Final Fantasy V-2

Es ist irgendwie etwas seltsam, wie vergleichsweise ava-1341wenig besprochen die Anime der Franchise doch sind, dafür, dass sie den Final-Fantasy-Titel tragen. Sicher, Advent Children kennt jeder. Aber The Spirits Within, obwohl bekannt, hat dann ja niemand sehen wollen, weswegen der Flopp Sakaguchi in Ungnade hat fallen lassen. Ähnlich Final Fantasy Unlimited, die Existenz mag bekannt sein, aber wie viele haben das Ding wirklich selbst geschaut? Versteht mich nicht falsch, ich behaupte nicht, dass die wirklich obskur sind, ist ja immer noch Final Fantasy, aber für so einer Franchise zugehörig, fliegen sie doch eher etwas unter den Radars. Das jedoch wohl am Wenigsten geschaute ist die OVA-Fortsetzung zu Final Fantasy V, Final Fantasy: Legend of the Crystals (bzw. im Original verwirrend schlichtweg Final Fantasy).

Fun Fact: Regie führte niemand anderes, als Rintaro (Adieu Galaxy Express 999, Metropolis, Dommed Megalopolis, Wolverine), der dies auch für das TV-Anime des großen Rivalens Dragon Quest tat, in dessen Verkaufsschatten Final Fantasy ewiglich steht. Ich würd mal sagen, man hat ihm und Studio Madhouse ziemlich kreative Freiheit gelassen, was erklären würde, warum Legend of the Crystals so… merkwürdig ist.

Nicht von der Handlung her, die ist der Final Fantasy Standard: 200 Jahre ist es her, dass Butts mit seinen Leuten Exodus erledigt hat, nun sind die Kristalle erneut in Gefahr, hat Death Gyros doch bereits drei von ihnen gestohlen, nur der Windkristall Tycoons blieb verschont. Zu dem machen sich Pez und Lynaly auf den Weg, doch nachdem sie ihn finden, bekommt Lynaly keine Katzenohr-Robe aufgedrückt, sondern ihr Arsch beginnt zu leuchten und Shidos Neffe Mid taucht auf. Der Rest der vier Folgen ist ihr Versuch, den Kristall vor Death Gyros zu beschützen und jenen zu erlegen. Wenn man also ein wenig Name Droping umschreiben würde, wäre kaum ersichtlich, dass dies spezifisch auf Final Fantasy V basiert.

Von der Optik her auf jeden Fall nicht, denn hier ist, wo Legend of the Crystals sehr un-Final-Fantasy ist. Nichts sieht aus, wie im Spiel. Die Welt ist stark asiatisch/orientalisch designt, Tycoon beispielsweise nun ein Oasenkönigreich a la El Hazard. Den Planet umkreist nicht nur ein schwarzer Mond, auf dem unerklärt Ruinen von Wolkenkratzergroßstädten sind, sondern auch, was verdächtig nach Jupiter aussieht. Chocobos sind federlos. Luftpiraten fette Frauen mit Quietschstimme in freizügigen SM-Outifts. Lynalys immer zum Panty-Shot bereiter Hintern leuchtet, Pez zieht permanent eine Grimasse. Die Bösewichte haben Cids Hirn im Reagenzglas. Es ist das Weltendesign der OVA-Serie, weswegen sie so seltsam erscheint, und vor allem so absolut Alien verglichen zur Spielereihe, auf der sie basiert.

Mehr von Interesse hat die Reihe auch nicht wirklich zu bieten, der Standardplot mit viel Slapstick mag vielleicht auch schon in Final Fantasy V gewesen sein, doch fehlt der OVA dabei irgendwo der Witz und Charme des Spieles, it eben nicht wirklich sonderlich unterhaltend, sobald man über die schräge Optik hinweggekommen ist. Die Ereignisse ziehen halt so an einem vorbei, ohne dass es wirklich groß interessieren würde.

