GameBoy Obscurities: Kaeru no Tame ni Kane wa Naru

ava-1779Auch bekannt unter der Übersetzung For Frog the Bell Tolls, ist ein 1992er GameBoy Action Adventure, welches für lange Zeit keiner kannte, obwohl es zu Nintendos First Party gehört – oder zumindest nicht im Westen, weil es hier nie erschien. Vor ein paar Jahren wurde es dann aber als der GB-Zelda-Vorgänger etwas bekannter und bespielter, mittlerweile gibt es eine Fantranslation und das Ding ist selbst Nintendo in den Smas Bros. wieder eingefallen, wodurch es sich doch den Ruf eines Underground Gems erarbeiten konnte. Als jemand dem von den Zeldas sowieso nur Link’s Awakening gefällig war, bin ich also längst überfällig darin, dies auch endlich mal zu spielen.

Prinz Richard und Sable sind gute Freunde, die sich gerne mal duellieren, um zu sehen, wer der Bessere ist. Da trifft die Nachricht ein, dass das Croak Empire sich das Königreich Mille-Feuille Untertan machen und König Delarian die dortige Prinzessin Tiramisu Zwangsheiraten will. Sable will der holden Maid sofort zur Hilfe eilen, doch Richard will nichts ihre Bromance gefährden sehen und übernimmt das lieber selbst.

Wenn man eines ziemlich schnell merkt, dann ist das, dass For Frog the Bell Tolls nicht super ernst ein Spiel ist. Lokalitäten sowie Charaktere haben schon mal einen Namen aus der französischen Cuisine oder eine Anlehnung an ein Tiergeräusch. Und das ganz bewusst, nicht einfach in aus Anime gewohntem japanischen Leichtsinn für exotische Namen, die nur dann nicht dämlich klingen, wenn man die Sprache, aus der sie stammen, nicht kennt.

frogbell1

Da hängen in den Städten schon mal auf den schwarzen Brettern in reißerischem Newsticker-Ton die jeweils aktuelle Errungenschaft von Prinz Sable aus, was auch praktischerweise bei längerer Pause dazu führt, dass man sich dran erinnert, was man als letztes gemacht hat im Spiel. Da wird schon mal trocken kommentiert, dass ja alle RPG-üblichen plötzlich auftauchenden Wegsperren extrem gut getimed sind, um zum x-ten Mal ein Item aufsuchen zu müssen, welches jene beseitigt. Auch eine klassische Referenz zu Monty Python kann durchaus nicht schaden. Oder ein Besuch bei Nintendos Geschäftszentrale.

Niedlich und charmant ist das Abenteuer des Prinzen Sable, der sich später in einen Frosch und eine Schlange verwandeln können wird, also durchaus.

Während das Ding optisch, musikalisch und vom Menü her definitiv die Engine widerspiegelt, die auch für Link’s Awakening genutzt wird, so gibt es spielerisch schon Unterschiede. Natürlich haben wir es auch hier mit einem Action Adventure zu tun, was bedeutet das es keine Level ups gibt, sondern fest zu kaufenden/findende Upgrades an Rüstung und Lebensleiste. Und natürlich gibt es auch hier viele Puzzle und Sprungpassagen, mal aus Vogelperspektive, dann wieder in der Seitenansicht. Als Besonderheit kommen halt die drei Formen des Prinzen hinzu. Als Mensch kann er kämpfen und Felsen verschieben, als Frosch höher springen und Insektengegner insta-killen, als Schlange kriechen und Gegner in Blöcke verwandeln. Das lässt das Spiel schon recht kreativ erscheinen, obwohl es eigentlich eine ziemlich einfache und mit ca. 5 Stunden von der Länge her auch überschaubare Angelegenheit bleibt, bei der man nie wirklich viel rätseln muss, wo es weiter geht oder wie durch diesen und jenen Raum zu kommen ist.

frogbell2

Was mich am Spiel übrigens als Einziges ein wenig gestört hat sind die Gegnerkämpfe. In For Frog the Bell Tolls schwingt man gar nicht eigenständig sein Schwert und weicht aus wie in Zelda, oder muss zumindest aus dem richtigen Winkel in den Feind rammen wie in oldschool Ys… nein hier laufen sie absolut automatisch ab, sobald man mit einem Gegner kollidiert, und der Ausgang ist komplett von den fixen Upgrades her in Stein gemeißelt. Genug Herzen gefunden und das neueste Schwert/Schild geholt? Dann wird auf jeden Fall gewonnen. Wird nicht gewonnen, dann lieber eben suchen gehen, ob nicht irgendwo eine Aufbesserung übersehen wurde. Das macht aus den Auseinandersetzungen mehr ein sich selbst lösendes Puzzle denn eine Abfrage der Reflexe des Spielers und als solche ein wenig langweilig uninvolviert. Nicht das vom Spiel wirklich schwere Kämpfe zu erwarten waren, aber wenn ich selbst nichts tue, sondern nur zuschaue wie das Spiel für mich die Sache erledigt, dann fehlt eben einfach so ein wenig das Gefühl die Hürde selbst überwunden zu haben, egal wie einfach sie gewesen wäre.

Ansonsten hat mir For Frog the Bell Tolls echt gut gefallen. Ein wenig wie bei Rocket Slime, denn auch das hier ist ein recht kurzes und absolut einfaches Action Adventure, was aber (zu recht) viel auf seine Niedlichkeit und Charme baut, die einen schon zu umschmeicheln wissen.