Disney Sunday – Fantasia 2000

Das 1940er Fantasia war ein ambitioniertes Projekt, nicht nur klassische Musik in Form von animierten Episoden zum Leben zu erwecken, sondern der Film hätte auch über einen langen Zeitraum gezeigt werden sollen, immer wieder alte Segmente gegen neue austauschend. Daraus wurde dann nix, weil der Film keinen sonderlichen Erfolg erziehlte. Erst 60 Jahre später wurde es mit einer (fast) kompletten Neuproduktionen wieder aufleben gelassen. Die leider die Tradition der lauwarmen Einspielergebnisse fortsetzte.

Das Prinzip ist natürlich das gleiche geblieben. Sogar der Aufbau weitestgehend. Wir haben 8 Tricksegmente, isnpiriert von klassischer Musik. Dazwischen Ansagen, diesmal von diversen Promis wie Bette Midler, Angela Lansbury oder Steve Martin, die uns etwas über die Geschichte und das dazu zu hörenden Stück sagen.

Und so sehen wir ein Spektrum an Bildern an uns vorbei rauschen. Wale, die durch die Wolken schweben; gehetztes New Yorker Volk; mit Yo-Yos spielende Falmingos; Donald auf der Arche Noah; das Märchen des Zinnsoldatens und am Ende zum Feuervogel die Fabel von Leben, Tod und Wiedegeburt (Tezuka, anyone?). Und ein Segement dazwischen dann tatsächlich noch aus dem alten Fantasia entommen, everybody’s darling Der Zauberlehrling mit Mickey.

Erneut geht auch Fantasia 2k bestimmt über den Kopf vieler Kinder hinweg, finden die es sicherlich eher langweilig, trotz der vielen bunten Farben, die vorbei fliegen. Es ist eine für sie etwas peppigere Version gegenüber dem Original, die Ansagen sind nicht mehr so steif, es gibt keine so düsteren Elemente mehr (der Zinnsoldat darf nicht mal schmelzen) und auch das kurze abstrakte Segment zu Beginn ist wesentlich kürzer, als im Original, der ganze Film die übliche Disney-Länge von 75 Minuten statt der ursprünglichen 2 Stunden – doch so ein wenig wird man erneut das Gefühl nicht los, Disney habe hier etwas am Zielpublikum vorbei gezeichnet. Gerade das New Yorker Segment zu Zeiten der Großen Depression, wo die Charaktere entweder arbeitslos oder übermenschlich gehetzt sind, ist eine seltsame Bereicherung.

Mir kann das erneut egal sein, denn ich mochte schon dor Original-Fantasia, selbst damals als Kind, und ich mag auch das neue Fantasia. Nicht ganz so sehr, irgendwie hat das Original etwas mehr Klasse, vielleicht gerade weil es etwas ernster und düsterer ist, vielleicht sinds die CG-Wale, doch auch das neue Ding ist ein audiovisueller Rausch, ein Tanz an Klängen und Farben. Ähnlich wie bei anderen bildgewaltigen Disneys wie Tarzan oder dem Hunchback ist es regelreicht etwas schade, wenn man ihn nicht auf der großen Kinoleinwand sieht (Fantasia 2000 war zusätzlich ein exklusives IMAX-Release, so sehr hat man auf dessen Pomp gesetzt).

Disney Sunday – Fantasia

Fantasia ist ein extrem ambitioniertes Projekt, ganz anders, als man von einem Disney-Trickfilm erwarten würde. Statt Kindern ein typisches Märchen zu erzählen, gibt es kleine Episoden, inspiriert von klassischer Musik.

Der Anfang ist noch nicht mal gezeichnet, stattdessen schauen wir zu, wie das Orchester platz nimmt, die Instrumente stimmt, der Dirigent auftaucht und es dann los geht. Aber erst mal nur den Schattenriss des spielenden Orchesters zeigt. Erst etwas darauf beginnt der Trickfilm-Part… mit abstrackten Formen und Farben.

Es dauert also sogar etwas, bis überhaupt sowas wie ein fest definierbares Zeichentrickbild erscheint. Das ist natürlich absolut nicht, was du normalerweise deinen Kindern vorsetzt, wenn die mal schnell einen knuffigen kleinen Disney-Film schauen wollen. Was nicht bedeutet, dass es ihnen nicht gefallen muss, zumindest bei mir war Fantasia einer meiner Lieblings-Disneys in meiner Jugend.

Die Episoden sind natürlich alle komplett Tonlos, zumindest was die Sprache angeht, sondern lediglich die Musik läuft und was auf dem Bildschirm passiert ist, wozu sich die Zeichner davon inspiriert gefühlt haben. Entsprechend ist alles in rythmischen Bewegungen. Ob die Goldfische beim Schleiertanz; die Blüten, die Ballett auf der Wasseroberfläche tanzen; die Feen beim Schlittschuhlaufen, wenn sie den Winter einberufen; die Dinosaurier bei ihrem Überlebenskampf; Mickey als Zauberlehrling; ein Nilpferd, das mit einem Krokodil tanzt; die griechische Mythenwelt beim Frohlocken; Satan, der die Toten ins Höllenfeuer ruft usw. usf.

Es ist eben ein visueller Rausch, ein Spektakel für die Sinne. Musik und Tanz, ein buntes Treiben, ständig gibt es was Neues zu sehen. Das macht den mit 2 Stunden für Disney-Verhältnisse langen Streifen schön kurzweilig. Ich find ihn immer noch toll und super interessant, sich die verschiedenen Ideen der Episoden anzusehen… ob er allerdings meinen Neffen gefallen würde, da wär ich mir nicht so sicher.