All I Want for Christmas Is You: Doukyuusei 2

Willkommen zurück im Land der pornigen Dating Sims mit Elfs Doukyuusei 2. Wobei ich diesmal, da es einfacher zu finden war, zur PS1-Version gegriffen habe. Auf Konsolen wird der 18+ Inhalt natürlich wie gewohnt entfernt und somit war meine Dating-Erfahrung im Gegensatz zum Vorgänger aktuell safe for work.

Wo das Spiel diesmal sogar stärker vertreten war als noch der erste Teil, der hauptsächlich auf die unterschiedlichen japanischen Heim-PCs portiert wurde. Das wurde das 1995 auf dem PC98 zuerst herausgebrachte Doukyuusei 2 natürlich auch. Aber daneben gab es Konsolenports auf das PC-FX, den Saturn und diesmal auch dem SNES und der PlayStation. Anime und Spinoffs gab es ebenfalls. In Japan war die Reihe also ganz beliebt.

Vom Gameplay her hat sich so gut wie nichts getan. Auch wenn man das zunächst nicht direkt merkt. Denn Doukyuusei 2 startet mit einem Prolog. Und der ist im Prinzip komplett Visual Novel. Die freie Bewegung in der Stadt wie im Hauptspiel gibt es hier noch nicht. Wir befinden uns allerdings nicht wie vier Jahre später bei Tokimeki Memorial 2 in der Kindheit des Protagonisten, um der Welt ein bisschen mehr Lebensrealität zu geben. Stattdessen sind dies die paar Tage vorm Beginn der Ferien, die uns hauptsächlich bereits alle Mitschülerinnen präsentiert. Doukyuusei bedeutet immerhin Klassenkameraden.

Der Prolog ist nach dem ersten Spielen dankenswerterweise überspringbar. Von nun an kann immer gleich mit dem Hauptspiel angefangen werden. Das erstreckt sich gewohnt über die knapp 2 Wochen der Schulferien, im hiesigen Fall haben wir es allerdings mit den Winterferien im letzten Jahr der High School zu tun. Nicht, dass dies wirklich einen großen Unterschied macht. Jeden einzelnen Tag dürfen wir den Protagonisten also durch die zwei Stadtviertel bugsieren. Jegliches Interagieren mit einem Gebäude oder einer Person lässt dabei die Zeit vorangehen. Bestenfalls wird häufig genug in eine der 16 gewinnbaren Damen gerannt, um sich mit ihr anzufreunden, die richtigen Antworten zu geben, auf Dates zu gehen, und sie dann am Ende der Ferien zu gewinnen.

Das Spiel kennt dabei noch ein paar jokige Nebencharaktere. Und allgemein gibt es wesentlich mehr mögliche Treffen mit den Mädels und Frauen, als für das Gewinnen ihres Herzens wichtig ist. Dadurch wirkt die Stadt tasächlich ganz gut belebt. Komplett austauschbar sind die Events allerdings nicht. Es ist vielmehr so, dass es viele unwichtige und ein paar wenige nötige gibt, die auf jeden Fall erlebt werden müssen, damit die holde Weiblichkeit am Ende die Liebeserklärung erwiedert. Wenigstens gibt es zu Doukyuusei 2 zahlreiche Guides aufzufinden. Wobei darauf geachtet werden muss, dass die meisten auf den 18+ Varianten basieren. Da die Sexszenen in der PS1 Fassung fehlen, ist auch die Gewinnstrategie nun teilweise gegen Ende abgeändert.

Nett ist definitiv, dass im Bonusbereich alle CGs mit einem Mädel freigeschaltet sind, sobald man sie gewonnen hat. Üblicher bei Dating Sims und Visual Novels ist ja, dass dort nur das erscheint, was auch selbst gesehen wurde. So ist es einfacher, alles zu bekommen, statt dem einen raren Event, dass partout nicht triggert, hinterherzurennen. Wer alles mit jeder Dame sehen will muss übrigens nicht 16 Durchläufe hinter sich bringen. An einem Tag gibt es viele Time Slots, so dass durchaus alle relevanten Szenen von mehreren Frauen abgegrast werden können und dann gegen Spielende gespeichert und jener Speicherstand mehrmals geladen werden kann, um mehreren Charakteren, deren Win Conditions man erfüllt, hintereinander die Liebe zu gestehen. Immerhin war das hier im Ursprung ein Hentai Game, von daher will Doukyuusei 2 zwar schon, dass man für den Erfolg arbeiten muss, aber doch letztendlich nicht zu lange auf ihn zu warten hat.

