Deadly Creatures

Auf meinem Weg durch meine Wii-Bibliothek bin ich nun auch zu Deadly Creatures gekommen. Ein Spiel, welches sich noch gar nicht allzu lang in meinem Backlog befindet. Vor zich Ewigkeiten, als ich den ganzen Tag depressiv zu Hause gehockt und Let’s Plays verschlungen habe, landete ich auch bei einem zu diesem Spiel. Ohne Vorwissen dazu geguckt, weil der Inhalt eh egal war, hauptsache Beschallung ist da. Und Deadly Creatures sah tatsächlich überraschend spaßig aus. Seither war es bei mir im Hinterkopf verankert. Erstanden habe ich es für wenige Euro allerdings erst vor zwei Jahren oder so, als eines der letzten Spiele, die ich meiner Wii-Sammlung spontan zugeführt habe.

Deadly Creatures spielt irgendwo in einem der US-Staaten, die voller Wüste und tödlicher Kreaturen sind, in denen ich als Durchschnitts-Alman mir gar nicht vorstellen könnte je leben zu wollen. Als Spieler schlüpfen wir nun in die acht Beine zweier jener krabbelnden Ungetüme: Kapitel-weise abwechselnd entweder eine Tarantel oder ein Skorpion. Die teilweise sogar in den gleichen Gebieten unterwegs sind und aufeinander treffen, aber doch wesentlich anders durch sie hindurch gehen.

Die Tarantel kann zum Beispiel an fast allen Wänden entlangkrabblen, während der Skorpion nur an jenen mit wenig Steillage laufen darf. Sobald sie die entsprechenden Upgrades a la Mega Man durch das Besiegen der richtigen Bosse errungen hat, ist es der Tarantel sogar möglich an Decken zu laufen und sich mit ihren Spinnefäden von einem Netz zum nächsten zu hangeln. Der Skorpion hingegen kann sich durch brüchige Wände und lose Erde graben.

Und so geht es nun durch die einzelnen Kapitel. An Kakteen vorbei, durch Autowracks hindurch. In Höhlensystemen, die von Echsen bewohnt werden. Hinauf in Wespennester. An allen möglichen kreuchenden und fleuchenden Tieren vorbei, die sich einem in den Weg stellen. Zum Großteil andere Insekten und Arachniden natürlich. Der wiederkehrende Antagonist im Hintergrund der Tarantel ist allerdings eine Klapperschlange und beim Skorpion gar ein Mensch, die im jeweiligen Finalkapitel besiegt gehören.

Besiegte Gegner hinterlassen übrigens Punkte, die automatisch neue Kampfmoves freischalten. So darf der Skorpion schon gerne mal ziemlich brutale Finisher auf geschwächte Gegner ausführen, bei dem die Insektensäfte nur so spritzen. Und die Tarantel umgeworfene Gegner bespringen und direkt vampirisch aussaugen. Allgemein fand ich übrigens das Spiel mit dem Skorpion etwas einfacher, da er blocken kann und auch seine Standardkombos stärker und länger sind als bei der Tarantel. Wobei die Gegner teils allerdings etwas unberechenbar sind und mal kaum angreifen und dann wieder ziemlich fies reagieren.

Wenig überraschend wird das natürlich über Motion Controls gesteuert. Glücklicherweise nicht die Standard-Attacken, die schon auf die normalen Buttons gelegt sind. Aber einige nützliche Moves wie der Spin, die Finisher und einige cinematischere Einlagen in den Bosskämpfen müssen gefuchtelt werden. Hier ist das Spiel immerhin so nett nicht sonderlich präzise Eingaben zu fordern, sondern einem reichlich Zeit zu lassen. Ich hatte über den normalen Spielverlauf jedenfalls kaum Probleme damit, auch wenn nicht alles beim ersten Versuch hingehauen hat. Nervig waren tatsächlich nur die finalen Kämpfe gegen die Klapperschlange und den Menschen, die ein QTE-Fest sind und es zu einfach ist zu sterben, sobald man mal daneben langt.

Was auf jeden Fall ganz cool war, war schon die Welt an sich. So teilweise ordinäre Dinge wie Kakteen und Felsbrocken oder liegengelassenen Müll aus der Mikroansicht eines Krabbeltieres zu sehen, hatte schon was an sich. Zumal die Fortbewegung an Wänden und Decken entlang da auch ganz kreative Perspektiven zulässt. Netterweise hat das Spiel auch die Möglichkeit, sich einen Pfeil in die Richtung des Zieles eines Stages einblenden zu lassen. Dadurch wird eben auch diese ganze vertikale Fortbewegung nur selten desorientierend. Leute mit Motion Sickness sollte sich allerdings darauf einstellen eventuell nicht viele Kapitel am Stück zu spielen, weil die ständige Kamerabewegung eben durch diese ständig sich ändernde Sichtweise der fast 360°-Forbewegung mancher Level sich jene zumindest bei mir nach einer Weile meldete. Also nicht extrem schlimm, aber ich würde keine 2 Stunden am Stück spielen. Das Spiel dauert eh nur circa 6 an.

Übirgens kann jedes Level nach Beendigung separat erneut gespielt werden. Auf jedem der drei vorhandenen Schwierigkeitsgrade. Beispielsweise wenn man verpasste von den wortwörtlich hunderten Maden-Collectibles einsammeln will, die dutzendfach in ihnen versteckt sind. Beziehungsweise teils auch einfach offen rumliegen. Die schalten übrigens zusätzliche Galerien frei, in denen sich teilweise wesentlich schönere Cover-Entführe als die finale Version finden lassen. Mein Favorit ist der ikonisierte Totenschädel, der Tarantel und Skorpion beinhaltet. Auch gibt es hier richtig geiles Concept Art, das sich als Poster und für Metal-Alben richtig geil machen würde und natürlich im rudimentären Wii-3D so nicht enstprechend wiedergegeben werden konnte.

Zuguterletzt möchte ich allerdings nicht verheimlichen, dass das Spiel manchmal etwas glitchy ist. Wie gesagt reagieren die Gegner manchmal gar nicht. Auch bewegen sie sich im Kampf stellenweise in Teile des Stages, die für die eigene Spielfigur out of bounds ist. Sprich man kann sie dort nicht attackieren, sie einen aber schon. Die Kamera hat sich ein paar mal an der Geometrie festgehängt statt mir zu folgen. Und ein oder zwei mal ist es beim Reinladen des nächsten Stage-Teiles geschehen, dass sich das Spiel aufgehängt hat, mit Softlock durch welches ich die ganze Wii neustarten musste. Überraschend fand ich nichts davon einen Dealbreaker, weil es sich recht einfach revidieren lässt beziehungsweise Speicherpunkte oft nur wenige Minuten voneinander entfernt sind.

Es fehlt dem Spiel also an Feinschliff. Dem ist definitiv so. Ich kann es nicht bestreiten. Ich würde warhscheinlich Deadly Creatures auch nie herausholen, wenn jemand ein total übersehenes Kleinod von einem Megaspiel wissen will. Aber wenn es um ganz interessante und spaßige übersehen Spiele geht? Doch, dann würde mir Deadly Creatures schon in den Kopf kommen. Denn ich fand es tatsächlich eine sehr nette kurze Reise mit einem coolen Konzept durch die mittelamerikanische Wüste. Und das als Arachnophobiker.