Universal Monsters – Dracula’s Daughter

Hollywood war früher keinen Deut besser. Wunderbar ersichtlich an Universals Produktion Dracula’s Daugther. Sequel zu einem ihrer beliebtesten Streifen. Teil eines gigantischen, übergeordneten Monster-Universum zum Gelddrucken. Die Adaptionsrechte an Stokers Kurzgeschichte von MGM schnell geschnappt, um Universal für die Rechteabtretung ordentlich blechen zu lassen. Wiederholt umgeschrieben, bis das Script allen Studiobossen gefiel. Drehbeginn war sogar noch vor dessen Finalisierung, um es möglichst schnell abgedreht und in den Kinos zu haben. Mit einer Hauptdarstellerin, welche die Rolle eigentlich nicht wollte, um nicht a la Lugosi im Typecast zu landen.

Die finalisierte Version setzt direkt dort an, wo Dracula aufhörte. Van Helsing hat den Grafen gepflockt, und wird von der Polizei aufgegriffen. So einen alten Kerl in einer Krypta mit zwei Leichen ist immerhin verdächtig. Nur das bald eine der Leichen fehlt. Denn Gräfin Zaleska hat sich Draculas Leichnam geschnappt, um ihn rituell zu verbrennen. Nicht als letzte Salbung, oder um ihn wiederzuerwecken. Nein, Draculas Tochter hofft einfach nun von ihrem Blutsauger-Fluch befreit zu sein.

Ist sie nicht. Die gute Gräfin streunt weiterhin aufgewühlt durch die nächtlichen Londoner Straßen, bis sie attraktive junge Dinger mit verführerischen Halsschlagadern trifft, an denen sie sich festsaugen kann. Doch eine letzte Hoffnung bleibt ihr. Doctor Garth, der zufälligerweise auch Van Helsing bei seiner Mordanklage helfen soll. Denn Gräfin Zaleska bekommt mit, dass jener Süchtige therapiert.

Dracula’s Daughter ist immerhin besser geworden, als man sich bei dem ganzen Developement-Trubel, der sich darum gerankt hat, denken mag. So absolut der Reißer mag er jedoch immer noch nicht sein. Dafür ist der Film etwas zu langatmig und stellenweise Ereignislos, obwohl er gerade mal 70 Minuten füllt. Hier merkt man wahrscheinlich am ehesten, wie häufig das Script geändert wurde, und dass es erst nach Drehbeginn fertig war.

Zwei Dinge machen den Film allerdings auch aus heutiger Sicht noch interessant und elevieren ihn über das durchwachsene Script. Zunächst ist da das schauspielerische Talent von Gloria Holden als Gräfin. Sie spielt ihre Rolle mit einer aritokratisch-kühlen Distanziertheit, aber doch mit einer darunterliegenden Fragilität, die sie weit über alle anderen Akteuere stellt. Ihre Darstellung ist ein Urkern der Goth Lady. Sexy, erhaben, düster.

Und dann sind da die homoerotischen Untertöne. Sicherlich mag Zaleskas erstes Opfer ein Mann sein, in einem schnellen Blinzel-und-du-hast-es-verpasst, fast wie zum Alibi. Denn wesentlich interessierter scheint sie an jungen Damen zu sein. Die Szene mit dem Model, wenn sie sich ihrer Sucht stellen will und ihr dann doch erliegt, versprüht eine ordentliche Portion Erotizismus, so dass sie gegenüber der ursprünglich geplanten Version verharmlost wurde. Das unruhige Herumschleichen auf Londoner Straße auf der Suche nach neuen Opfern oder der verzweifelte Versuch, sich über Therapie von ihrem Dasein zu befreien, bringt gerade im Kontext der Enstehungszeit natürlich auch ihren ganz eigenen Subtext mit. Wenn auch natürlich keinen eindeutig positiven, die homosexuell konnotierte Rolle als gefährlichen Räuber zu haben. Nicht das der Film ihr nicht zumindest zu Beginn noch eine gewisse Sympathik gegenüberbringt, die wir aber durchaus auch schon früher bei „Monstern“ wie im Hunchback of Notre Dame oder Frankenstein sahen.

Zusätzlich etwas Schwung in die Sache bringt die Beziehung vom jungen Doctor Garth zu seiner Sekretärin. Die starke, unabhänige Frau ist nämlich ziemlich selbtsbewusst und schnippisch, und er weiß ganz genau, wie er das erwiedern muss. Deren Interaktionen miteinander ist sodann auch das andere schauspielerische Highlight neben Holden. Diese humorigen Einlagen zusammen mit der Dramatik hinter der Figur der Gräfin lassen letztendlich nur wenig Platz für Horror oder auch nur Grusel im Film.

Schlecht ist der Film also nicht. Oftmals aber eher interessant denn wirklich gut. Dadurch geholfen, dass das Unterfangen würzig-kurz bleibt. Länger hätte er nämlich wirklich nicht sein dürfen.

GameBoy Obscurities: Dracula

Es gibt ja einige Spiellizensen, bei denen fragt man sich, warum die gekauft wurde. Coppolas 1992-Verfilmung von Bram Stoker’s Dracula zumindest hätte ich jetzt weniger als einen Film angesehen, der bei den Kids beliebt genug ist, um daraus einen Action Platformer zu machen. Nicht nur das, Psygnosis hat so ziemlich jedes halbwegs aktuelle Spielmedium bedient, das auf den Markt war. Mit digitalisierten Filmaufnahmen auf dem Sega CD, in hübscher Sprite-Optik auf den 16bitern von Sega und Nintendo, und in weniger hübschem 2D auch auf den 8bit-Systemen.

