The Prince of Egypt

ava-1661Wenn ich an Dreamworks denke, denke ich immer CG-Animations-Filme. Shrek, Madagaskar, Kung Fu Panda und eine ganze Reihe anderer Filme, die thematisch auf den aktuellen Disney/Pixar aufspringen wollten. Das ist allerdings etwas unfair, denn Dreamworks ist wohl das Animationsstudio mit dem Output der größten Diversität, bei dem ein Modus Operandi weniger einfach festzulegen ist, als bei Disney, Pixar oder Ghibli, bei denen Ähnlichkeiten häufig wesentlich einfacher herauszusehen sind – zumindest was die Filme angeht, um die sich das Publikum geschert hat. Ja nicht mal ein Animationsstil ist einfach festgelegt, neben den ganzen CG-Werken gibt es auch Stop Motion in Wallace & Grommit und zu Beginn ihres Studio auch mehrere 2D-Animationsfilme.

Der erste darunter ist Prince of Egypt, der wohl so eine Art Iron Giant ist: Keiner hats gesehen, aber die paar, die es taten, schwören auf ihn. Ich gehöre natürlich mal wieder zu den Nicht-Sehern. Prince of Egypt kam 1998 raus, da war ich ein Teenager, der die westliche Animation ob der ostasiatischen hinter sich gelassen hatte und mit Bibelgeschichten musste man mir schon mal gar nicht kommen, Religion lag da auch schon lang hinter mir.

Die Moses-Geschichte also. Als Säugling im Nil ausgesetzt, beim Pharao angeschwemmt und aufgewachsen, plötzlich realisieren müssend, dass er zur Sklavenrasse der Hebräer gehört, und nachdem er auch noch jemanden umbringt, flieht er. Doch Gott will sein Volk jetzt doch endlich mal befreit sehen, statt das bereits vor dem Mord der ganzen Säuglinge zu veranlassen, und reißt dafür Moses aus seinem neuen, beschaulichen Leben , und schickt ihn zu Stiefbruder Ramses, um jene Freilassung zu fordern. Yahweh gibt den Ägyptern ein paar STDs, gibt dem Nil seine erste Periode, nimmt die Ernte, und killt ihre Babys, und dann dürfen die auch ziehen.

Ich muss sagen, dass ich echt verdammt überrascht war, denn Prince of Egypt ist gigantisch. Bereits das Opening, so die ersten 10 Minuten ungefähr, mit den monumentalen ägyptischen Bauten, der Vielzahl daran arbeitenden Sklaven, die Jagd nach den hebräischen Babys und Moses kleine Odyssey über den Nil, zusammen mit bombastischer Musik. Das ist ja hier wie in Disneys Hunchback! Nur das Prince of Egypt dabei anschließend keine Durchhänger hat, sondern gut weiter geht!

Ich meine, scheiße sieht der Film gut aus! Das kann Disney tatsächlich so auch nicht besser. Und das in allen Belangen. Die Szenerien sind nicht nur gigantisch und monumental, sondern auch unglaublich gut mit den Charakteren arrangiert. Wenn die Prinzen sich im Thronsaal gegenüber stehen, die Kamera weit rausgezoomt, im Hintergrund die Statuen der Vorväter im Profil mit ihren parallel. Wenn die Plagen über das Land kommen und geradezu eine Apokalypse auslösen. Das Stage Setting im Film ist absolute fehlerfrei. Und die Animationen sind so extrem fließend, wobei mir vor allem die Körpersprache und die Mimik gefallen hat, durch die viele Szenen auch mit wenigen oder gar keinen Worten auskommen. Die Musik ist auch richtig geil, mal episch, mal melancholisch, dann wieder hoffnungsvoll, immer perfekt die Szene untermalend.

Bei all dem Blendwerk kommen die Charaktere aber auch nicht zu kurz, oder die Handlung. Ich bin sowieso ziemlich angenehm überrascht, dass es sich der Film absolut nicht einfach macht. Der Pharao wird nie dämonisiert, noch wird später Ramses zum Schurken. Sie sind halt nur in einer Umwelt groß geworden, in dem sie als nächster wandelnder Herrschergott angesehen werden, und in dem Sklaverei das Rückgrat der Gesellschaft ist. Ja Moses selbst, da bei ihnen aufgewachsen, sieht zunächst nicht mal was daran schlecht sein soll. Zum Punkt hin, wo das sogar etwas seltsam rüber kommt, da es so erscheint, als habe er nichts gegen die Sklaverei per se, sondern nur dagegen, dass es sein Volk getroffen hat, was der Film ganz self aware ihm auch vorwirft. Aber der Pharao ist ein guter, wenn auch strenger Vater. Und Ramses sieht sich nie im Unrecht, und hat eine echte Bindung zu seinem Stiefbruder, fühlt sich richtiggehend verraten davon, dass jener plötzlich wieder auftaucht, und das nicht um zu ihm zurückzukommen, sondern um ihm ein in seinen Augen lächerliches Ultimatum zu stellen.

