Universal Monsters – Dracula’s Daughter

Hollywood war früher keinen Deut besser. Wunderbar ersichtlich an Universals Produktion Dracula’s Daugther. Sequel zu einem ihrer beliebtesten Streifen. Teil eines gigantischen, übergeordneten Monster-Universum zum Gelddrucken. Die Adaptionsrechte an Stokers Kurzgeschichte von MGM schnell geschnappt, um Universal für die Rechteabtretung ordentlich blechen zu lassen. Wiederholt umgeschrieben, bis das Script allen Studiobossen gefiel. Drehbeginn war sogar noch vor dessen Finalisierung, um es möglichst schnell abgedreht und in den Kinos zu haben. Mit einer Hauptdarstellerin, welche die Rolle eigentlich nicht wollte, um nicht a la Lugosi im Typecast zu landen.

Die finalisierte Version setzt direkt dort an, wo Dracula aufhörte. Van Helsing hat den Grafen gepflockt, und wird von der Polizei aufgegriffen. So einen alten Kerl in einer Krypta mit zwei Leichen ist immerhin verdächtig. Nur das bald eine der Leichen fehlt. Denn Gräfin Zaleska hat sich Draculas Leichnam geschnappt, um ihn rituell zu verbrennen. Nicht als letzte Salbung, oder um ihn wiederzuerwecken. Nein, Draculas Tochter hofft einfach nun von ihrem Blutsauger-Fluch befreit zu sein.

Ist sie nicht. Die gute Gräfin streunt weiterhin aufgewühlt durch die nächtlichen Londoner Straßen, bis sie attraktive junge Dinger mit verführerischen Halsschlagadern trifft, an denen sie sich festsaugen kann. Doch eine letzte Hoffnung bleibt ihr. Doctor Garth, der zufälligerweise auch Van Helsing bei seiner Mordanklage helfen soll. Denn Gräfin Zaleska bekommt mit, dass jener Süchtige therapiert.

Dracula’s Daughter ist immerhin besser geworden, als man sich bei dem ganzen Developement-Trubel, der sich darum gerankt hat, denken mag. So absolut der Reißer mag er jedoch immer noch nicht sein. Dafür ist der Film etwas zu langatmig und stellenweise Ereignislos, obwohl er gerade mal 70 Minuten füllt. Hier merkt man wahrscheinlich am ehesten, wie häufig das Script geändert wurde, und dass es erst nach Drehbeginn fertig war.

Zwei Dinge machen den Film allerdings auch aus heutiger Sicht noch interessant und elevieren ihn über das durchwachsene Script. Zunächst ist da das schauspielerische Talent von Gloria Holden als Gräfin. Sie spielt ihre Rolle mit einer aritokratisch-kühlen Distanziertheit, aber doch mit einer darunterliegenden Fragilität, die sie weit über alle anderen Akteuere stellt. Ihre Darstellung ist ein Urkern der Goth Lady. Sexy, erhaben, düster.

Und dann sind da die homoerotischen Untertöne. Sicherlich mag Zaleskas erstes Opfer ein Mann sein, in einem schnellen Blinzel-und-du-hast-es-verpasst, fast wie zum Alibi. Denn wesentlich interessierter scheint sie an jungen Damen zu sein. Die Szene mit dem Model, wenn sie sich ihrer Sucht stellen will und ihr dann doch erliegt, versprüht eine ordentliche Portion Erotizismus, so dass sie gegenüber der ursprünglich geplanten Version verharmlost wurde. Das unruhige Herumschleichen auf Londoner Straße auf der Suche nach neuen Opfern oder der verzweifelte Versuch, sich über Therapie von ihrem Dasein zu befreien, bringt gerade im Kontext der Enstehungszeit natürlich auch ihren ganz eigenen Subtext mit. Wenn auch natürlich keinen eindeutig positiven, die homosexuell konnotierte Rolle als gefährlichen Räuber zu haben. Nicht das der Film ihr nicht zumindest zu Beginn noch eine gewisse Sympathik gegenüberbringt, die wir aber durchaus auch schon früher bei „Monstern“ wie im Hunchback of Notre Dame oder Frankenstein sahen.

Zusätzlich etwas Schwung in die Sache bringt die Beziehung vom jungen Doctor Garth zu seiner Sekretärin. Die starke, unabhänige Frau ist nämlich ziemlich selbtsbewusst und schnippisch, und er weiß ganz genau, wie er das erwiedern muss. Deren Interaktionen miteinander ist sodann auch das andere schauspielerische Highlight neben Holden. Diese humorigen Einlagen zusammen mit der Dramatik hinter der Figur der Gräfin lassen letztendlich nur wenig Platz für Horror oder auch nur Grusel im Film.

Schlecht ist der Film also nicht. Oftmals aber eher interessant denn wirklich gut. Dadurch geholfen, dass das Unterfangen würzig-kurz bleibt. Länger hätte er nämlich wirklich nicht sein dürfen.