Disney Sunday – Mars Needs Moms

ava-1539Mars Needs Moms ist nach A Christmas Carol der zweite und bereits letzte Film, der in Zusammenarbeit von Disney und den ImageMovers entstanden ist. Was wohl maßgeblich daran liegt, dass der Film eine Box-Office-Bombe war, und zwar die größte in Disney-Historie, sowie eine der größten in amerikanischer Filmgeschichte überhaupt. Oder salopp gesagt: Keine Sau wollte ihn sehen.

Die Handlung ist schnell erzählt: Milo und seine Mom haben eine kleine Auseinandersetzung über das Essen von Brokkoli, was Milo zum Kurzschlusssatz führt, sein Leben wäre besser ohne sie. Karma is a bitch, und so wird seine Mutter prompt von Marsianern entführt. Warum? Weil der Mars eben Mütter braucht. Genau genommen ist es eine weibliche Militärgesellschaft, ein futuristischer Polizeistaat komplett aus Frauen sozusagen, die keine Mütterlichkeit haben, und deswegen alle 25 Jahre eine Erdenfrau klauen, um ihre Kindermädchen-Roboter mit deren Persönlichkeit zu programmieren, damit sie den Mars-Nachwuchs großziehen.

Der Film besteht nun also daraus, wie Milo versucht, seine Mutter zu retten. Dabei trifft er kurz auf die behaarten Hippie-Marsmänner, die in der Müllhalde unter der blankpoliert-grauen Stadt der Frauen leben, auf den seine Mutter beim letzten Mal verlorenen und nun hier festsitzenden Manchild Gribble, sowie die von schlechten 70er-Jahre Comedies begeisterten Marsfrau Ki.

Mars Needs Moms ist nicht der schlechteste Film mit dem Disney-Logo aller Zeiten, der große Reinfall an den Kinokassen war definitiv Desinteresse mehr denn fehlende Qualität. Zumindest gibt es schlechtere Filme, die mehr Kasse gemacht haben. Einer der bessern Filme mit dem Disney-Logo ist er freilich auch nicht, von daher kann ich diese „who cares“-Einstellung dem Film gegenüber durchaus verstehen.

Ich habe grundsätzlich kein Problem mit dem recht einfachen und geradlinigen Plot, zumal er mit viel rasanter Kamerafahrt und Action durchaus nicht langweilig wird. Als Erwachsener finde ich natürlich das Fehlen der genaueren Beleuchtung des Marsvolkes ein wenig schade. Mars Needs Moms hat als zentrales Thema nämlich nicht nur „was wären wir ohne Mütter“, sondern ein Stück weg schlicht „was wird aus Männern, wenn es keine Frauen gibt?“. Nicht nur durch Gribble, der ohne Mutter aufwachsen musste, sondern auch eben die Marsgesellschaft an sich, die ohne Gefühle herangezüchtet wird, während die Männer ohne die Frauen den ganzen Tag nur wie eine Hippie-Commune dumpfen Spaß haben. Als Kinderfilm geht Mars Needs Moms da natürlich nicht genauer drauf ein und charakterisiert da etwas überspitzt-oberflächlich. Im Prinzip basiert das hier auf dem Klischee, dass Männer ihren Spaß haben, bis Frauen um die Ecke kommen und ihn ruinieren, weil sie sie dazu zwingen erwachsen zu werden. Nein, was mir da hingegen schon etwas mehr fehlt, ist die Herzlichkeit der Sache. Für eine Story, in der ein kleiner Junge bis zum Mars geht und alle möglichen Gefahren strotzt, um seine geliebte Mutter zu retten, wirkt mir der Film trotz allem die meiste Zeit über eher Emotionskalt. Ich mein, Ki mit ihrem Hippie-Slang ist ganz sympathisch, und es gibt zwei halbwegs bewegende Szenen – Gribbles Backstory und wenn Milos Mom fast stirbt – aber der Rest bewegt nicht wirklich.

Über die Motion-Capture-Technik müssen wir natürlich erneut ebenfalls reden. Hier fand ich es zum Großteil ganz in Ordnung. Die meisten Charaktere sind eh Aliens, es gibt nur drei Menschen zu sehen. Gribble und Milos Mutter finde ich nicht sonderlich Uncanny Valley… aber dann ausgerechnet Milo. Disney hat ja immer gern bekannte Namen auf den Postern, und so kam man auf die Idee, Seth Green das Motion Capture für Milo machen zu lassen. Denkt mal drüber nach. Die casten einen 40-jährigen Mann, dazu noch mit einem sehr distinguierten Gesicht, um einen 10-jährigen Jungen zu spielen. Milos Gesicht ist einfach super creepy. Mal ernsthaft, gab es zu der Zeit absolut keinen halbwegs bekannten 10-13 Jahre alten Darsteller auf dem Disney Channel, den man hätte für Milo nutzen können?

Was bleibt ist ein Durchschnittsfilm, dessen Kenntnis das eigenen Leben weder bereichert noch verschlechtert. Ein witziger Charakter und zwei gute Szenen sind immerhin mehr, als Dinosaur, Cars oder The Rescuers Down Under zu bieten haben.

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Disney Sunday – A Christmas Carol

ava-1534Disney’s A Christmas Carol, oder wohl besser Robert Zemeckis A Christmas Carol, ist eine Zusammenarbeit zwischen Disney und Zemeckis ImageMovers Studio, für das extra die ImageMovers Digital Tochter gegründet wurde, die nach 3 Jahren und 2 Filmen wieder eingestampft wurde. Zemeckis ist dafür bekannt, gerne ein technischer Vorreiter zu sein, im Falle von A Christmas Carol bezieht sich das auf Motion Capture, wie es schon in seinen vorigen Filmen Polar Express und Beowulf Anwendung fand.

Dickens Weihnachtsgeschichte sollte eigentlich allseits bekannt sein: Scrooge ist ein alter, verschrobener Geizhals, der andere Menschen und ihre Freude, gerade zur Weihnachtszeit, absolut nicht ausstehen kann. Also besuchen ihn am Weihnachtsabend die Geister der vergangenen, präsenten, und kommenden Weihnacht, und zeigen ihm, wo er in seinem Leben falsch gegangen ist, was für Auswirkungen seine Kaltherzigkeit hat, und wie ihn das in ein einsames Grab bringen wird. Woraufhin er einen sofortigen 180er macht und der fröhlichste alte Mann aller Zeiten wird, der mit seinem Vermögen nur so um sich wirft.

