Of Gods and Warlords of Mars

Mit The Gods of Mars und The Warlord of Mars kommen wir zu den direkt aufeinander aufbauenden Büchern Nummer Zwei und Drei der Barsoom-Serie von Edgar Rice Burroughs. Erneut zunächst in einem Magazin als Serial gelaufen, später dann als Komplettbuch gedruckt.

Irgendwie hatte ich ja erwartet, dass John Carter uns die 10 Jahre, die er auf dem Mars erlebt hat, nach und nach in den Büchern erzählen wird. Immerhin ist A Princess of Mars sein erstes Abenteuer, welches nur für die letzten Seiten zehn Jahre in die Zukunft springt, an deren Anschluss er wieder zur Erde zurückkehrt. Das klang für mich so, als hätte man diese lange Zeitperiode gezielt offen gelassen, um diverse Abenteuer erzählen zu können.

Dem ist allerdings nicht so, The Gods of Mars setzt genau ans Ende des letzten Buches an, mit dem scheinbar Alterslosen Übermenschen an männlichem Musterexemplar John Carter, der scheinbar lange genug flehend in den nächtlichen Himmel gestarrt hat, um genauso unerklärlich wie beim letzten Mal plötzlich nackt auf dem Mars zu stehen.

Die Religion auf Barsoom wurde ja bereits im Vorgänger kurz angesprochen, welches häufig wie ein Logbuch wirkte, bei denen viele der eher trockenen Kapitel dazu gedient haben, die Besonderheiten des Lebens auf Barsoom kurz zu umreisen, statt das John Carter wirklich immer ganz so viel aktiv zu tun bekommt. Denn wenn die Marsbewohner das Leben überdrüssig werden oder ihr tausendstes Lebensjahr erreicht haben, gehen sie auf eine letzte Pilgerschaft. Den Fluss Iss hinunter in das gelobte Land, wo sie im Paradies von Issus, Göttin des ewigen Lebens, ankommen. Das Betreten des Tals ist für alle anderen verboten, und niemand kehrt aus dem Paradies zurück, sollte es doch vorkommen, wird derjenige als blasphemisches Freiwild angesehen.

In The Gods of Mars finden wir jetzt eben heraus, dass dies alles nur eine große organisierte Lüge ist. Die sich als heilig ansehenden weißen Marsianer kommen so eben zu ihren persönlichen Sklaven an roten und grünen Marsianern, die für deren Wohl sorgen dürfen, während sie für Göttin Issus beten und sonst keine Härten im Leben erfahren müssen. Aber selbst jene glauben daran, dass es ihre Göttin wirklich gibt, obwohl sie davon profitieren, dass das Paradies nur für sie eines ist. Tatsächlich haben sie ihr eigenes Todesritual, gehen weiter in die Abgeschiedenheit, um von Issus aufgenommen zu werden, nur damit wir später im Buch herausfinden, dass auch dies nur eine Lüge ist, und die erstgeborenen schwarzen Marsianer diejenigen sind, die zusammen mit Göttin Issus am Meeresgrund leben und sich ebenfalls von Sklaven wie die alten Römer bedienen und bespaßen lassen. Und selbst jene denken immer noch, dass die unter ihnen wandelnde Issus eine unfehlbare Gottheit ist.

Das Buch mag fast so wirken, als wäre Edgar Rice Burroughs ein Atheist, der dem Glauben sehr skeptisch gegenübersteht. Scheinbar ist dem allerdings nicht so gewesen, sondern Burroughs war nur der organisierten Religion gegenüber wenig zutraulich. Sein Standpunkt hier ist nicht zwangsläufig, dass es keine Götter gibt, obwohl sich Issus als Scharlatan herausstellt, sondern das die Kirchen darum reine Schmarotzer sind, welche die breiten Massen systematisch ausnutzen.

