Little Women

ava-1388Oder Eine fröhliche Familie, wie es dann bei uns im Fernsehen hieß, die nächste WMT-Serie mit 48 Folgen in DVD-Box gefasst.

Diesmal geht es, wie der deutsche Titel schon sagt, um eine Familie, statt eines einzelnen Kindes, und wie der Originaltitel des Buches sagt, um dessen weibliche Mitglieder. Denn die Serie spielt zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges, weswegen Vater March, der einzige Mann im Hause, den Großteil der Serie absent an der Front verbringt. Wir hingegen folgen Mutter March, die mit ihren vier Töchtern Meg, Jo, Beth und Amy, sowie der schwarzen Haushaltshilfe, die Heimatstadt verlässt, nachdem der Krieg zu nahe kommt und sie gebrandschatzt wird, wodurch die gut betuchte Familie nun auch ihren Wohlstand verliert.

Netterweise haben sie da ja noch die vielleicht auf den ersten Blick nicht ganz so nette, reiche Tante, bei der sie in der neuen Heimat unterkommen können, bis sie ein eigenes Haus gefunden haben, in dem sie alle unterkommen können und das sie sich auch leisten können. Und mit einem Zeitungsredakteur, den Möchtegern-Schriftstellerin Jo befreundet, sowie netten Nachbarn im dann doch gefundenen neuen Haus, sowie der aufgetauten Tante, haben sie alle Unterstützung, die man sich nur wünschen kann, um wieder auf die Beine zu kommen.

Unser Hauptcharakter ist dabei über die zwei Jahre, die wir der Familie vom Aufgeben der alten Heimat bis zum Ende des Krieges folgen, die Zweitälteste Jo. Sie bekommt mehr Szenen. Sie hat gleich zwei Love Interests, an denen sie aber nicht viel mehr denn Freundschaft findet und was netterweise nie ein großes Ding in der Serie wird. Sie hat den Traum Schriftstellerin zu werden. Hauptsächlich zu ihr baut die Tante ein Verhältnis auf. Und als die Burschikose der Familie hat sie einfach mehr Abenteuer und Spaß, denn die sich mehr in ihre Geschlechterrolle einfügende Älteste Meg, deren Story Arcs sich auf das Gehen auf einen Ball und Finden eines Ehemannes beschränken, oder die Zweitjüngste Beth, die schüchterne Stubenhockerin, die außer Klavier spielen die Serie über nicht viel tut. Eigentlich ist es ein Glücksgriff, dass niemand auf die Idee gekommen ist, in einer Kinderserie die Jüngste Amy zum Hauptcharakter zu erheben, das egoistische Stück nervt mit ihren kleinen Aufständen, wenn sie nicht bekommt, was sie will, nämlich häufig gewaltig. Ich mein, Kinder sind natürlich häufiger mal so, aber das macht sie auch nicht sympathischer wenn man als Erwachsener jene Serie erneut schaut.

Was mir nun gegenüber meinem Kinder-Ich von damals allerdings aufgefallen ist, sind die doch seltsamen Dialoge der Serie. Jeder drückt sich so gestelzt aus, Drama Queen Jo benimmt sich sowieso häufiger wie in einem Theaterstück, und viele Gespräche sind auch nur Charaktere, die sich mehrmals Story Exposition entgegenwerfen, die eigentlich beide sowie der Zuschauer schon kennen und somit gar nicht sein müssten. Unglaublich gekünstelt klingen einfach viele Gespräche.

Was vielleicht auch ganz nett gewesen wäre, wäre den Bezug zum Krieg und die Unterdrückung der Schwarzen nicht nach den ersten paar Einstiegsepisoden fast zu vergessen. Sicher, die Frauen haben mit dem Krieg nichts zu tun, aber abgesehen von der Erwähnung hin und wieder, dass Paps immer noch an der Front ist und der Krieg hoffentlich bald gewonnen werden soll, verschwindet er quasi aus der Serie. Und mit der schwarzen Haushaltshilfe gäbe es auch eine nette Bezugsquelle, immerhin geht es hier um die Abschaffung der Sklaverei, aber das wird auch nie genutzt. Stattdessen haben wir den mehr oder minder normalen Alltag einer Fünfergruppe an weißen Frauen, in einer Zeit, wo jene nicht viel erleben können. Wobei ich es durchaus erfrischend fand, mal nicht die Reise eines Waisenkindes zu verfolgen, sondern eine intakte Familie in ihrem Heim zu haben, nur viel Aufregendes erleben tun die über die 48 Folgen eben nicht immer.