Holy fucking shit, this movie exists! Ich konnte meinen Augen nicht trauen, als ich Zemeckis Version der Weihnachtsgeschichte gesehen habe. Das hier ist ein moderner Disney-Animationsfilm! Wie ist das passiert? Hat Disney Zemeckis einfach blind 200 Millionen Dollar gegeben, weil die dessen Polarexpress so niedlich fanden, und man beim Publikumsliebling Weihnachtsgeschichte eigentlich nichts falsch machen kann? Und als Zemeckis dann mit einem Film nach Hause kam, den selbst Tim Burton so nicht abliefern würde, hat sich Disney Zähneknirschend entschieden, wo jetzt schon mal so viel Geld draufgegangen ist, muss man ihn halt auch releasen?

Die Sache ist die, die diversen Versionen, durch die wir Dickens Weihnachtsgeschichte mittlerweile kennen, sind in etwa, wie die modernen Interpretationen der Grimm-Märchen: Kommerzialisiert, überzuckert, für ein junges Publikum zum Feiertag reingewaschen. Die Original-Geschichte ist da eine ganze Ecke düsterer und Zemeckis ein wahrer Fan von ihr. Weswegen er Disneys Eine Weihnachtsgeschichte so stark am Buch hält, wie möglich, Dialog direkt daraus entnimmt, London eine triste Stadt wie zur damaligen Zeit sein lässt. Und atmosphärisch ist der Film deswegen total gelungen, aber auch sicher nichts, was man kleinen Kindern vorsetzen sollte.

Die Szene, wenn der Geist von Scrooges ehemaligem Arbeitskollegen ankommt, mit in der Stille lauter werdendem Kettenrasseln, Scrooge der panisch die Türschlösser checkt, die Glocken in einer Kakophonie zu bimmeln beginnen… die Szene ist gesataged wie ein verdammter Horrorfilm! Der Geist der aktuellen Weihnacht ist designt ein ein heidnischer Gott, der offen Priester anprangert und in der Szene, wenn er dahinscheidet, da er ja nur 24 Stunden des aktuellen Weihnachtstages lebt, dahin schrumpelt, bis sein graues Skelett zu Staub zerfällt. Der Geist der kommenden Weihnacht ist ein schwarzes Skelett, in schwarzer Robe, das ständig in Scrooges Schatten lauert, und ihn mit einer schwarzen Kutsche, gezogen von schwarzen rotäugigen Hengsten durch die Straßen Londons hetzjagt! Um zu zeigen, was das Motion Capture so alles an realistischen Emotionen in die CG-Gesichter bringt, sind viele Charaktere verängstigt, irrsinnig am Lachen, und die Kamera sowieso häufig in unkomfortablen Closeups.

Ich kann es echt kaum fassen, dass es in 2009 einen Disney-Film gab, der so ist. Es ist faszinierend und erstaunlich, und ich habe den Film ehrlich gesagt vollkommen genossen, einfach weil er so batshit ist.

Ob er aber ein guter Film ist… da wäre ich mir nicht so sicher. Bei allem Schauspiel, das durch Motion Capture in diese CG-Figuren übertragen werden kann, ist da doch immer ein ganzes Stück Uncanny Valley am mitschwingen, welches selbst in den normalen Szenen einen gewissen Creep-Faktor noch reinbringt. Und so toll einige Szenen sind, wie die Art auf die die aktuelle Weihnacht Scrooge die Welt zeigt, natürlich alles im Schicksal des Tiny Tim und der zukünftigen Ereignisse, so rasant einige Sequenzen sind, so atmosphärisch andere… dieses Christmas Carol ist einfach ein Stück zu ernst und zu düster, es fehlt mir einfach ein wenig die Magie von Weihnachten. Wenn ich nicht so „ho shit, this happened“-aufgedreht wäre, mich die Verblüffung das dies ein moderner Disney-Film ist nicht wie ein LKW überrollt hätte, wäre ich wohl maßgeblich von dem Film deprimiert worden.

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Disney Sunday – Bolt

ava-1527Ich kann mich wirklich nur wiederholen, aber so tief wie die Disney-CG-Animationsstreifen mit Dinsoaur am Boden des Fasses begonnen haben, so sehr haben sie sich langsam aber sicher mit jedem Filmeintrag gesteigert. Bolt würde ich gar glatt erneut sehen.

Die süße Penny adoptiert den niedlichen Bolt, ein halbes Hundeleben später fliehen die beiden vor Agenten des Bösen, die Penny fangen wollen, weil ihr Wissenschaftler-Vater sonst nicht bei ihren Plänen mitmacht. Nur zu gut, dass ihr Vater den Hund Genmanipuliert hat, so dass er Superkräfte entwickelte, die zusammen mit den Gadgets von Penny die beiden immer wieder aus einer prekären Situation bringen.

Nur wird Zuschauern eine Serie, die so vorhersehbar gegen Ende immer gut ausgeht, mit der Zeit langweilig, und Bolt verliert Einschaltquoten. Yep, dies ist der kleine Twist direkt zu Beginn des Filmes: Was wir gerade gesehen haben war nur eine TV-Serie. Der richtig schräge Twist kommt aber erst: Das ganze Ding wird Live und an einem Stück ohne Retakes gedreht… weil das Method Acting des Hundes besser ist! Yep, Bolt denkt die TV-Serie wäre real, weil er von ganzen Produktionsteam im Glauben gelassen wird.

Als man dann eine Folge für die Quoten mit einem Cliffhanger enden lässt, den Bösewicht Penny vor Bolts Nase weg entführen hat, bricht jener aus dem Studio aus, voll darauf getrimmt seinen Menschen wie gewohnt retten zu müssen. Wie der Zufall so will landet er plötzlich ohne jegliche Superkräfte in New York und muss irgendwie den Weg nach Hollywood zurückfinden, im Schlepptau eine Katze, die er für einen Agenten des Bösen hält, während sie ihn für durchgeknallt und möglicherweise gefährlich einstuft, sowie seinen größten Fan in Form eines Hamsters.