Compilation of Final Fantasy VII, Final Fantasy X-2, Final Fantasy IV: The After Years… direkte Sequels zu Final Fantasies haben nicht wirklich einen sonderlich guten Ruf, und da reiht sich leider auch der echt lahme Nachfolger zu Final Fantasy V ein.

crystallegend

Replaying Final Fantasy V

ava-1330Okay, so, Final Fantasy III zu spielen hat mich wieder nostalgisch gemacht. Auch wenn 2006 das erste Mal war, dass ich es spielte, so hat ein oldschool Final Fantasy doch ein gewisses Flair. Das hat dazu geführt, dass ich mir GameTrailers Final Fantasy Retrospective erneut angeschaut habe, weil die für die ersten acht Folgen echt toll ist, und wesentlich weniger Zeit frisst, als sich durch Pitchforks Rise and Fall zu lesen. Das führt immer dazu, dass ich sofort alle Teile erneut spielen will. Während der Rest des Internets also damit beschäftigt war, manische Masturbationssessions zum „ersten“ Final Fantasy XV Trailer zu veranstalten, nach dem gehend das Spiel jetzt ein reines „blinzel und du hast’s verpasst“ Action-Game ist, spielend in einer Welt, in der es gesetzlich verboten ist, eine Vagina zu besitzen, oder sichtbare Farben zu tragen, so dass man sie heimlich auf die Schuhsohlen verbannt, also aussieht wie Kingdom Hearts ohne Disney oder Final Fantasy, sondern nur mit dem schrecklichen Organisation XIII Müll, griff ich mal wieder zu einem alten Teil. Final Fantasy V um genau zu sein, weil es Ewigkeiten her ist, dass ich es in der PlayStation-Version zum ersten und einzigen Male durchgespielt habe.

Eine Sache, die ich damals bei der PlayStation-Version nie so wahrgenommen habe ist (geht in der dortigen Übersetzung evtl. auch etwas unter, bekanntlich hat sich Square mit den PSX-Remakes keinerlei Mühe gegeben), dass Final Fantasy V im Großen und Ganzen nur ein Ziel hat: Spaß. Es hat keine große Handlung. Nein, es ist sogar die übliche zum x-ten Male. Die Kristalle müssen von den Lichtkriegern gerettet werden. Alles genauso Barebones wie in I und III, noch nicht mal wahnsinnig viel Charakterdrama draufgeklatscht, wie in IV, mit einem Cecil, der in Wirklichkeit ein Geist ist, Golbez in Wirklichkeit Rydias Vater und Kain, der eigentlich Cecils imaginärer Freund ist. Final Fantasy V ist nicht direkt eine Parodie der alten Topes, aber es hat doch zwischen den kurzen Plot- und Charaktermomenten verdammt viel Spaß auf der Reise. So viel rumblödeln wie hier tut keine Gruppe der Reihe. Darauf dann die bisher beste und flexibelste Version des Jobsystems und wir haben ein Spiel, dass sich wenig um großes Drama, tiefe Charaktere und mit religiösem Subtext vollgestopfte Plotpoints schert, und einfach nur herrlich No-Nonsens, geradlinig und spaßig ist. Das lernt man erst jetzt so schätzen, wo dies doch eher rar geworden ist und jedes RPG eine übertrieben großes, wortreiches Ding aus sich machen muss, selbst wenn es gar keinen Grund dazu hat.

Natürlich ist V dadurch auch jener Teil, der am wenigsten Neues bringt. Final Fantasy gab uns Siegesfanfare, Prelude, Kristalle, die klassischen Jobs, die selbst in Non-Jobsystem-FFs als Archetypen benutzt werden. Final Fantasy II gab uns Chocobos, Cid und der SaGa-Serie ihr schreckliches Levelsystem. Final Fantasy III Summons, Moogles und ein variables Jobsystem. Final Fantasy IV war der erste Teil, bei dem man sich was um die Charaktere scheren konnte. Final Fantasy V… nun, das Spiel hat durchaus das eine oder andere Ding (Gilgamesh und Tonberry beispielsweise), die es hier zum ersten Mal gab, und die man später wiedersehen wird, doch die wirklich ikonischen Dinge, die haben die Vorgänger auf den Tisch gebracht. V ist viel mehr ein Sendoff der alten Teile, ein letztes oldschool Final Fantasy, bevor beginnend mit VI alles anders wurde. Hätte es später nicht IX gegeben, ich würde mich nicht wundern, wenn Sakaguchi behaupten würde, V wäre sein Liebling.

