Garden of Sinners – Extra Chorus

ava-1728Auch dem achten Film zu Garden of Sinners, Future Gospel, lag in der Auswertung für Heimvideo mit Extra Chorus eine halbstündige Bonus-Episode bei. Diesmal allerdings drei kleine Kurzgeschichten erzählend, die alle ähnlich dem Hauptteil von Future Gospel in 1998 angesiedelt sind, also erneut vor dem Ende der ursprünglichen Reihe spielen.

Die erste davon dreht sich um eine Katze. Oder besser gesagt darum, dass Kokuto wegen einer Geschäftsreise eine Katze bei Shiki unterbringt, damit die auf sie aufpasst. Stellt sich raus die Katze ist so ziemlich genau die feline Version von Shiki, liegt nämlich den ganzen Tag nur ruhig herum, auf die Rückkehr Kokutos wartend. Als der sie dann anschließend an jemanden abgeben will, gefällt Shiki das erwartungsgemäß gar nicht.

Die zweite Geschichte bietet uns ein Mädel, welches die beste Freundin einer der Mädchen aus dem Vorfall in Overlooking View, wo sich eine Hand voll Schülerinnen unerklärlich nach und nach von einem Hochhausdach geschmissen haben, war. Nur das sie weiß warum, denn sie hat ihrer Freundin ständig mit romantischen Fantasien vom Doppelselbstmord in den Ohren gelegen, macht sich also für die Sprung verantwortlich. Bis eine blinde Mitschülerin sie beinahe umbringt, um ihr die Faszination am Tod auszutreiben.

Und im dritten Part gehen Kokuto und Shiki einfach zu Neujahr zusammen zum Tempel, beobachten ein wenig den Schnee, und wünschen sich, dass im nächsten Jahr alles gut verläuft. Woraus ja nicht unbedingt was wurde wie wir wissen.

Der Extra Chorus ist für ein Garden of Sinners erstaunlich… unprätentiös. Gerade im Vergleich zu Epilogue, dem Bonus der früheren Filme, in dem wir 30 Minuten zusehen durften, wie sich Shiki und Kokudo anstarren, und dabei viel heiße Luft ohne jegliche konkrete Aussage fabrizieren. Hier wird auch viel geredet, allerdings hat das immer einen Punkt und eine Relation zum Geschehenen, statt frei Schnauze über Gott und die Welt zu philosophieren, ohne das die Gedankenspiele wirklich wohin führen würden.

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Garden of Sinners – Future Gospel

ava-1726Im Sommer 2012 habe ich mich durch alle sieben Filme der Anime-Adaption zu Kinoko Nasus Light Novels, The Garden of Sinners, geschaut, ja sogar die in Japan für das BluRay-Release nachgeschobene Epilog-Episode hinten dran gehängt. Doch wie ich nun nebenbei mitbekommen habe, ist das gar nicht alles, was es zur Franchise gibt. Nein, nicht Gate of Seventh Heaven, der ist nur ein Recap-Film. Stattdessen haben die Japaner ganz hinterrücks ein Jahr nach meines Serien-Marathons einfach noch einen neuen Film in ihre Lichtspielhäuser gebracht: Future Gospel.

Der beginnt dann auch gleich mal damit, dass uns ein unbekannter Sprecher erklärt, er habe zwei Sichten. Sein linkes Auge zeigt ihm das Jetzt, sein rechtes die Zukunft. Eine Zukunft, die unumstößlich ist. Dann sehen wir Shiki wie sie in eine Tiefgarage kommt, auf der Suche nach einem Bombenattentäter – unserem Sprecher. Der lässt das Ding direkt neben Shiki hochgehen.

Und dann springen wir zeitlich etwas zurück und sehen ein Mädel, Shizune genannt, die ins Mädchen-Internet aus Oblivion Recorder geht. Jepp, Future Gospel beweist doch direkt in der Eröffnung schon, dass es ein Garden of Sinners ist. Luftiges Philosophieren, blutiges Attentat, schlagartiger Stimmungswechsel. Und natürlich Zeitsprünge, die über die 90 Minuten hinweg mehrmals in der Zeitlinie vor und zurück gehen werden, allerdings alles recht human nur um ein paar Tage, nicht um die gewohnten Jahre. Fast zumindest.

Jedenfalls kann auch Shizune die Zukunft sehen, was sie nicht so toll findet, da sich daran nämlich nichts ändern lässt. Was bringt einem die Sicht auf eine nicht abwendbare Zukunft schon? Langweile, weil einem die Überraschungen fehlen. Und derbe Rückschläge, weil man Katastrophen zweimalig erlebt, bei der ersten Vorahnung, und dann wenn sie wirklich eintreten. Dabei dann noch das Gefühl von Machtlosigkeit, weil sich’s nicht ändern lässt, egal wie sehr man dies mögen würde.

Nur trifft sie dann auf Kokuto, der ihr doch tatsächlich hilft einen Unfall, von dem sie eine Vision hatte, zu verhindern. Anschließend trinken sie gemeinsam einen Kaffee und schwafeln über die Zukunfst-Sicht und das sie doch nicht so übel ist, und die Zukunft eben nicht in Stein gemeißelt sein kann. Zwischenzeitlich Cuts auf die Investigation Shikis ob des Bombenattentäters, in der uns Azaka mal wieder Exposition Dumps gibt. Hauptsächlich gegenüber der zwei Arten der Hellsichtigkeit: Vorahnung und Abmessung.