Bolt ist so richtig gute Familienhunterhaltung, wirklich passend umgesetzt. Natürlich ist die Prämisse Schwachsinn, aber so charmant-originell, dass man es schluckt – ich mein es ist eben der zentrale Joke des Filmes, dass der Hund nur ein guter Charakterschauspieler ist, solange man ihn im falschen Glauben lässt er wäre ein Held, auch wenn so eine Produktion nie lange Fehlerfrei laufen könnte. Natürlich sind die Stationen vorhersehbar: Er geht verloren, ein paar Witze auf Kosten des „Verlustes“ der Superkräfte, Konfrontation mit der harten Realität, Road Trip Freundschaft, ein Missverständnis in letzter Sekunde vor der Wiedervereinigung, und dann eine dramatisch passende Katastrophe die sie doch wieder zusammenbringt. Viel Moral ist darunter nicht, außer vielleicht der moderne Irrglaube, Tiere wie ein Kind statt wie ein Haustier zu behandeln, und eventuell noch ein wenig die Ausbeutung von Kinderstars und Tieren in Hollywood. So ganz leicht, kaum wahrnehmbar.

Das ist aber durchaus ein Vorteil des Filmes, weswegen er mir gefallen hat: Es ist eine ziemlich geradlinige Sache, mit einfacher wenn auch abgedrehter Prämisse, und der Großteil der Spielzeit ein Road Movie um 3 Charaktere: Der treudoofe Hund der zu seinem Herrchen zurück will, die zynische Katze, und der Hamster der über ihn Fangirlt.

Tiefgang braucht Bolt eben auch gar nicht, mit viel rasantem Schwung, vielen wirklich für alle Altersgruppen zündenden Witzen (mehr Pixar emulierend, denn Dreamworks) und Ideen, sympathischen Charakteren, sowie einem herzigen wenn auch etwas berechnenden Ende, haben wir hier wirklich einen sehr schönen Film für die ganze Familie vorliegen.

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Disney Sunday – Meet the Robinsons

ava-1518Es war eine etwas hüglige Fahrt bisher mit den Disney-CG-Streifen, wobei man ihnen zumindest lassen muss, dass sie konstant besser wurden. Von Dinosaur aus konnte es natürlich nur besser werden, Chicken Little war dann „nur“ langweilig, und The Wild immerhin „…just Ok“ wie einen Rhythm Heaven wenig enthusiastisch gerade so durch winkt. Meet the Robinsons war mir hingegen sogar richtig gefällig – das die Produktion des Filmes in die Disney-Pixar-Schmelze fiel und der Ex-Pixar-nun-Disney-Boss ihn nach erster Sichtung stark hat überarbeiten lassen, könnte natürlich damit zusammenhängen.

Lewis ist ein Waisenkind und ein kluges Köpfchen. Dummerweise gehen Erfindungen häufig nun Mal zunächst fehl, bevor man wirklich auf dem richtigen Pfad ist, was nicht nur seinem Selbstvertrauen abträglich ist, sondern ihn auch nicht zum beliebtesten Mitschüler, Mitbewohner oder gar Adoptionskandidaten macht. Ich mein, wer will schon einen zukünftigen Nobelpreisträger adoptieren, wenn man stattdessen auch ein niedlicheres Kind haben kann, das sich zudem für Sport interessiert?

An einem Tag, an dem besonders viel auf einmal schief geht, was Lewis das Erfinden fast aufgeben lässt, fällt ihm Wilbur in den Schoß, der sich nicht nur suspekt verhält, sondern auch vor einem Kerl mit Melone (wie in Hut) warnt, und behauptet aus der Zukunft zu sein. Überraschenderweise kann er das aber auch untermauern, in dem er Lewis in seiner Zeitmaschine einfach mit zu seiner Familie bringt, Erfinder-Mogul-Familie Robinson. Während die schräg drauf sind, versucht Melonenmann derweil Lewis‘ neueste Erfindung selbst zu vermarkten, wofür der sie aber erst mal reparieren muss, während Lewis nur daran denken kann die Zeitmaschine zu benutzen, um an den Tag zurückzugehen, als seine Mutter ihn vor die Türe des Waisenhauses gesetzt hat.

Wie zu Eingang bereits erwähnt: Ich fand Meet the Robinsons durchaus gut. Das bedeutet freilich nicht, dass er ohne Fehler ist, zum Instant Classic wird er es auch nicht schaffen, aber sehr ansehnlich ist er eben dennoch. Was mir besonders gefallen hat war vor allem wie herzig die Robinsons sind, sowie das sehr Jetsons-esque Design der Zukunft. Die Frösche und der T-Rex waren toll, aber auch so die vielen Familienmitglieder unterhaltsam. Die „Let it go“-Moral war sicherlich auch ganz nett, so muss Lewis nämlich lernen, dass man aus Fehlern lernt, und man sich nicht wie der Schurke in der Vergangenheit verbeißen oder gar andere für eigene Schuld verantwortlich machen sollte (wobei Lewis streng genommen schon Schuld hatte). Blöde Sachen passieren, man kann nicht alles von Beginn an meistern, aber man muss eben weiter machen.

Auch ist die Animation sehr rasant, was zum einen durchaus schick anzusehen ist, manchmal aber auch etwas überfordert und ähnlich Chicken Little dadurch nicht jeder visuelle Joke wirklich die Zeit zum Zünden hat. Dennoch hat Meet the Robinsons bisher die größte Hit-Quote an Witzen und ist sowieso kein reines Klamauk-Feuerwerk. Gerade das herzige Ende ist schön geraten.

Wie gesagt, alles Gold ist natürlich nicht, was glänzt. Zum einen ist die Handlung extremer Standard, die Moral sieht man von weitem kommen, dass HAL 9000 der wahre Schurke ist sowieso, und auch wer der Melonenmann (finde nur ich, dass dessen Aufzug an die Hexe aus Wizard of Oz erinnert?) oder die Zukunft-Version von Lewis bzw. die Momentan-Version seiner Stiefmutter ist hat man innerhalb von zwei Sekunden raus. Die Szene, wenn Lewis die Mutter von Wilbuer versehentlich „Mom“ nennt und die ganze Robinson-Familie ihn daraufhin sofortig adoptieren will, ist auch etwas sehr strange. Aber das ist eben der Unterschied zwischen einem Meet the Robinsons und einem Dinosaur: Wenn man die gewohnte Handlung und Charaktere ohne Überraschungen in einen Film steckt, der herzig und rasant genug umgesetzt ist, dann stört das gar nicht so sehr.

