Nostalgic Anime Week: Dragon Half

Dragon Half ist eine Duologie, die es nach Deutschland erst in den Zeiten der DVD gebracht hatte, als diverse Labels ihre Back-Kataloge schnell rausgehauen haben. Das war noch zu der Zeit, wo man damit Geld machen konnte, überhaupt Anime in Deutschland zu vertreiben. Dennoch war es schon davor unter Importfreudigen eine recht bekannte Serie, auch wenn es Dragon Half natürlich nie dazu gebracht hatte, ein viel nahegelegter Klassiker zu sein. Immerhin auch 1993 in Japan nicht, so wurden wegen fehlender Absatzzahlen nur zwei der geplanten vier Folgen animiert.

Es war einmal der Ritter Rouce, der rote Blitz, vor dessen Wagemut sich alle Monster in Acht nehmen mussten, und der auszog, den roten Drachen zu erlegen. Stattdessen verliebte er sich in jenen und brachte den Dragon Half Mink hervor. Die ihrerseits wiederum in den Helden Dick Saucer verliebt ist, welcher aber wiederum vom König beauftragt wird, Mink zu erlegen, damit er an deren Mutter rankommen kann. Oder so.

Dragon Half ist nämlich eine absolut überspitzte Komödie, die sich weniger damit aufhält, dass der narrative Faden sonderlich viel Sinn ergibt, als ihn vielmehr um die Witze herum aufzubauen. Da stellt sich Mink in der zweiten OVA während eines Kampfturniers schon mal ein Dämon in den Weg, der damit prahlt, sie für den Dämonenlord zur Strecke bringen zu wollen, nachdem Mink so übel über ihn geredet hat. Woran Mink sich nicht erinnert. Woraufhin der Dämon einfach eine Kassette der ersten Folge aus der Tasche zieht, sie sich ansieht, und dann schockiert ist, dass alle für diesen Plot relevanten Szenen aus dem Endprodukt herausgeschnitten sind.

In diversen Zuständen der SD-isieriung (super deformed, wie man das zu meiner Zeit noch nannte, statt „chibi“ design) machen sich also die Charaktere selbst zum Affen. Ein schwarzer Magier kommt schon mal atmosphärisch passend in Nebelschwaden in den Raum, nur damit die Kamera anschließend gen Boden schwenkt und uns zeigt, dass jene via Trockeneis zustande kommen, die er für jenen melodramatischen Auftritt immer mit sich rumträgt. Mink macht trotz ihrer überstarken Drachenkräfte eines auf unschuldiges und liebliches Mädchen Dick Saucer gegenüber. Ein Ritter überlebt ein Schwert durch den Kopf, weil sein Gehirn so „kompakt gebaut“ ist. Selbst das Ending Theme zeigt keinerlei Anflug von Seriosität, stattdessen sinkt Mink zu Beethoven über Omeletts.

Nein, Dragon Half ist keiner der absoluten Klassiker des Genres, welchen man absolut gesehen haben muss. Das war die OVA-Serie schon in den 90ern nicht, und dass ist sie 25 Jahre später sicherlich nicht. Aber das bedeutet nicht, dass sie nicht dennoch sehr unterhaltsam ist. Die ganze Angelegenheit hat einfach etwas einnehmend-reizendes. Jeder, der daran beteiligt ist, scheint einfach so richtig Spaß mit dem Irrsinn gehabt zu haben. Und der Humor ist überraschend auch gar nicht schlecht gehaltert, sondern die beiden kurzweiligen Folgen auch heutzutage noch sehr amüsant.