Vorahnung ist, was Shizune hat. Nämlich lediglich die Sicht auf das, was geschehen wird. Was der Film weitestgehend damit abdeckt, dass solche Leute nur besonders aufmerksam sind, und ganz unbewusst alle möglichen Anzeichen und Informationen aufnehmen, und daraus einen fast passgenauen Schluss ziehen, was geschehen wird. Einen Ansatz, den ich interessant finde, weil Hellseher ja häufig einfach nur gut darin sind, Menschen zu lesen und die richtigen Fragen zu stellen, auf dem sie dann ihre Voraussagen basieren. Geht halt nur im Falle von Shizune nicht ganz auf, weil sie Dinge für Leute voraussieht, für die sie gar nicht genug Infos haben kann. Ein Kerl steigt vor ihr aus dem Bus, ohne das sie ihn auch nur sonderlich beachtet, und daraus zieht sie sich, das er hundert Meter die Straße runder von einem LKW geplättet werden wird?

Abmessung ist das, was unser Bombenleger Mitsuru hat. Wie er selbst meint, kann er mit seinem rechten Auge die Zukunft sehen, die ihn erfolgreich macht, während sein linkes ihm dann zeigt, was er machen muss, damit jene auch wahr wird. Abmessung besteht also darin, alle anderen möglichen Wege zu verbauen, bis reell gesehen nur noch die Zukunft eintreffen kann, die man haben will. Zumindest bis Shiki sich einmischt, und seine Zukunftssicht zerstört, weil das ungreifbare Konzept der Zukunft dann doch eine für sie zerlegbare Form annimmt, sobald man sie in ein festes Muster quetscht, weil man mit Abmessung alle alternativen Möglichkeiten eliminiert hat.

Für die letzte halbe Stunde springt der Film dann doch Jahre in die Zukunft – die vorigen Ereignisse spielten in 1998, also kurz vor dem Ende der Original-Reihe in A Study in Murder II – und zwar nach 2010. Mitsuru hat überlebt, und ist von Yakuza-Boss Shiki dazu gebracht worden, für sie zu arbeiten, und ihre Tochter Mana hat auch einen Narren an ihm gefressen. Dann geht’s noch mal schnell ins Jahr 1996, in dem der Nebencharakter der Hellseherin Mutter Mifune SHIKI die Zukunft vorausgesagt hat.

Tja, ist ein Garden of Sinners halt, nicht? Es wird viel geredet, viel hochtrabend philosophiert, diesmal eben hauptsächlich über das Konzept der Zukunft und der Hellsicht, aber wenn man anschließend wirklich zurückdenkt, was konkret in den 90 Minuten herausgesprungen ist, dann war das wieder nicht unbedingt so wahnsinnig viel. Das ist durchaus auch mal Ok so, denn manchmal ist einfach mal frei und ziellos vor sich hin zu sinnieren auch nicht übel, und man ist es von der Reihe mittlerweile auch gewohnt. Nur das eben Future Gospel noch ein wenig loser wirkt, fast gar nie mit wirklicher Action auflockert, ja nicht mal so richtig einen roten Faden an sich offeriert, sondern mehr konzeptionell zusammenhängende Gedankengänge.

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Garden of Sinners – Epilogue

Die The Garden of Sinners Filmreihe mag mit A Study in Murder (Two) Ende 2009, also über zwei Jahre nach dem Start in Overlooking View Anfang 2007, sein Ende auf der Leinwand der Lichtspielhäuser Japans gefunden haben, doch eine weitere Episode gibt es dennoch irgendwie. Die ist allerdings nur ein halbstündiger Bonus (der kürzestes Film ist aber ja nun auch nicht so viel länger), der beim BluRay-Release Anfang 2011 dazu geschmissen wurde.

Kokutou geht im Schnee die Hügelstraße hinauf, wo er Shiki zum ersten Mal gesehen hat. Auch heute steht sie dort, auf die Stadt hinabblickend. Aber es ist nicht Shiki, nicht jene zumindest, die er normalerweise antrifft. Es ist auch nicht SHIKI, der ja verloren ging, sich opferte, als Shiki ins Koma viel. Nein, es ist Shiki Ryougi, der Archetyp unter jenen beiden Persönlichkeiten, der normalerweise nie ans Licht kommt.

Ryougi mag Kokutou einen Wunsch erfüllen, doch jener lehnt ab, was jene sich eigentlich schon dachte. Anschließend sinniert sie dann mit wenig Unterbrechungen seitens Kokutou darüber, was die Persönlichkeit ausmacht, wie Körper, Seele und Hirn einen ausmachen, wie die Persönlichkeit des Körpers durch jene, die das Hirn mit seiner Intelligenz erschafft, überschattet wird, wie der Archetyp nur nach innen schauen kann, während die sich selbst wahrnehmende Persönlichkeit auch die Außenwelt und ihre eigene Position in ihr wahrnimmt. Und das sie, Ryougi, der Archetyp der Shikis, leer ist, da ihr Ursprung eben das Nichts ist. Das sie damit die Welt enden und einen neue schaffen könnte, aber lieber von Leere träumt. Und das Kokutou der wahre Einsame ist, weil er nicht einfach nur ein absolut durchschnittliches Leben, ohne je anzuecken, führt wie so viele, sondern im Gegensatz zu allen anderen dies auch so will, statt nach Besonderheit zu streben. Und gerade dies macht ihn so besonders und so einen guten Ruhepol für Shiki.

Oder so ähnlich. Dass der Epilogue-Bonus nicht unbedingt im The Garden of Sinners Lizenzpacket mit drin steckt und deswegen beispielsweise auch nicht auf der deutschen Auswertung der Reihe auffindbar ist, ist ehrlich gesagt absolut kein Verlust. Die Serie verzettelt sich schon immer mal wieder gerne zwischendurch in hochtrabendes Gebrabbel, das auf den ersten Blick vielleicht intelligent und philosophisch klingen mag, aber genau genommen prätentiöses Geschwafel ohne wirkliche Bedeutung darstellt. Und die Episode ist genau dies und nichts anderes: Shiki macht sich eine halbe Stunde verbal zum Affen und man wundert sich, warum Kokutou nicht nach zehn davon schon vor Langeweile komatös im Schnee liegt. Der Serie irgendwas von Wichtigkeit hinzu fügt Epilogue somit auf keinen Fall und kann getrost übersprungen werden.

