Ghibli Sunday – Fireflies

Die letzten Glühwürmchen, der erste Ghibli, den ich gesehen habe, als er damals im deutschen Fernsehen lief – dank den Franzosen von Arte. Und auch der erste, der auf deutscher DVD erhältlich war – dank den Schweizern von Anime Virtual. Damit sich UFA an ein Release der Filme traute, musste ja erst Chihiro den Oscar gewinnen. Ich hatte damals keine Ahnung vom Film oder wer Studio Ghibli ist, aber es war ein Anime im TV und da hat man damals alles mitgenommen, was ging. Was für eine Überraschung, als er dann über den Bildschirm flimmerte…

Der Film macht uns keine falschen Hoffnungen, er beginnt direkt damit, dass der Junge Seita stirbt und seine Seele nun wieder mit seiner Schwester Setsuko vereint ist. Erst dann kommt der Rückblick, allerdings nicht gerade in eine beruhigendere Szene: Die beiden fliehen beim Bombenangriff der Amerikaner durch die abbrennenden Straßen der Stadt. Es ist der Zweite Weltkrieg und somit wird es nicht ihr letzter bleiben.

Die Mutter stirbt an Brandwunden, die Kinder werden bei der Tante aufgenommen. Jene ist zunächst noch nett, solange die beiden dank der Verbindung des Vaters zum Militär noch Rationen bekommen, an die die normale Bevölkerung normalerweise nicht ran kommt. Doch mit der Zeit lässt sie die beiden immer mehr merken, dass sie nur eine permanente Belastung für sie sind.

Also ziehen sie aus, in eine Höhle im nahen Berg, wo sie sich gern hin zurückgezogen haben. Dank dem Geld der Mutter lebt es sich zunächst noch gut, doch das hält nicht an. Sie werden hungrig und krank, Setsuko überlebt es nicht.

Die letzten Glühwürmchen ist der Film, bei dem viele zugeben, weinen zu müssen. Das ist ja freilich auch keine schwere Angelegenheit für ihn, immerhin zeigt er uns zwei leidende Kinder im zweiten Weltkrieg, die sterben. Die Atmosphäre ist bestechend bedrückend, vor allem in der ersten und finalen halben Stunde. Seitas Tod am Bahnhof, weggeworfen wie Müll, weil das zu häufig vorkommt; der erste Bombenangriff und der plötzliche Tod der Mutter, bei dem uns der Film den Anblick des durch die Verbände blutenden Brandopfers nicht erspart, weil der Film uns nämlich nichts erspart, schonungslos real ist; und dann gegen Ende natürlich die Szene nachdem die Glühwürmchen gestorben sind und das Ende von Setsuko. In der halben Stunde dazwischen gibt es ein paar kleine Inseln des Glücks, damit sich die Zuschauer nicht massenhaft in den Selbstmord stürzen, doch Die letzten Glühwürmchen verbreitet meist Grabesstimmung. Ein Film, den man einfach jederzeit einlegen kann und unterhalten wird wie ein Schloss im Himmel oder Totoro ist es also freilich nicht, hierfür muss man in der richtigen Stimmung sein.

Auch ich muss hier weinen, übrigens. Das tue ich normalerweise nicht häufig und bei Filmen schon mal noch weniger, weil ich immer die Grunddistanz dazu habe, immer im Hinterkopf behalte, dass hier ja nur Schauspieler so tun als ob. Ghiblis Glühwürmchen sind dann noch nicht mal Schauspieler, sondern alles nur gezeichnet, auf den ersten Blick also noch mehr Distanz bringend. Aber er schafft es, nicht mal 5 Minuten müssen dafür vergehen.

Dafür sind die Kinder einfach zu herzig und zu tragisch. Besonders die kleine Setsuko, so ein goldiges kleines Ding habe ich sonst nicht mehr in einem Anime gesehen, vielleicht Ringo in Casshern Sins mal ausgenommen. Wenn sie dann weint geht das ans Herz, wenn sie leidet bricht es. Und Seita, ewig mit dem Fehler und dem Vorwurf behaftet, dass sein falscher Stolz zur Eskalation der Situation beigetragen hat, weil er nicht zugeben wollte oder konnte, dass ihm alles über den Kopf wächst. Zeiten und Erziehung genommen nehm ich ihm das ab. Er liebt seine Schwester viel zu sehr, als das dies bewusst passiert wäre. Er ist ja auch noch ein halbes Kind. Die Bindung der beiden ist rührend, die Menschlichkeit dieser zwei gezeichneten Figuren bestechend.

Am Ende sitzt man dann da, die meisten vielleicht mit einem Taschentuch in der Hand, und ist um eine Erfahrung reicher. Und was für einer, einer die man nicht missen wollen würde, auch wenn man sich das bedrückende Kriegsdrama so schnell vielleicht dennoch nicht erneut ansehen kann.