Auch das mit den Plagen macht sich der Film nicht einfach. Wie gesagt nimmt die Sequenz schon geradezu apokalyptische Ausmaße ein, da sie fast alle gleichzeitig über Ägypten hernieder gehen, es Feuer regnet und anschließend die monumentalen Bauwerke in Schutt und Asche liegen. Aber dabei zeigt der Film eben auch, dass hier viele unschuldige Zivilisten leiden müssen, und wenn Ramses seinen Erstgeborenen zu Grabe tragen muss, ist das eine wirklich harte Szene. Der alttestamentarische Gott ist eben ein ziemlich fürchterliches und rachsüchtiges Stück. Und davor schreckt der Film nicht zurück dies auch zu zeigen.

Das Einzige, was ich mir eventuell aus dem Film raus wünschen würde, sind die mehr Slapsticky Einlagen, wie die der Priester. Allerdings geht es auch mit, es wirkt nie so übertrieben oder deplatziert wie das Zeug im Hunchback war. Zumal es auch nie von den wirklich großen oder emotionalen Momenten abträgt, sondern dazwischen zur Auflockerung eingesetzt ist.

Ich fand den Film Klasse. Der übertrifft alles, was Disney in der zweiten Hälfte der 90er getrieben hat – und das in den frühen 2000ern sowieso. Oder die ersten Pixars. Und wahrscheinlich auch um Längen das, was Dreamworks selbst die darauffolgenden Jahre abgeliefert hat, auch wenn ich dafür etwas genauer in deren anderes 2D-Output reinschauen müsste.

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Megamind

Zwei Babys werden per Kapsel gen Erde geschossen, weil ihre Planeten der Zerstörung anheim fallen, in einem ein blaues mit Riesenschädel und im anderen das All American Idealbild. Es sollte nicht weiter verwundern, dass beim Heranwachsen zweiterer beliebt ist und ersterer – der sich zustäzlich noch schrecklich ungeschickt anstellt – zum Außenseiter wird. Also beschließt er, seine Stärke auf dem Gebiet der versehentlichen Zerstörung zu nutzen und zum Superschurken Megamind zu werden, der natürlich immer rechtzeitig vom Superheld  Metro Man aufgehalten wird.

Same business as usual: Megamind hat Reporterin Roxanne Richi entführt, um Metro Man in eine Falle zu locken. Mittlerweile ist das für alle Beteiligten reinste Routine und jeder weiß, dass Metro Man sich in letzter Sekunde befreien und Roxanne retten wird. Doch da passiert das Unglaublich: Megaminds Plan geht auf und er besiegt Metro Man!

Wie sich heraus stellt, weiß Megamind gar nicht so recht, was er mit der Stadt, die er nun ungehindert terrorisieren kann, machen soll und ohne jemanden, der ihn aufzuhalten versucht, ist das Leben sowieso langweilig. Während er daran bastelt, einen neuen Superhelden zu erschaffen, verliebt er sich auch noch in Roxanne, die ihn natürlich abblitzen lassen würde, wüsste sie, das er hinter der Verkleidung steckt.

Selbstverständlich fliegt alles auf und läuft alles schrecklich schief. Roxanne entdeckt die Verkleidung und ist sauer. Und der neue Superheld Titan entpuppt sich als Superbösewicht, der seine Kräfte missbraucht. Nur wer soll ihn jetzt aufhalten? Tja, Megamind natürlich…?

Megamind ist der beste der drei Dreamworks-Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Während Monster vs. Aliens viel Parodie/Hommage auf Monster-/SciFi-Filme bringt (dummerweise viele kultige B-Movies der 50er-80er, die die Zielgruppe eher nicht kennt) und How to Train Your Dragon sich Fantasy annimmt, schöpft Megamind natürlich aus den Vollen, was die Superheldenfilme angeht. Ein Genre, das in letzter Zeit ja alles andere als unaktiv ist und somit auch beim jungen Publikum auf dem Plan sein sollte – wenn es auch gewohnt einige Anspielungen auf eher campy oldschool Sachen gibt.