Macht die Sache ja schon fast interessant! Wenn doch der Rest des Buches nicht wieder so eine unreflektierte Heldensaga wäre. John Carter hat immer recht. John Carter ist immer der Beste. In John Carter verliebt sich alles auf den ersten Blick, was eine Vagina hat. Nur diejenigen, die sich von John Carter einfach überzeugen lassen, sind die wahrhaft Tugendhaften. Und einen Sohn hat der Kerl jetzt auch noch, der prompt ebenfalls das tollste Stück Mannfleisch ist, dass je aus einer Gebärmutter gekrochen kam. Selbst den dämlichen Supersprung seines Vater kann er, was noch nicht mal Sinn ergibt. Das ist ja nicht genetisch, sondern Carters Fähigkeit wurde damit erklärt, dass seine Erden-Muskeln eine höhere Anziehungskraft gewöhnt sind, und deswegen auf dem Mars so übermächtig erscheinen. Seine Lendenfrucht ist allerdings auf dem Mars geboren und aufgewachsen, wie kann der dann die gleichen Kräfte entwickeln?

Die Geschichte geht übrigens direkt in The Warlord of Mars weiter, denn am Ende von The Gods of Mars wird Deja Thoris, die Ische von John Carter, gefangengenommen. Und nun geht es halt darum, die Welt bzw. den Mars zu bereisen, um sie wieder zu befreien. Nachdem Carter zurück in Helium das Problem hat, dass er dort als Häretiker gebrandmarkt werden soll, weil er die Weltreligion von Barsoom gestürzt hat.

Und wirklich so wahnsinnig viel von Interesse geschah für mich ehrlich gesagt nicht. Weil die Bücher so unreflektiert sind. Hier reist John Carter eben an den Nordpol, weil dies das letze abgeschiedene Gebiet ist, in dem er noch nicht sein Unwesen getrieben hat. Wo er prompt auf die gelben Marsianer trifft, um das Faible der farbig kodierten Rassen auf dem Planeten um einen weiteren Ton zu erweitern. Braucht nicht mehr viele total unbekannt-abgeschieden lebende Völker, um den Regenbogen voll zu haben.

Die sind natürlich kriegerisch und ablehnend und all das. Weswegen sich John Carter, der viel zu ehrenvoll ist um jemals eine Lüge auszusprechen, aber kein Problem damit hat, Dinge zu verschweigen oder Leute auf den falschen Gedanken zu verleiten, sich dort einschleichen muss. Wo er prompt wieder einen Verbündeten gewinnt, der so viel besser ist, als der Rest seiner Rasse, schon alleine deswegen, weil er John Carter von Beginn an metaphorisch die Füße küsst.

Am Ende hat er dann nicht nur in The Gods of Mars seinen Sohn und die Bewohner von einer tyrannischen Religion befreit, sondern in The Warlord of Mars auch seine Prinzessin von Helium, sowie deren Vater, und alle Rassen von Barsoom in ein friedliches Miteinander gebracht. In dem er alle umgebracht hat, die sich über die drei Bücher hinweg dem in den Weg gestellt haben. Als größte Ehre geben natürlich alle Könige der verschiedenen Mars-Völker gern einen Teil ihrer Macht an den Übermenschen von John Carter ab, und ernennen ihn zum Titularen Warlord des ganzen Mars.

Ich glaube ein Problem für mich mit den Büchern ist einfach auch, dass sie aus der Ich-Perspektive geschrieben sind. Es ist nervig genug, dass John Carter ein unfehlbarer Supermann ist, der höchsten zum Gute anderer vor einer heroischen Tat zurückschrecken würde. Aber durch diesen Ton ist es auch noch er selbst, der sich so stark beweihräuchert, was es noch Mal ein Stück weniger erträglich macht. Vor allem wenn man die Bücher daher böswillig auf die Narration „Ich weißer Amerikaner kam in eine fremde Welt Farbiger, war viel besser und schlauer als alle dort, und nachdem ich heroisch alle Feinde eigenhändig erschlagen habe, liebte mich das Volk so sehr, dass sie mich zu ihren rechtmäßigen König erhoben haben“ runterbricht.

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A Princess of Mars

Edgar Rice Burroughs hatte definitiv ein interessantes Leben. Zunächst schien alles in trockenen Tüchern einer Karriere beim US-Militär zu sein, bis er auf Grund eines Herzfehlers aus dem Dienst entlassen wurde. Die anschließenden Jahre hat er sich mit mehreren Jobs rumgeschlagen, um seine Frau und zwei Kinder zu ernähren, ohne je der erfolgreiche Geschäftsmann zu werden, den er anstrebte zu sein. In seiner vielen Freizeit ließ er sich allerdings von seichten, in Magazinen Kapitelweise veröffentlichten, Groschenromanen berieseln. Was ihn motivierte selbst zu schreiben, denn wenn ein solcher Schund publiziert würde, könne er doch sicherlich genau so Geld verdienen.

