Detective Conan: Crimson Love Letter

Das Cineplex hier macht ein Mal im Monat eine Anime-Nacht, in der für nur eine einzelne Vorstellung ein Film läuft, meist um dessen aktuelle Lizenzierung nach Deutschland zu bewerben. Im April lief beispielsweise Genocidal Organ und diesen Monat läuft Fairy Tail: Dragon Cry. Ende Mai war hingegen ein super aktuelles Ereignis angestanden, denn es wurde der 21. Detective Conan Kinofilm, Crimson Love Letter, gezeigt, der gerade mal im Vormonat in die japanischen Kinos kam. Das kann man sich doch mal antun, nicht?

Wobei ich schon überrascht war, wie viel Werbung es vorher gab. Ich dachte da kommt kaum was, weil es eben nicht viele Standard-Trailer gibt, die zum Thema passen. Aber tatsächlich wurden viele Trailer zu auf DVD erhältlichen Anime gezeigt. Wobei mir davon jeder einzelne eher den Anschein erweckte, als würde aktuell nur nervtötender Mist nach Deutschland lizenziert werden. Nicht eines davon sah sonderlich interessant aus, vielleicht von The Empire of Corpses mal abgesehen.

Aber wir waren ja auch für Detective Conan: Crimson Love Letter da, nicht für die Trailer oder als Kommentar zum aktuellen Stand der deutschen Anime-Szene, aus der ich seit 10+ Jahren raus bin. Ich muss dazu sagen, dass ich zwar die ersten mehrere Dutzend Folgen gesehen habe, als die Serie zum ersten Mal auf RTL2 ausgestrahlt wurde, jedoch seither keine der weiteren 900 angeschaut habe. Jedenfalls war ich doch etwas überrascht, wie sich der Film gestaltete, da ich Detective Conan doch etwas anders in Erinnerung hatte.

Aber dazu gleich mehr, worum geht es überhaupt in Crimson Love Letter? Um ein japanisches Kartenspiel, bei dem auf die Karten gewisse Gedichte geschrieben sind, und bei dem man auf die Sätze des Vorlesers agierend das richtige davon sich schnappen muss. So ein wenig Extrem-Memory sozusgen. Und genauer gesagt geht es um die Meisterschaften in jenem Spiel, bei dem die ganze Truppe eingeladen ist, weil ein Schulclub von ihnen dran teilnehmen darf. Nur kommt es prompt zu einem Todesfall und mehreren Bombenanschlägen, in die alle verwickelt werden, wodurch zusätzlich die Vergangenheit zweier rivalisierender Schulen dieses Kartenspieles aufgearbeitet werden muss.

Irgendwo währenddessen muss übrigens Kazuha einspringen und an jener Meisterschaft teilnehmen, während es zu einem Liebesdreieck zwischen ihr, Kindheitsfreund Heiji, und einer weiteren Teilnehmerin kommt, die meint er hätte ihr als Kind einen Heiratsantrag gemacht.

Weil Teen Drama ist ein Teil von Detective Conan? Daran kann ich mich ehrlich gesagt nicht erinnern. Wobei ich es schon nicht schlecht finde, dass das Augenmerk zumindest was Charaktere angeht, hier eben jene drei stärker in den Vordergrund rücken, statt dass sich alles immer um Conan/Shin’ichi und Ran etc. drehen muss.

Auch nicht erinnern konnte ich mich, dass die Serienanfänge so… blöd waren? Ich mein, ich wusste das Conan mit so leicht lächerlichen Gadgets wie den Turnschuhen, dem Fußball und Skateboard daher kommt, ist ja auch eine Kinderserie und die finden diese Erfindungen sicherlich auch geil. Nur was hier an Action teilweise aufgefahren wird, hat mich doch überrascht. Da gibt es Fluchten aus einstürzenden Hochhäusern, der Sprung von jenen Dächern in Flüsse, wahnwitzige Motorradmanöver, ein Action-Setpiece unglaubwürdiger als das andere.

Ich dachte zumindest immer, Detective Conan wäre relativ bodenständige Detektivarbeit gewesen. Aber in Crimson Love Letter gibt es eben doch eine überraschende Anzahl an aufgebauschter Action, aufgebauschten Liebesdrama, und die Auflösung des Falles führt auch durch ein extrem verwirrendes Durcheinander. Ich will gar nicht behaupten, dass der Film nicht gut ist, denn es wird durchaus nie langweilig und ist echt charmant bis rasant umgesetzt… ich hatte die Franchise nur halt nicht ganz so unterhaltend-blöd-unglaubwürdig in Erinnerung. Und immerhin: Wie ein glorifiziertes Special zur Serie kommt der Film nicht rüber, da hier schon alles größer und spektakulärer ist.