Garden of Sinners – A Study in Murder II

Es ist Februar 1999 und die Mordserie von vor vier Jahren geht weiter. Diesmal sind es allerdings zerstückelte Leichen in Seitengassen des Einkaufsviertels und alle scheinen mit der neuen Modedroge in Berührung gekommen zu sein. Shiki hat übrigens kein Alibi und es wurde in der Nähe des Mordschauplatzes jemand im Kimono gesichtet. Kokurou denkt allerdings weiterhin, dass Shiki keine Mörderin ist und beginnt die Sache zu investigieren.

Shiki treibt sich tatsächlich in jenen Gassen rum und stößt so auch auf jemanden, der wie sie aussieht und gerade an ein paar seiner neusten Opfer rum isst. Die beiden liefern sich einen kleinen Kampf, Shiki ist zwar überleben, tut ihm aber nix, was ihn enttäuscht. Er meint, er müsse halt das aus dem Weg räumen, was Shiki bremst.

Das ist natürlich Kokutou, der in seiner unglaublichen Weisheit beim Mörder zu Hause angelangt ist, wo eine wahre Kultstätte um Shiki auf ihn wartet. Stellt sich raus, es ist Lio, ein ehemaliger Schulkamerad, den Shiki damals abblitzen lassen hat. Er hat daraufhin jemanden umgebracht und angefangen, ihn zu essen, was Souren angelockt hat, der ihm seinen „Ursprung“ offenbarte. Jedoch mag Lio Kokutou eigentlich und lässt ihn somit noch mal gehen, mit der Warnung, dass er ihn beim nächsten Mal tötet.

Touko erklärt uns die Sache mit dem „Ursprung“. Denn wenn man an Reinkarnation und frühere Leben glaubt, so muss doch auch die eigenen Existenz dennoch irgendwann, irgendwo mal angefangen haben. Das ist der Ursprung eines selbst. Ihn offenbart zu bekommen führt dazu, dass man sich all jener früheren Existenzen gewahr wird, die man durchgemacht hat, die immer von jenem Ursprung geprägt waren, was einen natürlich in den Wahnsinn treibt. Lios Ursprung ist das „Konsumieren“ eines Raubtieres, also das fressen seiner Beute.

Shiki derweil ist mal wieder einer Einladung Lios gefolgt, ist wieder überlegen, kann ihn aber wieder wegen der Worte Kokutous nicht umbringen. Noch bevor Lio aber wirklich was ernstes mit der gefesselten Shiki anstellen kann, taucht Kokutou auf, um den er sich erst Mal kümmern muss. Als der ihm auch noch eine Ansprache hält, dass er gar nicht wie Shiki ist, da er die Verantwortung an seinen Morden gar nicht trägt, sondern vor ihr davon läuft, muss Kokutou dran glauben.

Shiki hat sich derweil von den Handschellen befreit, in dem sie sich den Daumen abgebissen hat und nachdem Lio ihr offenbart, dass er nun Kokutou und damit den Grund ihres Zurückhaltens beseitigt hat, bekommt jener endlich seinen Wunsch erfüllt und Shiki tötet ihn. Kokutou hat aber eigentlich nur ein Auge verloren und auch wenn Shiki nun tatsächlich mit einem Mord auf ihrer Gewissen weiterleben muss, so will er natürlich weiterhin für sie da sein.

Und somit endet die Filmreihe mit A Study in Murder (Two), überraschenderweise tatsächlich mit allen Hauptcharakteren noch am Leben, was ich nicht unbedingt erwartet hätte. Gestorben wurde ja genug. Das große Finale ist dabei häufig überraschend langsam, wie üblich viele Gespräche und gar nicht mal so viel Action, wenn man mal den Body Count der Reihe bedenkt.

Aber es geht in Garden of Sinners ja sowieso viel mehr um die Charaktere, denn irgendwas anderes, die ganzen Kämpfe und der übernatürliche Kram sind da nur schmuckes Beiwerk. Shiki ist nun also endlich über den Verlust von SHIKI hinweg und kann sich endlich voll auf Kokutou einlassen und darum ging es dann irgendwie anscheinend eh die ganze Zeit.

Daneben wird viel über das Morden philosophiert. Der Unterschied zwischen Mord und Meucheln; die Tatsache, dass man anscheinend nur einmal im Leben jemanden wirklich morden kann; dass man sich damit irgendwo selbst tötet und all so ein Zeug, von denen ich nicht unbedingt bei jedem wirren Gedankengang auch hundert Pro komplett mitgekommen mit. Aber mit dem Meisten.

Ja, war ein netter Film. Ich hatte glaube ich irgendwo ein wenig was Größeres erwartet, aber irgendwie war es schon ein recht passender Abschluss für die Reihe.

Garden of Sinners – Oblivion Recorder

Azaka ist die jüngere Schwester von Kokutou, und schon ewig in ihren Bruder verliebt. Das macht sie natürlich nicht gerade zu einem Fan von Shiki. Außerdem ist sie ein Magus-Lehrling unter Touko und geht auf ein entsprechendes Internat. Dort hat vor einiger Zeit ein Mädchen Selbstmord begangen, nachdem sie schrie, die Elfen würde kommen. Und eben jene Elfen soll Azaka nun investigieren. Da sie die nicht sehen kann, hat Touko ihr ausgerechnet Shiki zur Hilfe gestellt, die das kann. Und natürlich, weil es Touko amüsiert.