Die Version für den GameBoy scheint also zunächst identisch mit denen auf dem NES, Master System und Game Gear, nur halt ohne die Farben. Story? Braucht keiner. Man kennt ja den Film. An den sich nur lose gehalten wird. Ich gehe zumindest mal davon aus, dass die gesteuerte Figur Jonathan Harker sein soll. Statt einer Kutsche geht es zu Fuß durch Transylvanien, durch Draculas Schloss, auf der Flucht wieder raus, zurück in die Ödlande drumrum, und um dann doch wieder kehrt zu machen, und das Schloss zum Sieg über Dracula zu erstürmen.

In der hiesigen Version verlässt Dracula sein Schloss also nie wirklich, sondern wir haben nur einen wankelmütig wirkenden Jonathan, der drei Mal durch sehr ähnliche Level hindruchrennt, weil er sich nicht entscheiden will, ob er jetzt vom Schloss weg oder zum Schloss hin will. Irgendwann hat er dann Dracula in verschiedenen Bossformen erlegt, zunächst als sein Schatten, dann in seiner vollen Vlad-Rüstung, als Riesenfledermauß von der Decke hängend, und natürlich mit berühmter Bienenkorbfrisur ganz zum Schluss – die sich auch was von Castlevania abgeschaut hat und mit Feuerbällen um sich wirft. Aber irgendwie müssen die großen Boss-Sprites einem ja gefährlich werden können, wenn sie hauptsächlich ziemlich starr im Bildschirm rumdümpeln.

Jedes Stage ist dabei zweigeteilt, ein Mal am Tag und in der Nacht, wobei sich auf dem monochromen Bidlschirm natürlich optisch wenig ändert. Allerdings ist die Tag-Version kürzer und hat keinen Boss zu bieten, die Nacht-Version schon. Die ist es dann auch , bei der einem der Timer an den Kragen rücken kann. Gerade spätere Level sind nämlich ordentlich unübersichtlich gebaut für Sidescrolling, da manche Wege erst mit einem abgeschiedenen Mechanismus geöffnet werden müssen und es auch durchaus unsichtbare Durchgänge in den Wänden gibt, die nicht immer nur für Extra-Goodies sind, ja teilweise loopen sie sogar in sich selbst zurück. Wenn dann auch noch die Zeit für einen Bosskampf ausreichen muss, wird das schon knapp.

Zumal einen die Checkpoints nicht mit vollen Timer generieren, sondern mit so viel Zeit, wie die Designer als angemessen hielten. Das hat mich sogar an einer Stelle in eine unmögliche Situation gebracht. Die Fledermausform von Dracula ist schwer zu treffen, weil sie regelmäßig aus dem Kampffeld verschwindet, und wenn man dann nur die normalen Steinprojektile hat, dauert es eine Weile, sie umzubringen. Der Checkpoint vor dem Boss hat mich aber immer mit weniger Zeit gespawnt, als nötig gewesen wäre, so dass ich das ganze Stage von vorn beginnen musste (zum Glück gibt’s ja Emulatoren-Savestates).

Oder man braucht halt eine stärkere Waffe. Ich bin geneigt sie Subwaffe wie in Castlevania zu nennen, da Jonathan normalerweise nur einen Dolch ausgerüstet hat, und erst in Blöcken Projektile wie Steine, Fackeln, Äxte oder ein Dreiergeschoss finden muss. Allerdings funktionieren sie nicht wie diese, sondern ersetzen einfach die Grundwaffe, so dass Jonathan nun automatisch mit jenen angreift, bis er keine mehr über hat. Sie können also nicht für einen späteren Zeitpunkt zurückgehalten werden, es sei denn man hört komplett auf Gegner anzugreifen. Netterweise sind die Bossräume so designt, dass sie neue Projektilwaffen spawnen, sollten die aktuelle aufgebraucht sein, so dass sich der sowieso schon sehr luftig steuernde Jonathan nicht auf die extrem unnütz-kurzen Dolchstöße verlassen muss. Aber das sind halt nur die ganz schwachen Steine, welche bei der Fledermausform einfach nicht den Schaden machen, um in der vom Respawn gegebenen Zeit mit ihr fertig zu werden.

Dazu dann noch das übliche Problem von GB-Ports, dass der begrenzte Bildschirn gern dazu führt, dass Gegner zu knapp auftauchen, um ihnen ausgewichen zu bekommen, gerade mit den fragwürdigen Hitboxen und den sehr langsam aber zu hofen Sprüngen von Jonathan. Und das ganze Spiel dann noch hinter dem Hard-Mode zu verbergen. Wobei ich jetzt nicht gesehen hätte, dass der Schwierigkeitsgrad der einzelnen Stages sich verändert, Easy gibt lediglich mehr Charges bei den Waffen. Er definiert sich tatsächlich scheinbar nur dadurch, dass die zusätzlichen Stages als Medium und Hard klassifiziert sind. Jedenfalls mit all dem bedacht lässt sich nur schwerlich eine Empfehlung für das Spiel aussprechen. Was schade ist, denn ohne jene Mängel hätte ein launiger Action-Platformer draus werden können.

Dracula on TV

ava-1919Die 2013 ausgestrahlte und sofort gecancelte TV-Version von Dracula schimpft sich auch ein Reimagining, weil das klingt immer gut, wenn man frisch und neu ist, besonders wenn man so ein angestaubtes Buch von 1897 als Grundlage nimmt, welches bereits neunzigmillionen Mal verfilmt wurde.

Dracula in dieser Version ist ein netter Kerl, dem als Vlad Tepes die Frau gekillt wurde, und der nachdem er daraufhin der Kirche entsagte zum blutsaugenden Monster bestraft wurde. So viel also zu Neuinterpretation. Aber tatsächlich ist es so, dass abgesehen von der Backstory wie Dracula zu Dracula wurde, die Konstellation der Charaktere doch teilweise stark anders ist. Nicht neu, allerdings nicht Bram Stokers Dracula. Sondern eher einen noch etwas älteren Klassiker in Alexandre Dumas Der Graf von Monte Christo.

