Jupiter Ascending

Was macht man am besten, wenn man so begeistert vom All ist, jede Nacht mit dem Teleskop zum Himmel schaut, sogar seine Tochter Jupiter nennen will, die Ehefrau mit den russischen Wurzeln sich allerdings stur stellt? Man lässt sich einfach während eines Überfalles erschießen, so dass die zurückgelassene Witwe den Namen doch wählt!

Jupiter mag ihr Leben nicht sonderlich. Aber wer täte dies auch schon, wenn er sich mit der Großfamilie ein Haus teilen müsste und als Job bei Reichen die Klos schrubbt und Wohnung entmüllt? Wie sie bald merken muss, ist dies aber vielleicht immer noch besser, als mitten in den Gefechten zwischen einem Haufen Söldnern und Kopfgeldjägern gefangen zu sein, weil sie sich darum kloppen, wer einen zu seinem Auftraggeber bringen oder in dessen Auftrag umbringen darf. Ist schon eine schwere Last von royalem Blut zu sein, auch wenn man im Gegenzug wenigstens nie von Bienen gestochen wird, weil jene Respekt vor Königinnen in den Genen haben.

Jedoch muss sich der Horizont von Jupiter bald erweitern – wortwörtlich, denn mit Ex-Soldat Caine als Bodyguard geht es in den Weltraum. Und zu so einigen Offenbarungen. Beispielsweis das die Menschheit nicht von der Erde stammt, sondern aus dem All. Von dem sie weite Teile kolonisiert hat, unter der Regie der royalen Familie Abrasax, dessen Original-Königinnen-Wiedergeburt Jupiter darstellt. Welche die Planeten untereinander aufgeteilt haben: Jupiter gehört laut eigenem Testament die Erde. Die aber ihre drei „Kinder“ gerne hätten, denn es handelt sich beim Planeten um die am nächsten zur Ernte anstehende Farm, im wichtigsten Geschäft überhaupt: Zeit.

Die Familie Abrasax hält den Schlüssel zur Unsterblichkeit und ewiger Jugend in den Händen. Da der Alterungsprozess und Tod dadurch ausgelöst wird, dass sich unsere Zellen langsamer und langsamer und irgendwann gar nicht mehr erneuern können, kann dem entgegengewirkt werden, in dem man ein erfrischendes Bad in einer Substanz nimmt, die aus den noch regenerierbaren Zellen von hunderten von Menschen besteht, kondensiert zu Cyber-Badesalz.

Jupiter Ascending hat mich in vieler Hinsicht an The Fifth Element erinnert, nur eine wesentlich schlechtere Variante davon. Beide Filme haben Dinge gemein wie das die eigentliche Handlung ein ziemlich konventionelles Action-Feuerwerk ist, welches sich hauptsächlich durch die spezielle Optik der Angelegenheit heraushebt. Mit einem Male Lead, der optisch absolut fehlgecastet für seine Rolle ist. Eine aufgesetzte Romanze, die keinerlei Chemie hat. Einem chargierenden Bösewicht mit Hang zu Wutausbrüchen. Jupiter Ascending fehlt allerdings eine Showstopper-Szene wie den Auftrit der Diva, welche schon auf sich alleingestellt die Existenz des Filmes rechtfertigen würde.

Nur ist The Fifth Element mit all seinem Camp-Value nicht nur ein wesentlich solider gemachter Film, sondern auch einer, der eine gewisse Energie und Freude ausstrahlt, die Jupiter Ascending absolut abgeht. Nichts an der Pre- und eigentlichen Produktion offeriert eine Basis dahingehend, dass es hier Ungereimtheiten gegeben hätte, jedoch wäre ich persönlich nicht überrascht gewesen, hätte ich zu lesen bekommen, dass Jupiter Ascending irgendwann mal einem Studio offeriert wurde, für 5 Jahre in Developement Hell gelandet wäre, und erst grünes Licht bekam, als sowohl Regie wie auch Schauspieler keine Lust mehr hatten jedoch vertraglich weiterhin dazu verpflichtet waren, den Film zu realisieren.

Mila Kunis beispielweise scheint durch den Großteil des Filmes einfach zu schlafwandeln. Channing Tatum… nun aus dem Mann, so charismatisch er in Interviews ist, wird sowieso nie ein besonders guter Schauspieler werden, ist aber definitiv einfach auch optisch absolut Fehlplatziert als der mit Cyberskates durch die Luft fliegende, mit starkem Eyeliner, blondiertem Bärtchen und spitzen Elfohren ausgestattete Caine. Eddie Redmayne, der dank Jupiter Ascending das Jahr auf seinen Oscar-Gewinner auch eine Goldene Himbeere sein Eigen nennen durfte, passt hingegen visuell absolut in seine Rolle, und scheint sich sehr bewusst, was für einen hysterisch-übertriebenen Bösewicht er spielen soll, hat aber im Gegensatz zu beispielsweise einer Minnie Driver in Phantom der Oper nie Spaß daran, sich einfach gehen zu lassen und den Camp voll aufzudrehen.