Stellt sich heraus, dass Schülersprecherin Ouji die Elfen kontrolliert und sie dazu nutzt, um die Erinnerungen der Klasse 1-4 zu stehlen, in der Kaori war, weil sie mit ihr befreundet war und diese Selbstmord-Schande nicht stehen lassen kann. Außerdem will sie die Mitschüler bestrafen, weil sie der deutlich dahinschwindenden Kaori nicht geholfen haben.

Stellt sich letztendlich aber raus, dass natürlich doch wieder alles ganz anders ist. Und zwar ist einer der Lehrer, Kurogiri, ein mächtiger Magus, der auch God’s Word genannt wird, da seine Worte eine absolute Sugestivkraft beinhalten. Sprich: Was er sagt, das erscheint einem auch so. Kaori hat den Lehrer Hayama damals beim Drogenkonsum überrascht, woraufhin er sie einfach auch abhängig gemacht hat. Die schwindende Erscheinung der beiden war also durch die Drogen, nicht durch irgendwelche Elfen. Und die haben die beiden auch in die Illusionen und zum Selbstmord getrieben. Oujis Erinnerung ist die, die eigentlich zuerst gestohlen wurde, ersetzt durch die nette Geschichte, die ihrer Rache einen Kanal gibt. Warum Kurogiri das macht? Einfach nur für seine eigene Unterhaltung. Eigentlich wurde er nämlich von Magus Souren nach Japan geholt, damit er die geraubte Erinnerung Shikis wieder hervorholt.

Nach den Credits dann sehen wir, wie ein junger Kerl einen anderen umbringt und dann frisst, anschließend von Souren Besuch bekommt.

Und nach einem rasanten fünften Film kommt Garden of Sinners im Pre-Finale erst mal wieder auf die Bremsspur. Das ganze Geschehen im Film ist im Prinzip relativ irrelevant, abgesehen vom wahren Grund, warum Kurogiri überhaupt da ist. Eben um uns zu sagen, dass Shikis partielle Amnesie eben nicht aus Plot Convenience existiert, wie in so vielen Anime, sondern tatsächlich von jemandem forciert wurde.

Überhaupt fühlt mach sich – von der After Credits Szene mal abgesehen – nicht so wirklich, wie in einem Garden of Sinners. Oblivion Recorder dreht sich also um Nebencharakter Azaka und wie sie in einem Magische-Mädchen-Internat einem Geheimnis auf die Schliche kommt. Selbst Shiki wirkt hier fast schon out of character, so nett, wie sie zu Azaka ist und was sie sich alles von ihr gefallen lässt. Azaka benimmt sich dann auch wie ein Moe-Stereotyp, statt wie ein echter Mensch oder die mysteriös-verklärten Restfiguren, die man aus der Reihe kennt.

Sprich Oblivion Recorder ist das Odd Duckling der Reihe. Irgendwie anders, irgendwie komisch. Nicht mal so wahnsinnig schlecht, wirkt es halt einfach etwas deplatziert, gerade so kurz vorm großen Finale und direkt hinter den Ereignissen von Paradox Spiral. Dabei ist es chronologisch hier sogar richtig, spielt der 60-Minüter doch im Januar 1999, also zwei Monate nach Paradox Spiral.

Garden of Sinners – Paradox Spiral

Die Enjous sind eine dysfunktionale Familie: Der Vater trinkt und schlägt die Mutter, der es eines Nachts reicht, und ihn ersticht. Anschließend will sie auch Sohn Tomoe umbringen, doch der wehrt sich und zerstückelt stattdessen die Mutter, flieht aus der Wohnung. Auf der Straße trifft er auf Shiki und bittet sie, ihn bei sich aufzunehmen, wenn sie nichts dagegen hat, dass er ein Mörder ist (Japaner, höflich bis zum Ende). Shiki meint, das ginge schon in Ordnung, sie ist ja auch ein Mörder und Kokutou ist momentan eh nicht in der Stadt.

Das geht eine Weile so, während der Tomoe wiederholt Träume von der Nacht hat, mit den Unterschied, dass in jenen seine Mutter ihn im Schlaf umbrachte, statt dass er rechtzeitig erwachte. Außerdem wundert er sich darüber, dass die Nachrichten nichts über die Morde bringen. Bis er dann seine Mutter auf der Straße sieht. Er und Shiki gehen also mal bei ihm vorbei. Shiki merkt schnell, dass am Apartmentkomplex etwas nicht stimmt, und gibt auch eine recht komplizierte Erklärung darüber ab, wie es designt ist, um Leute zu desorientieren und das die Apartments einfach ausgetauscht werden konnten, ohne dass die Bewohner es bemerkten. In Apartment 405 leben Dummies der Enjou-Familie vor sich hin, damit niemand aufmerksam wird, auf der nun versteckten gegenüberliegenden Seite des Gebäudes ist Apartment 410, in der sie wirklich lebten, und wo die Leichen vor sich hin verwesen.

Das ganze Ding ist nämlich ein Experiment des Magus Souren, der Shiki auch prompt angreift und sogar dank seiner Bannkreise und der Tatsache, dass Shiki bei ihm die Todeslinien nicht sehen kann, besiegt und im Gebäude versiegelt.

Nun sehen wir Kokutous Seite der Ereignisse. Zunächst ist er einen Monat weg, um Fahrunterricht zu nehmen. Dann investigiert er das Apartmentgebäude mit Touko. Die erzählt ihm auch von ihren drei Magi-Freunden der Akademie in London, von der einer Souren ist, der andere Alba, welcher auch in der Stadt ist und Souren beim Gebäudeexperiment geholfen hat. Magi experimentieren, um das eigene Wissen zu vergrößern und so dem „Ursprung der Wahrheit“ der Welt auf den Grund zu kommen. Gleichzeitig will die Welt nicht, dass jener entdeckt wird, und startet eine Konteroffensive dagegen. Das abgeschottete, magische Apartmentgebäude ist ein solcher Versuch, die Wahrheit zu entdecken, ohne das der Konter darauf aufmerksam werden kann.