Also gut, dies ist das Setup: Es gibt den Orden des Drachens, der jetzt erst Mal nach einem Dracula-Kult klingt, aber den man sich doch mehr wie die Tempelritter vorstellen kann, als christlichen Ritterorden mit viel Macht und Einfluss. Und Vlad Tepes war ein Mitglied. Aber dann kam seine Frau auf den Scheiterhaufen und er wurde Dracula. Ebenfalls ein ehemaliges Mitglied des Ordens, bis die auch seine Familie umgebracht haben, ist Van Helsing. In dieser Version von Dracula sind nun Drac und Van Helsing Verbündete, die in London aufgetaucht sind, um den Orden zu stürzen und seine Obrigen zu strafen.

Mina ist eine Medizinstudentin unter Van Helsing, und natürlich die Wiedergeburt von Draculas Frau. Harker ist weiterhin deren Verlobter, allerdings fängt es ziemlich schnell an zwischen den beiden zu kriseln, und das nicht nur, weil der düster-sexy-mächtige Neuankömmling sich auf Mina einschießt. Lucy gibt es auch noch, als beste Freundin von Mina, die heimlich Scherereien mit ihr machen will, wenn ihr versteht, was ich da andeute, ist aber weitestgehend eher unwichtig.

Wie gesagt, der Ablauf der Serie hat mich schon stark an Der Graf von Monte Christo erinnert, nur mit den Charakteren aus Bram Stokers Dracula. Oder, wegen der ziemlich identischen Hintergrundgeschichte zu Dracula, vielleicht doch eher mit den Charakteren aus Francis Ford Coppolas Version von Bram Stokers Dracula. Denn auch hier geht es letztendlich um die persönliche Vendetta eines (bzw. zweier) Mannes gegen die Mächtigen, die ihm die Frau kosteten, und dabei selbst droht zum Monster zu werden, bzw. im Spiel der Intrigen und des Verrats zur Selbstzerstörung bereit ist, um sein Ziel zu erreichen. Vor allem wo Mina und Jonathan zunächst recht unschuldige Gutmenschen zu sein scheinen, die nur in dessen Dunstkreis geraten und korrumpiert werden.

Warum Dracula nicht die Quoten brachte, um nach der ersten Staffeln a 10 Folgen weitergeführt zu werden, ist allerdings auch ersichtlich. Gerade die ersten drei Folgen, was so ungefähr so viel ist, wie Leute maximal einer Serie bereit sind zu geben, bevor sie aufgeben und nicht mehr einschalten, sind alles andere als spannend oder interessant. Ich referiere hier noch mal zu Anno Dracula, bei dem es ja um Jack the Ripper ging, der dort ein Vampirmörder ist. Im Interview am Buchende meinte der Autor, dass er die Idee der Ripper selbst ist ein Vampir sofort verwarf, weil das viel zu einfach und langweilig ist. Nun, die erste Folge von Dracula erwähnt auch nebenbei, dass der letzte Vampir, der London unsicher machte, der Täter in den Whitechappel-Morden war, also Jack the Ripper. Eine Serie wie Dracula kommt nicht auf die Idee, dass dies kein ganz so interessanter Einfall ist, sondern hält das für clever.

Zur Mitte hin hatte sich die Serie für mich etwas gebessert. Besonders dann, wenn die Ränkeschmiede wirklich etwas ins Rollen kommen, wenn sowohl der Orden wie Dracula beim gegenseitigen Zerstörungsversuch zu Straucheln beginnen, wenn die Serie auch endlich ein ganzes Stück blutiger wird – auch wenn die Action-Einlagen die ganze Staffel über ziemlich dilettantisch inszeniert bleiben werden.

Leider hat das gegen Ende hin erneut wieder etwas nachgelassen. Wenn Charaktere irgendwie aufhören der Logik zu unterstehen, und einfach die dämlichsten Sachen zu machen beginnen, einfach damit es die Handlung voran bringt. Wenn die Serie Jonathan wie das letzte Arschloch statt den korrumpierten Netten darstellen muss, damit wir Minas Anbandeln mit Dracula auch gut finden dürfen, statt einen fiesen Beziehungsbruch. Der Grund, warum Dracula aus Lucy seine erste Vampirin macht, ist an Dummheit eh nicht zu übertreffen. Hilft nicht, dass einige Dinge die komplette Staffel über mehr als vage bleiben werden. Beispielsweise warum Vlads Frau umgebracht wurde, oder die Familie von Van Helsing, und was genau die Ziele des Ordens überhaupt sind.

Dracula als Charakter ist auch etwas schizophren behandelt. Es ist ziemlich klar, dass die Serie ihn eigentlich als Guten sehen will. Gleichzeitig will man aber auch kein so Zahnloses Weichei haben wie in Dracula Untold. Und so richtig die Mitte zwischen dem gefallenden Grafen von Monte Christo und dem blutsaugenden Monster bekommt die Serie einfach nicht. Vielleicht ist ein Teil des Problems das Dracula-Darsteller Jonathan Rhys Meyers, der dem eine schreckliche Christian-Bale-Batman-Stimme gibt, wenn er versucht sexy oder bedrohlich zu sein, Mit-Produzent an dem Ding ist. Jedenfalls ist die Serie erneut in der Mitte hin besser, wenn Dracula Charakterschwächen haben darf, statt gegen Ende, wenn er zum Superhelden mutiert.