Aus Burroughs wurde letztendlich nie der große Geschäftsmann, stattdessen allerdings ein erfolgreicher Autor, der zwischen seinem ersten in einem Magazin publiziertes Kapitel in 1912 bis zu seinem Tod in 1950 fast 80 Novellen schreiben sollte, darunter auch seine bekannteste Schöpfung Tarzan. Seine wohl zweitbekannteste Schöpfung hingegen ist wohl John Carter, der direkt aus dem ersten abgedruckten Roman Under the Moons of Mars entsprang, später als A Prince of Mars auch in einem Buch zusammengefasst erschienen. Und mit 10 weiteren Büchern folgend.

Ich gehe ja schon davon aus, dass ein Buch, welches vor über 100 Jahren geschrieben wurde, ein Stück weit antiquiert ist. Schon alleine durch die im Vergleich zum modernen Slang eher gestelzt klingenden Sprache, und natürlich durch den Wandel von Wortbedeutungen schlechthing – immer erneut ein Highlight, wie häufig freudig eingestellte Charaktere als „gay“ bezeichnet werden. Und auch wissenschaftliche betrachtet, wenn ein Mars bei einem Herrn Burroughs beispielsweise komplett mit Moos bedeckt ist. Ich meine klar, es gibt auch kein intelligentes Leben auf dem Mars, und schon alleine das ist die Hauptprämisse der Reihe, aber Fiktion, die in uns bekannten Gefilden angesiedelt ist, versucht sich normalerweise dennoch stärker in der Realität zu verankern. Ein 2012 geschriebenes Buch über ein Volk auf dem Mars würde sich zumindest stärker an die uns heutig bekannten Tatsachen halten, statt einen reinen Fantasy-Planeten daraus zu machen. Aber um 1900 war eben nur bekannt, dass der Mars eine weniger dichte Atmosphäre/Schwerkraft hatte, die beiden Monde ihn näher und schneller umkreisen, es Polarkappen gibt. Außerdem gab es noch immer die Theorie von Kanälen auf dem Mars, und darauf basierend eben, dass der Mars zwar eine sterbende, aber immer noch bewohnbare Welt ist. Und darauf stützt sich Burroughs hier.

Immerhin konnte man sich dadurch damals sowohl an wissenschaftliche Erkenntnisse halten, und gleichzeitig seiner Fantasie noch freien Lauf lassen, weil eben nicht genug definitiv bekannt war. Barsoom, wie der Mars hier von dein Einheimischen genannt wird, ist also tatsächlich eine Fantasywelt. Ein Planet konstant bedeckt von Moos, mit den letzten Lebenserhaltenden Kanälen und Atmosphäre konstant haltenden Einrichtungen, um das Überleben der Völker zu garantieren, nachdem die großen Seen ausgetrocknet und die antiken Städte zu Ruinen verkommen sind. Den Bulk der Einheimischen macht das nomadisch lebende Volk der grünen Marsianer aus, größer als ein Mensch, mit zwei zusätzlichen Armen und Stoßzähnen ausgestattet. Ein kriegerisches Volk, sich den rauer werdenden Gegebenheiten des Planeten angepasst, und der Tatsache dass ein individuelles Leben nicht mehr viel bedeutet, gerade wenn die Lebensressourcen der Knappheit unterliegen und die Lebenserwartung bei fast tausend Jahren liegt. Ihnen gegenüber stehen die roten Marsianer, die fast nicht von einem Erdenmenschen zu unterscheiden sind und zivilisiert in ihren ummauerten Städten leben.

Und auf jene Bühne verschlägt es eben John Carter, einen jungen Mann aus Virgina USA. Genau genommen ist das Buch in Form einer fiktiven Biographie geschrieben, Carters Niederschrift über seine merkwürdige Reise nach Barsoom, gefunden von einem dies nun publizierenden Neffen. John Carter ist allerdings ein unerträglicher Mary Stue. Bereits im Einstiegsprolog erzählt uns der Neffe davon, was für ein perfekter Mensch er war. Gut gebaut, selbst in die Vierziger noch wie Mitte-Ende Zwanzig ausschauend, ein ehrenvoller Gentleman, ein mutiger Kämpfer im Militär, ein guter Freund, wegen seines Charisma sogar von den bei der Familie beschäftigen Sklaven geliebt (ein Moment, in dem die Antiquiertheit des Buches eher einen unangenehmen Moment hat).