Souren stellt sich zum Kampf und tötet Touko.

Tomoe hat derweil mit Kokutou sein ehemaliges Heim besucht, wo er sich daran erinnert hat, dass der Vater über einen Unfall seinen Job verlor und anschließend als Mörder gebrandmarkt wurde, weswegen sie anschließend immer wieder umzogen, sobald dies rauskam, und auch Frau und Sohn dafür gedisst wurden. Das hat dazu geführt, dass sie letztendlich im Apartmentkomplex untergekommen sind, dessen Design die Situation zu Eskalation gebracht hat.

Ach ja, und er ist damals wirklich von der Mutter erdolcht worden, sein jetziges Ich ist nur eine jener Puppen Sourens. Und er stirbt bei der Konfrontation mit jenem.

Touko ist übrigens nicht wirklich tot, oder vielleicht doch. Jedenfalls taucht eine neue Touko auf und meint, irgendwann habe sie eine Puppe erschaffen, die absolut identisch zu ihr war und die sie deswegen für ich hat leben lassen. Ob nun die identische Puppe oder die ursprüngliche Touko tot ist und welche hier vor Alba steht… ist dann ja egal. Sie bringt Alba einem Ende entgegen, derweil erwacht Shiki und tötet Souren. Souren wollte übrigens Shiki haben, weil ihre Todes-Sicht-Augen den Ursprung der Wahrheit sehen können und er auf Grund der Unsinnigkeit des Todes einfach in jenen hinabsteigen und mit Allesseherischer Fähigkeit alle Tode, die es je gab und geben wird, aufzeichnen wollte, um ihnen einen Sinn zu geben.

Dies alles geschieht im November 1998 (zumindest das Finale, der Rest schon einige Wochen vorher).

Wow. Nach den recht langatmigen ersten Filmen dreht Garden of Sinners mit dem fünften, Paradox Spiral, mal so richtig auf. Was in diesen knappen zwei Stunden alles passiert, ist wirklich enorm. Und teilweise verwirrend, durch den Aufbau des Filmes. Zu Beginn gibt es viele sehr schnelle Szenen, alle in cooler Optik, aber ohne Kontext schwer fassbar. Über die nächsten 45 Minuten, in der wir Shikis Seite folgen, werden die wiederkommen und nun auch Sinn ergeben. Die nächsten 20 Minuten sind Kokutous Seite, dann die letzten 50 der Showdown. Und in jenen wird heftig hin und her gesprungen, was die Chronologie der Ereignisse angeht. Die Filme an sich sind ja eh und jeh nicht-chronologisch gewesen, aber die Ereignisse innerhalb eines Filmes waren bisher relativ geradlinig, während Paradox Spiral einen ordentlich durcheinander wirft. Hier muss man echt, gerade eben in der zweiten Hälfte, aufpassen, um das alles zusammensortiert zu bekommen.

Das macht natürlich auch ein Stück weit das Interesse daran aus. Sicherlich gibt es hierfür keinen Grund, der dagegen sprechen würde, die Dinge einfach der Reihenfolge nach zu erzählen, aber so hält es eben etwas mehr auf Trab und bei Stange, denn gerade Kokutous Teil ist an sich gesehen nicht der spannendste. Gespräche gibt es natürlich auch in diesem Film reichlich, und philosophisches Gebrabbel, Garden of Sinners ist einer jener Stoffe, die selbst spontan über das desorientierende Leben in Apartmentkomplexen philosophieren kann. Neben dann wirklich philosophischen Fragen aufzuwerfen, wie die der Definition des Seins und dem Wunsch, einen Beweis der eigenen Existenz zu hinterlassen. Sprechen echte Menschen so? Nein, natürlich nicht. Aber das muss auch nicht sein. Wie in Shakespeare haben auch nie Leute geredet. Solang es interessant ist, ist es ja egal, wie viel davon jetzt wirklich wichtig oder denkanstoßend ist und wie viel nur prätentiöses Geplapper ist, um sich schlau vorzukommen.

Nur geht diesmal zusätzlich auch so richtig die Luzi ab. Einen hohen Body Count gab es schon in den vorigen Filmen, aber meist waren die Actionszenen kurz und teilweise auch wirklich nur eine gegen Ende nennenswert. In Paradox Spiral hingegen fliegt so einiges durch die Luft, jede Menge Blut und Körperteile, jede Menge sich bekriegende Klingen und Körper. Der Actiongehalt ist verdammt hoch und macht den bisher längsten Film schon fast so kurzweilig, dass er sich wie die Einstünder anfühlt.

Interessant in der Reihe sind vor allem aber auch die vielen gestreuten Kleinigkeiten, bei denen man, wenn man aufpasst, später kleine Aha-Effekte hat, wo einem aber auch nichts verlustig geht, wenn man sie nicht entdeckt. Beispielsweise gibt es eine Szene, wo Touko sich wundert, dass es für den Apartmentkomplex keine Tiefgarage gibt und sogar einen Strafzettel kassiert (Auto fahren und einen Führerschein haben ist sowieso irgendwie eines der unterliegenden Themen, die sich durch den Film ziehen). Kurz darauf haben wir eine Szene, in der Kokoutos Nachforschungen über die Baupläne des Gebäudes ergeben, dass es eigentlich einen haben müsste. Erst gegen Ende des Filmes sehen wir, warum die Tiefgarage abgeschottet wurde.

