Ghibli Sunday – Howl’s Moving Castle

Die Filme von Hayao Miyazaki sind jene Ghiblis, die am kommerziell erfolgreichsten sind. Takahata ist da einfach der ewige Zweite des Studios und auch die wenigen anderer Regisseure haben nie die gleiche Zugkraft aufgebaut. Nach Prinzessin Mononoke wollte Miyazaki in Rente, kam dann aber um Chihiros Reise ins Zauberland zu machen wieder zurück, nur um danach gleich wieder in Rente zu gehen. Nach dem Das Königreich der Katzen auch nicht das neueste gefeierte Meisterwerk wurde und der für Das wandelnde Schloss auf dem Regiestuhl Platz nehmende Mamoru Hosoda (The Girl Who Leapt Through Time, Summer Wars) doch wieder absprang, beschloss Miyazaki erneut zurückzukehren und das Projekt zu übernehmen. Es wird interessant zu sehen, wie es dem Studio Ghibli eines Tages ergeht, wenn er sich mal dazu entschließt, wirklich Rentner zu bleiben, statt für jedes zweite Projekt wieder in die Arbeitswelt einzusteigen.

Sophie hat das Geschäft des verstorbenen Hutmacher-Vaters übernommen, wo das schüchterne Mädchen ohne großes Selbstwertgefühl in der Hinterkammer ihre Tage verbringt. Während des Wegs um ihre Schwester zu besuchen (den sie auch durch ausgestorbene Seitengassen tätigt), rennt sie in den berüchtigten Magier Hauru, der ihr aus einer Notlage hilft. Leider bringt das Sophie auf den Plan der Hexe aus dem Niemandsland, die Sophie mit einem Fluch belegt, welcher aus ihr eine alte Frau macht. Und wie der Zufall so will, rennt Sophie, als sie die Stadt verlässt, direkt in das wandelnde Schloss Haurus und kann sich dort einnisten.

Sie ist übrigens nicht die einzige, die mit einem Fluch belastet ist, wie sich herausstellt. Das Schloss wird von einem Feuerdämon angetrieben, der mit einem solchen an Hauru gebunden ist, welcher wiederum sein Herz verlor. Gleichzeitig geht übrigens ein Krieg vonstatten zwischen zwei benachbarten Nationen, die alle Hexen und Zauberer zur Vaterlandshilfe rekrutieren wollen.

Zunächst mal kurz zum Namen des Zauberers, für die, welche die Unstimmigkeit zwischen englischem Titel und deutscher Übersetzung bemerkt haben. Der Kerl heißt Howl. Nun ist es so, dass es zwar eine gefühlte Million japanischer Schriftzeichen gibt, jene aber sehr eingeschränkt sind, wenn es darum geht, ausländische Worte nachzuäffen (zumal für jene nur die Katakana Verwendung finden). Da sind unsere 26 lateinischen Buchstaben, die beliebig zusammengefügt werden können, wesentlich flexibler. Da wird dann in japanischer Umschrift eben das draus, was von der Aussprache her am besten passt. Und so ist ein Dragon Quest 1:1 rückübersetzt plötzlich Doragon Kuesuto oder Breath of Fire ein Buresu obu Faia, House ein Hausu usw. usf. Und dies ist der kleine Schnitzer, den sich die deutsche Fassung erlaubt, in dem sie den Namen nämlich hart zu dem übersetzt, was die japanischen Schriftzeichen sagen, nicht was über sie ausgedrückt werden soll. Und schon haben wir einen Hauru (oder Haoru, oder Hauro, je nachdem, welcher Sprecher ihn gerade sagt) statt eines Howl. Aber das nur mal so am Rande, wirklich stören tut’s nicht.

Das wandelnde Schloss ist ein sehr beschäftigter Film, häufig zu beschäftigt. Da geht es mir gegen Ende noch stärker wie in Nausicaä, er wirkt nach einem recht langsamen und sich Zeit nehmenden Aufbau plötzlich schrecklich überhastet und zusammengeschustert, als fehlten Dinge, häufig die genaueren Erklärungen dafür, warum jetzt passiert, was passiert, warum Charaktere tun, was sie tun. Es ist das schnelle Abhaken der verbliebenen Plotpunkte ohne die Zeit, sie richtig durcherklären oder zusammenfügen zu können.

Ich mein, was haben wir denn alles? Sophie ist belegt mit einem Fluch. Calcifer und Hauru sind es auch. Genauso ist die Vogelscheuche (was wir aber erst auf die finalen Minuten herausfinden, obwohl es einer der wichtigsten Punkte der Handlung sein müsste). Die Hexe aus dem Niemandsland mischt sich ein. Genauso die Hofhexe des Königs. Dann die Romanze zwischen Sophie und Hauru. Das Wachsen als Charakter der beiden. Und einen Krieg gibt es dann ja auch noch. Das sind so viele Handlungsstränge und viele davon kommen zu kurz, gerade der Krieg oder die Beweggründe, warum die beiden Hexen sich jetzt eigentlich noch mal genau in Haurus Kram mischen.

Wofür sich der Film lediglich genug Zeit nimmt sind Hauru und Sophie. Beide machen eine deutliche Wandlung durch, Hauru wird weniger feige (er hat ja kein Herz) und eingebildet, Sophie entwickelt ein Selbstbewusstsein (interessant auch, dass sie immer dann jünger, der Fluch also schwächer wird, wenn sie für sich und die ihrigen einsteht – wenn sie beim Schlafen zwangsläufig ganz sie selbst ist komplett von ihr genommen scheint -, was erneut im Film so direkt nie angesprochen wird). Auch ihre Romanze ist ein kompletter roter Faden im Film und wird ganz gut beendet, während die Erkenntnis, wie und wann Hauru und Calcifer ihren Pakt geschlossen haben oder was den Krieg beendet (was sowieso ein viel zu einfacher Weg aus dem Konflikt raus ist, wo es doch schon so viele Opfer gab), schnell abgehandelt werden. Das ist etwas schade, dass der Film, der zunächst so solide ist, gegen Ende zu bröckeln beginnt und droht auseinander zu fallen.

Überhaupt trägt Sophie weite Teile des Filmes, da sie ein einfach herziger und sympathischer Charakter ist. Auch die spätere Hexe aus dem Niemandsland oder der Hund sind absolut charmant. Die beste Szene im Film ist überhaupt das Wettkriechen der beiden alten Damen die lange Treppe zum Schloss hinauf. Auch wenn Sophie die Hexe aufgenommen hat und sich rührend um sie kümmert ist allerliebst. Das wandelnde Schloss strahlt also erstaunlicherweise am hellsten in den ruhigen und beschaulichen Szenen, in denen eigentlich gar nichts so recht passiert, statt in den teilweise fast deplatzierten Szenen, in denen der Vogelmensch-Hauru über flammenden Städten die Kriegsmaschinerie angreift. Da fühlt man sich plötzlich fast in einem anderen – falschen – Film gelandet.

Es scheint wohl zur Genüge durch: Das wandelnde Schloss ist bisher Miyazakis schwächster Film, da er einfach nicht rund zusammenkommen will, zu viele Baustellen hat, die er nicht richtig beendet bekommt. Doch auch der schwächste Film von Miyazaki hat immer noch was sehenswertes, dafür sind die Charaktere zu charmant, die richtig guten Szenen so richtig gut eben, die Magie der Welt ist da, gerade die erste der beiden Stunden eben noch wirklich rund.