GameBoy Obscurities: Demikids

ava-1880Ein SRPG auf dem monochromen Winz-Screen war vielleicht nicht der idealste Einfall, obwohl Super Robot Wars und Game Boy Wars liefen eigentlich, und mit Last Bible 3 lies dieser MegaTen-Zweig die Handhelds sowieso hinter sich. Irgendwem bei Atlus kam dann jedoch der Geistesblitz – Pokemon macht Nintendo genug Moneyz, um sich den afrikanischen Kontinent kaufen zu können, und man selbst hat schon seit Jahren eine RPG-Serie, bei der Monster rekrutiert werden. Geboren war das verniedlichte Spinoff für die Handhelds: Devil Children. Ganz Pokemon kamen mehrere Versionen und Generationen heraus, bevor die Serie wieder starb. An einem West-Release zweier GameBoy Advance Versionen, umbenannt zu Demikids: Light Book und Dark Book, wurde sich auch erfolglos versucht.

Könnte natürlich daher stammen, dass Demikids die schlechteste Ausgeburt der enormen MegaTen-Franchise ist, die mir bisher über die Wege gedaddelt ist. An dem Ding scheint so rein gar nichts wirklich kompetent gemacht zu sein.

Die Handlung ist irgendwo schizophren, denn zum einen versucht sie eben fieser und existenzieller zu sein, weil Megami Tensei ist das, aber gleichzeitig eben auch kiddy für die Pokemon-Zielgruppe zu bleiben. Da schreien sich die Kids im Prolog alle ganz begeistert entgegen, wie geil Dämonen und ihr beschwören ist, dann geht die Welt an Zeitrissen fast zugrunde, und schon sind Jin und Akira in ihrer jeweiligen Version entweder bei Lucifer oder in Valhalla, um etwas gegen die drohende Vernichtung der Welt zu unternehmen. Duologie aus Licht und Schatten wird angesprochen, ein Großteil des Casts stirbt über den Spielverlauf, Verrat, Dämonenbeschwörung, und Zeitreise werden dazugemixt. Aber alles in knappen Sätzen ziemlich lapidar durchgewinkt, so dass man selten wirklich den Überblick hat, warum man noch mal genau das dort tun will, wo man sich gerade auf den Weg hin befindet, oder warum man sich was kümmern sollte.

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Und die Grafik, ugh, ich habe selten so ein hässliches GBA-Spiel gesehen. Das ganze Ding ist so pixelig, und die Hintergründe sind ausgewaschen und teilweise grausig von ihrer Farbgebung her. Das schreckliche Charakterdesign, das man ständig in den Gesprächs-Closeups hat, dann noch oben drauf. Von den über 300 Dämonen, zum Großteil tatsächlich auch aus der Hauptserie entnommen, sind die verniedlichten Re-Designs auch teilweise ziemlich Hit and Miss.

Nicht, dass man sich wirklich lang an seinem eventuellen Liebling satt sehen könnte. Denn Demikids begeht ein ziemlich großes Verbrechen darin, dass hier Dämonen nicht leveln. Das war vor Nocturne zwar auch wirklich mehr als unüblich, aber dennoch, Another Bible hat beispielsweise bewiesen, dass es doch vorkommen konnte, wenn man es für nützlich ansah. Warum man bei einem Pokemon-Klon, wo die Bindung an das niedliche Getier doch eine gewisse Rolle spielt, es allerdings für angebracht hielt, eben nicht die Dämonen-leveln-nicht Regel auszuhebeln, bleibt mir wirklich schleierhaft. Das führt eben dazu, dass man ein Team eigentlich immer nur fürs aktuelle Gebiet dabei hat. In jedem neuen wird erst mal alles gefangen, was dort neu ist, anschließend fusioniert, und schon hat man wieder ganz andere Gesichter vor sich. Abgesehen vom Guardian Beast, welches einem ganz am Anfang aufs Auge gedrückt wird, welches auch immer im Kämpferteam sein muss, allerdings auch nur zu Storypunkten von selbst levelt.

Auch sind die Kämpfe unglaublich schlecht balanciert. So kann es schon mal vorkommen, dass in einem Zufallskampf ein einzelner schwacher Gegner dann wieder 4 schwere vor einem stehen. Mal ein Team echt einfach umzubringen ist, genau das gleiche im nächsten Encounter dann aber mit seinen stärksten Zaubern den Boden mit dem eigenen wischt. Level grinden ist eigentlich auch angesagt, um oben auf bleiben zu können. Nein, die Dämonen leveln nicht, aber Jin tut es und kann ja auch nur Dämonen um sein Charakterlevel herum im Team haben. Tatsächlich gibt es nur zwei Arten Demikids zu spielen, keine von beiden eine spaßige: Entweder legitim jeden Winkel durchsuchen, in der Hoffnung so durch die ganzen Zufallskämpfe auch immer gerade so das richtige Level zu haben, um auf dem Zahnfleisch mit dem möglichen Team durch das Spiel zu kommen, auch die nervige Art genannt; oder in jedem Gebiet erst mal Powerleveling zu betreiben und mit einem Team mehrere Level über der aktuellen Opposition alles zu überrennen, auch die langweilige Art genannt – einen spaßigen Mittelweg scheint es irgendwie nie zu geben.

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Selbst das Menü nervt. Ernsthaft, so ein umständliches hatte ich seit den Personas auf PlayStation nicht mehr. Es dauert ungefähr drei Untermenüs, bis man endlich den Status der Dämonen angezeigt bekommt, die aktuell im Team sind. Im Fusionscenter können auch nur jene gerade zusammengeworfen werden, die in der Kampfaufstellung sind, die in Reserve werden nicht angezeigt. Abgesehen davon kann ein Comp jegliche, der zweite aber nur „King“-Typen als Team verstauen, ich weiß aber bis heute nicht, wo genau ich sehe, welche das sind, abgesehen durch Trial and Error, ob der normale sie ablehnt oder nicht. Die Rektrutierungsgespräche sind übrigens auch recht zufällig. Nur eigene Dämonen können mit den Gegnern reden und bekommen zufällig zwei von vielleicht fünf oder sechs Gesprächsoptionen angeboten. Es liegt wohl an Typenkompatibilität, wann was funktioniert oder eben nicht, aber so wirklich einen Reim konnte ich mir nie draus machen.

Immerhin ist das Spiel schön kurz, nach gut 12 Stunden hatte ich die Ending Credits von Demikids Light erreicht. Wer allerdings wirklich die komplette Geschichte erfahren und vor allem alle Dämonen katalogisieren will, der muss natürlich auch noch Demikids Dark spielen, weil im Gegensatz zu den Pokemon-Editionen dann eben doch Jin und Akira zwei unterschiedliche Wege bestreiten, die erst aufs gleiche Ziel am Ende zusammenlaufen.

Die Popularität der Serie in Japan scheint jedoch ebenfalls relativ kurzlebig gewesen zu sein. Es gab zwischen 2000 und 2004 drei Doppel-/Trippel-Editionen und ein paar Spinoff-Spiele auf GameBoy Color und Advance, Manga, Anime und Trading Card Game, jedoch hat sich die Subserie in den letzten zehn Jahren nicht mehr gerührt.