterhaltsamer sein. Zudem sind die Szenen mit ihrer Schwester erneut einige der ehrlichsten und charmantesten, die die Serie zu bieten hat.

Ach ja, um Musik geht es in Glee ja auch, gell? Gesunden (und häufig auch choreographisch getanzt) wird genug, im Schnitt drei Mal pro Episode, nach 113 sogar gern auch häufiger. Die ganz großen Einlagen wird man in der ersten Staffel aber noch nicht finden, die gibt es wohl erst durch deren Erfolg später. Aber immerhin hat man natürlich darauf geachtet, dass die gecasteten Schauspieler dies auch wirklich können. Ein Großteil der erwachsenen Rollen (mit wiederholten Gesangseinlagen) kommen vom Broadway und auch die meisten Kids haben Gesangstalent, für die anderen wie Cory „wie soll die Serie nur ohne ihn weitergehen“ Monteith gibt es Auto-Tuning. Dessen extremer Einsatz hat der Serie auch durchaus einen schlechten Ruf eingebracht, gerade weil es eben bei vielen Akteuren absolut unsinnig ist, es einzusetzen. Ich bin ja musikalisch nicht bewandert, und so höre ich häufig nicht mal den Unterschied dazwischen, was nun eben einfach eindeutig im Studio pre-recorded ist (was die Einlagen natürlich alle sind) und was zusätzlich mit Auto-Tuning bearbeitet wurde (was nach Hörensagen aber auch fast alles sein soll).

So, Glee. Ich fand es ehrlich gesagt ganz niedlich. Ja, es ist eine junge Serie, hauptsächlich über mehr oder weniger dumme Probleme von Teenagern, die denken, wer sie in der High Shool waren, hätte auch nur den geringsten Funken Wichtigkeit im erwachsenen Leben. Aber es ist eben ganz charmanter und schwungvoller Fluff, mit quirligen Charakter-Stereotypen und durchaus einigen Momenten zum gern haben, nur wenigen zum wirklich absolut nicht mögen. Ich hoffe nur, dass folgende Staffeln etwas auf konstanterem Niveau geschrieben sind.