Von daher ist das die Serie eingestellt wurde kein wirklicher Verlust, besonders nachdem der beste Charakter Renfield raus ist, denn das Ding war schon eine recht ungleiche Fahrt, mit Tiefen zu Beginn und Ende.

Dracula Untold

ava-1901Oh Dracula und seine vampirische Brut, was wäre der Oktober bei mir doch ohne sie, alleine diesen Monat werden wir die Blutsauger noch gut ein Dutzend Mal zu Gesicht bekommen, und Dracula dabei auch nicht nur einmalig. Doch den Anfang macht Dracula Untold, die neue Origin-Story des Pfählers.

Viel Originalität steckt aber eigentlich gar nicht in Dracula Untold, auch wenn das Marketing einem dies gern Glauben machen wollte. Dracula in einem humaneren und sympathischeren Licht zu zeigen, dies ist sicherlich nicht neu. Eben ihn als Vlad Tepes, der Inspirationsquelle Bram Stokers zu seiner Figur, zu machen und die Pre-Blutsauger-Zeit zu zeigen, ist alles andere als neu. Neu ist nur das er neben einer Frau, die er liebt, und die natürlich eine Reinkarnation haben wird, auch einen Sohn angedichtet bekommt. Tatsächlich ist jener wichtiger in Dracula Untold.

Vlad ist also, so zeigt und der Storyabriss zu Beginn, der zunächst bestechend nach 300 ausschaut und dann in Coppolas Dracula übergeht, als Junge von den fiesen Türken als militärische Superwaffe großgezogen worden, die nur Blutvergießen und Pfählen kennt. Doch nachdem der Prinz in sein Reich Transsylvanien zurückgeschickt wurde hat er sich eine Frau genommen und einen Sohn gezeugt, und wurde zum nettesten Kerl überhaupt. Selbst Gräueltaten macht er nur, um ein Exempel zu statuieren und größeres Blutvergießen zu verhindern, der praktikable Gutmensch.

Doch dann wollen die Türken plötzlich wieder von ihrem Recht Gebrauch machen sich Jünglinge für ihre Armeen zu holen, 1000 davon soll Transsylvanien hergeben, darunter auch den Sohn von Vlad. Ganz praktikabel wie er ist stimmt Vlad zuerst zu, weil dass das kleiner Übel ist, nur um dann doch sich dagegen zu entscheiden, weil er seinen Augapfel von einem Sohn nicht hergeben will und seine Ische ihm genug in den Ohren lag.

Also erklären die Türken ihm den Krieg, den er eigentlich nicht gewinnen kann. Aber glücklicherweise ist Vlad in einem Berg auf einen Verfluchten getroffen, einen Blutsauger mit enormen Kräften, der dort eingeschlossen ist, bis er seine Gabe an jemand anderen weitergeben kann. Vlad beschließt also jener zu sein, um mit den Superkräften im Alleingang die Türken zurückzuschlagen. Doch hey, so ein großes Opfer ist das gar nicht, erklärt ihm der alte Blutsauger, denn wenn er drei Tage übersteht, ohne seinem Durst nach Menschenblut nachzugehen, wird er wieder der ganz normale Vlad Tepes.

Er muss die Türkische Armeen also nur in drei Tagen schlagen, was jeder denkende Mensch für recht unmöglich halten sollte, aber tatsächlich tauchen deren Kommandos immer genau dann dort auf, wo er sie haben will. Zuerst besiegt er tausend Mann direkt vor seinem Schloss, und dann schafft es eine hunderttausend Kopf starke Armee ihn bis in eine Festung in den Bergen zu verfolgen. All das in den drei Tagen, die er nur als Vampir hat. Aber natürlich geht was schief, seine Frau stirbt, Sohn wird entführt, und er trinkt ihr Blut, damit er die Kräfte weiterhin haben und seinen Sohn retten kann. War ja zu erwarten, gell, man weiß ja wie Dracula ausgeht, zumindest soweit als das er ein Vampir bleibt, und bei dem Setup mit Frau und Sohn ist auch ziemlich klar, warum das letztendlich so sein wird.

Anschließend gibt es sogar noch einen kleinen Blick in die jetzige Zeit, wo Dracula auf eine Reinkarnation seiner Frau trifft, weil Dracula Untold das Hintertürchen offen lassen will, in Universals Monster Reboot einsteigen zu können.

Ob dort ein solch weichgespülter Dracula gewollt ist, sei mal dahingestellt. Wenn dem Film nämlich eines fehlt, dann ist das maßgeblich der Biss. Vlad ist hier solch ein Gutmensch und liebender Vater, dass es wirklich kitschig ist. Alle Entscheidungen fallen zum Gute der Anderen und seiner Familie. Seinen unstillbaren Blutdurst hat er plötzlich doch super easy unter Kontrolle. Selbst wenn er als Supervampir Horden an Türken dahin metzelt, gerät er nicht in den Blutrausch auch nur ein Tröpfchen zu trinken. Sich für ewig als Vampir zu verfluchen tut er nur auf ausdrücklichen Wunsch seiner sterbenden Frau hin um seinen Sohn zu retten. Blargh, so ein wenig mehr grau hätte man den Charaktere schon machen können, oder etwa nicht? Einem Filmmonster mehr menschliche Züge zu geben, und mit dem „hey, vielleicht war es gar kein Fiesling“ zu spielen ist sowieso nicht originell, bei Dracula bzw. Vampiren generell sowieso schon mal gar nicht, aber Dracula Untold zieht seinem Hauptcharakter so viele Zähne, dass er selbst bei den Twilight-Vampiren reinpassen würde.