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Disney Sunday – The Wild

ava-1514The Wild ist der erste Feature Film von den mittlerweile nicht mehr existenten CORE, unter Exklusivvertrieb von Disney, und stellt wohl die bisher einzige Instanz im Dueling zwischen Disney und Dreamworks dar, in dem der Disney-Film absolut den Kürzeren gezogen hat. Nicht nur ist Madagascar ungleich besser angekommen, sondern die Existenz der Disney-Konkurrenz häufig nicht Mal bekannt.

In diesem „Ein Löwe, eine Giraffe, und ein paar andere Zootiere haben Abenteuer in der Wildnis“-Steifen geht es allerdings weniger um Blödelei, und mehr um… erneut eine Vater-Sohn-Beziehung. Die Sache ist die, dass Mufasa die große Attraktion des New Yorker Zoos ist, als stolzer, brüllender Löwe. Und das Image hat er sich zu Eigen gemacht, erzählt allen von seinen großen Abenteuern damals in der Wildnis, allen voran seinem Sohn Kimba, der leider nur wie eine kleine Muschi keift, statt groß röhren zu können wie der Vater.

Missverständnisse geschehen, ein Streit bricht an, und der kleine Kimba landet in einer Transportbox nach… Afrkanien oder so, auf jeden Fall einer Vulkaninsel, von der die Tiere eigentlich runter gerettet werden sollen, sein Vater und dessen Freunde beim Rettungsversuch des Wildkätzchens im Schlepptau. Dummerweise haben sich die Wasserbüffel hier zu einem Kult zusammengerottet, der unbedingt einen Löwen verspeisen will, um so selbst Spitze der Nahrungskette zu werden (müssten sie dafür nicht Menschen fressen?). Außerdem kommt raus, was sich der Zuschauer seit Beginn des Filmes gedacht hat: Mufasas Geschichten sind natürlich alle nur erstunken und erlogen, er ist ein Feigling der selbst in Gefangenschaft geboren war, statt aus der Wildnis zu stammen.

Namen geändert, um die Betroffenen zu schützen.

Zu The Wild gibt es eigentlich wirklich nicht viel zu sagen, es ist insgesamt ziemlicher Standard. 08/15-Story mit 08/15-Moral, bekannten Figuren und Dramaturgie. Allerdings durchaus charmant genug umgesetzt, um sehenswert zu sein, ein persönlicher Favorit wird es aber wohl bei kaum einem werden. Es ist allerdings knapp der stärkste der drei Filme des Disney-Sunday-Reboot bisher. Einfach weil ein paar Witze mehr zünden, weil die Situation ein wenig interessanter ist, weil der Vater auf der Suche nach seinem Sohn einem sympathischer gemacht wird. Wobei mein Favorit der zynische Koala und der Choreographie-besessene Bösewicht sind. Beides definitiv Versuche mehr Dreamworks-isch zu sein, aber durchaus ganz amüsant in ihrer Schrägheit zu verfolgen. Der Film endet sogar auf einer spontanen Tanznummer, wie wahrscheinlich jeder Dreamworks-CG-Streifen ever.

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Disney Sunday – Chicken Little

ava-1507Beenden wir die Woche der Animationsfilme also mit dem nächsten Disney-Eintrag. 2005, ein Jahr nachdem Home on the Range den 2D-Meisterwerken den letzten Sargnagel verpasst hatte, sprang man also darauf auf Pixar sein zu wollen, mit dem CG-Streifen Chicken Little.

Die Alarmglocken schrillen über das beschauliche Entenhausen, die ganze tierische Bevölkerung ist in Aufruhr, nur was ist passiert! Ist Cthulhu erwacht? Justin Bieber in der Stadt? Was ist los, Chicken Little? Was… ein Stück Himmel soll dir auf den Kopf gefallen sein? Und das Stück ist nirgendwo zu sehen? Ach, dein zu tote blamierter Vater stammelt da was von einem Missverständnis, es war nur eine Eichel? Oh dieser verrückte Chicken Little.

Anscheinend passiert mal so gar nichts in der Stadt, denn während im echten Leben das Ding spätestens nach ein paar Monaten vergessen gewesen wäre, spricht die ganze Stadt selbst ein Jahr später noch darüber, will sogar den Film „Crazy Little Chicken“ drehen, weil die 2-minütige Anfangsszene anscheinend einen ganz Film her gibt. Mensch Leute, irgendwann ist auch mal genug des Spottes, geht mal chillen und masturbiert etwas häufiger oder so.

Im Prinzip ist uns hier sowieso schon komplett klar, wo der Weg hinführt. Ein ständig unter Spott stehender, gehänselter, kleiner Nerd-Charakter wie Chicken Little wird bei all der Häme entweder zum weltzerstörenden Bösewicht, oder den Tag rettenden Helden, der von Anfang an recht hatte. Und da der Film nach ihm benannt ist und nicht von Dreamworks stammt, wird es wohl der Held sein, da sich herausstellt, dass der Himmel nur reflektierende Unterseiten von UFOs ist. Das ist eigentlich der einzig richtig interessante Part des Filmes, aber leider erklärt er uns nie, warum genau die alle da oben abhängen und einen auf Firmament machen.

Und selbstverständlich muss währenddessen der alleinerziehende Vater, der mal ein cooler Quarterback war, und so gar keinen Draht zu seinem Sohn hat, ihn aber im Innersten trotz aller fehlender Rückendeckung liebt, lernen, ihm das auch sagen zu können und ihn zu unterstützen. Selbst wenn die Unterstützung heißt den Sohn einfach so blindlings in einen Krieg der Welten stürmen zu lassen – das Wohlergehen des Kindes zählt bei gutem Elternsein nicht, sonderlich rein die Befürwortung jedes noch so hirnrissigen Planes.