Auf jeden Fall ist’s der Film mit am meisten Drive, der launigste unter ihnen. Gerade die ersten 20 Minuten, bis zum Tod von Metro Man sind wirklich super. Danach dreht der Film natürlich etwas zurück, um die „eigentliche“ Handlung hervorkommen zu lassen, doch Witz und Schwung verliert er dabei nie. Dabei sind die Charaktere alle etwas eindimmensional und wandelnde Klischees, aber hey, dafür ist’s ja eine Superhelden/bösewicht-Parodie. Dem Charme und Witz und knackigen Dialogen wird man sich kaum entziehen können.

How to Train Your Dragon

Hiccup ist ein heranwachsender Wikinger. Wobei er hoffen kann, dass er noch ordentlich wächst, während nämlich alle im Dorf große Muskelberge sind, die sich mit Freude den immer wieder angreifenden Drachen entgegen werfen, ist Hiccup ein Hänfling, den die anderen lieber in Sicherheit denn im Kampfgeschehen sehen. Hiccup hingegen möchte nichts lieber, als sich als richtiger Wikinger zu beweisen, in dem er einen Drachen zur Strecke bringt. Und erstaunlicherweise schafft er es sogar, einen abzuschießen, sogar einen angeblich sehr gefährlichen.

Doch dann bringt er es nicht über sich, das Vieh auch umzubringen, sondern freundet sich lieber mit ihm an. Das muss natürlich ein Geheimnis bleiben, vor allem vor seinem Vater, dem Oberhaupt des Wikingerdorfes, der mit seinem so anderen Sohn nicht viel anfangen kann. Doch natürlich kommt es raus, natürlich gibt es Ärger und natürlich müssen die Wikinger letztendlich einsehen, dass die Drachen gar keine Feinde sind, sondern gute Flugtiere abgeben, nachdem erst mal mit ihrer Hilfe ein größeres Übel besiegt ist.

How to Train Your Dragon ist also alles andere, als überraschend, sondern eine altbekannte Handlung, die keinen der üblichen Plotpunkte auslässt. Das macht natürlich nichts, wenn es mit so viel Witz und Charme umgesetzt ist, wie hier. Charakterentwicklung gibt es nur ein wenig, alles in der Beziehung zwischen Hiccup und seinem Vater und dem Unverständniss auf beiden Seiten. Es ist eigentlich noch nicht mal so, dass Hiccup wegen seiner Andersartigkeit gemieden wird oder so, die Dorfbewohner scheinen fast alle nett zu ihm zu sein, das wahre Problem ist eher, dass Hiccup versucht etwas zu sein, was er nicht ist, nämlich wie alle anderen auch.

Viel charmanter Witz, launige zynische Sprüche von Hiccup, ein echt süßer Axolotl-Drache und spannende Flugsequenzen machen How to Train Your Dragon zu einem echt launigern Vertreter der „Junge trifft Monster und bekehrt sein Umfeld“-Handlungen.

Hilft natürlich, dass Drachen sowieso einfach mal cool sind. Zumindest ich find sie toll, was wohl auch erklärt, warum ich Breath of Fire und Drakengard so sehr mag (zweiterem dadurch geholfen, dass es batshit insane ist).

Monsters vs. Aliens

Susan steht der größte Tag ihres bisherigen Lebens bevor: Sie heiratet. Zu dumm, wenn man genau dann von einem Meteor erschlagen wird, radioaktiv zu leuchten beginnt und zur 20-Meter-Frau wird. Dann fängt einen auch noch die Regierung ein und steckt einen mit anderen Monstern zusammen in einen Trakt, um deren Existenz vor der Normalbevölkerung geheim zu halten.

Doch sobald Aliens… eigentlich ja nur ein Alien… versuchen, die Welt zu erobern – gekommen ist er eigentlich nur wegen der Energie des Meteors, die Susans spontanes Wachstum verursacht hat – hat man den tollen Plan, die Monster einfach gegen ihn kämpfen zu lassen. Vollkommen harmlose, untrainierte Monster, weil… sie eben Monster sind und so läuft das nun mal. Natürlich muss Suan über kurz oder lang merken, dass ihre neuen Kräfte was ganz besonderes und die einzige Möglichkeit sind, alles ins Lot zu bringen und sie ihrem normalen Leben, dem sie hinterher trauert, einfach Lebewohl sagen muss. Und die Welt muss sehen, dass Monster eigentlich ganz nett sind. Die übliche Moral in solchen Filmen halt.