Aber nicht nur dem Vampir an sich fehlt der Biss, sondern dem Film allgemein. Sollte man sehen, weil er mit einer FSK12 durchgekommen ist, aber die Schlachten sind sowas von unblutig und haben so wenig Oompf dahinter, dass es echt seltsam ist für einen Dracula-Film. Wenn dann doch mal brachial die Sache abgeht, ist es so schnell geschnitten, dass man letztendlich auch wieder kaum was zu sehen bekommt.

Von den Logiklücken wollen wir gar nicht erst anfangen, oder? Oder doch? Dass die türkischen Armeen tatsächlich jedes Mal nur einen halben Tag von Dracula entfernt zu sein scheinen, obwohl er ihnen sogar wegläuft statt als Supervampir einfach zu deren Lager zu rennen, ist schon echt seltsam. Dass die Drohung des Meistervampirs im Berg scheinbar nie wieder auf Dracula zurückfällt, bis auf ein ominöses „Jetzt hat es begonnen“ im Flash-Forward in die Jetztzeit zum Filmende ist auch scheinbar ein vergessener Plot-Strang. Wie kommt es, dass Dracula fürs – zugegeben recht coole – Finale die Sonne verdecken kann, davor dies aber nicht tat. Oder das die von ihm gemachten Vampire so viel fieser sind als er.

Dracula Untold macht nicht viel Sinn, Dracula Untold ist auch viel zu weichgespült, hat keine eigene Identität sondern schaut viel zu sehr nach 300 meets Lord of the Rings. Dracula Untold ist aber nicht ganz so schlimm, wie die Kritiken einen glauben machen wollen, sondern nur ziemlich enttäuschend. Das Schauspiel ist allen voran Luke Evans und Charles Dance brauchbar, einige Effekte sind doch gut und vor allem das Finale ziemlich cool. Aber so eine echte Sehempfehlung kann man nun auch wieder nicht aussprechen, denn „nicht so schlecht, wie ich befürchtete“ bedeutet halt immer noch nicht auch „nicht schlecht“.

dracuntold

Adventure Week #11: The Path of the Dragon

Den Abschluss letztes Jahr machten Dracula: Resurrection und The Last Sanctuary, diesmal dessen Sequel Dracula 3: The Path of the Dragon. Wobei Sequel hier nicht wie in den vorigen beiden gilt, die aufeinander aufbauten, sondern ein komplett neues Spiel ist, das absolut nicht in der gleichen Welt wie jene spielen kann.

Denn Resurrection und Last Sanctuary waren Fortsetzungen zu Bram Stokers bekanntem Roman, mit den gleichen Charakteren, die erneut Dracula zur Strecke bringen müssen. Hier ist natürlich auch Dracula der Bösewicht, jedoch existiert im hiesigen Universum das Buch sogar und ist inspiriert von wahren Ereignissen, die jemand Stoker erzählte, welcher Orte und Namen änderte. Von daher kann es gar nicht in der selben Kontinuität stattfinden.

Wir übernehmen also die Steuerung von Pater Moriani, einem Super-Priester. Der Kerl kann diverse Sprachen, mehrere davon lange tot, hat eine medizinische Ausbildung, im Krieg gedient und schreckt nicht vor Indiana Jones-igen Action-Einlagen zurück und könnte den Davinci Code im Halbschlaf lösen. Mensch, wer hätte gedacht, dass diese katholischen Priester so viel mehr können, als kleine Jungs zu betatschen! Er hat übrigens vom Vatikan selbst den Auftrag, in einem kleinen transsilvanischen Kaff die Kanonisierung einer dort kürzlich verstorbenen Ärztin, die von den Einwohner schon als Heilige betrachtet wird, zu überprüfen. Doch nachdem er dort über Blutanomalien, seltsame Tode, den Glauben an Vampiren und den mysteriösen Pfad des Drachens stolpert, ändert sich sein Auftrag: diesen Vampir-Nonsens zu erforschen und zu wiederlegen.

Eine interessante Idee, die Path of the Dragon da hat, ist definitiv, dass es die ganze Vampir-Mystik zunächst sehr objektiv und wissenschaftlich angeht. Das Spiel spielt übrigens im Jahr 1920, kurz nach dem ersten Weltkrieg, die Welt sieht sich als aufgeschlossen und intellektuell, zumindest die westliche. Deswegen gibt uns das Spiel zuerst auch die Möglichkeit, dass an jenen Vampir-Sagen tatsächlich nichts dran ist, sondern absolut wissenschaftliche Erklärungen die diversen Symptome erklären können. Mit der entdeckten Blut-Anomalie könnte es durchaus sein, dass wir deren Existenz an sich wiederlegen und es als Krankheit outen. So weit geht das Spiel natürlich dann doch nicht, wie man sich eigentlich doch denken kann, letztendlich gibt es halt Dracula doch und Moriani macht sich auf den Pfad des Drachens, der zu ihm führt, um ihn zu bezwingen.