Der Film mag auch nie seine wirklich interessanten Implikationen beleuchten, opfert stattdessen lieber viel Zeit an Verfolgungsjagden, Schießereien, und einer nicht funktionierenden Romanze. Was bedeutet es, das ewige Leben entdeckt zu haben, wenn dafür Menschenleben geopfert werden müssen? Moralisch ist das selbstverständlich absolut verwerflich, besonders aus der Sicht einer noch jungen Jupiter. Aber wenn man dann im hohen Alter mit dem nihilistischen Ausblick konfrontiert wird, dass die eigene Existenz bald definitiv enden wird und dann Nichts mehr ist – vielleicht rationalisiert man sich das dann schon eher weg. Und erst einmal entschieden, dass das eigene Leben mehr wert ist als das mehrere Fremder, fällt die Entscheidung jedes Mal sicherlich einfacher. Wenn man bereits über 1000 Jahre lebt, obwohl die natürliche Lebensspanne der Spezies <100 ist, was macht das dann mental mit einem – wie viel ist anderes Leben dann noch wert? Jupiter findet die Idee abscheulich und wir bekommen auch genannt, dass ihre frühere Inkarnation auch irgendwann zu jenem Ergebnis kam, es wird aber nie genauer darauf eingegangen und den ganzen Film über kommt es nicht zu einem Flashback zu ihrem früheren Selbst.

Es gibt jedoch auch einige Dinge, die funktionieren. Die Direktion des Filmes ist beispielsweise weitestgehend kompetent, wenn auch dadurch, dass die drei Abrasax-Geschwister nacheinander abgehandelt werden und dann nie wieder auftauchen, fast ein wenig episodisch, als wären 4 Halbstünder einer Serie zu einem Film zusammengeflickt worden. Die Szene mit den bürokratischen Hürden, die überkommen werden müssen, damit Jupiter ihren Titel erlangt, so dass selbst der bereitgestellte Cyborg fast einem Kurzschluss erleidet, sind so gehabt wie sie dennoch funktionieren, und der einzige Moment im Film, an dem er Spaß mit sich zu haben scheint. Und die visuelle Präsentation ist nun ernsthaft wirklich gelungen, gerade wenn es auf die außerplanetarischen Gebiete geht. Abrasax Space-Royalty weiß, wie man dekadent zu leben hat. Die Hochzeitszeremonie ist wirklich toll dargestellt. Die Kostüme selbst von Extras im Hintergrund häufig ausgefallen und interessant anzusehen.

Was sicherlich einige auch befremdlich fanden ist, dass der Film ausgesprochen Anime ist. Die Wachowskis sind ja gern mal davon inspiriert. Was dem Look von The Matrix beispielsweise sehr gutgetan hatte. Jupiter Ascending hat allerdings was Design und Charakterarchetypen angeht ein paar Dinge gehabt, die selbst ich zunächst etwas befremdlich fand. Allen voran beispielsweise war Caine für mich in seiner Gesamtheit etwas lächerlich. Was eventuell auch schon dadurch etwas revidiert gewesen wäre, hätte man einen jüngeren und drahtigeren Schauspieler wie einen Spider-Man-Ära Andrew Garfield gewählt. Aber als ich daran dachte, was wäre, wenn Jupiter Ascending ein Anime gewesen wäre, statt die Ästhetik eines Hollywood-Streifens zu erwarten… es hat gleich alles viel besser gepasst. Besser wäre er auch dann nicht gewesen, sondern abgesehen einiger netter visueller Einfälle immer noch unglaublich Standard.

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Academy Weekend – The Theory of Everything

ava-1972The Theory of Everything war ganz gut dabei in den letztjährigen Oscars, hatte er doch 5 Nominierungen, darunter auch drei der großen: Best Picture, Best Actor und Best Actress. Gewonnen hat dann aber doch nur Hauptdarsteller Eddie Redmayne, der auch dieses Jahr wieder nominiert ist. Den kannte ich ja bisher nur als den blassen Kerl auf Les Miserables, der eher modeln statt schauspielern sollte, was aber sicherlich auch seiner Rolle geschuldet war, Marius und Collette sind so ziemlich die langweiligsten Charaktere in der Geschichte.

