The Maze Runner

ava-2113Eine weitere Trilogie an Jugendromanen durfte also ran, die in den letzten Jahren zu erfolgreichen Kinofilmen verwurstet wurde. Wahrscheinlich allerdings zu 4 davon, würde ich jetzt einfach mal so ins Blaue raten, weil sobald die ersten Teile den Erfolg zementiert haben, wird ja heutzutage das letzte Buch gesplittet, um ein Mal mehr an Kinokarten und spätere Heimkino-Auswertungen verdienen zu können. Oder auch nicht, Wikipedia sagt mir der Regisseur hat darauf bestanden, das finale Buch nicht zu splitten – dauert ja eh lang genug, jenen Film rauszubringen, mit seinem angedachten 2018er-Release drei Jahre nach dem zweiten Film.

Ist aber auch scheißegal, immerhin soll es um die Bücher gehen, oder genauer gesagt um das erste davon, weil mit dem Anfang zu beginnen bietet sich immer an, als da wäre Die Auserwählten im Labyrinth.

Unser Hauptakteur ist Thomas, der eines Tages in einer Metallbox erwacht, und dessen Erinnerungen etwas eigen sind. Er kennt seinen Namen noch. Er kennt auch die grundlegenden Dinge, wie die Welt funktioniert, wie man kommuniziert, was genau was ist. Aber keine Details, nämlich in was für einer Welt man lebt, nichts über seine Familie oder Leben vor dem Erwachen der Box.

Das tut keiner der halben Hundertschaft an Jungs, die ihn aus der Box auf die Lichtung holen. Jeden Monat gibt es einen Neuankömmling in der Box, warum weiß keiner. Leben tun sie auf der sicheren Lichtung, auf der ihnen ebenfalls durch die Metallbox regelmäßig die Lebensnotwendigkeiten zur Verfügung gestellt werden. Jene Lichtung bildet das Zentrum eines Labyrinths, dessen Wände sich regelmäßig verschieben, und aus dem in den 2 Jahren, seitdem die erste Gruppe hier abgesetzt wurde, kein Ausgang gefunden wurde.

Nur sobald Thomas auf die Lichtung kommt, wird natürlich plötzlich alles ganz anders. Das erste Mädchen folgt direkt am Tag darauf, mit der ominösen Nachricht, dass sie die Letzte ist. Es geschehen Dinge, die es so in den zwei Jahren noch nie gab. Und ein paar Jungs, die Fragmente ihrer Erinnerung nach einem Stich durch die Griewer-Monster, die im Labyrinth hausen, zurück haben, meinen Thomas käme ihnen eh bekannt vor.

Maze Runner ist also im Prinzip schon so ziemlich „Cube meets Lord of the Flies“. Aus Cube haben wir das Einsperren einer Gruppe in ein riesiges Puzzel, welches zu lösen das Hauptaugenmerk des ersten Teiles ausmacht, und dazu so gut wie keine Erklärungen wieso-weshalb-warum all dies hier geschieht. Nur das einem Maze Runner auf die letzten Kapitel, nachdem es relativ gemächlich anfing, doch ein paar Anhaltspunkte darauf gibt, in was für einer Welt dies hier spielt, welcher Katastrophe sie anheimfiel, und das dieses Experiment zumindest unter dem Vorwand der Rettung der Menschheit stattfindet, allerdings all dies noch ohne konkrete Details. Es bleibt also genug Geheimnis für die folgenden Bücher. Aus Lord of the Flies haben wir eben, dass es sich hierbei um eine in die Wildnis ausgesetzt Gruppe an Jungs handelt, die sich ihre eigene Gesellschaft und Ordnung aufbauen müssen, die ihre eigenen Regeln haben, und die natürlich gerade nachdem Thomas all dies durcheinander bringt, ordentlich Reibungspunkte haben, an denen die Gruppe auseinander zu fallen droht.

Ich fand das Buch im Grunde schon interessant und spannend. Lässt sich wie von Jugendromanen gewohnt natürlich erneut ziemlich einfach mal so schnell runter lesen. Es hat allerdings für mich auch ein paar Probleme. Zum einen nervt mich der Slang der Kids ungemein. Statt „Scheiße“ sagen sie „Klonk“, ein Idiot ist ein „Neppdepp“, und das ganze liest sich unglaublich forciert und jedes Mal stolpert man so ein wenig über einen Satz mit jenen Worten. Zumal es davon viel zu wenig gibt, um wirklich als Slang durchzugehen, die eine abgeschottete Gruppe unter sich entwickeln würde, und gleichzeitig kennen die Kids ja einen normalen Wortschatz und deren Bedeutung, weswegen sie auch gar nicht mit neuen Worten für Dinge ankommen müssten.

Etwas weniger oberflächlich sind hingegen die Probleme mit der internen Logik. Schon zu Beginn macht es wenig Sinn, dass Thomas so viele entscheidende Informationen von den anderen Jungs vorenthalten werden. Sagen wir dir Morgen. Wirst du schon merken. Warum? Ein neues Mitglied von Anfang an auf den Stand der sowieso nur wenigen bekannten Dinge und der Regeln eurer Kommune zu bringen scheint doch sehr wichtig. Aber natürlich ist es narrativ spannender, wenn alles mysteriös erscheint und Dinge erst nach und nach geklärt sind – müsste man sich aber vielleicht mal einen guten Grund für ausdenken, warum nichts von vornherein klar ist. Und sobald die paar wenigen Brocken gegen Ende hereinkommen, was hier wirklich hinter den Kulissen abgeht, wackelt das Gerüst ordentlich. Etwas lachhaft ist ja schon, dass alle hier eingesperrten Kids hochbegabt und super intelligent sein sollen. Davon merkt man das Buch über nicht wirklich was. Alles was der noch super-höher-begabter-intelligentere Thomas nämlich innerhalb von wenigen Tagen aufdeckt, ist nämlich keine hohe Kunst, auf die 50 hochbegabte Jungs innerhalb 2 Jahre nicht kommen könnten.

Das waren so meine „Höh?“-Momente, die sich halt hauptsächlich auf das Finale etwas gehäuft haben. Weil Maze Runner dann vielleicht doch nicht so schlau ist, wie es gerne wäre. Weil das interessant-mysteriöse Konzept vielleicht ohne Erklärungen besser dran ist, als mit denen, die es geben wird. Aber all das muss sich noch in den beiden folgenden Büchern bewahrheiten, denn wie gesagt, so wirklich mehr als vage Andeutungen gab es bisher hier eigentlich auch noch nicht. Die Serie kann also das leicht entglittene Ruder noch rumreißen. Der Großteil des ersten Buches ist immerhin trotzdem nicht unspannend, solange nicht zu angestrengt über dessen Logik nachgedacht wird.