Optisch ist es erneut sehr Myst-esque, wie die Vorgänger. Sprich First Person mit vorgerenderten Hintergründen, diesmal Sphären wie in Myst III/IV. Statt viel Trial and Error und Hotspot suchen wie in den vorigen Spielen, ist Dracula 3 allerdings wesentlich typischer P&C Adventure und überraschend wenig auf Action, dafür viel auf detektivische Spurensuche ausgelegt. Man fühlt sich fast wie in Sherlock Holmes vs. Dracula. Gerade die ersten Tage bestehen viel aus dem Interviewen von Leuten und Investigieren der Lokalität und Geschehnisse. Die richtig großen Rätsel gibt es zum Großteil erst auf den finalen Tag. Aber dafür so richtige dicke Eier. Es ist etwas wie in Gabriel Knight 3, wenn Grace die ganze Templer-Verschwörung mit SIDNEY aufdecken muss. Dracula 3 gibt einem eine Vielzahl an Dokumenten, Karten, Bildern, Symbolen (alle 3000 Seiten der Bibel in Latein, alle 550 Seiten von Bram Stokers Dracula beispielsweise!), die durchforstet werden müssen, um die diversen Rätsel, die das Beschreiten des Pfads des Drachen ermöglichen, zu lösen. Theoretisch lässt einen Dracula 3 da nie im Regen stehen. Moriani lässt selten falsche Kombinationen oder das Überspringen von Schritten in der Lösung zu, wenn man doch mal Sterben kann, dann startet einen das Spiel einfach wieder am Anfang der Einlage und in diesen vielen Dokumenten gibt es jederzeit Hinweise auf die Lösungen (plus ein Journal, in dem Morinai jederzeit Stichpunkte auflistet, was alles seine aktuellen Ziele sind). Nur diese Hinweise überhaupt erst zu finden, dann auch noch dem richtigen Rätsel zuzuordnen und mit ihnen auf die richtige Lösung zu kommen… ja das ist eine ganz andere Sache. Das Spiel ist echt super knifflig und erwartet so einige Denkarbeit, die es so in modernen Adventures eigentlich nicht mehr gib, weil sie zu viel Recherche und Denksprünge erwarten – unlogisch sind sie so gesehen aber nie, nur eben echt verzwickt. Erneut etwas wie bei Myst, retrospektiv nämlich durchaus logisch, aber dennoch nicht unbedingt etwas, worauf man gut kommt.

Das kann manchmal natürlich schon auf die Motivation gehen. Wer aber die wirklich harten Adventures vermisst und die Mysts im Schlaf kann, der wird hier gut mit neuem Futter bedient. Wohingegen allerdings auch einige Dinge echtes Busywork werden. Beispielsweise das Nehmen von Blutproben und ihre anschließende Analyse. Die vielen Schritte, die beachtet werden müssen und das dann alles auch noch mehrere Male zu tun, ist, sobald man einmalig raus hat, wie es richtig gemacht wird, nur noch langweilige Wiederholungsarbeit beispielsweise.

Dennoch, mit hat das Spiel ganz gut gefallen, wenn ich auch nicht denke, dass es der absolut Überflieger ist, dafür sind einige der Lösungen zu hart und lässt die Handlung gegen Ende doch etwas nach. Besser als seine zwei Vorgänger ist der Teil allerdings allemal.

Adventure Week #9: Dracula – The Last Sanctuary

Jonathan hat seine Mina aus Draculas Schloss befreit und zurück nach London gebracht, wo er in Carfax und Co. nun nach Hinweisen sucht, wie Dracula das Handwerk gelegt werden kann. Nur damit jener Mina direkt wieder entführt und erneut zum Showdown nach Transsylvanien aufgebrochen werden muss.

Dracula: The Last Sanctuary ist nun die zweite Hälfte zu Dracula Resurrection. Oder wohl eher das zweite und dritte Drittel, wenn man von der Länge her urteilen will. Denn der zweite Teil ist um einiges länger, als der doch sehr schwachbrüstige Vorgänger, bietet viel mehr Lokalitäten an, hat wesentlich mehr Puzzle zu bieten.

Weitestgehend aber auch die gleichen Probleme. Es gibt nun ein paar Hinweise auf Lösungen, doch häufig wird immer noch via Trial & Error durch die Gegend gestapft und Interaktionsmöglichkeiten durchprobiert. Erneut sind jene häufig gar nicht so einfach zu finden, da die Hintergründe viel zu dunkel sind und hier kommt sogar noch dazu, dass einige Hot Spots wahre Pixeljagden sind. Erneut unterliegen die Charaktere in den FMVs arg seltsamen Bewegungsmustern und werden unhübsche Extrem-Closeups genutzt. Zusammen mit der mäßigen Synchro hat man hier wirklich FMV-Adventure-Vibes, und zwar jene von schlecht geschauspielerten Live Actions, obwohl Dracula ja eigentlich CGI nutzt.

Was neu hinzu kommt, sind ein paar Quick Time Events. An gewissen Stellen tauchen Gefahrenherde auf, die mit richtiger Gegenstandseinsetzung umpuzzelt werden müssen, während ein Balken die verbleibende Zeit bis zum Tode anzeigt. Es sind also glücklicherweise keine wirklichen Action-Einlagen, die in Adventure Games sowieso fast nie funktionieren, aber ja… QTEs sind jetzt auch selten eine Freude.

Doch insgesamt muss ich sagen, hat mich The Last Sanctuary besser unterhalten, als Resurrection. Einfach dadurch, dass hier viel mehr Spiel auf den Discs ist, es mehr zu sehen und tun gibt. Und die Atmosphäre ist sogar auch recht gut – witzigerweise allerdings nur außerhalb der FMVs.

Adventure Week #9: Dracula Resurrection

Unleashed blieb natürlich nicht das einzige Spiel, das sich dem Grafen aus Bram Stokers Buch widmet. Jahre später machten die Franzosen mit Dracula Resurrection ein Point and Click Adventure, das sogar recht ähnlich ist, vom Grundgedanken her.

Denn auch hier handelt es sich um ein Sequel, das einige Jahre nach dem Buch spielt. Dracula ist wieder da, doch statt neuen Charakteren das Leben schwer zu machen wie in Unleashed holt er sich hier Mina wieder zu sich ins Schloss und Jonathan reist nun nach Transsylvanien, um sie aus jenem zu befreien.