Und auf Barsoom ist er der schiere Superheld. Da er ja höhere Schwerkraft seines Heimatplaneten Erde gewohnt ist, sind seine Muskeln einfach gewohnt so viel mehr leisten zu müssen. Er kann also dutzende Meter weit und hoch springen. Er kann sich selbst mit den doppelt so großen und als Krieger ausgebildeten grünen Marsianern im Kampf messen, ja sogar mehrere gleichzeitig mit Leichtigkeit niederstrecken. Er lernt die Sprache innerhalb von wenigen Tagen. Sein taktisches Denken führt zu fast unfehlbaren Plänen. Die Prinzessin von Helium, und schönste Blume der roten Marsianer, verliebt sich sofort Hals über Kopf in ihn. Während alledem versichert uns Carter natürlich beständig, dass er sich für absolut nicht besonders hält, dass all dies einfach in seinem Naturell liegt, oder an seiner Besonderheit als Erdenmensch auf dem Mars. Bescheidenheit hat er also auch noch zu bieten.

Ein perfekter und unfehlbarer Charakter ist allerdings auch ein sehr langweiliger Charakter. Und ein ziemlich nervtötender in einer von ihm selbst geschriebenen Biographie, in der er selbst es somit ist, der uns alle 3 Seiten von seinem Übermenschentum berichtet, und dabei auch noch ständig bescheiden zu klingen versucht. Und manchmal ist John Carter schlichtweg ein Psychopath, der ohne mit der Wimper zu zucken mordet, und ganze Völker auslöschen würde, um an seine geliebte Prinzessin zu kommen. Das Buch über bekommt man schon das Gefühl, dass einem John Carter ein Leben absolut nichts wert ist, wenn es sich nicht um einen seiner Freunde handelt.

Ein weiteres Problem ist der imperialistische Touch der Geschichte. Nach heutiger Sicht ist es immer ein wenig unglücklich eine Geschichte zu schreiben, in welcher ein weißer Mann in einer anderen Kultur auftaucht, und als Supermensch sofort allen überlegen ist und alle ihre Probleme zu schlichten weiß. Selbst wenn es sich auf dem Mars nicht um andere menschliche Völker handelt, sondern fiktive. Gerade wo die zwei oder drei Halbsätze über das Leben auf der Erde, die Sklaven oder amerikanische Ureinwohner erwähnen, auch eher unglücklich ausfallen. Die Stämme des Mars sind für Burroughs sicherlich Analogien zu in seinen Augen weniger zivilisierten Völkern auf unserer Erde gewesen. Durchaus auch Naturvölker, denn ein weiteres Kuriosum des Lebens auf dem Mars ist, dass im Prinzip jeder permanent nackt ist, abgesehen von Rang oder Kriegsehren bestimmenden, schmückenden Ornamenten, die aber nicht zwangsläufig viel bedecken müssen.

Um ehrlich zu sein hat mich A Princess of Mars weniger für sich selbst interessiert bekommen, als vielmehr dafür mir Disneys gefloppten Versuch anzusehen, dies hier in 2012 in eine Blockbuster-Fantasy-Franchise zu wandeln. Einfach um zu sehen, wie stark die den langweiligen Über-Hauptcharakter, die rassistischen Untertöne, die inakkurate Darstellung des Mars und der nonchalante Nudismus umgesetzt haben, um dies in einen familienfreundlichen Film nach modernen Gepflogenheiten zu wandeln.

Denn das Buch an sich, pulpig und kurz wie es ist, ist schon eine ziemliche Zeitkapsel aus vor 100 Jahren. Mehr als ein Wizard of Oz oder ein Alice in Wonderland, weil so viel mehr Weltanschauung mit durchsickert und der Hauptcharakter das damalige Idealbild einer männlichen Heldenfigur sein soll. Mittlerweile gelesen ist das Ding ehrlich gesagt ein wenig dämlich bis infantil. Und maßlos überholt.