The Theory of Everything ist die Biographie von Stephen Hawkings, zumindest geht der Film zurück auf das von seiner Ex-Frau geschriebene Buch Travelling to Infinity: My Life with Stephen. Was sicherlich auch erklärt warum der Film tatsächlich weniger das gesamte Leben von Stephen Hawkings abdeckt, sondern beim Treffen auf seine erste Frau einsteigt, über deren Romanze und Ehe geht, und im Prinzip wenn die Scheidung bevorsteht endet. Sein akademisches Leben wird relativ beiseite gelassen, es geht hier um seine große Liebe zu Jane.

Die haben sich nämlich in 1963 auf der Uni getroffen. Er als der abgeklärte Physikstudent, der die eine Antwort auf alle Fragen des Universums entdecken will, und sie als Sprachstudentin, die an Gott glaubt. Und dennoch funkt es, ganz gewaltig sogar. So sehr, dass sie sich auch nicht abschrecken lässt, wenn bereits sehr früh im Film (30 Minuten in die 2 Stunden Laufzeit), Stephen zusammenbricht und die Diagnose kommt: Noch zwei Jahre zu leben, und ein kontinuierlicher Verfall aller körperlichen Funktionen, bis sein geniales Hirn in einer sich nicht verständlich machen könnenden Hülle gefangen sein wird.

Und die beiden sind starke Personen. Sowohl sie, die sich um ihren kranken Mann, den Haushalt, und die kommenden drei Kinder kümmern muss, obwohl die Überforderung droht, und natürlich auch er, der nie aufzugeben scheint, sondern sein Leben mit scharfem Verstand und geistreichem Humor weiter lebt. Sich zu haben scheint ein Hauptgrund zu sein, warum Stephen Hawkings es schaffte weiter zu machen, weit über das gehen konnte, was ihm die Ärzte zunächst prognostizierten.

Es ist ein sehr rührender und sehr schöner Film geworden. Und auch einer, bei dem die Schauspieler wirklich alles geben, kein Wunder das beide Hauptrollen für die Oscars nominiert waren. Redmayne hat natürlich den „Krüppel-Bonus“ gehabt, es ist nicht umsonst ein gewisser Gag, dass man immer für einen Oscar gut ist, wenn man eine Randgruppe oder jemand Kranken spielt. Aber ja, obwohl sich der Film um Stephen Hawkings dreht, wirkt er nie erdrückend, weil es weniger um seien Krankheit per se geht, sondern um sein Leben mit seiner ersten Frau, in der jene natürlich eine Rolle spielt, aber sie bleibt nicht der Fokus des Filmes.

Jedoch, obwohl mir der Film gut gefallen hat, und ich zunächst mit einem sehr positiven Gefühl hervorgegangen bin, fiel mir retrospektiv auf, dass es vielleicht doch etwas seltsam ist, dass er so ruhig ist. Das ist durchaus auch ein Grund, warum er mir gefallen hat, doch bei aller britischer Zurückhaltung ist es schon etwas seltsam, dass er nie so wirklich richtig dramatisch wird. Man hat ein wenig das Gefühl die Macher hatten Angst davor, Stephen Hawkings auch nur im kleinsten negativen Licht zu zeigen. Dafür das wir hier die Dekaden der Beziehung der beiden miterleben, und dafür das die Situation so extrem war, entladen sich Spannungen bei ihnen nie. Der Hawkings im Film lässt nie Frust ob seiner Krankheit an seiner Familie aus, wird nie wirklich auch nur launisch, oder ist abgeneigt wenn Jane plötzlich den jungen und attraktiven Kerl als Familienhilfe einspannt. Jane sieht man die Überforderung und den Unmut durchaus mal an, doch auch aus ihr bricht es nie wirklich hervor, und sie sagt auch nix gegen Stephens attraktive Assistentin. Beide lassen einander am Ende des Filmes zu ihrer jeweils neuen Liebe weiterziehen und verbleiben gute Freunde. Nur einen einzigen Moment im Film droht ernsthaft ein Konflikt loszubrechen, nämlich wenn Stephens Eltern fragen, ob das dritte Kind nicht von der Hilfe ist, was aber sofort abgeblockt und nie wieder erwähnt wird.

Von daher war es im Nachhinein einfach etwas seltsam, dass der Film bei seiner Thematik nie wirkliches Beziehungsdrama bietet, sondern alle doch ein wenig zu nett und verständnisvoll miteinander umgehen. Das ist aber wirklich etwas, was mir erst anschließend irgendwie aufgefallen ist. Solange der Film lief war ich voll auf seinen angenehmen Vibes am Schwimmen und dachte da gar nicht dran, von daher fiel es auch nicht wirklich negativ auf.

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