Auch Resurrection ist ein ziemlich kurzes Spiel und mehr oder weniger FMV-lastig, nur hier nicht Live Action sondern CGI. Genau genommen kommt es einem wie eine Mischung aus FMV-Adventure und Myst-Klon vor. Ganz ähnlich wie bei Myst wandert man nämlich auch hier in First Person durch vorgerenderte 360°-Bildschirme, bis man endlich irgendwo auf einen Hot Spot stößt, mit dem was angefangen werden kann. Kaum Hinweise darauf, was wie wo zu machen ist, sondern viel alles ausprobieren, was so geht. Anders als Myst gibt es halt eben häufiger FMVs zu betrachten, die das kurze Spiel auf 2 CDs pumpen, auch schlecht „geschauspielert“ soweit man das bei CGI so nennen kann – zumindest ist die englische Sprachausgabe nicht die prallste und Charaktere seltsam animiert und häufig in unangenehmen Close ups zu sehen –  und es gibt eigentlich eher wenig Gegenstände und Rätsel.

Das macht zumindest das ganze Trial-and-Error-ing durchs Spiel etwas einfacher, da nicht ganz so viele Möglichkeiten zum Rumprobieren bestehen, auch wenn es dennoch natürlich nicht super motivierend ist, hauptsächlich sich so durch puzzeln zu müssen. Zumal die viel zu dunklen Hintergründe auch teilweise Hot Spots schwer auszumachen lassen. Weiterer Negativpunkt ist, nicht mal die Kürze an sich genommen, aber die Tatsache, dass es da obendrauf auch noch nur ein halbes Spiel ist. Resurrection endet damit, dass Jonathan seine Mina aus dem Schloss befreit bekommt, doch Dracula war gar nicht da, der muss noch gestellt werden. Im Sequel dann.

Insgesamt macht das ein echt unspektakuläres Spiel, um ehrlich zu sein.

Adventure Week #9: Dracula Unleashed

Und wir bleiben bei den FMV-Adventures auf dem Sega CD. Dracula Unleashed spielt 10 Jahre nach den Ereignissen in Bram Stokers Roman: Der Bruder von Quincy Morris macht sich auf nach London, wo er und seine Liebe prompt in die Wiedererweckung Draculas reingezogen werden und Hilfe suchen muss bei den alten Freunden seines toten Bruders, die dem Grafen schon einmal das Handwerk gelegt haben.

Das Spiel ist, zwei CDs hin oder her, natürlich eigentlich sehr kurz. War aber nicht anders zu erwarten, bei FMV-Adventures muss eben jede Variabel neu gedreht werden, weswegen bei denen meist nicht so viel Fleisch am Knochen ist und dann läufts auch noch auf einem 16bitter, ja… es gibt nicht wahnsinnig viel zu sehen oder tun in Dracula Unleashed. Kaschiert wird das mal wieder damit, dass die Lösungen mehr oder weniger per ständigem Trial & Error erraten werden müssen.

Denn das ganze Spiel bewegt sich auf Zeit, jede Cutscene und jede Kutschfahrt zwischen den Londoner Lokalitäten lässt sie um ein gewisses Maß verstreichen. Und das ganze Spiel besteht nun im Prinzip darin, zur richtigen Zeit am richtigen Ort aufzukreuzen, um eine FMV auszulösen, die die Handlung vorantreibt. Was teilweise auch erst passiert, wenn einer der wenigen (automatisch durchs Schauen der richtigen FMV erhaltenen) Items dabei ausgerüstet ist.

Kurzfilm zum Nachspielen halt. Hilft auch nicht viel, dass der Film nicht sonderlich interessant ist, da wenig ereignisreiches passiert und das Ganze im Prinzip nur durch die gleichen Etappen wie der Roman geht: Liebespaar als Hauptpersonen, Dracula wandelt zunächst erst eine Freundin um, hat es dann aber auf sie abgesehen. Yadda yadda. Komisch übrigens, dass jemandem, der das Buch gelesen und einfach abgeschrieben hat, entgangen ist, dass Renfield eigentlich gar nicht mehr lebt. Immerhin sind die FMVs, wenn auch Hardware-bedingt immer noch ziemlich verwaschen, grobkörnig und mit arg begrenzter Farbpallette, schon mal optisch keine wahllosen Pixelhaufen mehr, wie das bei Mystery Mansion teilweise der Fall war.

Zumindest ist auch das Handling ganz nett gestaltet, für ein FMV-Adventure und ein Spiel, das mit Timeslots arbeitet. Denn zum einen können sowohl FMVs als auch Voice Samples abgebrochen werden (besonders hilfreich bei den Kutschfahrten, um nicht durch die ständig gleichen kurzen Begrüßungen/Verabschiedungen gehen zu müssen) und zum anderen kann manuell die Zeit vorgedreht werden (hilfreich, wenn man bereits bei der richtigen Lokalität für die nächste Cutscene ist, aber jene erst in 3 Stunden ausgelöst werden kann).

Dracula on Celluloid once more

Auf die 1931er-Version sollten noch zahlreiche Verfilmungen folgen, und noch mehr Filme, die mit dem Buch wenig zu tun haben, aber Dracula beinhalten. Vieles davon aber eher in der Sparte B-Horror anzuordnen. Auf die Blockbuster-Schiene kams erst wieder 1992 mit Francis Ford Coppolas Version von Bram Stokers Dracula.

Die hiesige Version hat mit knapp über 2 Stunden schon mal wesentlich mehr Zeit, sich getreuer am Buch zu halten, zumal es sich eben auch nach dem Buch richtet, nicht dem Bühnenstück. Einige Dinge sind natürlich dennoch vereinfacht oder zusammengezogen, dafür gibt es aber auch Neues, was so im Buch nicht ist.

