Adventure Week #19: Dracula – Love Kills

Ein paar Adventure-Game-Homepages listen das Sequel zu Frogwares Dracula Origin als gecanceltes Projekt. Mit ein paar wenigen Concept Artworks, die alle im Nachfolger drin sind, Love Kills ist also durchaus nicht in eine komplett andere Richtung gegangen, als ein ursprüngliches Origin 2 beispielsweise gewesen wäre. Warum also fälschlicherweise als abgesagt gelistet? Weil sie es unter ihrem Sublabel Waterlily Games herausbrachten und ins Genre der Hidden Object Games verfrachteten.

Und dieses Spielegenre hat eine ähnliche Last mich sich zu tragen, wie die vielen Nancy Drew Adventure Games: Obwohl zahlreich und profitabel, werden sie ob ihrer vorrangig weiblichen Zielgruppe weitestgehend von den Medien und Gamern gar nicht erst wahrgenommen.

Im Gegensatz zum ersten Teil, in dem wir Van Helsing auf seiner Spurensuche nach Dracula gespielt haben, schlüpfen wir diesmal tatsächlich in die Rolle des besiegten Obervampirs. Der ist an sich immer noch kein Guter, denn eigentlich geht er nur gegen die Weltübernahmepläne der Vampirkönigin vor, weil er der mächtigste Vampir bleiben will, und weil sie seine Mina entführt hat. So direkt stellen kann er die Vampirin allerdings auch nicht, da seine Kräfte durchs Besiegen in Origin noch nicht komplett regeneriert sind. Und somit haben wir den Spielablauf auch schon vor uns: Dracula holt sich mit Hilfe von Igor und Van Helsing die nötigen Gegenstände, um sich 6 Segen zu beschaffen, die ihm seine Mächte zurückbringen.

Ja, Van Helsing begleitet seinen Erzfeind helfend auf der Reise, wobei er sowie Igor eigentlich mehr dafür da sind das Hint-System zu aktivieren, nicht wirklich bei der Puzzlelösung aktiv werden. Der Professor ist es dann auch, der immer mahnt, wenn wir als Dracula eine Untergebene der Vampirkönigin besiegen und Blut trinken wollen. Er wird den Pflock allerdings nie gegen Dracula erheben, sondern ob wir nun die Helfer ausgeschlürft haben oder nicht, bestimmt nur welches Ende wir zu sehen bekommen werden. Wer wie ich beispielsweise immer schön zulangt, darf miterleben, wie Dracula aus seiner Mina ebenfalls einen Vampir macht, um sie zu stärken und in Zukunft weniger angreifbar zu machen. Ich nehme mal an, dass dies als das moralische Bad End gesehen wird, auch wenn ich nicht sehe, was am Resultat jetzt besonders schlecht ist.

Blut wird übrigens benötigt, um die wiedererwachten Vampirkräfte von Dracula zu nutzen. Um an gewissen Gegenstände zu gelangen, ist nämlich nötig, dass er sie mit Telekinese herüberschweben lässt, selbst als Fledermaus durch enge Öffnungen gelangt, mit übermenschlicher Kraft draufhaut, oder via drittem Auge sichtbar macht. Diese sind nicht optional, um das Bluttrinken dennoch als Moralmechanik einzubinden allerdings auch mehr oder weniger sinnig Blutphiolen über die Bildschirme verteilt. Die Helfer anzuzapfen ist also nicht zwangsläufig nötig, macht die Sache nur einfacher, als nach den kleinen Flaschen zu suchen.

Was interessant ist, ist übrigens, dass Dracula: Love Kills kein reines Wimmelbild ist. Stattdessen mixt es drei Arten von Adventure Game zusammen. Zum einen haben wir durchaus traditionelle Mechaniken, in denen einfach gewissen Gegenstände aufgenommen und an der richtigen Stelle eingesetzt werden müssen, um weitergelangen zu können. Manche öffnen aber tatsächlich nur ein Wimmelbild, bei dem alle in der Liste befindlichen Dinge auf dem Hintergrund gefunden werden müssen, um einen benötigten Gegenstand zu erhalten. Und manchmal darf man auch wie bei Puzzle-Boxen a la Professor Layton oder 7th Guest (oder kürzlich Shivers) in sich geschlossene Minispiele/-rätsel bestehen, wie ein Mosaik richtig zusammenzusetzen oder Kugeln durch ein Labyrinth in die richtigen Löcher zu bugsieren.

Mit zwei wählbaren Schwierigkeitsgraden ist das Spiel hierbei weitestgehend ausgewogen, wobei schon so zwei oder drei Puzzle herausstechen, die bedeutend schwerer sind, und wo das gute alte „Einfach mal ne halbe Stunde wild klicken, bis alles automatisch richtig fällt“ angebracht war. Gerade das Verschiebemosaik mit dem Hahn drauf war ein Grauen. Und zwei oder drei andere, allerdings dies weniger, weil die Lösung an sich schwer gewesen wäre, sondern mehr, weil der optische Indikator was zu tun ist nicht wirklich eindeutig war. Die Kugeln mit den Zahlen drauf zu verbinden hat mich zumindest ewig gebraucht, bis mir einleuchten wollte, dass die Nummer auf ihnen die nötigen Verbindungsstücke angeben sollen. Vielleicht stand ich aber auch nur auf dem Schlauch.