Mein Hauptproblem mit Chicken Little ist nicht, dass ich ihn wirklich super schlecht finden würde, sondern dass er mich auch einfach nicht wirklich packen konnte. Die Klischee-beladene Handlung ist so was von durcherzählt, aber erneut müssen wir bedenken das das Hauptpublikum von Disney immer noch die in jüngeren Jahren feststeckenden sind, die eben noch nicht hunderte solcher Filme kennen. Das wichtige, um es zur guten Familienunterhaltung zu machen, ist also nicht zwangsläufig komplett auf alle Tropes zu verzichten, Kinderfilme sind in der Regel voll von ihnen, sondern sie entsprechend umzusetzen das man sich dennoch schert. Und die Charaktere hier waren mir zu egal, um mich wirklich groß zu involvieren.

Immerhin ist der Film unglaublich rasant umgesetzt und bietet viele kleine Jokes, von denen leider nur viele erneut nicht zünden. Hier kann ich nicht mal genau sagen warum nicht. Sie tun es einfach nur für mich nicht. Es ist eigentlich interessant mal drauf zu achten, was in vielen Szenen so alles am Rande/im Hintergrund abgeht, Chicken Little steckt nur so voller kleiner visueller Jokes, aber statt wirklich drüber zu schmunzeln registriert man die nur ohne Gefühlregung und geht weiter. Vielleicht liegt es an der Präsentation als Fast-Food-Fließbandware.

Sagen das ich super gelangweilt war und den Film hasse kann ich dennoch nicht, einen gewissen Unterhaltungswert hat er und hier und dort zündet ein Joke auch mal, aber wirklich nochmal ansehen würde ich ihn nicht, dafür ist er mir dann doch zu „blah“.

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Disney Sunday – Dinosaur

ava-1500Die Disney Sundays hatten wir ja bereits mal, allerdings “nur” zur nicht ganz halben Hundertschaft an 2D-Animationsfilmen, die im Meisterwerke-Kanon sind. Nun, davon wird es so schnell keine neuen mehr geben, dafür ist auch CG-Animation viel zu beliebt. Die „List of Disney theatrical animated features“ auf Wikipedia gibt mir aber weiteren Stoff, den ich sehen kann, nämlich eben deren CG-Filme, die nicht von Pixar sind. Da wären die direkt vom Walt Disney Animation Studio (Tangled hatten wir bereits), als auch zum Komplettieren die von ImageMovers Digital, weil warum auch nicht. Folgt mir also über die nächsten Wochen in die Disney-Filme, die keiner leiden kann.

Den Anfang macht das 2000er Dinosaur, der Film der sich als so ganz anders herausstellte, als Leute reingehend erwartet hätten. Er startet mit tollen CG-Dinosauriern (für die Zeit, 14 Jahre später beeindruckt der Film auch nicht mehr sonderlich), vor hübscher Kulisse, rasant animiert, mit epischer Musik unterlegt. Und dann fangen die Viecher an zu reden. Und werden auch nie wieder aufhören. Tatsächlich ruiniert das den Film schon alleine ziemlich, denn die tierischen Akteure sind alle irgendwo zwischen langweilig und nervig. Aber gehen wir mal langsam vor, worum geht es überhaupt?

Ein Saurier-Ei geht abhanden und macht sich auf die Reise zu einer Insel voller Primaten. Dort wird der kleine Tarzan großgezogen, bis das Allgestein auf die Erde fällt und die Welt in Scherben bricht. Little Foot und seine Primatenfreunde müssen sich also nun auf die Reise nach neuem Lebensraum begeben, treffen dabei auch auf einen Zug überlebender Saurier, die auf dem Weg ins gelobte Land sind. Nur hat deren Anführer so ganz abwegige Gedanken wie das der Stärkste überlebt, oder das sie in ihrer Situation keine Rücksicht auf die alten, schwachen Tiere nehmen können, statt bei Gefahren an allen Ecken lieber mal etwas häufiger zu rasten. Also muss dem doch auf dem Weg ins Grüne Tal noch eine kleine Lektion in Gutmenschentum gegeben werden.

Tatsächlich war ich die meiste Zeit des Filmes über entweder entnervt oder gelangweilt, was wirklich kein gutes Zeichen ist. Kinder- und gerade Disney-Filmen wird häufig auch zu Unrecht gern nachgesagt wirklich nur für dumme Kleinkinder gemacht zu sein, obwohl viele davon guten Unterhaltungswert für die ganze Familie bieten. Dinosaur gibt einem Erwachsenen aber tatsächlich gar nichts, was man einem Film primär fürs junge Publikum vielleicht noch nicht mal ganz ankreiden kann, wenn ich nicht Angst hätte, dass meine hypothetischen Kinder, die ich nie gewollt habe, nicht dran dümmer werden würden.

Wie gesagt das ganze Gequatsche an sich nervt alleine schon gewaltig. Bei so weitestgehend realistisch aussehenden Dinos wirkt das einfach ein ganzes Stück fehl am Platz, und gerade die Affen sind eh super nervig. Hier wäre es vielleicht besser gewesen, wenn Disney tatsächlich die Eier gehabt hätte, die Viecher stumm bleiben zu lassen, denn die dürftige Handlung voller Klischees und moralischen Zaunpfahlen benötigt wirklich eigentlich nur das bildliche, um bereits klar zu haben was los ist. Im Notfall halt hier oder dort eine Sprecherin kurz was einwerfen lassen, aber die Echsen ruhig bleiben lassen. Tatsächlich sind die wenigen guten Szenen im Film die Action-gespickten, in denen alle still bleiben und nur Animation und stimmungsvolle Musik für sich sprechen – sobald dann ziemlich bald wieder jemand zu sprechen anfängt, ist die Atmosphäre prompt ruiniert.

Auch war mir die Moralkeule hier viel zu penetrant. Alle Fleischfresser sind böse (und dumm-stumm), die Pflanzenfresser die guten Kumpels. Botschaften wie anderen zu helfen, das Gemeinwohl im Auge zu behalten, sich ein Köpfchen zu machen, mögen für Kinder alle ganz nett sein, wirken aber zum einen viel zu dick aufgetragen und zum anderen Situationsbedingt als die idiotisch falsche Wahl. Wenn’s um den Überlebenskampf geht, muss man halt auch harte Entscheidungen treffen können, was keinen zum so eindimensionalen Bösewicht machen sollte, wie der hiesige Antagonist. Auch hier wäre es ganz schön gewesen, wenn Disney etwas mehr Vertrauen ins Publikum gemacht hätte, und die ganze Situation wesentlich nuancierter angegangen wäre.