Ich denke dies ist auch einer der Gründe, warum das Spiel gern untergeht. Neben dem natürlich, dass es im Original, als es aktuell war, nie in den Westen schaffte, und das Ding 7+ Jahre später zum ersten Mal im Remake zu spielen ist halt immer was anderes, als zum Zeitpunkt, zu dem es erschaffen wurde. Aber es ist eben auch einge-sanchwich-ed zwischen den IV und VI, die eben nicht nur zu SNES-Zeiten raus waren, sondern auch die ersten beiden wirklich großen, dramatischen Handlungen der Serie mit Erinnerungswürdigen Charakteren sind, an die sich jeder erinnert. Wie sehr bleibt es einem denn wirklich im Gedächtnis hängen, dass Bartz etwas simpel gestrickt oder Lenna Tierlieb ist, oder das vier Krieger die Kristalle vorm Baum des Bösens retteten. Das lässt das Spiel ungerechtfertigt als das schwache Glied dastehen, obwohl es einfach seine Prioritäten anders setzt, sich bewusst ist, dass es ein wenig blöde ist und sich deswegen Augenzwinkernd auch gar nicht erst sonderlich ernst nimmt – selbst die wenigen durch und durch ernsten Momente, wie das hiesige Tellah-Opfer, das sogar mehr bedeuten müsste, da wir ihn hier wesentlich länger im Team haben, halten nie lang an. Nein, Tiefgang kann man Final Fantasy V nicht nachsagen, aber dass das Ding einen ziemlich herzigen Charme vermittelt, kann ihm auch nicht abgesprochen werden.

Eine Sache, die in RPGs immer ganz reizt ist auch, zuzusehen, wie das eigene Team stärker wird. Zahlen hochgehen sehen, wird das gern abwertend genannt. Und genau in diese Kerbe schlägt das hiesige Jobsystem. So kann nicht nur endlich ohne jeglichen Nachteil jederzeit zwischen ihnen gewechselt, sondern bereits von einem Job gelernte Skills anderen zugeteilt werden. Es ist unglaublich befriedigend, besonders gute Kombinationen rauszufinden, auch wenn sie sukzessive jegliche Schwierigkeit aus dem Spiel ziehen. Einem physischen Angreifer Dual Wield und Rapidfire zuordnen, damit er acht Schläge pro Runde austeilt. Einem Magier Dualcast geben, damit er doppelt zaubern darf (und eventuell Time Magic für Quick, so dass er sofort wieder dran kommt und quasi bis ihm die MP ausgehen nonstop zaubern darf). Einen Blue Mage ausprobieren und herausfinden, dass Lvl.5 Death, Dark Spark und Death Claw ein gutes Drittel der Bosskämpfe in zwei Runden gewinnen lassen, oder man mit Mighty Guard die ganze Gruppe fast unantastbar macht. Jobs ausprobieren, aufleveln und untereinander zu kombinieren macht richtig Laune, besonders wenn man dann plötzlich mit einem göttlichem Team endet – denn es ist das eigene aufbauen und taktieren des Charakteraufbaus, der sie so weit gebracht hat.

Jepp, Final Fantasy V ist durch und durch ein „Best of Oldschool Final Fantasy“, mit spaßigem Gameplay, viel Charme und wenig Handlung. Und das ist so was von erfrischend im Vergleich zu modernen JRPGs, dass ich doch ein ganz neues Verständnis für den fünften Teil der Serie entwickelt habe.