Ich muss sagen, ich fand Dracula: Love Kills ein ziemlich angenehmes und chilliges Erlebnis. Ich bevorzugte sogar fast die casual Hidden Objekt Bilder gegenüber den Minispielen und Gegenstandsrätseln. Wobei alles in einem Spiel verbunden zu haben halt auch die nötige Abwechslung mit sich bringt, die definitiv nicht dagewesen wäre, hätte die Handlung einen einfach nur durch drei Dutzend Wimmelbilder gelotst. War definitiv ein nettes kleines Spielchen am Rande.

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Adventure Week #14: Dracula Origin

ava-1700Frogwares sind diejenigen, die in den letzten 12 Jahren ganze 10 Sherlock Holmes Adventures rausgehauen haben, die sich langsam von eher unterdurchschnittlichen zu überdurchschnittlichen Wertungsschnitten hochgearbeitet haben. Zwischendrin war dann noch Zeit sich ein paar andere Klassiker vorzunehmen, wie Journey to the Center of the Earth, (Around the World in) 80 Days, einer Cyberpunkt-Interpretation des Cthulhu-Mythos, und Bram Stokers Dracula in 2008 (und 2011 noch mal in einem ihrer vielen Suchbild-Casual-Games, aber die zählen ja nicht).

Worauf es eigentlich mehr aufbaut, ist nicht Bram Stokers Dracula das Buch, und mehr Bram Stoker’s Dracula der Film. Und erinnert mich damit auch etwas an Microids Dracula-Reihe. Denn auch Dracula Origin nistet sich in die Ereignisse des Buches ein, macht aber etwas sein eigenes Ding draus. Dracula selbst ist immer noch der Antagonist, bekommt aber eine Hintergrundgeschichte ob einer verlorenen Liebe, die ihn zum Monster werden lies, und nun so vernarrt in Mina Harker macht. Es ist nicht exakt die gleiche Geschichte wie im Film, aber eben doch recht ähnlich. Außerdem ist Dracula hier ebenfalls ein attraktives Kerlchen. Aus dem Buch wird wie bei Microids im Prinzip nur das Geschehen entnommen, wie Jonathan Harker aufs Schloss des Grafen kommt, sobald Dracula London erreicht geht das hier seiner eigenen Wege.

Übernehmen tun wir übrigens Van Helsing, in seinem MacGyvern durch London, Kairo, Wien und dann Transylvanien, um den Machenschaften des ikonischen Vampirs ein Ende zu setzen. Erinnert mich in der Hinsicht etwas an Dracula 3, denn auch hier sind die Rätsel eindeutig im Vordergrund, nicht so sehr die Handlung. Es ist nicht so schlimm wie im ersten Sherlock Holmes, wo jene quasi nur in den ersten und letzten fünf Spielminuten auftauchte, aber Dracula Origin fühlt sich doch bestechend 90s Adventure an. Das nicht negativ gemeint, es rückt halt nur das eigentliche Rätselraten wesentlich stärker in den Vordergrund, als die mehr auf Handlung und Charakterinteraktionen ausgelegten modernen Adventures. Und verdammt knifflig ist das Ding auch. Van Helsing nimmt zwar zahlreiche Notizen und steckt Zeitungsartikel und alte Schriften ein, um ihm bei den Puzzeln Hilfe zu leisten, und natürlich spricht er immer noch hier und dort mit Charakteren, die ihm Tipps geben, doch hier wird man die Denkmurmel tatsächlich mal wieder ordentlich einknippsen müssen, um über Wasser zu bleiben. Ein paar Benutzerfreundlichkeiten gibt es allerdings doch. Wie gesagt kann jederzeit in die Notizen geschaut werden, die sich Van Helsing gemacht hat, sogar vorige Gespräche werden archiviert; dazu beugt das Spiel langwierigen Pixeljagden vor, in dem ein Druck auf die Leertaste alle Hotspots im Bildschirm markiert.

Wie logisch so einige Lösungen dann wieder sind, stelle ich mal auf ein anderes Blatt, aber auch hier wird nie so eine mentale Akrobatik abgefragt, wie das wirklich teilweise in den frühen 90ern der Fall war. Manche Sachen kommen etwas weit hergeholt, aber die sind vereinzelt und irgendwann kommt man schon drauf. Warum der Holländer Van Helsing allerdings einen Akzent hat, der mal osteuropäisch und mal spanisch klingt, ist schon etwas ablenkend. Aber ja, Dracula Origin ist schon ein ordentliches Adventure geworden, vor allem für jene, die mal wieder echt gefordert werden wollen was die Aufgabenlösungen angeht.