Mein Rat also: Finger weg von Disney’s Dinosaur, dann lieber In einem Land vor unserer Zeit schauen. Fast identische Handlung, ebenfalls sprechende Knuffel-Saurier, aber der Film ist wenigstens gut.

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Prince Caspian and the Dawn Treader

ava-1318Packen wir doch die nächsten zwei Storylines mal zusammen, so wie es die BBC-Serie damals getan hat. Damit kommen wir auch schon zum vorzeitigen Ende der Filmreihe. Nicht, weil die ob fehlender Qualität keine Kohle gemacht hätten, sondern weil die Verfilmungsrechte dummerweise ausgelaufen waren und man sich nicht so recht einigen konnte bei den Verlängerungsverhandlungen.

Die vier Kids werden also wieder nach Narnia gewünscht, nur sind hunderte von Jahren vergangen, die Narnianer sind Exil-Terroristen, die gegen die Spanier kämpfen müssen, die ihr Land übernommen haben. Dazu kommt noch der wahre Königsnachfolger Caspian, dessen Onkel ihn umbringen wollte, damit sein Neugeborener auf dem Thron sitzen darf. Also wird gekämpft. Für Narnia! Der Deus-Ex-Machina-Löwe hilft natürlich auch.

Auch Prince Caspian hält sich weitestgehend ans gleichnamige Buch, erfindet diesmal allerdings doch ein paar neue Dinge. So gibt es ein kurzes, halbminütiges Wiedersehen mit der White Witch. Keine Ahnung, warum. Damit die Einzelstorys mehr Zusammenhang haben? So wirklich was tun tut sie ja nicht. Außerdem hat man eine neue Actionszene erfunden und die Charaktere sich untereinander mehr reiben lassen. Denn wie bereits erwähnt geben die Narnia-Bücher nicht sonderlich viel Content für ein 150-Minuten-Epos her. Das ist auch im etwas Actionreicheren zweiten Buch nicht anders. Von daher ist es nachvollziehbar, dass man sich mit dem Duell und der großen Schlacht gegen Ende nicht zufrieden gibt, sondern zur Filmmitte hin auch schon mal ein Scharmützel herbei erfindet, damit die Kinobesucher einem im dunklen Saal nicht wegdämmern. Umso seltsamer, dass ich Caspian noch langweiliger fand, als den Erstling schon. Und trotz der neuen Kampfszene ist es einfach so, dass erneut die Musik das einzige Indiz dafür ist, dass das Geschehen episch sein soll, denn so wirklich zünden will es nicht.

Ich bin auch weiterhin überrascht, wie es ein Film mit einem Budget von 225 Millionen schafft, stellenweise so billig auszusehen. Die Optik, das fehlende Geschehen, manchmal seltsamer Schnitt und Kameraführung… Narnia 2 macht erneut einfach keinen so sonderlich professionellen Eindruck. Oder eher, es wirkt so dahingeschludert. Als hätte keiner der Beteiligten wirklich Lust gehabt, diesen Film zu machen und möglichst schnell auf Zelluloid gebannt, um fertig zu werden.

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Überraschend macht dann The Voyage of the Dawn Treader, immerhin auch das zweitbeste Buch der Reihe, so einiges besser, als die beiden Vorgänger. Zufall oder nicht, ist es auch der erste Film, den Walden Media nicht in Zusammenarbeit mit Disney produzierte, die ihn auf Grund von nicht zu besten Box Office Performances von Prince Caspian haben fallen lassen, wo er von 20th Century Fox aufgegabelt wurde. Auch ist es der erste Film, bei dem Andrew Adamson keine Regie führte (seinen Platz nimmt nun Michael Apted ein, dem ich in den 007 Sundays wieder begegnen werde). Woran es auch immer lag, andere Regie, andere Schirmherrschaft, besseres Buch, der dritte und bis auf Weiteres wegen Rechteproblemen letzte Narnia-Film ist der bisher beste.

Das liegt schon alleine an der Reise an sich. Lucy, ihr jüngerer Bruder und ihr Cousin, der diesmal die Rolle des Arschoch-Kindes, den Narnia „heilen“ muss, übernimmt, werden also erneut ins Fantasykönigreich gezogen, nur diesmal platzen sie gleich mitten in eine Geschichte hinein, auf die Dawn Treader, die sich gen östliche Meere auf den Weg macht, um den Verbleib ehemaliger Königsvasallen ausfindig zu machen. Das bringt den Film gleich von Anfang an auf einen besseren Fuß, als die beiden Vorgänger, bei denen es wesentlich länger dauerte, bis das Geschehen ins Rollen kam – hier rollt es schon bei der Ankunft der Kids. Der Exkurs in mehrere Etappen, von einer Sklavenhändlerinsel über Drachen und hin zu einer Seeschlange bis ans Ende der Welt, bietet natürlich auch mehr Kurzweil. Zumal jemand hier den Verstand hatte, den Film auf unter 2 Stunden zu halten, statt die vorige Überlänge von 150 Minuten beibehalten zu wollen.

Auch halten die Ereignisse sich nicht mehr so sklavisch an die des Buches, um sich besser dem Medium Film anzupassen. Zumindest meine vagen Erinnerungen ans Buch zum Vergleich genommen. Natürlich macht die White Witch ihren nötigen Cameo, obwohl sie nur in zwei Büchern ist, wollen die Filme sie wohl als Konstante im Hintergrund behalten. Lucy hat nun einen Subplot darüber, dass sie sich für hässlich befindet, was ich nicht aus dem Buch erinnere. Tja, wenn die Schauspielerin mal den Kopf nicht alle drei Filme über gesenkt hielte, so dass es so aussieht, als hätte sie keinen Hals, hätte sie das Problem vielleicht nicht. Dann wiederum sind ihre beiden älteren Geschwister Anna Popplewell und William Moseley und sie reist mit Ben Barnes, was ihren optischen Minderwertigkeitskomplex durchaus verständlich macht. Der seltsame Exkurs über das Meervolk, der kein wirklich solcher ist, wurde gleich rausgelassen.