Garden of Sinners – Hollow Shrine

März 1996: Shiki wird ins Krankenhaus eingeliefert, wo sie ins Koma fällt. Kokutou macht derweil seinen Abschluss, beginnt bei Touko zu arbeiten, vergisst darüber hinaus aber auch nie, sie regelmäßig zu besuchen. Aufwachen tut Shiki allerdings erst gute zwei Jahre später.

Und von nun an sieht sie seltsame rote Linien überall und alles an ihnen zerfallen, selbst Menschen. Touko schleicht sich derweil als Therapeutin ins Krankenhaus, um Kontakt mit Shiki zu halten. Sie meint, Shiki wäre nun ganz allein und vor allem leer, da SHIKI sie verlassen hat, auch wenn sie sich keinen Reim darauf machen kann, warum, da SHIKI das ja nichts bringt. Außerdem offenbart sie sich Shiki als Magier und gibt ihr den Ratschlag vorsichtig zu sein, da die Geister im Krankenhaus sie in ihrem leeren Zustand besetzen könnten.

Doch da sie nicht an Shiki ran kommen, nehmen sie lieber Besitz von einer Leiche und greifen als diese Shiki an. Da sie denkt, ihr ist es eigentlich egal, ob sie lebt oder stirbt, lässt sie sich das zunächst gefallen. Doch dann fällt ihr ein, dass zu sterben ja doch nicht so toll ist, ganz zu schweigen vom Todsein, also nimmt sie ihren Angreifer lieber mit Hilfe ihrer neuen Kräfte auseinander. Anschließend schließen Shiki und Touko einen Pakt: Shiki arbeitet für Touko, dafür lehrt jene aber Shiki, wie sie mit ihren neuen Sehvermögen umzugehen hat. Als Pluspunkt beinhaltet ihre Arbeit auch, zu morden, was Shiki sowieso toll findet.

Hollow Shrine ist mit einer knappen Dreiviertelstunde der kürzeste der sieben Filme. Er behandelt die Zeit, als Shiki nach den Ereignissen von A Study in Murder (One) im Koma liegt und ihre anschließende Rehabilitation. Dementsprechend passiert eigentlich mal wieder nichts. Nein wirklich, es ist wohl der Film mit dem meisten Leerlauf bisher. Immerhin finden wir heraus, wann Shiki diese Kraft bekommen hat, die Fehler in allem zu sehen, wodurch sie ihre Gegner so leicht auseinandernehmen kann. Und wie sie überhaupt auf Touko getroffen ist und warum sie für jene arbeitet. Außerdem taucht in den letzten Minuten nach den Credits ein möglicher Gegenspieler auf, sehen wir doch einen anderen Magus den Kontakt zu den Gegenspielerinnen Shikis aus Overlooking View und Remaining Sense of Pain suchen.

Garden of Sinners – Remaining Sense of Pain

Ein Mädchen wird von einer Gang vergewaltigt. Später findet Kokutou sie am Straßenrand und hilft ihr, wonach sie verschwindet. Dann werden die Leichen der Gang gefunden, deren Gliedmaßen entweder abgetrennt oder seltsam verdreht sind. Touko bekommt derweil den Auftrag, die verschwundene Fujino – eben jenes Mädchen – zu finden und zu töten. Shiki meint dazu, es käme eh zum Kampf, da die beiden sich so ähnlich sind.

Kokutou derweil soll einen ehemaligen Mitschüler finden, da auch jener verschwunden ist. Shikis Ankündigung trifft übrigens nicht ein, denn sobald sie auf Fujino trifft, verliert jene sofort wieder ihren Kampfwillen und damit Shiki auch ihren. Fujino macht den Erklärbär und meint, sie habe schon von Kindheit an kein Schmerzempfinden und früh gemerkt, dass sie das abnormal macht. Also hat sie das versteckt. Selbst vor Kokutou, mit dem sie auf eine Schule ging. Doch jetzt empfindet sie endlich Schmerz. Kokutou findet derweil den Mitschüler, der ein Teil der Gang war, aber fliehen konnte. Das ist auch der Grund, warum Fujino noch weiter durch die Gegend streift und Leute umbringt, sie hat ihre Rache noch nicht ganz vollenden können.

Beim Investigieren in ihrer alten Heimat findet Kokutou dann heraus, dass Fujino als ganz kleines Kind sehr wohl Schmerz empfand, aber auch übernatürliche Fähigkeiten hatte, die ihren Vater in Aufregung versetzten. Er hat es irgendwie fertig gebracht, diese zu unterdrücken, woraufhin Fujino auch ihr Schmerzempfinden verlor. Touko meint, diese wären aber nur im Geheimein langsam gewachsen und als etwas dazu führte, dass Fujino kurzzeitig wieder Schmerz empfand, wurde das getriggert und das Morden begann. Shiki meint derweil, nun wo Fujino erst mal angefangen hat, kann sie damit nicht mehr aufhören, gerade nachdem sie nach der Gang nicht aufgehört hat und auch anfing Unschuldige zu töten. Sie weiß das, denn Shiki hat ja ähnliche Kräfte und findet das Töten auch eigentlich ziemlich toll, kann sich aber bei Unschuldigen eben zügeln, was Fujino nicht mehr vermag.

Beim Nächsten Aufeinandertreffen erklärt uns Shiki dann auch ihre Kraft. Sie liegt in ihren Augen, die sich immer wieder verfärben, und dann den Schwachpunkt bzw. den Fehler, der in allen Dingen steckt, zeigen. Damit kann sie mit Leichtigkeit töten oder Dinge zerstören, in dem sie eben jenen Schwachpunkt anvisiert. Selbst in Fujinos unsichtbarer Kraft kann sie jenen nun sehen. Übrigens kommt Fujinos Schmerz von einer schweren Blinddarmentzündung, die sie langsam umbringt, es besteht also eigentlich keine Hoffnung mehr für sie, egal ob Shiki sie verschont, oder nicht. Und derjenige, der überhaupt den Auftrag erteilt hat, Fujino zu beseitigen? Ihr Vater. Shiki bringt sie dann doch nicht um, sondern „zerstört“ nur ihre Krankheit.