Monsters vs. Aliens ist ein netter Film, allerdings einer, der eher etwas untergegangen zu sein scheint, wobei ich allgemein um die meisten neueren Dreamworks-Filme nicht mehr so viel Trubel mitbekommen hätte, wie zu den Shrecks und Co. Das kann vorrangig daran liegen, das MvsA recht Dreamworks-untypisch ist. Er ist nicht ganz so rasant, erlaubt sich auch reichlich stille Momente, in denen Hauptcharakter Susan wegen ihrer neuen Lebenssituation unglücklich ist, er hat nicht den gleichen beißenden Humor, sondern bleibt netter, streut dafür jede Menge inside Jokes und Shout outs an SciFi- und Monster-Filme, für die ein Großteil des Zielpublikums wohl eh zu jung ist, die Charaktere sind überraschend normal für Monster. Das macht ihn keineswegs zu einem Film, der nicht sehenswert wäre, aber zu einem der schwächeren unter den guten Einträgen im Dreamworks-Repertoire.

Quickies

Bride Wars. Chick Flick und Romantik-/Freundschafts-Komödie. Seit 20 Jahren beste Freundinnen und seit über 10 ist es beider größter Traum eine Juni-Hochzeit im Plaza zu haben. Denn wir wissen ja, dass es einer modernen Frau nur um zwei Dinge im Leben geht: Viele Schuhe zu besitzen und ganz romantisch einen Mann zu heiraten, der sie endlich zu vollwertigen Menschen macht. Außerdem weiß doch jeder, dass Frauen total wahnsinnig sind und sowieso je oberflächlicher der Grund ist, umso mehr durchdrehen können. Wir Männer nehmen das ja gerne hin, immerhin wissen wir, dass die Gehirne dieser Untermenschen nicht ganz so leistungsstark und logisch funktionieren, wie die unsrigen. Jedenfalls bekommen beide ihren Antrag, und beide ihre Juni-Hochzeit im Plaza – dummerweise auf den gleichen Tag gelegt. Da gibt es natürlich nur eine Lösung, nämlich die 20-jährige Freundschaft sofort zu vergessen und die andere Schlampe fertig machen. Lassen wir die Seitenhiebe auf Oberflächlichkeit und Unemanzipiertheit mal gewähren, letztendlich isses ja nur eine oberflächliche Komödie über zwei kollidierende Hochzeiten, da kann man das auch mal außen vor lassen. Immerhin nimmt er sich im Gegensatz zu Sex and the City: Der Film nicht raus, moderne, starke Frauen zu zeigen, um dann die oberflächlichste, Männer-abhängigste Schlunze seit Twilights Bella in der Hauptrolle zu haben. Kopf abschalten und den Zickenkrieg genießen ist also angesagt. Leider geht er mir da dann auch teilweise nicht weit genug, er hätte von mir aus noch um einiges krasser und mehr over the top sein können, dann wäre er nämlich auch witziger gewesen.

Kung Fu Panda. Natürlich von vorn bis hinten absolut vorhersehbar, doch all das mit viel Charme, Sympathie und toller Martial-Arts-Action. Kurzweiliger Spaß also.

Chuck & Larry. Damit die Kinder eines Feuerwehrmanns auch bei dessen etwaigen Ablebens von der Kasse Geld bekommen, muss dieser seinen besten Freund zur Homo-Ehe geleiten. Erwartungsgemäß kommt jetzt eine Komödie über jede Menge Schwulenklischees, was auch natürlich ein Stück weit der Fall ist. Eigentlich fand ich ihn gar nicht mal so wahnsinnig witzig, ist halt Hollywood-Comedy-Fließband, dafür die ruhigeren, ernsteren Momente überraschend nett geschrieben. Und das Ende ist natürlich sowieso absoluter Kitsch-Müll, kommt aber auch nicht unerwartet.

Keinohrhasen. Nora Tschirna ist Kindergärtnerin von Beruf und überzeugtes Mauerblümchen. Til Schweiger ist oberflächlicher Paparazzo und liebt es rumzuhuren. Bis er vom Gericht zur Sozialarbeit im Kindergarten verdonnert wird. Nora sieht ihre Chance gekommen, denn er hat sie als Kind gequält. Doch dann werden sie sich doch sympathisch, treiben es im Suff miteinander, sind dicke Freunde. Nur verliebt sich die Nora so richtig in den Til, und dann muss das natürlich noch alles ganz kompliziert werden, bevor sie sich endlich bekommen. Das Übliche also. Doch immerhin ist der Film schön witzig, schnell und charmant aufgezogen. Zu Beginn zumindest, nach dem tollen Einstieg verliert er hier und da, gerade in den Beziehungswirrwarr-Teilen, etwas an Drive.