Einfach insgesamt ist es so, dass der Film wesentlich mehr eins auf Fantasy-Abenteuerreise macht, was es ja auch ist, als zu versuchen, High Epic Fantasy nach Herrn der Ringe zu sein. Man hat also entweder endlich freiwillig aufgegeben, etwas zu sein zu wollen, was Narnia einfach nicht her gibt, oder das Material an sich hält dies zurück. Jedenfalls ist The Voyage of the Dawn Treader das kurzweiligste und unterhaltsamste der drei filmischen Abenteuer und mehr Repicheep ist eh immer gut. Ein Must See ist es immer noch nicht, die Narnia-Filme sind alle schrecklich uninspiriert, aber immerhin ist dieser nicht mehr so langweilig, wie die Vorgänger.

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The Lion, the Witch and the Wardrobe

ava-1314Die Narnia-Chroniken sind, zumindest in Großbritannien, absolute Klassiker, die dort fast jeder als Kind gelesen hat. Da ist es natürlich auch nicht wirklich verwunderlich, wenn sie filmisch umgesetzt werden. Im Falle des ersten Buches, The Lion, the Witch and the Wardrobe, sogar drei Mal fürs TV, bevor der Erfolg vom Herrn der Ringe und Harry Potter dazu führten, dass jede(s) Buch(-Reihe), die halbwegs in Epic Fantasy eingestuft werden kann, in opulentes Kino gefasst gehört.

Der Film beginnt mit Nazi-Bombenangriffen über London… was definitiv neu ist und eventuell noch mal nachschauen lässt, ob man wirklich den richtigen Film eingelegt hat. Damit wird uns hier natürlich nur der Grund gezeigt, warum die Kinder zu den Verwandten aufs sichere Land geschickt werden, und ist eine beim Schopf gepackte Gelegenheit, dem Material eine Action-Szene mehr abzugewinnen. Denn die Narnia-Bücher sind alles, aber sicherlich nicht sonderlich episch oder komplex, vom Finale mit seinem Jüngsten Gericht mal abgesehen. Die Bücher sind nun mal unter 200 Seiten und mehr „Baby’s First Fantasy Novel“, wogegen es ja nichts einzuwenden gibt, wodurch Narnia aber eben kein Herr der Ringe, sondern eher mehrmals der Hobbit ist.

Wie macht man daraus 2 Stunden und dann noch mal eine halbe? Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, denn anschließend hält sich der Film von einem Satz mehr hier oder dort von den Ereignissen her sehr nahe am Buch und weicht nicht wirklich ab oder erfindet sonderlich viel neu, um den Stoff zu hinterfüttern, kurze Anspielungen auf A Magician’s Nephew abgesehen (welcher vor The Lion, the Witch and the Wardrobe spielt aber später geschrieben wurde, weswegen es im Buch eben noch keine Hinweise auf die früheren Ereignisse gibt). Die vier Kinder sind halt nun auf dem Lande, können sich gewohnt nicht ausstehen, stolpern durch den Wandschrank nach Narnia, die Schneekönigin verführt einen der Jungen, die anderen drei Kinder treffen den Nikolaus, der ihnen Waffen schenkt, dann auf dem Serien Deus Ex Machina (im wahrsten Sinne des Wortes, ist er doch Gott) Arslan, der sich für unsere Sünden opfert und wiederaufersteht, und dann die finale Schlacht gegen die Hexe gewinnt.

Das ist tatsächlich nicht wahnsinnig viel Material und wie gesagt auch im Groben nicht so spektakulär oder episch. Der Film ist dann entsprechend mindestens eine halbe, vielleicht sogar eine ganze, Stunde zu lang geraten und daraus resultierend, wenn auch getreu dem Buch und im Schnitt ganz schaubar, doch auch Stellenweise langweilig. Es bleibt ein eher lauwarmes Resultat. Vielleicht hätte man doch hier und dort mal den „Epify“-Knopf drücken sollen, was im Vorhinein befürchtet wurde. Denn der Film will uns weismachen, dass alles super episch ist, auch wenn das auf dem Schirm gesehene das nicht beweist. Schon etwas seltsam, wenn Peter ganz pompös den Titel „Wolfbane“ verliehen bekommt, nachdem er gerade mal einen einzigen Wolf abgestochen hat, der ihm auch netterweise direkt aufs Schwert sprang. Lediglich aus der Schlacht gegen Ende, versucht der Film dann mal was rauszuholen, in dem er die doch groß aufzieht und eine halbe Stunde andauern lässt. Aber auch hier stinkt das Scharmützel ordentlich gegen alles ab, was wir eben im Herrn der Ringe zu sehen bekommen haben.

Die Special Effects sind übrigens auch ständig am Schwanken zwischen gut und katastrophal und es tut mir ja echt leid, aber Arslan find ich nur unfreiwillig komisch im Film, wie die meisten sprechenden Tiere, um genau zu sein. Mr. Tumnus allerdings ist so was von knuffig. James McAvoy gibt definitiv das nuancierteste Schauspiel des Filmes, was sicherlich nicht schwer ist, zwischen CG-Tierchen, ständig weitäugigen Kindern und einer permanent mürrischen Hexe.

Es ist halt so, aus dem Hobbit lässt sich kein Herr der Ringe machen, Narnia lässt sich als überlange Epic Fantasy nicht aufziehen, vor allem, wenn man keinen Versuch unternimmt, es eben wirklich epischer zu inszenieren.

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Musical Weekend – High School Musical

ava-1283Ja, es gibt ein Musical-Wochende. Ich mag Musicals, schaue aber nicht häufig welche. Wenn das Sinn macht. Nun ist’s natürlich super einfach, direkt irgendwelche beliebte Classics wie The Rocky Horror Picture Show oder Chicago zu schauen, und zuzustimmen, wie toll die wohl sind. Nein, wir machen was anderes. Ich mache was anderes. Royal We schauen Musicals, die eine eher schlechte Reputation haben. Nur das schlimmste vom Schlimmen zu schauen wäre aber auch irgendwie komisch. Also schauen Royal We Musicals mit eher schlechter Reputation, die dennoch massig Fans haben. Die Twilights der Musicals, wenn man so will. Den Worst Offender, der bei genauerer Betrachtung so schlimm gar nicht war, hab ich dabei schon vor einiger Zeit ausgeknockt: High School Muscial. Das bedeutet aber nicht, dass ich ihn nicht dennoch sehen kann, in High School Muscial: China!