So weit bin ich nicht gegangen, sondern habe drei Trophäen mit nach Hause genommen. Die erste davon war Mirei. Keine Klassenkammeradin, denn in den Doukyuuseis gibt es trotz des Namens auch immer einige attraktive Frauen aus der Arbeitswelt. Hier wäre das die junge Lehrerin, die mit dem Schüler anbandelt. Danach ging ich Yui hinterher, so ein wenig das Hauptmädel, in dessen Richtung man geschubst wird. Und die nicht-blutverwandte Schwester, mit der man aufgewachsen ist, die aber Gefühle für einen entwickelt hat. Als nächstes wäre das Sakurako, das ans Krankenbett gefesselte Mädel, welches irgendwann verschwindet, aber glücklicherweise nicht verstorben sondern mysteriös komplett geheilt ist. Minori ist das nerdige Girl mit Brille und Zöpfen, die heimlich ein totales Babe ist, wenn sie sich umstyled. Und zum Schluss gab es noch Kozue, ein Schusselchen, das gern auf den Hintern fällt.

Wie man sieht geht das Spiel schon in gewisse Stereotypen. Wobei zu den Mädels, oder zumindest einigen davon, schon etwas mehr Hintergrund gehört, als nur jener kurz umrissene Archetyp. Da Doukyuusei 2 allerdings einen wesentlich größeren Cast auf wesentlich kürzere Spielzeit bringt, als das bei zahmen Dating Sims der Fall ist, ist natürlich auch klar, dass die Charakterisierung auch etwas kurzangebundener ist. Aber realistisch gesehen lernt man die Damen ja auch nur über 2 Wochen hinweg kennen und nicht 3 Jahre, da kann man nicht so viel herausfinden. Das Elf-Charakterdesign ist immerhin so attraktiv wie eh und jeh und schafft es alle Mädchen schon alleine optisch gut voneinander abzusetzen.

In Search of a Good Time: Doukyuusei

Elf Corporation ist ein Eroge Hersteller, der von 1988 bis 2015 aktiv war. Eroge steht für Erotic Game, sprich Porn Videospiele. Tatsächlich waren aber gerade ihre Spiele der 90er enorm beliebt, weil sie sowohl solides Gameplay als auch interessante Handlungen und Charaktere boten, zusammen mit attraktiven Designs. Das führte dazu, dass nicht nur viele davon in Anime gefasst, sondern beispielsweise auch relativ häufig auf Konsolen portiert wurden. Für die obligatorisch die sexy Szenen rausgenommen oder entschärft werden mussten. Es spricht also für die Spiele, dass sie auch ohne den Porn-Anteil funktionierten. Bekanntere Werke von Elf sind beispielsweise die Dragon Knight Reihe, Yu-No oder Words Worth.

Eine ganz spezielle Besonderheit findet sich allerdings auch in der Bibliothke von Elf: Das allererste Dating Sim. Zumindest wird Doukyuusei regelmäßig als solches bezeichnet, vielleicht mit einem Addendum, dass es ein paar frühere Proto-Spiele gibt, die nicht ganz klassisch Dating Sim sind, aber Elemente enthalten. Das 1992 aufs PC98 und DOS aufgeschlagene Doukyuusei, was sehr Google-unfreundlich ist, da es übersetzt schlicht „Klassenkameraden“ bedeutet, hat sich auch keiner wenigen Beliebtheit in Japan erfreut. Es wurde das Jahr darauf auf die anderen beiden japanischen Heimcomputer X68000 und FM Towns gehievt, durfte 1995 und 1996 auf PC Engine und Sega Saturn sein Konsolendebüt feiern, und bekam auch ein paar Windows-kompatible Re-Releases. Anime, Mahjong-Spinoff-Games, und einige Sequels folgten.

