Disney Sunday – Frozen

ava-1556Ich stelle jetzt mal eine wagemutige Behauptung auf, die sich in den kommenden Jahren noch bestätigen muss: Disney und Pixar können nicht gleichzeitig gute Filme machen, sondern wiegen sich immer gegenseitig auf. Als Disneys Renaissance ihrem Ende entgegen ging, und sie anfingen schlechte Filme zu machen, wurden die Pixar-Filme erst so richtig gut. Jetzt steht Disney mit Tangled und Frozen gut und gerne vor einer zweiten Renaissance (was sich auch noch in den kommenden Filmen bewahrheiten muss), während die letzten Pixar-Filme Monster University, Brave und Cars 2 waren, die wohl kaum jemand zu deren besseren Output zählen würde. Just saying, you heard it here first!

Frozen basiert auf Die Schneekönigin, aber ungefähr so stark, wie Tangled auf Rapunzel basierte: Quasi gar nicht. Es hört schon so ziemlich danach auf, dass es eine Frau mit Winterzauberkräften und ein vereistes Herz gibt. Die da wären unsere beiden Prinzessinnen Elsa und Anna. Elsa ist die (sprichwörtlich) coolste Schwester, die man nur haben kann, immerhin kann sie mit ihren Kräften aus dem Nichts Schneemänner und Eislaufbahnen zaubern. Dummerweise verletzt sich beim Übermut Anna und muss von den Trollen gerettet werden, woraufhin die Eltern der beiden das Schloss vor der Öffentlichkeit und damit ihre Töchter vor der Außenwelt verschließen, damit Elsa erst die Kontrolle über ihre Fähigkeiten lernen kann. Ihr wisst schon, Jahre lang von allem und jedem abgeschottet in ihren dunklen Raum eingeschlossen – das Zeug, aus dem Batman-Bösewichte entstehen.

Wie das mit den Eltern von Disney-Protagonisten, besonders in ihren „Prinzessinnenmärchen“ so ist, begehen die Eltern natürlich zwischenzeitlich den Fehler zu sterben, und es ist etwas unklar, wer sich um die beiden Teenager oder die Landesgeschäfte gekümmert hat, doch nun ist Elsa jedenfalls 18 und die Krönungszeremonie als neue Herrscherin des Landes steht an, was beide ziemlich aufgeregt macht, da die quirlige Anna endlich das abgeschottete Leben los wird, Elsa weil sie ihre Kräfte immer noch nicht ganz kontrollieren kann und als „Hexe“ aufliegen könnte.

Was letztendlich im Trubel auch geschieht, ausgelöst von Anna, die sich auf den ersten Blick und über eine Gesangseinalge unsterblich in Prinz Hans verliebt hat, weswegen die beiden sofort heiraten wollen, weil der halbe Tag, den sie sich bisher kennen nicht angetraut verbracht zu haben bereits zu viel war – was wiederum Elsa etwas aufregt. Sie flieht also in die Berge, hat ihren Motvationssong, während sich Anna mit Waldschrat Kristoff auf macht, ihr zu folgen, um sich zu entschuldigen, die Schwester nach Hause zu bringen, und nebenbei den ewigen Winter zu beenden, den Elsas Ausraster so ein klein wenig ausgelöst hat.

Mir hat Frozen außerordentlich gut gefallen, und ich habe hier wirklich kaum etwas zu meckern. Der Film ist unglaublich charmant und witzig. Sicherlich, Anna ist die typische Quirky Heroine, die in modernen Animationsfilmen sein muss, etwas tollpatschig, etwas schräg, etwas vorlaut, aber voller Energie und mit dem Herz am rechten Fleck. Wir kennen das ja, aber es wirkt hier durchaus, da die Synchronsprecherin und die rasante Animation ihr wirklich extrem viel Charme geben. Und es gibt einfach so viel zum Schmunzeln im Film, da er stellenweise tatsächlich ein klein wenig Disney-Selbstparodie ist. Die meisten Songs – der allseits bekannten Supernummer „Let it go“ mal ausgenommen – sind beispielsweise alles andere als Ernstnehmbar, so wie das Treffen von Anna und Hans und ihre sofortige Liebe wie in großer Scherz dargestellt ist, anschließend von diversen Charakteren hinterfragt wird, und gegen Ende sogar in einen Plottwist eingebaut ist.

Selbt den Comic Relief konnte ich nicht nicht mögen. Das Rentier ist echt toll in Zusammenarbeit mit Kristoff. Als der Schneemann auftauchte war ich sofort gegen die Idee, da er eindeutig nichts im Film zu suchen hat, außer Zeit zu füllen und sich gut auf Merchandise zu machen – aber er war wirklich witzig und mir sympathisch und im Gegensatz zu den Wasserspeiern in Hunchback wirkte er halt in einem eh schon immer wieder scherzenden Film nicht deplaziert. Die Gesangseinlage der Trolle war ein wenig mehr Lückenfüller-esque, aber immerhin bekommen die auch kurz was im Plot zu tun.

Nein, wenn es wirklich einen kleine Makel im Film für mich gibt, dann ist es das er nicht ganz genug Anna und Elsa bringt. Für einen Film, der letztendlich mehr um Familienzusammenhalt denn „Prinzessin findet ihren Prinz“ sich drehen will, gibt es erstaunlich wenig Szenen zwischen den Schwestern. Nachdem Elsa flieht und bevor das Finale anbricht, haben die beiden nur eine kurze Interaktion miteinander, was im Nachhinein, gerade wo der „Akt wahrer Liebe“ vorhersehbarerweise nichts mit dem „Prinzen“ sondern familiärer Liebe zu tun hat, doch etwas wenig wirkte. Vielleicht hätten einfach ein paar Flashbacks in die Kindheit eingestreut werden sollen, oder nachdem Anna die Trolle besucht jene sich an die wahren Ereignisse wieder erinnern lassen sollen. Etwas in der Art. So niedlich und spaßig Anna und Kristoff zusammen sind, ein wenig mehr Elsa und Anna hat mir einfach gefehlt. Vielleicht sogar einfach ein wenig mehr Elsa allgemein, immerhin ist sie als diejenige, deren Macht ihre Liebsten in Gefahr bringen könnte, deren „Freiheit“ auch absolute Isolation bedeutet, genau genommen der interessantere Charakter der beiden Mädels. Beides kleine Probleme, die mir eh erst aufgefallen sind, als der Film rum war, weil ich während der Laufzeit zu gut vom Rest unterhalten war.

Aber so wie er steht ist Frozen immer noch ziemlich geil, die Partikeleffekte von Schnee und Eis und dem Lichtspiel auf jenen wunderschön, der nie komplett abebbende Humor wirklich spaßig aber nicht dick aufgetragen oder ablenkend, die Charaktere alle sympathisch – es ist einfach eine wirklich rasanter, frischer und charmante Fabel. Weiter so Disney.

disney56