Denn nicht nur amerikanische Jugend ist hip, oberflächlich und Sorgenfrei. Nein, China auf dem Weg zur Weltmacht und mit dem gesetzlich bedingten Einzelkind hat eine ganze Generation an verwöhnter, oberflächlicher Jugend hervorgebracht, die in den modernen Glitzerstädten wohnen, während abseits in der 7-Tage-Woche sich die weniger vom Glück gesegneten tot schuften, damit ihre Mogul-Eltern all das Geld verdienen, dass ihre Einzelkinder so rauswerfen. First World Problems sind in China angekommen, und von dem Kuchen will Disney natürlich auch was und somit gibt es eine ganz offizielle, vom Mutterkonzern abgesegnete, nicht raubkopierte, Version des High School Musicals, nur mit niedlicheren Asiaten in den Rollen.

Ich liebe ja die Leute, die behaupten ostasiatisches Kino zu schauen, weil sie den Hollywood-Mainstream leid sind. Dabei gibt es dort genauso viel überproduzierten, aussagelosen, Fließbandbrei, wie in Hollywood auch. Wenn es dafür einen stichhaltigen Beweis gibt, dann ist es die nicht leugnende Existenz von High School Musical: China.

Glamour, Glanzlicht, gutgelaunte Menschen. Disneys moralische Plattitüden passen erstaunlich gut zu chinesischer Regierungspropaganda. Sei gut in der Schule, sportlich aktiv, mache deine Eltern stolz und seih zahnpastalächelnd gut drauf bei all dem. Und sei natürlich ein moderner Konsummensch. Wir haben hier eine helle, lichtdurchflutete Schule, mit High-Tech vollgestopft, alles sauber, alles klinisch rein, stylische Farbtupfer hier und dort. Die Schüler sind alle jung, schlank, gutaussehend, immer gut drauf, immer 5 Sekunden von einem bedeutungslosem, super durchchoreographierten Sing-und-Tanz-Ausbruch entfernt. Jeder lernt gern, jeder hat Spaß am Sport, jeder singt und tanzt sich seine Seele aus dem Leib.

Wie üblich drehen sich die zahlreichen Songs dabei um herzlich wenig, weil diesen Teens nicht wirklich irgendwelche ernsthaften Probleme oder Charakterfehler gestattet sind. Die egomane Zicke, die die beliebte Neue an der Schule sabotiert, vielleicht mal ausgenommen (übrigens auch der einzige Charakter, der sich je übers Lernen beklagt), aber selbst die wird aufs Finale natürlich zum Gutmensch. Songs fallen in zwei Kategorien, was die Kernaussage angeht, a) Liebe ist toll oder b) die Zukunft gehört uns Overachievern. Warum, dies sagen uns die Lyrics nicht, teilweise machen die Wortaneinanderreihungen auch herzlich wenig Sinn, dass man fast auf Babelfish-Unteritel vermuten würde, wenn die Non-Song-Dialoge dafür nicht zu sinnig wären.

Anscheinend hat jedes High Shool Musical dann aber unter all der hübschen Oberflächlichkeit einen erstaunlich wachen Moment. Im ersten amerikanischen Film war dies, wenn die Mensa anfängt über die Dinge zu singen, die einen individuell machen, unerwartete Eigenschaften und Hobbies, die einen aus seiner Schubladen-Gruppe herausstechen lassen – aber auch, wie schnell andere Teenager deswegen einen verurteilen. So eine Einlage gibt es in High School Musical China natürlich nicht, wo alle Charaktere Stereotypen sind, die dennoch alle den gleichen Einheitsbrei propagieren. Ja, der Film fängt sogar mit einer kleinen Kaleidoskop-Sequenz an, die jeden Charakter und seine „Musikrichtung“ vorstellt, in einem kleinen Musicvideo-Raum, der uns direkt wissen lässt, wer hier das Comic Relief, Best Buddy, egoistical Bitch, Yes Sayer, Dreamy Male Lead, Perfect Female Lead ist. Klischees, von denen sie im Film nie abweichen werden. Nein, was mich etwas überrascht hatte ist, dass die weibliche Hauptrolle doch tatsächlich etwas unter dem Erfolgsdruck und dem Gefallen-Wollen ihren Eltern gegenüber zu leiden hat, die sie emotional regelrecht erpressen, dass sie gefälligst nicht zu singen oder mit Freunden auszugehen hat, sondern rund um die Uhr auf ihre Zukunft zuarbeiten solle, die sie ihr ermöglicht haben. Bei einem Film, der eben durchgängig solches Overachievertum propagiert, war es schon interessant, dass er auch ganz kurz mal die Kehrseite beleuchtet.

Nun aber mein dunkles Geständnis: Ich fand den Film erneut nicht so wahnsinnig schlimm, ja sogar besser als den ersten amerikanischen Eintrag. Aus einem Grund weitestgehend: Der hier hatte ein Budget. Da High School Musical so eine Bestselling-Franchise für Disney geworden ist, mag man sich kaum dran zurückerinnern, aber der erste Film war ein Wagnis, von dem niemand wusste, ob er wirklich Erfolg haben würde. Und eine ziemliche Low Budget TV-Produktion. Ja, auch High School Musical: China ist oberflächlich, substanzlos und klinisch rein, aber sieht dabei wenigstens auf Hochglanz poliert gut aus, wie 90 Minuten überproduziertes Asia-Pop-Musikvideo voller hübscher Menschen in stylischen Klamotten die vor durchinszenierter Kulisse super choreographiert tanzen, und dabei über wenig singen, was man aber ob der nicht verständlichen Sprache leichter ausblenden kann. Manchmal ist es nicht die schlimmste Sache der Welt, einfach zu entspannen und sich von oberflächlicher Farbparade beschallen zu lassen.

highschoolchina