Tatort Giftschrank: Drei Schlingen

Der nächste Tatort ist ebenfalls aus den 70ern. So wurde die 78. Folge doch 1977 zum ersten Mal ausgestrahlt. Der 11. Fall vom Kommissar Haferkamp landete anschließend im Giftschrank und wurde erst 2003 wiederholt. Witzig ist hierbei, dass eine der Rollen von Andreas Seyferth verkörpert wird, der schon im Giftschrank-Tatort Tote brauchen keine Wohnung zu sehen war.

Er ist nämlich das Mordopfer in Drei Schlingen. Während eines Geldtransports muss der Wachmann miterleben, wie eine Frau einfach auf offener Straße bei einer Unfallflucht überfahren wird. Entgegen dessen, was ihm sein Vorgesetzter über Funk rät, verlässt er den Transporter, um der Dame zu helfen, statt auf die gerufene Polizei zu warten. Was ihm zum Verhängnis wird, denn dies war ein abgekartertes Spiel, um den Geldtransporter zu klauen. Während des Gerangels wird er erschossen.

Besonders schwer trifft das seinen Kollegen Schießer, der mit ihm unterwegs war, aber gerade Geld in der Bank ablieferte, als dies geschah. Der Ex-Polizist sah sich als eine Art Vaterfigur für den naiven aber sympathischen Kollegen und dessen kleine Familie. Gleichzeitig ist er aber auch ein Verdächtiger beim Überfall. Denn nur Schießer, sein toter Kollege, und der Chef der Firma haben eigentlich den nötigen Schlüssel, um den Transporter entführen zu können. Einer davon hat also mit den anderen beiden Dieben unter einer Decke stecken müssen.

Dann werden auch noch Leute, die Schießer vom Judo-Club kennt, mit einer Schlinge erhängt aufgefunden. Ist dies seine Art die Komplizen aus dem Weg zu räumen? Natürlich nicht, wie man sich erneut halb durch den Tatort denken kann, begeht der rechtschaffene Schießer hier Selbstjustiz. Er hat herausgefunden, dass von seinem Schlüssel eine Kopie während des Aufenthalts im Club angefertigt wurde, und richtet nun diejenigen hin, die er für die Mörder seines Kollegens hält.

Drei Schlingen ist definitiv ein guter Eintrag in die Reihe. Der Fall wendet sich mehrmals, bleibt durch die Bank weg spannend. Selbst nachdem man sich bereits denken kann, wer der Schlingenmann ist. Denn dann entbrennt das Spiel damit, ihn zu überführen, und vor allem die anderen Täter vor seiner Selbstjustiz schützen zu müssen. Macht einen runden und sehenswerten Fall aus. Zumal auch Haferkamp und sein Spiel mit Schießer sehr unterhaltsam gespielt sind.

Und warum war nun der mittlerweile aufgehobene Giftschrank nötig? Nach der Ausstrahlung gab es einige Beschwerden ob der hohen Brutalität der Folge, weswegen er weggeschlossen und erst 25 Jahre später erneut für eine mögliche Freigabe gesichtet wurde. Nach heutigen Maßstäben ist der natürlich ziemlich harmlos, Schießers Schlingen sind auch mehr psychologische Kriegsführung denn das die Erhängung wirklich lang in Bild und Ton gezeigt würde.