Dabei muss man sich immer vor Augen halten, dass das Spiel noch zwei Jahre vor Tokimeki Memorial erschienen ist. Die Genre- und Gameplay-Normen, die durch dessen Extremerfolg bei den meisten nachfolgenden Dating Sims zu finden waren, hatten sich natürlich noch nicht etabliert. Was Doukyuusei gerade so interessant macht, ist nämlich, dass es tatsächlich ein komplett anderes Gameplay bietet, um sich an die holde Weiblichkeit ranzuwerfen. Das grundlegende Setup ist, dass wir einen Kerl steuern, der in den Ferien seines letzten Schuljahres steckt. Es sind noch knapp 20 Tage übrig, bis der Ernst des Lebens wiederbeginnt, und da bietet es sich doch an, endlich mal eine Romanze am eigenen Leibe erfahren zu dürfen.

Die Norm für drei Jahre eine japanische High School zu besuchen ist also bereits schon Mal gebrochen. Aber auch das von TokiMemo standardisierte Gameplay verschiedene Statuswerte zu trainieren und Dates zu planen wird man in Doukyuusei nicht finden. Stattdessen ist das Spiel ziemlich free roam, ja hat geradezu Züge von Open World. Es lässt einen nämlich frei die komplette Stadt begehen. Jedes Mal, wenn eine der mehrere Dutzend Grundstücke betreten wird, vergehen automatisch 15 Minuten der Zeit. Davon abhängig, wann man wo auftaucht, mag es dort eventuell gar nichts zu tun geben, einige Gebäude halten auch nur Joke Charaktere bereit. Aber im Idealfall rennt man natürlich einem der vielen Mädels und Frauen über den Weg. Einige größere Lokalitäten sind sogar noch mal unterdividiert. Beim Schulgelände kann beispielsweise noch separat zum Pool im Hinterhof oder das Hauptgebäude betreten und in alle Klassenzimmer geschaut werden. Auch das kostet natürlich immer etwas Zeit.

Tatsächlich fällt mir nur eine Spielefranchise ein, die dieses Gameplay so auch bietet, wenn auch in einem kleineren Rahmen. Die Influenz ist allerdings auch in anderen zu spüren. Imadoki no Vampire lässt einen auch die Stadt erkunden und in Nebencharaktere rennen. In Storm Lover wählt man zumindest den Weg aus, den man morgens zur Schule nimmt, und kann so in andere Kerle rennen. Aber das ist alles nur so kleines Beiwerk, während der Bulk immer noch das TokiMemo-Gameplay ist. Doch dann gibt es da noch Sakura Wars. Die Spiele geben einem immer mal wieder neben den SRPG-Kämpfen und den Visual-Novel-Storyparts ein paar Free Time Segmente, in denen man für eine Stunde oder zwei das Theater und die umliegende Stadt erkunden kann. Um dort dann in optionale Events mit den Mädels zum Steigern deren Zuneigung zu rennen. Und auch dort geht mit jeder Interaktion ein Teil jener frei verfügbaren Erkundungszeit flöten. Sakura Wars hat sogar ähnliche Icons wie Doukyuusei, wenn es darum geht, weitere Interaktion mit ihnen einzugehen, wie sich Dinge genauer anzusehen oder das Gespräch fortzusetzen. Nur das es eben bei Doukyuusei einzig und alleinig das komplette Gameplay ausmacht: Durch die Stadt wandern und hoffen in die richtigen Charaktere zu laufen.

Von daher kann ich auch gut sehen, warum diese Art des Gameplays nicht zum Standard im Genre geworden ist. Es wirkt etwas arg zufällig und uninvolviert. Ich gehe natürlich schon davon aus, dass der eigentliche Gedanke dahinter ist, sich Notizen zu machen, welche Mädels wann und wo anzutreffen sind, um sie gezielt in Gespräche und Dates verwickeln zu können. Wann gehe ich an den Bahnhof, wann aufs Dach der Schule, um mit Mai zu reden, welche Antworten mag sie, und wann kann ich sie dann ins Cafe oder Kino einladen. Doch für mich persönlich fühlt sich das Gameplay von Tokimeki Memorial einfach an, als würde ich auch wirklich was machen, als hätte ich als Spieler die komplette Kontrolle. Ich vereinbare gezielt telefonisch Dates, ich entscheide selbst welche Statuswerte wann und wie trainiert werden. Bei Doukyuusei fühlte ich mich eher so, als würde ich kopflos durch die Gegend laufen und darauf hoffen, dass das Spiel da mitspielt und mir Mädels vor die Füße wirft. Vorzugsweise so, dass ich sie in ein längeres Gespräch verwickeln kann, statt das sie nach dem Austausch von Begrüßungsfloskeln bereits weitermüssen.