Der dritte Film, Remaining Sense of Pain, spielt übrigens im Juli 1998, also kurz vor den Ereignissen im ersten Film. Hier verliert Shiki beispielsweise bei der Auseinandersetzung mit Fujino ihren einen Arm, der ja dann ab Overlooking View ein künstlicher ist. Ansonsten, joa, mehr Tote, mehr Rumphilosophieren über Dieses und Jenes, mehr Mördermaschinen-Shiki, die dann doch irgendwie keinen mordet. Und wie immer kennt Kokutou die Person, um die es in dieser Episode geht, von früher. Mal sehen, ob es noch eine Bedeutung bekommt, dass er irgendwie in Kontakt mit all diesen übersinnliche Begabten gekommen ist, oder das nur als dürftiges Bindeglied herhalten muss, damit die Reihe nicht zu episodisch daher kommt. Viel mehr hab ich nicht zu sagen, war eine ganz nette Folge, jedoch hätte ich gern bald mal richtige Anzeichen eines übergeordneten Plots.

Übrigens, wie bei vielen Animationsserien, scheint auch Garden of Sinners nach den ersten Folgen kleine Budget-Engpässe zu erleben. Remaining Sense of Pain sieht nämlich wie so häufig nicht mehr ganz so gut aus, wie die Einstiegsfolgen, die Zwischenanimationen zumindest sind wesentlich herausstechender mittlerweile. In Japan unterscheidet man nämlich zwischen „normaler“ und „key“ Animation. Key Animation sind eben die besonders wichtigen und ikonischen Szenen, auf die mehr Geld und Zeit verwendet wird, die deswegen häufig wesentlich detaillierter, flüssiger und allgemein besser aussehen, während die nicht ganz so wichtigen Szene dazwischen dann häufig etwas abgehackter oder simpler/unsteter gezeichnet daherkommen können.

Garden of Sinners – A Study in Murder I

Kokutou geht eines Nachts durch den Schnee und sieht am Straßenrand ein Mädel im Kimono stehen. Wie er kurz darauf feststellt, ist das die neue Mitschülerin Shiki, die aus reichem Hause kommt und eher auf Distanz allen anderen gegenüber geht. Doch Kokutou ist interessiert und versucht sich mit ihr anzufreunden. Was ihm irgendwie auch passiert, immerhin lässt sie sich trotz weiterhin kühlem Verhalten auf gemeinsame Mittagspausen ein. Tsundere halt, gell?

Gleichzeitig geht auch eine Mordserie um, bei der den Opfern Arme und Beine abgetrennt werden. Manchmal sind jene dann kreativer wieder zusammengesetzt. Kokutou ist dank eines Verwandten immer gut über den aktuellen Stand der Ermittlungen informiert.

Eines Tages hat er dann einen Brief von Shiki unterm Tisch, bei dem sie um ein Treffen bittet. Auftauchen tut eine ungewöhnlich aufgeweckte und verspielte Shiki, die ihm erklärt, dass Shiki eine gespaltene Persönlichkeit hat, Shiki und SHIKI. Dominant und immer komplett in Kontrolle des Körpers ist Shiki, diejenige, die Kokutou bisher kennengelernt hat. Doch manchmal darf SHIKI raus, die er nun trifft, Shikis impulsive Seite, die sie normalerweise mit allen schlechten Gefühlen in sich erstickt und abtötet. Denn Shiki ist von klein auf die Abneigung gewisser Leute und ihrer eigenen Abnormalität bewusst gewesen, anstatt wie andere Kinder, denen die Selbstreflektion noch fehlt, im egoistischen Glauben die Welt sei gut und liebe sie, aufzuwachsen. Dadurch kennt Shiki nur das Gefühl, sich anderen gegenüber zu distanzieren. SHIKI hingegen kennt nur, zu töten. Sich selbst und alle Gefühle.

Das ist eine ziemlich heftige Warnung und Wink mit dem Zaunpfahl gegenüber Kokutou, doch der ist in Shiki verschossen und glaubt deswegen nicht, dass sie die Morde begehen kann. Selbst als er sie vor einer frisch geköpften Leiche stehen sieht. Immerhin stand sie ja nur davor, ihn töten hat er Shiki nicht gesehen. Tun wir übrigens den ganzen Film über nicht, weswegen man als Zuschauer durchaus zum gleichen Schluss kommen kann – Shiki als Mörderin? Nah, zu einfach. Das ist bestimmt wer andres und sie taucht immer nur kurz danach dort auf und verhält sich halt merkwürdig.

Tja, bis Shiki dann auch Kokutou angreift, nachdem er ihre Distanzierungsversuche abprallen lassen hat. Töten tut sie ihn aber nur fast, fällt anschließend ins Koma, wo Kokutou sie nun wöchentlich mit Blumen im Krankenhaus besuchen wird (wo ihn übrigens das Geist-Mädel aus Overlooking View regelmäßig gesehen hat, weswegen sie ihn angelockt hat).

So, der zweite Film, A Study in Murder – Part One (teilweise auch etwas weniger gestelzt als Murder Speculation übersetzt) ist also ein Flashback. Einer in den Winter 1995/96, um genau zu sein. Wir finden also heraus, wie und wann sich Shiki und Kokutou getroffen haben, sogar wie Shiki zu ihrem speziellen Look mit der roten Lederjacke über Kimono kommt.

