4.6 Billion Year Story

ava-2128Enix war immer mehr ein Publisher, die entweder wie Spiele von kleineren Studios Landesweit in die Läden brachten, oder bei ihren eigenen IPs zumindest die Handlanger-Arbeiten von anderen verrichten lies. Selbst ihre Flagschiff-Serie Dragon Quest ist immer von anderen Studios programmiert worden. Im Gegensatz zum Direktkonkurrenten Square, die lange Zeit fast ausschließlich ihre Spiele inhouse produziert haben, führte das dazu, dass Spiele mit Enix auf der Verpackung zwar qualitativ stärkeren Schwankungen oblagen, aber dafür auch mehr Kreativität vorherrschte. Quintets Heaven & Earth SNES-Trilogie beispielsweise, oder Wonder Project J.

Unter „kreativ“ zu verbuchen ist definitiv auch 46 Okunen Monogatari, eine zweiteilige Reihe, deren SNES-Eintrag sogar als E.V.O: Search for Eden in Nordamerika aufschlug, und welches mir vor einigen Jahren gut gefallen hat. Der Vorgänger hingegen erschien ausschließlich auf dem PC98, was an sich schon ein westliches Release so gut wie ausschließt, vor kurzem aber per Fantranslation spielbar gemacht wurde.

Die Grundidee ist in beiden Spielen eigentlich gleich: Wir übernehmen die Kontrolle über einen im Urozean herum schwimmenden Organismus, der von Gaia dazu auserkoren wird, über die nächsten 4.6 Milliarden Jahre per Evolution immer höhere Stufen zu erreichen. Bei EVO kamen da immer mal so kleine Schrägheiten hinein, wie dass man auf jener Reise auch auf Aliens gestoßen ist, oder eine der versteckten Bonus-Evolutionen die gar nicht so realistische Kreatur der Meerjungfrau war. Das war im Gegensatz zum Vorgänger mal rein gar nichts, der ist nämlich herrlich abgehoben.

Auch hier trifft man auf Aliens. Die kommen vom Mond, und beten Lucifer an, die ihnen das Geschenk des Wissens gemacht hat. Damit sie sich selbst zerstören, so wie sie es schon mit den Zivilisationen auf Mars und Venus gemacht hat. Außerdem wird man auf die Bevölkerung der legendären Kontinente Mu und Atlantis stoßen, die sich mit Nuklearwaffen gegenseitig ausradieren. Ganz am Ende schlüpft Luzifer als mit sechs Schwingen bestücktes Monster, man selbst verlässt seinen Körper, und stellt sich zum finalen Kampf. Dazu kommen dazwischen jede Menge Evolutionsstufen, die mal so gar nicht existiert haben, wie Dinomenschen oder Elfen und Zwerge.

Spielerisch ist 46 Okunen Monogatari: The Shinka Ron ein ziemlich minimalistisches Standard-RPG. Genau genommen fängt das Spiel wie viele JRPGs an. Man ist irgendwann unter Amnesie angeschwemmt und von den Dorfbewohnern aufgepeppelt worden, eine Katastrophe geschieht, der Dorfältesten macht einen dafür verantwortlich, und man wird verbannt. Nur halt mit Urfischen statt menschlichen NPCs. Durchs Spiel geht es nun nicht via eines Sidescroller Action-RPGs in Echtzeit wie in EVO: Search for Eden, sondern sobald wir mit einem Gegner kollidieren, geht es in einen rundenbasierten Kampf in eigenem Bildschirm. Außer angreifen und ein paar wenige Specials (von denen nur das Heilen wirklich wichtig ist) ist hier nicht viel zu tun. Am Ende gibt es EVO-Points, die auf die vier Statuswerte verteilt werden, und wird dort ein gewisser Schwellenwert überschritten, geht es in eine neue Evolutionsstufe.

Ganz so einfach ist das Spiel leider nicht, gerade zu Beginn eines der fünf Kapitel ist man stark unterpowert und muss sich erst mal etwas angrinden, um eine Chance gegen die Opposition zu haben, genau wissend welchen Gegnern noch aus dem Weg zu gehen ist. Auch gegen Ende einer Epoche, wenn man sich so weit entwickelt hat, wie die aktuelle Ära das zulässt, können die letzten Gegner wieder schwerer sein. Dazwischen hingegen ist meist leichtes Spiel mit ihnen, und netterweise tauchen zu einfache Gegner gar nicht mehr auf. Dennoch ein etwas zweischneidiges Schwert. Zum einen belästigen Kanonenfutter-Kämpfe das Erkunden der Weltkarte nicht weiter. Allerdings kann sich auch nicht an schwachen Gegnern gegrindet werden, wenn sich in eine Sackgasse entwickelt wurde. Während es bei EVO nämlich legitim war, sich auf gewisse Schwerpunkte zu spezialisieren, führte das bei 46 Okunen Monogatari bei mir schnell dazu, dass durch die vernachlässigten Statuswerte die aktuellen Gegner ein leichtes Spiel mit mir hatten, ich aber nicht an einfacheren die Evo-Punkte zum verbessern der hinterher hinkenden Stats erkämpfen konnte. Zum Glück ist mir das bereits in der allerersten, kürzesten Ära geschehen, so dass von vorn zu beginnen kein großes Ding war. Alle vier Werte relativ gleich gelevelt hat mich dann durch das Spiel getragen. Wobei die letzten beiden Kämpfe gegen Lucifer wieder ziemlich gemein sind, da über für jene distinkte Menüpunkte quasi die richtige Reihenfolge von Itemeinsätzen herausgepuzzelt werden muss – ein kleiner Fehler und sie hat einen in Windeseile in Grund und Boden gestampft.

Ein gleichmäßiges Leveln der Statuswerte führt zudem auch dazu, dass die eigene Kreatur immer auf einem ausgewogenen Evolutionspfad bleibt. Denn 46 Okunen Monogatari hat so einige Bonus-/Bad-Ends, die erreicht werden, wenn sich zu sehr in eine einzelne Richtung entwickelt wird. Zwei davon habe ich sogar gesehen, weil jene Evolutions-unabhängig waren. Beispielsweise wurde in einem vorzeigen Ende ein Schleim aus mir, der in Dragon Quest Dungeons wilden Abenteurern zum Opfer fällt. Und bei der Entwicklung für das finale Kurz-Kapitel, welches nur aus etwas Text und dem Lucifer-Bosskampf besteht, gilt nur die Wisdom-Entwicklung, alle drei anderen führen zu einem unrühmlichen Ende der Menschheit.

Jedenfalls kommen das einzigartige Konzept und die schrägen Ideen dem Spiel ziemlich zu Gute, denn als normales Fantasy-RPG wäre es wohl einfach ein wenig langweilig. Dafür sind die Kämpfe zu Standard, zu Taktik-los und ist das Vorangehen stellenweise zu gindy. Da macht der Nachfolger mit seinem Action-Einschlag definitiv eine wesentlich bessere Figur. Aber 46 Okunen Monogatari ist eben kein normales Fantasy-RPG, und ist schon alleine durch sein Setting und die interessanten Einfälle definitiv einen Blick wert.

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