Um das Stadtviertel belebt wirken zu lassen und sicherzugehen, dass der Spieler nicht zu häufig in leere Lokalitäten läuft, braucht es selbstverständlich einen großen Cast an Charakteren. Ich fand es ja immer interessant, dass Tokimeki Memorial gleich mit einem ganzen Dutzend an Mädels aufwartet, wenn bei Dating Sims anschließend schnell zum Standard wurde eher die Hälfte zu bieten, um jene dann auch besser ausarbeiten zu können. Für Doukyuusei macht es dann selbstverständlich schon mehr Sinn, dass ganze 14 Eroberungen eingebaut wurden. Plus weitere wiederkehrende Charaktere, wie ein paar Kerle, die ebenfalls auf der Suche nach der Liebe sind, und die Joke Charaktere, die einige Häuser bewohnen, um einen Nonsense entgegenzuwerfen oder Zeug zu verkaufen. Sowieso interessant, dass der Name des Spieles ungefähr so viel wie „Klassenkameraden“ bedeutet, denn es gibt neben den Mitschülerinnen auch reichlich attraktive ältere Frauen anzutreffen, und zwar nicht nur die Lehrerin und Schulkrankenschwester.

Besonders hervorstechend ist hier natürlich das Charakterdesign. Wenn der PC-98 für ein was bekannt ist, dann für die attraktiven Pixelart-Grafiken, die man darauf produzieren konnte. Die Damen in Doukyuusei haben große und schön sowie sehr unterschiedlich designte Sprites, die einen zumindest regelmäßig anblinzeln, wenn auch sonst nicht animiert sind. Es ist schon klar, warum bei solchen Designs die Elf-Spiele sich so großer Popularität rühmen konnten. Sprachausgabe gibt es zumindest in der PC-98-Version dafür allerdings noch nicht, außerdem muss immer mal wieder zwischen den 9 Floppy Disks gewechselt werden, im Gegensatz zu den Konsolenports hält diese Variante dafür aber auch sexy Einlagen bereit. Der geneigte Spieler muss sich also überlegen, ob Sprachausgabe und keine Disk-Wechsel aufwiegen keine Softcore-Erotik präsentiert zu bekommen.

Auch finde ich es von der Natur der Sache aus nicht so schlimm, sollte man in Doukyuusei ohne eine feste Beziehung enden. Immerhin hat man hier nicht ganze 3 Schuljahre auf ein Mädchen hingearbeitet, nur damit sie einem am Ende sagt, man solle doch lieber Freunde bleiben. Das Spiel geht nur für knapp 3 Wochen, wer kann da schon mit einer Beziehung rechnen? Und am Ende hat man doch ein paar schöne Erinnerungen gemacht und tolle Sommerferien verbracht, während derer man mit einem dutzend attraktiver Damen ausgegangen ist und ein bisschen sexy Times mit ein paar davon vorweisen kann. Da gibt es definitiv schlimmere Sommer.

Ich persönlich fand Doukyuusei zu spielen auf jeden Fall recht interessant. Zum einen natürlich, um das erste richtig vollwertige Dating Sim zu erleben, nachdem ich dem Genre in den letzten Jahren doch etwas verfallen bin. Umso mehr, weil es vor dem Einsetzen diverser Genre-Konventionen erschienen ist, und deswegen so viel anders ist vom Gameplay her, als ich das gewohnt war. Zuguterletzt habe ich auch nicht gerade viel Erfahrung mit dem PC-98 oder Spielen von Elf, dies ist also ein weiteres interessantes Eintauchen in Neues gewesen, und ich war von den gelieferten grafischen Möglichkeiten schon sehr angetan.