Ob sie übrigens wirklich der Mörder ist, da will ich Garden of Sinners noch nicht ganz so leicht trauen. Wie gesagt, wir sehen sie nie wirklich jemanden angreifen, nur Kokutou gegen Ende, was aber nicht bedeutet, dass sie die anderen Leute umgebracht hat. Wer weiß, was da noch rauskommt. Vielleicht war sie’s aber doch und der Film will mit seinem offensichtlichen Deuten auf sie aber gleichzeitig Nichtzeigen der Tat doch nur gekonnt in die Irre führen. Späteren Folgen werden da schon genaue Klarheit schaffen, denk ich mir mal.

Was an Garden of Sinners bisher auf jeden Fall retrospektiv überrascht ist, wie ruhig und Ereignislos – wohlgemerkt nicht langweilig – die Filme doch bisher eigentlich daher kommen, selten nur mal Musik läuft, was die Ruhe noch unterstreicht, dafür, dass in beiden Einstündern je fast 10 Menschen umgebracht werden. Study in Murder – Part One hat nämlich genau genommen nur ganz am Ende Action, davor gewohnt viele Gespräche mit mehr oder weniger viel Philosphiererei.

Garden of Sinners – Overlooking View

Type-Moon sind hauptsächlich durch ihre Visual Novels bekannt. Ihr Doujin-Titel Tsukihime war ein solcher Erfolg, dass sie anschließend das Business als „vollwertige“ Firma betreten konnten, statt Indies zu bleiben, und melken seither ihren anschließenden noch größeren Hit Fate/stay night zu Tode. Die beiden haben allerdings auch schon vorher zusammengearbeitet, nämlich beispielsweise am Roman Kara no Kyoukai – Garden of Sinners. Gute zehn Jahre nach dessen Release wurde er als Großprojekt in ein Anime umgesetzt: 7 Filme, die im Abstand von wenigen Monaten durch die japanischen Lichtspielhäuser flimmerten.

Ich hab schon eine Weile, seit die ersten Fansubs des ersten Filmes auftauchten, Interesse daran, bin aber mal wieder jetzt erst so weit, sie wirklich anzusehen. Übrigens The Kingdom Style, sprich ein Eintrag pro Episode. Sprich viel Inhaltsangabe, wenig Meinung. Sprich viel Blogaktivität ohne viel Aufwand. Sprich viel Spoiler.

Kokutou kommt regelmäßig bei Shiki vorbei, um ihr Erdbeer-Häagen-Dazs zu bringen (essen Japaner eigentlich auch andere Marken, oder haben die Häagen Dazser einen Geheimvertrag mit allen Anime-Firmen? Obwohl, traditionelles japanisches Eis is ja nur im wahrsten Sinne des Wortes geriebenes Eis mit etwas Geschmack drauf geträufelt, da würd ich auch eher überteuerte Marken oder gar nix essen), obwohl jene das gar nicht isst.

Im TV hören Shiki und Touko davon, dass bereits ein viertes Mädchen vom Dach eines Hochhauses gesprungen ist. Die springen alle vom gleichen, haben alle keinen Grund für den Selbstmord und hinterlassen alle keine Abschiedsnachricht, offerieren aber auch kein Anzeichen eines Kampfes oder sonstiger Fremdeinwirkung. Seltsam. Kokutou sitzt derweil katatonisch auf der Couch und rührt sich nicht.

Shiki geht am Abend das Gebäude mal besuchen und findet das fünfte Teenie-Mädel davor liegen (warum stellt hier eigentlich keiner Mal mittlerweile Wachposten auf oder so?). Außerdem entdeckt sie acht Geister beim Dach rum schwirren, was sie zum Schluss bringt, dass es nach drei weiteren wohl rum sein wird. Doch sie bekommt Angst um Kokutou und mischt sich deswegen doch ein, kämpft mit den Geist eins Mädels und verliert dabei ihren Arm.

Doch der war eh ein künstlicher und Touko macht ihr direkt einen neuen. Sinniert dabei darüber, dass es seine Seele braucht, die ihn ausfüllt, damit er sich auch bewegt, genau wie ein Körper ohne Seele nur ein hohles Gefäß ist – ganz wie es Shiki einmal war.

Shiki geht also wieder aufs Dach, zerstört die Geister der Mädels und sinniert dabei über den Unterschied von „Fliegen“ und „Schweben“. Als der Obergeist stirbt, wacht woanders der dazugehörige Körper auf, der zu einem schon lang kranken Mädel gehört, die auf jene Art und Weise ihrem Dasein entflohen ist. Sie bekommt Besuch von Touko, die ebenfalls übers Fliegen/Schweben sinniert, dann wieder geht, woraufhin sich das Mädel im Rollstuhl zum Hochhaus begibt und sich auch runter schmeißt. Sie ist die Achte.

Und damit wacht auch Kokutou wieder auf. Und sinniert über das Fliegen und Schweben.

Wat? Overlooking View macht einem den Einstieg nicht unnötig leicht. Das liegt daran, dass es nun Mal nur der erste von sieben Filmen ist, die die Geschichte nicht-chronologisch aufrollen (dies hier geschieht im September 1998) und der zudem gerade Mal 50 Minuten Lauflänge aufweist. Dabei ist die Haupthandlung der Episode vergleichsweise einfach: Shiki, irgendwie mit übernatürlichen Kräften ausgestattet, kämpft gegen den Geist eines Mädels, der andere Mädchen in den Selbstmord lockt, und gewinnt. Was etwas verwirrt ist das viele pseudo-philosophische Gebrabbel dazwischen, von dem wir sehen werden, ob er später noch zu was führt. Und das Charaktere nicht erklärt werden, wie sie zueinander stehen, warum sie können, was sie tun. Interesse besteht zumindest bei mir dennoch auf das, was da noch kommen mag.