Adventure Week #14: The Dark Eye

ava-1699Inscape ist eine Firma, die in den 90ern eine Hand voll Adventure Games produziert hat, keines davon allerdings einen wirklichen Bekanntheitsgrad erreichen konnte. Vielleicht auch, weil sie alle etwas arg speziell sind. The Dark Eye beispielsweise basiert auf Geschichten von Edgar Allan Poe, und kann kaum als Spiel bezeichnet werden.

Da sich Poes Kurzgeschichten eher kaum für ein längeres Spiel eignen, hat man sich nämlich stattdessen für eine Anthologie entschieden. Die Rahmenhandlung ist wohl neu, besteht aus dem Ich-perspektivischen Protagonisten, der seinen Onkel besuchen geht. Sein Bruder ist auch da und hält um die Hand der Cousine an. Die beiden sind tatsächlich verliebt, der Vater findet das aber nicht toll, und natürlich geht die Sache für niemanden gut aus, sondern endet in einem Twist und dem Verlust des Verstandes.

Geistige Gesundheit oder das langsame Entgleiten jener ist ja eine ziemliche Konstante bei Poe, und auch der Hauptprotagonist in The Dark Eye ist von Anfang an etwas schräg. Denn zwischendurch fantasiert er immer mal wieder, landet in einer leeren Schattenwelt des Hauses, von wo aus er in die drei Kurzgeschichten abrutscht, erneut natürlich in Ego-Perspektive „The Cask of Amontillado“, in der ein Edelmann beim Maskenball von seinem Freund eine Schmähung heimgezahlt bekommt; „Berenice“, die mit ihrem Cousin in einer unheimlichen Villa lebt, beide krank, aber sich ebenfalls der Ehe versprochen, bis sein seltsames Verhalten zunimmt; und das berühmte „The Tell-Tale Heart“, in dem jemand umgebracht und sein Herz unter den Bodendielen versteckt wird, in der Imagination des Mörders anklagend immer weiter pochend. Besonders ist hier, dass jede Geschichte doppelt gespielt wird, als Täter und als Opfer, auch wenn schnell ziemlich klar ist, in welchem Blickwinkel das Original geschrieben wurde, da es definitiv der interessantere ist. Zwei weitere Poe-Texte, „The Mask of the Red Death“ und „The Premature Buriel“ haben es ebenfalls ins Spiel gefunden, aber nicht als nachgespielte Ereignisse, sondern als vorgetragene Geschichten.

Das Ding ist nur das, es gibt keine Interaktion im Spiel. Oder zumindest keine von Bedeutung. Als Spieler muss per zeigen und klicken schon die Figur jeweils durch ihre Geschichte gesteuert werden, man hat allerdings keinerlei Eingriff auf die Geschehnisse. Die Handlung läuft immer gleich ab, es gibt keine Variabel, keine zu lösenden Aufgaben, einfach nur durch die Gegend klicken, bis die nächste Szene abgespielt wird. Selbst an der Rahmenhandlung kann nichts geändert werden, die ja nicht unter der Auflage der Genauigkeit zu einem Poe-Text steht, sondern erneut nur wild durch Haus gegangen und alle Hotspot geklickt werden, um eine neue Szene zu triggern, oder einen Übergang in eine der Nebenhandlungen. Das ist dann doch etwas dürftig, wenn man es genau betrachtet.

Als (nicht wirklich) interaktiven Film betrachtet kommt The Dark Eye dann wohl schon besser weg. Man kann sich natürlich fragen warum nicht die Geschichte gleich lesen, statt umständlich durch ein Adventure erzählt zu bekommen, aber immerhin ist die Optik recht speziell. Denn die Charaktere in The Dark Eye sind alles Puppen, die per Stop-Motion animiert sind, wenn sie denn animiert wurden statt per Jump Cuts sich durch die Szenerie zu „bewegen“, alle sehr stilisiert, häufig ohne Augen – die Atmosphäre ist nicht direkt unheimlich, aber eben beunruhigend, eben wie es zu Poe passt. Etwas schade ist da, dass die Hintergründe keinen passenden Look haben – Papp-Kulissen beispielsweise – sondern extrem hässliche 3D-Render sind. Und auch die Sprachausgabe nuschelt manchmal etwas zu sehr für gute Verständigkeit.

Wenn The Dark Eye also eines ist, dann ist das anders und speziell, was heutzutage, wo „CoD-Zocker“ die höchste Beleidigung darstellt, da Mainstream die Wurzel alles Bösen auf der Welt ist, sowieso die höchste Auszeichnung für ein Spiel ist. Nur ist es halt so, dass man die genau gleiche Erfahrung wie das selber Spielen auch durch einen schnellen Blick in Youtube-Aufnahmen des Spieles machen kann – ohne sich damit rum zu ärgern, dass es auf modernen Systemen nicht läuft (DosBox mit Win3.1, oder Win98/XP direkt emulieren bzw. noch auf dem PC habend, wird benötigt). Ist sowieso maximal 2 Stunden lang.