Vorrangig wäre dies die Liebesgeschichte und der Hintergrund zu Dracula selbst. Das Buch lässt kurz fallen, dass Dracula als Feldherr mehrmals in den Krieg gegen die Türken gezogen ist und mehr auch nicht, keine Details dazu, keine tote Ehefrau, und wir finden auch nie heraus, wie er zum Vampir wurde. Der Film macht aus ihm spezifisch Vlad den Pfähler, den Stoker als Inspiration nahm, der für Kirche und Christentum gegen das sich ausbreitende osmanische Reich kämpfte. Bis sich seine geliebte Ehefrau das Leben nimmt, weil sie fälschlicherweise denkt, er sei in der Schlacht gefallen. Und Selbstmörder kommen nicht in den Himmel. Also entsagt er Gott und wird zum Bluttrinker.

Auf Mina wird er dann aufmerksam, weil sie seiner toten Ehefrau wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Und statt sich ihr aufzudrängen, umgarnt er sie, flirtet mit ihr, geht mir ihr aus – alles freiwillig von Mina mitgemacht. Sie verliebt sich in ihn, nicht durch irgendeine übernatürliche Macht seinerseits, sondern ganz bewusst. Auch das ist alles nicht im Buch. Dort macht er Mina zu einer Untergebenen seiner, weil sie nun mal zum Trupp derer gehört, die sich ihm in den Weg stellen und Mina kämpft gegen seine Kontrolle an.

Das macht die 1992er-Version zu moderneren Erzählweise der Handlung. Das Buch ist nun mal von vor 1900, es gibt dort extreme Schwarz-Weiß-Malerei, die Hauptcharaktere sind alle heldenhafte Idealbilder, rein in Geist wie Körper, kämpfend gegen das wollüstige und verderbte Monstrum Dracula. In Francis Ford Coppolas Version sind die Charaktere hingegen durchaus fehlerhaft, eben richtige Menschen, keine Ideale. Mina lässt sich trotz Verlobung mit Jonathan von Dracula bezirzen, Lucy ist frivol und spielt mit ihren Verehrern, Van Helsing unberechenbar. Und Dracula ist eben ein tragisches Monster, nicht einfach nur ein böses Monstrum.

Das macht es definitiv zur eingängigsten, modernsten und ich würde mal sagen auch definitiven Version der Dracula-Geschichte. Hilft natürlich, dass es verdammt hübsch anzusehen ist, pompös wie das alles hier in Szene gesetzt ist, da ist einfach viel Stil und Atmosphäre drin. Etwas fragwürdiger ist hingegen die Wahl der Schauspieler. Anthony Hopkins macht seinen Job super, Winona Ryder ist da schon wesentlich blasser und bestenfalls als passabel zu betiteln, während Keany Reeves schlichtweg nicht einen Funken schauspielerisches Talent hat.

Dracula on Celluloid

Es gibt so einige Dracula-Filme, man kann bestimmt ein halbes Leben damit verbringen, sich durch alle durchschauen zu wollen. Also tun wir das nicht. Wir schauen nur zwei: Den ersten und den besten. Gut, genau genommen ist die erste Dracula-Verfilmung Nosferatu, den ich letztes Jahr gesehen habe, doch meine ich hier damit den ersten Film, der auch den Namen trägt/offiziell die Rechte an der Verfilmung hatte.

Die 1931er-Version kommt dabei rüber, wie die Kurzfassung, muss doch die ganze Schoße in 70 Minuten über die Bühne gebracht werden. Apropos Bühne: Er basiert nicht wirklich direkt auf dem Roman, sondern über zwei Ecken auf einem Bühnenstück, das auf dem Buch basiert. Es ist also die geänderte Kurzfassung der geänderten Kurzfassung. Änderungen beinhalten unter anderem, dass es hier Renfield ist, der Dracula in Transsylvanien besucht und nach London verschifft, statt Jonathan Harker. In Berührung mit Mina kommt er, da diese hier zur Tochter des Dr. Seward gemacht wurde, der ja die Irrenanstalt (in der auch Renfield eingewiesen wird) neben dem neuen Anwesen Draculas betreut.

Lucy ist hier nur eine Fußnote, damit schon gut ein Drittel der Handlung entschlackt. Eine große Jagd und Spurensuche nach dem Grafen gibt es auch nicht, er schaut sogar gern mal zu Besuch bei unseren Leuten vorbei. Wölfe wird man nicht sehen, Ratten auch nicht, die Verwandlungen Draculas sind off screen und das Finale findet auch nicht in Transsylvanien statt. Was übrig bleibt ist also nur das lose Grundgerüst des Buches, welches sich mit voranschreitender Spielzeit mehr und mehr von der Vorlage entfernt.

Das Problem des Filmes ist dabei nicht, dass so viel anders ist, sondern dass er so kurz ist. Es fehlt so viel, viele der interessantesten Szenen sind nicht oder nicht spektakulär genug im Film und wurden auch nicht mit viel ersetzt. Wikipedia meint, der Film hätte ursprünglich anders werden sollen und ist dann wegen Budgetkürzungen um seine zu teuren Szenen gebracht worden. Das würde das erklären, aber wie gesagt werden diese Szenen häufig auch nicht adäquat ersetzt. Der Film ist einfach zu schnell durch und verläuft zu holprig.

Was nicht bedeutet, dass er restlos schlecht ist. Er ist ganz nett und auch irgendwie ganz witzig, wenn auch nicht gewollt. Gerade Bela Lugosi als Dracula ist hervorragend, auch wenn er permanent das macht, was man als „chewing the scenery“ bezeichnet. Jeder Blick und jede Geste ist so unglaublich dramatisch, aber es funktioniert. Dass die Stummfilm-Ära auch noch nicht lang rum war, merkt man dem Film ebenfalls an, es gibt viele überraschend statische Shots, die typisch für jene wären, aber auch einige sehr atmosphärische, stille Szenerien.