Oz 4&5

ava-1592Zwischen den ersten drei Oz-Büchern vergingen jeweils mehrere Jahre, da L Frank Baum auch andere Bücher schrieb. Allerdings waren es die Oz-Geschichten, die sich wirklich gut verkauften, und so sollte sich das nun ändern, mit der Ausnahme von Buch 6 zu 7 sind die Bücher ab Band 4 alle im Jahresrhythmus erschienen. Baum beschwert sich sogar etwas zwischen den Zeilen darüber in seinem üblichen Vorwort, in dem er meint, er fände es ja sehr nett, dass seine Welt so viele Fans hat, würde aber gerne Erzählungen über so viele neue Länder berichten, wenn sie denn Anklang finden würden.

Das würde eventuell auch erklären, warum so viele der Oz-Sequels so gut wie gar nicht in Oz spielen, und vor allem sobald dann im ca. letzten Drittel das Land erreicht wird, dort eigentlich nichts geschieht. Baum ist fertig mit Oz als Setting und lässt Dorothy mit stetig neuen Kumpanen lieber eine abenteuerliche Reise durch neue Länder mit dem Endziel Oz erleben, statt dieses weiterhin als Hauptschauplatz zu verwenden.

In Dorothy and the Wizard in Oz fällt das Mädchen diesmal durch einen von einem Erdbeben aufgehenden Riss in der Erde, zusammen mit einem Jungen und seinem Pferdekarren, sowie Dorothys Katze. Beide Tiere lernen wie üblich in den magischen Königreichen sofort die Sprache (wird eigentlich je erklärt, warum Toto dies als einzigen nicht einschließt?), und kurz später stößt eben auch der Humbug-Zauberer wieder zu ihnen. Stellt sich raus, dass das Erdinnere voller Zauberwelten ist. Zuerst hat es der Trupp mit Gemüseleuten zu tun, die aufgrund des fehlenden Innenlebens keine Emotionen haben und alle einfach aus ihrem Reich schmeißen, weil sie hier nicht hingehören. Über die Station eines Landes voller unsichtbarere Bären, die nur deswegen die Bevölkerung nicht fressen, weil die Menschen auch unsichtbar sind, geht es dann auf den Berggipfel mit Holz-Gargoyles, die sie wegsperren und bei der Flucht dann in eine Höhle voller Babydrachen, die dem Trupp ganz vornehm und höflich erörtern, dass sie sie gerne fressen würden, wenn ihre Mutter sie nicht bei Abwesenheit festbände, damit sie keinen Schabernack treiben. Erst dann holt Ozma sie nach Oz, wo es eine kleine Feier gibt, Dorothys Katze vor Gericht landet, bis sie das Missverständnis auflöst, sobald sie meint genug Spaß gehabt zu haben, und dann zurück nach Kansas.

Was also bei Dorothy and the Wizard in Oz auch schnell auffällt ist, wie bedrohlich das Buch ist. Ich meine, Schwierigkeiten und Gefahrsituationen gab es bisher in jedem Buch, aber das vierte ist im Prinzip eine einzige Aneinanderreihung von Ländern, deren Bewohner früher oder später allen an den Kragen wollen. Die Gruppe kann erst in Oz endlich wirklich durchatmen, und auch dann ziehen neue Wolken in Form der Mordanklage gegen die Katze auf. Am Besten ist sowieso, dass die Katze es zwar nicht war, aber nur deswegen, weil sie beim Versuch scheiterte! Katzen sind halt Arschlöcher.

Ozma zaubert den Trupp übrigens zu sich, in dem sie den magischen Gürtel verwendet, den sie seit dem letzten Buch hat. Und hieran merkt man schnell, dass Magie zu schreiben schwer ist. Da man an keine logisch-physikalischen Gesetzt gebunden ist, muss man höllisch aufpassen, wenn man über Übernatürliches und Magisches schreibt. Man muss sich strickte Regeln einfallen lassen, die deren Nutzbarkeit definiert. Und sich immer im Hinterkopf bewahren, bevor etwas eingeführt wird, was zu omnipotent scheint, dass man sich damit ab nun immer die Frage eröffnet, warum es nicht ständig benutzt wird. Ozma hat einen magischen Gürtel, mit dem sie Dorothy zu sich und zurück nach Kansas bringen kann, wann immer sie das will. Und sie schaut ein Mal pro Tag in ihren magischen Spiegel, ob Dorothy zu ihr kommen will. Den Gürtel zu benutzen kostet sie nichts, er hat keinen limitierten Gebrauch, noch verliert sie ihn. Was bedeutet das wir uns ab jetzt jedes Buch fragen können, warum sie ihn nicht sofort benutzt, wenn sie Dorothy in Gefahr sieht.

So nämlich in The Road to Oz. Diesmal ist die Gefahrenquelle, die Dorothy auf ihre neue fantastische Reise führt, keine Naturkatastrophe, sondern Stranger Danger. Ein heruntergekommener Obdachloser fragt das kleine Mädchen nach dem Weg, versteht die Beschreibung nicht ganz, also schnappt sich Dorothy ihren Hut und begleitet ihn einfach ein Stück… Hohum… die Oz-Bücher sind eindeutig Anfang des 19. Jahrhunderts geschrieben worden.

Doch Dorothy geht mit dem Kerl verloren, findet einen pausbäckigen Jungen, der ein ziemlicher Idiot ist, sowie die zur Erde gefallene Tochter des Regenbogens, und schon haben wir eine neue Reisegruppe. Diesmal geht es nur durch das Land der Füchse und der Esel, die sich jeweils für wahnsinnig klug und zivilisiert halten, aber mehr Schein als Sein sind, bis es bereits über die Wüste nach Oz geht, wo sich fast die komplette zweite Hälfte des Buches damit aufhält, dass Ozma ihre Geburtstagsfeier schmeißt und was für illustre Persönlichkeiten – beispielsweise den Weihnachtsmann – sie hierfür eingeladen hat.

Zum einen stellt sich natürlich die Frage, warum Ozma nicht den Gürtel nutzt. Nun, Baum hat das bemerkt, statt ihm aber Restriktionen aufzuerlegen, meint Ozma einfach, dass sie es schon tun würde, wenn sich Dorothy wirklich in Gefahr befinden würde, vorher aber das Abenteuer nicht versauen möchte. Dann aber finden wir heraus, dass Ozma selbst es war, die Dorothy auf jenes geschickt hat, damit sie nach Oz findet, um an der Geburtstagsfeier teilnehmen zu können. Warum diesen umständlichen Weg wählen, wenn sie Dorothy einfach mit dem Gürtel direkt zur Feier bringen kann?

Das ist nicht die einzige Lücke, die sich aufgetan hat, aus dem Grund, weil Baum anscheinend keine so lange Reihe schreiben wollte, es nun aber doch tut, und sich um die Kontinuität einfach nicht so wahnsinnig schert bzw. Dinge übersieht.

Doch die kann ich ihm vergeben. Denn es sind ja nur Kinderbücher. Aber vor allem weiterhin echt launige. Die Abenteuer durch die Fantastwelten mit ihren merkwürdigen Bewohnern und dem herrlichen Wortspiel sind einfach netter Lesestoff für eine Stunde oder zwei, die man benötigt, um durch so eine kurzweilige Erzählung zu kommen. Allerdings hoffe ich doch, dass ihm entweder wieder was einfällt, um Oz an sich interessanter zu machen, oder den Part in der Welt kürzer hält, als in The Road to Oz, denn dessen zweite Hälfte, wenn auch naturgegeben kurz und schmerzlos, war weniger unterhaltend.